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Veröffentlicht am 17.09.2024

Eine Geschichte voll magischer Schönheit

Enia und der Regenzauber
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In ihrem Roman “Enia und der Regezauber” entführt die bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin Antonia Michaelis (“u.a. “Das Blaubeerhaus”,“ Der Koffer der tausend Zauber”, “Die Bucht des blauen Oktopus”) ...

In ihrem Roman “Enia und der Regezauber” entführt die bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin Antonia Michaelis (“u.a. “Das Blaubeerhaus”,“ Der Koffer der tausend Zauber”, “Die Bucht des blauen Oktopus”) Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren auf die Insel Madagaskar zu einem Abenteuer, bei dem sich Realität und Magie verweben. Schon das stimmungsvoll und beeindruckend gestaltete Cover weist auf das Thema der Erzählung hin: Eine Gewitterszenerie über rotem Sand und darin der Lemur, der angeblich Wasser finden kann.

Enia, ein zwölf Jahre altes Mädchen aus Deutschland, hat in einem Reisebericht über Madagaskar die Beschreibung eines angeblich ausgestorbenen Wasserlemuren, eines winzig kleinen Lebewesens mit Flügeln, gefunden. Da dieses Tier noch nie beschrieben wurde und keinen lateinischen Namen hat, möchte sie ihren Vater überzeugen, nach Madagaskar zu reisen und das Tier zu finden. Denn ihr Vater ist Wissenschaftler, der sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Tierwelt beschäftigt. Und in Madagaskar hat es seit drei Jahren nicht mehr geregnet.

Die Kinder des Dorfes, zu dem Enia und ihr Vater fahren, nehmen sie freundlich auf. Enia lernt Don, Fito mit seiner Ziege und die blinde Feno kennen. Obwohl bitterste Armut herrscht, sind die Kinder freundlich und großzügig. Enia, die von Madagaskar begeistert ist, schließt schnell Freundschaft mit ihnen und lernt auch ihre Lehrerin, Maitresse Tui, kennen. Sie kommt immer mit ihrem Fahrrad zur Dorfschule, die nur aus ein paar geflochtenen Ästen besteht. Und obwohl sie nichts mitbringt, gelingt es ihr, den Kindern nicht nur Französisch und Rechnen beizubringen, sondern sie auch satt zu bekommen, indem sie Geschichten über schmackhaftes Essen erzählt. Maitresse Tui wird sowohl die Dorfkinder wie auch die “Vazahas“, Enia und ihren Vater, der sich immer selbst durch seine Tollpatschigkeit in die unmöglichsten Situationen bringt, auf vielen Abenteuern begleiten und ihnen mit Magie aus gefährlichen Situationen helfen. Und sie hilft, den Wasserlemuren zu finden und zu beschützen.

Dieses spannende Jugendbuch erzählt von einem fremden, ausgedörrten Land, aber auch von seiner Schönheit und seinen liebenswerten Menschen. In altersgerechter Sprache und kurzen Kapiteln werden Probleme unserer Zeit thematisiert: Der Hunger ausländischer Konzerne nach Bodenschätzen, gefährliche Räuber, die nicht davor zurückschrecken, das eigene Dorf zu bestehlen und Menschen zu entführen,
die Armut der Einheimischen und der Hunger nach Bildung, für die keine Ressourcen zur Verfügung stehen. Und natürlich der Klimawandel, denn das ausgedörrte Land hat seit drei Jahren keinen Regen gesehen. In ihrer empathischen Schreibweise und durchsetzt von Magie gelingt es der Autorin, ohne erhobenen Zeigefinger Figuren zu schaffen, die durch Stärke und Zusammenhalt auch die schwierigsten Situationen meistern.

Ein inspirierendes Buch, das zum Nachdenken anregt, aber die Kinder auch mitnimmt in ein faszinierendes Land mit wunderbaren Menschen, die ihre Träume nicht aufgeben und unter schwierigsten Umständen alles versuchen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Eine absolute Leseempfehlung und daher von mir fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 16.09.2024

Kultig und knorke: Der Kampf um den Nibelungenschatz

KoboldKroniken 4. Drachenjagd im Dunkeln
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Schon aus dem tollen, dreidimensionalen Cover schauen sie heraus: Ein Kobold und ein Leuchtpilz. Beide werden in diesem phantasievollen, flüssig , flott und witzig geschriebenen Buch von Daniel Bleckmann ...

