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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2019

Macht süchtig - fesselnd, actionreich und cooles Konzept!

Schatten der Ewigkeit - Zwillingsblut
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Dieses Buch ist der Auftakt einer Reihe, allerdings werden die Bände aus der Sicht unterschiedlicher ProtagonistInnen erzählt und die Geschichte dieses Bandes ist weitgehend abgeschlossen und kann für ...

Dieses Buch ist der Auftakt einer Reihe, allerdings werden die Bände aus der Sicht unterschiedlicher ProtagonistInnen erzählt und die Geschichte dieses Bandes ist weitgehend abgeschlossen und kann für sich stehen - auch wenn man dann damit leben muss, dass ein paar Fragen offen bleiben.

Am Anfang wird man direkt in die Story hineingeworfen, was verwirrend sein kann, weil man sich erst in einem neuen Weltenkonzept zurechtfinden muss, was bei mir eigentlich ganz gut geklappt hat. Inmitten der Menschen leben die Alias, im Prinzip alle Mythen, Fabelwesen und Sagengestalten, die man sich vorstellen kann - Vampire, Götter, Dämonen, Geister, ... Dabei sind die unterschiedlichsten Hintergründe vertreten, von europäischem über japanischem hin zu indischem Ursprung.
Diese Mythen werden teils auf humorvolle Weise umgesetzt, wenn sie angeblich falsch oder verfälscht überliefert wurden. Zum Beispiel gibt es einen Vampir, der die ganze Zeit auf Knoblauch herumkaut.

Da das Buch allerdings eher plotfokussiert ist, lernt man viel von dieser Welt eher grob kennen, auch wenn ich trotzdem das Gefühl hatte, dass die wichtigen Informationen nachvollziehbar vermittelt wurden. Es werden verschiedene Welten angedeutet und Seelen werden in aller Regel wiedergeboren, selbst wenn sich die meisten nicht an ihre vorherigen Leben erinnern, was einfach auch eine super coole Idee mit Konfliktpotenzial ist.

Dachte ich am Anfang noch, es würde die typische Kennenlernphase folgen, wurde ich insofern überrascht, als dass die Handlung sehr schnell an Fahrt aufnimmt - und dann konstant ein sehr hohes Tempo hält, sodass man als LeserIn nie wirklich zum Durchatmen kommt und die Spannung durchgehend sehr hoch ist. Das wiederum führte dazu, dass ich mich nur sehr schwer von dem Buch trennen konnte und es sehr schnell durchlas
An Action und Spannung mangelt es also definitiv nicht, langweilig wird es auch nie und immer wieder gibt es überraschende Wendungen. Ein, zwei Dinge wurden so angedeutet, dass man sie erraten konnte, was die Spannung aber nur noch erhöhte. Viele Konflikte fand ich dabei unglaublich cool.
Lediglich zum Ende hin hätte ich mir etwas gewünscht, einige Konflikte, die extrem viel Potenzial haben, würden mehr ausgearbeitet werden, da sie - zugunsten des Tempos - so nun doch sehr schnell abgehandelt wurden, wobei hier mit Sicherheit auch persönliche Vorlieben eine Rolle spielen.

Kit ist eine sehr sympathische Protagonistin. Sie ist eine Kitsune und verwandelt sich bei Angst oder Stress auch gerne mal in einen Fuchs, was extrem süß sein kann. Ansonsten ist sie aber schlagfertig und lässt sich nicht unterkriegen, gibt ihrem Gegenüber grundsätzlich Paroli, ist selbstbewusst und steht für sich ein. Gleichzeitig muss sie aber auch mit dem Verlust ihres Partners klarkommen.
Auf jeden Fall war mir Kit wirklich sehr sympathisch und ich mochte es vor allem, dass es als Stärke angesehen wird, dass sie ihre Gefühle zulässt und auch offen zeigt. Oft ist bei Fantasy-Romanen eher das Gegenteil der Fall, umso toller fand ich es, dass Emotionen hier als Stärke dargestellt werden.
Zugegeben, auch Kits Charakter hat definitiv noch Potenzial, weiter ausgebaut zu werden und mehr Tiefe zu erhalten, gerade von ihrer Vergangenheit gibt es teilweise nur kleine Eindrücke - auch hier zeigt sich der Fokus auf den Plot.

