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Veröffentlicht am 03.04.2017

Was ist Wahrheit?

Der Club
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Für den Waisen Hans Stichler bedeutet das Boxen eine Flucht aus dem Alltag. Im Jesuiteninternat in Bayern lernt er von Pater Gerald das Kämpfen. Seine Tante Alex bietet ihm ein Stipendium für die Universität ...

Für den Waisen Hans Stichler bedeutet das Boxen eine Flucht aus dem Alltag. Im Jesuiteninternat in Bayern lernt er von Pater Gerald das Kämpfen. Seine Tante Alex bietet ihm ein Stipendium für die Universität Cambridge an, stellt aber eine Bedingung. Hans soll als Mitglied im elitären Pitt Club aufgenommen werden, um dort im Verborgenen ein Verbrechen aufzuklären. Die reiche und unnahbare Charlotte stellt die notwendigen Verbindungen her. Eine Welt voller Traditionen, Geheimnisse, Geld und Verbindungen öffnet sich Hans und stellt ihn vor die Wahl.

Märchenhaft beginnt Takis Würger sein Debüt, welches eine Mischung aus Entwicklungsroman und Krimi bildet. Ein Haus mitten im einsamen niedersächsischen Wald und ein Kind, das fast nicht geboren wurde, sich lieber versteckt und auf dem Baum ausharrt, als mit anderen Kindern zu spielen. Der stille und schüchterne Hans Stichler, der aus der Ich-Perspektive erzählt, hat mich sofort für sich eingenommen. Er leidet spürbar unter dem Tod seiner Eltern, für den er sich zu Unrecht die Schuld zuschreibt. Statt bei seiner letzten Verwandten, der Kunsthistorikerin Ellen, aufgenommen zu werden, kommt er an ein Jesuiteninternat. Auch hier bleibt Hans allein, findet keinen Anschluss und boxt sich im wahrsten Sinne des Wortes durchs Leben.

Episodenhaft wechseln die acht Erzähler. Durch die flüssige, ruhige und schnörkellose Schilderung erhält der Hörer einen detaillierten, ungefilterten Blick auf das Geschehen. Gleichzeitig wird dadurch eine Spannung aufgebaut, der man sich kaum entziehen kann. Immer wenn man bei einem Erzähler bleiben möchte, wechselt die Perspektive. Ungewöhnlich feinfühlig, vielschichtig und einfühlsam werden Gefühle eingefangen, die man zum Beispiel in einem Boxring nicht erwarten würde.

Dem Autor gelingt es besonders gut, die Atmosphäre dieser traditionsbehafteten Universität einzufangen. Man spürt die Macht, die von diesem Ort ausgeht und riecht das alte Geld, das an den edlen Polstern und Möbeln zu haften scheint. Unzählige elitäre Clubs, geheime Verbindungen und nur wer dazugehört, der hat es geschafft. Viele lassen sich auf ein Spiel ein, aus dem sie nicht unversehrt herausgehen können. Das Verwischen von angenommenen Wahrheiten und der tatsächlichen Realität zeigt sich besonders bei dem narzisstisch versnobten Josh.

"'Es gibt nur zwei Typen von Menschen in Cambridge. Die einen sind reich, die anderen versuchen, reicher zu wirken, als sie sind', sagte er."

Coole Typen in gut geschnittenen Anzügen, Alkohohl in Ströhmen und schöne Frauen. Die Partys und Ausschweifungen im Pitt Club lassen erahnen, um was für ein Verbrechen es sich handeln muss. Doch das eigentliche Verbrechen liegt im Vertuschen, Gutheißen, Wegsehen. Jeder spielt perfekt seine Rolle, versteckt sich hinter einer Maske. Hans steht am Ende allein vor der Entscheidung Freundschaft oder Verrat zu wählen. Die Auflösung ist vielleicht eine Spur zu heroisch dramatisch ausgefallen, glaubhaft aber durchaus.

Dieser Roman mit seinen verschiedenen Erzählperspektiven ist wie gemacht für ein Hörbuch. Fesselnde Sprecher wie Anna Maria Mühe oder Hartmut Stanke machen den Roman zu einem besonders erlebbaren und empfehlenswerten Hörgenuss.

