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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.05.2019

Mein bisheriges Highlight in diesem Jahr! Eine leise Geschichte zweier kaputter Seelen.

Alte Sorten
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Sally und Liss begegnen sich zufällig an einem Weinberg. Diese Begegnung soll jedoch ihrer beider Leben verändern. Sally ist weggelaufen. Weg von den Eltern, weg von der Klinik, in der sie psychologisch ...

Sally und Liss begegnen sich zufällig an einem Weinberg. Diese Begegnung soll jedoch ihrer beider Leben verändern. Sally ist weggelaufen. Weg von den Eltern, weg von der Klinik, in der sie psychologisch betreut werden sollte, weg von der Schule….von ihrem bisherigen Leben. Liss ist geblieben. In ihrem Alltag, den sie von klein auf kennt. Sie konnte nur kurz in ein anderes Leben schauen und musste dann in ihr altes Leben zurück. Über die schwere Arbeit auf dem Hof von Liss lernen sich die beiden kennen und erfahren langsam, behutsam und in Etappen die Details in der Vergangenheit der anderen. Sie decken teils hart und teils vorsichtig wunde Punkte auf und finden Wege, diesen eine Heilungschance zu geben.
Die Geschichte von Sally und Liss ist wunderschön in den Kontext des Hoflebens eingebettet. Neben den detaillierten Beschreibungen der Natur und der Arbeitsabläufe auf dem Hof faszinieren mich die Schreibweise und die Perspektiven am meisten. Herr Arenz bedient sich einem feinen, leisen Stil, der mich sehr anspricht. Die Wortwahl ist sehr genau, ich würde sogar sagen ordentlich und trägt Gefühle, Eindrücke und Bilder schön in die Gedanken des Lesers. Erfahrungen, Empfindungen und Sichtweisen der Protagonisten werden durch verschiedene spezifische Stilfärbungen in der Sprache deutlich. Damit zeichnet der Autor ein weiches detailliertes Foto der Charaktere, in die man schnell hineinfindet.
Sehr genossen habe ich die Beschreibungen der Natur und der Tätigkeiten auf dem Hof. In dieser Geschichte gehen diese Darstellungen weit über das, was ich bisher kannte, hinaus. Vorgänge wie Schnaps brennen, Kartoffeln ernten und Herbsten werden in Einzelheiten beschrieben, ohne zu langweilen. Im Gegenteil. Die detaillierten Schilderungen wecken nicht nur Interesse sondern lassen den Hauptstrang der Geschichte mehr an Bedeutung gewinnen. Sallys Neugier und Liss Lehre vertiefen die Charakterdarstellung der beiden und bindet das Umfeld, in dem die beiden agieren, rund in die Geschichte ein.
Fazit:
Ewald Arenz hat mich mit diesem Buch sehr fasziniert. Die Kombination aus Psychologie, Landarbeit und fast schon Wissenschaft der Pflanzenvielfalt hat mich während des Lesens im gesamten immer wieder überrascht. Ich konnte mich dank des schönen, flüssigen und klaren Schreibstils schön in die Geschichte hinein lesen und glaube, schon im Mai sagen zu können: Ich habe mein Highlight in diesem Jahr gefunden. Es gibt viele Autoren, die ich gern lese, aber dass es ein für mich noch neuer Autor geschafft hat, mit diesem Buch auf Platz 1 meiner Favourites zu kommen, hätte ich nicht gedacht. Vielen Dank dafür!

Veröffentlicht am 29.04.2019

Magische Cupcakes – sogar für Erwachsene

Cassandra Carpers fabelhaftes Café
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Emma erlebt in diesem Buch was Freundschaft, Zusammenhalt und eben auch Magie bedeuten. Als Emma auf der Flucht vor Mitschülern, die sie ständig ärgern, in die Cupcakery von Cassandra Carper stolpert, ...

