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Veröffentlicht am 11.05.2017

Die fremde Königin

Die fremde Königin
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Während Rebecca Gablé im ersten Band der Reihe, „Das Haupt der Welt“, die Geschichte Ottos I. von 929-941 beschrieb, umspannt „Die fremde Königin“ die Jahre 951-962.

Adelheid von Burgund, Königin von ...

Während Rebecca Gablé im ersten Band der Reihe, „Das Haupt der Welt“, die Geschichte Ottos I. von 929-941 beschrieb, umspannt „Die fremde Königin“ die Jahre 951-962.

Adelheid von Burgund, Königin von Italien, befindet sich in der Gefangenschaft Berengars, der die Macht über ihr Herrschaftsgebiet an sich reißen möchte. Mit ihrer Rettung wird der junge Panzerreiter Gaidemar beauftragt. Er steht im Dienst König Ottos, an dessen Hof Adelheid eskortiert werden soll und den sie kurz nach ihrer erfolgreichen Flucht ehelicht. Im Laufe ihrer Regentschaft wird die Macht des Königspaares einige Male auf die Probe gestellt, oft auch aus den Reihen der eigenen Familie. Treuer Begleiter der Königsfamilie bleibt Gaidemar, dessen Aufstieg der Leser begleitet.
Bei ihm handelt es sich übrigens um eine fiktive Figur, wie gewohnt verknüpft Rebecca Gablé das Schicksal historisch verbürgter Persönlichkeiten mit dem ihrer Feder entsprungenen Helden. Eine entsprechende Kennzeichnung befindet sich im Personenregister.

Die Autorin schafft es, den Leser sicher durch die Ränkespiele zu führen, ohne dass dieser zwischen den häufig wechselnden Bündnissen und Intrigen den Überblick verliert.

Mit Adelheid hat das Buch eine starke, intelligente Protagonistin, die sich auch in politische Belange einmischt und dabei die Balance zwischen ihren persönlichen Befindlichkeiten und ihrer Stellung als Königin finden muss.
Auch wenn der Titel nahelegt, dass Adelheid die Hauptrolle gebührt, so stand für mich eher Gaidemar im Mittelpunkt des Romans. Dieser ist seiner Zeit vielleicht etwas voraus und trotz kleinerer Makel der strahlende Held der Geschichte, für meinen Geschmack hätte er gern ein paar Kanten mehr haben dürfen.
Besonders die Charakterisierung der Bösewichte war mir leider etwas zu einseitig, an ihnen wurde meist nicht ein gutes Haar gelassen.
Die große Romanze des Buches, die wohl eher zum Mitschmachten angelegt war, hatte für mich einen merkwürdigen Beigeschmack und wäre aus meiner Sicht nicht nötig gewesen – auch das etwas gekünstelte vorhersehbare Happy End erzeugte bei mir eher Stirnrunzeln.
Im Großen und Ganzen wirkten aber die meisten Figuren glaubwürdig und luden dazu ein, mit ihnen mitzufiebern.

Da ich bereits „Das Haupt der Welt“ gelesen hatte, habe ich mich gefreut, auf einige bekannte Gesichter zu stoßen. Aber auch ohne dieses Vorwissen sollte „Die fremde Königin“ gut verständlich sein.
Der flüssige Schreibstil machte die Lektüre sehr angenehm und kurzweilig, sodass ich sie auch Lesern, die sich schnell von der Seitenzahl abschrecken lassen, empfehlen kann.
Auch die Schlachtszenen – für mich in historischen Romanen oft eher ein notwendiges Übel – wurden wenig langatmig und dennoch glaubwürdig abgehandelt.

Als Laie kann ich nicht viel zur historischen Korrektheit der Handlung sagen, mir sind jedenfalls keine groben Schnitzer aufgefallen. Hatte ich mich bisher außerhalb des Geschichtsunterrichts noch nicht mit jener Zeit beschäftigt, so hat mich das Buch doch angeregt, ein paar Dinge nachzuschlagen.
Auch wer sich schon näher damit beschäftigt hat dürfte auf seine Kosten kommen, denn die Rahmenhandlung um die tatsächlichen Begebenheiten wurde gut ausstaffiert.

„Die fremde Königin“ ist zwar nicht mein Lieblingswerk der Autorin geworden, hat mir aber schöne Lesestunden beschert und keinesfalls enttäuscht. Sollte es eine Fortsetzung geben, werde ich auf jeden Fall weiterlesen.

Veröffentlicht am 28.10.2018

Würdiger Nachfolger

Das Heer des Weißen Drachen
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"Das Heer des weißen Drachen" ist der zweite Teil der Draconis Memoria Reihe und somit der Nachfolger von "Das Erwachen des Feuers". Im Gegensatz zu manch anderen Buchreihen ist es hier jedoch wichtig, ...

"Das Heer des weißen Drachen" ist der zweite Teil der Draconis Memoria Reihe und somit der Nachfolger von "Das Erwachen des Feuers". Im Gegensatz zu manch anderen Buchreihen ist es hier jedoch wichtig, zunächst das erste Buch gelesen zu haben, da die Reihe stark aufeinander aufbaut. Besonders schwierig ist, dass Ryan leider keinen sanften Einstieg in das zweite Buch schafft. Es wird vom Leser erwartet, alle Ereignisse, Orte und Personen vom ersten Buch noch frisch im Gedächtnis zu haben. Daher würde ich jedem raten, sich noch einmal eine Zusammenfassung des ersten Buches durchzulesen (eine solche findet sich leider nicht im Buch).

Bis auf den schwierigen Einstieg ist dieses Buch sowohl vom Stil als auch von der Atmosphäre genau wie sein Vorgänger. Dies sehe ich als Vorteil, wer allerdings das erste Buch nicht mochte, sollte vom zweiten nicht mehr erwarten. Nichtsdestotrotz gibt es in "Das Heer des weißen Drachen" viel Neues. Während in "Das Erwachen des Feuers" nur vom Eisenboot-Syndikat berichtet wurde und die Corvantiner nur von außen beleuchtet wurden, gibt Ryan in "Das Heer des weißen Drachen" Einblick in die Denkweisen und Politik der Corvantiner und auch über das Gebiet Corvus. Die meines Erachtens nach krasseste Perspektiven-Neuerung sind die Verderbten. Während diese im ersten Buch am Anfang nur als Mythos und gegen Ende nur als menschenähnliche Wesen ohne eigene Intelligenz vorkamen, wird in "Das Heer des weißen Drachen" teilweise aus ihrem Blickwinkel geschrieben. Dieser Einblick entmystifiziert sie teilweise, erklärt allerdings auch Besonderheiten ihres Verhaltens im ersten Buch.

Alles in Allem ist "Das Heer des weißen Drachen" ein spannendes, kurzweiliges Buch. Es hat eine Steampunk-artige Atmosphäre, beinhaltet aber auch Teile von Spionage- und Fantasyromanen.

Veröffentlicht am 01.05.2018

Williams hält die Spannung

Die Hexenholzkrone 2
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„Die Hexenholzkrone 2“ knüpft nahtlos an das Geschehen in „Die Hexenholzkrone 1“ an, da es sich im englischen Original um ein zusammenhängendes Werk handelt, welches nur für die deutsche Übersetzung auf ...

„Die Hexenholzkrone 2“ knüpft nahtlos an das Geschehen in „Die Hexenholzkrone 1“ an, da es sich im englischen Original um ein zusammenhängendes Werk handelt, welches nur für die deutsche Übersetzung auf zwei Bände aufgeteilt wurde.

So wird der Cliffhanger des ersten Teils schnell aufgegriffen und während dort eher etwas Vorgeplänkel stattfand, nimmt die Geschichte nun an Fahrt auf. Zwar gibt es auch hier ein paar Längen, aber auch sehr viele spannende Szenen, weshalb ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte. Langsam spitzt sich die Situation zu – ganz Osten Ard bereitet sich auf kriegerische Auseinandersetzungen vor, die unausweichlich scheinen; es entstehen Unruhen in der Bevölkerung. Gerüchte künden von einem dunklen, fast vergessenen Kult, der wieder neue, teils namhafte Anhänger gefunden haben soll. Vom Hochhorst aus werden mehrere Expeditionen entsandt, um alte Sithi-Verbündete und die Familie Josuas ausfindig zu machen.

Die Figuren bleiben nach wie vor komplex und glaubhaft. Wieder wechselt die Erzählung zwischen den Perspektiven verschiedener Protagonisten, von denen man zahlreiche neue Facetten kennenlernt.
Auch rekapituliert Williams viel von der Vorgeschichte um „Das Geheimnis der Großen Schwerter“, was mich als Osten-Ard-Neuling teilweise etwas erschlagen hat, für die Kenner aber bestimmt eine gute Auffrischung darstellt.
Was ich zum Schreibstil des ersten Teils anzumerken hatte, gilt auch für die zweite Hälfte – angenehm, mitreißend und detailverliebt.

Das Ende ist gewohnt spannend und lässt den Leser mit einigen Fragezeichen zurück – während ich auf die Fortsetzung warte, habe ich mir bereits „Den Drachenbeinthron“ zugelegt, um weiter in Osten Ard eintauchen zu können und mehr über seine Vergangenheit zu erfahren.

Veröffentlicht am 01.05.2018

Vielversprechender Auftakt

Die Hexenholzkrone 1
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Mit „Die Hexenholzkrone“ beginnt Tad Williams‘ neuer Zyklus „Der letzte König von Osten Ard“, welcher nach dem Zwischenspiel „Das Herz der verlorenen Dinge“ an die Saga um das Geheimnis der Großen Schwerter ...

Mit „Die Hexenholzkrone“ beginnt Tad Williams‘ neuer Zyklus „Der letzte König von Osten Ard“, welcher nach dem Zwischenspiel „Das Herz der verlorenen Dinge“ an die Saga um das Geheimnis der Großen Schwerter anknüpft.
Dabei war „Die Hexenholzkrone“ mein Tor nach Osten Ard, doch auch ohne das entsprechende Vorwissen ist mir der Einstieg bestens gelungen. Musste ich mich stellenweise ob der Fülle an Völkern, Sprachen und Figuren etwas mehr konzentrieren, blieb dennoch alles verständlich.