Veröffentlicht am 20.03.2017

Neapolitanisches Stimmungsbild

Die Geschichte eines neuen Namens
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Anfang der 60er Jahre beginnt für die sechzehnjährigen Lila und Elena ein neuer Lebensabschnitt. Lila, jetzt Signora Caracci, ist verheiratet mit einem angesehenen Kaufmann, der ihr ein Leben in Luxus ...

Anfang der 60er Jahre beginnt für die sechzehnjährigen Lila und Elena ein neuer Lebensabschnitt. Lila, jetzt Signora Caracci, ist verheiratet mit einem angesehenen Kaufmann, der ihr ein Leben in Luxus und Ansehen verspricht. Doch dafür zahlt sie einen hohen Preis, denn als Ehefrau hat sie zu gehorchen. Elena setzt dagegen auf ihre Schulbildung und geht aufs Gymnasium, wohl wissend, dass sie sich dadurch immer mehr vom Rione ihrer Kindheit entfernt. Als beide sich in den gleichen Mann verlieben, scheint kein Platz mehr für ihre Freundschaft zu sein.

Elena Ferrante setzt im zweiten Teil ihrer Romanreihe die Geschichte der Freundinnen, erzählt von Elena (Lenù) in der Ich-Form, nahtlos fort. Auf den ersten Seiten findet sich ein ausführliches Personenverzeichnis mit Erläuterungen zu den bisherigen Ereignissen, das den Einstieg erleichtert. Um die Entwicklung der Protagonistinnen besser verstehen zu können, ist es hilfreich, vorab „Meine geniale Freundin“ zu lesen.

Handlungsort ist das düstere, von Gewalt und Brutalität geprägte Neapel in den Jahren 1960 bis 1966. Der Autorin gelingt es, diesen Ort lebendig werden zu lassen, man riecht die muffigen Gassen, sieht die scheelen, misstrauischen Blicke, die einen überall hin begleiten. Im Rione gelten eigene Regeln, an die sich jeder zu halten halt. Um so bemerkenswerter ist es, dass Elena für ihre Bildung kämpft, sich zur Wehr setzt. Doch immer wieder ist es die schöne, unnahbare Lila, die in den Vordergrund rückt.

Durch die Heirat hat sich Lila für eine Zukunft als Ehefrau und Mutter entschieden, nicht ahnend, dass ihr geliebter Mann entgegen aller Beteuerungen gemeinsame Sache mit dem Camorra-Clan macht. Ihren Widerspruch und ihr hitziges Temperament zwingt er mit Gewalt in ihre Schranken.

„Wir waren mit der Vorstellung aufgewachsen, dass kein Fremder uns anrühren durfte, dass aber unser Vater, unser Verlobter, unser Ehemann uns ohrfeigen durfte, wann immer er wollte, aus Liebe, um uns zu erziehen und uns zu bessern.“

Elena, die um keinen Preis so enden möchte wie ihre Mutter, wird zur Vorzeigeschülerin, doch innerlich brennt ein Kampf in ihr. Fast hätte sie sich an einen Mann gebunden, nur um dazuzugehören, denn Anerkennung für ihre Leistungen findet sie im Rione nicht. Ein Sommerurlaub auf Ischia wird zum Wendepunkt der beiden Frauen. Die vermeintliche Leichtigkeit des Sommers steht im spitzen Gegensatz zu den Emotionen, die schließlich in einem furchtbaren Fiasko enden. Elena wendet sich von Lila ab und erhält ein Stipendium an einer Eliteuniversität in Pisa. Sie scheint einen neuen Weg gefunden zu haben, doch die Erinnerung an Lila lässt sie nicht los.

"Und ihr Leben taucht beständig in meinem auf in den Worten, die ich gesagt habe und in denen häufig ihre Worte widerklingen; in jener entschlossenen Geste, die eine Nachahmung einer ihrer Gesten ist; in meinem Weniger, das als solches wegen ihres Mehr da ist; in meinem Mehr, das die Umkehrung ihres Weniger ist."

Lila, der einstige strahlende Stern des Rione, bleibt als Charakter schemenhaft und schwer durchschaubar. Fast meint man, sie sucht sich ihr Leid selbst aus. Elena dagegen ist für mich sehr klar gezeichnet. Trotz ihrer Zielstrebigkeit beim Lernen und den daraus resultierenden Erfolgen, bleibt sie unsicher, scheint ihren Platz im Leben nicht zu finden.

