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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.03.2025

Berührend und Frustrierend

Mickey und Arlo
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Mickey und Arlo haben denselben Vater, aber sie kennen sich nicht. Früh verlässt er Mickey und ihre Mutter um eine neue Familie zu gründen. Er wird wohlhabend, bleibt aber sein Leben lang Alkoholiker. ...

Mickey und Arlo haben denselben Vater, aber sie kennen sich nicht. Früh verlässt er Mickey und ihre Mutter um eine neue Familie zu gründen. Er wird wohlhabend, bleibt aber sein Leben lang Alkoholiker. Nach seinem Tod überrascht sein Testament mit unerwarteten Festlegungen. Für ihr Erbe muss Mickey sich einer Therapie unterziehen, ohne zu wissen, dass ihre Therapeutin ihre unbekannte Halbschwester Arlo ist.

Die Schwestern sind beide schwer zu ertragen und kämpfen mit den Traumata ihrer Kindheit. Beide haben unter ihrem alkoholkranken, selbstfixierten Vater gelitten, aber unterschiedliche Strategien entwickelt, damit umzugehen. Die verlassene Mickey hasst ihren Vater und ist entsetzt und fast beleidigt über das Erbe von 5,5 Millionen. Arlo, die ihn bis zuletzt gepflegt hat, versucht immer nur seine guten Seiten zu sehen und fühlt sich durch die Enterbung betrogen. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und wirken in sich stimmig. Leider sind sie weder sympathisch noch nachvollziehbar. Sie treffen fragwürdige Entscheidungen, sind manipulativ und egoistisch. Aber gerade dadurch wirken sie sehr authentisch.

Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Mickey und Arlo geschrieben. Der Schreibstil ist flüssig, angenehm zu lesen und sehr dialogbetont. Trotz der schwierigen Themen gelingt es der Autorin, eine gewisse Leichtigkeit in die Geschichte zu bringen. Der Anfang ist sehr stark, der Mittelteil etwas langatmig mit einigen redundanten Szenen, das Ende leicht optimistisch, etwas überhastet und eher offen.

Die Stärke des Buches liegt in der Darstellung der Probleme der beiden Schwestern. Mickeys Alkoholsucht wird sehr anschaulich beschrieben und Arlos Gedanken über ihren Vater und die Patienten verdeutlichen ihre eigenen emotionalen Probleme.

Insgesamt hat mir "Mickey und Arlo" gut gefallen. Es bietet tiefe Einblicke in die Themen psychische Erkrankung, Trauma und Alkoholabhängigkeit in einem mitreißenden Schreibstil. Mit einem strafferen Mittelteil wäre es noch besser geworden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2025

Die Folgen menschlichen Handelns

Die Herde
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In "die Herde" betrachtet Thilo Winter erneut Konflikte zwischen Mensch und Natur und wieder einmal ist der Schreibstil von der ersten Seite an sehr fesselnd. In China verlässt eine Elefantenherde ihr ...

In "die Herde" betrachtet Thilo Winter erneut Konflikte zwischen Mensch und Natur und wieder einmal ist der Schreibstil von der ersten Seite an sehr fesselnd. In China verlässt eine Elefantenherde ihr Revier. Auf ihrer Wanderung quer durchs Land, zerstört die Herde Felder und Ortschaften. Zoologe und Aktivist Peter versucht mit der chinesischen Ingenieurin Sui die Tiere vor den Behörden und skrupellosen Jägern zu schützen. Auch in anderen Teilen der Welt verhalten sich Tiere ungewöhnlich.

Winters Schreibstil wirkt auch in diesem Buch wieder wie ein geschriebener Actionfilm. Die fesselnde Erzählweise, die kurzen Kapitel sowie die wechselnden Blickwinkel lesen sich flüssig und kurzweilig. Die Mischung aus Realitätsnähe, Gesellschaftskritik und Abenteuer lässt mitfiebern und regt zum Nachdenken an. Die Protagonisten sind gut ausgearbeitet und wirken sympathisch, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Die Nebenfiguren wirken im Gegensatz flacher und stereotyp.

