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Veröffentlicht am 26.02.2025

Eine bewegende Lebens- und Liebesgeschichte

Für Polina
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Hannes hat eine wunderbare Kindheit in der Villa im Moor, oft kommt Polina mit ihrer Mutter zu Besuch. Die Kinder wurden am gleichen Tag geboren und seitdem sind auch die beiden unkonventionellen Mütter ...

Hannes hat eine wunderbare Kindheit in der Villa im Moor, oft kommt Polina mit ihrer Mutter zu Besuch. Die Kinder wurden am gleichen Tag geboren und seitdem sind auch die beiden unkonventionellen Mütter befreundet. Polina ist quirlig und an allem interessiert, während Hannes vorsichtig in die Welt hinein lauscht und vom Hören fasziniert ist, nach außen hin erscheint er ruhig und schwerfällig. Hannes kann nicht anders, als Menschen und Gefühle in Musik zu übersetzen und so komponiert er mit 14 eine Sonate für Polina, die nicht nur seine Liebe zu ihr ausdrückt, sondern ihr ganzes Wesen beschreibt.
Doch als Hannes' Mutter stirbt, muss Hannes das Moor verlassen, auch die Musik und Polina verschwinden aus Hannes Leben. Seine Trauer um die Mutter lähmt ihn jahrelang, bis er beschließt, Polina wieder zu finden.

Takis Würger schreibt lebendig, klar und nüchtern, dennoch sehr einfühlsam. Seine Figuren haben Ecken und Kanten und haben alle ihr Päckchen zu tragen. Die Charaktere sind vielschichtig, authentisch und berühren. Ich habe mich für Hannes gefreut, dass er in der Kindheit den knorrigen Herrn Hildebrand an seiner Seite und später im starken Kollegen Bosch einen guten Freund gefunden hat. Auch die Nebenfiguren sind glaubwürdig und interessant. Der Autor ist seinen Charakteren zugewandt und es gelingt ihm, den Leser in diese Nähe einzubeziehen.
Takis Würger erschafft wunderschöne, intensive, auch humorvolle Bilder, wenn er Hannes Leben beschreibt und auch, was ich über klassische Musik und den Klavierbau erfahre, habe ich gern gelesen.
'Für Polina' mit dem Diogenes-typischen, passenden Cover ist eine mitreißende und bewegende Lebens- und Liebesgeschichte und hat mir sehr gut gefallen. Ich empfehle das Buch Lesern mit Interesse an einer ungewöhnlichen Lebensgeschichte und an Musik.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2025

Spannend und unterhaltsam

Enna Andersen und die dunklen Tage
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Zusammen mit dem neuen Kollegen Zinar Kawli lerne ich das Oldenburger Cold Case Team um Enna Andersen kennen. Der neue Fall dreht sich um Lea Zech, die vor fünf Jahren am Strand von Spiekeroog gefunden ...

Zusammen mit dem neuen Kollegen Zinar Kawli lerne ich das Oldenburger Cold Case Team um Enna Andersen kennen. Der neue Fall dreht sich um Lea Zech, die vor fünf Jahren am Strand von Spiekeroog gefunden wurde, getötet durch ein Schlangengift. Das Team findet nichts, wo man einhaken könnte und beschließt, den ganzen Fall neu aufzurollen. Zeugen werden erneut befragt und Leas Hintergrund umfassend durchleuchtet. Und dann ergibt sich ein ganz neuer Ermittlungsansatz.

Ich habe noch keinen Band der Reihe gelesen, hatte aber keine Schwierigkeiten, mich zurecht zu finden. Die Beschreibung des gut aufeinander abgestimmten Teams, die Zusammenarbeit und Erörterungen in der Gruppe haben es mir leicht gemacht, mir die Charaktere vorzustellen. Auch Szenen aus dem Privatleben der Ermittler schaffen Nähe zu den Figuren.
Ich halte die Darstellung der Arbeit an alten, bisher ungelösten Fällen für realistisch, mir hat die Vorgehensweise des Teams gut gefallen, die volle Konzentration auf den Fall und das Ausschöpfen aller Möglichkeiten, wobei Jens offensichtlich ein Recherche- und IT-Profi ist. Die Ermittlungen sind mühsam und kleinteilig, es gibt falsche Rückschlüsse und überraschende Wendungen. Enna leitet ihr Team kompetent und zugewandt, sie weiß, wie wichtig Kollegen und Familie als Gegengewicht zu Gewalt und Tod sind, mit denen Ermittler bei der Arbeit konfrontiert sind.