Schon aus dem tollen, dreidimensionalen Cover schauen sie heraus: Ein Kobold und ein Leuchtpilz. Beide werden in diesem phantasievollen, flüssig , flott und witzig geschriebenen Buch von Daniel Bleckmann mit gekonnt komischen und abwechslungsreichen Illustrationen von Thomas Hussung noch eine wichtige Rolle spielen.

Doch zum Anfang: Dario, ein zwölf Jahre alter Junge, liegt im Krankenhaus, er hat eine Gehirnerschütterung. Aber die ist “nicht von dieser Welt” sondern sie stammt aus Kwertz. Eigentlich hat dieses Koboldreich einen viel längeren Namen, aber den kann keiner aussprechen, also- einfach Kwertz. Denn Dario ist nicht nur der Chronist von Kwertz, das unter seiner Gesamtschule liegt, sondern er bewacht auch den Schatz der Nibelungen, eine sehr anstrengende Aufgabe, wie er findet. Und auf diesem Schatz sitzt in seinem Fiebertraum der Drache Fafnir und ist darauf aus, Dario zu vernichten.

Doch Dario hat Freunde von Hüben und Drüben. In seiner Schule sind das Lennard, der immer einen Ausweg weiß und die Mädchen Clara -mit-C und Selin. Beide mag Dario sehr, auch wenn Clara-mit-C wenig Zeit hat, sie will Schulsprecherin werden, und Selin einfach nicht zu erreichen ist. In Kwertz wartet Kobold Rumpel, aber als Dario endlich wieder in der Koboldwelt ist, muss er Rumpel erst rufen. Auch Lennard will ihn nicht begleiten. Er hört im Kopf Stimmen, die er jetzt finden will.
So macht sich Dario alleine auf die Suche nach dem Drach.., Lindwu.., also nach dem, dessen Name nicht genannt werden darf. Und in Kwertz herrscht Ausgangssperre. So allein und im Dunklen- Dario ist das nicht geheuer. Erst der Leuchtpilz Örgs weist ihm den Weg und kämpft heldenhaft an seiner Seite.

Nach der Begegnung mit einem verrückten Wissenschaftler erkennt Dario, das auch er Kwertzblut in sich trägt und endlich kommt es zum Show Down mit dem Drachen…..

Obwohl die “Koboldkroniken - Drachenjagd im Dunkeln” spannend und unterhaltsam zu lesen sind, kommen auch ernstere Themen vor. Darios geliebter Großvater stirbt, und das erste Mal finden auch zwei Wesen der Koboldwelt den Tod. Außerdem wird dem mutigen Dario- nicht umsonst heißt er mit Nachnamen Leone- bewusst, dass auch gute Freunde manchmal ihrer eigenen Wege gehen müssen, dass aber dann von unerwarteter Seite Hilfe und Freundschaft auftauchen können. Und zu seinen sechs Freunden- auch der Klabauter Talugo sei noch erwähnt- findet er endlich die siebente Gefährtin, um damit das Lied der Sieben, ein Heldenlied, zu vervollständigen.

Die Koboldkroniken 4 ist ein Skizzenbuch mit so vielfältigen und tollen Illustrationen, Zeichnungen, Fotos, Zeitungsausschnitten und Chats, dass die Lesenden- egal welchen Alters, -einfach nicht aufhören können, Dario auf seinem Abendteuer zu begleiten. Der leicht lesbare Text ist dem Lesealter ab neun Jahren angepasst, kurze Kapitel erhalten die Lesefreude. Auf jeder Seite nimmt uns der Autor mit in eine phantastische Welt, die einerseits von gefährlichen Wesen, andererseits aber auch von hilfreichen Figuren bevölkert wird. Schon die Namen der Bewohner der Koboldwelt - und davon gibt es viele- sind so vielfältig und lustig, dass man manchmal Mühe hat, alle phantastischen Wesen auseinander zu halten.

