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Veröffentlicht am 08.11.2024

Freundschaft beflügelt!

Mensch, Bär!
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Bruno lebt mit seiner Mutter und seinen zwei älteren Geschwistern zusammen in einer Bärenhöhle. Wenn der Vater mal vorbeikommt, wird es eng. Es ist aber immer noch sehr gemütlich.

Bruno streunt am liebsten ...

Bruno lebt mit seiner Mutter und seinen zwei älteren Geschwistern zusammen in einer Bärenhöhle. Wenn der Vater mal vorbeikommt, wird es eng. Es ist aber immer noch sehr gemütlich.

Bruno streunt am liebsten genau wie seine Geschwister und sein Bärenfreund Bjarne durch den Wald. Dabei hat er nur ein Problem, denn seine Orientierung ist schlecht und nur all zu oft, wenn er sich zu weit von der Höhle weggewagt hat, hilft ihm die Eule zurück nach Hause. Besonders schlimm ist es abends für Bruno alleine im Wald zu sein, denn er hat auch noch Angst vor der Dunkelheit.

Eines Tages trifft Bruno bei seinen Streifzügen auf einen Menschenjungen, Noah, den er auch verbal sofort versteht und eine Freundschaft beginnt. Als Noah in Gefahr gerät, ist es Bruno, der ihn rettet und über sich hinauswächst. Von dem Tag an ist Bruno selbstbewusst und nicht mehr ängstlich.

Die stark vermenschlichten Tiere in diesem Buch können alle miteinander reden, Bruno kann sogar reimen, was er ziemlich oft in Gedanken tut. Bruno kann dann sogar Noah verstehen, was die Eule Emily nicht kann. Bruno ist also sehr „sprachbegabt“, denn er lernt sogar neue Wörter von Noah.

Die Geschichte greift verschiedene relevante Themen von heutigen Kindern auf, angefangen von dem alten Thema, den Weg nach Hause nicht mehr zu finden und um Hilfe bitten zu müssen, über die Angst vor der Dunkelheit und vor allem dem Alleinsein in der Nacht, dem „Anderssein“ bis hin zu der Angst vor dem/den Unbekannten, das/die einem immer als gefährlich geschildert wurden.

Bruno meistert diese Sorgen und Probleme einfach, indem er ist, wie er ist. Auch wenn er sich vieles erst nicht zutraut, kann er für einen Freund über sich hinauswachsen. So wird Bruno zum Vorbild.

Die lustig-leichte Erzählung mit ernsten Untertönen, wird auf einigen Seiten von Illustrationen begleitet. Diese umrahmen meisten den Text, füllen manchmal aber auch eine Seite oder sind nur Vignetten. Manche Doppelseiten sind einfach farbig eingefärbt. Das macht das Buch sehr abwechslungsreich. Die Zeichnungen unterstreichen stets den Text und gehen nicht über ihn hinaus.

Der Zeichner nutzt verniedlichende Elemente bei dem kleinen Bären. Die Gefühle der Tiere kann man an ihrem Gesichtsausdruck ablesen. Die Illustrationen sind stets bunt, halten sich aber an die natürlichen Farben des Waldes. So dominieren Braun und Grün, beim Fluss Blau, diese werden durch kleinere Anteile anderer Farben ergänzt. z. B. rote Beeren oder violette Blumen.

Das Buch ist in einem locker-leichten Ton geschrieben und benötigt keine Erklärungen. Ein gut lesendes Kind kann es „einfach weglesen“ und sich dabei amüsieren, Brunos Erlebnisse nachvollziehen und mit ihm mitfiebern.

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Veröffentlicht am 02.11.2024

Freundschaft überwindet Schwierigkeiten

Zusammen können wir fliegen
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Echte Freundschaft überwindet Unterschiedlichkeit und Schwierigkeiten.

Eine Freundschaft zwischen einem Wolf und einem Schaf - das ist schon recht ungewöhnlich. In diesem Bilderbuch wird gezeigt, das ...

Echte Freundschaft überwindet Unterschiedlichkeit und Schwierigkeiten.

Eine Freundschaft zwischen einem Wolf und einem Schaf - das ist schon recht ungewöhnlich. In diesem Bilderbuch wird gezeigt, das solch eine konträre Freundschaft funktionieren kann und sogar zusammen der Traum des einen verwirklicht und Schwierigkeiten dabei gemeinsam überwunden werden können.

Die Tiere sind bei dieser Erzählung vermenschlicht worden, denn sie können mit einander reden und ihre Vorderbeine wie Arme und Hände benutzen, außerdem können sie komplexe Probleme lösen.

