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Veröffentlicht am 14.03.2020

Der wilde Westen

Das wilde Herz des Westens
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„Die ganze Zeit über hatte sie geglaubt, eine Idee vom Glück zu haben, doch nun musste sie feststellen, dass sie es nie wirklich gekannt hatte.“

„Das wilde Herz des Westens“ ist ein historischer Liebesroman ...

„Die ganze Zeit über hatte sie geglaubt, eine Idee vom Glück zu haben, doch nun musste sie feststellen, dass sie es nie wirklich gekannt hatte.“

„Das wilde Herz des Westens“ ist ein historischer Liebesroman von Alexandra Fischer. Er erschien erstmals im Januar 2019 bei Books on Demand und als Neuauflage im Februar 2020 im dp Verlag von Digital Publishers.
Phoebe träumt schon ihr gesamtes Leben von der Hochzeit mit einem Cowboy im wilden Westen. Als sie als Briefbraut endlich die Gelegenheit hat in den Westen zu reisen, nutzt sie die Chance und bricht mit ihrer Freundin Briana in eine ungewisse Zukunft auf. Auf ihrer Reise kommen die jungen Frauen dann an ihre persönlichen Grenzen und bald wird klar, dass nicht nur die Kennedy-Brüder ein Geheimnis haben, sondern auch Briana eines mit sich trägt, dass die gesamte Gruppe in Gefahr bringt…

„Das wilde Herz des Westens“ ist der zweite Roman, den ich von der Autorin gelesen habe. Er spielt in einem anderen Genre als der letzte, und ich bin überrascht, wie gut sie das Schreiben in unterschiedlichen Genres beherrscht.
In diesem historischen Roman beschreibt sie nicht nur einen Teil des Sezessionskriegs und verschiedene Formen von Rassismus in den Staaten im 19. Jahrhundert, sondern auch eine Liebesgeschichte voller Spannung, Gefühl und Drama. Sie verknüpft Historik mit Fantasie und webt wichtige historische Themen geschickt in eine Liebesgeschichte. Der Leser kann sich mit den angeschnittenen Themen beschäftigen, muss es aber nicht. Mir persönlich gefiel es wirklich gut und gerade über den Stand der Iren in den USA hatte ich bisher überhaupt keine Ahnung.
Die jungen Frauen Phoebe und Briana, die aus dem wohlhabenden Osten des Landes in den wilden Westen aufbrechen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Phoebe ist ein typisches „Ostküstenmädchen“ – naiv, eher unselbstständig, verwöhnt und egoistisch, dabei aber nicht unsympathisch. Der Weg als Briefbraut, der ihr als das größte Glück erschien, entpuppt sich jedoch schnell als Albtraum aus dem es kein Entkommen gibt. Das entbehrungsreiche und anstrengende Leben als „Pioniersfrau“ liegt ihr nicht und erst spät bemerkt sie, was das Richtige für sie ist. Briana hingegen hat im Leben schon viel erlebt und findet mit jedem Schritt der Reise ein Stück mehr zu sich selbst. Sie entpuppt sich als typische „Pioniersfrau“ und agiert entschlossen und selbstbewusst. Auf dem langen Weg zur Kennedy-Ranch, entdeckt sie schließlich, dass ihr das entbehrungsreiche und anstrengende Leben im Westen gefällt, obwohl sie eigenständig niemals dorthin aufgebrochen wäre.
Während ich Phoebe lange Zeit als anstrengend und nervig empfunden habe, gefiel Briana mir von Anfang an. Beide Protagonistinnen sind aber authentisch dargestellt und ebenso wie die anderen Figuren liebevoll gezeichnet.
Auch die Kennedy-Brüder, sind interessante Charaktere und könnten unterschiedlicher nicht sein.
Alexandra Fischer spielt geschickt mit ihren Figuren und lässt sie lebensnah handeln. Dabei ist niemand perfekt. Es gibt Lügen und Geheimnisse, aber auch ebenso viel Mut, Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt. Die Reise der Gruppe um die Kennedy-Brüder ist keine einfache Fahrt und die Herausforderungen schweißen die Menschen mehr aneinander, als jeglicher Alltag es tun würde. Jeder der Reisenden stößt währenddessen seine Grenzen und wächst letztendlich daran, diese Entwicklungen haben mir sehr gut gefallen, denn sie zeigen, dass man manchmal seine eigenen Grenzen herausfordern muss, um das zu erreichen, was man sich wünscht.
Auch als Leser konnte ich durch den wunderschönen und flüssigen Schreibstil in die Reise eintauchen und habe nicht nur emotional, sondern auch bildlich an der Reise teilgenommen. Obwohl mein ebook-Reader mir eine Lesedauer von über 8 Stunden anzeigte, bin ich zügig vorangekommen und konnte das Buch streckenweise kaum aus der Hand legen.

