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Veröffentlicht am 13.09.2020

Rache um jeden Preis und ein fehlbarer Hagedorn

Schrei nach Rache
1

Brutale Morde an verschiedenen, deutschen Flughäfen stellen die ermittelnden Beamten vor Rätsel. Weder wurden Spuren hinterlassen noch gibt es augenscheinlich ein Motiv, das zum Mörder führen würde. Die ...

Brutale Morde an verschiedenen, deutschen Flughäfen stellen die ermittelnden Beamten vor Rätsel. Weder wurden Spuren hinterlassen noch gibt es augenscheinlich ein Motiv, das zum Mörder führen würde. Die junge Kriminalbeamtin Nadine Adler leitet die Sonderkommission zur Aufklärung der Morde und hat keine Ahnung, wie sie dem Täter auf die Spur kommen kann. Ob es überhaupt einen Zusammenhang zwischen den Morden gibt, ist fraglich. Da kommt sie auf die Idee, den ehemaligen Fallanalytiker Falk Hagedorn zu Hilfe zu rufen. Dieser hat sich mittlerweile mit einer eigenen Praxis für besonders schwer traumatisierte Menschen selbstständig gemacht und sich geschworen nie wieder für die Polizei zu arbeiten. Letztlich lässt er sich von Nadine Adler überreden und macht sich an die Arbeit. Dabei ahnt er nicht, wie unheilvoll die Ermittlungen noch für ihn werden.

Das Buch beginnt schon schweißtreibend, denn Falk Hagedorn sitzt im Tower des Flughafens Stuttgart und versucht Kontakt zu einem Flieger aufzunehmen. Weder der Pilot noch die Crew reagieren auf Funksprüche.
Danach springt die Geschichte in der Zeit zurück und die brutalen, anscheinend wahllosen Morde an Flughäfen beginnen. Damit hat mich Matthias Bürgel sehr schnell in die Geschichte hineingezogen. Die Ermittlungsarbeiten sind wie schon im ersten Band „Dunkler Hass“ nachvollziehbar und fundiert beschrieben. Erneut konnte ich mich vom Fachwissen, kein Wunder der Autor ist Kriminalkommissar, überzeugen und vor allem die Charaktere – wie Hagedorn, Adler, Bannert und speziell die Frauen in diesem Buch – sind nicht eindimensional, sondern vielschichtig beschrieben. So wie es im Leben nun mal ist. Und auch ein Falk Hagedorn mit seiner jahrelangen Erfahrung kann sich bei der Fallanalyse und seiner Einschätzungen den Mörder betreffend täuschen. So menschlich und tragisch zugleich. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig und münden letztlich in einem glaubwürdigen Zusammenhang, der für alle Beteiligten weitreichende Folgen hat. In „Schrei nach Rache“ liegt das Augenmerk auf den menschlichen Abgründen, die zu Gewaltausbrüchen führen und dem Einblick in die Gedanken und Emotionen, der Protagonisten. Zum ersten Mal blitzt auch der weiche Kern von Hagedorn auf und auch er kämpft mit den Geistern der Vergangenheit.
Matthias Bürgel erschafft keine Helden mit wehendem Cape, die unverwundbar sind und sich stets ehrenhaft und übermäßig intelligent verhalten. Der Krimi wird dadurch nicht weniger spannend und auch wenn ich bald auf der richtigen Fährte war und nur auf den heftigen Knall wartete, hatte ich keine Ahnung, was den Protagonisten und mir noch bevorstand. Ich mochte das Buch nicht mehr zur Seite legen und habe die letzten 200 Seiten in einem atemlosen Sprint gelesen. Vor allem mit Hagedorn habe ich gelitten und gehofft bis zum Schluss, denn „Aufgeben kommt nicht in Frage“!

