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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.03.2025

Klassischer Krimi mal anders

Campion. Tödliches Erbe
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Das extravagante, detailreiche Cover passt erstaunlich gut zur Geschichte dahinter, denn der Start konnte mich direkt überraschen.
Der Detektiv Albert Campion versucht den Diebstahl eines sagenumrankten ...

Das extravagante, detailreiche Cover passt erstaunlich gut zur Geschichte dahinter, denn der Start konnte mich direkt überraschen.
Der Detektiv Albert Campion versucht den Diebstahl eines sagenumrankten Erbstücks der Familie Gyrth zu verhindern und damit deren Ehre zu retten. Mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht verraten, da der eigentliche Klappentext für meinen Geschmack schon zu viel preisgibt.
Für einen klassischen Krimi ist dieser hier erstaunlich flüssig lesbar trotz einiger langer Schachtelsätze. Allerdings musste ich manche davon doch wiederholt lesen, nur um im Anschluss immer noch Fragezeichen über dem Kopf zu haben. Hier passiert schon viel zwischen den Zeilen. Die Vielzahl an Figuren erfordert zusätzlich einiges an Konzentration beim Lesen.
Die mitunter diskriminierende Sprache ist selbstverständlich Zeugin der Entstehungszeit des Krimis, hat mir den Genuss mindestens einer Szene aber dennoch etwas erschwert. Für Wiedergutmachung sorgte jedoch die wendungsreiche Handlung. Jedes Umblättern enthüllte eine mehr oder weniger erwartete Überraschung. Passend zu einem englischen Krimiklassiker schreitet die Handlung trotzdem insgesamt eher gemächlichen Schrittes voran.
Besonders das Rätsel um den Protagonisten hat mich weiterlesen lassen, da Campion genauso mysteriös erscheint wie der Fall selbst. Ich frage mich immer noch, wer er wirklich ist und wie er sein abenteuerliches Netzwerk aufbauen konnte. In jedem Fall ist er ein cleverer Ermittler, der sich auch nicht davor scheut, manch waghalsige Entscheidung zu treffen.
Alle anderen Mysterien rund um den geplanten Raubzug werden schlussendlich zu einem runden Abschluss gebracht, wobei eine Kleinigkeit der eigenen Interpretation überlassen wird.
Mich hat der mit britischem Humor und viel lebendigem Zeitgefühl gespickte, zeitweise herrlich undurchsichtige Krimiklassiker alles in allem gut unterhalten und mit Lust auf weitere Fälle rund um den Detektiv Albert Campion zurückgelassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2025

Fesselnder Auftakt, der Lust auf mehr macht

Der Todesspieler
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Ohne die Serienverfilmung Tracker, die mich für sich gewinnen konnte, hätte ich wohl nie begonnen, die Colter-Shaw-Reihe von Jeffery Deaver zu lesen. Und damit hätte ich etwas verpasst, da sich der Auftakt, ...

Ohne die Serienverfilmung Tracker, die mich für sich gewinnen konnte, hätte ich wohl nie begonnen, die Colter-Shaw-Reihe von Jeffery Deaver zu lesen. Und damit hätte ich etwas verpasst, da sich der Auftakt, Der Todesspieler, als ein Thriller ganz nach meinem Geschmack entpuppt hat.
Der Anfang hat mich zunächst aufgrund der Unterschiede zur Serie und der in der Verfilmung deutlich ausgeprägteren Diversität irritiert. Doch bald konnte mich der Schreibstil völlig fesseln. Kurze Kapitel und die am besten eingearbeiteten Rückblenden, die ich je gelesen habe, das Zeitdruck-Element, der trockene Humor, Gänsehaut-Momente – all das hat für mich einfach ein rundes Ganzes ergeben. Ich habe nie gemerkt, wie viel ich am Stück gelesen habe, bis ich irgendwann ruckartig aus dem Lesetunnel aufgetaucht bin. Auch die eingebetteten Zeichnungen des Protagonisten stellen ein liebevolles und hilfreiches Detail dar.
Colter Shaw hat mich als Figur schon in der Serie fasziniert. Gegen Belohnungen spürt er vermisste Menschen für Privatpersonen auf und ist allem voran zwar ein einsamer Wolf, aber auch ein anständiger Kerl mit starkem Gerechtigkeitssinn. Wenn man ihn allerdings nicht mag, hat man wohl ein Problem, da die Geschichte neben den eigentlichen Fällen stark auf ihn und seine Familiengeheimnisse konzentriert. Die Nebencharaktere, die ich in der Serie so liebgewonnen habe, spielen hier kaum eine Rolle.
Offen gesagt habe ich nur wenig Ahnung von der Videospielindustrie, aber Deaver versteht es, Wissen selbst in einer Thrilleratmosphäre gekonnt zu vermitteln.
Die Handlung wirkt im Übrigen realistisch düster, aber nie übermäßig grausam. Zwischendurch war ich mir sehr sicher, den Täter gefunden zu haben. Zur Abwechslung lag ich aber mal komplett falsch und durfte die Puzzleteile neu zusammensetzen. Auf die Hintergründe und das zugrunde liegende brandaktuelle Thema wäre ich aber wohl trotz einiger Hinweise nicht gekommen.
Kurzum, diese Reihe werde ich definitiv weiterverfolgen.

