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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2025

Mehr als Schwarz und Weiß

Super-GAU
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Diese Graphic Novel hat mich tief beeindruckt. Obwohl sie schnell gelesen ist, hallt ihre Wirkung lange nach. Die Geschichte ist dabei weder reißerisch noch deprimierend, vielmehr erzählt sie auf bittersüße, ...

Diese Graphic Novel hat mich tief beeindruckt. Obwohl sie schnell gelesen ist, hallt ihre Wirkung lange nach. Die Geschichte ist dabei weder reißerisch noch deprimierend, vielmehr erzählt sie auf bittersüße, teils humorvolle und überaus authentische Weise von menschlichen Schicksalen.

Im Mittelpunkt stehen weniger die Ereignisse rund um Fukushima selbst, sondern vor allem die Lebenswege verschiedener Menschen, die überwiegend eher lose mit der Katastrophe verbunden sind. Der Super-GAU dient vielmehr als Hintergrund bzw. Rahmen der alles verknüpft und die Grundstimmung prägt. Die Tragödie wird in Radio- und Fernsehnachrichten immer wieder aufgegriffen, ist aber nur zu Beginn und am Ende der Graphic Novel direkter Teil der Handlung.

Mit fortschreitender Handlung entfalten sich neue Verknüpfungen zwischen den Figuren, wodurch frühere Szenen eine tiefere Bedeutung erhalten. Die Charaktere sind mit all ihren Ecken und Kanten eindrucksvoll und lebendig gezeichnet. Besonders die komplexe Beziehung zwischen Lea und ihrer Mutter sowie die berührende Dynamik zwischen Ignacio und Josie bleiben nachhaltig im Gedächtnis. Im Grunde werden aber alle Schicksale nur angedeutet. Genauere Details werden bewusst ausgespart.

Der Zeichenstil ist sehr grob, aber dadurch nur noch atmosphärischer. Wie bei einem Manga üblich sind alle Illustrationen schwarz-weiß, wodurch aber die Stimmung noch weiter verstärkt wird. Ich finde es auch toll, dass die Autorin mutig genug ist, die Emotionen ihrer Bilder einfach für sich stehen zu lassen. Bea Davies verzichtet vollständig auf die Erklärungen einer Erzählstimme und lässt die Bilder sowie die Dialoge für sich sprechen. Dadurch entsteht ein Raum für eigene Interpretationen, der die emotionale Tiefe noch verstärkt.

Auch die hochwertige Buchgestaltung verdient Anerkennung: Der Schriftzug „Super-GAU“ ist reliefartig geprägt und verleiht dem Cover eine besondere Haptik.

Ein bewegendes Werk, das mit seiner leisen, aber eindringlichen Erzählweise nachwirkt. Eine klare Empfehlung für alle, die tiefgründige Geschichten schätzen.

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Ein Funke der Hoffnung

Lichterloh - Stadt unter Ruß
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Diese Geschichte und ihre Botschaft brennen lichterloh. Anfangs war ich etwas skeptisch, ob mir diese düstere Welt gefallen würde, doch dann wurde ich von Cleo und ihrer Leidenschaft einfach mitgerissen. ...

Diese Geschichte und ihre Botschaft brennen lichterloh. Anfangs war ich etwas skeptisch, ob mir diese düstere Welt gefallen würde, doch dann wurde ich von Cleo und ihrer Leidenschaft einfach mitgerissen. Für mich hat das Buch absolut zurecht 2022 den Literaturpreis der Hamburger Kulturbehörde im Bereich Kinder- und Jugendbuch gewonnen.

Cleos Welt ist gezeichnet von Ruß und Asche. Dennoch hat sie nie ihren Lebensmut verloren und möchte, dass sich für die Bewohner in Rußstadt endlich etwas ändert. Bewundernd blickt zu den Schornsteinfegern auf und träumt von dem Unmöglichen, eines Tages selbst dieser Gilde beizutreten. Doch dann ist sie Zeugin eines verheerenden Brandes. Um das Schlimmste zu verhindern, bricht sie das Gesetz und eilt zu Hilfe. Überraschenderweise entkommt sie einer harten Straße, stattdessen muss sie als Lehrling zur Schornsteigerfegerin feststellen, dass es eigentlich noch sehr viel schlimmer um ihre Welt steht.