Mit diesem Ende habe ich absolut nicht gerechnet. Der Aufbau der Geschichte ist voll gelungen. Es beginnt und endet am Flughafen, was zum ganzen Setting passt, sind doch die hier grauenhafte Morde geschehen. Alle losen Fäden verknüpft der Autor am Schluss zu einem großen Ganzen. Es wurde ein hochspannender Showdown mit einem tragischen Ende. Ob sich Hagedorn von den Folgen jemals erholt? Schließlich möchte ich gerne einen weiteren Fall mit dem oft schlecht gelaunten und bärbeißigen (mürrischen) Psychologen und Fallanalytiker lesen. Auch über ein Wiedersehen mit Nadine Adler und Marius Bannert würde ich mich sehr freuen. Die junge Nadine stellt einen guten Gegenpol zu Falk dar und passt ganz gut ins "Team". Vor allem bietet sie ihm auch die Stirn und lässt sich von seiner knurrigen Art nicht unterkriegen. Marius Bannerts Auftritt war kurz und gelungen. Vielleicht taucht er im nächsten Fall wieder auf. Ich würde es mir wünschen.
Für diesen spannenden Krimi mit Thriller-Elementen muss ich einfach 5 Sterne vergeben und empfehle ihn gerne weiter.

  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 23.08.2020

Stürmische Zeiten für Sheridan und der Traum vom Singen

Zeiten des Sturms
0

Das Cover hat mich magisch angezogen. Der Gegensatz zwischen den dunklen, schwarz-grauen Wolken über der Farm steht im krassen Kontrast zum wogenden, leuchtenden gelb-orange der Felder im Vordergrund und ...

Das Cover hat mich magisch angezogen. Der Gegensatz zwischen den dunklen, schwarz-grauen Wolken über der Farm steht im krassen Kontrast zum wogenden, leuchtenden gelb-orange der Felder im Vordergrund und setzt sich auf der Rückseite fort. Besonders gelungen finde ich es im Hinblick auf die Geschichte, die sich auf dem Klappentext offenbart. Dies ist einer der Gründe, warum ich mich als Testleser für „Zeiten des Sturms“ von Nele Neuhaus beworben habe. Ein anderer Grund war die Neugier. Bisher kannte ich nur die Taunus-Krimis von Nele Neuhaus und die haben mir ausgesprochen gut gefallen. Die Frage war, würde sie mich in einem Roman auch überzeugen können. Die Antwort ist einfach: absolut!
Ich begann das Buch als Quereinsteigerin zu lesen, denn die beiden Vorgängerbände kenne ich nicht. Durch die gekonnt eingefügten Hintergrundinformationen zu Sheridan Grants Vergangenheit hatte ich keine Mühe, der Handlung zu folgen.
Nach vielen Jahren Abwesenheit und einer langen Reise zu sich selbst, kehrt Sheridan Grant auf die Willow Creek Farm ihres Vaters in Nebraska zurück. Sie stand kurz davor einen reichen Mann zu heiraten und ein bürgerliches Leben zu beginnen, als sie merkt, dass sich das total falsch anfühlt. Obwohl sie ihr „altes“ Leben hinter sich lassen wollte, freut sie sich darauf, geliebte Menschen wiederzusehen und wird sehr herzlich empfangen. Es scheint so, als wäre ihr niemand böse und als könne sie die Vergangenheit hinter sich lassen. Allerdings ist das nicht so einfach, denn einst wurde ihr Herz in Nebraska gebrochen und sehr unschöne Ereignisse mit ihrer Tante Rachel liegen ihr auf der Seele. Das tritt jedoch alles in den Hintergrund, als sie endlich anfängt für ihren lange gehegten Traum zu kämpfen. Sie will endlich ihr Gesangstalent unter Beweis stellen. Wäre da nur nicht ein dunkles Geheimnis, das ans Licht zu kommen droht.
Sheridan Grant wird unweigerlich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und das hat nichts mit dem Ort, an dem sie lebt zu tun. Es stellt sich definitiv die Frage: kann ein Neuanfang gelingen, wenn so viele Geheimisse auf ihrer Seele lasten und sie mit ihrer Vergangenheit nicht abgeschlossen hat? Ich konnte es mir nicht vorstellen, denn Ereignisse aus längst vergessenen Zeiten werden immer wieder an die Oberfläche gespült. Selbst wenn sie noch so gut im hintersten Winkel des Herzens und der Seele weggeschlossen werden, haben sie doch Einfluss auf die Gegenwart. Ob Sheridan es bewusst erlebte oder nicht, sie entkommt ihrer Geschichte nicht. Auch wenn mir die beiden Vorgängerbände fehlen, erfuhr ich im letzten Teil des Buches genug von dem Grauen, in das Sheridan hineingezogen wurde. Ihre Angst, von den geliebten Menschen zurückgestoßen zu werden, springt aus jeder Zeile, und so ist es wenig verwunderlich, dass sie sich nicht öffnen will. Letztlich wird sie sich entscheiden müssen, ob sie alles auf eine Karte setzt und ehrlich zu sich selbst und anderen gegenüber ist.
Dieses Buch übte einen Bann auf mich aus und ich fühlte mich regelrecht in die Seiten hineingezogen. Nele Neuhaus versteht sich auf die Beschreibung von Orten, das Kreieren von Stimmungen und Charakteren genauso gut wie auf die Erzeugung von Spannung. Dieses Buchs steht in punkto Schreibstil, Sprache und Spannung ihren Krimis in nichts nach. Ich bin absolut begeistert und habe mir sofort die beiden Vorgängerbände zu Sheridans Geschichte gekauft.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.08.2020