Aber auch in der realen Welt von Dario und seinen Freunden gibt es viel zu schmunzeln. Die Protagonisten sind Darios Lehrer mit diversen Marotten sowie seine Mitschüler, deren Typen der Autor so treffend beschreibt, dass die Lesenden einfach lachen müssen. Toll auch die Idee mit den Gestaltwandlern: Wer hätte nicht schon selbst vermutet, dass in einer Lehrkraft eigentlich ein Kobold steckt.

Außerdem finden sich immer wieder Anspielungen auf Filme, Bücher und andere bekannte Themen, sodass auch Erwachsene Freude am Lesen dieses rundum gelungenen Buches finden werden. Daher eine klare Leseempfehlung und von mir fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 09.09.2024

Hinter der glanzvollen Fassade New Yorks hebt sich das Böse aus dem Schatten

Diviners – Aller Anfang ist böse
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Die bekannte Romanautorin Libba Bray (”Der geheime Zirkel”, “Ohne.Ende.Leben”) hat mit dem Auftaktroman zur Diviner- Serie die Handlung in den Roaring Twenties vor der schillernden Fassade New Yorks angesiedelt, ...

Die bekannte Romanautorin Libba Bray (”Der geheime Zirkel”, “Ohne.Ende.Leben”) hat mit dem Auftaktroman zur Diviner- Serie die Handlung in den Roaring Twenties vor der schillernden Fassade New Yorks angesiedelt, wo das Nachtleben in illegalen Clubs blüht und trotz der Prohibition der Alkohol in Strömen fließt. Doch aus der Dunkelheit in einem verfallenen Haus erhebt sich schon die Bestie, die furchtbare Verbrechen begehen wird.

Heldin des Buches ist Evie, eine junge Frau aus der Provinz, die die besondere Gabe besitzt, aus Gegenständen, die sie in der Hand hält, das Leben ihrer Eigentümer lesen zu können. Damit hat sie sich zu Hause in Schwierigkeiten gebracht, sie wird zu ihrem Onkel Will, der das Museum für Amerikanisches Volkstum, Aberglauben und Okkultes leitet, nach New York geschickt. Evie ist unkonventionell, frech, von sich überzeugt und würde für einen Moment im Rampenlicht alles tun. Als sie sieht, dass das Museum schlecht läuft, verbündet sie sich mit einem Journalisten, der über das Museum schreiben soll. Und über die Morde, die die Bestie mittlerweile begeht und die Evie und Onkel Will zu den Tatorten führen, denn es sind übernatürliche Kräfte im Spiel.

Im Zuge der Mordermittlungen greift die Polizei auf die Expertise von Will zurück, der ahnt, dass der Hintergrund der Taten in einer religiösen Sekte zu finden ist. Aber nicht das allein beunruhigt ihn, denn er ist überzeugt und wird von weiteren Eingeweihten darauf hingewiesen, dass “der Sturm” droht. Und auch andere Protagonisten des Buches, die meisten ebenso wie Evie mit einer besonderen paranormalen Gabe ausgestattet, sehen voraus, dass sich furchtbares Unheil anbahnt. In ihren Albträumen geht ein dürrer Mann über das Land, alles hinter ihm verbrennt zu Asche. Und da ist immer wieder das Auge, darunter ein Blitz. Angst und Gefahr droht, auch wenn sich das Unheil im Moment nicht benennen lässt.

Dem gegenüber steht das flirrende Leben in New York der Zwanziger Jahre, verkörpert einerseits durch Mabel, Evies beste Freundin, deren Eltern in der Arbeiterbewegung verwurzelt sind, andererseits durch Theta, ein Showgirl der Ziegfeld Follies. Sie träumt davon, berühmt zu werden und schwärmt für Memphis, einen kleinen Gauner, der für einen Glückspiel-Clan den Leuten das Geld abnimmt und nachts auf dem Friedhof Gedichte schreibt. Sam, ein kleiner Dieb, wird Evie durch seine übernatürlichen Kräfte noch nützlich sein.