Mein Fazit: „Das wilde Herz des Westens“ ist ein Cowboyroman, der das Leben im wilden Westen anschaulich darstellt und dabei eine Liebesgeschichte enthält, die rührender kaum sein könnte. Tiefe Emotionen werden verknüpft mit einer guten Portion Spannung und Abenteuer und werden durch einen unglaublich flüssigen Schreibstil formuliert. Ich vergebe 5 von 5 Sternen und freue mich auf weitere Romane der Autorin!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.03.2020

Liebe hat immer zwei Seiten

Ein letzter Brief von dir
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"Niemand, der bei klarem Verstand ist […] ignoriert die Liebe, wenn sie ihm über den Weg läuft."

"Ein letzter Brief von dir" ist ein Liebesroman von Juliet Ashton. Er erschien im Februar 2014 im Rowohlt ...

"Niemand, der bei klarem Verstand ist […] ignoriert die Liebe, wenn sie ihm über den Weg läuft."

"Ein letzter Brief von dir" ist ein Liebesroman von Juliet Ashton. Er erschien im Februar 2014 im Rowohlt Verlag und ist in sich abgeschlossen.
Als Orla am Valentinstag einen Brief ihres Freundes Sim erhält und einen Heiratsantrag vermutet, ahnt sie nicht, dass sie nur kurze Zeit später über dessen den Tod informiert werden würde.
Dann jedoch bricht für sie eine Welt zusammen. Kurzentschlossen fliegt sie nach London um Sims dortige Wohnung leerzuräumen. In der Großstadt angekommen beginnt sie zu begreifen, dass sie weniger von Sim wusste, als sie dachte. Noch bevor sie die Valentinskarte öffnet ist ihr klar, dass nur sein Tagebuch Licht in die Tage vor Sims Tod bringen wird. Doch genau dieses ist nicht auffindbar und seine Suche lässt Orla nicht los...

Orla ist ein Dorfkind durch und durch. Aufgewachsen in einem irischen Dorf und einer großen Familie kann sie sich ein Leben außerhalb ihres Heimatortes nicht vorstellen. Sie ist eher schüchtern und zurückhaltend, hat aber einen eigenen Kopf und eine feste Meinung zu den meisten Dingen, wodurch man sie schon fast als starrsinnig bezeichnen könnte. Diese Eigenschaften stehen im starken Kontrast zu Sims, denn dieser ist Schauspieler und liebt es im Mittelpunkt zu stehen. Mit Sim zusammen fühlt Orla sich wohl und ihr ist klar, dass er der Mann fürs Leben ist. Mit ihm nach London zu gehen, wo er einen wichtigen Film dreht, ist für sie aber unvorstellbar.
Als sie schließlich von Sims Tod erfährt und nach London reist erkennt sie, dass Sim vielleicht doch nicht immer so war, wie sie dachte. Sie erfährt Dinge, die sie sich bisher kaum vorstellen konnte und als sie schließlich den Brief vom Valentinstag öffnet, ist sie bereits nicht mehr das naive irische Dorfmädchen…
Orla als Protagonistin war mir im gesamten Roman nicht vollständig sympathisch. Ihre Gedanken und Gefühle kommen durch die personale Erzählperspektive aus ihrer Sicht zwar gut zur Geltung und sind auch authentisch und greifbar, trotzdem grenzte ihr Verhalten teilweise an Wahnsinn und Fanatismus, gepaart mit einer großen Portion Naivität die ich ein wenig anstrengend fand. Zusätzlich zu diesem Gefühl zog sich die Handlung teilweise sehr in die länge und obwohl der Schreibstil an sich leicht und locker war, zog sich der Roman teilweise doch etwas dahin.
Trotzdem bewundere ich die Entwicklung, die Orla in dem Jahr in dem wir sie begleiten durchmacht. Der Tod von Sim macht sie erwachsener und lässt sie viele Dinge klarer sehen. Sie beginnt sich aus ihrem Loch heraus zu kämpfen und erkennt, was sie selbst wert ist und wo ihre Stärken liegen, sie stellt fest, dass sie sich lange vor der Wahrheit gedrückt hat und sich damit selbst belogen hat. Sie wird selbstbewusster und durch ihre Hartnäckigkeit ist sie in der Lage nicht nur sich selbst zu helfen, sondern auch ihrer Vermieterin Maud und ihren Schülerinnen und Schülern. Dieser Charakterzug von Orla und das Einbinden einer tieferen zweiten Ebene im Roman hat mir gut gefallen. So bekommt neben dem Hauptthema Liebe auch die Freundschaft eine wichtige Rolle und es wird deutlich, dass man manchmal auf die Hilfe von Freunden angewiesen ist und alleine nicht weiterkommt.
Auch zeigt sich, dass es eben immer zwei Seiten einer Geschichte gibt und dass Liebe viele Gesichter hat.
Die Nebenfiguren waren dagegen sehr sympathisch. Sie waren liebevoll dargestellt und teilweise mit viel Humor beschrieben.
Einen richtigen Spannungsbogen gibt es in der Handlung nicht, wobei man schon mitfiebert und des Rätsels Lösung herausfinden möchte. Das Ende hat mich dann schließlich auch tatsächlich überrascht, obwohl mir ein ähnlicher Gedankengang bereits im Laufe des Romans in den Sinn kam.
Insgesamt fühlte ich mich ein wenig an Bridget Jones erinnert, vielleicht auch an „P.S. Ich liebe dich“ und finde, dass der Roman sich als Film bewähren würde und mir in dem Format auch besser gefallen könnte.