Familiendrama trifft Korruption auf der Urlaubsinsel Mallorca

Verschollen in Palma
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Viel mehr als ein Krimi - Kallentoft verwebt ein Familiendrama mit brutalen Übergriffen auf junge Frauen - emotional, hart, kompromisslos!

Tim Blanck, ehemalige Polizist und nun Privatdetektiv auf Mallorca ...

Viel mehr als ein Krimi - Kallentoft verwebt ein Familiendrama mit brutalen Übergriffen auf junge Frauen - emotional, hart, kompromisslos!

Tim Blanck, ehemalige Polizist und nun Privatdetektiv auf Mallorca hat sein gesamtes Leben in Schweden zurückgelassen – so auch seine Frau Rebecka, die als Ärztin arbeitet. Vor 3 Jahren verschwand ihre geliebte Tochter Emme bei einem Urlaub mit ihren beiden Freundinnen Julia und Sofia. Niemand scheint sie gesehen oder gar von ihr gehört zu haben – trotz hartnäckiger Nachforschungen ihres Vaters. Doch kann das sein? Ist sie wirklich verschwunden? Oder lebt sie noch? Irgendwo? Rebecka versucht mit dem Verlust so gut es geht umzugehen und sich damit abzufinden, dass Emme „fort“ ist. Sein ganzes Denken an Emme und das Streben, seine Tochter wieder in die Arme schließen zu können, hält Tim Blanck am Leben. Eines Tages bekommt er den Auftrag Natascha, die Frau des deutschen Millionärs Peter Kant, zu beschatten. Peter vermutet, dass sie eine Affäre hat. Tim heftet sich an die Fersen von Natascha und kommt dabei einem Kreis von Männern auf die Spur, die Verbindungen in alle Kreise der Gesellschaft zu haben scheinen und zudem unter dem Verdacht stehen, Orgien mit jungen Frauen zu feiern.

Unter Mallorcas Sonne flimmert nicht nur das Meer, die Pflanzenwelt, schöne Fincas und tummeln sich Touristen, auch Korruption und jede Menge zwielichtige Gestalten, die so einiges zu verbergen haben, gehören dazu. So manches Mal kann man fast vergessen, dass es sich um einen Krimi handelt, denn die Sprache ist immer wieder fast zärtlich, berührend, emotional, um dann umso gnadenloser von Tims Suche nach der Wahrheit und seiner Emme zu erzählen und den Leser auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Auffallend ist zudem, dass so mancher Satz erst auf der nächsten Seite bzw. im nächsten Abschnitt beendet wird. Dies schafft eine kluge Verbindung zwischen den beiden Eltern Tim und Rebecka. So unterschiedlich sie auch mit Emmes Verschwinden umgehen, so sehr verbindet sie ihre Tochter auch über die Jahre hinweg noch.