Erst spät bahnt sich zwischen Evie und dem Assistenten ihres Onkels Will, Jericho Jones, der ebenso ein Geheimnis verbirgt, eine zarte Romanze an. Aber auch wenn Evie im Moment glücklich ist, ahnt sie, dass etwas Schreckliches geschehen wird. Und davor fürchtet sie sich.

Als das letzte Opfer des Ungeheuers den Tod finden soll, lässt sich Evie allein auf den Kampf mit der Bestie ein. Dabei vertraut sie in größter Bedrängnis auf ihren Anhänger, den sie immer um den Hals trägt und der ihr viel bedeutet. Er ist ein Geschenk ihres Bruders James, der vor Jahren in Frankreich gefallen ist und den Evie immer wieder in ihren Albträumen sieht. Wird ihr dieser Anhänger in einer ausweglosen Situation helfen?

Libba Bray erzählt mit ihrem Buch, dessen Zielgruppe Jugendliche und junge Erwachsene sind, nicht nur eine Geschichte über religiösen Fanatismus, die Sinnlosigkeit des Krieges und den “Heldentod“, sondern ihre Protagonisten sind mit vielen weiteren Problemen konfrontiert. Gewalt in der Ehe, Abtreibung, Rassenhass, Eugenik und medizinische Experimente an Menschen werden ebenso geschildert wie die grausamen Verbrechen der Bestie, die die Stadt in Angst versetzt. Zweifellos ist “Diviners- Aller Anfang ist böse” kein Buch für schwache Nerven. In ihrer oft poetischen Sprache, die diese von Magie heimgesuchte Stadt sanft umarmt, wenn der Wind seit undenklichen Zeiten durch ihre Straßen weht und bereits alles gesehen hat, Reichtum und Armut, Glanz und Elend, Glück und Verzweiflung, leitet die Autorin zu den furchtbaren Verbrechen über, wobei sie das Grauen der Opfer so eindringlich beschreibt, dass man direkt in die Geschehnisse hineingezogen wird.

Der Roman, dessen wunderschönes Cover an ein Gemälde erinnert, firmiert als historische Romantasy. Doch dahinter verbirgt sich ein von Magie und Mystik durchdrungener Thriller, der niemals an Spannung verliert und viele interessante Charaktere beschreibt, die in diesem Band noch nicht endgültig zu ihrer Bestimmung gefunden haben. Das Unheil hat gerade erst begonnen, Band zwei wird daher von den Lesenden mit Spannung erwartet.


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Veröffentlicht am 09.09.2024

Utopie oder realitätsnah: Der Traum vom ewigen Leben

Die Abschaffung des Todes
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Der erfolgreiche Romanautor Andreas Eschbach (u.a. ”Freiheitsgeld”, NSA” , “Herr aller Dinge”, “Eines Menschen Flügel”) hat mit seinem Thriller “Die Abschaffung des Todes” ein Werk vorgelegt, das sich ...

Der erfolgreiche Romanautor Andreas Eschbach (u.a. ”Freiheitsgeld”, NSA” , “Herr aller Dinge”, “Eines Menschen Flügel”) hat mit seinem Thriller “Die Abschaffung des Todes” ein Werk vorgelegt, das sich mit einem der ältesten Träume der Menschheit befasst, dem ewigen Leben. Schon des Cover dieses hochwertig ausgestatteten Buches symbolisiert die Ambivalenz dieses Themas: Auf der einen Seite der Blick in eine unendliche Zukunft, auf der anderen die Akzeptanz der Endlichkeit.