Emma erlebt in diesem Buch was Freundschaft, Zusammenhalt und eben auch Magie bedeuten. Als Emma auf der Flucht vor Mitschülern, die sie ständig ärgern, in die Cupcakery von Cassandra Carper stolpert, beginnt für sie ein magisches Abenteuer.
Sie erfährt, dass es magische Cupcakes gibt, dass es Fabelwesen gibt und dass es mitten in London einen geheimen Stadtteil voller Hexen, Zauberer und Magie gibt. Doch Cassandra ist plötzlich verschwunden. Niemand kann ihr erklären warum und wohin, das Café gibt es noch, jedoch scheint alle Magie daraus gewichen zu sein. Nach und nach tauchen seltsame Gestalten in der Nähe von Emma auf und es geschehen Dinge, die nicht normal sind. Zu allem Überfluss hat sie auch noch ein großes schweres Buch, das sie einfach nicht verlassen will.
Zu Emmas Glück findet sie in Paula und Ben Freunde, die ihr bei einer schweren Aufgabe beistehen: Cassandra Carper zu retten. Diese ist entführt worden, erfahren die Kinder, und niemand weiß so richtig wie man sie zurückholen kann. Mit Hilfe von Cassandras Freunden und einigen Fabelwesen, die so allerhand Missgeschicke verursachen, finden die Kinder, Hexen und Zauberer einen Weg, Cassandra zu retten. Jedoch stellt dies Emma und ihre Freunde vor eine fast unlösbare Aufgabe. Wird es Ihnen gelingen, Cassandra zu retten und die Magie in der Welt zu erhalten?
Fazit:
Als ich mit dem Lesen begann war mir nicht ganz klar, ob ich grade tatsächlich ein Kinderbuch lese. Bei all der „schweren Kost“, die ich sonst durchstöbere, war es überraschend schön und erfreulich, einfach mal locker in eine Geschichte hineinzufinden und schnell stellte ich fest, dass auch ich als Erwachsene von der Magie der Geschichte vereinnahmt wurde. Wie auch meine geliebten Krimis, Romane oder historischen Geschichten hat mich Mona Herbst in die Welt der Cupcakes gezogen. Mit viel Liebe und immer auch irgendwie einer Verbindung zur Realität verfolgte ich Emma und ihre Freunde bei ihrer Aufgabe, Cassandra zu retten. Oft musste ich schmunzeln über die Missgeschicke der Hexen, Fabelwesen oder auch der Kinder. Dennoch blieb die Spannung erhalten und damit auch der Spaß an der Geschichte.

Veröffentlicht am 19.04.2019

Wieder einmal ein angenehmes Lesevergnügen!

Origin
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Robert Langdon reist nach Bilbao, um im Guggenheim Museum seinen ehemaligen Studenten zu treffen und einer Präsentation beizuwohnen, die beweisen soll, dass Religion unnötig und falsch ist. Die Entdeckungen ...

