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Veröffentlicht am 30.03.2020

Coole Idee, die mich leider nicht fesseln konnte

Das Haus der tausend Welten
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Irgendwie brauchte die Handlung ewig, um in die Gänge zu kommen, was vielleicht daran liegt, dass sie aus der Sicht vier verschiedener, am Anfang berührungsloser Charaktere erzählt wird, die alle eingeführt ...

Irgendwie brauchte die Handlung ewig, um in die Gänge zu kommen, was vielleicht daran liegt, dass sie aus der Sicht vier verschiedener, am Anfang berührungsloser Charaktere erzählt wird, die alle eingeführt werden. Bis das geschehen ist, sind 200 Seiten vergangen und erst dann ging die eigentliche Handlung um das Haus der tausend Welten überhaupt los.
Somit hatte ich das Gefühl, ewig zu warten, bis die Ereignisse losgehen, und dann hat die Handlung es irgendwie verpasst, mich mitzunehmen, denn so wirklich fesseln konnte mich das Buch nie. Ich hatte kein Problem damit, es beiseitezulegen, und hatte auch nie wirklich den Drang weiterzulesen.

Was vielleicht daran lag, dass mir die Charaktere ziemlich egal waren. Und ich muss sagen, ich war relativ überfordert mit der Zuordnung und vier Perspektiven sind ja nun auch nicht überragend viel. Verwirrt hat mich, dass zwischendurch die Sichtweise mitten im Absatz gewechselt wird, wenn zwei der erzählenden Charaktere an derselben Handlung beteiligt sind.
Obwohl ich aber sonst jemand bin, der Charaktere ganz gut zuordnen kann, war ich hier teilweise total verwirrt, wer die auftretenden Personen waren, was sie ausmacht und überhaupt. Teilweise konnte ich bis zum Ende nicht wirklich die Namen zuordnen und wurde dann damit überrascht, dass Charaktere wichtig wurden, die ich als beiläufige Randcharaktere registriert hatte. Es gibt ein Personenverzeichnis am Ende, das ich leider zu spät entdeckt habe, allerdings bezweifle ich, dass es mir viel geholfen hätte.

Hinzu kam, dass mir irgendwie keiner der Charaktere wirklich sympathisch wurde. Was vielleicht auch daran lag, dass sie in meinen Augen alle relativ blass blieben, trotz Potenzial, und mir teilweise die Motive nicht ganz klar waren - oder besser: Die meisten wirkten wie passive MitläuferInnen. Es gibt ein paar angedeutete Backstories, aber im Großen und Ganzen konnte ich mir zu keinem der Charaktere wirklich ein Bild machen, was eben dazu führte, dass sie mir relativ egal waren.
Und es ist nicht so, als hätten sie kein Potenzial gehabt. Trotzdem konnte mich nichts davon berühren und nichts hat für mich wirklich Tiefe entwickelt oder Form angenommen. Ich hatte das Gefühl, dass fast alle Charaktere vor allem aus Egoismus handeln, und ja, ich habe mir die Genrebeschreibung für Grimdark vorher durchgelesen, und düster und brutal klang nach etwas, das mir gefallen könnte. Allerdings finde ich dabei gerade das moralisch Graue interessant, und das kam hier irgendwie nicht zum Tragen.

Was mich auch verwirrt hat, war die Sache mit der Magie. Es gibt irgendwie Shao, das vor allem der Oberschicht vorbehalten ist, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, fast jeder der Charaktere hat irgendeine magische Begabung, die meist erst dann zutage tritt, wenn sie gerade irgendwie nützlich ist, und ansonsten auch nicht weiter erklärt wird. Was dazu führte, dass das auf mich vollkommen willkürlich wirkte.

An sich fand ich es ganz cool, dass es verschiedene "Völker" gibt und Ako auch eine BIPoC ist (und lesbisch dazu), aber ich fand teilweise die Darstellung nicht ganz unproblematisch. Sie wird nämlich dauernd als "die Schwarze" beschrieben, und ich sag mal so, wenn keine weiße Frau als "die Weiße" beschrieben wird, ist das problematisch.

