Profilbild von carola1475

carola1475

Lesejury Star
offline

carola1475 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit carola1475 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2024

Gelungener, spannender zweiter Band um ein Ermittlerteam aus Menschen und einer KI

Die Schuld des Vergessens
0

DCS Kat Frank und ihre Future Policing Unit haben mehrere Cold Cases erfolgreich aufgeklärt und Kat möchte nun einen aktuellen Fall aufklären, um zu beweisen, wie gewinnbringend die Beteiligung einer AIDE ...

DCS Kat Frank und ihre Future Policing Unit haben mehrere Cold Cases erfolgreich aufgeklärt und Kat möchte nun einen aktuellen Fall aufklären, um zu beweisen, wie gewinnbringend die Beteiligung einer AIDE (Artificially Intelligent Detecting Entity), also eines KI-Partners, bei den Ermittlungen ist. Kats Motivation ist nicht nur, die neue Art der Polizeiarbeit bekannt zu machen und Akzeptanz zu schaffen, sie selbst braucht einen neuen Fall, um sich daran festzuhalten. Die Trauer um ihren verstorbenen Ehemann ist immer noch groß und ihr Sohn Cam ist von Zuhause ausgezogen und studiert jetzt.
Als ein nackter gekreuzigter Toter auf der ehemaligen Abraumhalde eines Steinbruchs gefunden wird, hat Kats Team seinen aktuellen Fall, den es aufzuklären gilt.

Erzählt wird meistens aus Kats Sicht, aber es gibt auch Perspektiven der Teamkollegen und des Täters. Seine Kapitel sind kursiv gedruckt und in Ich-Form, so dass seine Gedanken und Gefühle deutlich werden. Alle Charaktere sind glaubwürdig, sie werden authentisch geschildert und bekommen durch ihre Vorgeschichte und ihre Beziehung zueinander Komplexität. Ich habe den ersten Band der Reihe um Kat Frank und AIDE Lock ebenfalls gelesen und freue mich über die Entwicklung der Figuren, aber auch Neueinsteiger in die Serie werden ohne Probleme folgen können, da bei passender Gelegenheit Infos aus der Vergangenheit eingestreut werden.

Spannend ist nicht nur der rätselhafte Fall, sondern auch der Gegensatz zwischen der Logik der KI und dem Vorgehen von Kat Frank, die über Instinkt und viel Erfahrung verfügt und deren Entscheidungen für die KI Lock oft nicht nachzuvollziehen sind. Auch Takt und menschliches Sozialverhalten sind der KI natürlich fremd und so sind die Dialoge zwischen Kat und Lock, der alles wörtlich versteht und nicht lügen kann, für den Leser oft sehr humorvoll und unterhaltsam.
Jo Callaghan schreibt klar, lebendig und angenehm zu lesen, die technischen Details zur KI sind leicht verständlich und für mich optimal dosiert. Die Autorin thematisiert auch gesellschaftliche Probleme wie zunehmende Vereinsamung im Alter, Rassismus und Anfeindungen in 'social media'.
Mir hat 'Die Schuld des Vergessens' sehr gut gefallen und ich kann diesen Krimi mit seiner fesselnden Handlung, beeindruckenden Figuren und innovativem Ermittlerteam uneingeschränkt empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.10.2024

Eine warmherzige und berührende Geschichte, die locker und klug unterhält

Wohnverwandtschaften
0

Constanze ist der Neuzugang in einer WG, sie will nur vorübergehend bleiben, aber es stellt sich heraus, dass die vier WG-Bewohner trotz aller Unterschiede sehr gut zusammen passen und zu einer Wahlfamilie ...

Constanze ist der Neuzugang in einer WG, sie will nur vorübergehend bleiben, aber es stellt sich heraus, dass die vier WG-Bewohner trotz aller Unterschiede sehr gut zusammen passen und zu einer Wahlfamilie werden. Alle sorgen sich umeinander, unterstützen und helfen einander. Das gemeinsame Essen ist sehr wichtig, das wird schon beim Cover deutlich. Was es mit dem gesprungenen Teller auf sich hat, zeigt sich im Lauf der Geschichte.
Durch die verschiedenen Ich-Perspektiven teilen die Figuren ihre Gedanken, sie erzählen vom Alltag und ihrem Miteinander, aber auch, was sie über die Mitbewohner denken. Auf ungewöhnliche Art geschriebene Szenen aus dem gemeinsamen Leben vervollständigen die Geschichte. Am besten hat mir Murat gefallen, er zeigt, wie wichtig Toleranz im Zusammenleben ist und seine Lust am Garten und dem Kochen ist ansteckend.

