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Veröffentlicht am 10.03.2025

Natur im Ungleichgewicht

Die Herde
3

Wie in seinen Vorgängerbüchern schafft der Autor in diesem wieder ein fiktionales, aber mögliches Szenario für seinen Ökothriller. Eine Herde Elefanten bricht aus dem Süden von China aus einem Nationalpark ...

Wie in seinen Vorgängerbüchern schafft der Autor in diesem wieder ein fiktionales, aber mögliches Szenario für seinen Ökothriller. Eine Herde Elefanten bricht aus dem Süden von China aus einem Nationalpark auf gen Norden und verbreitet damit unbeabsichtigt Angst und Schrecken.
Im Norden Chinas soll auch ein neuer Staudamm gebaut werden, der das Ökosystem des Flusses und die geschützte Zwerggans massiv beeinträchtigen würde. Der schwedische Zoologe Peter Danielsson will das verhindern und sieht auch das Wandern der Elefantenherde als ein Alarmzeichen.
Da jedoch niemand auf ihn hört, versucht er mit allen Mitteln die Elefantenherde zu schützen, auf die mittlerweile Jagd gemacht wird. Dabei lernt er die leitende Ingenieurin des Staudammprojekts und ihre Mutter näher kennen.
Zur gleichen Zeit jagt sein Vater in Mexiko genauso leidenschaftlich einer bahnbrechenden archäologischen Entdeckung hinterher. Beide riskieren ihr Leben, um Erkenntnisse zu gewinnen und zu schützen.
In anderen Teilen der Welt beginnen andere Tierarten sich ebenfalls merkwürdig, auffällig und bedrohlich zu verhalten.
Bis zur Auflösung am Ende des Buches lässt der Autor die Lesenden im Dunkeln tappen, was es mit diesen Phänomenen auf sich hat. Durch die kurzen Kapitel und den ständigen Perspektivwechsel hält er die Spannung hoch. Die Erklärung für das seltsame Verhalten der Tiere ist so einfach, wie plausibel und wird hier nicht verraten.
Der Autor hat seinen Thriller wieder fest in der Wirklichkeit verankert, was das sehr informative Nachwort noch einmal nachdrücklich darlegt. Das Cover mit dem massiven Elefantenkopf (leider ein afrikanischer) ist sehr eindrucksvoll und passt zu Titel und Geschichte.
Insgesamt ein spannender Ökothriller, der uns wieder vor Augen stellt, was es bedeuten kann, wenn der Mensch „einfach mal wieder so“ in die Natur eingreift, die Landschaft verändert, das Artensterben vorantreibt und nur an sich selber denkt. Thilo Winters Botschaft kommt an!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 07.03.2025

Katzenliebe

Die Magnolienkatzen
1

In ihrem einfühlsamen, zarten Roman beschreibt die Autorin ihr Zusammenleben mit ihren Katzen. Dabei hatte sie in ihrer Kindheit als Haustiere zwei Hunde und mochte Katzen nie besonders. Sie empfand sie, ...

In ihrem einfühlsamen, zarten Roman beschreibt die Autorin ihr Zusammenleben mit ihren Katzen. Dabei hatte sie in ihrer Kindheit als Haustiere zwei Hunde und mochte Katzen nie besonders. Sie empfand sie, gerade die Straßenkatzen ihrer japanischen Heimatstadt, immer als störend. Genauso ging es ihrer Mutter, bei der sie wieder lebte.

Ihrer beider Einstellung änderte sich als eine Straßenkatze genau in ihrem Vorgarten, am Stumpf des alten Magnolienbaumes, den ihr Vater und Mann einst pflanzte, einen Wurf von fünf Kitten bekam. Zuerst wollten sie die Tiere nur loswerden, aber als dies nicht gelang, konnten sie die Kleinen auch nicht ihrem Schicksal überlassen und kümmerten sich um sie.

Dieses Kümmern wurde immer enger, bis die ganze Katzenfamilie schließlich bei ihnen einzog. Das Erwachsen der kleinen Katzen wird liebevoll geschildert, ebenso die eigenen Gefühle der beiden Frauen, die sich immer mehr an sie binden.