Der andere Protagonist ist Nakir, ein Todesdaimon, an den man aufgrund seines Charakters weit weniger einfach herankommt. Was ich aber auch an ihm sehr mochte, ist, dass er zwar an sich der typische düstere, jahrhundertealte Typ mit tragischer Vergangenheit und tödlichen Fähigkeiten ist, der sich oftmals ruppig verhält und von vielen gefürchtet wird, man aus seiner Perspektive aber sehr schnell erfährt, dass er vielleicht abweisend ist, aber an sich durchaus Mitleid, Trauer, Wut, Verzweiflung, Frustration etc. empfindet und ihm seine Mitwesen alles andere als egal sind.
Trotz dass er ein Alias ist, wirkt er somit fast ... menschlich, auch, weil er zwischendurch auch mal Rückschläge erleidet, und das mochte ich sehr gerne. Umso mehr finde ich es schade, dass ich bis zum Schluss nicht hundertprozentig an ihn herangekommen bin.

Mit den Klischees bricht die Autorin auch, wenn es um Kits neuen (menschlichen) Partner Keagan geht. Auch der ist abweisend, zeigt kaum Gefühle und ist wortkarg, strahlt etwas Düsteres aus und ist berüchtigt. Wo man also erwarten würde, dass sich das instant eine Liebesgeschichte auftut, stellt die Autorin schnell klar, dass zwischen den beiden keine romantischen Gefühle sind, und baut stattdessen eine partnerschaftliche Freundschaft auf, die ich unglaublich toll fand.
Gerade Keagan entwickelte sich sehr schnell zu meinem Lieblingscharakter, denn seine harte Schale taut sehr schnell auf und dann merkt man ihm an, dass er sich um seine Partnerin kümmert und sich um sie sorgt, was einfach unglaublich niedlich ist. Nicht zuletzt sind die Dialoge zwischen ihm und Kit auch einfach unglaublich unterhaltsam und humorvoll, da sich die beiden ständig necken und ärgern.

Die tatsächliche Liebesgeschichte entwickelt sich sehr, sehr langsam, und auch das erst gegen Ende des Romans. Selbst am Schluss steckt sie eigentlich vielmehr in ihren Kinderschuhen, was absolut authentisch ist. Und auch wenn der nächste Band aus der Sicht anderer Charaktere kommt, bleibt doch zu hoffen, dass man erfährt, wie es mit den anderen weitergeht.

Fazit: Eine actionreiche Fantasy-Geschichte mit einer coolen Idee, die durchgehend ein hohes Tempo hält, nie langweilig wird und den/die LeserIn dadurch nie zu Atem kommen lässt. Das Buch fokussiert sich dabei in erster Linie auf den Plot, die Liebesgeschichte ist nur leicht präsent und entwickelt sich langsam. Am Ende hätte ich mir gewünscht, dass das Potenzial in einigen Aspekten ein wenig mehr ausgearbeitet worden wäre. Die Charaktere sind sehr sympathisch und authentisch, die größte Stärke der Protagonistin sind ihre Gefühle und hinzu kommen humorvolle Dialoge. Insgesamt ein fesselndes Buch, das süchtig macht und Spaß bereitet!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.12.2019

Tolles World Building, teilweise flacher Spannungsbogen, aber coole Idee und eine faszinierende Charakterentwicklung des Protagonisten

Die unendliche Geschichte
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Von diesem Buch schwärmen gefühlt alle, und somit bin ich mit einer Mischung aus hohen Erwartungen und quasi fehlender Kenntnis des Inhalts daran gegangen,
Ich will jetzt auch nicht sagen, dass ich enttäuscht ...

