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Veröffentlicht am 24.02.2021

Tipps um ein eigenes Körpergefühl zu erlangen und sich wohlzufühlen

Essen gut, alles gut
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Gesund leben, Gewicht halten, jung aussehen, fit sein. Jeder von uns hat so seine Baustellen und sucht nach dem persönlichen Ideal. In diesem Ratgeber über Essen und Ernährung finden sich wichtige Aspekte, ...

Gesund leben, Gewicht halten, jung aussehen, fit sein. Jeder von uns hat so seine Baustellen und sucht nach dem persönlichen Ideal. In diesem Ratgeber über Essen und Ernährung finden sich wichtige Aspekte, die Anregungen geben, um diesen Wünschen ein Stück näher zu kommen.

Als Ökotrophologin (Ernährungswissenschaft mit den Schwerpunkten Sporternährung, Essverhalten und Kommunikation) weiß
Heike Niemeier wovon sie spricht. Sie überzeugt durch einen leichten Schreibstil, der grundlegende wissenschaftliche Details lesbar aufbereitet. Viele Schautafeln unterstreichen den Inhalt und verdeutlichen die Inhalte.

Vieles hat man schon gehört, aber selten habe ich so unterschiedliche Themen so kompakt aufbereitet vorgefunden. Anhand von Beispielen schildert die Autorin, wie man mit wenig Veränderungen viel erreichen kann, um ein besseres Körpergefühl zu bekommen. Besonders gut hat mir gefallen, dass darauf hingewiesen hat, dass jeder Körper anders aufgebaut ist. 70 kg sind bei jedem anders verteilt. Ein Tipp kann für jemanden sehr gut funktionieren, für den anderen halt nicht.

Rezepte und Einkaufstipps runden diesen Ratgeber ab und machen Lust durchzustarten. Ich habe das Buch inzwischen häufig zur Hand genommen, um mich zwischendurch wieder upzudaten.

Empfehlenswert ist auch die Website https://essenz.hamburg/, auf der man noch weitere Rezepte und Tipps finden kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2021

"Heute gibt es nichts, was eine oder ein Musk nicht tun kann."

Eine Frau, ein Plan
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Rückblick auf ein bewegtes Leben. Maye Musk, geboren im Jahr 1948, alleinerziehende Mutter von drei sehr erfolgreichen Kindern, lässt ihr nicht immer leichtes Leben Revue passieren.

Maye Musk wächst in ...

Rückblick auf ein bewegtes Leben. Maye Musk, geboren im Jahr 1948, alleinerziehende Mutter von drei sehr erfolgreichen Kindern, lässt ihr nicht immer leichtes Leben Revue passieren.

Maye Musk wächst in einer abenteuerlustigen, quirligen Familie auf. Ihr Vater sucht in der Wüste nach einem verschollenen Ort und alle Familienmitglieder begleiten ihn. Sehr jung - wie es damals üblich war - schlittert sie in eine unheilvolle Ehe, die sie erst nach neun Jahren beendet. Sie ist zwar eine erfolgreiche Ernährungsberaterin, aber sich selbst hat sie nicht im Griff. Übergewicht und fehlendes Selbstbewusstsein machen ihr zu schaffen. Durch Selbstdisziplin und Zielsetzung gelingt es ihr jedoch, sich ein neues Leben aufzubauen. Dabei scheut sie auch nicht davor zurück, zusammen mit ihren drei Kindern in andere Länder zu ziehen und immer wieder von vorn anzufangen.

