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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2024

Über die Schrecken des 2. Weltkrieges

Und Großvater atmete mit den Wellen
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Im Gegensatz zu den meisten Büchern, die sich um den 2. Weltkrieg drehen, geht es in „Und Großvater atmete mit den Wellen“ nicht um die Nazis, sondern um die Japaner. Trude Teige erzählt von Gefangenenlagern ...

Im Gegensatz zu den meisten Büchern, die sich um den 2. Weltkrieg drehen, geht es in „Und Großvater atmete mit den Wellen“ nicht um die Nazis, sondern um die Japaner. Trude Teige erzählt von Gefangenenlagern auf Indonesien. Angesiedelt ist der Roman in der Stadt Java, in der die Japaner ein Männer- und ein Frauenlager errichtet hatten. Teige bringt uns die Zustände in den Gefangenenlagern auf emotionale Weise näher.

Durch ihren direkten und prägnanten Schreibstil konnte ich mich gut in die Protagonisten des Buches hineinversetzen. Was sie erleben müssen, ist wirklich schlimm. Aber durch die klaren Worte, die Teige dafür findet, gelingt es ihr, die Zustände vorstellbar werden zu lassen. Neben der Krankenschwester Sigrid, ihrer Schwester Ingerid und ihrer Mutter verfolgen wir in einer zweiten Perspektive Konrad. Konrads Perspektive erweitert den Roman auch um den Krieg auf offener See. Konrad erzählt uns in seiner Perspektive davon, was er erleben musste, nachdem sein Handelsschiff von Torpedos im Indischen Ozean angegriffen wurde und wie er es dann bis nach Java geschafft hat. Gerade weil wir uns solche Ereignisse heutzutage gar nicht mehr vorstellen können, ist dieser Roman umso wichtiger, um die Schrecken des Krieges aufzuzeigen.

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Veröffentlicht am 02.05.2024

Zeigt die Probleme eines solchen Medikaments eindrücklich auf

Wir werden jung sein
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Wie würde unser Leben aussehen, wenn es ein Medikament gäbe, mit dem man verjüngt werden könnte? Diese Frage stellt Maxim Leo in „Wir werden jung sein“.

Die Geschichte ist aus fünf Perspektiven geschrieben: ...

Wie würde unser Leben aussehen, wenn es ein Medikament gäbe, mit dem man verjüngt werden könnte? Diese Frage stellt Maxim Leo in „Wir werden jung sein“.

Die Geschichte ist aus fünf Perspektiven geschrieben: zum einen haben wir vier Personen, die das Medikament verabreicht bekommen: den Gymnasiasten Jakob, dann den schon relativ alten Geschäftsführer Wenger, die Ex Profischwimmerin Verena und Jenny, die sich sehnlichst ein Kind wünscht. Daneben wir auch die Sicht von dem Entwickler des Medikaments Martin und Miriam, die sich mit der ethischen Betrachtungsweise beschäftigt, beleuchtet. Alle Perspektiven sind toll geschrieben und beleuchten jeweils andere Sichtweisen.

Maxim Leo zeigt schnell auf, zu welchen unerwünschten Nebenwirkungen das Medikament führen könnte. Nebenwirkungen, an die man zunächst nicht denken würde, die aber unser Leben äußert problematisieren würden: so wird der 17 jährige Gymnasiast z.B. so sehr verjüngt, dass kein Geschlechtsverkehr mit seiner Freundin mehr möglich ist. Daneben wird aber auch deutlich, vor was für schwierigen ethischen Fragen uns ein solches Medikament stellen würde: wer hat überhaupt ein Anspruch auf das Medikament? Wie kann verhindert werden, dass nur die Reichen es bekommen? Und wenn wir dementsprechend viel länger leben könnten, wie gehen wir mit einer Überbevölkerung um: wer darf überhaupt noch Kinder bekommen?

Auch wenn ein solches Medikament noch nicht erfunden wurde, schärft Maxim Leo unseren Blick schon jetzt und macht deutlich, zu was für einer enorm schwierigen Situation ein solches Medikament unsere Gesellschaft führen würde. Sehr empfehlenswert für alle, die sich mit einer solchen Situation beschäftigen möchten.

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Veröffentlicht am 01.05.2024

Klinikalltag in den Nachkriegsjahren

Kinderklinik Weißensee – Geteilte Träume (Die Kinderärztin 4)
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Im letzten Teil der Kinderklinik Weißensee Reihe geht es in die Nachkriegszeit, genauer ins Jahr 1948. Erzählt wird der Roman aus der Sicht von Emma und deren Tochter Lissi. Daneben verfolgen wir aber ...