Die Rückblenden in Tims Vergangenheit, als Emme noch ein Teil davon war, sind berührend und zeigen seine große Liebe zu seiner vermissten Tochter. Auch seine Frau Rebecka erhält eine Stimme in diesem Krimi. Sie geht mit dem Verschwinden der gemeinsamen Tochter anders um und hofft doch, dass Tim Emme eines Tages findet. Selbst Emmes Gedanken bekommen einen Platz in der Geschichte um ihr Verschwinden, die verzweifelte, hartnäckige und nervenaufreibende Suche ihres Vaters und die Gefahren, die er dafür auf sich nimmt.
Emmes Verschwinden ist immer präsent und so wird aus einem Krimi auch ein tiefer Blick in die Seele von Tim Blanck, der die Hoffnung, sie zu finden, nie aufgibt. Die Handlung springt in der Zeit vor und zurück und wieder vor. Die Gegenwart verschwimmt immer wieder mit der Vergangenheit. Ich finde, das ist ein sehr gelungenes Stilmittel, um Verzweiflung, Hoffnung, Angst und Ausweglosigkeit widerzuspiegeln. Doch nie, niemals gibt Tim Blanck die Suche nach seiner Tochter Emme auf, auch wenn er dafür selbst in tödliche Gefahr gerät und die Strippenzieher in der mallorquinischen Gesellschaft vor nichts zurückschrecken.
Zitat: „Sie kennen einander. Alle hier sind miteinander verknüpft. Auf welche Art und Weise auch immer. Ein Körper, Hunderte von Köpfen, Die tausend Köpfe der Hydra.“

Seine Gedanken sind manchmal kurz, dann wieder wie in Trance oder im Traum festgehalten und man kann ihn fast schwer atmen hören. Seine Verzweiflung und Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Emme sind greifbar und haben sich auf mich übertragen. Somit wurde es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Anfangs schien es mir zu schwer, in den Lesefluss hineinzufinden, da die Zeitsprünge überraschend kamen und drohten, mich aus der Geschichte zu reißen. Doch gerade dieses Stilmittel finde ich sehr gelungen, um die Gefühle von Tim Blanck als liebenden Vater widerzuspiegeln. Ich fühlte mich mitten im Plot angekommen, litt und hoffte mit Tim – immer im Hinterkopf der Gedanke, dass all die Hoffnung umsonst sein könnte.
Mons Kallentoft hat einen ganz besonderen Kriminalroman und mit ihm den Charakter unnachgiebigen Tim Blanck geschaffen. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Angst und Mut, blinde Verzweiflung und alles überlagernde Liebe. Es gibt sie viele wunderbare Beschreibungen von ganz einfachen Begebenheiten, die mir im Gedächtnis bleiben werden. So beschreibt der Autor z.B. das Verhalten von abgefeuerten Kugeln: „Kugel zersplittern die Windschutzscheibe des Autos, hinter dem er Schutz gesucht hat, das Glas spritzt auf die Straße, die Scherben hüpfen wie eckige Glasmurmeln über den Asphalt, solche, wie er in der Sandkiste in die Löcher hat kullern lassen, als er noch ein Junge war.“ Ich kann mich nicht erinnern, jemals solche fast schon poetischen Beschreibungen in einem Krimi gelesen zu haben. Mich hat der Anfang dieser neuen Krimiserie total in seinen Bann gezogen und ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung und ein Wiedersehen mit Tim Blanck.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.08.2020

Abenteuerliche, fantastische und spannende Fortsetzung der Neraval-Sage

Das gefälschte Herz
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„Das gefälschte Siegel – Die Neraval-Sage Teil1“ von Maja Ilisch durfte ich bereits lesen und rezensieren. Da ich so begeistert von der fantastischen Geschichte über Prinz Tymur und seine Gefährten war, ...

„Das gefälschte Siegel – Die Neraval-Sage Teil1“ von Maja Ilisch durfte ich bereits lesen und rezensieren. Da ich so begeistert von der fantastischen Geschichte über Prinz Tymur und seine Gefährten war, freut ich mich besonders über die Fortsetzung. Zunächst möchte ich kurz auf das Cover eingehen. Es passt hervorragend zum ersten Band und ich fühlte mich sofort magisch angezogen. Erneut sind die Gefährten darauf zu sehen, wobei ein/r von ihnen fehlt. Es ist rundum schön gestaltet und lässt sogleich auf das Genre Fantasy schließen.

