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Veröffentlicht am 04.10.2024

Schöne Zeit …. und wie Arnold seine Gefühle verdrängt

Schöne Zeit
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Der Klapptext klang interessant, insbesondere die brisante Frage, ob man in Beziehungsangelegenheiten seiner inneren Stimme oder seinem Verstand vertrauen soll?

Das Buch handelt von Arnold, einem charakterschwachen ...

Der Klapptext klang interessant, insbesondere die brisante Frage, ob man in Beziehungsangelegenheiten seiner inneren Stimme oder seinem Verstand vertrauen soll?

Das Buch handelt von Arnold, einem charakterschwachen Langzeitstudenten, seinen Liebschaften und seinen Gefühlen, welchen er überwiegend keinen Raum gibt. Das Buch ist sehr tiefgründig. Denn Arnold hat weitgehend ein negatives Selbstbild und fokussiert sich oft auf die Dinge, die er weniger gut kann. Hinzu kommen einen ordentliche Portion Sarkasmus und die Unfähigkeit, seine Gefühle zu erkennen und zuzulassen. Er weiß nicht wirklich was er will bzw. glaubt, vieles nicht zu verdienen – als sei es für ihn einfach nicht bestimmt. Das wiederum führt dazu, dass er Chancen, die das Leben im bietet, nicht annimmt und Gutes/Neues nicht geschehen lässt.

Leider wird meiner Meinung nach kein richtiger Spannungsbogen aufgebaut. Die Geschichte plätschert vor sich hin. Man durchläuft als Leser die Stationen von Arnolds Erwachsenenleben. Da Arnold auch wenig für sich mitnimmt und sein Charakter keine wirkliche Entwicklung vollzieht, ist es auch ein wenig schwieriger, mit ihm mitzufühlen.

Arnold als Protagonist ist dennoch eine spannende Wahl, da es sich hier um einen grundsätzlich schwachen Charakter handelt. Dabei möchte ich betonen, dass Bücher über starke Charaktere bzw. Charaktere, die die klassische Entwicklung von vermeintlich schwach zu vermeintlich stark durchlaufen, schon zur Genüge geschrieben wurden. Seine Schwäche macht den Protagonisten aber auch gleichzeitig schwerer greifbar und mithin seine Handlungen nicht immer nachvollziehbar.

Die Geschichte wird aus der allwissenden Erzählperspektive geschildert. Im Fokus dessen steht überwiegend Arnold. Sprachlich setzt sich der Text aus langkettigen, stark verschachtelten Sätzen zusammen. Dabei ist die Wortwahl selbst eher nüchterner Natur, wirkt aber durch die langen Schachtelsätze fast schon verspielt.

Abschließend lässt sich sagen, dass es sich um einen sehr tiefgründigen, aber tlw. auch eintönigen Roman. Das Schönste am Buch ist für mich die sprachliche Vielfalt und der Schreibstil an sich sowie die Entscheidung für einen charakterschwachen Protagonisten.

Würde ich das Buch weiterempfehlen: Jein. Wer es liest, sollte einen Faible für sprachliche Raffinesse und tiefgründige Handlung zwischen den Zeilen haben. Jeder, der sich nach einer aufregenden, gar reißerischen Geschichte sehnt, sollte lieber ein anderes Buch wählen.

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Veröffentlicht am 02.10.2024

Wunderschöner, klassischer Kriminalroman, der besonders durch seine vielschichtige Handlung und liebenswürdige Ermittler hervorsticht.

Falsche Masken
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Die Handlung lässt sich grob zusammenfassen. Eine Schauspielerin gesteht im TV einen Mord. Das Ermittlerteam, bestehend aus dem Privatdetektiv Edgar und seiner Assistentin, der Schauspielschülerin Toni, ...

Die Handlung lässt sich grob zusammenfassen. Eine Schauspielerin gesteht im TV einen Mord. Das Ermittlerteam, bestehend aus dem Privatdetektiv Edgar und seiner Assistentin, der Schauspielschülerin Toni, wird über Umwege auf den Fall aufmerksam und engagiert.

