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Veröffentlicht am 02.08.2021

"Der dunkle Schwarm" und ein Schwarm aus Emotionen

Der dunkle Schwarm
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Ich hatte das Vergnügen, Marie Grasshoffs neues Science Fiction Abenteuer vorab in einer Leserunde zu lesen.
Die Erwartungen waren hoch, da mich die Autorin mit ihrer "Neon Birds" Reihe bereits im Vorjahr ...

Ich hatte das Vergnügen, Marie Grasshoffs neues Science Fiction Abenteuer vorab in einer Leserunde zu lesen.
Die Erwartungen waren hoch, da mich die Autorin mit ihrer "Neon Birds" Reihe bereits im Vorjahr überzeugen konnte. Würde "Der dunkle Schwarm" diesem Meisterwerk gerecht werden?

Tatsächlich hatte ich Anfangs recht große Schwierigkeiten, in die Geschichte und die Welt hineinzufinden.

Wir treffen auf die verschlossene Atlas Lawson, eine Spionin der seltensten Art, denn sie ist in der Lage, in die Köpfe aller Menschen der Erde hineinzusehen und ihre Erinnerungen und Gedanken abzurufen.
Mit ihrem Freund Julien, einem Kampf-Androiden, ist sie in die zwielichtigsten Geschäfte im Untergrund der Stadt verwickelt.
Als sie eines Tages einen Auftrag von Noah - dem Sohn eines einflussreichen Industriellen - bekommt, einen mysteriösen Mord aufzuklären, kann Atlas nicht widerstehen. Schließlich ist eine Menge Geld im Spiel, außerdem ist irgendetwas an dieser Geschichte faul. Gemeinsam mit Noah und Julien geht sie dem Fall nach... und muss erkennen, dass ihre Rolle in der Geschichte doch viel größer ist, als sie sich je hätte vorstellen können.

All das klingt unglaublich spannend, doch bis zur Hälfte des Buches hatte ich das Gefühl, als würde die Handlung nicht wirklich weiter getrieben werden. Der Roman ist grundsätzlich aufgebaut wie ein Fall oder ein Rätsel, dass es zu lösen gilt, und bis zur Hälfte des Buchs fehlte es an Hinweisen, die nicht nur die Charaktere, sondern auch den Leser weiter gebracht hätten.
Versteht mich nicht falsch, es gab viele spannende und actionreiche Szenen, doch in meinem Kopf herrschte ein riesiges Fragezeichen.

Das Ganze änderte sich in der zweiten Hälfte des Buches. Die Handlung wurde vorangetrieben, und ich konnte einfach nicht mehr mit dem Lesen aufhören, so sehr fesselte es mich. Gegen Ende erwarteten mich sogar mehrere Plottwists, mit denen ich niemals gerechnet hätte.

Zudem kann man sagen, dass Marie Grasshoffs Schreibstil mich Mal wieder verzaubern konnte. Sie schafft es immer wieder, tiefgründige Themen mit Action geladenen Szenen zu verbinden; poetische Sprache mit einem trotz allem verständlichen und fesselnden Text.
Ich kenne keine deutsche Autorin, die diese Dinge so gut beherrscht.
Die Charakterentwicklung von Atlas war ebenfalls extrem gut.

Besonders gefiel mir jedoch das Konzept der starken und selbstständigen weiblichen Protagonistin, gepaart mit einem männlichen zurückhaltenden und unschuldigen Love Interest! Meiner Meinung nach ist dies ein Konzept, das in der Literatur viel zu selten verwendet wird, obwohl es total wichtig ist, das Bild von einer starken Frau zu festigen. Es war auf jeden Fall sehr erfrischend.

Alles in allem kann man sagen, dass mich das Buch am Ende doch noch überzeugen konnte. Ich würde "Der dunkle Schwarm" auf jeden Fall eine Chance geben, denn am Ende haben sich die anfänglichen Schwierigkeiten wirklich für mich ausgezahlt.
Diese Geschichte ist wichtig. Denn auch, wenn sie in der Zukunft spielt - vielleicht sogar genau aus dem Grund - zeigt sie die Probleme auf, die unser jetziges Verhalten in Sachen Umwelt bewirken kann.
Außerdem werden auch zwischenmenschliche und philosophische Probleme aufgezeigt.
"Der dunkle Schwarm" ist eine ganz große Empfehlung!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover