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Veröffentlicht am 20.03.2025

Rasante Familiengeschichte mit messerscharfer Gesellschaftskritik

Die Fletchers von Long Island
2

Wer bei Familiengeschichten an gemütlich vor sich hin plätschernde, chronologische Erzählungen denkt, der ist bei Taffy Brodesser Akner falsch. Mit teils rasantem Tempo erzählt die Autorin die Entführung ...

Wer bei Familiengeschichten an gemütlich vor sich hin plätschernde, chronologische Erzählungen denkt, der ist bei Taffy Brodesser Akner falsch. Mit teils rasantem Tempo erzählt die Autorin die Entführung des Carl Fletcher in den 80er Jahren und deren zerstörerische Auswirkungen auf die gesamte Familie - insbesondere seine drei Kinder - noch Jahrzehnte später. Gespickt mit spitzem, teils bösem Humor schildert die Autorin die Geschichte von Aufstieg und Niedergang einer jüdischen Familie in den USA.

Sprachlich eine Wucht - es ist meisterlich, wie die Autorin ihren Schreibstil dem jeweiligen Charakter anpasst, den sie gerade schildert. Während der drogensüchtige Sohn immer mehr auf einen Zusammenbruch zusteuert, überstürzt die Sprache sich derart, dass man das Gefühl bekommt, gleich selbst einen Herzinfakt zu erleiden. Wird hingegen etwa dessen phlegmatischer und angsterfüllter Bruder begleitet, wird auch die Erzählweise entsprechend langsam, ruhig und beinahe zäh, sodass man diesen Bruder am liebsten selbst mit einem Tritt in den Allerwertesten vorantreiben würde.

Nach starkem Anfang hat das Buch zwischenzeitlich ein paar Längen, nimmt gegen Schluss jedoch wieder deutlich an Fahrt auf. Am Ende ist nichts, wie es zu sein scheint und der Ausgang der Geschichte ist so unerwartet wie passend.

Fazit: Ein rasanter Familienroman, der jedoch nichts für solche Leser/innen ist, die reine Unterhaltung suchen oder zart besaitet sind. Die teils derbe Sprache, die Lebensunfähigkeit eines Großteils der Familienmitglieder und der zunehmende Verfall sind nicht immer leicht zu verdauen. Für alle, die damit keine Probleme haben und sich gerne auf Neues einlassen jedoch definitiv eine Empfehlung.

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