Robert Langdon reist nach Bilbao, um im Guggenheim Museum seinen ehemaligen Studenten zu treffen und einer Präsentation beizuwohnen, die beweisen soll, dass Religion unnötig und falsch ist. Die Entdeckungen des Edmond Kirsch sollen die Entstehungsgeschichte der Menschheit revolutionieren und sogar die Zukunft des menschlichen Lebens voraussagen und beweisen können.
Aufgrund eines „Zwischenfalls“ wird die Präsentation jedoch beendet bevor Kirsch seine Entdeckungen der Welt zeigen kann. Langdon und die Kuratorin des Museums Ambra Vidal flüchten mit Hilfe von Edmonds Computerprogramm und versuchen, den PC mit der Präsentation zu finden und diese im Sinne Edmonds zu veröffentlichen. Dabei geraten sie wie in den bekannten Langdon-Geschichten gewohnt mehr als einmal in Lebensgefahr. Langdon und Vidal lassen jedoch nichts unversucht.
Parallel werden im Internet Gerüchte gestreut. War das spanische Königshaus in die Vorgänge im Guggenheim Museum involviert? Ist die palmarianische Kirche schuld, dass die Präsentation nicht abgeschlossen wurde? Wer ist der mysteriöse Killer, der nun Langdon und Vidal verfolgt? Und wer streut überhaupt diese Gerüchte?
Dan Brown versteht es wie in den „Vorgängerbüchern“ uns niemals zu langweilen und uns immer neugierig zu halten. Lange erfahren wir nicht was Kirsch entdeckt hat, immer wieder verdächtigen wir andere Personen, Intrigen zu spinnen und falsche Fährten zu legen. Und wie gewohnt kommt es am Ende anders als wir dachten. Erst in den letzten Kapiteln habe ich den „richtigen Riecher“ gehabt und meine Vermutung hat sich bestätigt. Jedoch auch hier war es eine vage Idee was Täter und Planung der Ereignisse angeht. Die Spannung bleibt durch das ganze Buch erhalten und ich muss sagen, dass die Thematik, die ja von Anfang an gewagt ist, nicht in einer fantastischen, konstruierten Präsentation endet. Die Auflösung der Fragen, die sich während des Lesens stellen ist einfach zu verstehen und durchaus plausibel genug, um unser Weltbild bzgl. der Fragen „Woher kommen wir? Wohin gehen wir?“ um eine Möglichkeit zu erweitern. Fachlich mag ich da falsch liegen, da ich kein Physiker, Mathematiker und/oder Biologe bin. Aber in Bezug auf die Geschichte, mit der Dan Brown mich leider viel zu kurz unterhalten hat, ist der rote Faden gut gesponnen.

Fazit:
Robert Langdon in seinem Element. Er löst – wenn auch diesmal recht wenige – Rätsel und knackt den ein oder anderen Code. Der Leser erhält Einblicke in Kunst und Kultur und ich muss gestehen, dass ich so einige Bauwerke und Sachverhalte der Geschichte während des Lesens recherchiert habe. Neben der eigentlichen Geschichte ist dies für mich ein Highlight bei Dan Brown.
Es lohnt sich, Robert Langdon auf seinem neuesten Abenteuer zu folgen!

Veröffentlicht am 17.02.2019

Uff…..Hier ist Ausdauer gefragt.

Smoke
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England ist isoliert. Die Aristokraten herrschen und das gemeine Volk schuftet. Die Industrialisierung ist angelaufen und entsprechend schmutzig und verraucht ist London.
Zwei Jungs, Thomas und Charlie, ...

England ist isoliert. Die Aristokraten herrschen und das gemeine Volk schuftet. Die Industrialisierung ist angelaufen und entsprechend schmutzig und verraucht ist London.
Zwei Jungs, Thomas und Charlie, lernen im Internat, dass man bei sündigen Gedanken wie Wut, Furcht und Leidenschaft raucht. Die Haut sondert Rauch ab, der sich in Kleidung und Umgebung frisst. Man ist gebrandmarkt und die Gedanken verraten jeden. Nicht jedoch die, die sich Bonbons leisten können, die den Rauch binden und somit verstecken. Diese sind teuer und den Reichen vorbehalten.
Dan Vyleta beschreibt den Weg der Jungs auf der Suche nach der Wahrheit hinter dem Rauch. Mehr als einmal geraten sie dabei in Lebensgefahr, da sie sich zu Beginn der Geschichte naiv und unbewusst mit der Regierung und deren Gegnern anlegen.
Sehr detailliert und aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten lernen Thomas und Charlie weitere wichtige Personen kennen, die gemeinsam mit ihnen Teil einer Mission, einer Revolution, sein sollen. Mehr als einmal wendet sich das Blatt. Mehr als einmal hinterfragen die beiden ihren Plan. Revolutionäre und Angehörige der Regierung zerren an ihrem Selbstbild und am dem der Welt in der sie leben.
Als Livia, die Tochter einer Aristokratin, der Gruppe beitritt, gerät ihr Weltbild besonders aus den Fugen und es entsteht daneben noch ein - wenn auch lange ruhender - Kampf um die Gunst der jungen Frau. Diese muss jedoch zunächst den Kampf mit ihrem eigenen Ich beenden.
Fazit:
Aufgrund der häufigen Perspektivenwechsel fiel mir das Verfolgen der Handlung schwer. Zusätzlich war die Haupthandlung für meinen Geschmack zu sehr mit den Beschreibungen der Umwelt und den Gedanken und Plänen der Protagonisten durchsetzt. Den roten Faden habe ich nicht nur einmal in den Gassen von London oder den Gängen der Räumlichkeiten verloren. Obwohl das Thema interessant und faszinierend ist, bin ich von der Umsetzung der Geschichte nicht überzeugt.