Neben der ganzen Kritik aber auch mal ein positiver Punkt: Die Idee hinter dem Ganzen fand ich tatsächlich ganz cool. Ein Haus, das im Inneren um Einiges größer ist, zahlreiche verschiedene Räume verbirgt und quasi wie der Albtraum eines Hauses, das einen gefangen hält und mit immer neuen und brutaleren Gefahren aufwartet? Definitiv eine sehr coole Idee. Dementsprechend fand ich es schade, dass mich die Umsetzung nicht überzeugen konnte, denn das Konzept fand ich ziemlich faszinierend und das Ende hat auch nochmal einen interessanten Konflikt aufgemacht. Trotzdem war das Buch wohl leider nicht mein Fall.

Fazit: Sehr coole Idee, deren Umsetzung mich aber leider nicht überzeugen konnte, da ich bis zum Schluss nicht wirklich in die Handlung reingekommen bin und mich das Buch überhaupt nicht fesseln konnte. Mir fiel es schwer, die Nebencharaktere zuzuordnen, und allgemein waren mir die Charaktere relativ egal, auch weil sie eher blass blieben.

Veröffentlicht am 27.03.2020

Leider relativ vorhersehbar und anstrengende Liebesgeschichte, trotz schönem Stil und interesantem World Building

Shadow Tales - Das Licht der fünf Monde
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An sich fand ich das World Building hinter dem Ganzen sehr faszinierend. Es gibt fünf Monde und manche Menschen verfügen über erblich weitergegebene Mondmagie, und sind deshalb im oberen Teil der Gesellschaft ...


An sich fand ich das World Building hinter dem Ganzen sehr faszinierend. Es gibt fünf Monde und manche Menschen verfügen über erblich weitergegebene Mondmagie, und sind deshalb im oberen Teil der Gesellschaft vertreten, die von einer High Lady regiert wird. Darüber hinaus führt die Autorin im Verlaufe der Handlung neben bekannten Tieren verschiedene Wesen wie Blutwölfe oder Pixies ein, die an Sagen aus unserer Welt erinnern, ebenso wie Märchenanspielungen, was ich ganz cool fand.

Die Handlung beginnt mit einem Prolog, der vor der Geschichte spielt und Spannung weckt. Dann springen wir zu Lelani, deren Amulett, das einzige, das ihr von ihren leiblichen Eltern geblieben ist, an ihrem achtzehnten Geburtstag plötzlich aufspringt. Sie entdeckt, dass sie wider Erwarten Mondmagie hat, und bricht gemeinsam mit ihrem besten Freund Haze auf, um ihre leibliche Mutter zu finden und eine Antwort auf ihre Kräfte zu erhalten. Dabei läuft ihr dann der selbstsichere, gutaussehende Adelige Kyran über den Weg ...

Sie brechen also auf, und dann passiert erst mal eine ganze Weile ... gar nichts. Als nicht nichts, sie reisen durch die Gegend, und es gibt eine Nebenhandlung, bei der ich das Verhalten eines Charakters unlogisch und nicht nachvollziehbar fand, die aber sonst auch interessante Aspekte enthält. Der eigentliche Hauptplot wird jedoch erst im letzten Drittel wieder aufgegriffen. Zwischendurch gibt es ein paar kurze Abschnitte aus der Sicht anderer Figuren, vor allem der High Lady, die Spannung generieren sollen.
Insgesamt hatte ich mir am Anfang schnell die wesentlichen Zusammenhänge zusammengereimt, und wurde darin auch nicht weiter überrascht, da die Handlung relativ vorhersehbar verläuft. Da die Konflikte an sich Potenzial haben, hätte ich es auch nicht weiter schlimm gefunden, wenn diese Verbindungen früher gezogen und neue Aspekte aufgemacht worden wären.