Schaf und Wolf sind dabei auf eine ganz eigene Art und Weise vom Illustrator gemalt worden. Sie wirken fast zweidimensional, „Arme“ und Beine sind einfach verbreiterte Linien, Füße und „Hände“ sind am Ende wie mit der Schere im Zickzack eingeschnitten, ebenso der Schwanz und das Maul des Wolfes. Die Farbe des Wolfes ist ein Dunkelbraun mit leichten Schattierungen ins Schwarze, während das Schaf schwarze „Arme“, Beine und Kopf hat, der Rumpf changiert von weiß über grau bis schwarz.

So sind auch alle Illustrationen in diesen Farbtönen gehalten, mal heller, mal dunkler. Dabei sind die Bilder oft wie Collagen dargestellt, als wenn das Schaf auf dem Stück einer Tapete sitzt und die vorbeifliegenden Vögel auch aus Papierresten bestehen (S. 4). Oder es sind Stücke von Schriftstücken mit altertümlicher Schrift, Teile von Landkarten, Zeitungen, Zeichnungen und Rechnungen eingefügt. Die Konturen sind dabei immer sehr klar vom stets weißen Hintergrund abgegrenzt.

Die Bilder ziehen sich fast immer über eine Doppelseite, wobei der kurze Text weniger Raum als sie einnimmt, was zur Angabe des Verlages passt, dass dieses Bilderbuch ab drei Jahren Vorlesealter vorgesehen ist.

Die Botschaft des Buches bietet nicht wirklich etwas Neues – Freundschaft überwindet Verschiedenartigkeit, wobei dies hier nicht ausdrücklich thematisiert wird (Die Lesenden erfahren nicht, warum Schaf und Wolf befreundet sind.) und Freundschaft überwindet zusammen Schwierigkeiten und hilft dem anderen, seine Träume zu erfüllen. Dazu empfinde ich die Illustrationen als sehr gewöhnungsbedürftig und nicht sehr ansprechend, auch nicht in der Farbauswahl.

Aber natürlich sollte sich jeder ein eigenes Bild von diesem Bilderbuch machen!

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Jeder hat Talente

Nickel der Dackel
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Die ganze (Hunde-)Familie liebt Sport und Wettkämpfe, nur Nickel, der Dackel nicht. Wie er damit umgeht und sich behauptet, davon handelt dieses Bilderbuch.

Bei seinem Herrchen und Frauchen leben noch ...

Die ganze (Hunde-)Familie liebt Sport und Wettkämpfe, nur Nickel, der Dackel nicht. Wie er damit umgeht und sich behauptet, davon handelt dieses Bilderbuch.

Bei seinem Herrchen und Frauchen leben noch drei weitere Hunde „allesamt Champions von irgendwas“ (S. 5), die Nickel als „Geschwister“ (ebd.) bezeichnet, obwohl alle von einer anderen Rasse sind, aber die sechs betrachten sich als „Familie“. Nickel ist kein „Champion von irgendwas“ und liebt auch keine Wettkämpfe.

Nickel erlebt viel Zurückweisung. Ein Trost sind ihm seine gesammelten Objekte, angefangen von bemalten Steinen über selbstgeknetete Modelle bis hin zu einem alten Ölkännchen (S. 8/9), die alle detailgetreu aufgemalt sind. Doch diese für sie nutzlosen Dinge werfen sein Herrchen und Frauchen immer wieder weg, so viel er auch sammelt und sich immer neue Verstecke sucht. Das stürzt Nickel in tiefe Verzweiflung.

Um nicht ein „alter, gebeugter, griesgrämiger Dackel“ (S.11) zu werden, entwickelt Nickel einen Plan, um unbemerkt aus seinem Haus fliehen und wiederkommen zu können. Sein Fluchtwerkzeug ist dabei eine Ausziehleiter, die er zur Rutsche umfunktioniert.

So läuft er eines Nachts davon und findet dank seiner vorzüglichen Nase, die Farbspuren erriecht, ein Künstleratelier, indem er willkommen ist. Dort sitzt ein Maler an seiner Staffelei und mit ihm arbeiten hier noch andere Tiere an ihren Werken. Und so beginnt auch Nickel dort zu malen. (Sehr humorvoll zu sehen, wie er auf zwei Beinen dort beseelt vor seiner Staffelei steht. S. 22) Im Morgengrauen schleicht er sich zurück, wieder und wieder, doch eines Tages wird er von seiner Familie entdeckt.
Da gesteht er alles und erwartet seine Strafe. Doch alle sind begeistert von seinen Werken und erkennen endlich, dass Nickel halt ein ganz anderes Talent hat als sie.

