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Veröffentlicht am 25.09.2020

wunderbarer Roman über eine starke Frau

Madame Curie und die Kraft zu träumen
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"Madame Curie und die Kraft zu träumen" von Susanne Leonard erschien im August 2020 im Ullstein Taschenbuch Verlag. Der Roman umfasst 464 Seiten und ist Auftakt zur Serie "Ikonen Ihrer Zeit" (Band 2: Audrey ...

"Madame Curie und die Kraft zu träumen" von Susanne Leonard erschien im August 2020 im Ullstein Taschenbuch Verlag. Der Roman umfasst 464 Seiten und ist Auftakt zur Serie "Ikonen Ihrer Zeit" (Band 2: Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne).

Wie der Titel bereits verrät, wird in "Madame Curie und die Kraft zu träumen" die Geschichte von Marie Curie (geb. Maria Salomea Skłodowska) erzählt. Dabei ist er Marie Curie selbst, welche zur Zeit der Hochzeit ihrer Tochter in verschiedenen Situationen aus ihrem Leben erzählt.
Die Begleitumstände sowie zwei Personen sind fiktiv. Die Autorin hat sich aber bei ihrer Recherche auf vier Biografien Marie Curies gestützt, sodass viele Begebenheiten tatsächlich passiert sind und dem Roman viel Glaubwürdigkeit verleihen.
Besonders der Kindheit und den Jugendjahre Marie Curies werden dabei viel Aufmerksamkeit geschenkt. Der Leser erfährt somit, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass sie in Paris studiert und später gelehrt hat.
Auch ihre Forschung wird thematisiert. Dabei wird aber auch eine tiefere Erklärung und Darstellung der Experimente verzichtet, sodass die Leserschaft ohne Vorkenntnisse in Chemie oder Physik durchaus nachvollziehen kann, woran Marie gearbeitet hat ohne dabei von komplizierten Ausschweifungen gelangweilt zu werden.
Der Roman liest sich sehr flüssig. Als Leser ist man bereits von Beginn an in die Geschichte eingetaucht und kann dieser mühelos folgen. Die Autorin versteht es gekonnt, Biografie, polnische Historie sowie Wissenschaft miteinander zu verknüpfen und so einen kurzweiligen Roman über eine bewunderstwerte Frau zu verfassen.

Ich kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Es ist eine Freude den Roman zu lesen und dabei etwas über Marie Curie aber auch Polen und die männerdominante wissenschaftliche Welt der damaligen Zeit zu lernen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Familentragödie

Die verlorene Frau
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"Die verlorene Frau" ist nach dem Bestseller "Das Haus der Verlassenen" der zweite Roman von Emily Gunnis. Er erschien 2020 im Heyne Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag und umfasst 384 Seiten.

Es ...

"Die verlorene Frau" ist nach dem Bestseller "Das Haus der Verlassenen" der zweite Roman von Emily Gunnis. Er erschien 2020 im Heyne Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag und umfasst 384 Seiten.

Es handelt sich um eine Familiengeschichte, welche der Leser aus verschiedenen Blickwinkeln erfährt. In der Gegenwart (2014) geht es vor allem um Jessie, welche nach der Geburt ihrer Tochter an einer postpartalen Psychose leidet und das Spital nur Stunden nach der Geburt mit ihrer kranken Tochter heimlich verlässt. Ihre Familie und die Polizei suchen sie fieberhaft, denn das Leben der kleinen Elizabeth steht auf dem Spiel.
Jessies Mutter Rebecca litt nach der Geburt von Jessie ebenfalls an einer postpartalen Psychose und kam nicht damit klar. Zusätzlich macht ihr die Ermordung ihrer Mutter durch ihren Vater und der anschliessende Tod des Vaters zu schaffen. Seit jeher ist das Verhältnis zwischen Jessie und Rebecca gestört, doch nur die Aufklärung von Rebeccas Vergangenheit kann Jessie und ihr Kind retten.

Die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen und aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Dies kann gerade zu Beginn etwas verwirrend sein, da der Leser die Figuren noch nicht kennt und sich erst nach und nach ein komplettes Bild ergibt. Dennoch ist der Schreibstil flüssig und die Sprache leicht verständlich, sodass dem Handlungsverlauf in dieser Hinsicht gut gefolgt werden kann. Langsam löst sich auch das Rätsel um Rebeccas Eltern und deren Tod auf.
Das Thema postpartale Psychose steht dabei im Vordergrund. Ein wichtiges Thema, über welches man selten hört oder liest. Postpartale oder postnatale Depressionen sind weitaus besser bekannt, obwohl auch die schlimmere postpartale Psychose rund 1 bis 3 von 1000 Müttern betrifft.
Die Autorin hat hier ein interessantes und wesentliches Thema aufgegriffen, ohne dabei auf medizinische oder psychologische Hintergründe einzugehen. Dennoch vermag sie eine spannende Geschichte zu erzählen und überlässt es der Leserschaft sich tiefgehender mit der Thematik der postpartalen Psychose auseinanderzusetzen.

