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Veröffentlicht am 04.10.2018

Eine wilde und bunte Weltreise mit Urwölfen

Schwarzmond
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„Schwarzmond“ ist die Fortsetzung von „Blut schreit nach Blut“ und knüpft direkt an der Geschichte an.
Nachdem Astrum und Luna ihm erfolglos eine Falle gestellten haben, fliehen sie vor dem unberechenbaren ...

„Schwarzmond“ ist die Fortsetzung von „Blut schreit nach Blut“ und knüpft direkt an der Geschichte an.
Nachdem Astrum und Luna ihm erfolglos eine Falle gestellten haben, fliehen sie vor dem unberechenbaren Werwolf Lodwig. Dieser muss sich erst an seine neue Gestalt, seine immensen Kräfte und seine Verwandlung zu Vollmond gewöhnen. Auf ihrer Flucht wachsen Astrum und Luna immer mehr zusammen und werden zu einem „Liebespaar“. Luna fühlt sich als Urwölfin wesentlich wohler als als junges Burgfräulein mit den auffälligen Haaren. Sie muss ihr wahres Wesen nicht mehr verstecken und genießt Astrums Nähe. Jedoch gibt es für die beiden keine Zeit, ihre Zweisamkeit zu genießen. Ständig fliehen sie vor Lodwig und müssen Tag und Nacht vor anderen Urwölfen auf der Hut sein. Währenddessen erfährt Luna immer mehr über Astrums altes Leben und das Mysterium der Urwölfe und Lykia.
In einer parallelen Erzählung lernen die Leser/innen Autorin einen neuen Charakter – die junge Meredith – kennen. Sie führt mit ihrem körperlich beeinträchtigten und brutalen Vater nebst ihrer missgünstigen Schwester ein entbehrungsreiches, elendes Leben und trotzdem scheint sie voller Liebe zu sein, welche sie vor allem ihrer kleinen Nichte Anora entgegenbringt. Eines Tages verändert sich ihr Leben durch eine ganz besondere Begegnung und gibt der Geschichte um Astrum und Luna eine neue Wendung.
Aikaterini Maria Schlösser schickt ihre Urwölfe Astrum und Luna sowie den Werwolf Lodwig einmal rund um den Erdball. Natürlich in rasender Geschwindigkeit, denn schließlich haben alle drei wesentlich mehr Ausdauer und Schnelligkeit vorzuweisen als ein herkömmlicher Wolf oder gar ein Mensch. Dabei fliehen die beiden nicht nur vor Lodwig, der ihnen getrieben von unbändigem Hass auf den Fersen ist, sondern sie müssen sich auch vor anderen Urwölfen und vor allem vor den Lykia in Acht nehmen. Als erste Urwölfin der Geschichte stellt Luna eine große Versuchung für die Urwölfe dar.
Zusammen mit dem wunderschönen Cover und den liebevoll gestalteten Zeichnungen im Buch ist der zweite Teil um Luna unglaublich spannend. Aikaterinis unverwechselbarer Schreibstil hat mich von der ersten Seite an gefesselt und mich mitgenommen auf eine fantastische Reise mit Astrum und Luna. Die Beschreibungen der Gefühlswelt der drei Hauptfiguren Astrum, Luna und Lodwig geben so tief, dass meine eigene Vorstellungskraft beflügelt wurde und ich mich mitten in der Geschichte und einer Welt voller magischer Momente zwischen den Liebenden und der Brutalität des Überlebenskampfes und des Tötens wiederfand. Besonders begeistert hat mich die Kommunikation zwischen den Charakteren – diese findet in deren Gedanken und Empfindungen statt und so sind sie stets miteinander verbunden. So erklärt Astrum Luna ihrer beider Seelen mit Lodwig: „Ich bin der Ursprung seiner Wolfskraft. Seine Gedanken werden immer zu mir zurückkehren. So wie auch zu dir. Ganz gleich, wie viele Jahre vergehen. Ganz gleich, was alles geschehen mag. Seine Gedanken werden immerzu um dich kreisen.“ Diese schicksalshafte Verbindung ist ein zentraler Punkt in „Schwarzmond“ und hat mich von Anfang an begeistert. Aikaterini versteht es mit ihren Landschaftsbeschreibungen die Mystik der Geschichte ganz bildhaft vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen. „Obwohl die Gebirgskette noch fern war, erhob sie sich so mächtig in den Himmel, als würde sie den Wolken ihren Platz am Firmament streitig machen wollen. … Doch die Berge zogen sich von Ost bis West über die ganze Länge des Horizonts. Die zahlreichen Gipfel muteten wie der gezackte Rücken eines gewaltigen Drachens an.“
In „Schwarzmond“ bekommen die Hauptcharaktere mehr Tiefe und auch die dunklen bzw. hellen Seiten (z.B. bei Lodwig) kommen zum Vorschein, so dass es kein klares Gut und Böse gibt. Eines steht zweifelsfrei fest: ich bin ein großer Fan der historischen Fantasyromane von Aikaterini geworden und warte schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung dieser Reihe. Daher fällt es mir sehr leicht, die vollen 5 Punkte für dieses tolle Buch zu vergeben.