Dadurch, dass ich also quasi das ganze Buch lang darauf gewartet habe, die Erkenntnisse zu bekommen, mit denen ich sowieso schon gerechnet hatte, kam bei mir auch nicht wirklich viel Spannung auf. Das Buch verfolgt dabei in meinen Augen teils sehr stereotypische Handlungsmuster - Lelani ist zum Beispiel die typische naive Protagonistin, wobei ich das hin und wieder ein bisschen anstrengend fand. Okay, sie ist in einem abgeschiedenen Dorf aufgewachsen, aber auch da gab es Gefahren. Ansonsten war sie mir aber nicht direkt unsympathisch, entwickelt aber wie die meisten Charaktere in meinen Augen auch nicht wirklich Tiefe.

Die Freundschaft, wie sie anfangs zwischen Haze und Lelani dargestellt wurde, mochte ich da noch sehr gerne. Gerade hier, aber auch später, spielt immer ein leichter Humor mit. Und auch die Beziehung zwischen Lelani und ihrer Ziehmutter Alpha, die eine etwas eigene Sprechweise hat, ist ganz schön dargestellt.
Ansonsten mochte ich den Schreibstil sehr gerne, der leicht poetisch ist und die fremde High Fantasy-Welt teils mit wunderschönen Beschreibungen zum Leben erweckt.

Am anstrengendsten fand ich allerdings die Liebesgeschichte. Lästert Lelani anfangs noch über die arroganten Adeligen, ist sie bei Kyrans Anblick natürlich hin und weg, und das, obwohl er sich relativ herablassend ihr gegenüber verhält. Kyran ist der goldene Märchenprinz, der mir schlichtweg auch eine Spur zu perfekt ist - er sieht perfekt aus, er kann perfekt kämpfen und ist sich dessen natürlich absolut bewusst. Und während Haze gesunden Misstrauen entwickelt, ist Lelani natürlich voll begeistert von ihm. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der sich im Verlaufe der Handlung entwickelt, und ich mag diesen Trope leider wirklich nicht und fand es eher unnötig.

Fazit: Interessantes World Building und schöne Beschreibungen, aber stereotypische und vorhersehbare Handlung, bei der der Hautplot sehr lange zum Erliegen kommt. Die Charaktere bleiben eher blass und die Liebesgeschichte habe ich als sehr anstrengend empfunden.

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Fantasie
Veröffentlicht am 23.02.2020

Unterhaltsamer, humorvoller Stil, tolle Liebesgeschichte, starke, sympathische Protagonistin und spannende Handlung

One True Queen, Band 1: Von Sternen gekrönt
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Ich bin ja bei Hypes immer ein bisschen skeptisch, aber dieses Buch hat mich schon mit der Leseprobe in den Bann gezogen und beim Lesen war es nicht anders. Der/die LeserIn lernt am Anfang kurz Mailin ...

Ich bin ja bei Hypes immer ein bisschen skeptisch, aber dieses Buch hat mich schon mit der Leseprobe in den Bann gezogen und beim Lesen war es nicht anders. Der/die LeserIn lernt am Anfang kurz Mailin und ihre Familie kennen, und dann finden wir uns schon in Lyaskye mitten in einem tödlichen Wald wieder.
Die Seiten flogen quasi vorbei und das Buch erweist sich definitiv als fesselnd und durchgehend spannend, und weiß immer wieder mit Plottwists zu überraschen, die ich so nicht habe kommen sehen.

Dabei mochte ich auch den Schreibstil sehr gerne, der sich locker und flüssig lesen lässt, und der vor allem auch sehr humorvoll ist, nicht zuletzt, weil Mailin die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt und sarkastische Kommentare einfließen lässt. Dadurch hat das Lesen ungemein viel Spaß gemacht und gerade die Schlagabtausche zwischen Mailin und Peter sind dabei sehr unterhaltsam.

Schon allein durch ihren Sarkasmus war Mailin mir direkt sympathisch. Sie liebt ihre Schwester über alles, macht nebenbei Kendo (was sich durchaus als nützlich erweist) und ich mochte auch, wie sie handlungsorientiert Entscheidungen trifft und dabei ihre Möglichkeiten abwägt. Das wirkt zwar nicht immer ganz unnaiv, was sie aber gleichzeitig auch sehr authentisch wirken lässt - sie ist eben in einer fremden Welt, deren Gepflogenheiten sie nicht kennt, und gibt sich Mühe, sich anzupassen. Sie ist mutig und lässt sich nicht unterkriegen, sucht immer nach einem Ausweg und kämpft für ihre Vorstellungen - kurzum: Ich mochte sie.
Und auch die anderen Charaktere sind sehr interessant. Hier fällt es mir schwer, da jetzt groß drauf einzugehen, um nicht zu spoilern, aber es gab einige sehr sympathische und einige deutlich weniger sympathische Charaktere.