Von diesem Buch schwärmen gefühlt alle, und somit bin ich mit einer Mischung aus hohen Erwartungen und quasi fehlender Kenntnis des Inhalts daran gegangen,
Ich will jetzt auch nicht sagen, dass ich enttäuscht worden wäre, aber ich glaube, man nimmt dieses Buch ganz anders wahr, wenn man es als Kind liest. Und ich verstehe absolut, warum viele so begeistert davon sind. Die Idee hinter dem Ganzen ist einfach unglaublich cool und trifft so ein bisschen das, wovon alle Büchermenschen insgeheim träumen.
Auch Phantásien ist eine ziemlich coole Welt. Es gibt verschiedene Länder mit Wesen unterschiedlichster Art und das schiere Einfallsreichstum von Michael Ende dahinter ist beeindruckend. Es macht allein schon Spaß, die Vielfältigkeit und die vielen Ideen hinter dem Ganzen kennenzulernen, auch wenn natürlich die einzelnen Gruppen trotzdem so recht oberflächlich bleiben.

Bastian durchläuft über die fast 500 Seiten eine enorme Entwicklung, die als Ganzes unheimlich faszinierend ist. Ich verstehe die Message dahinter und auch, warum sie sinnvoll und sogar ziemlich gut gemacht ist, trotzdem änderte das nichts daran, dass das zwischenzeitlich dazu führte, dass Bastian mir relativ unsympathisch war und dadurch zumindest an bestimmten Stellen der Geschichte fast schon eher die Position des Anti-Helden einnahm, was an sich, wie gesagt, sehr faszinierend ist.

Was die Handlung angeht, hatte ich lange nicht das Gefühl, dass es einen roten Faden gibt bzw. es fühlte sich so an, als würden zu viele Nebenhandlungen eingewoben, manche Dinge zu sehr ausgeschlachtet. Das gab natürlich umgekehrt die Möglichkeit, Phantásien näher kennenzulernen, dafür flachte allerdings in meinen Augen die Spannung zwischenzeitlich ein wenig ab.
Ansonsten ließ sich das Buch flüssig lesen, wobei man dem Schreibstil natürlich anmerkt, dass das Buch in den 70ern geschrieben wurde. Somit grenzt es beispielsweise durchaus an Fat Shaming, dass Bastian dauernd als "dicker Junge" beschrieben wurde.

Fazit: Tolles World Building, teilweise flacher Spannungsbogen, aber coole Idee und eine faszinierende Charakterentwicklung des Protagonisten, auch wenn er dadurch nicht immer sympathisch ist.

Veröffentlicht am 05.12.2019

Spannende Science Fiction-Story mit sympathischen, tiefgründigen ProtagonistInnen

Neon Birds
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Das Buch hält sich nicht mit langen Einleitungen auf, sondern steigt sofort in die Geschehnisse ein und legt voller Spannung los. Das führte in meinem Fall dazu, dass ich von Anfang an gebannt an den Seiten ...

Das Buch hält sich nicht mit langen Einleitungen auf, sondern steigt sofort in die Geschehnisse ein und legt voller Spannung los. Das führte in meinem Fall dazu, dass ich von Anfang an gebannt an den Seiten hing und sofort in der Story drin war.
Umgekehrt muss man sich als LeserIn natürlich auch in einer fremden, futuristischen Welt orientieren. Dabei gibt es zwischendurch immer mal wieder Akten und Dokumente, die die Informationen gebündelt vorstellen, gleichzeitig werden diese aber auch in die Gesprächen geschickt eingewoben und ergänzen und wiederholen sie somit, so dass ich das Gefühl hatte, die relevanten Informationen zu verstehen, ohne dass ein Info Dump auftrat.