Mein Fazit: Letztendlich vergebe ich 3,5 von 5 Sternen für den Roman von Juliet Ashton. Er beschreibt eine solide Liebesgeschichte mit einer guten Handlungsidee ohne große Überraschungen, ist aber insgesamt gute Unterhaltung und lässt sich gut weglesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.03.2020

Der Duft der Wahrheit

Die Schnüfflerin
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„Klar war, dass ich ohne meine Nase auch im Krankenhaus gelandet wäre. Ich fühlte mich schlecht und hatte doch das erste Mal das Gefühl, dass dieser lästige Geruchssinn zu etwas gut war.“

„Die Schnüfflerin“ ...

„Klar war, dass ich ohne meine Nase auch im Krankenhaus gelandet wäre. Ich fühlte mich schlecht und hatte doch das erste Mal das Gefühl, dass dieser lästige Geruchssinn zu etwas gut war.“

„Die Schnüfflerin“ ist ein Kriminalroman und der erste Band der gleichnamigen Reihe von der Autorin Anna von Vaszary. Er erschien im Januar 2020 im Droemer Knaur Verlag und ist in sich abgeschlossen.
Nina ist 23 Jahre alt und ihr bisheriges Leben verlief eher perspektivlos. Nach dem Schulabbruch hält sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, eine feste Partnerschaft ist bisher nicht greifbar. Dennoch ist sie nun ungewollt schwanger, von ihrem One-Night-Stand Ricky. Als sie diesem die Nachricht ihrer Schwangerschaft überbringen will, kommt jedoch alles anders als gedacht. Durch ihren durch die Schwangerschaft entwickelten, enorm guten Geruchssinn, ist Nina nicht in der Lage die im Restaurant bestellte Suppe zu essen. Dadurch ist sie plötzlich die Einzige der Gäste, die nicht mit dem Tod kämpft. Auch Ricky muss ins Krankenhaus und für Nina beginnt ein Spießrutenlauf, bei dem sie nicht nur den Täter des Giftanschlages finden, sondern auch ihre eigene Unschuld beweisen muss.

