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Veröffentlicht am 06.03.2025

Das Buch ist der Titel

Verdammt wütend
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Wie kann man wütend schreiben, ohne das Wort zu benutzen? Die Autorin hat dies geschafft. Allein indem sie über mehr als 2 Seiten zu Beginn schreibt, was es heißt Frau zu sein und damit nahezu jedes Klischee ...

Wie kann man wütend schreiben, ohne das Wort zu benutzen? Die Autorin hat dies geschafft. Allein indem sie über mehr als 2 Seiten zu Beginn schreibt, was es heißt Frau zu sein und damit nahezu jedes Klischee und jedes (sich zum Teil widersprechendes) Rollenbild bedient, hat sie mich bereits gefesselt. Britt verbringt mit ihrer Familie und den Freunden ihres Mannes wie jedes Jahr den Sommer am Meer im Sommerhaus von Nico. Diesmal platzt ihr der Kragen, sie schreit ihre Meinung förmlich an alle raus und verlässt das Haus. Bis zum nächsten Morgen kommt sie nicht zurück. Während des Buches erfahren wir mehr über ihre Gedankengänge, die Liebe und Gedanken zu ihrer Tochter, zu ihrem Mann. Aber wir erfahren auch, was während ihrer Abwesenheit passiert mit den anderen. Britt ist immer wütend, sie trägt eine solch unbändige Wut in sich seit ihrer Kindheit. Früh verlässt ihre Mutter die Familie, was sicher einen großen Beitrag zur Wut leistet. In ihrer kleinen Auszeit kommt Britt sich selbst etwas näher. Ausgerechnet mit der verhassten Nico verbringt sie diese Stunden. Doch so gegensätzlich wie die beiden sind, so sehr hilft es Britt, langsam sich selbst zu spüren. Sie hat nie gelernt, ihre Bedürfnisse zu spüren, geschweige denn zu äußern. Und so lebt Britt eigentlich nicht ihr Leben, sondern wird gelebt und zum Spielball ihres Umfeldes.
Das Buch ist außergewöhnlich – im Schreibstil, aber auch im Spiel der Gestaltung. Da sind mal 3 wütende Sätze auf eine Seite geschmissen, der Rest der Seite bleibt leer. Und so reißt einen Britt mit in den Strudel der Wut. Vieles kann ich absolut nachempfinden und es ist das, weswegen sich viele Mütter heute erschöpft fühlen. Der Druck von außen – „Mädchen zu sein, bedeutet viel Schminke zu benutzten, aber trotzdem natürlich auszusehen, Mädchen sollen sich so schminken, dass sie ungeschminkt aussehen, als wären sie so aufgewacht.“ Und derer Beispiele sind zahlreich aufgeführt. Wenn man als Frau in jede der „Anforderungen“ passen möchte, bleibt ein Hauch von Bandbreite, in der frau sich frei bewegen kann. Also kommt man nicht drumherum, sich seinen eigenen Wünschen zu widmen und lernen, die Bedürfnisse zu äußern – ABER: So wurden Mädchen nicht erzogen. Das macht wütend.
Die gute Nachricht ist: Wir können es lernen, auf uns selbst zu hören. Es mag manchmal schmerzen und wir ecken bestimmt auch an. Aber wir haben nur ein Leben. Und auch Britt hat eine Lösung gefunden.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Ein wichtiges Thema

Jede 3. Frau
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Dieses Buch hat mich als erstes optisch total angesprochen und als ich die Beschreibung gelesen habe, war mir klar, dass dieses Thema mehr Aufmerksamkeit bekommen darf.
Dieses Buch beinhaltet Geschichten ...

Dieses Buch hat mich als erstes optisch total angesprochen und als ich die Beschreibung gelesen habe, war mir klar, dass dieses Thema mehr Aufmerksamkeit bekommen darf.
Dieses Buch beinhaltet Geschichten von 25 Frauen, unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Erfahrungen – aber eines eint sie: Sie haben eine Fehlgeburt erlitten. Es ist ein Thema, über welches selten gesprochen wird. Es ist kein Buch, welches man wie einen Roman hintereinander weg liest. Je nach eigener Geschichte sind die Erfahrungsberichte mehr oder weniger bedrückend. Es ist ein Buch über ein Thema, welchem bisher wenig Bedeutung eingeräumt wurde. Insbesondere die Vorbemerkungen und Einleitung sind sehr interessant und auch informativ. Allen Frauen (und Familien), die davon betroffen sind, wünsche ich alles Gute und viel Kraft.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Witzige Anekdoten im unverwechselbaren Stil

Unsere kleine Welt
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Wer die Bücher und den Stil von Ewald Arenz mag, wird dieses Büchlein lieben – Eine Sammlung voller Familienanekdoten der 3 Geschwister Ewald, Sigrun und Helwig Arenz. In einem unverwechselbaren Stil, ...

