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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2024

Uptown-Girls meets Smalltown-Boy

Part of Your World
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Alexis ist eine erfolgsverwöhnte Ärztin, die sehr unter dem Druck ihres Vaters, ihrer „Familiendynastie“ zu leiden hat. Sie gilt als das schwarze Schaf, weil sie „nur“ Ärztin der Notaufnahme und keine ...

Alexis ist eine erfolgsverwöhnte Ärztin, die sehr unter dem Druck ihres Vaters, ihrer „Familiendynastie“ zu leiden hat. Sie gilt als das schwarze Schaf, weil sie „nur“ Ärztin der Notaufnahme und keine Chirurgin ist. Als ihr großer Bruder (plastischer Chirurg) den Staffelstab an sie weitergibt, indem er mit seiner neuen Frau nach Kambodscha zieht, verschlimmert sich Alexis‘ Druck nur noch weiter. Immer hat sie das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Sowohl für ihren herrischen Vater als auch für ihren narzisstischen Exfreund, der sie kurz zuvor mit einer anderen Frau betrogen hat. Durch Zufall begegnet sie Daniel in seiner Heimatstadt Wakan, einer verschlafenen Kleinstand ungefähr zwei Stunden entfernt. Er zeigt ihr, dass sie stolz auf sich sein kann, was sie bereits erreicht hat und wie liebenswert sie tatsächlich ist. Leider gibt es einen großen Haken: Daniel ist zum einen fast 10 Jahre jünger als sie und zum anderen weder Arzt noch übt er einen ähnlichen prestigeträchtigen Job aus. Er ist der Bürgermeister der Kleinstadt, kümmert sich um die Leute und Tiere (Stichwort: Babyziege oder Hausschwein names Kevin Bacon). Aus diesem Grund beginnt Alexis, zwei unterschiedliche Leben zu führen: das glamouröse in der Großstadt und das schöne Wohlfühlleben bei Daniel, der ihr jeden Wunsch von den Augen abliest. Ihre größte Angst ist es, dass sich diese beiden Welten in irgendeiner Weise vermischen könnten…

Ich fand das Buch wirklich toll. Mit Alexis habe ich sofort mitgefühlt und man hat immer diese Kleinstadtvibes gefühlt (die mich teilweise stark an Gilmore Girls erinnert haben). Der Schreibstil ist sehr flüssig und man schwebt nur so durch die Seiten. Beim Lesen habe ich mich so wohlgefühlt, wie bei einem langen, heißen Schaumbad oder einer Tasse Kakao.

Als einzigen Kritikpunkt kann ich nur angeben, dass mir Daniel in vielerlei Hinsicht ZU nett war. Er war nie schlecht drauf und hat Alexis permanent auf Händen getragen. Man bekam das Gefühl, er hätte überhaupt keine Ecken und Kanten, sondern würde nur dafür atmen, Alexis in jeglicher Art und Weise glücklich zu machen.

Ich kann das Buch sehr empfehlen. Liebhaber von großen Gefühlen sind hier genau an der richtigen Stelle.

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Veröffentlicht am 12.08.2024

Eine Hebamme und ein Baby

Komm schon, Baby!
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Juli ist fast 40 und mit Herz und Seele Hebamme. Sie liebt ihre Arbeit und opfert sich dafür und für ihre Patientinnen auf. Sie ist glücklich, wie es ist und könnte sich nichts schöneres vorstellen. Doch ...

Juli ist fast 40 und mit Herz und Seele Hebamme. Sie liebt ihre Arbeit und opfert sich dafür und für ihre Patientinnen auf. Sie ist glücklich, wie es ist und könnte sich nichts schöneres vorstellen. Doch dann wird sie ungewollt schwanger – von einem One Night Stand, dessen Namen sie nicht einmal kennt…