James Henry Windover ist der Ich-Erzähler dieser Geschichte, ein Journalist, der sich absolut der objektiven Wahrheit in der Berichterstattung seiner Zeitung, The Windover View, verpflichtet fühlt. Diese Zeitung ist sehr außergewöhnlich, denn sie kostet eine Million Euro pro Jahr und hat nur 49 Abonnenten. Für diese bereitet die Redaktion- je nach Interessenlage der Klienten- Zahlen, Daten und Fakten auf, interpretiert sie und beurteilt die Auswirkungen des Geschehenen. Absolut verpönt ist Meinungsjournalismus. Ein Team aus Experten weltweit steht so in Diensten der Superreichen, um ihnen die Basis für ihre geschäftlichen Entscheidungen zu liefern.

Mitgründerin der Zeitung ist Anahit Kevorkian, eine querschnittgelähmte Milliardärin, die James bittet, sie auf einem Investorentreffen der Firma Youvatar zu vertreten, damit sie beurteilen könne, ob eine Investition sinnvoll sei, denn Youvatar kündigt ein sensationelles Projekt an. Die Veranstaltung ist gut besucht, die Gründer der Firma, Victoria Watson, Gentechnikerin, und Ralph C. Arnesen, Nanotechnologe, stellen ihr Geschäftsmodell vor, das es ermöglichen soll, im Endausbau das menschliche Gehirn in einen Computer hoch zu laden und der Person so ewiges Leben zu verschaffen. Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass auch das Bewusstsein des Menschen in den Computer übertragen werden kann und man danach mit einem Ersatzkörper ewig weiterlebt.

Neben den Wissenschaftlern ist Peter Young der Finanzier des Projektes, ein sehr umstrittener Investor. Ernste Bedenken kommen James, der das Projekt nicht durchschaut, als er hört, dass Young zwei Geschichten, ein Filmdrehbuch und eine Kurzgeschichte, um horrendes Geld gekauft hat. Dem möchte James auf den Grund gehen. Nunmehr beginnt eine gnadenlose Verfolgungsjagd durch Europa, wobei James und der Autor der Kurzgeschichte, Raymond Ferdurci, nur knapp dem Tod entgehen. Ihre abenteuerliche Flucht endet in Wien, wo es zu einem unvorhergesehenen Treffen mit Peter Young kommt. Und langsam begreift James, was hinter den Plänen von Youvatar wirklich steckt….

In James Henry Windover stellt uns Eschbach das Idealbild eines Journalisten vor, der sich nur der Wahrheit verpflichtet fühlt. Trotzdem verfällt er der Manipulation von Youvatar und überlegt sogar, seine Abonnenten zu einer Investition in das Projekt zu bewegen. Denn er würde gerne selbst ewig leben. Dennoch wird er gerade jetzt durch eine schwere Erkrankung seines Vaters mit dem Tod konfrontiert. Nunmehr beginnt James, das Modell von Youvatar zu hinterfragen und überlegt, welche Auswirkungen das ewige Leben, das sich nur die Superreichen leisten könnten, auf die Entwicklung der Gesellschaft haben würde. Und muss er persönlich nun die Endlichkeit akzeptieren oder gibt es für ihn Hoffnung, dass das “Wunder des Lebens” den Tod besiegt?

Penibel wird die Arbeit der Zeitungsredaktion beschrieben, die aus Spezialisten für sämtliche Branchen, guten Technikern und einem herausragenden Sicherheitsdienst besteht. Jedoch unerwartet tut sich hier eine Lücke im ausgeklügelten System auf, die die Zeitungsmitarbeiter an den Rand ihrer Kapazitäten bringt, um James zu unterstützen. Auch hat Marta, James rechte Hand, immer wieder religiöse Bedenken gegen das Youvatar- Projekt. Erst spät wird James die Wahrheit hinter dieser Geschichte erkennen und Anahit Kevorkian beraten können. Jedoch, will sie seinen Rat annehmen?

Durch seine genauen Schilderungen aller Ereignisse schafft Andreas Eschbach so etwas wie Intimität zwischen James und den Lesenden. Er erzählt in einer bildhaften, fast vertraulich wirkenden Sprache die Vorkommnisse mit allen Details. Auch wenn man sich manchmal überfordert fühlt ob der Fülle der Informationen kann man sich als Lesender der Spannung dieses Thrillers nicht entziehen.

