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Veröffentlicht am 16.03.2026

Das neue Monopol der Kreativität.

Unkopierbar
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Spranger bricht in seinem Werk mit dem Dogma, dass Innovation ein rein technologischer Prozess sei. Er argumentiert überzeugend, dass technische Erfindungen ohne einen kulturellen Kontext blind bleiben. ...

Spranger bricht in seinem Werk mit dem Dogma, dass Innovation ein rein technologischer Prozess sei. Er argumentiert überzeugend, dass technische Erfindungen ohne einen kulturellen Kontext blind bleiben. Die wahre „Unkopierbarkeit“ des Menschen liegt für ihn in der Fähigkeit zur kulturellen Kontextualisierung und der moralisch-ethischen Urteilskraft: Während die Maschine lediglich Daten korreliert, kreiert der Mensch Sinn. Besonders wertvoll ist dabei Sprangers Verknüpfung von Philosophiegeschichte und moderner Ökonomie. Er zeigt auf, dass die großen Sprünge der Menschheit – von der Renaissance bis zur Industrialisierung – immer dann stattfanden, wenn kreativer Freiraum auf technisches Geschick traf.

Da MINT-Fächer oft als das einzig Relevante gelten, führt Spranger vor Augen, dass kritisches Denken und kulturelle Bildung die stabilsten Ressourcen einer Gesellschaft sind. Dabei verfällt er nicht in blinden Pessimismus, sondern grenzt scharf ab: Die KI übernimmt die Effizienz, doch der Mensch behält die Relevanz. Trotz der stellenweise brillanten Analyse bleibt das Buch in einem entscheidenden Punkt jedoch eine Antwort schuldig: der konkreten Implementierung. Es stellt sich die Frage, wie eine Unternehmenskultur aussehen muss, die Kreativität nicht nur strategisch „nutzt“, sondern ihren Eigennutzen respektiert. Wie lässt sich der Wert des „Zweckfreien“ in einem System messen, das fast ausschließlich auf Kennzahlen (KPIs) ausgerichtet ist?

Hier bleibt das Werk eher ein philosophischer Wegweiser als ein praktisches Handbuch für die „kreative Organisation“. Spranger identifiziert Kreativität zwar richtigerweise als wirtschaftliche Ressource, lässt den Leser aber im Unklaren darüber, wie die Brücke in den harten Unternehmensalltag geschlagen werden kann. Dennoch ist „Unkopierbar“ eine Pflichtlektüre für Führungskräfte, Politiker und Kulturschaffende gleichermaßen. Es dient als notwendiges Korrektiv zu einer rein datengesteuerten Weltsicht. Spranger gelingt es, die Kultur aus der Nische des Schöngeistigen zu holen und sie dort zu platzieren, wo sie hingehört: in das Zentrum der strategischen Zukunftsfähigkeit. Ein Buch, das nicht nur informiert, sondern das Selbstverständnis des Lesers nachhaltig herausfordert.

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