Achtung: Das Buch ist Teil 3 von einer Buchreihe. Ich kannte die ersten beiden Bücher nicht und habe direkt mit dem Teil 3 begonnen. Das war ohne weiteres möglich, auch wenn mich nun natürlich die ersten beiden Bände reizen. Bestellt sind sie schon 😉.

Der Krimi an sich ist ein klassischer Krimi. Vom Aufbau her und auch vom Ablauf. Was das ganze aber doch besonders macht ist die Vielschichtigkeit der Handlung. Es gibt diverse kleine und große Nebenstränge, die alle immer wieder aufgegriffen werden – aber alles in einem sehr angenehmen Maß. Es macht die Geschichte nicht chaotisch, sondern scheint ihr viel mehr Tiefe und Facettenreichtum zu geben.

In dem Buch geht es natürlich auch um den persönlichen Hintergrund von Edgar und Toni. Aber auch das ist mir eher positiv in Erinnerung geblieben. Das lag aber besonders an den angenehmen Charakteren. Hier ein großes Kompliment an die Autorin!

Die Geschichte wird aus der allwissenden Erzählperspektive geschildert. Die Charaktere, welche hierbei im Zentrum der Handlung stehen, sind Edgar und Toni. Sprachlich ist alles wirklich gut zu lesen. Besonders gefällt mir hierbei auch die Qualität des Buches, da die Seiten eine angenehme Stärke aufweisen.

Abschließend lässt sich sagen, dass es sich um einen sehr vielschichtigen und facettenreichen Kriminalroman handelt, der besonders durch eine abwechslungsreiche Handlung und seine bunten Charaktere besticht. Ich habe während des Lesens viele Vermutungen angestellt, wer wie und warum der Täter sein könnte – ich lag falsch. Das Buch bleibt spannend bis zum Ende und ist von zahlreichen unerwarteten Wendungen geprägt.

Das Buch würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen, für alle, die sich nach einem klassischen, spannenden und vor allem vielschichtigen Krimi in der Schauspielbranche sehnen.

Auch würde ich es als Buch klassifizieren, dass man auf jeden Fall ein zweites Mal in seinem Leben lesen wird. Für mich stehen jetzt aber erstmal Teil 1 und Teil 2 auf der Leseliste.

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Veröffentlicht am 29.09.2024

Die Liebe zweier Gegensätze als Schlüssel zum Glück

Just Some Stupid Love Story - Die Wette mit dem Ex
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Das Buch erzählt von Molly und Seth, zwei Gegensätzen (Grumpy & Sunshine) deren Wege sich immer wieder kreuzen. Es ist bis zu einem gewissen Grad eine klassische RomCom mit verschiedenen, teils skurrilen ...

Das Buch erzählt von Molly und Seth, zwei Gegensätzen (Grumpy & Sunshine) deren Wege sich immer wieder kreuzen. Es ist bis zu einem gewissen Grad eine klassische RomCom mit verschiedenen, teils skurrilen Szenen. Der Klapptext fasst die Handlung schon sehr gut zusammen. Die Message ist ganz klar: Wahre Liebe / Seelenverwandtschaft findet zusammen und überwindet jedes Problem und jeden Fehler.

Kommentare, dass sich das Buch ziehen würde oder das es zu viele Sexszenen gibt, kann ich von meiner Seite aus nicht bestätigten. Man bleibt gerne am Ball, Fakt ist aber auch, dass man jetzt nicht wahnsinnig gefesselt wird. Es liest sich gut nebenher, aber die Momente des absoluten Eintauchens, Mitfühlens und Fesselns fehlen ein bisschen bzw. sind rar gesät.

