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Veröffentlicht am 09.08.2021

Mondlicht und seine Folgen

Das Mädchen, das den Mond trank
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Jahr für Jahr wird ein Neugeborenes ausgewählt und in den Wald gebracht, um dort von der Hexe geholt zu werden. Durch dieses Opfer wird die böse Hexe gnädig gestimmt und das Protektorat ist bis zum nächsten ...

Jahr für Jahr wird ein Neugeborenes ausgewählt und in den Wald gebracht, um dort von der Hexe geholt zu werden. Durch dieses Opfer wird die böse Hexe gnädig gestimmt und das Protektorat ist bis zum nächsten Jahr sicher vor ihr.

Das ist die Erzählung, die die Bewohner und Bewohnerinnen seit vielen Generationen kennen und sie veranlasst, das Opfer und die Trauer hinzunehmen.

Jahr für Jahr rettet die Hexe Xan die schutzlos im Wald liegen gelassenen Kinder, um sie vor wilden Tieren zu beschützen und sucht Familien für diese Kinder. Jahr für Jahr wundert sie sich über dieses herzlose Verhalten und kann nicht verstehen, warum die Menschen dies tun.

Dann ist es wieder so weit und ein kleines Mädchen mit einem Muttermal in Form eines Halbmonds wird im Wald ausgesetzt. Die Hexe nimmt es mit und aus Versehen gibt sie ihm Mondlicht zu trinken und dieses Versehen hat Folgen…

„Das Mädchen, das den Mond trank“ ist ein liebevoll erzähltes Märchen voller Poesie und Fantasie, nicht nur für Kinder, sondern für alle, die solch fantastische Geschichten mögen.

Das Buch beginnt mit einer erwachsenen Person, die einem Kind über die Hexe erzählt und dies wird immer wieder zwischen den einzelnen Kapiteln eingeblendet und liefert so noch einmal Hintergrundwissen und die Verbindung zu einem Handlungsstrang.

Dazwischen wird die Geschichte aus den Blickwinkeln der einzelnen Hauptfiguren erzählt, ohne all zu sehr zu verwirren. Es ist gut möglich zu folgen und die Hauptgeschichte im Blick zu behalten. Die wichtigen Personen werden gut und ausführlich beschrieben und es hat jede Person ganz besondere Merkmale. Gleichzeitig gelingt es Kelly Barnhill Spannung aufzubauen, die einen am Ende gar nicht mehr aufhören lässt zu lesen.

Es ist irgendwann klar, wer gut und wer böse ist, allerdings wird nicht alles offensichtlich, so dass es wirklich bis zum Ende hin aufregend bleibt und es wirklich nicht nur für Kinder spannend ist. Wer verbündet sich mit wem und wie ist die Geschichte von der bösen Hexe, der die Kinder geopfert werden, entstanden? Wer profitiert davon und warum? All dies wird beleuchtet und gleichzeitig beschreibt Kelly Barnhill wunderschöne Einzelheiten wie die Farben der Magie.

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Veröffentlicht am 29.07.2021

Die Liebe im Alter und die kleinen Geschichten in der großen Geschichte

Die langen Abende
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,Elizabeth Strout lässt die Geschichte gleich beginnen und nimmt einen sofort mit in die Köpfe und das Leben ihrer Figuren. Und es sind keine einfachen, glatten Figuren. Jack und Olive haben Ecken und ...

,Elizabeth Strout lässt die Geschichte gleich beginnen und nimmt einen sofort mit in die Köpfe und das Leben ihrer Figuren. Und es sind keine einfachen, glatten Figuren. Jack und Olive haben Ecken und Kanten, sie sind auf der Beliebtheitsskala nicht gerade oben angesiedelt und haben doch einen gewissen Charme, vielleicht weil sie so herrlich normal sind. Olive zeichnet sich durch schlechte Laune aus und eine barsche Herzlichkeit und Jack weiß sie so zu nehmen, wie sie ist.

Ihre Liebesgeschichte ist nicht kitschig, sondern einfach aus dem Leben gegriffen. Zwei ältere Menschen, einsam und traurig über die nicht besonders innige Beziehung zu ihren Kindern, beide verwitwet, aber auch noch mitten im Leben und noch jung genug, um noch einmal neu zu beginnen. Es ergibt sich mit einer Selbstverständlichkeit, dass die beiden sich verlieben und trotzdem ihre Vergangenheit nicht hinter sich lassen, sondern mit in diese neue Beziehung nehmen.

Es wird erzählt, wie die zwei sich ändern, wie sich ihre Liebe ändert und auch wie sich die Beziehung zu den Kindern ändert bzw. wie besonders Olive hier ihre Vergangenheit reflektiert. Gleichzeitig wird ein Portrait der Küstenstadt und ihrer Bewohner gezeichnet. Die Schwierigkeiten und Risse im Leben der Menschen, die in Cosby leben und in irgendeiner Weise auch mal das Leben von Olive berührt haben.