Der Prolog hat mich überrascht und begeistert: Damar bekommt eine Stimme und selbstverständlich auch Tymur, der mit dem Toten in Gedanken kommuniziert.
Der Tod an Ililiané steckt den Gefährten von Tymur noch ganz schön in den Knochen, denn nun scheint die Rückkehr des Dämonenfürsten unabwendbar zu sein. Als hätten sie nicht schon genug Probleme, hält gegenseitiges Misstrauen unter ihnen Einzug. Tymur wird immer unberechenbarer und die anderen wissen nie, was er im nächsten Moment plant. Ist er etwas bereits vom Dämon besessen? Durch ein von Enidin geschaffenes Portal gelangen sie in ein anderes Land. Dabei tötet Tymur auf der Flucht 2 Alfeyn und Lorcan muss gute Miene dazu machen. Wo sind Tymur, Lorcan, Kevron und Enidin wohl gelandet?

In diesem Teil der Neraval-Sage liegt das Augenmerk ganz klar auf Tymur und seiner möglichen Besessenheit. Sein Wesen nimmt immer mehr Kontur an und was da so zum Vorschein kommt, ist nicht sehr schön. Tymurs dunkle Seite zeigt sich immer mehr, er scheint ganz unterschiedliche Masken zu tragen, hinter denen er sich mal mehr mal weniger gut versteckt und es stellt sich immerzu die Frage, ob er nun vom Dämon besessen ist oder einfach nur unaussprechlich mies, grausam und manipulativ ist. Bei ihm kann man sich nie sicher sein, ob nun die Gefährten oder die/der Leser/in und er ist stets für Überraschungen gut.
Kevron dagegen bekommt in diesem Teil immer mehr Kontur und er zeigt sich als gewitzt, wie er z.B. Enidin dazu bringt, ein Portal zu öffnen, als sie bei den Alfeyn „eingesperrt“ sind. Natürlich ist er durch seine Alkoholabhängigkeit, seine Angst und Selbstzweifel in Gefahr, von Tymur manipuliert und verführt zu werden, auch wenn er sich gegen seine Sucht zu wehren versucht.
Lorcan ergeht es in diesem Teil der Sage ganz schön mies. Er ist verletzt und seine Liebe zu Tymur weicht großem Misstrauen.

Die Beschreibung und Gestaltung der unterschiedlichen Länder gefielen mir außerordentlich gut. Es macht die Geschichte sehr lebendig und ließ die Umgebung vor meinem inneren Auge entstehen. Die Autorin erschafft eine spannende, verwirrende und immer wieder überraschende Szenerie, indem sie als wahr Geglaubtes in Frage stellt und vor allem Tymurs Geschichte und Charakter immer wieder von einer anderen Seite beleuchtet. Es scheint nichts so zu sein, wie wir Leser/innen geglaubt hatten. Der Blick zurück in Tymurs Kindheit offenbart wieder ein neues Bild von ihm. Die unterschiedlichen Charaktere der Protagonisten nahmen immer mehr Gestalt an und vor allem Kevron hat mich beeindruckt. Im nüchternen Zustand zeigt sich seine Intelligenz und dass er sie auch zu nutzen weiß. Der Titel erklärt sich im Laufe des Lesens und könnte nicht passender sein. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen und das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen.

Mit dem fiesen Cliffhanger am Ende des Buches habe ich ja schon gerechnet, trotzdem war es nicht einfach, das Buch jetzt zur Seite zu legen und auf den nächsten Band zu warten. „Das gefälschte Herz“ hat mich sehr beeindruckt, denn mit den vielen Wendungen wurde ich in meiner fast nicht vorhandenen Theorie total überrumpelt und nun stehe ich mit noch mehr Fragezeichen da. Es hat riesigen Spaß gemacht, mich in die Geschichte zu versenken und die Wandlung der vier Gefährten mitzuerleben.

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Veröffentlicht am 12.08.2020

Wenn der Weg in die Freiheit zur Hölle wird

Die Hölle war der Preis
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Ausgerechnet in der DDR des Jahres 1973 träumen Gisa, genannt Peasy, und ihr Mann Ed von der Freiheit, nach ihren Vorstellungen zu leben. Ohne Einschränkungen, Vorschriften und gegenseitig Bespitzelungen ...

