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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2017

Jahreshighlight

Berühre mich. Nicht.
6 0

Von Beginn an bannt Laura Kneidl ihre Leser mit einem wunderbar flüssigen Schreibstil. Flüssig, in sich schlüssig und gut durchdacht führt sie in die Charaktere und es gelingt, wichtige Informationen von ...

Von Beginn an bannt Laura Kneidl ihre Leser mit einem wunderbar flüssigen Schreibstil. Flüssig, in sich schlüssig und gut durchdacht führt sie in die Charaktere und es gelingt, wichtige Informationen von Beginn an in die Geschichte einzubinden. So entsteht glücklicherweise nicht der Eindruck eines konstruierten Anfangs, um die Charaktere und die Umgebung zu beschreiben. Feinheiten und Vergangenes werden wie selbstverständlich in das aktuelle Geschehen eingebunden und zur richtigen Zeit gebracht.
Sage und Luca sind Charaktere, die man von Beginn an gern hat. Sie haben Ecken und Kanten, aber nicht im Übermaß, so dass man sie tatsächlich unter uns finden könnte. Die Nebencharaktere April, Gavin und weitere Kommilitonen bleiben Randfiguren, werden jedoch so gut beschrieben, dass man sie wie selbstverständlich mit in den Geschichtenverlauf einbindet.
Die schweren psychischen Probleme von Sage spielen zwar eine führende Rolle, jedoch wird der Leser nicht überfordert mit diesen Inhalten. Man wird aufmerksam, ist betroffen, hat aber weiter Spaß am Lesen und wird mitgerissen von dem Mut und Engagement, das Sage an den Tag legt, um ihrer Vergangenheit zu entkommen. Als sie dann auch beginnt, diese aufzuarbeiten, wird man wieder mehr auf die Thematik der Angststörungen hingestoßen. Dies ist jedoch ebenfalls nicht hinderlich für den Lesefluss. Im Gegenteil: Ich habe diese Hintergründe und diesen Handlungslauf erwartet und mich genau darauf gefreut. Es ist einfach eine Geschichte, wie sie das Leben schreiben könnte.
Laura Kneidl ist es überragend gut gelungen, eine schwere, erschreckende und traurige Thematik in eine wundervoll rührende Geschichte ohne Kitsch und Klischee zu betten. Sowohl die Charaktere als auch die Handlung wirken realistisch, der flüssige Schreibstil unterstützt den Spaß am Lesen und die ebenfalls realistisch beschriebenen Emotionen verleiten zum unkontrollierten lächeln, heulen und seufzen.
Dieses Buch ist ohne Frage eines meiner Lesehighlights 2017 und der zweite Band steht mit Erscheinungsdatum ganz oben auf der Einkaufsliste.

Veröffentlicht am 01.01.2018

Hochemotionales Finale

Bourbon Lies
4 0

Im finalen dritten Teil der Bourbon Reihe wird die BBQ auf die existentielle Probe gestellt. Schaffen Lane und seine Mitstreiter es, den Milliardenkonzern mit langjähriger amerikanischer Tradition am Leben ...