Krimis und Thriller sind normalerweise nicht mein bevorzugtes Lesegenre. Trotzdem probiere ich hin und wieder mal einen aus, denn ein bisschen Abwechslung muss auch beim Lesen sein! „Die Schnüfflerin“ fand ich so ansprechend, dass ich sie unbedingt lesen musste. Schon das Cover - ich muss zugeben, dass ich ein totaler Coverkäufer bin – hat mich stark angesprochen und zum Lesen ermutigt und auch der Klappentext klang für mich sehr interessant. Dieses Gefühl bestätigte sich dann auch beim Lesen des Romans.
Sehr schnell konnte ich mich mit der Protagonistin Nina identifizieren und empfand sie als interessante und sympathische Figur. Obwohl ihr Leben bisher einen nicht so geradlinigen Verlauf nahm, ist sie meist eine fröhliche Person. Nur manchmal rutscht sie in ein Gefühlschaos, bei dem sie hauptsächlich an ihrer Mutter hadert, die sie bereits früh bei ihrer Großmutter im Stich gelassen hat und dadurch ein Gefühl des Alleinseins bei Nina ausgelöst hat.
Mit der eigenen Schwangerschaft ändert sich für Nina dann alles. Plötzlich ist sie überempfindlich für Gerüche und nicht selten rufen diese lang vergessen geglaubte Erinnerungen wach. Zudem ermöglicht Ninas Geruchssinn ihr einen Spürsinn, der, kombiniert mit ihrer Intelligenz und Kombinationsfähigkeit eine wirklich gute Ermittlerin aus der der jungen Frau macht.
Dies bemerkt auch der leitende Ermittler Koller sehr schnell und beginnt Nina in seine Ermittlungen miteinzubeziehen. Dabei ist er selber eine interessante Persönlichkeit, die definitiv einige Geheimnisse birgt. Seine Vorgehensweise und seine mitunter harsche Art im Umgang mit Menschen macht ihn im Kollegium nicht unbedingt beliebt, hebt ihn aber von der Masse ab und hat Wiedererkennungspotential.
Obwohl Koller und Nina als Ermittlerduo gut harmonieren, bewahrt sie eine gewisse Skepsis gegenüber dem Polizisten. So kommt es, dass Nina auf eigene Faust ermittelt und sich schließlich in nicht unerhebliche Gefahr begibt... Durch diese Entwicklung der Handlung, sowie durch für mich unerwartete Wendungen der Geschichte blieb die Spannung definitiv nicht auf der Strecke und verlief in einem klassischen Spannungsbogen. Erfahrenere Krimileser mögen dies allerdings anders sehen, denn gewisse Hinweise hat es durchaus gegeben. Für mich waren diese aber nicht offensichtlich erkennbar, ich musste erst darauf hingewiesen werden. 😉
Der Schreibstil des Romans ist flüssig und locker, gespickt von einem sehr ansprechenden und schönen Humor, der sich in Gesprächen, Spitznamen und Beschreibungen zeigt. Die Ich-Perspektive von Nina war als Erzählperspektive sehr gut gewählt, da dadurch die Gefühle und Ängste der jungen Frau deutlich wurden und gewisse Fragen wirklich erst zum Ende aufgeklärt werden konnten.
Insgesamt kommt der Kriminalroman, der für mich an einigen Stellen durch die vielen Mutmaßungen und Verwicklungen schon Thrillerpotential hatte, mit wenig Blut und Morden aus, wird dabei aber nicht langweilig oder zäh. Trotzdem ist er für mich aber kein klassischer Krimi, sondern ein Roman, gemischt mit einem Krimi. Für mich stand nämlich während der gesamten Handlung nicht unbedingt die Ermittlung im Vordergrund, sondern eher die Entwicklung und die Persönlichkeiten von Nina und Koller. Dies hat mir aber sehr gut gefallen und ich bin wirklich gespannt, wie es mit Nina weitergeht, da dies ja der erste Band der „Die Schnüfflerin-Reihe“ war.

Mein Fazit: „Die Schnüfflerin“ ist ein Kriminalroman, der unblutig aber trotzdem mit viel Spannung und einer gesunden Portion Humor daherkommt. Er hebt sich von anderen Krimis ab und ist dazu leicht lesbar und interessant. Die Fokussierung des Geruchssinns hat mir sehr gut gefallen, denn dieser Sinn bekommt normalerweise, außer bei Spürhunden, in Romanen eher kein Gewicht. Ich vergebe 4 von 5 Sternen für einen gut geschriebenen und interessanten Reihenauftakt!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.02.2020

Faszination Einhorn

In Kalabrien
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„Weißt du eigentlich, bist du dir je bewusst, wie unmöglich und wunderbar du mein Leben gemacht hast?“

„In Kalabrien“ ist eine Fantasy-Kurzgeschichte des Autors Peter S. Beagle. Sie erschien im Februar ...

