Wenig Katzen, dafür viel Tiefsinn
Katzen, die wir auf unserem Weg trafen"All diese Geschichten würden nicht weiterleben, dachte Aisha. Aber spielte das eine Rolle?
Hier, unter diesem Nachthimmel wanden sich all die Worte zu den Sternen empor, und die Sterne würden sie bewahren, ...
"All diese Geschichten würden nicht weiterleben, dachte Aisha. Aber spielte das eine Rolle?
Hier, unter diesem Nachthimmel wanden sich all die Worte zu den Sternen empor, und die Sterne würden sie bewahren, und die Sterne würden sie den Wellen erzählen, und die Wellen würden an Land spülen, sich zurückziehen und wiederkommen, auch wenn sie alle tot waren.
Und auch wenn das nichts bedeutete und diese Geschichten nicht fortlebten, so lebten sie doch jetzt.
Reichte das nicht? Es würde reichen müssen. Sie würden dafür sorgen, dass es reichte, wenn diese Geschichten jetzt lebten."
Der Jugendroman Katzen, die wir auf unserem Weg trafen beginnt mit einer ebenso schlichten wie erschütternden Ausgangslage. Die Welt wird enden. Ein Meteoroit wird die Erde treffen und alles Leben auslöschen.
Der Menschheit bleibt nur noch etwa ein Jahr.
Im Zentrum der Geschichte steht Aisha, die eigentlich gerade am Beginn eines neuen Lebensabschnitts steht. Nach ihren bestandenen Prüfungen träumt sie von Freiheit, Studium und neuen Erfahrungen.
Doch genau in diesem Moment wird ihr diese Zukunft genommen. Besonders eindrücklich ist die Szene, in der sie die Nachricht vom Weltuntergang erfährt.
Ein unbeschwerter, fast romantischer Augenblick, mit ihrem Freund, kippt abrupt ins Verderben.
Gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrem Freund Walter und dessen Eltern macht sie sich schließlich auf den Weg nach Kuching, dem Ort ihrer frühen Kindheit und zugleich dem Ort, an dem sie ihre verschwundene Schwester June vermuten.
Entgegen der Erwartungen entwickelt sich die Geschichte jedoch weniger als klassische Reiseerzählung, sondern verlagert ihren Fokus schnell auf das Ankommen. June wird vergleichsweise früh gefunden und der eigentliche Kern der Handlung liegt in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und dem bewussten Erleben der verbleibenden Zeit.
Aisha ist eine emotional vielschichtige Protagonistin. Sie schwankt zwischen Hoffnung und Resignation, zwischen dem Wunsch nach Nähe und dem Versuch, sich vor weiterem Schmerz zu schützen.
Ihre Angst vor Bindungen wirkt nachvollziehbar und macht sie greifbar. Walter hingegen bleibt über weite Strecken sehr konstant.
Er ist ruhig, unterstützend und optimistisch.
Das macht ihn zwar sympathisch, aber auch etwas eindimensional.
Am Ende zeigt sich jedoch auch, dass Walter mehr Tiefe besitzt, als zunächst den Anschein hat, da er mit seinen eigenen Gefühlen deutlich reflektierter und reifer umgeht, diese jedoch bewusst nicht nach außen trägt.
Thematisch konzentriert sich der Roman stark auf das Innenleben seiner Figuren. Der Weltuntergang bleibt eher Hintergrund als treibende Kraft der Handlung. Stattdessen geht es um Familie, Verlust, Versöhnung und die Frage, wie man mit begrenzter Zeit umgeht.
Eine besonders eindrückliche Ergänzung ist die Darstellung einer hypothetischen Zukunft, also eines Lebens, das Aisha hätte führen können, das ihr jedoch verwehrt bleibt.
Die zentrale Botschaft ist klar.
Im Hier und Jetzt leben, Bindungen zulassen und die gemeinsame Zeit wertschätzen, auch und gerade weil sie endlich ist.
Hoffnung zeigt sich hier weniger in der Möglichkeit zu überleben als im bewussten Miteinander.
Das Ende bleibt offen. Ob die Welt tatsächlich untergeht, wird nicht eindeutig beantwortet. Dennoch fühlt sich die Geschichte abgeschlossen an.
Die Familie ist vereint, Konflikte sind zumindest teilweise verarbeitet und Aisha hat eine spürbare Entwicklung durchlaufen.
Insgesamt ist der Roman ein ruhiges, nachdenkliches Jugendbuch, das weniger durch Spannung als durch seine emotionalen und thematischen Schwerpunkte überzeugt. Auch wenn ich es nicht unbedingt aktiv weiterempfehlen würde, hat es mir insgesamt gut gefallen, insbesondere wegen seiner Botschaften über das Leben, die Zeit und den Wert von Beziehungen.