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Veröffentlicht am 15.09.2019

Die Krähe zwischen privaten Ermittlungen und Bandenkriegen

Brennende Narben
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Mit „Brennende Narben“ hat Leo Born den dritten Mara Billinsky Thriller vorgelegt. Obwohl ich die beiden Vorgängerbände nicht gelesen habe, war es kein Problem, mich in der Welt der „Krähe“ Mara Billinsky ...

Mit „Brennende Narben“ hat Leo Born den dritten Mara Billinsky Thriller vorgelegt. Obwohl ich die beiden Vorgängerbände nicht gelesen habe, war es kein Problem, mich in der Welt der „Krähe“ Mara Billinsky und ihrem Kollegen Jan Rosen zurecht zu finden. Den Spitznamen Krähe hat Mara zum einem ihren düsteren Erscheinungsbild zu verdanken, aber auch ihrer kühlen, mutigen Art. In „Brennende Narben“ taucht Mara ganz tief und selbstzerstörerisch in ihre Vergangenheit und den Tod ihrer Mutter ein. Dabei ist ihr kein Risiko zu groß, um die Umstände aufzuklären und damit ihr eigenes Trauma zu lösen. Sie war noch ein Kind, als sie ihre tote Mutter fand. Dabei verliert sie den aktuellen Fall fast schon aus den Augen. In Frankfurt droht ein Bandenkrieg zu eskalieren und der Drahtzieher, genannt „Der Wolf“, hält nicht nur die Polizei, sondern auch die Albaner auf Trab. Workan, der Mara telefonisch immer wieder Informationen zukommen lässt, scheint eine tragende Rolle dabei zu spielen. Zunächst finden die Ermittler eine tote Edelprostituierte, die Bisswunden aufweist und Rätsel aufgibt. Fast gleichzeitig fliegt ein Transporter in die Luft. Seine Fracht: junge Frauen für ein Bordell! Lassen sich hier Zusammenhänge finden? Und kommt Mara endlich dem Geheimnis ihrer Mutter auf die Spur? Und wer ist „Der Wolf“, der die Polizisten wie Marionetten für seine Zwecke tanzen lässt?

Von Anfang an hat mich dieser Thriller begeistert. Mir fiel es schwer, mich an die Leseabschnitte zu halten und wollte am Liebsten einfach weiterlesen. Mara Billinsky ist so gut beschrieben, dass ich sie mir lebhaft vorstellen konnte. Rosen an ihrer Seite gefiel mir als weicher Gegenpart zu Maras Härte besonders gut. Er schlug sich ganz wacker und setzt ungeahnte Kräfte frei. Es spricht für Maras Charakter, dass sie für ihn einsteht und seine Schwächen akzeptiert, ohne ihn damit aufzuziehen. Mit diesen beiden Charakteren hat der Autor ein unverwechselbares Ermittlergespan geschaffen, das sich treu bleibt. Trotz ihres düsteren Erscheinungsbildes und gefestigten Charakter, spürt man auch ihre Zerbrechlichkeit und ihre Trauer um die Mutter. Die Szenenwechsel sorgen für ordentlich Spannung und treiben das Lesetempo voran. Schon bald fand ich mich mitten im Geschehen und hoffte, dass Mara endlich Antworten auf ihre dringlichen Fragen findet. Ihre private Geschichte macht einen großen Teil des Thrillers aus, aber es überlagert nicht die Suche nach dem geheimnisvollen, gefährlichen und undurchschaubaren Wolf und dem unbekannten Informanten. Ständig ging mir die Frage durch den Kopf, ob Mara nicht zu weit geht und sogar ihr Leben auf dem Spiel steht. Auch wenn ich die beiden vorigen „Krähen“-Thriller nicht kenne, war deutlich zu merken, wie sich die Charaktere innerhalb des Buches entwickelten. Mit geschickten Wendungen führte mich der Autor immer wieder in die Irre – wenn auch ein paar meiner Überlegungen richtig waren, verlor der Thriller nie an Spannung und ließ mich nur so durch die Seiten fliegen. Für mich steht fest, dass ich auch die Bände 1 und 2 lesen werde. Einzig die häufigen Alleingänge von Mara kamen für mich nicht so realistisch rüber. Im deutschen Polizeiapparat dürfte das schwierig sein und Klimt hätte sie längst suspendieren müssen – zumal sie ein ums andere Mal weit übers Ziel hinausschießt. Meiner Begeisterung für den Thriller tut es jedoch keinen Abbruch, denn ich zähle es zur künstlerischen Freiheit des Autors.