"Aber eigentlich blieb ich eine kulturell allzu angepasste Dilettantin, ich besaß keine Rüstung, in der ich ruhig voranschreiten konnte, wie sie es taten."

Eine vielschichtige und emotionsgeladene Studie menschlicher Schwächen macht den Reiz dieses Romans aus. Der tagtägliche Versuch, aus einer gesellschaftlich vorbestimmten Situation auszubrechen, der Kampf um Anerkennung, um Selbstfindung wird eindringlich und fühlbar vermittelt. Auch wenn das #FerranteFever bei mir nicht ausgebrochen ist, tauche ich gern in die atmosphärische Geschichte ein und bin auf die Fortsetzung gespannt.

Veröffentlicht am 13.03.2017

Zwei Jahre unter der geschlossenen Glaskuppel

Die Terranauten
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Darauf haben sie hingearbeitet, sich gequält, ihr Bestes gegeben. 1994 sind sie die auserwählten Terranauten von "Ecosphere 2“ und dürfen zwei Jahre lang in einem künstlich erzeugten Ökosystem ein neues ...

Darauf haben sie hingearbeitet, sich gequält, ihr Bestes gegeben. 1994 sind sie die auserwählten Terranauten von "Ecosphere 2“ und dürfen zwei Jahre lang in einem künstlich erzeugten Ökosystem ein neues Leben erproben. Ihre streng durchstrukturierten Aufgaben bestehen zumeist aus körperlicher Arbeit, um das System zu betreiben und genug Nahrungsmittel zu erzeugen. Acht Menschen, die sich auserwählt fühlen und sich ihr eigenes Mantra "Nichts rein, nichts raus" vorsagen, um zu zeigen, wie wichtig ihnen ihre Mission ist. Doch zwei Jahre sind lang und nicht alles kann man vorher planen.

Angelehnt an ein tatsächliches Experiment in den 90er-Jahren in Arizona lässt T. C. Boyle vier Frauen und vier Männer als Terranauten in ein gigantisches Terrarium einziehen, das aus Savanne, Regenwald, Ozean und Anbauflächen besteht und unterschiedliche Spezies an Pflanzen und Tieren aufweist. Was vom Betreiber als dauerhaftes Experiment zur Vorbereitung der Marsbesiedelung geplant ist, entwickelt sich mehr und mehr zu einer Sozialstudie.

Perfekt für ein Hörbuch ist die Erzählperspektive des Buches. Drei Erzähler, die gekonnt von August Diehl, Ulrike C. Tscharre und Eli Wasserscheid gesprochen werden, berichten aus der Ich-Perspektive von ihren Erlebnissen vor und während des Experiments. Womanizer Ramsay Roothoorp und die Schönheit Dawn Chapman sind die glücklichen Teilnehmer des Experiments, während Linda Ryu als verschmähte Bewerberin schmollend aus der Außenperspektive berichtet. Der Wechsel zwischen den Sprechern lockert die Laufzeit von knapp 17 Stunden deutlich auf, denn die Spannung des Romans hält sich in Grenzen.

Detailliert und lang gezogen wird beschrieben, wem welche Aufgaben zugeordnet sind und wie der Alltag der Terranauten aussieht. Man meint selbst einen Blick auf die durch Kameras überwachten Missionsteilnehmer zu werfen. Genauso fern und oberflächlich, wie durch einen Bildschirm betrachtet, bleiben die handelnden Personen dann auch. Statt eine Gemeinschaft zu bilden, entfernen sich die Personen immer mehr voneinander. Gelenkt durch das autoritäre System der äußeren Führung, an dessen Spitze der Boss, genannt Gottvater steht, kann keine eigene Gruppendynamik entstehen.

Durch das vorgegebene Setting einer geschlossenen Umgebung hatte ich mir mehr Emotionen, Auseinandersetzung und Lebendigkeit erhofft. Stattdessen wird über Banalitäten wie Schönheitsideale oder Essensträume gesprochen. Selbst dramatische Ereignisse wie das Auftreten von Sauerstoffmangel oder die Nahrungsmittelknappheit während des Winters lassen den Spannungsbogen nur kurz ansteigen. Statt wissenschaftlicher Erkenntnisse erlebt man einen menschlichen Kleinkrieg auf niedrigstem Niveau. Kleine Gemeinheiten, Neid und Zwietracht stehen im Vordergrund. Vom Autor gewollt, um die Schlichtheit des Menschen herauszuarbeiten?