Soweit ein interessantes und sehr spannendes Leben. Leider wiederholt sie ihr Musk-Mantra "Ich bin Model und Ernährungsberaterin" in jedem Kapitel auf ein Neues. Irgendwann nervt es immer wieder darauf gestoßen zu werden. Die Biografie ist nicht chronologisch, sondern thematisch aufgebaut, deshalb kommt es wohl auch zu einigen Wiederholungen. Sie kann sicher auf ihre Erfolge stolz sein. Unbestritten sieht sie trotz ihrer 71 Jahre sehr attraktiv aus und wird sicherlich auch auf anderen Gebieten erfolgreich sein, aber bitte nicht auf jeder Buchseite. Ihre Gedanken fasst sie häufig in Tipps zusammen:


"Neue Orte und Menschen kennenzulernen, kann Ihren Horizont ungemein erweitern und Sie glücklich machen."

"Was Sie brauchen ist kein Wundermittel, sondern ein Plan."


Nicht wirklich neu und auch nicht inspirierend. Auch wenn sie immer wieder davon spricht, wie wichtig es ist, einen Plan zu machen, so ist ihr persönlicher Plan in dieser Biografie nicht zu finden. Sie transportiert wenig Emotionen und schildert sehr sachlich, wie ihr bisheriges Leben ausgesehen hat. Lediglich im Kapitel, in dem es um Ernährungsberatung geht, merkt man ihr an, dass dies ihre Leidenschaft ist. Mich hätte eher interessiert, wie sie sich gefühlt hat, als sie einem brutalen Ehemann ausgesetzt war und sich dann befreien konnte. Wie ihre Kinder mit der Situation umgegangen sind. Lediglich der Satz "Heute gibt es nichts, was eine oder ein Musk nicht tun kann." gibt wieder, wie stolz sie auf ihre Kinder sein muss.

Ich habe mehr Hintergrundinformationen erhofft und weniger Lebensweisheiten. Eine interessante Frau, die sicher mehr zu erzählen hätte, als sie hier preisgibt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 17.02.2021

Punktsieg für den Hund

Bonnie Propeller
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In einer Kurzerzählung schildert die 1941 geborene namenlose Icherzählerin, wie sie nach dem Tod ihres Hundes einen Nachfolger sucht, heftig enttäuscht wird und sich nur schwer mit dem zu kurz geratenen ...

In einer Kurzerzählung schildert die 1941 geborene namenlose Icherzählerin, wie sie nach dem Tod ihres Hundes einen Nachfolger sucht, heftig enttäuscht wird und sich nur schwer mit dem zu kurz geratenen "hässlichen Entlein" arrangiert.

Auf nur 64 Seiten wird das Zueinanderfinden von Mensch und Hund von der Autorin Monika Maron erzählt. Der Schreibstil ist einfach und gut lesbar.

Die ersten Sätze hätten aber fast schon dazu geführt, das Buch aus der Hand zu legen.

"Es ist das Bündnis von zwei Kreaturen mit dem einzigen Zweck, einander Freude und Beistand zu sein. "

Für mich ist ein Hund ein Familienmitglied, kein Dienstleister. Auch wenn ich verstehen kann, dass die alte Dame nicht lange allein sein möchte, ist die Suche im Internet per Bild und Video m. E. nicht der richtige Weg. Der persönliche Kontakt zum Tier ist sehr wichtig, man kauft doch keinen Gegenstand. Die Vermittlung erfolgt dann über eine Fundhund-Organisation, die sogar eine Möglichkeit zum Umtausch einräumt, weil der Hund unerwartet hässlich ist.

Was macht das mit dem Tier, wenn es wie ein Wanderpokal herumgereicht wird? Warum werden die Hunde mitten in der Nacht auf einem Parkplatz abgegeben? Ich empfinde das als falsch verstandene Tierliebe.

Der Protagonistin kann ich keine Sympathie abgewinnen. Der Hund muss perfekt sein. Darf nicht bellen, muss ruhig, aber nicht langweilig sein. Das Aussehen stört sie enorm.

"Dieses kleine, unschöne Tier sollte nun mein letzter Hund sein ...."

Da hilft auch nicht, das Tier mit teuren Accessoires auszustatten.