Ich kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Es handelt sich um eine spannende, abwechslungsreiche Lektüre mit einem ernsten thematischen Hintergrund.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.05.2020

gefphlvolle Geschichte zweier Schicksale

Der Sommer der Islandtöchter
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"Der Sommer der Islandtöchter" von Karin Baldvinsson erschien im Mai 2020 im Verlag Ullstein TB und umfasst 368 Seiten. Die Autorin hat unter dem Pseudonym Karin Linberg bereits einige Bestseller veröffentlicht.

"Der ...

"Der Sommer der Islandtöchter" von Karin Baldvinsson erschien im Mai 2020 im Verlag Ullstein TB und umfasst 368 Seiten. Die Autorin hat unter dem Pseudonym Karin Linberg bereits einige Bestseller veröffentlicht.

"Der Sommer der Islandtöchter" ist in zwei Erzählstränge gegliedert. Die Kapitel alternieren jeweils zwischen den Erzählsträngen, einmal im Jahr 1978 (Monika) und einmal im Jahr 2018 (Hannah).
In beiden Geschichten steht jeweils eine Frau im Mittelpunkt. 1978 ist es die junge Unternehmenstochter Monika, welche kurz vor ihrer Heirat mit Peter Urlaub auf Island macht. Peter konnte sie nicht begleiten, sodass sie lediglich mit ihren Eltern nach Island reist. Die Eltern bevormunden Monika in vieler Weise und nehmen weder ihre Wünsche noch ihre Gefühle ernst. In Island trifft Monika auf einen jungen Mann, welcher in Leben aufs Heftigste durcheinanderbringt.
Im Jahr 2018 reist Hannah mit ihrem kleinen Sohn nach Island, da sie eine Auszeit braucht. Ihre Ehe ist gescheitert und ihre Karriere durch eine misslungene Operation zerstört. Sie plant vorerst ein Jahr auf Island zu verbringen, um sich selbst zu finden und ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Beide Frauen werden liebevoll porträtiert. Als Leser hat man bald ein gutes Bild vor Augen, wer die zwei Protagonisten sind und man kann sich in sie hineinversetzen. Auch die anderen Charaktere sind realistisch gezeichnet, sodass man sie problemlos auch im wahren Leben finden könnte.
Die Sprache ist einfach und der Text liest sich flüssig. Beide Erzählstränge folgen ihrem eigenen Rhythmus und greifen nicht wesentlich ineinander über, obwohl klar ist, dass eine Verbindung bestehen muss. Die Autorin hat einen Weg gefunden, beide Geschichte nebeneinander laufen zu lassen, ohne dass man das Gefühl hat eine davon sei weniger bedeutend oder man werde immer wieder aus einer davon gerissen. Obwohl keine Spannung wie bei einem Thriller auftaucht, ist doch eine starke Anziehungskraft vorhanden und das Buch weglegen fällt schwer. Karin Baldvinsson versteht es auf eine eindringliche, gefühlvolle Weise zu schreiben, ohne dabei ins Kitschige oder Klischeehafte zu verfallen.

Ich habe das Buch nahezu in einem Rutsch gelesen. Obwohl es sich, wie erwähnt, um keinen Pageturner im Sinne eines Krimis oder Thriller handelt, so zieht das Schicksal der beiden Frauen den Leser in Bann. Ich kann das Buch wärmstes weiterempfehlen. Es handelt von Liebe, Schmerz, Scheitern und trotzdem Weitermachen, von Familie, Vergebung, Wünschen, Träumen und Hoffnung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.05.2020

aktuelles Thema spannend verpackt

Zara und Zoë - Tödliche Zwillinge
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"Tödliche Zwillinige" ist bereits der zweite Thriller um die Zwillingsschwestern Zara und Zoe. Der Autor und Journalist Alexander Oetker hat sich in der Literaturszene bereits einen Namen mit seinen Büchern ...

"Tödliche Zwillinige" ist bereits der zweite Thriller um die Zwillingsschwestern Zara und Zoe. Der Autor und Journalist Alexander Oetker hat sich in der Literaturszene bereits einen Namen mit seinen Büchern um Commisaire Luc Verlain gemacht. Mit Zara und Zoe kamen zwei weitere spannende Bücher aus seiner Feder auf den Markt.
Zara und Zoe könnten unterschiedlicher nicht sein. Während die eine für Europol arbeitet, Mann und zwei Kinder hat, ist die andere eine gefürchtete Mafia-Patin, welche vor nichts zurückschreckt. Ein neuer Fall für Zara verlangt von ihr, dass sie die Regeln bricht. Das Einzige was sie nicht kann. Deshalb bittet sie ihre Schwester Zoe um Hilfe, damit ein schrecklicher Terroranschlag verhindert und hunderte von Menschen gerettet werden können. Die beiden tauschen die Rollen, nicht ahnend, dass während dieser Zeit auch Zara alles andere als zur Ruhe kommt.