Vier der kleinen Kätzchen geben sie schließlich schweren Herzen wieder ab in andere gute Hände, aber die Mutter und ein kleiner Kater verbleiben bei ihnen und wachsen ihnen immer mehr ans Herz.
Sogar die Beziehung von Mutter und Tochter verändert sich unter diesem Einfluss zum Positiven und die gerade bestehende Schreibblockade der Autorin löst sich. Das Leben wird schöner und glücklicher.
Diese Entwicklung schildert die Schriftstellerin in ruhigem Erzählfluss, bei dem man noch etwas über Katzen, ihre Bedürfnisse und ihr Verhalten hinzulernt. Manchmal sind die Kapitel einfach ruhige Beschreibungen des Zusammenlebens von Mensch und Katze, ab und an geschehen etwas aufregendere Erlebnisse.

Angenehm umrahmt wird die ganze Geschichte von den wunderschönen Tuschezeichnungen von Magnolie (an jedem Anfang eines Unterkapitels) und Katzen (an jedem Anfang eines Kapitels). Das Cover gibt davon schon einen schönen Vorgeschmack.

Alle Lesenden, die Tiere und leise Beschreibungen über sie lieben, werden dieses Buch mögen, Katzenliebhaber sowieso. Ein ruhig erzählter Roman für friedliche Lesestunden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 05.03.2025

Nachts geht's los

Lottes erster Schultag
0

Lotte kommt in die Schule, doch ihre Schulsachen entwickeln ein Eigenleben, die nur ihr Schmuseschwein stoppen kann, das eigentlich nicht mit zur Schule soll.

Das Bilderbuch beginnt mit einer alltäglichen ...

Lotte kommt in die Schule, doch ihre Schulsachen entwickeln ein Eigenleben, die nur ihr Schmuseschwein stoppen kann, das eigentlich nicht mit zur Schule soll.

Das Bilderbuch beginnt mit einer alltäglichen Einschulungsgeschichte. Ein Mädchen kann die Nacht vor seiner Einschulung nicht schlafen, während ihr Ranzen gepackt vor ihrem Bett steht. Die Mutter hat eine Liste ausgedruckt, dann wurden die Schulsachen eingekauft und Lotte hat auch schon mal die neuen Stifte ausprobiert.

Als sie nun endlich eingeschlafen ist, beginnen die Schulsachen lebendig zu werden, hüpfen aus dem Ranzen und machen Quatsch. Nur das tapfere Schmuseschwein bekommt das Malheur mit, besiegt alle Gegenstände, sperrt sie in den Ranzen und passt bis zum Morgen darauf auf, dass auch alle darin bleiben.

Der Text ist dabei auf jeder Doppelseite kleiner als das große Bild und in Reimen gehalten zu jeweils zehn Zeilen, wobei sich immer zwei aufeinanderfolgende reimen.

Die großen doppelseitigen, sehr plakativen Bilder zeigen stets noch mehr, als der Text erzählt und sind in kräftigen, bunten Farben gemalt. So können die Lesenden immer noch etwas mehr entdecken, als der Text aussagt. Alle gezeichneten Dinge sind mit klaren Konturen voneinander abgegrenzt. Mit den Proportionen und Perspektiven wird dabei bewusst gespielt, so dass ein wenig die Idee erzeugt wird, als hätte ein Kind hier gemalt.

Die Geschichte bringt nicht wirklich etwas Neues: Eine Einschulungsgeschichte, in der die Schulsachen lebendig werden, und ein tapferes Kuscheltier, das aushilft, und auch den Einstieg in die Schule erleichtert. Humor und Pep bringen jedoch die gereimten Texte mit sich.

Alles in allem: Ein lustiges Einschulungsbuch.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Kinderleben heute

9 kleine Menschen
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Neun kleine Menschen kommen am selben Tag zur Welt und sind doch alle unterschiedlich. Sie leben verschiedene Leben und dennoch auch miteinander.

Die Autorin schreibt auf jeder Doppelseite altersgerecht ...

Neun kleine Menschen kommen am selben Tag zur Welt und sind doch alle unterschiedlich. Sie leben verschiedene Leben und dennoch auch miteinander.

Die Autorin schreibt auf jeder Doppelseite altersgerecht jeweils nur einen prägnanten Satz, nur auf einer Doppelseite zwei. Dabei reimt sich ein Satz mit dem nächsten, so dass man diese auch als Gedicht hintereinander aufschreiben könnte. Dass das so gewollt ist, beschreibt die Schriftstellerin in ihrem Nachwort, in dem sie Bezug auf alte, ihre Kindheit begleitende Kinderreime nimmt, die bei ihr heute auch Unwohlsein auslösen.