Miriamel und Simon, das Hochkönigspaar von Osten Ard, stehen vor einigen Herausforderungen. Gerüchten zufolge soll die Nornenkönigin erwacht sein, und auch bei den Hernystiri und in Nabban kündigen sich Konflikte an. Zu allem Überfluss bereitet ihnen auch der königliche Enkelsohn große Sorgen, der seine Rolle als zukünftiger Thronfolger nicht mit der gebührenden Ernsthaftigkeit anzugehen scheint.
In mehreren zunächst voneinander unabhängigen Handlungssträngen schildert Tad Williams das Schicksal mehrerer Bewohner von Osten Ard, die unter den unterschiedlichsten Bedingungen leben – doch keinem von ihnen entgeht, dass sich ihre Welt im Wandel befindet.
Alle Figuren wirken bisher authentisch, doch erfährt man wegen der vielen Perspektivwechsel noch nicht allzu viel über einzelne Protagonisten.
William’s Schreibstil ist dabei sehr angenehm, detailverliebt und zieht den Leser schnell mitten ins Geschehen, allerdings dauert es ein wenig, bis dieses an Fahrt aufnimmt. Anfänglich plätschert die Geschichte so vor sich hin, ohne, dass es zu spannenderen Zwischenfällen käme, doch dies wird der Tatsache geschuldet sein, dass hier die Basis für weitere Bände gelegt wird. Diese versprechen allerdings, spannend zu werden!
Der Roman hat mich in seinen Bann gezogen und auch auf die Vorgeschichte bin ich sehr neugierig geworden.

Veröffentlicht am 05.01.2018

Abenteuerliche Vorgeschichte

His Dark Materials 0: Über den wilden Fluss
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Malcolm lebt mit seinem Daemon Asta und seinen Eltern in deren Gasthaus an der Themse; oft hilft er dabei, sich um die Gäste zu kümmern. Auch nahe gelegenen Kloster übernimmt er kleinere Aufgaben. Eines ...

Malcolm lebt mit seinem Daemon Asta und seinen Eltern in deren Gasthaus an der Themse; oft hilft er dabei, sich um die Gäste zu kümmern. Auch nahe gelegenen Kloster übernimmt er kleinere Aufgaben. Eines Tages wird von den Nonnen die kleine Lyra aufgenommen, die das Interesse einiger Personen und Institutionen weckt – und nicht alle meinen es gut mit dem Baby.

Vor „Über den wilden Fluss“ hatte ich noch kein Buch von Pullman gelesen, über die Welt von „His dark materials“ wusste ich also rein gar nichts. Da es sich bei diesem Roman aber um die Vorgeschichte zur Reihe handelt, sind entsprechende Kenntnisse nicht nötig.

Gut gefallen hat mir das Konzept der Daemonen in Tiergestalt, welche einen jeden Menschen begleiten und ein Teil dieses jeweiligen Menschen selbst sind.

Zunächst musste ich mich ein wenig in Malcolms Welt eingewöhnen, denn obwohl er in Oxford lebt, spielt sich die Handlung nicht in dem England ab, das wir kennen. Neben den Daemonen finden sich einige andere mystische und phantastische Elemente im Buch, und obwohl auf recht moderne Dinge Bezug genommen wird (beispielsweise liest Malcolm „Eine kurze Geschichte der Zeit“, was 1988 erschien), mutet Anderes eher veraltet an und schien für mich in ein vergangenes Jahrhundert zu gehören, eine zeitliche Einordnung fiel mir daher zunächst schwer.

Mit Malcolm hat das Buch einen sehr sympathischen Protagonisten, allerdings störte mich etwas, dass er erst elf Jahre alt sein sollte. Er ist sehr zuvorkommend und ernst, hilft allen Erwachsenen, wo er nur kann und verfügt trotz spärlicher Bildung über mehr Wissen als so mancher Volljährige. In jeder Lebenslage weiß er sich zu helfen. Dadurch wirkte er etwas zu glatt, kaum kindlich und daher nicht immer glaubwürdig.

Der Wettlauf zwischen Wissenschaft und religiösem Fundamentalismus, die Spionage-Elemente und die ständige von der Naturkatastrophe ausgehende Gefahr machte „Über den wilden Fluss“ trotz mancher Längen zu einer sehr spannenden Lektüre, die oft unvorhergesehene Wendungen brachte und für einen Jugendroman in weiten Teilen ziemlich düster und bedrohlich daherkam. Stellenweise wurde es unerwartet brutal und blutig. Wer also erwägt, das Buch einem jüngeren Leser zu schenken, sollte sich nicht vom Alter des Protagonisten und der niedlichen Aufmachung beeinflussen lassen, für Erwachsene kann ich aber eine klare Empfehlung geben.

Pullman hat eine sehr angenehme Art zu schreiben, sodass ich schnell in der Geschichte versinken konnte und mit Sicherheit auch die nachfolgende Reihe lesen werde.