Veröffentlicht am 28.09.2018

Unterhaltsamer Roman zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Das Geheimnis der Papiermacherin
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Nürnberg anno 1621: Anna Pecht ist eine junge Frau, auf deren Schultern bereits viel Verantwortung lastet. Nach dem Tod ihrer Mutter spielt und trinkt ihr Vater lieber, als sich um die Papiermühle zu kümmern. ...

Nürnberg anno 1621: Anna Pecht ist eine junge Frau, auf deren Schultern bereits viel Verantwortung lastet. Nach dem Tod ihrer Mutter spielt und trinkt ihr Vater lieber, als sich um die Papiermühle zu kümmern. Dadurch steht die Mühle kurz vor dem Aus! Für Anna bedeutet die Mühle ihr ganzes Leben und darum will sie kämpfen. Mit nicht ganz legalen Mitteln beginnt sie gemeinsame Sache mit ein paar Lumpenhändlern zu machen. Doch diese Unternehmungen sind sehr gefährlich, denn der wohlhabende und dubiose Bartholomäus von Treist duldet keine Konkurrenz. Da erfährt Anna überraschend Unterstützung.
Ein historischer Roman, der während des Dreißigjährigen Krieges spielt und den Kampf der Nürnberger ums Überleben aufleben lässt, hat mich sehr neugierig gemacht. Zudem steht hier eine junge Frau im Mittelpunkt, die die Rolle übernimmt, die ihr Vater schon länger nicht mehr ausfüllt. Dieser Stoff und der leicht zu lesende Schreibstil machen den Roman zu einer kurzweiligen und schönen Unterhaltung. Am besten haben mir die Beschreibungen der mittelalterlichen Stadt Nürnberg und das Leben der Bewohner gefallen. Alle Charaktere im Roman sind authentisch und bleiben sich selbst treu. So blieben sie unverwechselbar und ich konnte sie mir gut vorstellen. Anna Pecht ist eine starke Frau und oft auch äußerst leichtsinnig. Hier wird die Geschichte für mich schwierig, denn sie hat oft mehr Glück als Verstand und das finde ich nicht sehr real. Zudem nimmt das Geschehen zum Ende hin einen vorhersehbaren Verlauf, was die Spannung nimmt. Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen, da ich neben den historischen Aspekten, den Gepflogenheiten und Standesunterschieden viel über die Papierherstellung jener Zeit erfahren habe.

Veröffentlicht am 27.09.2018

Kann man die Liebe zurückholen?

Eine Nacht, ein Leben
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Henri, lange Zeit beim Militär, reist Anfang des 20. Jahrhunderts auf eine kleine französische Insel. Er wurde von seiner Freundin Youna, zu der er nur noch Briefkontakt hatte, „verlassen“. Sie hatte ihm ...