Veröffentlicht am 16.08.2019

Der Jäger und seine Beute - ein grandioser Thriller!

Der Blütenjäger: Thriller
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Im 4. Thriller um die Ermittlerin Laura Kern macht ein Serienmörder Jagd auf junge Frauen, bis er sie erschießt und ein Foto und eine Blume neben der Leiche hinterlässt. Mit Hilfe der Psychologin Dr. Niemeyer ...

Im 4. Thriller um die Ermittlerin Laura Kern macht ein Serienmörder Jagd auf junge Frauen, bis er sie erschießt und ein Foto und eine Blume neben der Leiche hinterlässt. Mit Hilfe der Psychologin Dr. Niemeyer will Laura dem Täter auf die Spur kommen. Doch sowohl die Fotos als auch die Blumen geben Laura und ihrem Kollegen Max Rätsel auf, die nicht so leicht zu durchschauen sind. Auch im Fall des Blütenjägers hat es Laura Kern mit einem Täter zu tun, der seine Taten inszeniert und einen genauen Plan verfolgt. Neben den zeitraubenden Ermittlungen stellt sich Laura die Frage, ob sie Taylor vertrauen kann und ob er der richtige Mann für sie ist.
In geschickt eingeflochtenen Rückblenden kommt der Leser dem Mörder immer näher und hat einen minimalen Wissensvorsprung gegenüber Laura und Max. Doch das nützt nur wenig, denn die Autorin lässt sich immer wieder Wendungen einfallen, mit denen man nicht rechnet und es kommen nur häppchenweise Informationen ans Licht, die jedoch kein klares Bild ergeben. Ich habe während des Lesens ein paar Vermutungen bezüglich des Mörders angestellt und musste letztlich aufpassen, dass ich mich nicht völlig vergaloppiere. Vor meinen Verdächtigungen war bald niemand mehr sicher und doch kam es letztlich ganz anders.
Mich hat dieser Thriller nicht nur überzeugt, sondern restlos begeistert. Der Schreibstil der Autorin ist einfach grandios und hat mich von Anfang an gepackt. Die wechselnden Perspektiven zwischen Laura, Taylor und Max und die Rückblenden zu einem 8jährigen Jungen machen den Thriller nicht nur spannend, sondern erhöhen zudem das Lesetempo. Selbst Leser, die Laura Kern noch nicht kennen, werden keine Probleme haben, sich in diesem Thriller zurechtzufinden. Catherine Shepherd versteht es hervorragend, die Protagonisten und deren Seelenleben zu beschreiben – da ist man als Leser mittendrin. Wie schon bei „Der Flüstermann“ kann ich dieses Buch nur empfehlen.

Veröffentlicht am 13.08.2019

Ein zutiefst bewegender Roman

Wo die Freiheit wächst
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Es ist das Jahr 1942 und in Köln fallen Bomben. Mittendrin lebt Lene (Helene) Meister, ein junges Mädchen, das eine Friseurlehre begonnen hat. Sie hat eine beste Freundin, Rosemarie, Rosi genannt. Die ...