Der Einstieg ins Buch ist etwas holprig, da es in viele relativ kurze (manchmal nur 1-2 Seiten umfassende) Kapitel unterteilt ist, welche aus immer wieder anderen Perspektiven erzählt werden. Im weiteren Verlauf nimmt die Anzahl Perspektiven ab und die Charaktere sind hinreichend bekannt, sodass ein weiterer Wechsel kein Hinderniss für den Lesefluss mehr ist.
Erfrischend ist hier, dass sich jeweils nicht nur die Perspektive ändert, sondert auch der Schreibstil je nach Figur etwas angepasst wird. Mal ist er eher nüchtern, mal wird mehr geflucht etc.
Die Handlung wird schnell vorangetrieben. Dem Leser bleibt kaum Zeit um Nachzudenken. Der Spannungsbogen ist von Beginn an relativ hoch, kann dann aber auch nicht mehr gesteigert werden.
Die Figuren werden realistisch dargestellt - manchmal vielleicht etwas klischeehaft. Bei der Handlung sieht es ein wenig anders aus. Wer denkt, dass man nach einer stundenlangen Motorradfahrt einfach vom Motorrad hüpft und mir nichts dir nichts auf eine Brücke läuft um von dort auf einen fahrenden Laster zu springen, ist wohl noch nie längere Zeit auf einem Zweirad unterwegs gewesen. Solche Szenen kennt man von Actionfilmen à la Hollywood. Dies tut dem Lesevergnügen zwar keinen Abbruch, rückt das Ganze aber eben auf die nicht ganz ernstzunehmende Action-Schiene und weg vom seriösen Polit-Thriller.
Auch wer den ersten Band der Zwillinge nicht gelesen hat, kann der Handlung hier gut folgen obwohl er dadurch weniger über den Hintergrund der beiden Frauen weiss. Das Aufrollen der Familiengeschichte im ersten Band war interessant und bringt dem Leser die beiden Protagonistinnen näher. Dies kommt im zweiten Band etwas zu kurz.Deshalb meine Empfehlung, zuerst das erste Buch zu lesen. Beide sind aufgrund der geringen Anzahl Seiten (je 336 Seiten - ein Zufall?) bei relativ grosser Schrift, schnell gelesen und eignen sich gut als Lektüre für einen kurzweiligen Abend.


  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 27.04.2020

Potenzial leider nicht ausgeschöpft

Der gute Cop
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"Der gute Cop" (Originaltitel: The Ambitious City) ist der zweite Band einer zurzeit vier Bücher umfassenden Serie um DSI MacNeice. Der Autor Scott Thornley wuchs in Hamilton, Ontario auf wo es ein Dundurn ...

"Der gute Cop" (Originaltitel: The Ambitious City) ist der zweite Band einer zurzeit vier Bücher umfassenden Serie um DSI MacNeice. Der Autor Scott Thornley wuchs in Hamilton, Ontario auf wo es ein Dundurn Castle gibt. Dieser Ort hat ihn zu seinem fiktionalen Ort Dundurn - nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen realen Ortschaft in Kanada - inspiriert, wo der Ermittler MacNeise und sein Team tätig sind.

Im zweiten Band hat MacNeice alle Hände voll zu tun. Ein Bikerkrieg fordert mehrere Tote, im Hafen von Dundurn werden sechs weitere Leichen entdeckt - zwei davon sind noch nicht lange tot. Da sie in Säulen einbetoniert wurden, ist ein Unfalltod ausgeschlossen. Zudem macht ein bessener Killer Jagd auf junge, erfolgreiche Frauen mit ethnischen Hintergrund.

Zu Beginn hatte ich Mühe in die Geschichte reinzukommen. Der Schreibstil wirkt öfters etwas distanziert und gewisse Stellen müssen mehrfach gelesen werden, um zu verstehen, was gemeint ist. Dies kann natürlich auch an der Übersetzung liegen. Das englische Original ist mir nicht bekannt.
Die Hauptfigur ist verständlicherweise DSI MacNeice. Jedoch wirkt auch er distanziert. Man erfährt kaum etwas über ihn und er hebt sich durch keinerlei Attribute von anderen ab, sodass er eher langweilig wirkt. Auch die übrigen Teammitglieder werden kaum näher beleuchtet obwohl auch da Potenzial vorhanden wäre.
Dasselbe gilt für die weiteren Nebencharaktere. Einzig von Wiliam Dance erfährt der Leser mehr über seine Ansichten und Gedanken.
Ebenso hätten die verschiedenen Handlungsstränge das Potenzial für eine wirklich gute Story. Es scheint als hätte sich der Autor zu viel vorgenommen und am Schluss die Kurve nicht gekriegt. Die Fälle wurden zwar gelöst, dennoch bleiben Leerstellen und offene Fragen bestehen.
Wirkliche Spannung kam bis auf ein zwei Szenen nicht auf. Ein Pageturner ist das Buch auf jeden Fall nicht.

Fazit: Sowohl von der Story wie auch von den Figuren her ein fader Krimi, welcher dem Leser nicht lange im Gedächtnis bleiben wird.

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