Im finalen dritten Teil der Bourbon Reihe wird die BBQ auf die existentielle Probe gestellt. Schaffen Lane und seine Mitstreiter es, den Milliardenkonzern mit langjähriger amerikanischer Tradition am Leben zu erhalten? Gelingt es ihnen, die Verlustgeschäfte von William Baldwine Bradford abzuwenden?
Erschüttert werden die Bemühungen von Lane durch zahlreiche Dramen, die schon in den vorigen Bänden ihren Anfang nahmen. Gin leidet unter ihrem Ehemann Richard, der sie nicht nur körperlich misshandelt, sondern auch finanziell scheinbar die ganze Familie und damit das Unternehmen in der Hand hat. Edward wurde aufgrund seines Geständnisses, den Mord an seinem Vater verübt zu haben, verhaftet und wartet auf seine Verhandlung. Max ist zurückgekehrt, ohne wirklich anzukommen und bringt die ohnehin labile Familiensituation immer wieder ins Wanken. Lizzie und Lane sind glücklich, jedoch überschatten immer neue Katastrophen ihre neue zerbrechliche Liebe.
Das Buch ist wie schon seine Vorgänger flüssig geschrieben und die Autorin versteht es bravourös, die Fäden der Handlung so in Worte und Abläufe zu verpacken, dass man nicht aufhören kann zu lesen. Erotische Szenen und harte Verhandlungen, Machtspielchen und Psychodramen werden so in die Geschichte verwoben, dass man mit leidet, triumphiert und am Boden zerstört ist.
Die ein oder andere Auflösung der Fragen und Unklarheiten schockiert den Leser zutiefst. Die sich in den vorigen Büchern bildenden Abgründe können jedoch in diesem Band gefüllt werden. Sowohl mit Schmerz, Abschied als auch Freude, Erleichterung und Liebe. Es zeigt sich „mal wieder“, dass Blut dicker ist als Wasser und dass man auch auf alte Freunde zurückgreifen und sich auf diese verlassen kann. Die Seele des Lesers leidet und heilt in allen drei Büchern mit.

Fazit:
Ein fesselnder Roman mit viel Schmerz, Erotik und Drama. Die Geschichten der Charaktere und die Leidensgeschichte einer Familie gehen unter die Haut und zeigen auf, wie sehr Geld die Menschen verändert und wie negativ sich Macht und der Wunsch nach Ansehen auf den Charakter niederschlagen können.
Schön ist in diesem Fall, dass Wunden heilen und viele der Charaktere lernen können, dass man auch als reich Geborener seine Schulden begleichen und seine Lasten zu tragen hat.

Veröffentlicht am 15.04.2018

Der bekannte bayrische Charme von Eberhofer und Co. schlägt wieder zu.

Grießnockerlaffäre
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Man glaubt es kaum, aber Eberhofer hat einen Feind! Den Leiter der Landshuter Polizei, Barschl. Die beiden zanken sich, so oft und so heftig sie können und werden dabei auch mal handgreiflich. Beide.
Als ...

Man glaubt es kaum, aber Eberhofer hat einen Feind! Den Leiter der Landshuter Polizei, Barschl. Die beiden zanken sich, so oft und so heftig sie können und werden dabei auch mal handgreiflich. Beide.
Als Barschl ermordet wird, steht die gesamte Polizei vor dem Saustall vom Eberhofer und nimmt diesen fest. Dank dem Richter Moratschek, der ja seit dem Band 3 der Reihe in Eberhofers Schuld steht, ist dieser schnell wieder auf freiem Fuß und nimmt die Ermittlungen im Fall Barschl auf. Heimlich natürlich, da er als Hauptverdächtiger nicht recherchieren darf.
Mit im Boot sind die üblichen Verdächtigen: Die Susi, der Rudi und auch der Stopfer Karl.
Rita Falks üblicher bayerischer Dorfcharme ist ungebrochen. Mit dem aus den anderen Bänden bekannten Witz und Stil beschreibt die Autorin den nicht immer ganz legalen und leichten Weg Eberhofers in Richtung Fallaufklärung. Die Kollegen in Landshut landen immer wieder in Sackgassen und kommen letztendlich dem Mörder nicht auf die Spur. Eberhofer löst fast im Alleingang den Fall und zudem noch einen weiteren Mord.
Nebenbei erfährt man einiges über die Familie Eberhofer und besonders die Geschichte der Oma wird erweitert. Das ist schön. Denn die Oma ist ja in den Büchern allgegenwärtig und die Seele des ganzen Dorfes. Die bekannten weiteren Charaktere im Dorf sind auch wieder mit dabei und werden durch zwei Ärzte erweitert.
Ein ganz klein wenig kommt es mir so vor, dass Rita Falk mit den Nebenhandlungen den Haupterzählstrang füllen möchte. Da sie – falls dem so ist – dies aber mit viel Herz und Seele vornimmt, habe ich auch diese Teile des Buches verschlungen. Mir gefallen die Handlungen zur Erweiterung der Dorfbewohner und besonders auch die Geschichte der Oma. Das alles gibt der Reihe wieder einen Schub und man möchte gleich mit dem nächsten Band weiter lesen.
Fazit: Rita Falk bleibt sich treu und lässt Eberhofer und Co. weitere Dorfabenteuer erleben. Sie erweitert und vertieft bekannte Charaktere und deren Geschichten. Das Buch hat wie seine Vorgänger Herz, Nieren und Seele und versetzt einen in Sekundenschnelle im Kopfkino nach Niederkaltenkirchen. Eine wunderbare Ablenkung vom Alltag!