Die Geschichte hat mich von Anfang an mitgerissen. Der Schreibstil der Autorin ist leicht und kurzweilig und es machte richtig Spaß, Juli auf ihrem Weg zu begleiten. Da sie dabei von einem Unglück ins nächste rutscht, macht die Sache noch interessanter. Auch Oma und Mutter von Juli haben ihren Teil beigetragen und alle drei Frauen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, habe ich sofort in mein Herz aufgenommen. Besonders die tatkräftige Oma Hilde, die ihren Lebensgefährten herumscheucht und immer einen Rat für alle Lebenslagen hat, fand ich super. So eine Oma braucht doch irgendwie jede Frau.
Natürlich ist die Geschichte sehr vorhersehbar und nach kurzer Zeit hatte man schon eine Ahnung, wie sie ausgehen könnte, aber hier ist wirklich der Weg das Ziel. Ich habe mit Juli gelacht, gelitten und gekämpft. Ebenso hat es mir sehr gut gefallen, dass man einen guten Einblick in den Hebammenberuf und die unterschiedlichen Geburtstechniken, Vorbereitungen usw. bekommt. Anders als in anderen Büchern, wo der Beruf der Protagonisten nur eine Randnotiz ist, merkt man hier, wie gut recherchiert wurde. Das hat der ganzen Geschichte Authentizität gegeben.

Wenn man sich leichte Unterhaltung mit einer großen Prise Humor und Herzschmerz wünscht, ist man bei diesem Buch genau richtig.

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Veröffentlicht am 05.08.2024

Grausamer Fall in schöner Kulisse

Die Toten von Veere. Ein Zeeland-Krimi
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Liz de Vries, eine niederländische Kriminalermittlerin, wird wegen umstrittenen Schusswaffengebrauchs im Dienst vorerst nach Zeeland versetzt, um dort einen Vermisstenfall in Veere aufzuklären. An ihrer ...

Liz de Vries, eine niederländische Kriminalermittlerin, wird wegen umstrittenen Schusswaffengebrauchs im Dienst vorerst nach Zeeland versetzt, um dort einen Vermisstenfall in Veere aufzuklären. An ihrer Seite wird Noemi Bogaard, eine junge Ermittlerin mit Migrationshintergrund, gestellt und gemeinsam versuchen die beiden Frauen, den Fall zu lösen. Dabei dringen sie immer weiter vor und stellen Verbindungen zu einem 10 Jahre zurückliegenden Fall und Vorfällen aus dem Jahr 1944 her .

Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Obwohl ich noch die Gegend besucht habe, hatte ich permanent ein Bild vor Augen und konnte mir aufgrund des spannenden und plastischen Schreibstils immer alles vorstellen. Die Figuren besitzen genug Tiefe und selbst zu den Nebenfiguren entwickelt man nach kurzer Zeit Sympathien – oder eben Abneigungen. Trotz der 500 Seiten kam kein einziges Mal Langeweile auf, sondern nur Vorfreude darauf, schnell weiterlesen zu dürfen. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Kollegin Noemi zu stark als Nebenfigur dargestellt und regelrecht farblos ist. Die war die Einzige, zu der sich keine Verbindung herstellen ließ. Durch den letzten Satz des Buches bin ich sehr gespannt, wie der zweite Band sein wird, den ich mir definitiv auch zulegen werde.

Dieser Krimi ist realistisch, nimmt Bezug auf die aktuellen politischen Aspekte und fesselt, obwohl es kein großes Blutvergießen gibt. Jeder, der diese Literatur oder die Niederlande mag, wird das Buch lieben. Ich gebe eine klare Empfehlung

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Veröffentlicht am 25.07.2024

Hatte mir mehr erwartet

Geile Zeit
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Geile Zeit ist eine Biografie von Niclas Seydack aus dem Jahr 2024 und soll das Aufwachsen der Millennials in den 90ern und frühen 20ern widerspiegeln. Soll. Die Realität sah leider anders aus. ...