Das Setting ist dabei ziemlich interessant und wirkt bisher sehr durchdacht. An manchen Stellen mutet diese Zukunftsversion fast utopisch an - als Reaktion auf die Folgen des Klimawandels wird Naturschutz großgeschrieben und die Menschen ernähren sich vegan, es gibt eine Weltregierung, die angeblich alle Menschen gleichbehandelt, und technologische Erweiterungen wie Cyber Trips (quasi Beamen). Aber schnell wird deutlich, dass nicht alles immer so hübsch ist, wie es aussieht.
Umgekehrt kämpft die Welt mit einer künstlichen Intelligenz (KI) und einem Virus, der über die Luft übertragen wird und Menschen in emotionslose, von dieser KI gesteuerte Wesen - Mojas - verwandelt, die die Menschheit auszulöschen drohen. Der Virus und die KI werden in Schutzzonen gefangengehalten, doch reicht das nicht, um sie in Schach zu halten ...
Ein sehr düsteres Zukunftsszenario also, das für mich weitgehend logisch erklärt wurde. Auf jeden Fall bin ich gespannt darauf, wie das in den Folgebänden weiter entwickelt wird.

Hatte ich Angst, die Spannung könnte nach dem starken Beginn abflachen, so wurde ich beruhigt, denn das war keineswegs der Fall. Stattdessen machte die Geschichte in gewisser Weise süchtig, kann überraschen und war für mich weitgehend unvorhersehbar. Gerade der Schluss ist nochmal ein richtiger Cliffhanger, der gespannt auf die Fortsetzungen macht.
Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass das Ende zwar sehr spannungsgeladen ist, mir aber fast ein wenig zu hektisch war und mir manche Sachen zu schnell abgehandelt wurden, was aber auch einfach nur ein persönlicher Eindruck sein kann.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von vier ProtagonistInnen erzählt. Ich muss zugeben, dass ich kein Fan von vielen Perspektiven bin und somit zwischendurch ein wenig genervt war, wechseln zu müssen, gerade, wenn es an anderer Stelle spannender war.
Insgesamt waren mir alle vier sympathisch, dennoch mochte ich Flover und Luke am meisten. Flover ist ein Soldat einer geheimen Elite-Einheit und durch seinen Job abgehärtet. Dennoch geht das nicht so spurlos an ihm vorbei, wie es scheint. Sein Mitbewohner Luke wirkt dagegen wie ein eher gewöhnlicher Student, doch auch er hat seine Geheimnisse. Gerade die Beziehung zwischen den beiden Freunden ist extrem süß und ja, eventuell habe ich die beiden sehr in mein Herz geschlossen. :D

Daneben haben wir dann noch Okijen und Andra. Okijen ist ein ehemals gefeierter Soldat, der sich aus dem Militär zurückgezogen hat und eigentlich nur seine Ruhe haben will, jetzt aber wieder mit reingezogen wird. Andra stammt aus einer Siedlung, die abseits der übrigen Zivilisation und näher an der Natur lebte, nun aber von Mojas angegriffen wird.
Was alle ProtagonistInnen gemeinsam haben, ist, dass sie sehr menschlich wirken, Ängste und Schwächen haben und dadurch sehr authentisch rüberkommen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass unnötige Dramen und Konflikte zwischen den Charakteren vermieden werden, zum Beispiel trifft Okijen irgendwann seine Exfreundin und obwohl die beiden nonstop streiten, wird schnell klar, dass sie sich trotzdem nicht abgrundtief hassen, sondern auch normal miteinander reden können.