Veröffentlicht am 19.12.2018

Hintergründe des 2. Weltkriegs aus der Sicht eines „Außenseiterlandes“, vor dem Grausamkeit nicht Halt macht.

Graue Nächte
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Island im 2. Weltkrieg – Ein außergewöhnlicher Schauplatz am Rand des bekannten Hypes um diesen Abschnitt der Geschichte.
Der Autor beschreibt zunächst die Fahrt des Schiffs Esja, das Isländern außerhalb ...

Island im 2. Weltkrieg – Ein außergewöhnlicher Schauplatz am Rand des bekannten Hypes um diesen Abschnitt der Geschichte.
Der Autor beschreibt zunächst die Fahrt des Schiffs Esja, das Isländern außerhalb ihrer Heimat die Möglichkeit geben soll, nach Hause zu fahren. Eine junge Frau ist an Bord, ihr Verlobter jedoch nicht. Während der Fahrt erfahren wir einiges über ihre Zeit in Kopenhagen und die Zugehörigkeit ihres Verlobten zur Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus. Zudem erfahren wir von ihrer Affäre mit einem Mitreisenden.
Parallel wird in Reykjavik ein Junge getötet. Die Kommissare Thorson und Flovent treten. Thorson ist ein kanadischer Soldat, der zur Ermittlung gerufen wird, da der Ermordete Uniform trägt. Flovent gehört der isländischen Polizei an. Diese muss sich mit einem Vermissten Mann befassen, der schließlich ertrunken am Strand auftaucht.
Damit sind die Mordfälle klar und die Verwirrung beginnt. Im Verlauf der Geschichte führt uns Arnaldur Indridason durch Zeitsprünge in der Handlung, die die Spannung, aber auch Ratlosigkeit fördern. Im Zusammenhang mit dem ertrunkenen Mann erfahren wir, dass dieser nicht einfach Selbstmord begangen hat, sondern ermordet wurde. Die Hintergründe der Tat sind unfassbar grausam und kaum vorab zu erraten. Sie haben ihren Ursprung in Kopenhagen, ziehen sich dann weiter entlang der Fahrtroute der Esja, während der es ein weiteres Opfer gab, und enden in einer Affäre auf Island.
Der „Parallelfall“ des Jungen führt Flovent und Thorson in eine Unterwelt des Sadismus. Soldaten, die ihre sexuellen Vorlieben nur illegal ausleben dürfen, Soldaten, die hier Grenzen überschreiten und sich zudem dazu berechtigt fühlen.
Mehr als einmal geraten Flovent und Thorson in Gefahr und überleben ihre Gegner nur knapp.
Am Ende der Geschichte geht alles sehr schnell, die Puzzleteile passen zusammen und wir erleben eine Aufklärung, wie sie damals Gang und Gäbe und sicher auch heute noch Anwendung findet.
Fazit:
Trotz der undeutlichen Zeitsprünge zwischen den Kapiteln, der zu Beginn undurchsichtigen Sachlage und der zwei parallelen Mordfälle verliert das Buch nicht an Spannung. Dem Autor gelingt es, den Leser bis kurz vor Schluss im Unklaren zu lassen. Die Hintergründe der Morde hinterlassen eine Gänsehaut und machen deutlich, wie schnell Menschen in Ausnahmesituationen zu Wesen mit niedriger Moral werden.