Die Handlung selbst ist sowohl spannend und faszinierend als auch tragisch. Das Rätsel um die Elefanten und anderen Tiere wird gleich zu Anfang aufgeworfen und erst ganz zum Schluss geklärt. Die Auflösung wirkt etwas überhastet. Die Ursache selbst ist wissenschaftlich plausibel, wurde aber nur kurz abgehandelt. Hier hätte ich mir gewünscht, direkt im Geschehen dabei zu sein, statt eine nacherzählte Erklärung zu erhalten.

Insgesamt hat mir das Buch, wie seine Vorgänger, sehr gut gefallen. Wie immer bei Winter gibt es einen Bezug zum Verhältnis Mensch und Natur, das über allem steht. Und auch wenn es nur eine Geschichte ist, zeigt es doch die Folgen des menschlichen Eingriffs in die Natur.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 16.02.2025

Gute Idee, unbefriedigendes Ende

The Trap. Wie weit würdest du gehen, um deine Schwester zu retten?
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Nachdem ihre Schwester Nicki vor etwa einem Jahr vermutlich Opfer eines Serienmörders wurde, ermittelt Lucy auf eigene Faust indem sie unter anderem nachts zu fremden Männern ins Auto steigt. Parallel ...

Nachdem ihre Schwester Nicki vor etwa einem Jahr vermutlich Opfer eines Serienmörders wurde, ermittelt Lucy auf eigene Faust indem sie unter anderem nachts zu fremden Männern ins Auto steigt. Parallel verlaufen die Ermittlungen der Polizei eher schleppend.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Lucy, den Ermittlerinnen und des Täters erzählt. Die Lesenden erhalten so tiefere Einblicke in die verschiedenen Charaktere. Lucy wirkt irrational und viele ihrer Handlungen sind nicht nachvollziehbar. Die Ermittlerinnen sind clever und ambitioniert. Die Anzahl der Figuren insgesamt ist sehr hoch, wobei sich nicht immer erschließt wozu einzelne Charaktere der Handlung nutzen. Weniger wäre hier wohl mehr gewesen.

Während die Handlung spannend und flüssig beginnt, ist der mittlere Teil eher langatmig. Die Wechsel zwischen Zeiten und Blickwinkeln wirken an manchen Stellen verwirrend. Die Stärke der Autorin liegt definitiv in der Beschreibung einzelner Szenen, die sie so eindringlich schildert, dass sie vor dem inneren Auge lebendig werden. Das Ende ist eher unbefriedigend und lässt zu viele Fragen offen.

"The Trap" hat eine Grundidee mit unheimlich viel Potential und die Fähigkeit der Autorin, Szenen zu beschreiben, ist beeindruckend. Durch den etwas zähen Mittelteil und das unbefriedigende Ende ist das Buch insgesamt ein solider Thriller, bei dem aber viel mehr möglich gewesen wäre.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Wahrheit und digitale Manipulation

Deep Fake
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Wegen eines gefälschten Nacktvideos im Internet wird das glückliche Leben der engagierten Lehrerin Mira plötzlich zerstört. Sie kehrt in ihr Heimatdorf zurück und wird mit einem Geheimnis aus ihrer Jugendzeit ...

Wegen eines gefälschten Nacktvideos im Internet wird das glückliche Leben der engagierten Lehrerin Mira plötzlich zerstört. Sie kehrt in ihr Heimatdorf zurück und wird mit einem Geheimnis aus ihrer Jugendzeit konfrontiert.

Die Lesenden begleiten Mira in der Gegenwart und erfahren durch Tagebucheinträge von Kat aus dem Jahr 2003, was damals geschah. Die Erzählweise ist spannend und dynamisch. Die Wechsel der Perspektive und die Wendungen der Geschichte sind sehr fesselnd, so dass sich das Buch sehr flüssig lesen lässt. Die Charaktere wirken sehr realistisch, da sie nicht nur sympathisch und nett sind. Der Mittelteil hat ein paar Längen, zum Ende wird die Geschichte immer rasanter.