Mich hat das Buch ein wenig ratlos zurückgelassen. Vielleicht war meine Erwartungshaltung auch einfach zu groß. Das Thema an sich fand ich sehr interessant, nur die Umsetzung war mir zu flach und undynamisch. Meine Bewertung liegt knapp unter vier Sternen.

Veröffentlicht am 09.03.2017

Am Abgrund des Lebens gestrandet

Herz auf Eis
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Wer träumt nicht davon aus dem Alltag auszusteigen und die Welt kennenzulernen. Louise und Ludovic machen den Traum wahr und umsegeln während eines Sabbatjahres die Welt. Eine einsame Insel südlich von ...

Wer träumt nicht davon aus dem Alltag auszusteigen und die Welt kennenzulernen. Louise und Ludovic machen den Traum wahr und umsegeln während eines Sabbatjahres die Welt. Eine einsame Insel südlich von Kaphorn im kalten Atlantik reizt die beiden Bergsteiger, denn hier wartet ein Gletscher auf sie. Während der Klettertour zieht ein heftiger Sturm auf, der die Rückkehr zur Jacht unmöglich macht. Dann der Schock am nächsten Morgen: Das Schiff hat sich losgerissen und ist verschwunden. Fern aller Zivilisation kämpfen die Steuerbeamtin und der Kommunikationswissenschaftler ums nackte Überleben.

Isabelle Autissier hat einen so eindringlichen und plastischen Schreibstil, dass man sich von der Handlung mitreißen lässt. Die Autorin spiegelt die tiefsten menschlichen Ängste in einer extrem spannungsgeladenen Geschichte wider. Dazu kommen die Naturschilderungen, die bildhaft die Schönheit und gleichzeitige Unerbittlichkeit der Landschaft zeigen. Man spürt förmlich selbst die raue Gletscherkruste und die Kraft des eisigen Windes. Zwei Großstadtmenschen mit einer Handvoll Habseligkeiten allein auf einer einsamen Insel. Um zu verstehen, was mit den beiden passiert, gibt es einen Rückblick auf die Zeit ihres Kennenlernens. Dabei spielen ihre unterschiedlichen Charaktere eine große Rolle. Hier geht es um viel mehr, als um den existenziellen Kampf gegen Kälte und Hunger.

"Wenn es um das Leben, um den Tod, um Entscheidungen von größter Wichtigkeit geht, zählt der andere nicht mehr. ..... Das ist unbedingtes Recht, ihre Pflicht sich selbst gegenüber."

Die Wahrung der eigenen Würde, das Begreifen des Menschseins wird zu einer immer größeren Bürde. Zwei sich vertrauende, liebende Menschen stehen am Abgrund ihres Lebens und diese Zerrissenheit ist unglaublich intensiv beschrieben. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie schnell man aus der vermeintlich sicheren Komfortzone herausgerissen werden kann und was von einem übrig bleibt, wenn nichts weiter als das Überleben bleibt.

Diese Geschichte rüttelt auf, führt an Grenzen, die man selbst nie erleben möchte und ist ein Spiegel, der den Leser auffordert, sich selbst zu erforschen.
Ein eindringlicher und empathischer Roman, der ein ganzes Spektrum an Emotionen hervorruft und mich begeistert hat.

Veröffentlicht am 06.03.2017

"Jeder will nach Amerika, Sir. Jeder."

Das geträumte Land
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In Amerika, Sehnsuchtsland vieler Einwanderer, will auch der Kameruner Jende Jonga und seine kleine Familie ein neues, besseres Leben beginnen. In New York findet er 2007 eine Anstellung als Chauffeur ...