Wer die Bücher und den Stil von Ewald Arenz mag, wird dieses Büchlein lieben – Eine Sammlung voller Familienanekdoten der 3 Geschwister Ewald, Sigrun und Helwig Arenz. In einem unverwechselbaren Stil, humorvoll, aus dem Leben gegriffen, voller Witz kommt man sich beim Lesen vor, wie ein Zuschauer im Leben der Familie Arenz (und ich beneide die Mutter um ihre Geduld, 6 dieser Kinder müssen ein turbulenter Alltag gewesen sein 😊) Aber eines kommt deutlich raus – es scheint einen wundervollen Zusammenhalt zwischen den Geschwistern zu geben. Da steht die Mutter plötzlich im Blumenregen, bei Krabat klingelt das Handy oder das gemeinsame Erlebnis entpuppt sich als Umzug.
Eine tolle Sammlung kurzer Kolumnen. Das Büchlein umfasst nur 176 Seiten und ist erschienen bei Ars vivandi.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Zauberhaft, atmosphärisch

Der Gesang der Flusskrebse
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Kya lebt mit ihrer Familie in den Sumpfgebieten (Marschland) in North Carolina. Der Alltag ist geprägt von bitterer Armut und einem impulsiven und herrischen Vater. Die Mutter verlässt die Familie eines ...

Kya lebt mit ihrer Familie in den Sumpfgebieten (Marschland) in North Carolina. Der Alltag ist geprägt von bitterer Armut und einem impulsiven und herrischen Vater. Die Mutter verlässt die Familie eines Tages und nach und nach gehen auch die Geschwister. Kya ist mit ihren 6 Jahren von nun an allein mit dem Vater, der weiterhin tagelang fort bleibt. Von einem mehr als geringen Haushaltsgeld schafft es Kya sich zu ernähren. Sie sammelt Muscheln und Federn in der Marsch. Dabei trifft sie auf Tate, einem etwas älteren Jungen. Doch Kya ist Menschen nicht gewohnt, sie besucht keine Schule, lebt einsam. Die Menschen im Dorf ächten sie als das „Marschmädchen“. Doch Tate ist frei von Vorurteilen, erkennt Kyas Liebe zur Natur und so freunden die beiden sich an. Kya lernt durch ihn lesen, schreiben und auch vertrauen und lieben. Doch auch Tate wird erwachsen, geht auf die Uni und lässt sich lange nicht mehr blicken. Wieder ein Vertrauter, der Kya verlässt.
Die Autorin hat es geschafft, eine einzigartige Atmosphäre heraufzubeschwören. Die Einsamkeit, die Kya umgibt, konnte man beim Lesen nahezu fühlen. Mir hat es manches Mal beinahe das Herz herausgerissen. Das Buch hat 2 zeitliche Stränge parallel in sich. Der 2. Strang dreht sich um einen Mord. Im Verlauf des Buches nähern sich die beiden Stränge an und die gesamte Geschichte klärt sich auf. Die Erzählung beinhaltet soviel Gefühl. Es ist erstaunlich, wie Kya sich entwickelt, sie muss ein sehr starker Charakter sein. Das Ganze spielt in den 60er Jahren, in einer Zeit, in der auch in Amerika die Rasse noch ein großes Thema war. Das Buch hat mich enorm berührt, es war teils beklemmend, teils von einer solch wundervollen Unvoreingenommenheit seitens Kya. Ein wunderbares Leseerlebnis, welches erst nach und nach den ganzen Zauber entfaltet.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Ein Mathegenie wird mit dem Leben konfrontiert

Pi mal Daumen
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Wie können sich die Wege eines 17 jährigen Mathegenies und einer über 50jährigen Frau mit eher bildungsfernen Familienanschluss kreuzen? Richtig, an der Uni in der Mathevorlesung. Oscar lebt seinen Geniestatus, ...

Wie können sich die Wege eines 17 jährigen Mathegenies und einer über 50jährigen Frau mit eher bildungsfernen Familienanschluss kreuzen? Richtig, an der Uni in der Mathevorlesung. Oscar lebt seinen Geniestatus, aus feinem Hause mit einer Mutter, die ihm das Leben abgenommen hat, konnte er sich ausschließlich um Mathe kümmern. Alle anderen sind in seinen Augen der Mathematik auch nicht würdig. Doch so begabt er auch mit Zahlen hantiert, so wenig entwickelt ist seine soziale Seite. Ganz anders dagegen Moni, das Herz auf der Zunge und am rechten Fleck, kümmert sich um die Familie und Enkel, daneben 3 Jobs zur Zahlung der Miete, erfüllt sie sich ihren Traum, Mathematik zu studieren. Oscar gibt ihr nicht länger als ein paar Wochen. Doch in den Übungsaufgaben findet sie auf anderen Wegen oft selbst die Lösung. Oscars Leben hat fast zwanghafte Züge, Menschen sind lästig für ihn. Doch mit Moni lernt er gezwungenermaßen, ein Leben außerhalb der Zahlen und seines umsorgten Heims kennen und nach und nach auch schätzen. Und Moni? Sie lernt auch, sich um sich selbst zu kümmern. Eine Gemeinschaft, die als Mittel zum Zweck begann und mit Herzlichkeit und Nähe einen Höhepunkt erreicht hat.
Die Geschichte ist aus Sicht Oscars geschrieben, mit äußerst trefflichen Fußnoten zu seinen Gedanken. Der Stil ist erfrischend, komisch, leicht zu lesen und lässt einen oft schmunzeln. Außerdem ermutigt die Geschichte, seinen eigene Träumen nachzugehen, auch wenn das Umfeld nicht an einen glaubt. Die Komfortzone zu verlassen, hat in diesem Fall beiden Vorteile gebracht. Ein absolutes Leseerlebnis, welches jedoch am Ende leicht getrübt wurde durch die vielen offenen Fragen, die bei mir blieben. Die Handlung hat zum Ende einen richtigen Schub erfahren, aber nicht alles war für mich nachvollziehbar. Dennoch ein Buch, welches mir sehr gut gefallen hat.

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