Das Ganze geschieht ganz unaufdringlich und nebenbei. Die Erzählweise Elizabeth Strouts wird nicht umsonst gelobt. Sie schafft es, viele kleine Geschichten innerhalb einer großen Geschichte zu erzählen und die Charaktere „echt“ darzustellen. Es ist kein Roman mit einer „Knallergeschichte“, sondern ein schöner ruhiger Roman, der aus dem Leben erzählt und auf wunderbare Art und Weise über die Liebe im Alter berichtet. Die Geschichte ist gespickt mit kleinen Spitzen, Ironie und diesen Szenen, bei denen man einfach mal laut loslachen muss.

Natürlich ist der Charakter der Olive Kitteridge der Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte und das ist auch gut so. Sie ist auf die eine Art so unwirsch und geradezu unfreundlich und gleichzeitig herzlich, einfühlsam und findet auf ihre direkte Art dann oft doch die richtigen Worte, auch wenn sie nicht alles richtig macht. Sie ist echt.

ch mag Bücher wie dieses, in denen auch die Nebenhandlung gut erzählt wird und in denen auch den Nebendarstellern ihr Moment und ihre Bühne gegeben wird und das macht „Die langen Abende“. Als Leserin werde ich mit in die Welt der Olive Kitteridge genommen, aber nicht nur dorthin, sondern auch in den Ort und in das Gefühl, dort zu leben und die Bewohner mit ihren Freuden und Sorgen im Alltag zu begleiten. Das ist der Autorin gelungen und ich empfehle es gerne an diejenigen, die auch die leisen Romane mögen.

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Veröffentlicht am 19.06.2021

Solide Fantasy-Kost

Die Stadt der Seher
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Mich hat die Mischung aus italienischem Stadtstaat, einem geheimnisvollen Orden und der Bedrohung durch einen stark und ein bisschen geheimnisvoll wirkenden Herzog Solare Biocca und sein Heer angesprochen. ...

Mich hat die Mischung aus italienischem Stadtstaat, einem geheimnisvollen Orden und der Bedrohung durch einen stark und ein bisschen geheimnisvoll wirkenden Herzog Solare Biocca und sein Heer angesprochen. Es hörte sich nach solider Fantasy-Kost an und das wurde auch geliefert.

Die Geschichte fing spannend an und ich war mir am Anfang gar nicht sicher, worum es geht und was bzw. wer die eigentliche Bedrohung ist. Besonders gut hat mir die rasante Vorstellung Marcos gefallen, es erinnerte an eine Achterbahnfahrt. So wurde ein feines Netz gesponnen, dessen Fäden ganz langsam im Laufe der Geschichte zusammenfinden.

Der Charakter Marcos entwickelt sich im Laufe der Geschichte und Elena ist eine perfekte Ergänzung zu dieser Figur. Zalvado und Caronix sorgen für Unterhaltung und nehmen der Geschichte das manchmal sehr Tragende, wobei das Erscheinen eines Elfs schon vieles klarer werden ließ und mich das Ende dann nicht mehr so ganz überrascht hat. Aber ich möchte hier an dieser Stelle jetzt nicht zu viel verraten.

Es gab noch einen weiteren Charakter, Ombro, dessen Geschichte und Rolle leider nicht ganz klar wurde (vielleicht auch nur mir nicht, wer weiß). Zu dieser Figur hätte ich mir gerne ein wenig Informationen gewünscht, sowie am Ende nicht ganz so viel Geschwindigkeit in der Geschichte. Sehr gut hat mir gefallen, dass der Autor den Frauen im Buch nicht nur eine schmückende Rolle zugeteilt hat. Es gab genauso Soldatinnen wie Soldaten und auch Elena wurde von Zalvado als vollwertige Ansprechpartnerin behandelt, was oft in Geschichten in einer solchen Welt nicht der Fall ist.

Christoph Hardenbusch ist es gelungen, eine ganz interessante Mittelalterwelt aufzubauen und eine spannende Geschichte zu erzählen. Es ist ein Buch, das gut an einem Wochenende oder im Urlaub gelesen werden kann und führt einen in eine andere Welt.

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Veröffentlicht am 31.05.2021

Wohin willst du gehören?

Tanz zwischen zwei Welten
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Familie, Herkunft, Heimat - all das prägt uns und ist wichtig für uns. Im besonderen Maße ist dies wichtig, wenn zwei so unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen. Die Frage des Buches ist: "Wohin ...

Familie, Herkunft, Heimat - all das prägt uns und ist wichtig für uns. Im besonderen Maße ist dies wichtig, wenn zwei so unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen. Die Frage des Buches ist: "Wohin willst du gehören?"