Erst als der Hund durch Kunststückchen und Freundlichkeit die Aufmerksamkeit anderer Menschen gewinnt, ist die Besitzerin auch mit dem Tier zufrieden.

Hält die Autorin uns den Spiegel hin. Seht her, selbst die Tiere müssen perfekt sein. Gebt den Außenseitern eine Chance. Oder schildert sie nur ihre eigene Geschichte? Das wäre sehr schade, denn Bonnie Propeller hat einen liebevollen Besitzer verdient.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2021

Dieses Frau hat etwas zu sagen - wow, und wie!

One Life
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Megan Rapinoe ist eine außergewöhnliche Profisportlerin, die den Frauenfußballsport wie keine andere in den Focus der Medien gerückt hat. Sie auf diese Rolle zu minimieren, wäre aber kleingeistig. Sie ...

Megan Rapinoe ist eine außergewöhnliche Profisportlerin, die den Frauenfußballsport wie keine andere in den Focus der Medien gerückt hat. Sie auf diese Rolle zu minimieren, wäre aber kleingeistig. Sie ist inspirierend, präsent, unbequem und polarisierend. Sie hat es verstanden, ihre Popularität zu nutzen, um auf unbequeme Gesellschaftsthemen aufmerksam zu machen.


Ihre Biografie ist chronologisch aufgebaut und beginnt mit ihrer Fußballkarriere. Bewundernswert ist hier der Anteil ihrer Familie daran. Sowohl ihre Zwillingsschwester wie auch Megan wurden stark von der Familie unterstützt. Unzählige Fahrten mit dem Auto, Freizeitaufgabe und Engagement waren nötig, um den Mädchen ihren Traum zu ermöglichen.

Jeder Satz sprüht nur so vor Energie, auch wenn ich kein Fußballfan bin, kann ich ihre Leidenschaft für diesen Sport verstehen und nachvollziehen. Bewundernswert ist, dass sie trotz ihrer sportlichen Erfolge alles gefährdet, als sie 2011 ihr öffentliches Coming-out hat. Obwohl einige ihrer Spieler-Kolleginnen auch lesbisch sind, bleiben sie lieber im Schatten, was ihr gutes Recht ist. Manchmal ist Megan Rapinoe sicherlich auch über das Ziel hinaus geschossen. Ihre leidenschaftliche Art und ihre spontane Reaktionen kommen nicht immer gut an. Es hindert sie aber nicht daran, sich stetig für die Rechte der LGBTQ-Community (Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und queere Personen) einzusetzen. Sie versteht es, ihre Berühmtheit für Ansprüche von Minderheiten einzusetzen.

Ihr Engagement für Black Lives Matter 2016 hat ihr dann doch viele Schwierigkeiten im Sport bereitet. Sie durfte nicht mehr am Training der Nationalmannschaft teilnehmen, wurde von Trainern und Sponsoren gemieden. Dennoch ging sie bei der Nationalhymne auf die Knie, um Verbundenheit mit dem NFL-Spieler Colin Kaepernick zu teilen. Anders als er konnte Megan Rapinoe weiter als Spielerin aktiv bleiben und sich selbstverständlich unablässig für Ungerechtigkeiten einsetzen. Die Gleichbezahlung von Fußballnationalspielern ist ein weiteres Thema. Ungeheuerlich mit was für einem vergleichsweise niedrigen Taschengeld sich die weitaus erfolgreicheren Frauen gegenüber den Männern abfinden sollten. Legendär ist ihre Weigerung, nach einem Sieg der WM 2019 einer Einladung ins Weiße Haus zu folgen:

https://youtu.be/8X5ixs8Nsd0 (CNN Interview mit Megan Rapinoe dazu)

Ihre Einblicke in ihr Privatleben sind sehr persönlich und offen. Ob es die Beziehung zu ihrer Schwester ist oder die Darstellung ihrer Beziehungen. Ihre Gefühle wirken authentisch und ungeschminkt und genau das macht die Attraktivität von Megan Rapinoe aus.
Aktuell endet die Biografie im Frühjahr 2020 mit dem Beginn des Corona-Lockdowns.