Henri, lange Zeit beim Militär, reist Anfang des 20. Jahrhunderts auf eine kleine französische Insel. Er wurde von seiner Freundin Youna, zu der er nur noch Briefkontakt hatte, „verlassen“. Sie hatte ihm geschrieben, dass sie alleine auf einer Insel leben wolle. Doch Henri kann das Ende ihrer Beziehung nicht akzeptieren und reist zu ihr. Er möchte sie für sich zurückgewinnen und dabei begegnet ihm das Leben.
Dieses kleine Buch ist schon von außen betrachtet liebevoll gestaltet. Das Cover mutet wie ein impressionistisches Gemälde an, die Innenseite des Buches ist in derselben Farbe wie das Meer des Covers gestaltet und auch das Lesebändchen ist perfekt darauf abgestimmt. Die Geschichte des jungen Henri, der seine Liebe Youna nicht aufgeben will, wird in lyrischer Weise beschrieben und versprüht eine Portion Melancholie. Kurze Begegnungen mit Inselbewohner und sogar mit einer Katze werden nicht nur angerissen, sondern der Leser taucht für einen Moment in deren Leben ein. Dadurch wird der Focus von Henri weg und auf andere hin gelenkt. Das gefällt mir sehr gut, denn dadurch gewinnt die Geschichte an Lebendigkeit und es wird nicht nur eindimensional über Henri geschrieben. Die lyrische Art der Geschichte lässt mich an einen Klassiker denken. Der Leser wird auf eine Insel entführt, die aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Nur hin und wieder wird der drohende Krieg thematisiert, doch das Augenmerk liegt ganz klar auf der Schönheit der Umgebung und den wenig gesprächigen Bewohner und natürlich auf Henri und Youna. Wenn ich an die Zeit, in der der Roman angesiedelt ist, denke, war es nicht alltäglich, dass sich eine junge Frau entschloss, alleine zu bleiben und damit auch noch glücklich ist.
Dieses kleine Buch ist ein Schatz für alle, die eine schöne Sprache, das Meer und eigenwillige Charaktere lieben.

Veröffentlicht am 27.09.2018

Ein leidenschaftliches Plädoyer für Italien und die Liebe

L'Osteria antica
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Nach einer Lebenskrise landet die junge Laura Sabadini in der Osteria antica ihrer Großmutter. Dort übernimmt sie mit ihrer Großmutter das Kochen und schlägt sich ganz gut als Gastgeberin. Eines Tages ...

Nach einer Lebenskrise landet die junge Laura Sabadini in der Osteria antica ihrer Großmutter. Dort übernimmt sie mit ihrer Großmutter das Kochen und schlägt sich ganz gut als Gastgeberin. Eines Tages erreicht sie ein Brief des Conte Alessandro di Valpecca, der seit vielen Jahren Stammgast in der Gaststätte ist. Auf diese Weise erfährt Laura von der heimlichen Liebe ihrer Urgroßmutter zu dem Venezianer Renzo, der in der Villa neben an jeden Sommer verbrachte.
Das extravagante Cover in Form eines modernen Gemäldes hat meinen Blick magisch angezogen und auch der Kurztext weckte meine Neugier. Ich wurde nicht enttäuscht, denn das Buch ist für mich weit mehr als ein Liebesroman verbunden mit einer Familiengeschichte und Einblicke in vergangene Zeiten – es ist vielmehr ein leidenschaftliches Plädoyer für die italienische Lebensart und die herrliche Küche Italiens. Das spricht aus jeder Zeile der Autorin und es macht sehr viel Spaß, Laura bei ihrem Leben zuzuschauen und mit ihr in das Geheimnis ihrer Großmutter einzutauchen. Der leichte und angenehme Schreibstil hat mich sofort eingefangen und vor allem die Geschichte von Marinella, die gegen die Konventionen des ausgehenden 19. Jahrhunderts verstoßen hat, haben mich fasziniert und begeistert. Eine Besonderheit sind die liebevoll zusammen gestellten Rezepte zum Ende des Buches die Lust auf eine Reise in den Süden, aufs Nachkochen oder Genießen beim Italiener um die Ecke machen. Elma verleiht ihren Charakteren Tiefe und lenkt den Blick auf deren Eigenarten und Gefühle. Ein rundum gelungener Roman, der Lust darauf macht, das nächste Buch zu lesen!

Veröffentlicht am 09.09.2018

Eine widersprüchliche Persönlichkeit

Ida
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Ida ist keine einfache Persönlichkeit: sie hat an allem und jedem etwas auszusetzen, gibt sich sogar als moralische Instanz ihres eigenen Geschlechts aus, meckert unzufrieden herum, erscheint oft egoistisch, ...