Molly ist ein sehr schwieriger Charakter, zu dem man als Leser nicht sofort Zugang bekommt. Dadurch, dass sie meiner Meinung nach ab der ersten Begegnung mit Seth zum Klassentreffen beginnt, eine Entwicklung durch zu machen und wir erst Stück für Stück mehr über sie und ihren Hintergrund erfahren, wird die Nachvollziehbarkeit ihrer Handlungen erst im Laufe der Geschichte verständlicher. Besonders im ersten Drittel fragt man sich häufig: Warum macht sie das? Und warum rennt Seth ihr hinterher, wo sie sich doch teilweise unmöglich verhält? Ab dem zweiten Drittel wird es jedoch deutlich besser, bis man im letzten Drittel ganz bei ihr ist.

Die Geschichte wird aus der Ich-Erzählperspektive von Molly und Seth geschildert. Sprachlich ist das Buch auch schön zu lesen. Es eignet sich sprachlich sehr gut dazu, das Buch zu suchten.

Alles in allem handelt es sich bei „Just Some Stupid Love Story“ um eine interessante RomCom mit leicht unkonventioneller Rollenverteilung. Das Ende war absehbar und doch war man gespannt, ob sich die eigene Vermutung der Ausgestaltung auch tatsächlich so zutragen wird.

Aber ist es denn jetzt eine klare Leseempfehlung? Jein. Also meiner Meinung nach ist dieses Buch kein absolutes Muss, da man Geschichten wie diese auch in vielen anderen Büchern in leicht abgehandelter Form findet. Aber: Sollte man sich doch für dieses Buch entscheiden, wird man seine Zeit auch nicht verschwenden, denn die Geschichte selbst ist doch wieder ein wenig anders hinsichtlich Handlung, Setting, Charaktere, … Für mich ist es ein Buch, dass durchschnittlich bis leicht überdurchschnittlich ist.

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Veröffentlicht am 21.09.2024

Digitale Kriminalität - aus Sicht einer sehr mitfühlenden Staatsanwältin

Digital. Kriminell. Menschlich.
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Die ersten Kapitel ermöglichen einen leichten Einstieg in das Thema. Die Autorin gibt einen realitätsnahen Eindruck von ihrem neuen Job als Staatsanwältin mit Cyber-Spezialisierung. Besonders gut gefiel ...

Die ersten Kapitel ermöglichen einen leichten Einstieg in das Thema. Die Autorin gibt einen realitätsnahen Eindruck von ihrem neuen Job als Staatsanwältin mit Cyber-Spezialisierung. Besonders gut gefiel mir auch, dass sie nicht nur für ihren eigenen Job sensibilisiert, sondern auch die wichtige Rolle ihrer Kollegen - Ermittler, Cyberanalysten, IT-Forscher & Co - hervorhebt. Sie beschreibt auch sehr detailliert die Schwierigkeiten, die mit dem Beruf des Staatsanwaltes einhergehen.

Besonders berührt hat mich das Kapitel 9, in welchem Fehler der Staatsmacht im Fokus stehen. Dabei fand ich folgende Stelle bewegend und aussagekräftig:

"Ich habe noch keine Person kennengelernt, die gerne Fehler macht. Aber unzählige Menschen, die eine höllische Angst vor ihnen haben. Unsere gemeinsame, kollektive Angst vor Fehlern, die uns entzweit. Obwohl sie uns alle verbindet." (S. 138)

Kleiner Kritikpunkt: Zwar wurde versucht, die einzelnen, der Autorin wichtige Punkte thematisch in 14 Kapitel zzgl. Plädoyer einzuteilen. Jedoch entsteht durch die dennoch vorhandenen Gedankensprünge zwischen, aber teilweise auch innerhalb der einzelnen Kapitel der Eindruck des fehlenden roten Fadens sowie der oberflächlichen Abhandlung. Fachwissen wird hier leider nicht, wie für „das klassische Sachbuch“ üblich aufgearbeitet und zusammengestellt, sondern mit oder anhand von Fallbeispielen veranschaulicht. Es wird zwar ein grober Überblick gegeben, einzelne Fachbegriffe werden auch nähergehend erläutert, aber es fehlt an der „klassischen“ Wissensvermittlung. Dabei sollte man sich jedoch auch fragen: Wie tief und ausführlich kann und muss eine Staatsanwältin das Thema Kriminalität in der digitalen Welt behandeln, damit es für den Laien (wie mich) noch nachvollziehbar, verständlich und auch interessant bleibt?