Ich bin sicher, wir werden noch viel von dieser starken Frau hören und es ist wünschenswert, wenn man sich ein Beispiel nimmt und offener für Themen außerhalb der persönlichen Komfortzone wird.

  • Cover
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Veröffentlicht am 17.02.2021

"Zu guter Letzt leiden wir alle an uns selbst"

Den Sommer kannst du auch nicht aufhalten
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Zu seinem 16. Geburtstag wird Sonny, ein Junge mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen aus dem Pflegeheim von Pierre abgeholt. Diesmal wird es kein kurzer Spaziergang, sondern ein ganz besonderer ...

Zu seinem 16. Geburtstag wird Sonny, ein Junge mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen aus dem Pflegeheim von Pierre abgeholt. Diesmal wird es kein kurzer Spaziergang, sondern ein ganz besonderer Ausflug. Pierre "entführt" Sonny an einen seiner Lieblingsorte in die Provence, um dem Jungen und dem Leser eine bewegende Geschichte zu erzählen.

Dimitri Verhulst macht es dem Leser im Einstieg nicht leicht. Seine Erzählung startet mit Beleidigungen gegenüber einem körperlich stark beeinträchtigten Jungen, der vom Hauptprotagonisten Pierre mehr als verletzend behandelt wird.

" 'Vegetativer Idiot?' Nun ja, das Etikett, das er diesem Produkt eines reichlich schieläugigen Schöpfers damit verpasste, war vielleicht nicht das wissenschaftlich korrekteste.'"

Hier hätte ich tatsächlich fast abgebrochen, weil mich die Worte sehr abgestoßen haben. Dann beginnt aber erst die eigentliche Reise und mit ihr die Geschichte.

Pierre holt Sonny regelmäßig im Pflegeheim ab, um ihn im Rollstuhl durch den Park zu schieben. Der Junge kann nicht sprechen, sich nicht durch Mimik verständlich machen. Zum 16. Geburtstag, den Sonny laut Diagnose gar nicht erreichen sollte, fährt Pierre mit ihm nach Avignon. Die Fahrt wirkt ungeplant, spontan. Weder ist das Heim informiert, noch gibt es Medikamente oder notwendige Hygieneartikel. Nichtsdestotrotz sucht Pierre eine Unterkunft für die Nacht und kümmert sich recht unprofessionell um die Bedürfnisse des Jungen.

Ausgerechnet auf einen Berg zieht es Pierre. Da es mit dem Rollstuhl undenkbar ist, trägt er Sonny hinauf, um anschließend noch einmal zurückzugehen, um den Rollstuhl zu holen. Hier auf dem Berg beginnt Pierre von Sonnys Mutter zu erzählen. Plötzlich wird dieser grobe Zyniker weich und zeigt Emotionen. Der ewige Schwerenöter, dem die Liebe bis dahin fremd war, verliebte sich in eine deutlich jüngere Frau. Dieses Kennenlernen, Abtasten und Aufsicheinlassen ist sehr klar und spürbar beschrieben. Sie waren glücklich, hatten Zukunftspläne, liebten die Provence und das Leben. Und doch spürt man diesen Schatten, der sich in den Sätzen verbirgt. Obwohl er sie so liebt, erwähnt er niemals ihren Namen.

Je länger er erzählt, desto vertrauter ist der Umgang mit Sonny, er nimmt den Jungen klarer wahr, achtet auf dessen wenige Bewegungen und nimmt ihn als Person wahr.

Die Handlung schlägt eine unerwartete Richtung ein, weckt beim Leser Gefühle und macht nachdenklich. Dieses "Was wäre wenn", was jeder im Leben schon erlebt hat, ist plötzlich sehr präsent.

Mich hat diese kurze Erzählung unerwartet bewegt


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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