Die mehrfach ausgezeichnete Übersetzerin und Autorin Isabel Bogdan schreibt mit Einfühlungsvermögen, humorvoll, leicht und doch tiefsinnig, der Schreibstil ist dem jeweiligen Charakter angepasst und lässt Jörg, Anke, Murat und Constanze zu lebendigen und authentischen Figuren werden, ihre Sorgen und Leidenschaften haben mich berührt und ich hätte die Vier gern länger begleitet als zwei Jahre, über die sich die Geschichte erstreckt. Mir hat 'Wohnverwandtschaften' viel Freude gemacht und ich empfehle das Buch jedem Lesenden, der sich schon mal Gedanken über alternative Wohnsituationen gemacht hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2024

Wieder ein spannendes Lesevergnügen

Blutbuße
0

Statt eine ruhige Osterwoche mit der Familie zu verbringen, müssen Hanna Ahlander und Daniel Lindskog in ihrem dritten Fall ermitteln. Die Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind, die ein verlassenes ...

Statt eine ruhige Osterwoche mit der Familie zu verbringen, müssen Hanna Ahlander und Daniel Lindskog in ihrem dritten Fall ermitteln. Die Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind, die ein verlassenes Hochgebirgshotel in Storlien neu und größer als zuvor wieder aufbauen wollte, ist brutal ermordet worden. Spuren gibt es kaum, dennoch kristallisiert sich eine Reihe von Verdächtigen heraus. Die Ermittlungen sind umfangreich und werden realistisch beschrieben.

Das Cover mit seiner winterlichen Atmosphäre passt gut zum Schauplatz und zu den beiden Vorgängerbüchern der Reihe. Die Umgebungskarten vorn und hinten innen im Einband finde ich hilfreich, auch um sich die Entfernungen besser vorstellen zu können, die die Menschen in der dünn besiedelten Gegend oft zurückzulegen haben. Das selbst noch zu Ostern winterliche Wetter und die Natur um den Wintersportort Åre spielen wieder eine Rolle und werden von der Autorin atmosphärisch beschrieben.
Die Charaktere, allen voran Hanna und Daniel, aber auch alle anderen Figuren sind lebensnah und authentisch dargestellt, mit ihren Sorgen, ihren Ecken und Kanten. Diese gelungene Figurenzeichnung sowie der lebendige, bildhafte, angenehm zu lesende Schreibstil zeichnen Viveca Sten aus und machen ihre Bücher für mich zum Vergnügen. Diesmal fand ich den Anteil des Privatlebens fast etwas zu viel, obwohl ich die Entwicklung der Protagonisten natürlich gern verfolge. Bei den Recherchen und Ermittlungen thematisiert die Autorin auch aktuelle gesellschaftliche Probleme wie Hass im Internet oder Misogynie.

Der Krimi ist wendungsreich und spannend und die Autorin legt einige irreführende Fährten, beim Miträtseln war ich lange auf der falschen Spur. Wechselnde Erzählperspektiven und kurze Rückblenden in die Vergangenheit, deren Zusammenhang zur Geschichte sich erst spät erschließt, steigern die Spannung und das Finale wird für Hanna wie für den Leser nervenaufreibend.
Ich empfehle 'Blutbuße' gern allen Krimilesern, mich hat das Buch sehr gut unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.09.2024

Auch der sechste Band um Frau Morgenstern und Miguel Schlunegger überzeugt

Frau Morgenstern und das Vermächtnis
0

Die pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin Violetta Morgenstern und ihr platonisch geliebter Maurice von Brandenberg führen seit fast einem Jahr auf Gozo ein ruhiges Leben, bis das Tell-Killerministerium ...

Die pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin Violetta Morgenstern und ihr platonisch geliebter Maurice von Brandenberg führen seit fast einem Jahr auf Gozo ein ruhiges Leben, bis das Tell-Killerministerium Violetta bittet, ihren inhaftierten früheren Partner Miguel Schlunegger zum Reden zu bewegen. Warum hat er unauthorisiert, auf eigene Faust, einen Mann erschossen? Miguels Exekution durch den ehemaligen Arbeitgeber ist nur noch eine Frage der Zeit, sollte Frau Morgenstern versagen.