Veröffentlicht am 05.02.2018

Wundervolle Geschichte mit viel Gefühl und Realitätsnähe

Verliere mich. Nicht.
1 0

Nach dem Cliffhanger des ersten Teils schließt sich der zweite Band direkt an.
Sage Derting handelt in ihrer Panik entgegen ihrer Gefühle und versucht weiterhin, ihre Schwester und auch alle weiteren ...

Nach dem Cliffhanger des ersten Teils schließt sich der zweite Band direkt an.
Sage Derting handelt in ihrer Panik entgegen ihrer Gefühle und versucht weiterhin, ihre Schwester und auch alle weiteren Personen, die indirekt unter ihrem Stiefvater leiden, zu schützen.
Die schmerzhafte Situation unter der alle in ihrem nahen Umfeld leiden wird im Verlauf des zweiten Teils immer deutlicher. Der Leidensdruck auf Sage erhöht sich immer mehr, da sie in verschiedensten Situationen merkt, dass ihr Luca und in diesem Zuge auch sie selbst wichtiger sind als der Zwang, den Alan auf sie ausübt. Der Drang, sich zu befreien und sich den Ängsten zu stellen, wird immer größer. Sage verdrängt diese zu Beginn noch, indem sie sich immer wieder einredet, dass die Nähe zu Luca ihr den Abschied erleichtert oder dass sie sich diese Nähe selbst verbietet, da er etwas Besseres als sie verdient hat. Trotzdem kommt sie ihm immer wieder sehr nahe und lässt dies auch zu.
Auch Luca gibt (zum Glück für die romantische Seite in uns) nicht auf und suggeriert Sage immer wieder, dass sie ihm wichtig ist und dass er für sie da sein möchte. Ebenso zeigt er sich sehr ungeschickt in seiner Eifersucht, so dass seine Gefühle für Sage fast offen auf der Hand liegen.
Sehr schön finde ich, dass die Therapie, mit der Sage schon im ersten Teil begonnen hat, weiterhin Thema der Geschichte ist und nicht zu weit hinter die romantische Handlung tritt. Das Thema Angst und Missbrauch bleiben präsent und immer wieder wird deutlich wie sehr Sage im Alltag eingeschränkt ist.
Der Schreibstil von Laura Kneidl ist wunderbar flüssig und leicht zu lesen. Ihr gelingt ein Spannungsaufbau, der einen das Buch nicht mehr weglegen lässt. Bewundernswert sind die kleinen roten Fäden in jedem Kapitel, aber auch über diese hinaus durch ganze Abschnitte und letztendlich über beide Teile hinweg. Die Autorin verknüpft die kleineren Handlungsstränge wunderbar zu einem großen roten Seil, das sich durch die beiden Bücher zieht.
Psychologische Inhalte werden sehr detailliert und gut ausgearbeitet beschrieben. Hier zeigt sich für mich persönlich gute Recherchearbeit und sehr gutes Einfühlungsvermögen in die Seelenwelt der Person Sage. Trotzdem wird die Geschichte nicht überladen mit Fachinformationen und trockener Materie. Jedoch erhält der Leser den für den Verlauf wichtigen Einblick in die Psyche und darf hinter die äußere Erscheinung und Handlung von Sage ein klein wenig in die Vorgänge hinter der Studentin sehen.
Fazit:
Eine wunderschöne Geschichte zwischen psychologischem Drama und jugendlicher Romantik.
Ich hoffe, dass die beiden Bände einigen Menschen Mut und Kraft geben, sich zu wehren bzw. auch wachsamer zu werden für Probleme in deren Umfeld. Viele schauen einfach nicht genug auf ihre Freunde und Verwandten und erkennen gewissen Zeichen nicht.
Die andere Seite des Buches ist eine wundervolle romantische Geschichte zweier junger Menschen, deren Zuneigung zueinander auf verschiedene Weise geprüft wird und die einige Stolpersteine zu meistern haben, um sich ihren Wunsch nach Nähe, Liebe und Zuneigung zu erfüllen.

