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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2025

Starker Beginn, dann leider schwächer werdend

Ginsterburg
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Die Idee hinter „Ginsterburg“ von Arno Frank gefiel mir zunächst richtig gut. Ein fiktives Städtchen, stellvertretend für so viele in Deutschland und die Biografien jeder Menge einzelner Figuren. So sollte ...

Die Idee hinter „Ginsterburg“ von Arno Frank gefiel mir zunächst richtig gut. Ein fiktives Städtchen, stellvertretend für so viele in Deutschland und die Biografien jeder Menge einzelner Figuren. So sollte vermittelt werden wie "ganz normale" Menschen zur NS-Zeit gelebt haben. Los geht die Erzählung im Jahr 1935, anschließend springen wir nach 1940 und 1945. Zunächst konnte mich die Handlung durch ihre subtile Spannung und die zahlreichen Perspektiven noch gefangen nehmen. Der weitschweifige und detailreiche Schreibstil las sich allerdings von der ersten Seite an schwerfällig und nur sehr langsam. Im Handlungsverlauf störte mich dann aber zunehmend der gewählte Fokus des Autors. Wirklich alle Figuren schaffen es grandios wegzuschauen, erlebtes schönzureden und wirklich nichts vom Holocaust und weiteren Grauen des Regimes zu wissen. Sich selbst bereichern, etwa wenn es um Aufträge oder den zurückgelassenen Besitz jüdischer Familien geht, können sich hingegen alle Protagonisten wunderbar. Insgesamt bleibt mir die Geschichte in weiten Teilen einfach zu subtil, während die alltäglichen Sorgen der Charaktere einfach zu viel Raum einnehmen. In meinen Augen braucht es nicht noch einen Roman darüber, wie sehr die deutsche Bevölkerung im selbstverschuldeten Krieg gelitten hat. Ein weiteres Problem waren für mich außerdem die dargestellten Charaktere, besonders die Frauen sind bis auf eine Ausnahme überaus kaltherzig und überzeichnet dargestellt. Und auch wenn die Männer facettenreicher daherkamen, fehlte mir oft ein Gefühl der Authentizität. Erzählerisch hat der Autor viel gewollt, genau dieses Bemühen merkt man dem Text leider auch an. Alles in allem konnte mich „Ginsterburg“ nicht überzeugen, weshalb ich nach dem starken Beginn leider nur 3 Sterne vergeben kann.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Schwere Entscheidungen einer engagierten Strafverteidigerin

Dunkle Momente
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„Dunkle Momente“ von Elisa Hoven ist inhaltlich und stilistisch mal etwas ganz anderes und konnte mich gerade deshalb sehr begeistern. In jedem Kapitel geht es um einen zurückliegenden Fall der Protagonistin ...

„Dunkle Momente“ von Elisa Hoven ist inhaltlich und stilistisch mal etwas ganz anderes und konnte mich gerade deshalb sehr begeistern. In jedem Kapitel geht es um einen zurückliegenden Fall der Protagonistin Eva. Die einzelnen Kapiteln lesen sich dabei fast schon wie Kurzgeschichten und sind wirklich toll auf den Punkt erzählt. Darüber hinaus gibt es aber auch eine Rahmenhandlung, welche sich hauptsächlich um die persönliche Entwicklung der Hauptfigur dreht. Der Titel ist in diesem Fall außergewöhnlich treffend und hängt mit mehreren Entscheidungen der Strafverteidigerin zusammen. Voller Grautöne ist Eva eine Figur welche ich zwar faszinierend, aber nicht durchgehend sympathisch fand. Letztlich ist sie immer auf der Seite ihrer Mandant:innen und überschreitet wiederholt (moralische) Grenzen. Gerade deshalb löst die Erzählung aber einen regelrechten Sog aus und ich musste unbedingt weiterlesen. Vorhersehbar ist hier wirklich nichts. Der Schreibstil ist trotz fachlicher Begriffe eingängig und liest sich flüssig. Und auch über unser deutsches Justizsystem lernt man nebenbei so manches. Alles in allem ist der Autorin mit „Dunkle Momente“ eine wirklich großartige Mischung gelungen. Gerade da es nicht immer einfach ist klar in Gut und Böse zu unterteilen, regt das Buch zum Nachdenken an. Gerne vergebe ich begeisterte 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Schmerzhafte Coming-of-Age-Geschichte

Chopin in Kentucky
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Eindrucksvoll erzählt Autorin Elizabeth Heichelbech in ihrem Roman „Chopin in Kentucky“ von den ersten Lebensjahren bis zur Jugend ihrer Protagonistin Marie. Deren Aufwachsen im Kentucky der 1970er Jahre ...