„Weißt du eigentlich, bist du dir je bewusst, wie unmöglich und wunderbar du mein Leben gemacht hast?“

„In Kalabrien“ ist eine Fantasy-Kurzgeschichte des Autors Peter S. Beagle. Sie erschien im Februar 2018 im Klett Cotta Verlag.
Claudio Bianchi lebt alleine und zurückgezogen auf seinem Hof in Kalabrien, bis eines Tages ein Einhorn bei ihm auftaucht. Schnell wird dem alten Mann klar, dass die ruhigen Tage für ihn gezählt sind, sobald weitere Menschen vom Einhorn erfahren. Leider meint das Schicksal es nicht so gut mit Claudio und schneller als gedacht steht nicht nur ein Haufen Reporter vor Claudios Tür, sondern auch die kalabrische Mafia erhebt Anspruch auf das Einhorn...

Nachdem ich eigentlich „Das letzte Einhorn“ von Peter S. Beagle lesen wollte und nicht „In Kalabrien“, es aber bei der Vergabe der Rezensionsexemplare eine Verwechslung gab, kam ich unverhoffter Weise zu einer mir unbekannten Geschichte des Autors. Die Kurzgeschichte ist eine Hommage an das wohl bekannteste Fabelwesen unserer Zeit – das Einhorn.
Claudio Bianchi lebt alleine und zurückgezogen in den Bergen Kalabriens. Mit der Liebe will er nichts mehr zu tun haben und auch Freundschaften liegen ihm nicht mehr am Herzen. Lediglich seine Tiere pflegt er mit wahrer Hingabe. Als eines Tages ein Einhorn in seinem Garten steht, kann er die Situation nur schwer begreifen, schnell wird ihm jedoch klar, dass dieses Wesen etwas Magisches umgibt, und dass es sein komplettes Leben verändern wird.
Diese Veränderung tritt dann auch tatsächlich ein, denn nachdem Journalisten von dem Einhorn fahren, herrscht reger Trubel auf dem sonst so friedlichen Hof und auch mit Bianchi selber geschieht etwas. Der mürrische alte Mann beginnt sich zu öffnen und sich auf Menschen einzulassen, für die er sogar sein Leben lassen würde. Seine Gefühle und Gedanken sind gut dargestellt und nachvollziehbar. Angst und Verwirrung und auch die schließlich an Dummheit grenzende Entschlossenheit passen zu dem Eigenbrötler. Seine Handlungen sind authentisch dargestellt und waren für mich greifbar, wenn ich auch teilweise mit der knappen Darstellung und den abrupten Szenenwechseln zu kämpfen hatte.
Dennoch blieben weder die Handlung, noch die Spannung auf der Strecke und durch die an sich flüssige Schreibweise war der Roman an sich leicht und schnell lesbar. Die schnörkellosen und geradlinigen Beschreibungen passen zum Genre der Kurzgeschichte und sind für mich nur deswegen ungewohnt, da ich Bücher dieser Art nur selten lese.
Das Hauptthema des Buches sind für mich die übertriebene Sensationsgier und der Wahnsinn, mit dem die Menschen versuchen etwas Besonderes sehen zu können. Ohne Rücksicht auf andere Menschen, Tiere oder die Umwelt versuchen sie eine Sensation zu entdecken oder ihrer sogar habhaft zu werden. Auch die Zerstörung von Umwelt und Lebewesen wird dafür in Kauf genommen. Nur wenige Menschen erkennen diese unnötige Gier und können versuchen ihr entgegenzuwirken. Dieses Thema ist heutzutage aktueller denn je und wird in der Kurzgeschichte unglaublich gut dargestellt.

Mein Fazit: Die Fantasy-Kurzgeschichte „In Kalabrien“ entspricht in keiner Weise meinem Wohlfühlbuchgenre und hat mich trotzdem auf eine gewisse Art packen können. Das Einhorn als Fabelwesen bringt etwas Magisches mit sich, dessen Faszination sich kaum jemand entziehen kann. Dieses verpackt der Autor in eine Geschichte, die eine Botschaft vermittelt, dabei aber kurz und bündig ist und ohne große Schnörkel auskommt. Für Leser, die gerne Kurzgeschichten lesen und sich in diesem Genre wohlfühlen ist „In Kalabrien“ sicherlich genau das Richtige. Ich für meinen Teil vergebe lediglich 3,5 von 5 Sternen für eine Geschichte, die an sich gut strukturiert und beschrieben ist, die mich aber nicht vollständig packen konnte und mir häufig zu kurz gefasst war.

