Herzflut - zwischen Selbstliebe und Heilung
HerzflutSara und Miles lernen sich auf einer Party kennen. Schon nach wenigen Minuten fühlt sich Sara zu Miles so hingezogen wie zu sonst niemanden. Und obwohl sich Sara schwer tut, Bindungen mit Männern aufzubauen, ...
Sara und Miles lernen sich auf einer Party kennen. Schon nach wenigen Minuten fühlt sich Sara zu Miles so hingezogen wie zu sonst niemanden. Und obwohl sich Sara schwer tut, Bindungen mit Männern aufzubauen, hat sie dieses Mal das Gefühl, mit Miles könnte es leichter werden. Sie fühlt sich verstanden von ihm. Er fühlt sich ebenfalls von ihr verstanden. Sie denken, gemeinsam können sie es dieses Mal schaffen. Schaffen, an eine Beziehung zu glauben. Doch diese Beziehung ist anders, denn Sara kann kaum körperliche Nähe zulassen. Jede Berührung ist eine Herausforderung für sie. Miles akzeptiert dies und sie kommunizieren offen und ehrlich, was sie wollen und wo ihre Grenzen sind. Nach drei Monaten können sie sich endlich berühren. Händchen halten und irgendwann kam auch der erste Kuss. Doch beide wollten mehr. Doch geht mehr auch? Was bedeutet MEHR, wenn MEHR sich wie eine Gefahr, wie ein schleichender Tod anfühlt? Und wenn die Heilung Zeit braucht, wie findet man dann zueinander? Können Sara und Miles so lange warten und aufeinander Rücksicht nehmen, dass diese Beziehung Bestand hat?
Charlotte Paradise hat einen Roman über Liebe und Wut, über Angst und Verzweiflung, über Nähe und Sehnsucht und über Mut und Verantwortung geschrieben. Kein klassischer Liebesroman, sondern ein Roman, der Tabuthemen beschreibt. Es werden sämtliche Tabuthemen thematisiert. Ob es über eine Stressreaktion ist, die Sara Bauchschmerzen und Übelkeit versuchen bzw. zu Darmproblemen führt. Ob es der weibliche Körper an sich ist oder ob es die Periode ist. Die Themen werden alle sehr liebevoll und mit viel Respekt beschrieben.
Sara machte eine bzw. die schwierigste Zeit in ihrem Leben durch. Sie versteht mit Hilfe ihrer Therapeuten, warum sie diese körperliche Nähe nicht zulassen kann. Warum sie all diese Dämonen in ihrem Kopf hat. Und warum sie auch oftmals nicht länger leben möchte. Suizidale Gedanken gehören zu dem Buch genau so dazu, wie die Erregung des weiblichen Körpers.
Für mich war das Buch gerade auch zum Anfang sehr schwer. Die anfangenden Sätze, die jedoch nicht beendet werden - der Leser weiß oftmals nicht sofort, was die Autorin einem damit sagen will. Man tut sich schwer, die Zusammenhänge und die Zerrissenheit von Sara und Miles zu verstehen. Umso mehr man sich jedoch zum Ende des Buches durcharbeitet, umso klarer werden diese Gedanken. Sowohl von Miles und Sara, als auch von dem Leser. Erst da kann er so richtig begreifen, wie schwer die seelische Belastung von Sara sein muss. Erst da begreift auch der Leser, wie tief dieses Buch geht.
Was Sara in ihren jungen Jahren bereits erfahren ist, wünscht man niemanden. Sie hat aber alles verdrängt. Als sie nach und nach die Themen gemeinsam mit ihren Therapeuten bespricht und aufarbeitet, kommt immer mehr Wahrheit ans Licht.
Ein thematisch schweres Buch, das aber mit sehr viel Respekt, Liebe und Fürsorge geschrieben wurde. Die Themen werden so liebevoll beschrieben und aufgearbeitet, dass es für den Leser eine geradezu „leichte“ Lektüre ist.
Ein wichtiges Buch mit Tiefgang und wichtigen Themen.