Anna Johannsens Schreibstil ist klar und lebendig, sehr angenehm zu lesen.
Das atmosphärische Cover und der Titel, dessen Bedeutung sich im Laufe des Buchs erschließt, passen zur Geschichte. Mich hat der Krimi nicht nur sehr gut unterhalten, sondern auch meinen Horizont erweitert.

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 16.02.2025

Spannende Geschichte mit ungewöhnlicher Protagonistin

The Florist
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Amy Mackenzie hat Erfolg mit ihrem Luxus-Blumengeschäft, aber sie ist ehrgeizig und wünscht sich noch zahlungskräftigere Kunden. Als James Elliott, ein erfolgreicher Architekt, sie mit dem Blumenschmuck ...

Amy Mackenzie hat Erfolg mit ihrem Luxus-Blumengeschäft, aber sie ist ehrgeizig und wünscht sich noch zahlungskräftigere Kunden. Als James Elliott, ein erfolgreicher Architekt, sie mit dem Blumenschmuck für die Überraschungsgeburtstagsfeier für seine Schwägerin Izzy beauftragt, die in seinem prächtigen Haus stattfinden wird, hofft Amy, ihrem Ziel ein weiteres Stück näher zu kommen.
Amy informiert sich im Netz über Izzy und es gelingt ihr, die Bekanntschaft der weltgewandten und charismatischen Frau zu machen, sich mit ihr anzufreunden und in Izzys Kreise aufgenommen zu werden. Auf der Geburtstagsparty kommt es dann zu einem folgenreichen Vorfall.

Bisher führte Amy ein einsames Leben ohne soziale Kontakte, wegen eines Geheimnis in ihrer Vergangenheit ist sie sehr zurückhaltend. Sie erzählt kaum etwas von sich, ist andererseits neugierig und fasziniert von Menschen, die sie kennenlernt. Sie wirkt offensichtlich oft merkwürdig auf andere und erschien mir vor allem in der ersten Hälfte des Romans wie eine unzuverlässige Erzählerin, wobei die Geschichte aus ihrer Ich-Perspektive auf verschiedenen Zeitebenen geschildert wird, eingeschoben sind Transkriptionen verschiedener Zeugenaussagen.

Die Figurenzeichnung der Protagonisten ist gelungen, wobei sich bei mir Sympathie für keinen der Charaktere entwickelt hat. Sehr interessant fand ich Informationen aus der Floristik, hier kann Amy mich mit ihrem Wissen und ihren Überzeugungen beeindrucken. Sie ist eine Protagonistin mit Ecken und Kanten, die mir Rätsel aufgibt, mich aber auch berührt.

Nicht unerwähnt bleiben soll das schöne, gleichzeitig düstere Cover, vom Motiv her und mit den 'Schnitten' und den Bluttropfen passt es perfekt zum Buch.

C. L. Pattison schreibt lebendig, bildhaft und eindringlich, die Geschichte mit ihrer erst subtilen und sich dann steigernden Spannung und der überraschenden Auflösung ist packend und hat mich gut unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 15.02.2025

Ein komplizierter Fall für Poe und Bradshaw

Der Gourmet
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Hat DS Washington Poe, versierter Ermittler bei Serienmorden und bei Verbrechen ohne erkennbares Motiv, einen furchtbaren Fehler gemacht, als seine hartnäckigen Ermittlungen vor sechs Jahren dazu führten, ...

Hat DS Washington Poe, versierter Ermittler bei Serienmorden und bei Verbrechen ohne erkennbares Motiv, einen furchtbaren Fehler gemacht, als seine hartnäckigen Ermittlungen vor sechs Jahren dazu führten, dass der Sternekoch Jared Keaton für den Mord an seiner Tochter verurteilt wurde, obwohl eine Leiche nie gefunden wurde? Das Auftauchen einer jungen Frau bei der Polizei von Cumbria erschüttert Poe, denn die DNA-Analyse beweist, dass es sich um Elizabeth Keaton handelt, die Tochter des Sternekochs.
Poe rollt den alten Fall wieder auf und sucht akribisch nach Ermittlungsfehlern und neuen Anhaltspunkten. Er geht zielstrebig vor, sieht hinter die Fassaden und hört auf sein Bauchgefühl. Unterstützt wird er von der brillanten Datenanalystin Tilly Bradshaw und seiner ihm auch freundschaftlich verbundenen Vorgesetzten DI Flynn, deren Vertrauen in Poes Fähigkeiten ungebrochen ist.
Im Vergleich zum ersten Band der Reihe hat Tilly sich weiter entwickelt, sie ist zwar immer noch sozial eher unbeholfen, aber sehr viel selbstsicherer geworden und leitet inzwischen eine kleine Analysteneinheit. Bradshaw und Poe verbindet eine tiefe Freundschaft, Tilly lässt buchstäblich alles stehen und liegen, als er sie braucht und reist mit viel Equipment an.
Poe hat sich ebenfalls verändert, der Groll auf seine Familie richtet sich inzwischen auf ein anderes Ziel und ich denke, einer der Folgebände wird sich darum drehen.
Die Figurenzeichnung ist auch bei den mitunter skurrilen Nebenfiguren gelungen, sie sind interessant, glaubwürdig und realistisch beschrieben, manche würde ich gern kennenlernen, bei anderen schnell die Flucht ergreifen.
Das Wiedersehen mit der rauen Landschaft Cumbrias und Poes einsam gelegener Schäferhütte, die er immer weniger missen will, fühlt sich fast schon wie ein Nach-Hause-Kommen an.

