Abgründiges im Kleid der Ballkönigin
Nachtumweht„Nachtumweht“
Diese Wort-Neuschöpfung verbirgt beim Hereinspüren genau das, worum es bei Jens-Philipp Gründlers Werken immer wieder geht: Abgründiges im Kleid der der Ballkönigin.
Ohne Anstrengung erhebt ...
„Nachtumweht“
Diese Wort-Neuschöpfung verbirgt beim Hereinspüren genau das, worum es bei Jens-Philipp Gründlers Werken immer wieder geht: Abgründiges im Kleid der der Ballkönigin.
Ohne Anstrengung erhebt er seine Protagonisten in die höchsten Höhen, nur um sie einen Satz später am Boden zerschellen zu lassen.
Besonders eindrücklich gelingt ihm das beim „Poet der Schlachthöfe“ – meinem Lieblingsstück aus diesem Buch. Er vereint die Brutalität eines Schlachters mit der Feingeistigkeit eines von Liebe überquellenden Lyrikers, der nach Feierabend seine „Sülzesätze“ zu Papier bringt.
Dass mein Korrekturprogramm dieses Wort nicht kennt, wundert mich nicht im Geringsten, entspringt es ebenso Gründlers eigenen Tiefen, wie das Wort „Nachtumweht“ und ist dabei so trefflich, dass es besser nicht geschöpft hätte werden können.
Die Kollaboration mit Michael Blümel ist eine kurze Symbiose im Rauschen der Zeit, schafft es Blümel doch, jede Erzählung auf den Punkt in Form zu gießen und uns mit seiner inneren Version der Geschichte zu inspirieren.
Dass dabei kein Bild von „No future, No past“ zugegen ist, mutet an wie ein Witz des Universums, gibt es doch im Hier und Jetzt kein Innehalten.
Beide Künstler begeben sich in andere Sphären und greifen mit beiden Händen nach dem, was die Welt zusammenhält: Am Ende siegt (fast) immer die Liebe und die Hoffnung stirbt zuletzt.
Wer sich auf dieses Büchlein einlässt, erfährt für einen kurzen Moment ein Innehalten. Du wirst erinnert an deine eigenen Schatten, an die Tragik und Komik, die das Leben für dich bereithält und an ein unsichtbares Netz, in dem am Ende alles einen Sinn ergibt.