Das Buch fesselt von der ersten Seite. Cleo war mir zudem sofort sympathisch. Sie ist authentisch, mutig und voller Feuer. Auch die anderen Lehrlinge wie die taffe Emilia, der arrogante Leander und der schüchterne Tamino wurden vielschichtig und spannend dargestellt. Zudem spiegelt die Geschichte viele aktuelle gesellschaftliche Themen wider, wie soziale Ungleichheit, Ausbeutung, Umweltzerstörung, Hoffnung und den unbändigen Willen zur Veränderung.

Hervorzuheben sind zudem die tolle Covergestaltung und die clevere Klappenbroschur-Bindung, die sich quasi um das Buch schlingt. Man kann den hinteren Teil jedoch auch wegknicken, sodass er nicht beim Lesen stört. Diese Geschichte hat mich vollkommen in ihren Bann gezogen, und ich freue mich bereits auf die beiden Folgebände, die noch in diesem Jahr erscheinen sollen. Eine absolute Empfehlung!

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Schnitzeljagd durch die Bücherwelt

Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen
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Für alle, die Bücher lieben und sich von fantastischen Abenteuern verzaubern lassen möchten, ist dieser Auftakt einer Dilogie ein absolutes Muss. Die Geschichte entführt auf eine faszinierende Reise voller ...

Für alle, die Bücher lieben und sich von fantastischen Abenteuern verzaubern lassen möchten, ist dieser Auftakt einer Dilogie ein absolutes Muss. Die Geschichte entführt auf eine faszinierende Reise voller Geheimnisse, packender Wendungen und unerwarteter Gefahren, bei der Rache, Verrat, Freundschaft und die Suche nach der Wahrheit im Mittelpunkt stehen.

Minna verlor ihre Mutter als sie gerade einmal fünf Jahre alt war. Elf Jahre später beschließt sie, ihr Versprechen einzulösen und das Mysterium ihres Verschwindens aufzuklären. Aus diesem Grund wird das Mädchen der Lehrling des grummeligen Büchersuchers Raban. Bald schon findet sie das Unglaubliche heraus: ihre Mutter lebt. Um sie aus der Spiegelwelt zu befreien, muss Minna das legendäre Buch der Verlorenen finden. Doch die Suche gleicht einer gefährlichen Schnitzeljagd, bei der ein Hinweis zum nächsten führt und sie letztlich immer wieder vor die Frage stellt: Wem kann sie vertrauen?

Das Buch wird überaus fesselnd und temporeich erzählt. Mit originellen Ideen und einem fantastischen Setting schafft die Autorin eine Welt voller facettenreicher Kreaturen und überraschender Wendungen. Die Charaktere sind überaus liebenswert und ungewöhnlich. So gibt es den mürrischen Raban und seinen schusseligen Sohn Gulliver, den androgynen Jascha und den frechen Bücherdieb Parzival. Lediglich Minnas Mutter im Spiegel wirkte auf mich von Anfang an eher fremd und kalt, regelrecht unwirklich. Teilweise zweifelte ich sogar, ob es sich überhaupt um die echte Mutter handelte.

Die Kapitel sind meist eher kurz und enden immer mit einem Zitat. Diese entnahm die Autorin teilweise bedeutenden Werken der Weltliteratur und sie schreckte dabei auch vor anspruchsvolleren Stoffen wie Dantes Göttlicher Komödie nicht zurück. Teilweise beziehen sich die Zitate jedoch auch auf Bücher, die nur innerhalb dieser Geschichte existieren.

Insgesamt kann ich diesen ersten Band allen empfehlen, die Bücher lieben und spannende Fantasyabenteuer mögen. Nach diesem gelungenen Cliffhanger ist für mich eines klar: Die Fortsetzung muss ich mir auf jeden Fall holen.