Die witzige Story mit den doch teilweise stark vermenschlichten Tieren lebt sehr durch die Zeichnungen der Autorin. Allein Nickel der Hauptprotagonist ist als Dackel doch sehr in die Länge gezogen gemalt, seine Gesichtszüge auf den verschiedensten Seiten sprechen Bände. Seine Gefühle und Empfindungen kann jeder hier klar ablesen.

Die Bilder sind meist über eine Doppelseite ausgebreitet, wobei das besondere Format des Buches – zwei A4 Seiten quer aneinander - dieses besonders betont und dabei genauso lang ist wie Nickel. Das Buch nimmt also das „Dackelformat“ auf.

Alles ist sehr farbenfroh gehalten, besonders schön die beiden Doppelseiten mit der blauen Nacht (S. 16/17 und S. 18/19), in der Nickel zum ersten Mal flieht. Diese wirken fast wie ein Gemälde, gemischt aus Van Gogh und Monet, denn ganz bestimmt spielt dieses Bilderbuch in einer französischen Stadt, vielleicht sogar in Paris selbst.

Die einzelnen Objekte auf den bunten Zeichnungen sind dabei klar mit einem dünnen schwarzem Zeichenstrich umrissen, innerhalb dieses Rahmens aber teilweise verwaschen eingefärbt.
Die Bilder umrahmen stets den Text, nehmen ihn teilweise sogar in ihre Farbgebung auf. Manche Doppelseiten sind wie Wimmelbilder gezeichnet, so dass es für die Lesenden viel zu entdecken gibt.

In einer fantasievollen, witzigen, teilweise überzeichneten Geschichte zeigt die Autorin und Künstlerin in humorvoller Weise, wie wichtig es ist, die Talente aller in einer Familie/Gruppe zu sehen und zu würdigen und jedem seinen Raum zur Entfaltung dieser zu lassen.

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Jeder hat Sehnsucht

Die große Sehnsucht
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Dieser Roman handelt von drei jungen Männern im Jahr 1996, die zusammen zur Schule und durch „dick und dünn“ gehen. Da sie sich seit ihrer Kindheit kennen, gibt es fast nichts, dass sie nicht voneinander ...

Dieser Roman handelt von drei jungen Männern im Jahr 1996, die zusammen zur Schule und durch „dick und dünn“ gehen. Da sie sich seit ihrer Kindheit kennen, gibt es fast nichts, dass sie nicht voneinander wissen und miteinander teilen.

Jeder von ihnen hat eine Vorstellung davon, was sie nach dem Abitur machen wollen. Raphael, genannt Rabe, weil er nur schwarze Kleidung trägt, will zur Filmhochschule, Filme drehen, Drehbücher schreiben – was er schon tut – und dann möglichst nach Hollywood. Thomas, genannt Fete, weil er als Partygänger und Frauenheld gilt, weiß noch nicht so recht, was er machen will. Als Dritter im Bunde ist da Michael, nur Michi genannt, der nach der Schule zur Marine gehen wird. Alle drei haben so ihre Sehnsüchte danach, was das Leben ihnen so bringen soll.

Natürlich funkt auch bei allen dreien die Liebe mit hinein. Bei Michi ist es Fetes kleine Schwester Marnie, die nun nicht mehr das kleine Mädchen ist, Rabe wird von Viola aus dem Jahrgang unter ihnen angesprochen und bei Fete ist es die resolute Dani aus der Hauptschule. Alle drei machen auch da so ihre Erfahrungen und haben ihre Sehnsüchte.

Mit kurzen Zwischensequenzen zeigt der Autor am Beispiel von Erwachsenen, was aus ihren großen Sehnsüchten geworden ist, z. B. an Rabes Mutter (Kap. 8, S. 149 – 152), die - nach einem Besuch von ihrem Schwager mit seiner neuen Freundin - über ihr Leben nachdenkt oder Michis Mutter, die Michi allein großzieht und nicht möchte, dass er mit seinem Vater Kontakt hat (Kap. 31, S. 270 – 275).
Die Sehnsüchte der „Oberschicht“ sind noch einmal ganz andere, wie der Autor durch eine Party in diesen Kreisen zeigt (Kap. 25). Doch hier werden diese jäh unterbrochen, denn ein junger Mensch stirbt.

