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Marielle_liest

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.07.2024

Das neue Leben an der Küste

Mitternachtsschwimmer
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Hast du schon mal ein Buch gelesen, das dich voller absoluter Befriedigung, ganz und gar mit dir selbst im Einklang, voller Glücksgefühle, Genuss und Frohsinn, mit ganz viel Wohlgefühl und Seelenfrieden ...

Hast du schon mal ein Buch gelesen, das dich voller absoluter Befriedigung, ganz und gar mit dir selbst im Einklang, voller Glücksgefühle, Genuss und Frohsinn, mit ganz viel Wohlgefühl und Seelenfrieden zurückließ? Wenn nicht, dann solltest du "Mitternachtsschwimmer" lesen. Denn mir ist es dabei genau so ergangen.

🦞🦭🦢

Evan nimmt sich nach dem Tod seiner Tochter eine Auszeit und bezieht dafür ein kleines Häuschen an der irischen Küste. Der winzige Ort Ballybrady wird zu seinem Zuhause auf Zeit, wobei er seiner eigenwilligen und unglaublich direkten Vermieterin Grace begegnet. Ihr Zuhause sind das Meer, die Natur und das bodenständige, einfache Leben. Evan und Grace teilen die schlimmen Ereignisse in der Vergangenheit – in allen anderen Bereichen scheinen sie auf den ersten Blick wie Feuer und Wasser. Und andauernd prallen diese Naturgewalt aufeinander.

🦞🦭🦢

Wie die Autorin die beiden Hauptfiguren beschreibt, wie wir sie aus wechselnder Perspektive kennenlernen dürfen und welche Einblicke wir in deren Seelenleben erhalten, ist grandios gelungen. Und trotz ihrer Verschiedenheit habe ich mich in beide verliebt, was mir beim Lesen ein ununterbrochenes Lächeln ins Gesicht zaubert und unfassbar viel Zufriedenheit in mir auslöst.

Ein weiteres Highlight ist Evans Sohn Luca, den wir bei seinem Erblühen in der Natur zuschauen dürfen, was sich so authentisch und magisch zugleich anfühlt und mich immer wieder sehr bewegt.

Wie alle drei Figuren mit ihren Sorgen und Ängsten umgehen, neue Wege finden, eine alte Haut abstreifen und in eine neue schlüpfen, ist in diesem Roman eine wundervolle Inspirationsquelle. Es macht die Lektüre für mich zum Wohlfühlbuch und sorgt für eine ganz große Wärme in meinem Herzen.

Zu guter Letzt sind es die Naturbeschreibungen, die Momente im und am Meer, die detaillierten Begegnungen mit den Meeresbewohnern und die raue Schönheit der Küste, die den Roman sprachlich und inhaltlich für mich perfekt machen. Ich bin so dankbar, dass ich dieses Meisterwerk lesen durfte.

Veröffentlicht am 13.07.2024

Vom Wandern und vom Ankommen

Fräulein Draußen
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Kathrin Heckmann ist Wander-Profi und berichtet auf ihrem Blog seit Jahren von ihren Wandertouren, gibt interessante Wandertipps und erzählt außerdem von ihren Rad- und Outdoorreisen.


So dreht sich ihr ...

Kathrin Heckmann ist Wander-Profi und berichtet auf ihrem Blog seit Jahren von ihren Wandertouren, gibt interessante Wandertipps und erzählt außerdem von ihren Rad- und Outdoorreisen.


So dreht sich ihr Buch auch um das Thema Wandern. In 13 Kapiteln wandert sie an völlig verschiedenen Orten der Erde und sammelt dabei viel mehr als Kilometer. Sie sammelt viele kleine Momente, die nachwirken, sie sammelt Erkenntnisse und ganz persönliche Lehren und sie erfüllt sich Träume. Neben Kathrin ist die Natur eine Hauptfigur des Buchs, sodass beim Lesen im wahrsten Sinne des Wortes die Wanderlust kitzelt.

🌿🥾🌿

Ich habe eine große Leidenschaft für Sachbücher zu Natur- und Outdoorthemen und muss zugreifen, wenn ich ein solches Buch finde, das mich anspricht. Weil ich Kathrins Blog seit vielen Jahren verfolge, war ich sehr neugierig auf ihr erstes Buch. Und das war dann so schnell ausgelesen, dass ich am liebsten gleich nochmal von vorne begonnen hätte. Auch wenn ich gar keine Weitwanderin bin, haben mich die so liebevoll beschriebenen Details der Natur voll und ganz überzeugt.