Es ist das Jahr 1942 und in Köln fallen Bomben. Mittendrin lebt Lene (Helene) Meister, ein junges Mädchen, das eine Friseurlehre begonnen hat. Sie hat eine beste Freundin, Rosemarie, Rosi genannt. Die beiden Mädchen schreiben sich Briefe, als Rosi aufgrund Lenes Leichtsinn in Bedrängnis gerät ist und aufs Land geschickt wird. Während immer wieder zig Bomben Köln zerstören und die Menschen in ständiger Angst leben, regt sich in Lene Widerstand. Sie mag nicht zum Bund deutscher Mädchen gehören und sich anpassen. Eines Tages trifft Lene auf Erich, der mit ein paar gleichgesinnten Jungs durch die Lande reist und „verbotene“ Lieder singt. Sie haben keine Lust, sich im Gleichmarsch mit der Hitlerjugend zu bewegen. Bald schon schließt sich Lene den s.g. Edelweißpiraten an und begibt sich damit in Gefahr. Wie sehr die Ideologie des NS-Regime sogar Familien spaltet, wird auch in Lenes Familie deutlich. Ihr älterer Bruder liegt im Schützengraben an der Ostfront vor Stalingrad und versucht, die Familie nicht zu beunruhigen. Dagegen hält Kalli, Lenes jüngerer Bruder an der NS-Ideologie fest, glaubt an den Drill und will unbedingt selbst in den Krieg ziehen. Ob er dafür sogar seine Familie verrät? Lene ist eine intelligente und starke junge Frau. Das wird mit jeder ihrer Zeilen deutlicher. Sie erfasst die Grausamkeit der Nazi-Herrschaft und die Sinnlosigkeit und den Irrsinn des Krieges. Zudem sorgt sie sich um ihre Geschwister und ihre Mutter, die leider selbst nicht allzu fähig ist, ihre Kinder zu schützen und die Familie zusammenzuhalten.
Die Ereignisse im Köln des Jahres 1942 aus sich der Jugendlichen zu „erleben“ hat eine ganz andere und noch viel schlimmere Dimension als die der Erwachsenen. Sie haben Träume, Wünsche und Hoffnungen auf ein Leben in Freiheit und müssen erkennen, dass sie jede Minute ihres Lebens und jedes noch so kleine Glück genießen müssen, denn die Zukunft sieht düster aus. So sollte kein Kind, kein Mensch aufwachsen bzw. leben müssen.
Selten passt ein Cover so hervorragend zum Inhalt eines Buches wie bei „Wo die Freiheit wächst“. Die Freiheit wächst zunächst im Kopf der Protagonisten und von da aus gelangt sie in die Briefe von Lene, Erich und Rosi. Aus Lenes alter Schreibmaschine wachsen die Edelweiße in den Himmel und streben gegen die Flieger der Tommys. Ein bisschen erinnert mich die Farb- und Covergestaltung an ein Schulbuch. Und genau das sollte es werden: Pflichtlektüre für Schülerinnen und Schüler, für die jene Zeit noch viel abstrakter ist als für uns Kriegsenkel. Denn dazu zähle ich (Jahrgang 1967) mich. Lesen gegen das Vergessen ist wichtiger denn je, wenn ich sehe, welche Wege die Politik teilweise einschlägt, wie viele Menschen auf der Flucht sind und wie Antisemitismus erneut erwächst und heftige Formen annimmt. Ich frage mich, warum über die Edelweißpiraten nicht mehr geschrieben wird.
Mir hat der Roman in Briefform sehr gut gefallen. Auf diese Weise werden die unterschiedlichen Lebenssituationen der Jugendlichen geschildert und man bekommt einen ersten Eindruck, wie sich Deutschland aus ihrer Sicht verändert hat. Durch den Briefwechsel zwischen Lene, Rosi, Franz, Erich und Kalli taucht der Leser ganz tief in die Psyche der Jugendlichen ein und lernt ihre Wünsche, Hoffnungen und Gedanken genau kennen. Zudem wird ganz deutlich, wie der Krieg und die Naziherrschaft die Menschen, vor allem auch die Jugendlichen, einengt, unterdrückt, manipuliert und verängstigt. Freiheit wird zum seltenen Gut und findet fast nur noch in den Köpfen Raum. Umso erstaunlicher ist es, zu lesen, wie viele Jugendliche sich aufgelehnt haben. Ganz klar steht in diesem Buch Lene Meister im Mittelpunkt. Sie beginnt sich ihre eigenen Gedanken zu machen und lässt sich trotz Warnung von ihrer Freundin Rosi und ihrem großen Bruder nicht davon abbringen, ihre Meinung in ihren Briefen zu offenbaren. Wie gefährlich das in jener Zeit war, muss wohl nicht erwähnt werden. Der Schreibstil passt sich der Zeit und den jungen Menschen an und geht unter die Haut. Stets habe ich mit Lene und ihren „Brieffreunden“ mitgelitten und gehofft, dass sie verschont bleiben. Es ist mir sehr nahe gegangen, dem Briefwechsel zu folgen und zu wissen, dass es zwar fiktive Personen sind, aber gut so hätte sein können. Die Fakten zur Zeit der Nazi-Herrschaft am Ende des Buches sind sehr hilfreich und interessant, ließen mich aber auch unglaublich traurig werden, wenn ich mir das Ausmaß der Schachzüge Hitlers und seiner Gegenspieler oder „Verbündeter“ vor Augen führte.
Ein zutiefst bewegender Roman, der lange nachwirkt, der mit seiner Briefform einen tiefen Einblick in das Leben von Jugendlichen während des Krieges und der Naziherrschaft gibt!