Was mich allerdings ein bisschen irritiert hat, ist, dass Flover und Okijen als absolute militärische Helden in krassen Positionen gepriesen werden und ich sie dafür ein wenig jung fand. Gerade bei Okijens Darstellung hatte ich lange das Bild eines alten Veterans oder meinetwegen eines Typen, der mindestens Mitte 30 ist, im Kopf, nur um dann damit konfrontiert zu werden, dass er erst Anfang 20 ist, obwohl das halbe Militär ihm zu Füßen liegt. Auch Flover ist erst 19, aber schon Captain und anscheinend auch irgendwie mega der Überflieger.
Zwar wird später erklärt, warum viele SoldatInnen so jung sind und die Charaktere verhalten sich ansonsten in aller Regel auch entsprechend ihres Alters, dennoch war das sehr verwirrend und nicht ganz nachvollziehbar. Andererseits ist das eben auch ein Jugendbuch und daher ist es verständlich, dass die ProtagonistInnen sich dann wieder in dem Alter ihrer Zielgruppe befinden.

Fazit: Durchgehend und von Anfang an sehr spannende Science Fiction-Story mit einem düsteren und nachvollziehbar erklärten Zukunftsszenario, aber auch mit utopischen Elementen. Die actionreiche Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von vier authentischen und sehr sympathischen ProtagonistInnen mit Stärken, Ängsten und Schwächen erzählt. Der Cliffhanger am Ende stimmt neugierig auf die Fortsetzungen, allerdings ist der Schluss dabei auch ein wenig hastig.

  • Cover
  • Geschichte
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.11.2019

Über Monster, Wunder, Mut und Freundschaft

Der Ozean am Ende der Straße
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Diese außergewöhnliche Geschichte wird eingerahmt durch die Handlung des Mannes, der sich an seine Kindheit erinnert, ehe wir dann genau dahinein wechseln. Der Protagonist, der ebendiese Geschichte aus ...

Diese außergewöhnliche Geschichte wird eingerahmt durch die Handlung des Mannes, der sich an seine Kindheit erinnert, ehe wir dann genau dahinein wechseln. Der Protagonist, der ebendiese Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, erhält nie ein Namen, was mir bis zu dem Interview mit dem Autor, das in meiner Ausgabe hinten abgedruckt ist, auch nicht aufgefallen war.

Das Genre des Buches ist vage Fantasy, allerdings alles andere als eine typische Geschichte. Der Protagonist ist sieben Jahre, liest gerne und es ist ein bisschen so, als würden Dinge, die man sich mit sieben Jahren vorstellt, real werden. Monster, Magie, aber auch Wunder und allerhand anderer übernatürlicher Phänomene.

Die Zielgruppe des Buches sind Erwachsene, denn obwohl der Protagonist ein Kind ist und vieles fast märchenhaft anmutet, ist die Atmosphäre doch auch sehr düster und viele angeschnittene Themen werden Kinder nicht unbedingt verstehen. Umgekehrt kritisiert das Buch gerade Erwachsene, nimmt die Position von Kindern ein und wendet sich gegen die Fantasielosigkeit und Härte der Erwachsenen.
Die Geschehnisse, die von Erwachsenen als übernatürlich klassifiziert werden würden, werden mit einer kindlichen Selbstverständlichkeit hingenommen. In diesem Buch scheint alles möglich zu sein, egal, wie sehr es gegen die Vernunft geht, und das fand ich unheimlich cool.

Ich hatte den Eindruck, dass der Protagonist sich absolut authentisch wie eben ein siebenjähriger Junge verhält. Dass er Angst hat, sich nicht traut, Dinge zu machen, trotzig wird, naiv ist, fordernd. Ohne dass ich das jemals als anstrengend empfunden hätte. Denn nichtsdestotrotz ist er beispielsweise eben auch sehr mutig.
Dabei lernen wir seine Familie nur aus seiner Sicht und damit auch nur in seinem Eindruck kennen - seine Schwester also vor allem als nervig und besserwissend, seinen Vater als streng und strafend, und so weiter, was super interessant ist.

Auf der anderen Seite haben wir Lettie Hempstock, ihre Mutter und ihre Urgroßmutter auf ihrer Farm, die für den Protagonisten zu einem Zufluchtsort voller kleiner Wunder und Perfektionen ist. Gerade die Freundschaft, die der Protagonist zu Lettie aufbaut, wird dabei als unkompliziert, aber auch sehr schön beschrieben.