Am Anfang erinnert das Eintauchen in die fremde und vor allem durchgängig von bösen Überraschungen gespickte Welt ein wenig an "Alice im Wunderland", auf eine etwas düstere Weise. Generell fand ich die Idee dahinter ziemlich interessant und die Welt unheimlich faszinierend, und bin gespannt darauf, wie das im Folgeband weiter entwickelt wird.

Was ich außerdem noch herausheben will, ist, wie sehr ich die Liebesgeschichte mochte, und das, obwohl ich in letzter Zeit von Liebesgeschichten gerade in Jugendbüchern tendenziell eher genervt war. Hier war das komplett anders. Seit langem habe ich mal wieder richtig mitgefiebert und die Szenen sind so unglaublich schön geschrieben, dass ich ganz hingerissen war.

Fazit: Ein lockerer, sarkastischer Schreibstil, eine sympathische, mutige und entschlossene Protagonistin, eine coole Idee und eine tolle, mitreißende Liebesgeschichte tragen gespickt mit hoher Spannung dazu bei, dass es unheimlich viel Spaß macht, dieses Buch zu lesen, und die Seiten nur so vorbeigeflogen sind.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.02.2020

Düster mit faszinierendem Setting, diversen Charakteren und außergewöhnlichem Stil

Wasteland
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Ich fand dieses Buch objektiv ziemlich cool, vor allem in Bezug auf das Konzept, auf das ich gleich noch näher eingehen werde, auf einer ganz subjektiven Ebene war die Geschichte nicht so ganz mein Fall, ...

Ich fand dieses Buch objektiv ziemlich cool, vor allem in Bezug auf das Konzept, auf das ich gleich noch näher eingehen werde, auf einer ganz subjektiven Ebene war die Geschichte nicht so ganz mein Fall, was ich auch nicht so ganz in Worte fassen kann. Dabei ist es nicht so, dass ich keinen Spaß beim Lesen hatte. Im Gegenteil, die Geschichte erweist sich als sehr fesselnd. Und auch die Idee ist an sich cool - es hat nur nicht hundertprozentig meinen persönlichen Geschmack getroffen.

Dieses Buch bietet meiner Meinung nach ein Beispiel dafür, wie man verschiedenste Menschen ganz selbstverständlich repräsentieren kann - BIPoC, trans Personen, andere Sexualitäten und Geschlechter, polyamouröse Beziehungen und so weiter - zudem in einem deutschen Setting, was ich ziemlich cool fand.

Besonders interessant ist dabei, dass eben nicht von einem binären Geschlechtermodell als Norm ausgegangen wird - in diesem Buch gibt es non-binäre Charaktere, für die ganz selbstverständlich das Pronomen "ser" verwendet wird.
Das zeichnet sich natürlich auch in der gendergerechten Sprache ab. Und nein, es werden keine Gender-Sternchen, Binnen-I's etc. verwendet, tatsächlich fällt es sogar nicht mal auf, wenn man nicht darauf achtet. Es wird lediglich darin deutlich, dass nur Ausdrücke wie z.B. Mitglieder verwendet werden, die eben kein Geschlecht implizieren. Gerade dadurch, dass das funktioniert, ohne den Lesefluss zu stören, zeigt es, dass gendergerechte Sprache an sich möglich ist.