Sprachlich verwendet die Autorin eine sehr sachliche, tlw. fachspezifische Ausdrucksweise. Dabei fällt jedoch auch auf, dass es sich tlw. um sehr lange Schachtelsätze handelt. Dadurch liest es sich stellenweise etwas sperrig und es bedarf mehr Aufmerksamkeit bei lesen (also eher nichts für abends im Bett schmökern). Die Kapitel können grundsätzlich unabhängig voneinander gelesen werden, jedoch empfiehlt sich das Lesen in der vorgesehenen chronologischen Reihenfolge.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Buch meiner Meinung nach einen gelungenen Überblick über die Kriminalität im digitalen Zeitalter und den Umgang damit aus Staatssicht gibt. Dabei lernt man häufig auch die persönlichen Gedanken und Ansichten der Autorin kennen. Sie bringt sehr viel Mitgefühl und Empathie für alle bei der Tat und später beim Prozess beteiligten Personen auf. Das gefiel mir besonders gut.

Das Buch würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen, für alle, die sich auch mal in die Sicht des Staates bzw. die einer Staatsanwältin begeben wollen, wenn es um den Umgang mit digitaler Kriminalität geht. Ein klassisches Sachbuch darf man nicht erwarten, dafür aber einen sehr persönlichen Einblick der Autorin auf das Buchthema mit einigen Fallbeispielen.

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Veröffentlicht am 14.09.2024

Torstraße 94 - ein Nachbar auf Mission

Torstraße 94
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Die Idee, ein Buch über eine Mietergemeinschaft zu erstellen, die alle im selben Haus gewohnt haben, fand ich klasse. Dennoch war hier bei der Umsetzung der Idee alles möglich. Umso mehr freue ich mich, ...

Die Idee, ein Buch über eine Mietergemeinschaft zu erstellen, die alle im selben Haus gewohnt haben, fand ich klasse. Dennoch war hier bei der Umsetzung der Idee alles möglich. Umso mehr freue ich mich, dass der Autor das alles sehr spannend und unterhaltsam gestaltet hat.

Der Autor erzählt im Buch die Geschichten seiner Nachbarn. Wobei Nachbarn als Begriff hier etwas weiter gefasst wird, da es sich auch um Menschen handelt, die nie zeitgleich, aber zumindest doch irgendwann mal zusammen im Mehrfamilienhaus der titelgebenden Torstraße 94 gewohnt haben. Schön finde ich dabei, dass der Autor sehr menschennah berichtet. Die Geschichten werden in einer angenehmen Länge dargestellt, sie greifen sogar teilweise ineinander. Gleichzeitigweiß der Autor elegant Verbindungen unter den Nachbarn herzustellen.

Dabei hätten für mich die Geschichten auch doppelt so lang sein können. Das ist auch schon mein einziger Kritikpunkt, dass der ein oder anderen Erzählung ein wenig mehr Tiefe und Ausführlichkeit gut gestanden hätte. Aber alles in allem wurden die Geschichten spannend und auf den Punkt gut zusammengestellt. Langeweile kam definitiv nicht auf.

Die Geschichte wird aus der Ich-Erzählperspektive geschildert. Der Autor agiert dabei als er selbst.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Recherchearbeit sich wirklich gelohnt hat. Es liest sich schnell und flüssig, ist interessant und mit zahlreichen Bildern anschaulich gestaltet und man kann es tatsächlich nur schwer wieder aus der Hand legen.

Das Buch würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen, für alle, die ebenfalls ein gewisses Interesse für die Buchidee, vielleicht sogar einen Berliner Background haben.

Auch würde ich es als Buch klassifizieren, dass man auf jeden Fall ein zweites Mal in seinem Leben lesen kann.

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