Ausgerechnet in der DDR des Jahres 1973 träumen Gisa, genannt Peasy, und ihr Mann Ed von der Freiheit, nach ihren Vorstellungen zu leben. Ohne Einschränkungen, Vorschriften und gegenseitig Bespitzelungen durch Nachbarn, Freunde und die Stasi möchten die beiden ihr Leben genießen. Gisa hat bereits die volle Härte der DDR Regierung zu spüren bekommen. Einst konnte sie ihren Traum der Primaballerina leben, doch dann wurde sie zur Schneiderin von Ballettschuhen „degradiert“, weil sie sich dem strengen Leben nicht unterordnen wollte. Auch ihr Mann Ed, der als Künstler tätig ist, fühlt sich zunehmend eingeengt und beide wollen nur noch weg, raus aus der Enge der DDR und hinein in die Freiheiten der BRD.
Ihr Wunsch nach Freiheit ist so groß, dass sie sich auf einen gewagten Fluchtplan einlassen, obwohl die Vorzeichen nicht gut stehen. Sie scheitern … und werden von der Stasi festgenommen und ins Gefängnis gesteckt. Damit beginnt für Gisa und Ed die Hölle und ihr Wunsch nach Freiheit rückt in weite Ferne. Nun geht es nur noch um das nackte Überleben unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Ich habe Gisas Geschichte als Hörbuch gewonnen.

Die Sprecherin Svenja Pages macht dieses erschütternde Zeugnis willkürlicher Staatsgewalt er- und durchlebbar. Sie nahm mich mit in die DDR und hinein in die Hölle, die das Frauengefängnis Hoheneck für Gisa und ihre Mitgefangenen war. Aus dem Wunsch nach Freiheit wurde zusehends ein Höllenritt und es war nie sicher, ob und wenn ja in welchem Zustand Gisa und auch ihr Mann Ed diese höllischen Jahre in einer menschenunwürdigen Umgebung überleben würden. Die Geschichte hat mich erschüttert und mich tief berührt, denn sie zeugt von Stärke, bedingungsloser Liebe, einem übermenschlichem Überlebenswille und dem Traum nach einem selbstbestimmten, freien Leben, der auch unter widrigsten, schlimmsten Umständen nicht an Macht verliert. Da dieser Roman zudem auf Tatsachen beruht, ging er mir noch mehr ans Herz und hat mir gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte offenbart, von dem ich als Kind der BRD nur sehr, sehr wenig wusste. Da waren nur vage Vorstellungen und auch im Geschichtsunterricht wurde das Schicksal von Republikflüchtlingen nicht thematisiert.
Die Stimme von Svenja Pages war angenehm zu hören. Zudem passten die unterschiedlichen Stimmlagen ganz gut. Gisa erschien mir wütend, unsicher, ängstlich und doch wild entschlossen. Ed dagegen kam mir wie ein ewiger Sonnenschein vor und trotzdem musste er sich ständig vor seinem Vater rechtfertigen. Unvorstellbar für mich sind die Zustände, das Leben und die ständige Angst vor Repressalien und Denunziation in der DDR. Als Kind des Westens und ohne irgendeinen Bezug zur DDR ist dieses Leben absolut fremd und bedrückend. Ich kann jedoch Gisas Verzweiflung gut nachempfinden, denn sie ist so eindrücklich beschrieben und von der Sprecherin hervorragend umgesetzt. Die unterschiedlichen Dialekte gefielen mir nicht so gut. Sie hörten sich total überzogen an.
Es sagt schon viel über eine Regierung aus, in der politische Häftlinge noch schlechter behandelt werden als Mörder! Ich kann gar nicht alle Szenen des Hörbuches aufzählen, in den mir ein Schauer über den Rücken lief und ich inständig hoffte, dass nicht nur Gisa und Ed sondern auch ich endlich „erlöst“ würden. So kurz nach Ende des 2. Weltkrieges sollte man meinen, dass die Menschen dazugelernt hätten. Doch weit gefehlt! Menschenrechte waren hier ein Fremdwort!

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