Literarisches Denkmal für eine humanistische Powerfrau
Lina MorgensternWie viel Tatendrang, Herzblut und soziales Engagement passen in ein Menschenleben? Im Fall der unglaublichen Lina Morgenstern: ganz schön viel! Dieses inspirierende Buch kann ich allen Lesenden mit Vorliebe ...
Wie viel Tatendrang, Herzblut und soziales Engagement passen in ein Menschenleben? Im Fall der unglaublichen Lina Morgenstern: ganz schön viel! Dieses inspirierende Buch kann ich allen Lesenden mit Vorliebe für wunderbar erzählte Biografien außergewöhnlicher Menschen wärmstens empfehlen (Gerhard Rekels letztes Werk „Monsieur Orient-Express“ ebenso). Es holt Lina Morgensterns erstaunliches Schaffen in die Gegenwart.
Lina wer? So ging’s mir bis vor kurzem auch. Kein Wunder: Seit jeher wurden herausragende Frauen ignoriert, ihre Leistungen geschmälert, vergessen oder von Männern geklaut. Dass nun ausgerechnet ein Mann dieser Ausnahme-Frau ein literarisches Denkmal setzt, versöhnt ein klein wenig mit der patriarchalischen Geschichtsschreibung.
Dieses Buch verschränkt akkurat recherchierte Fakten mit einer erzählerischen Annäherung an Lina Morgenstern. Es liest sich wie ein spannender Roman, bei dem die Leserin die Protagonistin bei Erfolgen, Rückschlägen und Neustarts begleitet. Mit einem sehr feinen Gespür für Zwischentöne zeichnet der Autor das Porträt dieser Humanistin, Feministin und Unternehmerin. Der historische Kontext sorgt für erhellende Einblicke in die betrübliche Lebensrealität von Frauen dieser Zeit. Lina kümmerten gesellschaftliche Zwänge wenig: Sie war furchtlos, zäh und durchsetzungsstark. Auch starker Gegenwind oder antisemitische Anfeindungen hielten sie nicht auf.
Ihr soziales Engagement war grenzenlos: Sie versorgte die verarmte Berliner Bevölkerung in Suppenküchen, gründete eine Zeitschrift für Frauen, bildete Köchinnen aus, gründete Kindergärten, veranstaltete den internationalen Frauenkongress, schrieb Bestseller über Erziehung und Ernährung. Das alles in einem Menschenleben im 19. Jahrhundert! Obendrein setzte sie sich fürs Frauenwahlrecht und für die Friedensbewegung ein. Außerdem hatte sie fünf Kinder und einen liebevollen Mann. Linas Motto muss gewesen sein: geht nicht – gibt’s nicht.
Auf die klassische Frage „Welche historische Persönlichkeit würdest du gerne kennen lernen?“ wäre nach der Lektüre dieses Buches meine Antwort: Lina Morgenstern.