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Veröffentlicht am 08.06.2025

Ein optimistischer Ausblick auf einen Neuanfang nach dem Klimakollaps

In einem Land nach unserer Zeit - Teil 2: Die Reisende
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Ragin ist aus ihrem 500jährigen Kälteschlaf erwacht und ihre Erinnerungen kommen allmählich zurück. Doch sie kann die neu entstandene Welt nicht in Ruhe kennenlernen, denn Roger, Überlebenden einer entfernten ...

Ragin ist aus ihrem 500jährigen Kälteschlaf erwacht und ihre Erinnerungen kommen allmählich zurück. Doch sie kann die neu entstandene Welt nicht in Ruhe kennenlernen, denn Roger, Überlebenden einer entfernten Station, benötigt ihre Hilfe und so macht sich Ragin im vorliegenden zweiten Teil von „In einem Land nach unserer Zeit“ auf den Weg.

Große Freude macht ihr unterwegs die Natur, die sich, auch dank der Vorbereitungen durch die Station, erholt hat und die Ragin so voller Leben bisher nie erlebt hat. Ihre Begegnung mit anderen Menschen finde ich von Beginn an spannend, mit Ragin zusammen erfahre ich, wohin sich das Zusammenleben in den 500 Jahren seit der Klimakatastrophe entwickelt hat, was für Gemeinschaften entstanden sind und welche Regeln aufgestellt wurden.

Die Figurenzeichnung der Menschen, die Ragin kennenlernt, ist vielschichtig und glaubhaft, ebenso die Erwähnung der technischen Voraussetzungen, auf die die Überlebenden aufbauen konnten und die auf heute üblichen Gegebenheiten beruhen, also durchaus im Rahmen des Möglichen liegen.

Es ist schön, Ragins Veränderung zu verfolgen, ihre Katze Alice ist ihr oft ein Beispiel und die Begegnungen mit anderen Bewohnern, deren Offenheit, Wissen und Erfahrungen helfen ihr, sich vieles bewusst zu werden, Verständnis und Selbstsicherheit zu entwickeln. 'Die Reisende' ist ohne Kenntnis des ersten Bands gut zu lesen, dennoch empfehle ich auch 'Die Erwachte', um Ragins erstes, zaghaftes Ankommen in dieser neuen Welt mit zu erleben.

Anette Schaumlöffel schreibt klar, lebendig und humorvoll. Sie bringt ungewöhnliche Ideen in ihre Geschichte ein, deren ansteckender Optimismus mich etwas zuversichtlicher auf die menschliche Zukunft blicken lässt.
Eine Zeichnung der Gebiete, die Ragin bereist und ein Glossar am Ende des Buchs vervollständigen die Geschichte.
Ich freue mich auf den letzten Teil der Trilogie, der mit dem Titel „Die Kämpferin“ wieder Spannung verspricht.

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Veröffentlicht am 31.05.2025

Sehr spannend und mit vielen überraschenden Wendungen

Locked in
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Als der Heidelberger Kommissar Maertens endlich eine Spur zum Entführer mehrerer Menschen findet, kommt es beim Versuch, ihn fest zu setzen, zu einem Unfall und der Verdächtige fällt in ein Wachkoma. Um ...

Als der Heidelberger Kommissar Maertens endlich eine Spur zum Entführer mehrerer Menschen findet, kommt es beim Versuch, ihn fest zu setzen, zu einem Unfall und der Verdächtige fällt in ein Wachkoma. Um das Versteck der Entführten zu finden, wendet sich Maertens an den Neurologen Theo Linde, der eine umstrittene Methode entwickelt hat, die Gedanken von Komapatienten zu lesen.

Aus den abwechselnden Ich-Perspektiven Maertens, Lindes und eines gequälten Entführungsopfers erzählt Henri Faber die temporeiche spannende Geschichte, die mich von Beginn an fesselt. Maertens Selbstironie und Lindes skurrile Selbstbeobachtung versprechen interessante Charaktere, der Autor schreibt ausdrucksstark, bildhaft, humorvoll und stellt ungewöhnliche Vergleiche an. Besonders Maertens Gedanken und Erinnerungen sind teilweise berührend, an anderen Stellen sind seine inneren Monologe ausgesprochen unterhaltsam, wie auch manche Gespräche, die er führt. Aber auch Lindes Hintergrund und seine Beweggründe haben mich erstaunt.