Veröffentlicht am 03.08.2019

Ein liebenswerter, ungewöhnlicher Kommissar im schönen Portugal

Weiße Fracht
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Vorab möchte ich anmerken, dass ich die beiden ersten Bände rund um den liebenswerten Hamburger Kommissar Leander Lost nicht gelesen habe. Was ich dringend nachzuholen gedenke. Der Einstieg in den dritten ...

Vorab möchte ich anmerken, dass ich die beiden ersten Bände rund um den liebenswerten Hamburger Kommissar Leander Lost nicht gelesen habe. Was ich dringend nachzuholen gedenke. Der Einstieg in den dritten Teil mit dem Titel „Lost in Fuseta – Weiße Fracht“ war ganz leicht und mir fehlten keine Vorkenntnisse.

Mit Leander Lost hat der Autor Gil Ribeiro (alias Holger Karsten Schmidt) einen bemerkenswerten Charakter und Kommissar erschaffen. Leander ist als Austauschpolizist in der kleinen Polizeistation Fuseta an der Portugiesischen Algarve gelandet. Den Hamburger Kollegen ist das ganz Recht, denn sie hatten so ihre Probleme mit seinen Eigenheiten. Durch sein Asperger Syndrom sind Leanders soziale Kompetenzen eingeschränkt, er ist unfähig zu lügen und erkennt Ironie nicht, so dass es hin und wieder zu lustigen Szenen kommt. Seine große Stärke liegt in seinem fotografischen Gedächtnis und darin, dass er keine noch so kleine Einzelheit vergisst. Mittlerweile hat sich Leander in Fuseta ganz gut eingelebt und wird von seinen Kollegen respektiert und geschätzt. Im Gegensatz zu seinem Team in Deutschland nehmen die Portugiesen den Alemao so wie er ist. Leider neigt sich das Austauschprogramm dem Ende zu und Leander wird von einem völlig ungeahnten und neuen Gefühl überrascht. Die Zuneigung von Soraia, der Schwester seiner Kollegin, lässt ihn über seine geplante Rückkehr nach Deutschland nachdenken – doch er weiß nicht, wie er sich richtig verhalten soll.
Als ein deutscher Auswanderer brutal ermordet aufgefunden wird, kommen Leander und seine Kollegen zum Einsatz. Am Tatort stellt sich heraus, dass in einem Auge des Toten eine Feder steckt, auf seiner Brust ein Petruskreuz und an der Decke eine rote 7 hinterlassen wurde. Wer macht so etwas und warum? Ein spanischer Kollege im Team sieht Ähnlichkeiten mit einer Mordserie und reist in sein Heimatland. Allerdings bringt ein Einbrecher, der am Tatort aufgegriffen wurde, Leander und seine Kollegen auf die Spur einer Drogensendung vor der Portugiesischen Küste. Schließlich stellt sich heraus, dass der Tote mit einem hochrangigen Polizisten in Deutschland verwandt war und Leander und seine Kollegen bekommen Verstärkung aus seiner Heimat.