Davon abgesehen bietet allein schon das Setting ein sehr spannendes Szenario. Einerseits, weil nicht-binäre Geschlechter nicht nur bei den "Guten" selbstverständlich sind, sondern auch bei den AntagonistInnen. Andererseits, weil der Handgebunden-Markt, auf dem Teile der Handlung spielen, im Prinzip ein anarchisches Gesellschaftsmodell darstellt, was ich super faszinierend fand.
Die AutorInnen ordnen dieses Buch übrigens dem Genre Hope Punk zu - es soll bewusst um eine hoffnungsvolle Weltsicht und eine Bereitschaft, dafür zu kämpfen, gehen. Das ist insofern interessant, als dass die Zukunftsversion eigentlich ziemlich düster ist. Nach Kriegen und dem Einsatz von Biowaffen ist der Großteil der Welt verseucht, und die Gebiete, in denen man noch leben kann, werden von brutalen Banden beherrscht, die töten, versklaven und/oder sexualisierte Gewalt anwenden und oftmals eine sehr gewaltvolle und sexualisierte Sprache benutzen.
Das zeichnet sich auch in der doch eher düsteren und vor allem brutalen Atmosphäre ab. Gerade die Banden wirken dabei teilweise total durchgeknallt, einige von ihnen beten zum Beispiel Wifi als übernatürliche Macht an. Für meinen Geschmack war es zwischendurch ein wenig überzogen und sehr exzentrisch, gleichzeitig macht das aber natürlich auch den ganz eigenen Charme dieser Geschichte aus.

Herausheben sollte man vielleicht auch den Stil, der ebenfalls sehr ungewöhnlich ist und dadurch vermutlich auch nicht jeden Geschmack trifft (hier hilft, wie immer, ein Blick in die Leseprobe). Die Geschichte wird abwechselnd aus Laylays Sicht im Präteritum und aus Zeetos Sicht im Präsens erzählt, was von den AutorInnen bewusst so gewählt wurde. Mich persönlich hat das beim Lesen nicht gestört.
Der Stil ist sehr umgangssprachlich, besonders in Zeetos Fall teilweise auch ein wenig flapsig und ein bisschen ruppig, so, als würde man seine Gedanken ungefiltert mitbekommen, unterlegt meist mit einem zynischen Unterton oder schwarzem Humor.

Zeetos Charakter ist auch davon geprägt, dass er eine bipolare Neurodivergenz hat und immer mal wieder zwischen manischen und depressiven Phasen wechselt, was seine Handlungen und Denkweisen beeinflusst. Auf der anderen Seite haben wir Laylay, die mit ihrem Vater durch Europa fährt. Sie tritt sehr stark und bestimmend auf, wobei ich zugeben muss, dass ich nicht so wirklich an die Charaktere herangekommen bin.
Die beiden kennen sich schon vorher und die Liebesgeschichte zwischen den beiden (die allerdings nicht bei Null startet, sondern schon vor der Handlung ihre Anfänge hat) ist vor allem anfangs auf zwischenmenschlicher Ebene extrem unkompliziert und offen, auch wenn es mir teilweise schwerfiel, die Gefühle nachzuempfinden. Dennoch fand ich auch hier den Umgang relativ lebensecht, ihr fehlt die romantische Verklärung, was sie authentischer macht.

Teilweise hatte ich das Gefühl, dass bei dem Fokus auf das Setting, die Charaktere und die Diversität der Plot in den Hintergrund rückte, was ich schade fand. Zwischendurch passiert nicht wirklich viel, gerade im Mittelteil. Im letzten Drittel kommt die Handlung dann wieder in Fahrt und es gibt einen Plottwist, mit dem ich nicht erwartet habe, weil er ein bisschen mit dem Genre und den Erwartungen bricht und Aspekte einbringt, mit denen ich nicht gerechnet habe und bei denen ich mir nicht sicher bin, wie ich dazu stehe. Insgesamt ist es aber auf jeden Fall eine außergewöhnliche Geschichte!