Eindrucksvoll erzählt Autorin Elizabeth Heichelbech in ihrem Roman „Chopin in Kentucky“ von den ersten Lebensjahren bis zur Jugend ihrer Protagonistin Marie. Deren Aufwachsen im Kentucky der 1970er Jahre ist geprägt von Armut, Vernachlässigung und Gewalt. Marie zeichnet allerdings ein enormer Überlebenswille aus und ihre Liebe zum Balletttanz rettet sie gewissermaßen. Dennoch ist die Stimmung der Geschichte hauptsächlich niederdrückend und depressiv. Viele Szenen waren für mich nur schwer auszuhalten und auch insgesamt war die Lektüre eher unbequem, was ich gar nicht negativ meine. Dabei schätzte ich die authentisch wirkende Lebensgeschichte durchaus und auch zeitgeschichtlich bietet das Buch interessante Einblicke. Der Schreibstil erschien mir hingegen sperrig und auch dadurch war mein Lesetempo eher langsam. Dennoch liest sich die Handlung interessant und durchaus originell. Wer schwierige Themen nicht scheut und erkennbare Entwicklung bei Charakteren mag, sollte auf jeden Fall einen Blick auf „Chopin in Kentucky“ riskieren. Aufgrund meiner Kritikpunkte und da mich andere Coming-of-Age-Geschichten schon mehr abgeholt haben, vergebe ich persönlich 3 1/2 Sterne.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Liebe und Spiritismus verpackt in einer fesselnden Geschichte

Hinters Licht
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Sowohl zu Beginn, als auch im Nachwort von „Hinters Licht“ stellt Autorin Åsa Avdic klar das ihre Geschichte rein fiktiv ist und sie historische Authentizität nicht als Ziel hatte, auch wenn es einige ...

Sowohl zu Beginn, als auch im Nachwort von „Hinters Licht“ stellt Autorin Åsa Avdic klar das ihre Geschichte rein fiktiv ist und sie historische Authentizität nicht als Ziel hatte, auch wenn es einige Figuren wohl tatsächlich gab und auch manches zeitgeschichtliche Detail stimmt. Im Großen und Ganzen ist die Handlung aber frei erfunden, was sie allerdings nicht weniger interessant macht. Der Erzählstil ist durchaus besonders, dadurch aber sehr reizvoll. Denn mit häufig wechselnden Perspektiven und Zeitsträngen, ja sogar mit einem variierenden Erzählton, sorgt die Autorin für ordentlich Abwechslung. Die Handlung zieht von Beginn an in ihren Bann, erst durch eine an Obsession grenzende Liebesgeschichte, dann durch die spiritistischen Experimente. Ein überraschendes Ende rundet das Leseerlebnis schlussendlich perfekt ab. Das gesamte Buch ist unterhaltsam und die originelle Thematik war mal etwas ganz anderes. Auch deshalb vergebe ich gerne 5 Sterne und würde mich freuen in Zukunft noch anderes von der Autorin lesen zu können.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Macht Lust auf wilde Geschmackserlebnisse

Wilde Pflanzen essen
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„Wilde Pflanzen essen“ ist ein modernes Sachbuch in welchem Wildpflanzenexpertin Christine Rauch ihr Wissen unkompliziert und sympathisch weiter gibt. Wunderbar anschaulich und farbenfroh ist das Buch ...

„Wilde Pflanzen essen“ ist ein modernes Sachbuch in welchem Wildpflanzenexpertin Christine Rauch ihr Wissen unkompliziert und sympathisch weiter gibt. Wunderbar anschaulich und farbenfroh ist das Buch von Ernestine Donnerberg illustriert worden. Vom Gesamtergebnis bin ich einfach nur begeistert. Die geordnete Struktur und die Stichwortverzeichnisse erleichtern das schnelle Nachschlagen. So wird mich der tolle Ratgeber sicherlich noch lange im Alltag begleiten. Aber auch die erste durchgängige Lektüre machte einfach nur Spaß. Obwohl jede Pflanze nur eine Doppelseite zur Verfügung hat, finden sich dort viele Informationen. Standort, Aussehen, welche Teile essbar sind und wie man diese verarbeiten könnte, sind nur einige davon. Zur sicheren Bestimmung empfiehlt es sich allerdings zusätzlich noch eine App oder ein Bestimmungsbuch zu verwenden. Und auch genauere Tipps zum Sammeln finden sich nicht in diesem Buch. Der Fokus liegt ganz klar auf den Pflanzen-Porträts und den Geschmacksprofilen. Zahlreiche grundlegende Rezepte runden am Ende das Werk dann perfekt ab. Wenn du also Lust hast Neues zu entdecken und den eigenen Vorrat mit kreativen und besonderen Kreationen aufzuwerten, dann ist „Wilde Pflanzen essen“ genau das Richtige. Ich persönlich bin auf jeden Fall voll und ganz zufrieden und freue mich im nun anstehenden Frühling bald loslegen zu können.

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