Gil Ribeiros Portugal-Krimi entführt den Leser an die Portugiesische Küste und bringt ihm neben einer spannenden Handlung auch Land und Leute näher. Ganz deutlich ist seine Verbundenheit zu dieser schönen Region zu spüren und es kommt so etwas wie Urlaubsfeeling auf. Ganz nach dem Motto: „Da würde ich auch gerne Urlaub machen““ Der größte Anteil am Plot hat der autistische Polizist Leander Lost. Hier ist der Name schon recht bezeichnend, denn Leander muss sich zu Anfang seiner Austauschzeit mit dem fremden Land und den Menschen erstmal anfreunden, zumal er in einer kleinen Stadt landet, wo sich alle untereinander kennen. Seine sozialen Fähigkeiten sind recht eingeschränkt und machen ihn zunächst zu einem Außenseiter. Der Autor wird in seiner Geschichte nie abwertend gegenüber Leander, sondern beschreibt so manche ungewöhnliche Situation mit einem Augenzwinkern. Mir war der Kommissar von Anfang an sympathisch und ich konnte ihn mir gut vorstellen, wie er sich durch die menschlichen Unzulänglichkeiten und seine Gefühlswallungen laviert, ohne dabei den Fall aus den Augen zu verlieren. Auch die anderen Charaktere des Buches sind anschaulich und liebevoll gezeichnet. Der Krimi an sich wartet nicht gerade mit vielen Wendungen und Überraschungen auf, ist aber trotzdem spannend und sehr unterhaltsam. Für mich ist es ein gelungener und schöner Regionalkrimi, der mir einen Einblick in das Leben eines Mannes mit Asperger Syndrom gegeben und mich neugierig auf Portugal gemacht hat.

Veröffentlicht am 29.07.2019

Once we were brothers - Einst waren wir Brüder

Hannah und ihre Brüder
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Ben Solomon und Elliot Rosenzweig führen ganz unterschiedliche Leben: Ben Solomon ist ein einfacher Arbeiter und Elliot Rosenzweig ein angesehener, wohlhabender Bürger Chicagos. Warum bedroht Ben Elliot ...

Ben Solomon und Elliot Rosenzweig führen ganz unterschiedliche Leben: Ben Solomon ist ein einfacher Arbeiter und Elliot Rosenzweig ein angesehener, wohlhabender Bürger Chicagos. Warum bedroht Ben Elliot in der Öffentlichkeit mit einer Waffe und beschuldigt ihn, der ehemalige SS-Offizier Otto Piontek zu sein? Die Anwältin Catherine Lockhart und ihr Ermittler Liam Taggert sollen Ben helfen, die Wahrheit über Elliots Vergangenheit in Polen herauszufinden und ihn seiner angeblichen Taten zu überführen. Bei ihren Ermittlungen stoßen Catherine und Liam auf eine enge Verbindung zwischen Ben und Elliot, in der auch eine Frau namens Hannah eine Rolle spielt. Was geschah während der Nazi-Herrschaft mit den drei Freunden im kriegsgebeutelten Polen? Stimmen Bens Anschuldigungen oder verdächtigt er Elliot zu Unrecht?

Nachdem der Roman etwas schleppend begann und mich der nüchterne, wenig emotionale Schreibstil störte, hat sich dieser Eindruck im Laufe des Buches zum Glück geändert. Nervig war auch Catherine zu Anfang des Buches, da sie keine Lust hatte, Ben zuzuhören. Dagegen war Bens Geschichte, als sie endlich Fahrt aufnahm, nicht nur sehr spannend, sondern auch bewegend und berührend. Wie viele solche Schicksale gibt es wohl zu erzählen? Menschen, die die Nazi-Herrschaft und den Krieg mit all ihrer Wucht und Grausamkeit erlebt haben, werden bald von der Erde verschwunden sein. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, gegen das Vergessen zu schreiben und nicht müde zu werden, die Erinnerung aufrechtzuerhalten, damit solche Gräuel nicht wieder geschehen! Der englische Titel der Geschichte passt meiner Meinung nach besser zum Roman. So manchen Leser hat der deutsche Titel verwirrt. Doch das nur am Rande!
Der Autor Ronald H. Balson hat als weitgereister Rechtsanwalt einen großen Fundus an Informationen zu Polen während des Zweiten Weltkrieges gesammelt und das spürt man bei diesem bewegenden Roman ganz deutlich. Zudem kommt ihm sein juristisches Wissen bei den Schilderungen rund ums Gericht sehr zugute. Er schafft es zudem einen kontinuierlichen Spannungsbogen aufzubauen, der mich lange Zeit im Unklaren ließ, ob Bens Anschuldigungen nun gerechtfertigt sind oder ob sein Gedächtnis ihm einen Streich spielt. Ein sehr emotionales Buch, das mich sehr berührt hat und mich nachdenklich zurück lässt.