Fazit: Fesselnde und düstere Zukunftsversion, die sich vor allem durch die Diversität und Repräsentation auszeichnet, in dem diverse Charaktere wie zum Beispiel non-binäre oder nicht-weiße Personen selbstverständlich eingebunden werden und gendergerechte Sprache verwendet wird, die nicht im Geringsten den Lesefluss stört. Das Setting fasziniert mit einem anarchischen Gesellschaftsentwurf auf der einen und sehr gewaltvollen Banden auf der anderen Seite.
Im Zentrum der Handlung stehen die zwei Hauptcharaktere, von denen der eine eine bipolare Neurodivergenz hat. Die Beziehung der beiden wird zumindest auf zwischenmenschlicher Ebene vergleichsweise unkompliziert dargestellt. Der außergewöhnliche und umgangssprachliche Stil vermittelt das Gefühl, dass die Gedanken der ProtagonistInnen ungefiltert wiedergegeben werden. Auf ganz subjektiver Ebene bin ich allerdings nicht immer an die Charaktere herangekommen, die Handlung traf nicht hundertprozentig meinen persönlichen Geschmack und an einigen Stellen hatte ich das Gefühl, bei dem Fokus auf das Setting und die Charaktere sei der Plot etwas in den Hintergrund geraten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.12.2019

Macht süchtig - fesselnd, actionreich und cooles Konzept!

Schatten der Ewigkeit - Zwillingsblut
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Dieses Buch ist der Auftakt einer Reihe, allerdings werden die Bände aus der Sicht unterschiedlicher ProtagonistInnen erzählt und die Geschichte dieses Bandes ist weitgehend abgeschlossen und kann für ...

Dieses Buch ist der Auftakt einer Reihe, allerdings werden die Bände aus der Sicht unterschiedlicher ProtagonistInnen erzählt und die Geschichte dieses Bandes ist weitgehend abgeschlossen und kann für sich stehen - auch wenn man dann damit leben muss, dass ein paar Fragen offen bleiben.

Am Anfang wird man direkt in die Story hineingeworfen, was verwirrend sein kann, weil man sich erst in einem neuen Weltenkonzept zurechtfinden muss, was bei mir eigentlich ganz gut geklappt hat. Inmitten der Menschen leben die Alias, im Prinzip alle Mythen, Fabelwesen und Sagengestalten, die man sich vorstellen kann - Vampire, Götter, Dämonen, Geister, ... Dabei sind die unterschiedlichsten Hintergründe vertreten, von europäischem über japanischem hin zu indischem Ursprung.
Diese Mythen werden teils auf humorvolle Weise umgesetzt, wenn sie angeblich falsch oder verfälscht überliefert wurden. Zum Beispiel gibt es einen Vampir, der die ganze Zeit auf Knoblauch herumkaut.

Da das Buch allerdings eher plotfokussiert ist, lernt man viel von dieser Welt eher grob kennen, auch wenn ich trotzdem das Gefühl hatte, dass die wichtigen Informationen nachvollziehbar vermittelt wurden. Es werden verschiedene Welten angedeutet und Seelen werden in aller Regel wiedergeboren, selbst wenn sich die meisten nicht an ihre vorherigen Leben erinnern, was einfach auch eine super coole Idee mit Konfliktpotenzial ist.

Dachte ich am Anfang noch, es würde die typische Kennenlernphase folgen, wurde ich insofern überrascht, als dass die Handlung sehr schnell an Fahrt aufnimmt - und dann konstant ein sehr hohes Tempo hält, sodass man als LeserIn nie wirklich zum Durchatmen kommt und die Spannung durchgehend sehr hoch ist. Das wiederum führte dazu, dass ich mich nur sehr schwer von dem Buch trennen konnte und es sehr schnell durchlas
An Action und Spannung mangelt es also definitiv nicht, langweilig wird es auch nie und immer wieder gibt es überraschende Wendungen. Ein, zwei Dinge wurden so angedeutet, dass man sie erraten konnte, was die Spannung aber nur noch erhöhte. Viele Konflikte fand ich dabei unglaublich cool.
Lediglich zum Ende hin hätte ich mir etwas gewünscht, einige Konflikte, die extrem viel Potenzial haben, würden mehr ausgearbeitet werden, da sie - zugunsten des Tempos - so nun doch sehr schnell abgehandelt wurden, wobei hier mit Sicherheit auch persönliche Vorlieben eine Rolle spielen.