Da der Autor selbst in den 1990ern seine Jugend erlebte, weiß er aus eigenem Erleben, wovon er hier schreibt. So wirkt das Buch sehr authentisch und jeder, der in dieser Zeit jung war, wird einiges wiedererkennen. (Leider geht er auf die Musik nicht weiter ein. 😊)

Aber die Sehnsüchte, die alle jungen Menschen für ihr weiteres Leben haben, finden sich ebenso in anderen Generationen wieder, so dass hier jeder Lesende angesprochen wird und sich in die Charaktere hineinversetzen kann.

Da der Autor selber mit Filmen, Theater, Schauspiel, etc. beruflich zu tun hat, kann man vermuten, dass bei der Figur des Rabe biografische Züge mit eingeflossen sind. Vielleicht kann man den Roman auch schon fast wie ein Drehbuch zu einem Film oder Theaterstück lesen.

Alles in allem ein Lesespaß, nicht nur für „Menschen aus den 90ern"!

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Veröffentlicht am 21.10.2024

Faszinierend

Tiefsee-Monster
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Unendliche Tiefen des Meeres in totaler Dunkelheit - was kann da leben? Und wie sehen diese Lebewesen aus? Darauf gibt dieses Buch anschauliche Antworten.

Das Buch startet mit einer Einleitung, die die ...

Unendliche Tiefen des Meeres in totaler Dunkelheit - was kann da leben? Und wie sehen diese Lebewesen aus? Darauf gibt dieses Buch anschauliche Antworten.

Das Buch startet mit einer Einleitung, die die Lesenden auf das Thema des Buches „Leben in der Tiefsee“ stimmungsvoll einstimmt und am Schluss dazu auffordert, tief einzuatmen und abzutauchen. Auf der nächsten Doppelseite, die man um 90 Grad auf Längsformat drehen muss, werden die Ozeanschichten bis 11.000 m Tiefe mit ihren jeweiligen Bewohnern eindrucksvoll in einer Übersicht gezeigt.
Danach wird jeweils auf einer Doppelseite mit großgedruckter Überschrift, imposanten Bildern und einem kurzen, informativen Text eine Zone nach der anderen vorgestellt. Auf diese Vorstellungsseiten folgen jeweils die faszinierenden Tiere, auch auf Doppelseiten, die hier leben. So ergibt sich eine Vierteilung des Buches, wobei die ersten beiden Teile die meisten Seiten beanspruchen.
Am Ende folgt die „Ausleitung“ - fast wie bei einer Traumreise -, „Die Rückkehr zum Licht“. Die Lesenden können wieder auftauchen. Aber natürlich kann dieses Buch auch „durcheinander“ gelesen werden, je nachdem welches Tier oder welche Zone gerade interessiert.
Auf den beiden allerletzten Doppelseiten folgen noch ein Glossar mit Erklärungen von Fachwörtern aus dem Text und ein Register. Dieses Bilderbuch ist wissenschaftlich sehr fundiert, da es in Zusammenarbeit mit der University of Cambridge erstellt wurde.
Auf den Doppelseiten überwiegen (bis auf Einleitung, Ausleitung, Inhaltsverzeichnis, Glossar und Register) die Anteile der Abbildungen stets die Anteile des Textes, was dieses Buch besonders anschaulich und faszinierend macht, denn diese Tiere sehen so exotisch aus, wie man es sich kaum vorstellen kann. Man taucht wortwörtlich in eine andere Welt ab. Die Zeichnerin hat diese Lebewesen vor stets dunklem Hintergrund imposant in Szene gesetzt. In der ersten Zone, der Zwielichtzone, sind die Hintergründe noch meist bläu- oder grünlich, da das Sonnenlicht hier noch leicht eindringt, später ist alles schwarz, ohne Lichteinfall. Diese Farbgebung hebt die besonderen Meeresbewohner aber nur umso deutlicher hervor.
In kräftigen Farben und imponierender Größe werden den Lesenden die Tiere in der Mitte der Doppelseiten nahegebracht. Die Informationstexte umranden sie in kleinen, gut lesbaren Blöcken, wobei die Überschrift und der folgende Text darunter in stets größerer Schrift abgedruckt sind als die übrigen. Trotz großem, beeindruckendem Bild können die Lesenden so auch eine Menge Informationen über das betreffende Tier sammeln oder sich auch nur kurz – je nach Interesse – informieren. So ist dieses Buch auch für verschiedene Altersstufen geeignet. Mit seinen neunzig Seiten ist es auch für ein Bilderbuch sehr umfangreich.
Ein durch und durch spannend und eindrucksvoll gestaltetes Bilderbuch, das die Lesenden in die faszinierende Zonen der Tiefsee mitnimmt und so grandiose Einblicke in diese geheimnisvolle Welt verschafft!

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