Im letzten Teil der Kinderklinik Weißensee Reihe geht es in die Nachkriegszeit, genauer ins Jahr 1948. Erzählt wird der Roman aus der Sicht von Emma und deren Tochter Lissi. Daneben verfolgen wir aber auch Emmas Schwester, Marlene von Weilert, die aus Ostdeutschland fliehen muss. Gerade die Perspektive von Marlene empfand ich als sehr stark, weil sie super spannend war, gleichzeitig aber einen großen Einblick in den ungerechten Umgang der Sowjets mit Mitläufern des Nazi-Regimes gewährt. Lissis und Emmas Perspektiven sind demgegenüber leichter zu lesen, auch wenn es auch hier um ein interessante Thema geht, und zwar Polio. Antonia Blum gelingt es, einen spannenden und authentischen Einblick in die Arbeit an einer Kinderklinik zu geben. Zu einem guten Familienroman gehört natürlich auch die Liebe, die gefühlvoll eingearbeitet worden ist und mich gerade auch mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung überzeugen konnte. Somit ein toller Roman, der Einblicke in den Umgang mit (vermeintlichen) Nazis in Ostdeutschland gewährt und daneben mit dem Klinikalltag unterhält.

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Veröffentlicht am 01.05.2024

Unterhaltsame und informative Reise in die DDR

Heinz Labensky - und seine Sicht auf die Dinge
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Mit „Heinz Labensky und seine Sicht auf die Dinge“ hat das Ehepaar Tsokos eine unterhaltsame und informative Geschichte über die Vergangenheit Ostdeutschlands geschrieben. Heinz Labensky, ein sympathischer, ...

Mit „Heinz Labensky und seine Sicht auf die Dinge“ hat das Ehepaar Tsokos eine unterhaltsame und informative Geschichte über die Vergangenheit Ostdeutschlands geschrieben. Heinz Labensky, ein sympathischer, aber einfallsloser Mann, hat den Osten seines Landes nie verlassen, da er der Parteipropaganda immer noch verfallen ist. Doch da er auch noch an seiner Jugendliebe Rita hängt, die er seit ihrem Verschwinden nicht mehr gesehen hat, macht er sich nach einem Brief auf die Suche nach ihr und muss dabei gleichzeitig seine Ansichten überdenken.

Die Geschichte ist in zwei Handlungssträngen erzählt. Zum einen begleiten wir Labensky auf seiner Suche nach Rita, zum anderen berichtet er auf der Reise anderen Fahrgästen von seinem Leben in der DDR. Die Erfahrungen, von denen Labensky erzählt sind sehr vielfältig und gehen stark in die Tiefe. So geht es um die Stasi, den Mauerbau, um eine Begegnung mit der RAF, aber auch die Vor-und Nachteile der beiden Systeme werden beleuchtet. Indem das Buch aus der Sicht von dem naiven Labensky geschrieben ist, tappt auch der Leser bei der ein oder anderen Erfahrung länger im Dunkeln, wie diese ausgehen wird. Durch diese spannende Erzählweise konnte ich ganz in Heinz Labenskys Welt absinken. Ich empfehle das Buch allen, die nach einer spannenden und unterhaltsamen Lektüre, die Einblicke in die Vergangenheit Ostdeutschlands gewährt, suchen.

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Veröffentlicht am 22.04.2024

Bildgewaltig

Nachbarn
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Nachbarn, das benannt ist nach einer von Diane Olivers Kurzgeschichten, führt uns ins Amerika der 1960er Jahre. Die verschiedenen Kurzgeschichten drehen sich rund um die Rassenintegration und veranschaulichen ...

Nachbarn, das benannt ist nach einer von Diane Olivers Kurzgeschichten, führt uns ins Amerika der 1960er Jahre. Die verschiedenen Kurzgeschichten drehen sich rund um die Rassenintegration und veranschaulichen bildgewaltig die Probleme, vor die BiPoC dabei standen. So geht es in der Kurzgeschichte „Nachbarn“ z.B. um die Frage, ob Eltern ihr schwarzes Kind in eine Schule voller weißer Kinder schicken sollen vor dem Hintergrund welch immense Gewalt dies gegen die Familie ausgelöst hat.

„Vor der Dämmerung“ veranschaulicht wie schwer es war, die gesellschaftlichen Rollenbilder aufzubrechen und zu welch immensen Konflikten es geführt hat, wenn Schwarze dies doch versucht haben. Es geht aber auch darum zu was für negativem Gerede es geführt hat, wenn eine weiße Person mit einem BiPoC zusammen gekommen ist, so aufgearbeitet in „Spinnen weinen ohne Tränen“.

Diane Olivers Sprache ist sehr beeindruckend und macht in ihrer Klarheit die Ungerechtigkeit umso deutlicher. Ihre Kurzgeschichtensammlung hat eine große Bandbreite, es geht um die verschiedensten Themen, z.B. den gleichen Zugang zu Gesundheitsleistungen, Armut, das Wahlrecht, verschiedenste Arten von Rassismus,… Ein Buch, das noch länger nachklingt und sehr empfehlenswert ist.

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