Die Protagonisten erweisen sich im Verlauf der Geschichte als unvorhersehbar, tiefgründig und besonders und haben mich ebenso überrascht wie die vielen Wendungen der Handlung, die einen Haken nach dem anderen schlägt. Der Autor legt jede Menge falscher Fährten, schafft komplexe Zusammenhänge und präsentiert eine schlüssige Auflösung des bis zum Ende spannenden Thrillers. Dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, trägt zu der Gänsehaut bei, die diese großartige Fiktion bei mir erzeugt. Entgegen der Ankündigung des Autors hoffe ich doch sehr auf die Veröffentlichung weiterer außergewöhnlicher Bücher Henri Fabers!

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Veröffentlicht am 30.05.2025

Loslassen

Ocean – Gefangen im Blau
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Die engagierte Lehrerin Helen überlebt einen Bombenanschlag durch die Hilfe eines Unbekannten, erleidet dabei dennoch einen großen Verlust. Vorher hat Helen sich sehr über ihre Ehe identifiziert, was im ...

Die engagierte Lehrerin Helen überlebt einen Bombenanschlag durch die Hilfe eines Unbekannten, erleidet dabei dennoch einen großen Verlust. Vorher hat Helen sich sehr über ihre Ehe identifiziert, was im Prolog deutlich wird, aber nun ist sie sich selbst entfremdet und ihrem eigenen Leben, nur die ständigen Gedanken an James, den Unbekannten, von dem sie nur den Namen weiß, und der Wunsch, ihn zu finden, halten sie aufrecht. Um die Familie und die Beziehung zueinander zu retten, kommt Helens Mann Frank auf die Idee, mit der Yacht Innisfree, auf der sie sich kennen und lieben lernten und glücklich waren, eine Reise über den Atlantik zu unternehmen.
Erzählt wird aus Helens Ich-Perspektive, wodurch ich ihr Leid und ihre Verzweiflung unmittelbar mit erlebe. Ihre Gefühle haben mich sehr berührt und betroffen gemacht, wiederholt musste ich beim Lesen eine Pause einlegen. Polly Clark schreibt einfühlsam, eindringlich und emotional, Helens Veränderung ist schmerzhaft und quälend, dabei durchaus glaubwürdig, und auch die Figurenzeichnung der anderen Charaktere um Helen überzeugt, sie sind lebensnah und vielschichtig.

Die Reise auf der Innisfree beginnt etwa ab der Hälfte des Buchs. Zu Helens Kampf um Heilung kommen die Herausforderungen des Segelns auf dem Ozean und die Konflikte des Zusammenlebens mit Frank, dem gemeinsamen Sohn Nicholas und der Pflegetochter Sindi auf engstem Raum. Der packende und bildhafte Schreibstil der Autorin hat mich praktisch mit auf die Yacht versetzt, wo ich die Ereignisse fasziniert verfolge. Die Gefahren durch die Elemente verlangen Helen das Äußerste ab und die dramatische Geschichte bleibt spannend bis zum Schluss. Da wird die Frage, ob Helen irgendwann loslassen kann und bereit für Neues ist, fast zur Nebensache.

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Spannend und wendungsreich

Die gute Tat
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Franka Erdmann und Alpay Eloğlu vom LKA Hamburg haben es in ihrem vierten Fall mit einer Wasserleiche zu tun. Bei den Ermittlungen stoßen sie auf eine Reihe von Vermissten, die sich ehrenamtlich engagiert ...

Franka Erdmann und Alpay Eloğlu vom LKA Hamburg haben es in ihrem vierten Fall mit einer Wasserleiche zu tun. Bei den Ermittlungen stoßen sie auf eine Reihe von Vermissten, die sich ehrenamtlich engagiert hatten, ist das ihre Gemeinsamkeit?