Die Atmosphäre ist relativ düster, fast leicht unheimlich. Gleich zu Anfang wird es auch ein wenig trauriger, und generell tat mir der Protagonist wiederholt leid - letztendlich fieberte ich durchaus mit dieser Geschichte mit, die mich in ihren ganz eigenen Bann zog.

Fazit: Absolut außergewöhnliche Geschichte mit einer einnehmenden, düsteren Atmosphäre aus der Sicht eines authentisch dargestellten siebenjährigen Junge, in der alles möglich zu sein scheint - eine Geschichte über Monster, Magie und Wunder, über Mut und Freundschaft und ein bisschen auch über die Gegensätze zwischen Kindern und Erwachsenen.

Veröffentlicht am 24.10.2019

Eine poetische Geschichte, die eine toxische Freundschaft absolut gelungen darstellt

Dunkelgrün fast schwarz
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Das Buch handelt von einer toxischen Freundschaft, die hier meiner Meinung nach sehr gelungen dargestellt wird. Das macht das Buch auf keinen Fall zu einer leichten Lektüre, denn diese Abhängigkeit zu ...

Das Buch handelt von einer toxischen Freundschaft, die hier meiner Meinung nach sehr gelungen dargestellt wird. Das macht das Buch auf keinen Fall zu einer leichten Lektüre, denn diese Abhängigkeit zu verfolgen kann unangenehm sein, verzweifelt stimmen, Hass wecken und es manchmal schwer machen, weiterzulesen - und doch hing ich an den Seiten. Und doch zog mich die Geschichte in ihren ganz eigenen Bann.

Es gibt keinen wirklichen Spannungsbogen, stattdessen stellt dieses Buch vielmehr eine Collage aus Erinnerungen dar. Erinnerungen aus drei Sichten - der von Moritz, der von seiner Mutter Marie und der von Jo, der Freundin von Raf. Vor jeder Erinnerung steht zur Einordnung die Jahreszahl, dennoch erzählen alle im Präsens, was einem als LeserIn das Gefühl gibt, direkt dabei zu sein.
Zusammen ergeben sie nach und nach ein Bild der Freundschaft und der Ereignisse danach, und auch wenn einige Punkte erst am Ende enthüllt werden, besteht die Spannung eher darin, dass ich selbst in eine gewisse Abhängigkeit geriet und einen Blick auf diese toxische Freundschaft zu verschiedenen Zeiten hatte - mit der immer offenen Frage, ob Moritz sich in der Gegenwart endlich daraus lösen kann.

Rafs Sicht ist dabei nicht vertreten, aber ich persönlich finde, dass dies die Chemie dieses Buch ein stückweit kaputtgemacht hätte. Alle ProtagonistInnen scheitern in gewisser Weise daran, ihn zu verstehen, hinter seine Fassade zu blicken. Sie verklären ihn mal, sie hassen ihn, sie unterliegen seinem Bann - und als LeserIn weiß man ebenso wenig, was Rafs Intentionen sind, was diese Magie, die er auf andere ausübt, wirklicher werden lässt.

Und oh, ich habe Raf gehasst. Und gleichzeitig war ich unglaublich fasziniert von ihm.
Raffael ist schon als Kind gewalttätig und manipulativ. Gleichzeitig zieht er alle in einen Charme. Er kommt aus einem reichen Elternhaus, und in gewisser Weise erkennt man sein Verhalten in seinen Eltern wieder, vor allem in seinem gutaussehenden, charmanten und reichen Vater, ganz so, wie er es später auch ist. Denen die weiblichen Herzen zufliegen, die alles bekommen, was sie wollen und sich dessen vollends bewusst sind. Arrogant, selbstbewusst und vor allem auch selbstsicher.
Die ganze Zeit über strahlt Raf Überlegenheit aus, die nie wirklich gebrochen wird. Er scheint die ganze Zeit mit einem amüsierten Lächeln auf die Welt zu blicken, als würde er sich über sie lustig machen.