Veröffentlicht am 09.02.2025

Emotionsgeladene, düstere Urban Fantasy

Die Asche in ihm
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Da ziemlich viel Zeit seit meiner Lektüre des Auftaktbands vergangen war, fand ich etwas schwer zurück in die Geschichte. Als mein Vorwissen aufgefrischt war, kam ich aber dank so manch schockierender ...

Da ziemlich viel Zeit seit meiner Lektüre des Auftaktbands vergangen war, fand ich etwas schwer zurück in die Geschichte. Als mein Vorwissen aufgefrischt war, kam ich aber dank so manch schockierender Entwicklung gut voran.
Nach Band 1 habe ich noch kritisiert, dass ich keine Verbindung zu den Figuren aufbauen konnte. Doch genau das wurde zur größten Stärke des Folgebands. Was habe ich mit den Charakteren gelitten. Mir liefen kalte Schauer über den Rücken, mein Herz wurde mir eng in der Brust und ich habe so manche Träne verdrückt. Man garniere diese Gefühlsachterbahn mit Wendungen, die mich völlig überraschen konnten und erhalte einen der besten Mittelbände, die ich je gelesen habe.
Nach wie vor konnte mich die düstere Atmosphäre völlig überzeugen. Ständig hat man das Gefühl, jederzeit auf das Schlimmste gefasst sein zu müssen. Dazu tragen auch die ProtagonistInnen selbst bei. Mehr als einmal hätte ich Personen gerne lauthals gefragt, was sie dort tun. Zwischendurch wusste ich ebenso wenig wie so mancher Charakter, wer überhaupt noch als vertrauenswürdig gelten kann.
So sehr ich auch leiden musste, habe ich es doch genossen, die Charaktere tiefer kennenzulernen. Der heimliche Star unter ihnen ist für mich mit Askas Bruder Lian eigentlich eher unter den Nebenfiguren zu suchen. Allerdings hat er mein Herz gehörig zum Schmelzen gebracht und seine Interaktionen ließen so manch dunkle Situation erträglicher wirken. Der alltägliche Überlebenskampf, die Bewältigung von vergangenen Taten, Traumata und neuen Erkenntnissen sowie (erneutes) Zueinanderfinden stehen nämlich im Fokus der Handlung und sorgen für harte Kost, aber furchtbar realistisch wirkende mentale Belastungen. Ich für meinen Teil musste das Gelesene erstmal eine Weile sacken lassen.
Dieser Band wirkt in sich abgeschlossen und kommt zu einem runden, ungemein befriedigenden Ende. Dennoch werde ich auch den dritten Band noch anschließen, da ich einfach noch nicht bereit bin, die liebgewonnenen Charaktere ziehen zu lassen.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.11.2024

Atmosphärisch-düsteres Hexenerlebnis

Tage einer Hexe
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Diese Geschichte stand bereits auf meiner Wunschliste, bevor ich die wunderschöne äußere Gestaltung der deutschen Übersetzung zum ersten Mal gesehen habe, aber spätestens dann wäre es um mich geschehen ...

Diese Geschichte stand bereits auf meiner Wunschliste, bevor ich die wunderschöne äußere Gestaltung der deutschen Übersetzung zum ersten Mal gesehen habe, aber spätestens dann wäre es um mich geschehen gewesen.
Kosara, eine erfahrene Hexe, tauscht aus Angst vor dem Zmey, dem Zaren der Monster, ihren Hexenschatten gegen eine Fluchtmöglichkeit. Doch ohne die Quelle ihrer magischen Kräfte wird sie bald von der Schattenkrankheit heimgesucht. Um ihren Schatten wiederzuerlangen, muss sie nicht nur eine Allianz mit einem Polizisten eingehen, sondern sich auch den Geistern der Vergangenheit stellen.
Die dunkle Atmosphäre hat mich von Beginn an in den Bann gezogen. Die großartige Einarbeitung slawischer Mythologie hat zusätzlich dazu beigetragen, dass das Setting mich nicht mehr losgelassen hat. Da die Geschichte um Neujahr einsetzt, passt sie außerdem perfekt zur aktuellen Jahreszeit.
Die Handlung konnte mich jedoch nicht immer fesseln, sodass ich nicht ständig den Drang verspürt habe, zum Buch zu greifen. Beispielsweise waren einige Wendungen für mich vorhersehbar. Außerdem drohte die Geschichte zwar immer wieder Grausamkeit an, zog diese aber selten durch. Dadurch steht das Buch in meiner Wahrnehmung etwas unausgewogen zwischen Jugendliteratur und erwachsener Fantasy.
Mit Kosara als Protagonistin hatte ich gerade am Anfang so meine Probleme, da sie erst handelt, bevor sie nachdenkt und den Großteil ihrer Probleme somit selbst verschuldet. Im Lauf der Zeit macht sie jedoch eine in Ansätzen sichtbare, also glaubhafte Entwicklung durch. Vor allem der Einblick in ihre aufgewühlte Gefühlswelt hat zusätzlich dazu geführt, dass ich Verständnis für sie entwickeln konnte. Asen stellte sich als weniger perfekt heraus, als befürchtet. Auch ihn quält die Vergangenheit, dennoch hatte ich das Gefühl, er ging mit seiner Buße mitunter etwas zu weit und ließ sich etwas zu viel antun. Immerhin treffen wir hier so unperfekte Protagonisten, deren Schicksale mich durchaus berühren konnten.
Obwohl ich vor dem Lesen gehört habe, dass es sich hierbei um Romantasy handeln soll, habe ich davon nur einen angenehmen, sich langsam herauskristallisierenden Hauch gespürt. Alles andere hätte für mich auch gar nicht zur Handlung gepasst.
Besonders die Ausarbeitung der Monsterthematik nach innen - spürbare Negativfolgen einer toxischen Beziehung - und außen - die Geschichte bietet eine ganze Bandbreite echter albtraumhafter Gestalten - hat mich auf ganzer Linie überzeugen können.
Insgesamt hat mich Tage einer Hexe gut unterhalten. Wer eine ruhigere winterliche Fantasygeschichte voll slawischer Mythologie, Monstern und eher untypischen Heldenfiguren sucht, die vor allem durch eine einnehmende dunkle Grundstimmung besticht, sollte hier unbedingt einmal reinlesen.

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Veröffentlicht am 23.11.2024

Geschichtsfutter im Doku-Stil

Eine kurze Geschichte der Tudors
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Die Herrscherdynastie der Tudors fasziniert wahrhaft bis heute. Gerade angesichts der Fülle an medialen Aufbereitungen zum Thema möchte ich diese Rezension einmal ganz anders starten und zuerst klären, ...

Die Herrscherdynastie der Tudors fasziniert wahrhaft bis heute. Gerade angesichts der Fülle an medialen Aufbereitungen zum Thema möchte ich diese Rezension einmal ganz anders starten und zuerst klären, für wen dieses Werk hier geeignet ist und für wen eher nicht.
Wer zwar Geschichtsinteresse, aber kein bis wenig Vorwissen zu dieser Familie hat und auf der Suche nach leicht zugänglicher Lektüre ist, ist mit diesem Büchlein gut aufgehoben. Im Vorwort des Autors werden auch SchülerInnen als AdressatInnen erwähnt, wenn, dann doch allerdings Richtung Oberstufe, bedenkt man beispielsweise die Rolle der Erbenproduktion im Leben Heinrichs VIII. Wer jedoch zum Beispiel nach einem feministischen Zugang zum Haus der Tudors sucht, wird hier nicht fündig werden, da die Ausführungen sich an traditionellen Sichtweisen orientieren.
Ihr seid immer noch interessiert? Wunderbar! Dann freut euch auf einen informativen, aber verständlichen - so muss man diesen Stoff erst einmal verpacken können, Chapeau dafür - Abriss von knapp 120 Jahren englischer Dynastiegeschichte. Auf wenigen Seiten trifft man entsprechend viele historische Persönlichkeiten, die man erst einmal auseinanderhalten halten muss. Ich empfehle eine langsame Lektüre mit Pausen, um über das Gelesene nachzudenken. Manchmal wechseln die deutschen und englischen Bezeichnungen für die Personen, was unter Umständen zu etwas Verwirrung führen kann. Ein Stammbaum wäre hier in jedem Fall die Kirsche auf der Sahnetorte gewesen.
Ein besonderes Highlight für mich waren die vielfältigen Zitate vor dem Beginn jedes neuen Kapitels, die eine zusätzliche Perspektive eröffnen. Ich für meinen Teil habe dieses Buch verschlungen und hätte auch nichts gegen die eine oder andere Seite mehr einzuwenden gehabt.
Man merkt dem Autor seine Geschichtsbegeisterung an, wodurch ein gut lesbares Sachbuch mit Einstiegscharakter entstanden ist, welches im besten Fall Interesse an der weiteren Beschäftigung mit den Tudors weckt.