Besonderen Spaß macht an dieser Reihe die Entwicklung des Verhältnisses der beiden Protagonisten. Trotz des großen Altersunterschiedes und der gegensätzlichen Persönlichkeiten ergänzen und schätzen sich Franka und Alpay, sie sind ein gutes Team. Nach dem plötzlichen Tod ihres Chefs stehen Veränderungen in der Abteilung an, über die auch Franka sich Gedanken macht. Sie ist sehr zufrieden mit Alpays Entwicklung in den vergangenen drei Jahren und kann ihm auch mal die Führung bei den Untersuchungen überlassen, was ihr nicht ganz leicht fällt, sie aber entlastet und ihr so auch gut tut. Die komplexe Ermittlungsarbeit erscheint mir authentisch beschrieben und es wird auch klar, dass ein derart vielschichtiger Fall den engagierten Kommissaren kaum eine Atempause lässt, bis die Puzzleteilchen endlich an die richtige Stelle fallen und das Rätsel gelöst ist.

Nicht nur die Figurenzeichnung der Ermittler überzeugt, auch die Opfer, deren Angehörige und die Täterperson werden glaubwürdig und eindringlich beschrieben. Hubertus Borck legt einige falsche Fährten, denen ich mehr oder weniger gefolgt bin und die mich über die Identität des Täters rätseln ließen.

Der Schreibstil ist klar, lebendig und angenehm zu lesen, erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven und auf zwei Zeitebenen, wobei der Zusammenhang vorerst unklar bleibt. Der Autor hat gut recherchiert, vermittelt Hamburger Lokalkolorit und bindet auch Gesellschaftskritik in die Geschichte ein. 'Die gute Tat' ist bis zum Ende spannend, fesselnd und wendungsreich. Auch dieser vierte Teil der Reihe hat mich sehr gut unterhalten und ich freue mich auf eine Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 22.05.2025

Berührende und warmherzige Geschichte um Bücher und das Lesen

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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'Die geheime Sehnsucht der Bücher' ist für mich ein sehr bereicherndes Buch. Nina George schreibt humorvoll, bildhaft und poetisch, manchmal auch philosophisch. Sie ist sprachgewandt, erschafft neue Wörter, ...

'Die geheime Sehnsucht der Bücher' ist für mich ein sehr bereicherndes Buch. Nina George schreibt humorvoll, bildhaft und poetisch, manchmal auch philosophisch. Sie ist sprachgewandt, erschafft neue Wörter, deren Bedeutung sich mir beim Lesen mühelos erschließt und die Spaß machen. Viele Lebensweisheiten, auch in Bezug auf Bücher, lassen mich innehalten, das Gelesene reflektieren und mich daran erfreuen.

Die fein gezeichneten Charaktere sind komplex, glaubwürdig und berühren, vor allem die knapp 12jährige Françoise, die mit ihrer psychisch instabilen Mutter praktisch die Rollen getauscht hat, aber auch die junge empathische Pauline mit ihrer Menschenkenntnis, die bei Jean Perdu in die Lehre geht und Monsieur Perdu selbst, der immer die richtigen Worte findet, seinem Gegenüber hilft, Lösungswege zu erkennen, und der in der Lage ist, Bücher und Menschen zum richtigen Zeitpunkt zusammen zu bringen, sind liebenswerte Figuren.
Perdus Bücherschiff, seine literarische Apotheke, gibt Impulse und stößt Dinge an, hier entsteht ein Livestream über Bücher für Kinder und Jugendliche, der hohe Wellen schlägt, und hier findet eine wunderschön beschriebene Geburtstagsfeier für Pauline statt mit allen, die sie liebt und die ihr wichtig sind.

Die Verweise auf andere Bücher wirken wie Leseempfehlungen, die neugierig machen. Das Pariser Flair bringt die Autorin gut zur Geltung, was sich im passenden Cover wiederfindet, das ich farblich ebenfalls sehr gelungen finde. Die Geschichte wird abwechslungsreich aus den verschiedenen Perspektiven der Hauptcharaktere erzählt und vermittelt viele kluge Ansichten und Sprüche, spendet Trost und macht Mut. Die Liebe zu Büchern ist genau so Thema wie Freundschaft, Trauer, (Selbst-)Vertrauen und Liebe. Auch Gesellschaftskritik bindet die Autorin in die Geschichte ein, ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Hinweise auf Perdus Vergangenheit machen Lust auf die Vorgängerbände, die ich noch nicht kenne, aber auch 'Die geheime Sehnsucht der Bücher' werde ich mit Sicherheit wieder lesen, um alle Feinheiten dieser emotionalen Geschichte zu erfassen. Ich kann das Buch allen, die Bücher lieben, empfehlen.

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