Um diese Frage dreht sich alles in dem Buch und Mariam T. Azimi hat den Zwiespalt in dem sich ihre Hauptfigur Wana befindet, hervorragend dargestellt. Es gibt die Rückblicke auf die sorglose Kindheit in Kabul und dann der harte Schnitt, als die Familie in Deutschland ankommt und die schwierigen Situationen, die aus Kindersicht beschrieben werden. Dann kommt die Pubertät, die wiederum einen Bruch darstellt, einen Moment der Erkenntnis und einen ganz tiefen Einschnitt.



Und dann kommt der Unfall und Wanas Prozess, zu sich zu finden und die Frage wohin sie gehören will zu beantworten. Als sie ihre Freundin trifft und sie ihr den besten aller Ratschläge gibt, merkt man, dass sich etwas in Bewegung setzt.



Die Autorin hat diese Zweifel, dieses Hin und Her, die Missverständnisse, die Beziehung zu den Elternteilen, zur Schwester und zur afghanischen Community so gut dargestellt und auch die Sorgen der ganz jungen Wana, des Teenagers und der erwachsenen Frau so intensiv beschrieben, dass man die innere Zerrissenheit förmlich spüren kann. Sie hat eine ganz klare, aber tiefe Sprache, um dies zu beschreiben und die Gefühle fühlbar zu machen.



Das Buch hat mich sehr bewegt und mitgenommen in Wanas Gefühlswelt, so dass ich am Ende richtig traurig war, dass es vorbei war. Als Leserin habe ich den Denk- und Heilungsprozess direkt miterleben können und es hat mich in die Geschichte hineingezogen. Die einzelnen Personen waren facettenreich beschrieben, es gab kein Schwarz und kein Weiß, sondern viele Zwischentöne, was das Buch für mich besonders macht. Es hat mir sehr gut gefallen und ich kann es nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 24.05.2021

Toller Roman über eine weibliche Radsport-Ikone

Die Rebellion der Alfonsina Strada
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Das Buch hat mich sofort angesprochen, denn mir fehlen in der Bücherlandschaft, in der tagtäglichen Berichterstattung und auch im normalen Leben die bewundernden Berichte über die starken Frauen im Sport. ...

Das Buch hat mich sofort angesprochen, denn mir fehlen in der Bücherlandschaft, in der tagtäglichen Berichterstattung und auch im normalen Leben die bewundernden Berichte über die starken Frauen im Sport. Es geht hauptsächlich um die männlichen Sportler und das finde ich mehr als schade. Umso größer war die Freude, dieses Buch über eine der Wegbereiterinnen des Radsports für Frauen zu finden.

Es beschreibt, aus welch einfachen Verhältnissen Alfonsina Strada sich nach vorne gekämpft hat und an sich geglaubt hat. Es erzählt, wie offen die Zeit damals noch gewesen sein muss in Hinblick darauf, dass es gemischte Rennen gab, heutzutage undenkbar. Allein der Gedanke daran, dass den Frauen durch die offizielle Möglichkeit der Teilnahme an einem der großen Männerrennen auch die große mediale Aufmerksamkeit geschenkt werden könnte wie den männlichen Kollegen, hat einen großen Charme. So gucken sie auch heute noch in die Röhre und bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen würden, geschweige denn Preisgelder in gleicher Höhe.

Simona Baldelli beschreibt aber auch die Anfeindungen, die Alfonsina ertragen musste und wie schwer die Kriegs- und Nachkriegsjahre waren. Die Entwicklung vom Italien nach dem ersten Weltkrieg und der Aufstieg Mussolinis wird nicht ausgespart, sondern ist ein wichtiger Teil. Durch diesen Rechtsruck büßen gerade die Frauen wieder Freiheiten ein, die sie sich während dem ersten Weltkrieg erkämpft hat. Sie werden wieder an den Herd geschickt, so ist auch zu erklären, dass die großen Radrennen nur noch von Männer gefahren werden können. Auch verdeutlicht das Buch, unter welchen Entbehrungen die Menschen damals gelitten haben.

Der Roman zeigt, was dazu gehört, um eine solche Leistung zu vollbringen, diesen Willen, etwas gegen Widerstände durchzuziehen und die Schmähungen, die es heute im Internet und immer noch in den Zeitschriften gibt, gab es auch schon damals, Erfolg hat viele Neider und damals wie heute, wurde ein unglaublicher Druck auf erfolgreiche Menschen aufgebaut. Alfonsina musste lange und hart dafür arbeiten, dass sie in Radsportkreisen auch bei den männlichen Kollegen Respekt bekam, für sie hat sich dieser Weg am Ende gelohnt und sie konnte ihr Ziel erreichen.

Es ist eine starke Erzählung über bewundernswerte Sportlerin, die gegen die Konventionen ihrer Zeit ihren Weg findet und ihn auch geht. Das hat mir sehr gut an dem Buch gefallen und ich empfehle es allen, die sich für den Radsport und seine Pionierinnen interessieren.

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