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Veröffentlicht am 01.01.2023

Kreativ und temporeich

Schattenmächte - Das Atomkartell
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Erneut verstricken sich Journalist Bruch und Anwalt Schalei, ohne es zu ahnen, in gefährliche Nachforschungen und treten damit eine Lawine los. Und Kommissar Enders, der eigentlich nur noch am Meer sitzen, ...

Erneut verstricken sich Journalist Bruch und Anwalt Schalei, ohne es zu ahnen, in gefährliche Nachforschungen und treten damit eine Lawine los. Und Kommissar Enders, der eigentlich nur noch am Meer sitzen, seine Ruhe haben und alles hinter sich lassen möchte, ruft sich selbst auf den Plan und versucht einzugreifen, kann den Lauf der Dinge aber nicht mehr aufhalten.

Mit seinem zweiten Kriminalroman setzt Michael Menzel die erfolgreiche Story seines ersten Schattenmächte-Romans fort, lässt die bekannten Protagonisten noch einmal mitspielen und beleuchtet im Rahmen ihrer kreuzgefährlichen Recherchen eine weitere geheime Operation im Nachkriegsdeutschland, bei der die zweifelhafte Nutzung von deutschen Kernforschungsreaktoren im Mittelpunkt steht. Die Alliierten sind darin verwickelt, die Geheimdienste und auch Kanzler Adenauer und alles lässt sich ganz trefflich dem einen Satz im Roman unterordnen: „Wer den Krieg gewinnt, bestimmt danach die Regeln.“

Autor Menzel hat alle Zutaten für eine wirklich fesselnde Story parat und verwendet sie auch: Die beschriebenen Charaktere sind ausdifferenziert, die Handlungssequenzen passgenau und kurzweilig, die Wechsel zwischen den Handlungsebenen sind strukturiert und nachvollziehbar und der Leser wird jederzeit mitgenommen. Der sprachliche Stil ist ausgereift, temporeich, mit einem besonderen Humor. Und schließlich werden auch die klassischen Erwartungen des Lesers an einen Krimi nicht enttäuscht: Es wird spioniert und überwacht, erschreckt und gemordet, es wird gelogen und getrauert, Menschen verschwinden und die Jagd nach geheimen Dokumenten zieht sich durch die gesamte Handlung.

Zum Ende hin überstürzen sich die Ereignisse und beim abschließenden Showdown muss sich der Leser - wie so oft in spannenden Krimis - fragen, ob er nicht die ganze Zeit den falschen Leuten vertraut hat.

Fazit:
Autor Michael Menzel formuliert in seinem Nachwort zu diesem Roman, er schreibe aus Spaß am Schreiben und nicht, um die Welt zu erklären. Den Spaß am Schreiben konnte ich tatsächlich aus jeder Zeile dieses Krimis herauslesen. Die Welt wurde mir darüber hinaus aber trotzdem ein ganzes Stück erklärt. Beides war mir eine Freude.


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Veröffentlicht am 11.09.2021

Gelungene Mischung

Schattenmächte
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Eher lustlos übernimmt der ehemalige Kommissar Enders die von einem befreundeten Anwalt gewünschten Recherchen zum angeblichen Selbstmord eines Mannes und befindet sich schon bald darauf mitten in einem ...

Eher lustlos übernimmt der ehemalige Kommissar Enders die von einem befreundeten Anwalt gewünschten Recherchen zum angeblichen Selbstmord eines Mannes und befindet sich schon bald darauf mitten in einem aufregenden Fall, dessen Fäden bis in die deutsche Nachkriegsgeschichte reichen und bei dem es um brisante Dokumente und geheime Operationen geht, um politische Einflussnahme und Macht.
Autor Michael Menzel nimmt uns in seinem Polit—Krimi mit auf eine spannende Zeitreise in das Deutschland kurz nach dem Krieg, die Bundesrepublik soll entstehen und das Grundgesetz als rechtliche Basis geschaffen werden. Kaum jemand von uns hat sich wohl je Gedanken darüber gemacht, wie das damals im Detail abgelaufen sein könnte und welche Schattenmächte mit am Werke gewesen sein könnten. Oder aber auch nicht…
Das Buch ist jedoch keine historische Dokumentation, es ist ein temporeicher Krimi, der in verschiedenen Zeitebenen handelt.
Eingebettet in einen Kriminalfall der Gegenwart voller interessanter Figuren und Situationen wird eine Verknüpfung zu fiktiven geschichtlichen Abläufen hergestellt und die Vorgänge werden durch den Autor mit eindrucksvoller und greifbarer Intensität beleuchtet. Vor allem in der historischen Zeitebene ist dieser Krimi mitunter atmosphärisch so dicht geschrieben, dass der Leser das Gefühl bekommt, inmitten der Handlung zu stehen, beispielsweise den beklemmenden Verhören ehemaliger Nazigrößen beizuwohnen oder Adenauer mit seinem Whiskyglas direkt vor sich zu sehen.
Man kommt auch nicht umhin, für die ermittelnde Hauptfigur Enders Sympathien zu entwickeln, so nah wird er uns durch den Autor gebracht. Rastlos sucht Enders nach Antworten für seinen Fall, verstrickt sich immer tiefer und schwebt dabei selbst, ohne es zu wissen, in Lebensgefahr. Denn er wird von geheimen Mächten beobachtet…
Fazit: Ein absolut lesenswertes Buch, ich halte es für eine gelungene, kreative Mischung aus Krimi und Geschichtslektion. Besonders beeindruckt war ich von der sprachlichen und inhaltlichen Gestaltung der Textpassagen, die in der Vergangenheit spielen, die beschriebenen Szenen erscheinen nahezu authentisch, obwohl sie komplett erfunden sind.
Am Ende wird der Leser jedenfalls wieder in seinen Alltag entlassen und denkt darüber nach, ob damals nicht vielleicht ja doch einiges genau so gewesen sein könnte…

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