Die komplexe Geschichte ist spannend und dicht erzählt, es gibt keine Längen und alle Fragen werden beantwortet in dieser einfallsreich konzipierten Handlung. Humorvolle Dialoge der Protagonisten lockern die bedrohliche Atmosphäre des Krimis auf. M. W. Craven schreibt packend und überrascht mit unerwarteten Wendungen. Mich hat 'Der Gourmet' bestens unterhalten und ich freue mich auf weitere Bände der Reihe.

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Veröffentlicht am 14.02.2025

Spannend und ungewöhnlich

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Die Geschichte spielt auf einer kleinen abgelegenen Insel im Mittelmeer, die als einziges Gebiet nicht von dem schwarzen Nebel eingehüllt worden ist, der vor 90 Jahren alles Leben auf der Erde vernichtet ...

Die Geschichte spielt auf einer kleinen abgelegenen Insel im Mittelmeer, die als einziges Gebiet nicht von dem schwarzen Nebel eingehüllt worden ist, der vor 90 Jahren alles Leben auf der Erde vernichtet hat.
Die 122 Einwohner des Dorfes leben friedlich und freundlich miteinander, bringen sich in die Gemeinschaft ein und hinterfragen die strengen Regeln nicht, die den Tagesablauf bestimmen. Niema, eine der drei WissenschaftlerInnen, die alles überwachen und für Sicherheit sorgen, wird eines Morgens brutal getötet gefunden. Wenn der Mord nicht aufgeklärt wird, fährt das Sicherheitssystem der Insel runter und der tödliche Nebel kann dann auch die Insel ergreifen. Es bleiben 107 Stunden.
Die neugierige, unangepasste Emory aus dem Dorf wird mit der Aufklärung beauftragt und sieht sich einer kaum zu lösenden Aufgabe gegenüber, denn abgesehen vom Zeitdruck haben auch alle Bewohner keinerlei Erinnerungen an die vergangene Nacht.

Erzählt wird aus der Perspektive einer KI namens Abi, die mit allen Bewohnern in Verbindung steht, sie liest deren Gedanken und kommuniziert mit ihnen. Manchmal nimmt Abi überraschend die Ich-Perspektive ein, das erinnerte mich wieder daran, wer hier eigentlich der Erzähler ist, ich finde das vom Autor sehr geschickt gemacht.

Stuart Turton schreibt lebendig, bildhaft und atmosphärisch. Ich kann mir alles gut vorstellen, wozu auch das Personenverzeichnis und eine Zeichnung des Dorfes beitragen. Der einfallsreiche Weltenbau ist sehr gelungen, alles wird detailliert und glaubhaft beschrieben. Nahbar und vielschichtig werden die Charaktere durch die Kommunikation miteinander.

In dieser Geschichte ist nichts, wie es scheint, das fängt schon beim auf den ersten Blick idyllischen Cover in sanften Farben an, wären da nicht das leere Ruderboot und am oberen Rand die schwarzen Nebelschwaden.
Die Spannung steigt stetig an und ich habe mit Emory gerätselt, was genau in besagter Nacht passiert ist. Erst zum Schluss ergeben alle Puzzleteile ein vollständiges Bild.

Stuart Turton stellt in 'Der letzte Mord am Ende der Welt' die Frage, was das Menschsein ausmacht und unterhält mit einer spannenden und wohl durchdachten Geschichte mit überraschenden Wendungen. Er hat einen überzeugenden genreübergreifenden Roman geschrieben, gleichzeitig Krimi, Dystopie und Science Fiction.

Der Autor ist ausgesprochen vielseitig und hat bisher ganz unterschiedliche Bücher geschrieben, ich freue mich auf sein nächstes und kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.

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