Neben der Handlung setzt sich die Autorin mit Manipulationen im Internet (Deep Fake, Fake News) und Cybermobbing sowie Gruppendynamiken und Vertrauensbruch auseinander. An einigen Stellen wirkt das erschreckend, wenn man es in die Realität weiterdenkt.

Insgesamt ist "Deep Fake" ein spannender Thriller mit erschreckenden Einblicken in die Welt der digitalen Manipulation.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Geschichte mit viel Potential

Die Glücksfrauen – Das Geheimnis der Rosen
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Im dritten Teil der "Glücksfrauen"-Reihe versuchen die Enkelinnen in der Gegenwart gemeinsam die Fluchtgeschichte der dritten Freundin Anni aus dem Berlin der 1930er Jahre nachzuverfolgen. Nach New York ...

Im dritten Teil der "Glücksfrauen"-Reihe versuchen die Enkelinnen in der Gegenwart gemeinsam die Fluchtgeschichte der dritten Freundin Anni aus dem Berlin der 1930er Jahre nachzuverfolgen. Nach New York und Rio ist der Handlungsort diesmal die von Anni gegründete Rosenfarm in Tansania.

Grundsätzlich sind alle drei Geschichten der Freundinnen sehr gut durchdacht und auch die Reihenfolge ist gut gewählt, da sich die Dramatik der Handlungen von Buch zu Buch steigert. Auch der Schreibstil ist sehr flüssig. Ich habe die Bücher sehr schnell gelesen. Die Geschichten der Enkelinnen hätten etwas weniger ausgeschmückt werden können und auch die Liebesgeschichten für jede Frau und einige Dialoge waren unnötig. Hätte sich die Autorin auf die Vergangenheit konzentriert und dafür den Enkelinnen jeweils ein paar Seiten weggenommen, hätte es hervorragend werden können. So fehlen an wichtigen Stellen Erklärungen, Motive und ein bisschen mehr Hintergrund. Für mich müssen nicht alle Details am Ende bei den Enkelinnen ankommen, da es nicht für alle Lebensabschnitte Zeitzeugen gibt. Aber für die Lesenden sollten diese Abschnitte dargestellt werden, wenn sie Einfluss haben oder später thematisiert werden. Bestes Beispiel dafür ist Luises Verrat: Seit dem ersten Buch ist er ein wichtiges Handlungselement und der Grund für so vieles in der Gegenwart. Die Spannung und die Erwartungshaltung der Lesenden werden über alle drei Bücher hinweg aufgebaut. Leider wird die Auflösung am Ende kurz abgehandelt und wirkt durch das Fehlen einer Erklärung oder eines entsprechenden Rückblicks ernüchternd. Ein paar Absätze mehr hätten an dieser Stelle wirklich gut getan. Unklar bleibt auch, warum Anni es zulässt, dass Siegfried ihr ganzes Leben lang Macht über sie ausübt. Die Botschaft des Buches, dass die drei Freundinnen starke Frauen sind, die ihren Weg gehen, wird für mich dadurch verwässert.

Wie schon in den ersten beiden Teilen hat mich die Handlung in der Vergangenheit mehr überzeugt als die in der Gegenwart. Die drei Freundinnen und ihr Leben werden anschaulich dargestellt und wirken in ihren Handlungen und Entscheidungen sehr authentisch. Die Enkelinnen in der Gegenwart sind etwas unausgegoren, ihre Dialoge sind entweder Geschwätz über mögliche Liebesbeziehungen oder sie sprechen über die Probleme und Missstände der heutigen Zeit. Die Substanz und Tiefe ihrer Charaktere wird im Vergleich zu den Freundinnen aus der Vergangenheit nicht erreicht.

"Das Geheimnis der Rosen" ist für mich insgesamt ein gutes Buch, das viel mehr Potential gehabt hätte. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur am Vergleich mit den Vorgängern und meinen Erwartungen.

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  • Cover
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