Mit “Die Abschaffung des Todes” hat der Autor ein umfangreiches Werk über ein umstrittenes Thema unserer Zeit vorgelegt, zu dem auch in der Realität immer wieder neue Forschungsergebnisse bekannt werden. Den interessierten Lesenden wird in ausgeklügelten Szenarien sowohl das Für wie das Wider der Verfahren zur Erlangung des ewigen Lebens dargestellt, philosophische und gesellschaftliche Implikationen werden berücksichtigt. Als Lesender sollte man sich keine leichte Lektüre erwarten, jedoch eine sehr interessante Abhandlung über Ethik (Was darf die Wissenschaft?) und Moral (Was kann der Mensch mit seinem Gewissen vereinbaren?) sowie über unabhängigen Journalismus, alles brennende Themen der Gegenwart. Damit hat der Andreas Eschbach einen Thriller geschrieben, der die ganze Aufmerksamkeit der Lesenden erfordert und verdient sowie einen Ausblick in eine ungewisse, vielleicht bald nicht mehr utopisch erscheinende Zukunft. Daher lautet die berechtigte Aufforderung des Autors am Ende der Lektüre:” Behalten Sie im Blick, was in der Welt passiert”!

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Warmherzig und witzig: Ein Tagebuch zum Verlieben

It's me oder Wie mein Leben plötzlich glitzerte
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In ihrem einfühlsamen und witzigen Tagebuchroman “It`s me oder Wie mein Leben plötzlich glitzerte” beschreibt die erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin Mara Andeck liebevoll die Probleme, denen sich ...

In ihrem einfühlsamen und witzigen Tagebuchroman “It`s me oder Wie mein Leben plötzlich glitzerte” beschreibt die erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin Mara Andeck liebevoll die Probleme, denen sich Heranwachsende stellen müssen.

Bei Gwinny, fast vierzehn ,läuft es im Leben nicht ganz rund. Ihre Eltern haben sich getrennt, die heißgeliebte Schwester Evi sieht sie nur jede zweite Woche und sogar Freundin Leo ist krank. Aber da trifft sie eine Fee- nein, einen süßen Jungen, der behauptet, er könne wie eine Fee drei Wünsche erfüllen, wenn Gwinny sieben Aufgaben löst. Die erhält sie auf abenteuerliche Weise immer auf kleinen Zettelchen. Erst ist Gwinny skeptisch, aber ein Versuch schadet nichts.

Und so lernt Gwinny im Lauf der Zeit viel über sich und das Leben. Sie erkennt, dass man Dinge stets von zwei Seiten betrachten kann, Angst überwindbar ist und Herausforderungen gemeistert werden können. Ganz nebenbei glitzert es in ihrer Welt immer mehr, wenn sie an den geheimnisvollen Jungen, Noam, denkt. Durch die Bewältigung seiner Aufgaben gewinnt sie Selbstbewusstsein, kann auch ihren Eltern gegenüber zu ihren Wünschen und Bedürfnissen stehen und zeigt den lästigen Jungs in der Schule, dass Schluss ist mit dummen Gerede.

Das erzählt Gwinny, die sympathisch und offen vom freundlichen Cover des Buches auf die Lesenden blickt, ihrem Tagebuch. Manchmal schreibt sie es wie ein Drehbuch, manchmal schattet sie mit Freundin Leo. Aber ihr Herz hat sie schon lange an den wunderbaren Noam verloren. Bei Aufgabe sieben muss sie all ihren Mut zusammennehmen, um Noam näherzukommen. Schafft Gwinny das?

Selten wurden in einem Buch die Gefühle von Teenagern besser, humorvoller und doch voller Leichtigkeit beschrieben. Leo und Gwinny muss man einfach gern haben und freut sich, welch positive Entwicklung sie durch die gestellten Herausforderungen nimmt. Die phantasievollen Illustrationen lockern die Geschichte wunderbar auf. Die zarte Liebesgeschichte zwischen Gwinny und Noam rundet dieses Buch gelungen ab und sorgt für ein Happy End. Ein tolles Buch für junge Leserinnen ab 11 Jahren!

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