Ida ist keine einfache Persönlichkeit: sie hat an allem und jedem etwas auszusetzen, gibt sich sogar als moralische Instanz ihres eigenen Geschlechts aus, meckert unzufrieden herum, erscheint oft egoistisch, wortkarg und selbstgerecht. Somit hatte ich von Ida keinen allzu guten Eindruck. Im Laufe des Buches wird jedoch klar, warum sie so geworden ist, wie die Menschen in ihrem Umfeld versucht haben, sie zu manipulieren und auszunutzen. Bereits in ihrer Kindheit hatte sie, aber vor allem auch ihr Vater mit allerlei Wehwehchen und Krankheiten zu kämpfen. So scheint es, als würde Ida immer dann physische Beschwerden entwickeln, wenn ihr etwas unangenehm ist oder sie eigentlich aus ihrem Leben ausbrechen wollte. Ihrem Bruder Otto ist sie tief verbunden und er spielt neben ihrer Cousine Elsa eine große Rolle in ihrem Leben.
Mein „Wissen“ zu Sigmund Freud ist recht oberflächlich. Doch nachdem, was ich hier über ihn erfahren habe, steht mir nicht der Sinn danach, dies zu ändern. Dr. Freud thront geradezu über seiner jungen Patientin, die auf einem Diwan liegend von ihm abgewandt die Therapie über sich ergehen lassen muss. Der Arzt klappert derweil mit seiner Uhrenkette, was Ida noch Jahre später in Erinnerung bleibt, und interpretiert ihre Träume und Handlungen als sexuell motiviert oder frustriert, ohne so recht auf ihr Leben und ihre Person einzugehen. Ich hatte stets den Eindruck, dass er eine vorgefasste Meinung hatte und Ida ging es genauso. Ihren Mut, die Therapie abzubrechen, kann ich nur bewundert. Schließlich war sie eine junge Frau und von ihrem überzeugten Vater zum Arzt geschickt worden. Die Behandlung bei Sigmund Freud nimmt nur einen kleinen Raum in der Lebensgeschichte von Ida Adler, geborene Bauer, ein. Vielmehr füllt Katharina Adler den Roman „Ida“ mit der Lebensgeschichte ihrer Mutter, historischen Ereignissen und dem Wesen dieser Frau – nicht strikt biografisch, sondern auch mit Fantasie.
Das Hörbuch hat mich vor eine Herausforderung gestellt. Zunächst kam ich mit der monotonen Stimme von Petra Morzé nicht gut klar, was sich allerdings im Laufe der Zeit legte. Die Färbung durch ihren österreichischen Sprachgebrauch passte ganz gut zu der Geschichte. Schwerer tat ich mir hingegen mit den Zeitsprüngen, die mich in Idas Leben hin- und hergeworfen haben. Als diese ausblieben, habe ich mich besser in den Geschehnissen zurechtgefunden. Die historischen Ereignisse – von der Kaiserzeit bis hinein in den Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg – waren sehr interessant und haben Idas Leben geprägt. Es wird ganz klar, dass „Der Fall Dora“ - die Therapie bei Sigmund Freud - nur ein Aspekt im Leben von Ida Adler war und diese Frau dahinter interessant ist und widersprüchliche Gefühle im Leser hervorruft. Katharina Adler hat das Leben ihrer Urgroßmutter sicherlich gründlich recherchiert und die Lücken mit ihrer Fantasie gefüllt. Es erzeugt durchaus Spannung und zieht den Leser vor allem während Idas Flucht in seinen Bann. Ihr Schreibstil ist intensiv und gekonnt, wenn ich an die vielen kleinen Details in der Beschreibung von Idas Wesen denke.
Leider konnte ich den Schwerpunkt auf der politischen Karriere von Otto Bauer nicht nachvollziehen. Auch hätte ich mir gewünscht, dass die Auswirkungen der Therapie auf Ida mehr hervorgehoben worden wären. Dies bleibt etwas im Dunkeln.
Insgesamt finde ich „Ida“ sehr interessant und auch sprachlich gut gelungen. Die Verbindung aus Biografie und Geschichte gefällt mir und zum Ende hin konnte ich mich sogar etwas mit Ida anfreunden, was ich von Dr. Freud nicht behaupten kann. Ich würde es als Buch gerne weiterempfehlen, denn als Hörbuch fand ich es schwierig zu verstehen. Doch es ist auf jeden Fall lesenswert und gibt Einblicke in die Anfänge von Dr. Sigmund Freud aber vor allem gibt es dem „Fall Dora“ als Ida Adler (Bauer) ein Gesicht und eine Stimme.