In Amerika, Sehnsuchtsland vieler Einwanderer, will auch der Kameruner Jende Jonga und seine kleine Familie ein neues, besseres Leben beginnen. In New York findet er 2007 eine Anstellung als Chauffeur bei dem erfolgreichen Finanzmanager Edwards und er tut alles, um seinem Chef zu gefallen. Jendes Frau Neni kümmert sich nicht nur um den kleinen Sohn, sondern sie lernt in jeder freien Minute, um ein Pharmaziestudium beginnen zu können. Ein Aushilfsjob als Nanny während der Sommerferien bei Edwards Frau bessert die Familienkasse auf. Doch das kleine Glück wird von der angekündigten Abschiebung bedroht. Sorgen um den Job, ständige Geldnot und die Angst vor der Familie in Afrika das Ansehen zu verlieren, stellen Jende und Neni auf eine harte Probe.

Imbolo Mbue hat einen hochaktuellen Einwanderer-Roman zur Zeit der amerikanischen Finanzkrise 2008 und der Wahl Barack Obamas geschrieben. Das Schicksal des Kameruner Einwanderers Jende Jonga und des Finanzmaklers von Lehman Brothers, Clark Edwards, wird miteinander verwoben. Gekonnt arbeitet die Autorin die Klassenunterschiede der beiden Familien heraus, ohne allzu viel klischeehafte Vergleiche zu bemühen. Das Erringen des lang erhofften lukrativen Jobs als Chauffeur wird durch eine leichte und humorige Stimmung unterstrichen. Die Edwards stehen für alles, was Jende sich erträumt hat. Sie scheinen den amerikanischen Traum zu leben und stehen für Wohlstand, Ansehen und ein harmonisches Familienleben. Jende fühlt sich wohl, plaudert mit seinem Chef, sorgt sich um dessen Frau und nimmt Anteil an deren Familienleben. Zukunftspläne werden geschmiedet und Geld für eine neue Wohnung zurückgelegt. Man spürt den Elan und die Kraft, die von Jende und Neni ausgehen. Sie verstehen es, ihre Kultur und Mentalität mit der neuen Lebensart zu verbinden. Dennoch geben sie ihre eigenen Wurzeln nicht auf, gehören zu einer kleinen Einwanderergemeinschaft, die ihnen Halt gibt.

"Die Ehen, die die Leute in diesem Land führen, Bo, sind sehr seltsam. Es ist nicht wie zu Hause, wo ein Mann macht, wie er denkt, und seine Frau sich danach richtet. Hier ist es andersherum. Die Frauen sagen ihren Männern, wie sie es wollen, und die Männer machen es, weil sie sich sagen, Ehefrau besser glücklich, weil Leben sonst schrecklich. Die Gesellschaft hier ist seltsam."

Doch langsam kippt die Stimmung, Clark Edwards wirkt unruhig, besorgt. Sein ältester Sohn zieht es vor auf einen Selbstfindungstrip nach Indien zu gehen und selbst die Society-Lady Cindy Edwards kann ihre hart erarbeitete perfekte Fassade nicht mehr aufrechterhalten. Durch die Finanzkrise muss die Investmentbank 2008 Insolvenz beantragen. Zum gleichen Zeitpunkt wird der fast schon sichere Asylantrag Jendes abgelehnt. Die drohende Abschiebung und die Angst um seine Anstellung wirken sich auf das Familienleben aus. Durch den Druck, der auf Jende lastet, wandelt er sich vom sympathischen Ehemann zum machohaften Egoisten, der seine Frau bevormundet und sogar misshandelt. Das Leben wird immer mehr zum Kampf gegen sich selbst und die Gesellschaft. Als Jendes Körper den Strapazen nicht mehr gewachsen ist, trifft er eine unerwartete Entscheidung.

Besonders gefallen hat mir der Satz, den Jende Weihnachten zu seinem Sohn sagt, als dieser nicht versteht, warum es bei ihnen keine Geschenke gibt. Denn trotz aller materiellen Dinge, die sie sich erhoffen, ist ihnen die Familie doch am wichtigsten.

"Ob jemand dich wirklich liebt - so Jendes Vortrag jedes Mal -, zeigt sich an dem, was er mit seinen Händen für dich tut, welche Wörter er dir aus seinem Mund schenkt und was sein Herz über dich denkt."

Am Ende hat jeder selbst sein Leben in der Hand und entscheidet über den zukünftigen Weg. Diese bewegende Geschichte hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen und ist in Zeiten der Trumpregierung an Aktualität nicht zu schlagen.