Mit zauberhaften, in zarten, bunten Farben gehaltenen Bildern begleitet die Illustratorin die altersgerechten kurzen Sätze. Die Zeichnungen strahlen eine große Zärtlichkeit der erwachsenen Personen zu den Kindern, die mit großen Köpfen im Kindchenschema dargestellt wurden, aus. Es wird viel gekuschelt und gelächelt. So wirken auch die Kinder in ihrem jeweiligen Leben sehr glücklich und entspannt.

Das zieht sich wie der Grundtenor durch das ganze Buch: Wer geliebt wird und mit sich und seinem Leben und seinen Lieben zufrieden ist, ist glücklich.

Die Bilder sind unterschiedlich groß. Einmal ziehen sich über eine Doppelseite als großes Bild, einmal zeigen sie sich auf derselben Größe als Collage vieler kleiner Bilder, die ineinander übergehen oder auch durch Rahmung voneinander getrennt sind, aber auf allen Doppelseiten sind immer alle neun Kinder abgebildet.

Die neun Kinder sehen alle unterschiedlich aus, leben alle unterschiedliche Leben. Da sie aber seit ihrer gemeinsamen Geburt alle befreundet sind, leben sie und ihre Familien auch miteinander. So begleitet das Buch sie zusammen in ihren ersten Lebensjahren.

„“9 kleine Menschen“ ist eine Ode an eine Generation von Kindern, die bereits weiß, dass sie richtig ist genau so, wie sie ist, und an die Freundschaft, die sie verbindet.“ (Zitat aus dem Nachwort der Autorin)
Ein sehr empfehlenswertes Kinderbuch zum Thema Vielfalt!

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Wie funktioniert Familie?

Die Garnett Girls
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Vor der Kulisse der traumhaften Isle of Wight schreibt die Autorin ihren Familienroman. Dieses Urlaubsgefühl wird noch durch das Cover mit dem Foto der drei jungen Frauen im Wasser, dem dies umrandendem ...

Vor der Kulisse der traumhaften Isle of Wight schreibt die Autorin ihren Familienroman. Dieses Urlaubsgefühl wird noch durch das Cover mit dem Foto der drei jungen Frauen im Wasser, dem dies umrandendem Gelb und dem Wellenmotiv der Buchdeckel sehr ansprechend unterstrichen.

Die Geschichte handelt von Margo, einer Mutter, und ihren drei Töchtern, Rachel, Imogen und Sasha, die der trinkende Vater, als Sasha noch ein Kleinkind und Rachel elf Jahre alt war, verlassen hat. Von diesem Ereignis hat sich keine von ihnen wieder ganz erholt, haben alle ein Trauma davongetragen. Die Mutter hatte danach ein Jahr lang Depressionen und die Kinder waren sich selbst überlassen, Tante und Freunde der Mutter versuchten helfend einzuspringen, Rachel trug sehr viel Last. Die Mädchen verarbeiten dies ihr Leben lang sehr unterschiedlich.

Da die Mutter herrisch und vehement verbietet und sich weigert über den fehlenden Vater zu sprechen, können die Erlebnisse auch nicht aufgearbeitet werden, bis am Ende der Knoten platzt.
Die Geschichte wird immer aus Sicht eines autoritären, allwissenden Erzählers geschrieben, wechselt aber die Perspektive zwischen den Frauen ab. Dadurch kam ich keiner der Figuren so richtig nahe. In die Mutter Margo konnte ich mich am wenigsten einfühlen, da sie mir sehr egozentrisch zu sein scheint und damit die Töchter unterdrückt. Auch die Nebenfiguren bleiben blass. Noch dazu hat die Erzählung ihre Längen. Margos Motive, nicht mit ihren Töchtern über den Vater zu reden, hätten vielleicht eher enthüllt werden müssen, um diesen entgegenzuwirken. Auch die Ich-Perspektive hätte dem vielleicht entgegengewirkt. Die Beweggründe der Töchter, ihr Leben so zu gestalten, wie es ist, konnte ich besser nachvollziehen.

Der Klappentext des Buches klang sehr interessant, aber die teils langatmige Erzählweise und die distanzierte Zeichnung der Figuren hat mich nicht vollständig gepackt.

Alles in allem ein leichtlesbarer, gut durchdachter Roman vor einer spektakulären Kulisse.

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