Wie auch in den fünf Vorgängerbänden sprüht die skurrile Geschichte vor Wortwitz und schwarzem Humor, machen Huwylers Wortschöpfungen und Wortspiele großen Spaß und Violettas Einfallsreichtum und Ideen, ihre geistreichen und schlagfertigen Dialoge, viel Freude. Der Leser sollte schon frühere Bände der Reihe kennen, um Zusammenhänge und Anspielungen verstehen und genießen zu können.
Frau Morgenstern und Miguel Schlunegger sind einmalig schräge, unbedingt liebenswerte Charaktere, die ich schon vor langem ins Herz geschlossen habe. Diesmal muss sich Frau Morgenstern nicht nur mit Gegnern auseinandersetzen, sondern auch mit ihren eigenen Gefühlen.
Figuren in Nebenrollen sind ebenfalls gelungen gezeichnet und ich kann sie mir gut vorstellen, selbst wenn sie vom Autor nur skizziert werden, das aber immer treffend.

Marcel Huwyler schreibt bildhaft und sprachgewandt, die Geschichte ist kurzweilig und spannend, obwohl Frau Morgenstern lange allein ermittelt und es erst spät zur gewohnt grandiosen Zusammenarbeit mit Schlunegger kommt. Das Ende lässt mich das Buch zufrieden und mit einem Lächeln zuklappen. Ich kann die Reihe Krimilesern empfehlen, die das Besondere suchen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.09.2024

Raven und Flyte in ihrem dritten Fall

Tote klagen an
0

Zu Beginn des dritten Bandes um die unkonventionelle Sektionsassistentin der Leichenhalle Camden geht es Cassie Raven nicht gut. Seit Monaten hat sie keinen Hinweis der Toten auf ihre letzten Empfindungen ...

Zu Beginn des dritten Bandes um die unkonventionelle Sektionsassistentin der Leichenhalle Camden geht es Cassie Raven nicht gut. Seit Monaten hat sie keinen Hinweis der Toten auf ihre letzten Empfindungen mehr erhalten, so hat ihre Arbeit ihren Sinn für sie verloren. Außerdem gestaltet sich das Verhältnis zu ihrem vor kurzem wieder aufgetauchten Vater schwierig, Cassies Gefühle sind ambivalent, was ihn angeht.
Eine nicht identifizierte Wasserleiche führt zu einem Wiedersehen mit DS Phyllida Flyte, die es schwer hat, sich in ihren neuen Team bei der Major Crime Unit zu behaupten. Sie nimmt Ermittlungen zu dem Toten auf, dessen Gesicht ihr vage bekannt vorkommt.

Neben dem gut recherchierten, genau und sachlich beschriebenen medizinischen Hintergrund von Cassies Arbeit überzeugt auch die psychologisch glaubhaft dargestellte Entwicklung der beiden Protagonistinnen. Cassies in der Kindheit begründete Verlustangst prägt ihre Beziehungen, und Phyllida kann inzwischen ohne Selbstzweifel um ihre tot geborene Tochter trauern, schreckt aber davor zurück, sich mit ihrer sexuellen Orientierung auseinander zu setzen. Den so unterschiedlichen Frauen gemeinsam ist der unbeirrbare Willen, die Wahrheit heraus zu finden. Die Figurenzeichnung ist gelungen, auch andere Charaktere sind authentisch, wobei insbesondere Cassies Großmutter ein richtiger Schatz ist, um den ich Cassie beneide. Eingestreutes Hintergrundwissen aus den Vorgängerbüchern ermöglicht auch Neueinsteigern in die Reihe, sich zurecht zu finden.
Erzählt wird wechselnd aus Cassies und Phyllidas Perspektive.

Der Fall, den es aufzuklären gilt, erweist sich als komplex und mit gesellschaftlich aktuellem Bezug, es gibt spannende Ermittlungen, überraschende Wendungen und eine unerwartete Auflösung.
A. K. Turners Schreibstil ist bildhaft, sprachgewandt und angenehm zu lesen. Sie thematisiert in 'Tote klagen an' polizeiliches Fehlverhalten und kritisiert das Polizeisystem, immer noch sind intolerante, homophobe, sexistische weiße Männer vorherrschend, für die Diversität alles andere als erstrebenswert ist.
Mir hat die dritte Geschichte um Cassie Raven mit ihrem Gothic Look und der spröden Phyllida Flyte wieder sehr gut gefallen und ich freue mich, besonders nach dem Cliffhanger am Ende, auf den vierten Band.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere