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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.12.2024

Die Hemmschwelle sinkt

Mordscoach
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Das Cover ist passend zur Thematik des Krimis gestaltet, sodass man schon ahnen kann, was einen erwartet. Auch mich hat es an die "Achtsam Morden"-Reihe erinnert und ich dachte zunächst, es wäre vielleicht ...

Das Cover ist passend zur Thematik des Krimis gestaltet, sodass man schon ahnen kann, was einen erwartet. Auch mich hat es an die "Achtsam Morden"-Reihe erinnert und ich dachte zunächst, es wäre vielleicht vom gleichen Autor, aber die Verfasserin ist eine andere. Der Krimi ist unter einem Pseudonym veröffentlicht, da die Autorin selbst als Psychotherapeutin arbeitet und das nicht mit ihrer Schreibtätigkeit vermischen möchte.

Sophie Stach, die Protagonistin, ist Coachin und Psychotherapeutin ohne Kassenzulassung. Eines Tages taucht die Geliebte ihres Mannes, mit dem sie bis dahin glaubte, eine glückliche Beziehung zu führen, als Patientin getarnt in ihrer Praxis auf und provoziert Sophie so sehr, dass es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommt, die zum Tod der anderen Frau führt. Dieser setzt eine Abwärtsspirale in Gang und es kommt zu immer extremeren Ereignissen.

Ich fand den Krimi recht unterhaltsam und ungewöhnlich. Der Handlung ist teilweise recht skurril, insbesondere, weil Sophie ihre Handlungen, typisch Psychotherapeutin, reflektiert analysiert. Manchmal ist es mir aber auch doch einen Tick zu viel, einerseits was die Analyse angeht, andererseits bezogen darauf, was gerade noch realistisch ist. Der Schreibstil der Autorin war aber flüssig lesbar und auch die psychologischen Hintergründe wurden so beschrieben, dass es für Laien verständlich bleibt.

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Veröffentlicht am 22.12.2024

Von der Vergangenheit eingeholt

Neun Tage Wunder
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Bei "Neun Tage Wunder" geht es um die Geschichte von Anni, Ben und Lukas. Anni kommt eigentlich aus München, lebt aber mit Ben und dessen Tochter im Grundschulalter in Glückstadt. Da holt sie plötzlich ...

Bei "Neun Tage Wunder" geht es um die Geschichte von Anni, Ben und Lukas. Anni kommt eigentlich aus München, lebt aber mit Ben und dessen Tochter im Grundschulalter in Glückstadt. Da holt sie plötzlich ihre Vergangenheit ein, als sie das Plakat zur Vorstellung eines Bildbandes sieht, das ausgerechnet ihre ehemalige vermeintlich große Liebe aus München, Lukas zeigt, mit dem sie nach einem schicksalshaften Kennenlernen nur wenige Tage zusammen war, bis etwas passierte, was ihr Leben aus den Bahnen warf. Was genau das war, erfährt man erst am Ende des Buches, sodass die Spannung lange erhalten bleibt. Ohne, dass Anni es mitbekommt, lernen nun Ben und Lukas sich kennen. Ben ist Schriftsteller und auf der Suche nach Stoff für seinen ersten Liebesroman, nachdem er bisher nur Krimis geschrieben hat. Da erzählt ihm ausgerechnet Lukas seine Geschichte einer unglücklichen Liebe.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Es handelt sich um einen modernen, nicht zu kitschigen Liebesroman mit sympathischen Protagonist:innen. Lange ist auch nicht vorhersehbar, was genau zwischen Anni und Lukas passiert sein könnte und wie alles ausgeht. Dazu trägt auch bei, dass aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und man so nach und nach mehr Puzzleteile zusammensetzen kann. So kann man sich auch gut in alle Beteiligten hineinversetzen. Der Schreibstil war angenehm und es gab auch manchmal humorvolle Szenen. Ich habe das Hörbuch gehört und empfand die Sprecherin als gut ausgewählt, das Sprechtempo war angemessen und die Stimme zur Geschichte und ihren Personen passend.

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Landleben heute

Alles büddn wild
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Annemarie Paulsen, um die 30, betreibt mit ihrem Mann einen Bauernhof mit neun Mitarbeitenden in Brandenburg, hat bereits vier Kinder und informiert als Influencerin darüber, wie das Landleben abseits ...

Annemarie Paulsen, um die 30, betreibt mit ihrem Mann einen Bauernhof mit neun Mitarbeitenden in Brandenburg, hat bereits vier Kinder und informiert als Influencerin darüber, wie das Landleben abseits aller Klischees wirklich aussieht. Nun hat sie all das in ein Buch gepackt.

Sie, die selbst aus einer bäuerlichen Großfamilie aus Schleswig Holstein stammt, hat sich nach einem Studium, das ihr durchaus auch andere Möglichkeiten geboten hätte, bewusst dafür entschieden, dass sie auf einem landwirtschaftlichen Betrieb arbeiten möchte und hat später mit ihrem Mann den Betrieb von dessen Eltern übernommen. Im Buch erzählt sie nun einerseits verschiedene Anekdoten von ihrer Kindheit und Jugend auf dem Land, berichtet aber auch davon, welche Konsequenzen es hat, heute in so einem kleinen Dorf zu leben. Außerdem bringt sie dem Leser näher, welche Verantwortung auf den Schultern von ihr und ihrem Mann lastet und was ihnen teilweise Probleme bereitet.

Das alles erfolgt auf eine sympathische, zugleich informativ, aber auch humorvolle Art. So erfährt man aus erster Hand Dinge über die Landwirtschaft und das Landleben, die einem bisher so vielleicht noch nicht bewusst waren und erwirbt (neuen) Respekt vor dieser Arbeit.

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Veröffentlicht am 08.12.2024

Spannender Schweden-Krimi

Blutbuße
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Im Bergdorf Åre im Norden Schwedens wird mitten in der Skisaison die Stockholmer Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind in ihrem Hotelzimmer erstochen aufgefunden. Hanna Ahlander und ihr Kollege Daniel ...

Im Bergdorf Åre im Norden Schwedens wird mitten in der Skisaison die Stockholmer Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind in ihrem Hotelzimmer erstochen aufgefunden. Hanna Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog übernehmen den Fall. Es gibt anscheinend einen Zusammenhang zu einem verlassenen, ehemals sehr mondänen Hochgebirgshotel, das Charlotte Wretlind komplett neu aufbauen und wieder eröffnen wollte. Bald gibt es aber noch eine weitere Tote.

Schon das Cover bringt einen in Stimmung für das winterliche Schweden. Hanna und Daniel als Ermittelnde kenne ich schon aus dem letzten Band und habe mich auf das Wiedersehen mit ihnen gefreut. Beide sind mir sehr sympathisch und ich mag es, wie auch immer wieder Privates in die Handlung einfließt, ohne, dass der eigentliche Fall zu sehr in den Hintergrund tritt. Die Auflösung der Mordfälle gestaltete sich recht lange spannend, indem zunächst falsche Fährten gelegt wurden. Der Schreibstil der Autorin war gut lesbar und auch Lokalkolorit war vorhanden und die Atmosphäre und die erschwerten Arbeitsbedingungen in dem recht abgelegenen Wintersportort wurde gut eingefangen. Gerne würde ich auch den nächsten Teil der Reihe lesen.

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Veröffentlicht am 08.12.2024

Die dunklen Seiten der Pflegekind-Vermittlung

Im Namen der Barmherzigkeit
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Seit einiger Zeit widmet sich Hera Lind, die man zuvor eher durch Liebesromane kannte, dem Verfassen von Romanen, die auf wahren Schicksalen beruhen, die ihr zugetragen wurden. Diese Geschichten sind meist ...

Seit einiger Zeit widmet sich Hera Lind, die man zuvor eher durch Liebesromane kannte, dem Verfassen von Romanen, die auf wahren Schicksalen beruhen, die ihr zugetragen wurden. Diese Geschichten sind meist mit sehr traumatischen Erlebnissen für die Protagonist:innen verbunden und keine leichte Kost.

Diesmal steht das Schicksal von Steffi im Mittelpunkt, deren Mutter sie in den 70er Jahren direkt nach der Geburt in Pflege gab, weil sie in einer außerehelichen Affäre gezeugt wurde. Mit knapp drei Jahren landet sie dann auf einem Bauernhof in der Steiermark als Pflegekind. Die Bauernfamilie nimmt regelmäßig neue Pflegekinder zusätzlich zu ihren leiblichen Kindern auf und genießt dadurch großes Ansehen. In Wirklichkeit geht es ihnen aber um das Geld vom Jugendamt und um die Arbeitskraft der Pflegekinder, die sie barfuß und extrem hart für sich schuften lassen. Die weiblichen Pflegekinder werden zudem noch vom Bauern aufs Brutalste missbraucht.

Diese Geschichte ist wahrlich keine leichte Kost, beruht aber leider auf Tatsachen und recht viele Pflegekinder egal ob in Deutschland oder Österreich, teilten dieses Schicksal, dass sie zumindest als billige Arbeitskräfte ausgebeutet und teilweise auch missbraucht wurden. Hera Lind hat recht wenig an den Tatsachen verändert und nur Kleinigkeiten so angepasst, dass es sich für einen Roman eignet. So wird das Leid, das diese Kinder erleben mussten, während die Behörden nichts mitbekamen oder sogar bewusst wegschauten, sehr eindrucksvoll. Wer bezüglich sexuellem Missbrauch eine eigene Geschichte hat oder empfindlich reagiert, sollte aber wissen, dass alles recht detailliert geschildert wird und eventuell triggern könnte. Ich habe das Hörbuch zum Roman gehört. Dabei wurde die Sprecherin passend gewählt und es fiel mir nicht schwer, der Handlung zu folgen.

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