Vor allem die Begeisterung für die gefiederten Protagonisten kann ich so gut nachvollziehen. Es geht unter anderem um Begegnungen mit Eulen, Birkenzeisigen und um lachende Kookaburras - und jedes Mal ging mir das Herz auf. 💚

Insgesamt gefällt es mir sehr, dass ich beim Lesen mitreisen durfte zu fernen Zielen und einzigartigen Wanderrouten. Und eine der Botschaften des Buches hat es mir besonders angetan. Denn die eigenen Träume in Taten umzusetzen und an sich selbst zu glauben, ist auch für mich ein Ziel, an dem ich jeden Tag arbeiten möchte.

Große Leseempfehlungen für alle Naturfreund*innen da draußen, die die Wildnis lieben vor allem FÜHLEN möchten!

PS: Das Buch eignet sich übrigens ganz besonders zum Draußen-Lesen! 🌳

Veröffentlicht am 05.07.2024

Zwei Schwestern, die Liebe und der Bär

Cascadia
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Zwischen Seattle und Vancouver, zwischen den USA und Kanada, zwischen dem Pazifik und dem Festland liegt San Juan Island, wo Sam mit ihrer Schwester Elena und ihrer Mutter lebt. Die beiden jungen Frauen ...

Zwischen Seattle und Vancouver, zwischen den USA und Kanada, zwischen dem Pazifik und dem Festland liegt San Juan Island, wo Sam mit ihrer Schwester Elena und ihrer Mutter lebt. Die beiden jungen Frauen verdienen gerade genug, damit es zum Überleben reicht, denn nebenbei müssen sie ihre kranke Mutter pflegen, was einem weiteren Vollzeitjob gleicht. Doch sie haben einander – die Schwesternliebe, sie haben Pläne und Träume von einer sorglosen Zukunft. Als könnte ein Bär, als könnte die Liebe, als könnte irgendetwas diese Zukunft zerstören!?

🐻💜

Naivität, bedingungsloses Vertrauen, auch ein wenig Arglosigkeit. Das kommt mir in den Sinn, wenn ich an Sam denke. Sie vergöttert ihre Mutter und noch mehr vergöttert sie Elena. Abhängigkeit – wenn sich ein Leben nur um die Existenz eines anderen Leben dreht, dann bekomme ich ein ungutes Gefühl. Doch ich verstehe Sam so sehr. Mit all ihren Ecken und Kanten ist die Protagonistin, ihr Handeln und ihre Gedanken, für mich so glaubwürdig und authentisch. Selbstlosigkeit, Hingebung, Aufopferung – das Glück ihrer Schwester bedeutet ihr mehr, als ihr eigenes Glück.

Gleichzeitig tut es weh, zu sehen, wie sie wirklich alles aufgibt, um den gemeinsamen Traum zu erfüllen. Wie sehr sie in der Zukunft lebt und wie wenig im Heute. Wie sehr sie alle anderen Menschen ablehnt, wie blind sie dem Wort ihrer Schwester glaubt.

Elena ist für mich eine schwierige Figur, für welche ich anfangs ein wenig, nach dem ersten Drittel überhaupt keine Sympathie mehr empfinden konnte. Sie ist für mich so schwer zu greifen, ihr Handeln ist für mich nur selten nachvollziehbar. Im letzten Drittel bricht sie mir das Herz. Doch das ist ein rein subjektives Empfinden meinerseits.
Insgesamt ist „Cascadia“ unglaublich fesselnd. Die Autorin schreibt wunderschön und bis kurz vor Schluss war mir nicht klar, wie die Geschichte enden würde. Dass der Roman aus Sams Perspektive geschrieben ist, ist ein großer Gewinn für das Buch. Denn sie ist zwar speziell, aber für meinen Geschmack die Person, der ich lieber zuhören möchte. Ach und dann ist da ja noch der Bär – was es mit ihm auf sich hat, musst du aber selbst lesen. Das ist zu interessant und darf nicht gespoilert werden!

Eine Leseempfehlung für ein aufreibendes und durchaus berührendes Buch mit ganz viel Raum, um zwischen den Zeilen zu lesen, zum Nachdenken und Mitfühlen.

Veröffentlicht am 02.07.2024

Große Leseempfehlung für ein so wichtiges Buch!

Grausam und lieblich
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Sieben Perspektiven, sieben Schicksale, sieben Leben. Sieben Geschichten, die erschüttern, die berühren, die nachhallen - die mich das Buch zuklappen lassen, um zu begreifen, was gerade geschehen ist. ...

Sieben Perspektiven, sieben Schicksale, sieben Leben. Sieben Geschichten, die erschüttern, die berühren, die nachhallen - die mich das Buch zuklappen lassen, um zu begreifen, was gerade geschehen ist. Sieben völlig verschiedene Erzählungen, die doch eines teilen. Denn sie können sich nur aus einem Grund genau so ereignen: weil Menschen mit Schwarzer Haut die Protagonistinnen sind.