Geile Zeit ist eine Biografie von Niclas Seydack aus dem Jahr 2024 und soll das Aufwachsen der Millennials in den 90ern und frühen 20ern widerspiegeln. Soll. Die Realität sah leider anders aus. Zwar wird im ersten Drittel des Buches darauf eingegangen und man bekommt Retrovibes mit Geile Zeit von Juli oder Poklemon auf RTL2 und anderen Kindheitserinnerungen.
Leider schweift der Plot im weiteren Verlauf immer mehr ab. Es wird zunehmend politisch und einseitig. Natürlich ist die Politik ein wichtiger Punkt und vermutlich kann sich jeder an den 11. September erinnern und was er zu dem Zeitpunkt getan hat. Jedoch wird es immer einseitiger und es kommt das Gefühl auf, dass der Autor einem mit Macht seine Meinung aufdrücken will. Auch seine Erfahrungen in der Verlags- und Journalismusbranche sind sehr interessant, aber ich hätte mir eher ein Buch gewünscht, in dem mehr die Erinnerungen und Erfahrungen des "normalen" Kindes angesprochen werden und man sich zurückversetzt fühlt. Oder hat der Großteil der Millennials bereits mit seinem Chef gekokst? Ich kann das jedenfalls nicht von mir behaupten. Außerdem fand ich es unheimlich anstrengend, mir das ständige Gejammer des Autors anzuhören. Corona, Faschismus, Politik allgemein, Verdienste usw.
Die Zeit der Covid-Pandemie nimmt einen sehr großen Teil des ziemlich dünnen Buches ein. Ich bin gerade einmal zwei Jahre älter als der Autor und kann sagen, dass mein Leben aus viel mehr als dieser Zeit besteht. Wenn er 1990 geboren ist, gibt es doch fast 30 Jahre davor, die man thematisieren könnte. Man hat das Gefühl, die Retro-Inhalte sind nur ein Aufhänger, um sich richtig über das politische Geschehen auslassen zu können

Wenn man hier ein Buch erwartet, um in Kindheitserinnerungen zu schwelgen, hat man leider die falsche Wahl getroffen. Für jeden politisch interessierten Erwachsenen kann es jedoch interessant sein.

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Veröffentlicht am 26.06.2024

Noch Fiktion oder schon (bald) Fakt?

Partikel
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Bei „Partikel“ handelt es sich um einen Ökothriller aus dem Jahr 2024 von Wolf Harlander. Hier wird das, immer aktueller werdende, Thema Mikroplastik behandelt. Es ist für mich definitiv ein Lesehighlight ...

Bei „Partikel“ handelt es sich um einen Ökothriller aus dem Jahr 2024 von Wolf Harlander. Hier wird das, immer aktueller werdende, Thema Mikroplastik behandelt. Es ist für mich definitiv ein Lesehighlight und zählt zu den besten Büchern dieses Jahres.

Kurz zum Inhalt: im Mittelmeer geht ein Schiff unter, voll beladen mit illegalen Plastikabfällen. Dies bedeutet eine ökologische Katastrophe, weil tonnenweise Plastikmüll an die Küsten gespült wird. Zeitgleich sterben bei einer Hochzeit zwei Menschen und neun weitere werden in eine Klinik eingeliefert. Die Ursache ist hier wieder: Mikroplastik in der Nahrung. Die junge Journalistin Melissa nimmt sich dem Fall an und verstrickt sich immer mehr darin. Kurz danach erkrankt ihre kleine Nichte Zoe lebensbedrohlich und schnell muss ein Weg gefunden werden, um das zweijährige Mädchen zu retten.
Das Buch war einfach wahnsinnig toll. Trotz der 600 Seiten fliegt es nur so dahin. Der Spannungsbogen, der von der ersten Seite an hochgehalten wird, sorgt dafür, dass man das Buch kaum mehr aus der Hand legen möchte. Schön fand ich auch die häufigen Perspektivwechsel und damit verbundenen kurzen Kapitel. So war ich in der Lage, häufig auch in sehr kleinen Zeitfenstern kurz ein Kapitel zu lesen, ohne zwischendrin aufhören zu müssen und den Faden zu verlieren. Während des Lesens fiel mir auf, dass es sich eigentlich um eine Reihe handelt, die die BND-Agenten thematisiert. Dennoch konnte das Buch vollkommen eigenständig gelesen werden.
An manchen Stellen fragte man sich tatsächlich auch, wie groß die Anteile an Fakt und an Fiktion sein, weil der Plot so dicht und das Thema so aktuell ist. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass diese Szenarien in kurzer Zeit in der Realität eintreten.
Der einzige Wermutstropfen war, dass ich das Gefühl hatte, dass das Buch zum Schluss ein wenig zu sehr in einen Agentenkrimi abdriftet. Außerdem fand ich das Ende ein wenig zu vorhersehbar.

Mein Fazit: Ein wahnsinnig gutes Buch, das mich sehr an „Der Schwarm“ und „Blackout“ erinnert hat. Der Spannungsbogen wird über die gesamten 600 Seiten und man will das Buch gar nicht mehr aus der Hand lesen. Eine klare Leseempfehlung

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