  • Cover
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Veröffentlicht am 25.02.2020

Das Phantom des Rotlichtmilieus

Der Sozius
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„Das ist dein Leben, deins ganz allein! Es ist das einzige Kapital, das du hast. Und das darfst du genau so einsetzen, wie du es willst!“

„Der Sozius“ ist ein Kurzkrimi von Lyl Boyd. Er erschien im November ...

„Das ist dein Leben, deins ganz allein! Es ist das einzige Kapital, das du hast. Und das darfst du genau so einsetzen, wie du es willst!“

„Der Sozius“ ist ein Kurzkrimi von Lyl Boyd. Er erschien im November 2019 bei Books on Demand.
Während die junge Literaturstudentin Teresa an ihrem ersten Roman schreibt, versuchen ihre Eltern sie von einem „vernünftigen“ Studiengang zu überzeugen. Nur ihr guter Freund Schneider hält zu ihr und ermuntert sie, ihre Recherchen über „den Sozius“, ein Phantom des Hamburger Rotlichtmilieus, fortzuführen und die Geschichte zu vermarkten. Im Laufe der Buchrecherche fühlt Teresa sich jedoch plötzlich verfolgt und gerät schließlich in ernste Gefahr…

Kurzkrimis und Krimis im Allgemeinen sind normalerweise nicht mein Genre. Da ich aber gerne einmal abseits meiner Wohlfühlzone lese, habe ich versucht mich auf die Geschichte einzulassen. Leider begann „Der Sozius“ direkt mit einer Handlung, die für mich nicht greifbar war und bei der ich nicht festmachen konnte, ob sie real oder Fiktion ist. Dass dies Teil der Buchstrategie war, wurde mir erst später klar, die Irritation legte sich aber trotzdem bis zum Ende nicht vollständig.
Der Krimi wechselt zwischen der von Teresa geschriebenen Geschichte über „Den Sozius“, ein Phantom des Hamburger Rotlichtmilieus, und der Geschichte von Teresa selbst, jedoch sind die Übergänge häufig ohne Absatz und Handlung wirkt oft abgehakt. Ich hatte mit diesem Schreibstil arge Probleme und fand, dass er kein wirklich flüssiges Lesen zugelassen hat. Die fehlenden Absätze waren für mich irritierend, da die Handlungssprünge dadurch nicht so leicht nachvollziehen ließen. Möglicherweise sind diese aber auch in der endgültigen Version des Romans besser eingeteilt, denn mein Leseexemplar war nur ein ebook-Rezensionsexemplar.
Nichtsdestotrotz waren mir viele Zusammenhänge nicht sofort klar und die thematisierten Verschwörungstheorien waren für mich nur schwer greifbar.
Durch die Buchform als Kurzkrimi erfährt der Leser nur sehr wenig über die Protagonistin Teresa, weshalb sie mir auch nicht wirklich sympathisch werden konnte. Zwar setzt sie ihren Lebenstraum durch und hält an ihrem Wunsch fest Literatur zu studieren und Autorin zu werden, was mir durchaus imponiert und auch eine wichtige Botschaft an den Leser vermittelt, davon abgesehen blieb sie für mich aber nur wenig greifbar. Ihr Verfolgungswahn war für mich nur schwer nachvollziehbar und auch ihr guter Freund Schneider blieb für mich eher suspekt, obwohl er ja eigentlich „den Guten“ darstellen soll.
Obwohl meines Erachtens die Spannung im Roman nicht zu kurz kam, sich die meisten Fragen und Rätsel schließlich auflösten und das Ende sogar noch eine Überraschung bereithielt, hat mich der Kurzkrimi insgesamt leider nicht vollständig überzeugen können. Daher vergebe ich leider nur 3 von 5 Sternen, kann mir aber durchaus vorstellen, dass es Leser gibt, denen dieses Genre gefällt und die ein bisschen Irritation und Rätselraten beim Lesen mögen.

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