Kit ist eine sehr sympathische Protagonistin. Sie ist eine Kitsune und verwandelt sich bei Angst oder Stress auch gerne mal in einen Fuchs, was extrem süß sein kann. Ansonsten ist sie aber schlagfertig und lässt sich nicht unterkriegen, gibt ihrem Gegenüber grundsätzlich Paroli, ist selbstbewusst und steht für sich ein. Gleichzeitig muss sie aber auch mit dem Verlust ihres Partners klarkommen.
Auf jeden Fall war mir Kit wirklich sehr sympathisch und ich mochte es vor allem, dass es als Stärke angesehen wird, dass sie ihre Gefühle zulässt und auch offen zeigt. Oft ist bei Fantasy-Romanen eher das Gegenteil der Fall, umso toller fand ich es, dass Emotionen hier als Stärke dargestellt werden.
Zugegeben, auch Kits Charakter hat definitiv noch Potenzial, weiter ausgebaut zu werden und mehr Tiefe zu erhalten, gerade von ihrer Vergangenheit gibt es teilweise nur kleine Eindrücke - auch hier zeigt sich der Fokus auf den Plot.

Der andere Protagonist ist Nakir, ein Todesdaimon, an den man aufgrund seines Charakters weit weniger einfach herankommt. Was ich aber auch an ihm sehr mochte, ist, dass er zwar an sich der typische düstere, jahrhundertealte Typ mit tragischer Vergangenheit und tödlichen Fähigkeiten ist, der sich oftmals ruppig verhält und von vielen gefürchtet wird, man aus seiner Perspektive aber sehr schnell erfährt, dass er vielleicht abweisend ist, aber an sich durchaus Mitleid, Trauer, Wut, Verzweiflung, Frustration etc. empfindet und ihm seine Mitwesen alles andere als egal sind.
Trotz dass er ein Alias ist, wirkt er somit fast ... menschlich, auch, weil er zwischendurch auch mal Rückschläge erleidet, und das mochte ich sehr gerne. Umso mehr finde ich es schade, dass ich bis zum Schluss nicht hundertprozentig an ihn herangekommen bin.

Mit den Klischees bricht die Autorin auch, wenn es um Kits neuen (menschlichen) Partner Keagan geht. Auch der ist abweisend, zeigt kaum Gefühle und ist wortkarg, strahlt etwas Düsteres aus und ist berüchtigt. Wo man also erwarten würde, dass sich das instant eine Liebesgeschichte auftut, stellt die Autorin schnell klar, dass zwischen den beiden keine romantischen Gefühle sind, und baut stattdessen eine partnerschaftliche Freundschaft auf, die ich unglaublich toll fand.
Gerade Keagan entwickelte sich sehr schnell zu meinem Lieblingscharakter, denn seine harte Schale taut sehr schnell auf und dann merkt man ihm an, dass er sich um seine Partnerin kümmert und sich um sie sorgt, was einfach unglaublich niedlich ist. Nicht zuletzt sind die Dialoge zwischen ihm und Kit auch einfach unglaublich unterhaltsam und humorvoll, da sich die beiden ständig necken und ärgern.

Die tatsächliche Liebesgeschichte entwickelt sich sehr, sehr langsam, und auch das erst gegen Ende des Romans. Selbst am Schluss steckt sie eigentlich vielmehr in ihren Kinderschuhen, was absolut authentisch ist. Und auch wenn der nächste Band aus der Sicht anderer Charaktere kommt, bleibt doch zu hoffen, dass man erfährt, wie es mit den anderen weitergeht.

Fazit: Eine actionreiche Fantasy-Geschichte mit einer coolen Idee, die durchgehend ein hohes Tempo hält, nie langweilig wird und den/die LeserIn dadurch nie zu Atem kommen lässt. Das Buch fokussiert sich dabei in erster Linie auf den Plot, die Liebesgeschichte ist nur leicht präsent und entwickelt sich langsam. Am Ende hätte ich mir gewünscht, dass das Potenzial in einigen Aspekten ein wenig mehr ausgearbeitet worden wäre. Die Charaktere sind sehr sympathisch und authentisch, die größte Stärke der Protagonistin sind ihre Gefühle und hinzu kommen humorvolle Dialoge. Insgesamt ein fesselndes Buch, das süchtig macht und Spaß bereitet!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere