Rasante Spannung, versteckt im Glashaus
Party of Liars"Party of Liars" von Kelsey Cox hat mich von der ersten Seite an fasziniert und teilweise an Hendrik Ibsens "Nora - ein Puppenheim" erinnert. Es ist kein gewöhnlicher Krimi oder Thriller, sondern ein Ereignis, ...
"Party of Liars" von Kelsey Cox hat mich von der ersten Seite an fasziniert und teilweise an Hendrik Ibsens "Nora - ein Puppenheim" erinnert. Es ist kein gewöhnlicher Krimi oder Thriller, sondern ein Ereignis, das sich zwar physisch in ein und demselben Raum abspielt, aber die Geschichten der miteinander auf verschiedene Weise verbundenen Menschen immer mehr zu einer Person hin verdichtet, deren elementare Rolle sich erst zum Ende hin entfaltet.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der einzelnen Figuren zusammengefügt und immer wieder blitzt in wenigen Sätzen der Umstand auf, dass jemand auf mysteriöse Weise umgekommen ist, ohne dass näher darauf eingegangen wird, um wen es sich handelt bzw. was passiert ist und so wird die Spannung bis zum letzten Atemzug hochgehalten.
Auffällig erschien mir, dass vorerst außer Ethan alle Hauptpersonen eine mehr oder weniger schwierige Biographie aufweisen: die trinkende Kim, die psychisch labile Dani, das Scheidungskind Sophie, die schüchterne Mikayla, welche ihren Schwarm nicht bekommt, Gemma, die von Kim verletzt worden ist. Ethan hingegen zeigt sich glatt, feinfühlig, besorgt, liebt seine psychisch instabile Frau und seine Töchter, hat einen soliden Reichtum erschaffen, dessen sichtbares Ergebnis das Glashaus, ein Puppenhaus ist, das die Bewohner und Besucher den Blicken anderer von außen preisgibt, jedoch trotzdem die Wirklichkeit der wichtigen Geschehnisse verbirgt.
Nicht richtig in die Geschichte will das zunächst geheimnisvolle Kindermädchen Órlaith passen. Man gewinnt von ihr den seltsamen Eindruck, dass sie nur unter dem Einfluss der Vorgeschichte des Hauses handle, teilweise den einer verschrobenen Alten, die seltsame Dinge im Schilde führt, wobei sie die Tatsache, dass sich die angebliche Freundschaft mit Vera als Unwahrheit erweist, Recht verdächtig macht.
Als große Überraschung hingegen zeigt sich Mikayla, von der man lange Zeit den Eindruck gewonnen hatte, dass sie ein Mauerblümchen sei, nur versessen darauf, irgendwie ihrem Schwarm Mason zu gefallen, tief verletzt, dass Sophie ihr denselben ausgespannt hat.
Im Prinzip ist sie es eigentlich, die den Anlass zum entscheidenden Wendepunkt gibt, begonnen mit der Enttäuschung, als Sophie ihr glücklich von ihrem Date im Restaurant mit Mason erzählt, und dem darauffolgenden Augenblick, als sie auf der Schaukel sitzt. Die Begegnung mit Ethan verändert alles, vor allem in seinem Leben. Er, der über alles die Kontrolle behalten will, aufgrund seiner schwierigen Kindheit Kims und Danis Leben überwacht und zu seinen Gunsten gestaltet, erlebt durch Mikayla nicht nur einen Augenblick von Schwäche, die ihm am Ende zum Verhängnis wird, sondern wird auch noch damit konfrontiert, dass dieses junge Mädchen mit seiner krankhaften Eifersucht auf Dani und Ethans kleine Tochter Charlotte das kaputt machen will, was er sich mühselig erschaffen hat.
Einen weiteren Wendepunkt leitet Órlaith ein, indem sie Kim dazu bewegt, mit dem Trinken aufzuhören und ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen sowie der Rat an Dani, an den Anfang des Geschehens, der ihr Leben so sehr verändert hat, zurück zu kehren.
Diejenigen, welche eine tiefe Abneigung aus unterschiedlichen Gründen gegeneinander empfinden, Kim, Dani und Gemma, fangen schließlich an, miteinander zu kommunizieren, ein Band zu knüpfen und das Schicksal all jener Frauen inklusive Órlaith kumuliert sich in der jähen Offenbarung von Ethans Kontrollwahn, der im Leben der Frauen den größten Schaden angerichtet hat. Seine Angst um sich selbst wird ihm schließlich zum Verhängnis und mit Órlaiths Eingreifen, als er Dani umbringen will, schließt sich der Kreis hin zu ihrer Tochter, welche seinetwegen den Weg in den Suizid genommen hat.
Erst mit der Erkenntnis über Ethans Leben und seinem Tod kann nimmt die innere Heilung der Frauen ihren Lauf.