Veröffentlicht am 22.01.2018

Unergründlich faszinierend

Die Bibliothekare / Die maskierte Stadt
1 0

Im zweiten Teil der Fantasygeschichte um Irene Winters führt uns die Autorin in ein fiktives Venedig. Genevieve Cogman gelingt es, Welten zu erschaffen, die unwirklicher sind als unsere skurilsten Träume. ...

Im zweiten Teil der Fantasygeschichte um Irene Winters führt uns die Autorin in ein fiktives Venedig. Genevieve Cogman gelingt es, Welten zu erschaffen, die unwirklicher sind als unsere skurilsten Träume. Gebäude, Gespräche und auch Personen sind selten so wie es auf den ersten Blick scheint. Die Phantasie der Autorin scheint unergründlich und beinahe unheimlich faszinierend.
Wenn auch der Schreibstil für mich zuweilen anstrengend zu lesen ist und ihr Venedig Winkel und Räume enthält, die ich mir trotz der genauen Beschreibung kaum vorstellen kann, bin ich wie paralysiert nach diesem Buch.
Cogman versteht es, mit ihrer phantastischen Welt zu bezaubern. Die Gebäude, Städte und Zwischenwelten haben Charme und sind dank der genauen Beschreibungen so gut vor dem inneren Auge zu erkennen wie nötig. Die maskierte Stadt hat nur ansatzweise mit der realen zu tun, jedoch gibt es Verknüpfungen, die uns nicht völlig aus unserer Vorstellungskraft reißen.
Einzigartig sind die Gespräche zwischen Bibliothekaren, Drachen und Elfen. Sie sind in einer Art und Weise ausgearbeitet, die sich viele Psychologen als Dokumentation für ihre Klienten wünschen. Winkelzüge in scheinbar nebensächliche Unterhaltungen einbetten, psychologische Kriegsführung in ein Kaffeekränzchen involvieren oder direkte Machtausübung über mentale Beeinflussung erreichen – dies wird in Form von kunstvoll geführtem Schreibstil dargestellt.
Teilweise kann ich den Gedanken der Autorin nicht so folgen wie ich gern möchte. Kleine Teile des Buches entziehen sich meiner Vorstellungskraft. Jedoch bleiben Faszination und Gesamtzusammenhang erhalten.

Fazit:
Eine extrem außergewöhnliche Reihe, die ich jedem Fantasy-Fan empfehlen möchte.
Die Handlung wird in eine Tiefe geführt, die das Erschaffen dieser Welten zu einer fantastischen Meisterleistung macht. Auch die mir manchmal schwer fallenden Beschreibungen und der teilweise für mich anstrengende Schreibstil ließen mich das Buch nicht weg legen. Die Spannungswechsel und psychologisch höchst interessant verlaufenden Gespräche und Machtspiele haben mich gefesselt und immer wieder aufs Neue bewirkt, dass ich in diese Welt eintauchen und sie verstehen wollte.
Den ersten Teil zu kennen hat mir durchaus geholfen. Zwingend notwendig ist dies jedoch meiner Ansicht nach nicht.