Raf kontrolliert, er manipuliert, und Moritz fügt sich. Moritz ist unheimlich passiv, lässt sich mitziehen, macht alles mit, und genau hier zeigt sich das Toxische, wenn er sich nicht daraus lösen kann. Und als Leserin verspürte ich Verzweiflung angesichts dieser Unentrinnbarkeit.
Moritz ist zurückhaltend, ruhig, man merkt, dass er ein gutes Herz hat, und umso mehr frustriert es, dass es auch in der Gegenwart so wirkt, als würde er sich wieder protestlos in Rafs Fänge geben und zusehen, wie Raf sein Leben zerstört.

Aber auch Marie habe ich als relativ passiv wahrgenommen und mich oft gefragt, inwieweit sie etwas hätte tun können, diese Abhängigkeit verhindern können. Sie trifft Entscheidungen, die sie nicht unbedingt sympathisch machen, und doch wirkt sie vor allem verloren.
Sie zieht nach Hallein bei Salzburg, wo der Großteil der Handlung spielt, einem Ort, aus dem auch die Autorin kommt, was sich in einigen österreichischen Ausdrücken bemerkbar macht, die dem Buch einen authentischen Charme geben.
Nachdem sie unerwartet schwanger wird, macht Marie nichts aus ihrem Studium, sondern heiratet den Vater und zieht in den ländlichen Ort, den sie nicht kennt, um die Kinder großzuziehen. Und somit ist sie selbst erst Mitte 20, plötzlich mit Verantwortungen konfrontiert, die sie nicht erwartet hatte, gefangen in einem Leben, das ihr die ungewollte Schwangerschaft aufgezwungen hat. Somit empfand ich immer wieder doch auch Mitleid für sie. Gleichzeitig bietet sie eine Außenperspektive auf die Freundschaft während der Kindheit und ihre eigene Machtlosigkeit.

"Dunkelgrün fast schwarz" zeichnet sich dabei auch durch den herausragenden Schreibstil aus, der sehr poetisch ist, was ich persönlich sehr gerne mochte. Hinzu kommt, dass Moritz Synästhetiker ist und Farben sieht, was seiner Erzählweise eine zusätzliche Ebene verleiht.
Doch neben der Poesie mutet das Buch oft auch derb an. Die Erwachsenen haben oft Sex, selten zärtlich. Im Kontrast dazu steht die doch sehr liebevolle Beziehung zwischen Kristin und Moritz, oder die partnerschaftliche zwischen Alexander und Marie.
Auch Jo ist ein sehr ambivalenter Charakter. Sie leidet unter Essstörungen, ist zynisch, verbittert und gleichzeitig ebenfalls absolut abhängig von Raf.

Das Buch überraschte mich mit einem runden Abschluss, nach dem man mit bitterem Nachgeschmack und einer Vielzahl an Gefühlen zurückbleibt. Vor allem aber werden diese toxische Freundschaft und Rafs Manipulation so nachvollziehbar und ausweichlich dargestellt, dass man als LeserIn die Abhängigkeit intensiv spürt, sie verabscheut, einen Ausweg wünscht und doch selbst irgendwie davon gefangen wird.

Fazit: Unheimlich gut geschriebene Geschichte einer toxischen Freundschaft, die die Abhängigkeit nachvollziehbar werden lässt. Verschiedene Sichten bilden eine Collage aus den verschiedenen Momenten und konstruieren so ein Bild dieser Freundschaft zwischen dem charmanten, immer kontrollierenden und manipulativen Raf und dem von ihm abhängigen Moritz. Der poetische Schreibstil trägt seinen Teil dazu bei, den/die LeserIn in den Bann zu ziehen, von dieser oft düsteren und manchmal derben Geschichte, die einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.