Trauer und Wut, Angst und Ungerechtigkeit, Schmerz, Gewalt und die Unfähigkeit, aus eigener Kraft eine Veränderung herbeizuführen. Sieh die Welt aus ihren Augen, fühle das Leid in ihrer Haut - nur so können wir endlich begreifen.

TW: Gewalt, T
d, Rssismus, Misogynie

💜

Dieses Buch passt so perfekt ins Heute, dass mir während des Lesens immer wieder eiskalt wurde.

Eine der Kurzgeschichten trifft die aktuelle politische Lage, als hätte die Autorin Anfang des Jahres in eine Glaskugel geblickt. Andere Kurzgeschichten handeln von Flucht und zeigen so unfassbar echt, was es bedeutet, in einem anderen Land Asyl beantragen zu müssen. Auch Gewalt gegen Schwarze Frauen ist ein großes und so dringendes Thema des Buchs.

Wie fühlt sich Rechts
xtremismus an, wenn man fürchten muss, erneut die Heimat zu verlassen? Wie fühlt es sich an, mit Traumata zu leben? Wie fühlt es sich an, einen Menschen durch rssistische Gewalt zu verlieren? Wie fühlt es sich an, jeden einzelnen Tag Rssismus zu erleben?

Und wie verändert sich ein Land, wenn der Rechts*xtremismus siegt?

Die sieben Kurzgeschichten zeichnen sich aus durch eine enorme Intensität und eine schonungslose Sprache. Doch damit erreichen sie meiner Meinung nach genau das, was wir dringend brauchen: Sie rütteln wach, sie reißen uns aus der Starre, sie schreien uns die Wahrheit ins Gesicht.

Jede einzelne Geschichte erzählt uns von einem Kampf - und wir können entscheiden, ob wir diesen Kampf nicht gemeinsam kämpfen wollen?!

Veröffentlicht am 02.07.2024

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Die Hungrige
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Lydia ist eine junge Vampirin und wagt ihre ersten Schritte in ein selbstbestimmtes Leben. Doch damit entstehen auch Herausforderungen, die sich vordergründig um ihre eigene Existenz drehen - sie muss ...

Lydia ist eine junge Vampirin und wagt ihre ersten Schritte in ein selbstbestimmtes Leben. Doch damit entstehen auch Herausforderungen, die sich vordergründig um ihre eigene Existenz drehen - sie muss Nahrung finden. Nachdem sie zuvor von ihrer Mutter regelmäßig mit Schweineblut versorgt wurde, steht sie nun mit leeren Händen, leerem Magen und leeren Adern da. Doch eigentlich will Lydia keine Menschen essen.

Und dann sind da noch all die gesellschaftlichen Herausforderungen, die ihr neues Leben in einem Künstlerinnenloft und das Praktikum in einer Galerie mit sich bringen. Kann eine Vampirin einen Zugang zur ganz gewöhnlichen, menschlichen Welt finden?

🧛🏽‍♀️🧛🏽‍♀️🧛🏽‍♀️

Claire Kohda ist mit diesem Roman etwas gelungen, das mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen hat. Sie platziert eine Sagengestalt in eine Coming-of-Age-Story und lässt uns an den Problemen von Lydias Erwachsenwerden teilhaben.

Lydia kämpft mit dem Anderssein, mit den zwei Seelen in ihrer Brust, mit der Akzeptanz ihres inneren Dämons. Doch auch sehr menschliche Themen beschäftigen sie. Denn als junge Frau ist sie plötzlich mit S
xismus konfrontiert und mit japanischen und malaysischen Wurzeln erlebt sie Ausgrenzung nicht nur durch ihre unüblichen Essensgewohnheiten als Vampirin.

Überhaupt ist Lydia gezwungen, ihre wahre Identität geheimzuhalten, ihren Dämon zu verstecken, immer nur ihre menschliche Seite zu präsentieren. Gerade diese Passagen, die so viel von ihrer Seele zeigen, waren für mich am stärksten. Denn eigentlich ist der Wunsch doch so menschlich, sich nur von seiner guten Seite zu zeigen, sich anzupassen und sich in der Gesellschaft zurecht zu finden. Umso schöner war es schließlich, dass es ganz ohne Rebellion und ohne Durchbrechen der Grenzen nicht klappt. Denn Lydias wahres Ich hat mir am Ende am besten gefallen.

An einigen Stellen hätte ich gerne noch so viel mehr erfahren, sodass ich dafür ein Pünktchen abziehe. Durch ein oder zwei Fortsetzungen ließe sich das aber beheben. 😉