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Veröffentlicht am 08.02.2025

Origineller Wahnsinn mit Kultfaktor

Willkommen in Gravity Falls - Verschollene Legenden
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Bereits die Fernsehserie war wunderbar verrückt, witzig und originell, und auch diese Graphic Novel steht dem in nichts nach. Diese vier Abenteuer machen unheimlich Spaß und begeistern bereits auf den ...

Bereits die Fernsehserie war wunderbar verrückt, witzig und originell, und auch diese Graphic Novel steht dem in nichts nach. Diese vier Abenteuer machen unheimlich Spaß und begeistern bereits auf den ersten Seiten. Wobei ich denke, dass auch Gravity Falls-Neulinge schnell einsteigen und die Charaktere lieben lernen werden.

Es handelt sich bei den Storys in diesem Buch nicht um Nacherzählungen oder Comicfassungen der Serie, sondern um vier völlig neue und weitestgehend eigeneständige Episoden. Es hilft, wenn man bereits Vorkenntnisse hat, jedoch sind die meiner Meinung nach nicht zwingend notwendig. Man bekommt auf jeden Fall Lust, sich (erneut) die Fernsehsendung anzuschauen. Es gibt im Übrigen auch im Comic die Möglichkeit, einen Code zu knacken und mysteriöse Symbole zu entschlüsseln. Ich muss aber gestehen, dass ich mir diese Mühe selbst nicht gemacht habe. Aber Fans von Rätseln werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

Durch das Buch führt der kleine Zwerg Shmebulock, der seinen fluchfreien Tag dafür nutzt, um vier verschollene Legenden rund um die Pines-Familie zu erzählen. Im ersten Abenteuer sorgt Pacifica aus Versehen dafür, dass Mabel ihr Gesicht verliert und lernt dabei, dass Schönheit nicht alles ist. Die zweite Geschichte ist ein künstlerisches Meisterwerk, da der Autor Alex Hirsch hier mit verschiedenen Comic-Zeichenstilen spielt. Im Mabeluniversum lernt Mabel dann mehr über sich selbst als ihr lieb ist. Und im vierten Abenteuer erfahren wir mehr über die Kindheit der beiden Onkels.

Dieser Comic ist ein liebevoll gestaltetes, witziges und einfallsreiches Werk voller verrückter Ideen, die noch lange nachklingen. Eine klare Empfehlung für alle Fans und solche, die es werden möchten!

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Wunderbar wichtiges Buch

Du bist du ... und wunderbar
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Bei diesem Buch handelt es sich eigentlich weniger um ein Sachbuch im klassischen Sinne. Stattdessen erhält man viel mehr einen idealen Gesprächsanlass für Familie, Kindergarten oder die Schule. Auf jeder ...

Bei diesem Buch handelt es sich eigentlich weniger um ein Sachbuch im klassischen Sinne. Stattdessen erhält man viel mehr einen idealen Gesprächsanlass für Familie, Kindergarten oder die Schule. Auf jeder Seite wird mittels eines Comicbilds eine Meinung oder eine Frage wiedergegeben, die sich mit Geschlechterrollen und deren Klischees auseinandersetzt.

Kinder und Erwachsene gleichermaßen werden herausgefordert, ihre Denkmuster zu hinterfragen und offen zu diskutieren. Dabei verzichten die Autoren auf den erhobenen Zeigefinger. Im Grunde werden lediglich Fragen gestellt und man wird ermuntert, über bestimmte Ideen nachzudenken. Toll finde ich auch die historischen Verweise. So werden Männer und Frauen vorgestellt, die sich den traditionellen Geschlechterbildern entzogen haben. Und wir bekommen einen Einblick in andere Kulturen und wie diese von den unseren abweichen.

Man sollte sein Kind auf jeden Fall beim Lesen begleiten und gemeinsam über die dargestellten Inhalte diskutieren. Gibt es wirklich Farben, Hobbys oder Gefühle, die nur einem Geschlecht vorbehalten sind? Und wer legt das eigentlich fest? Gab es diese Rollenbilder schon immer? Und wie sieht es in anderen Ländern aus? Mit Herz und Witz werden unterschiedliche Familienmodelle und Lebensrealitäten gezeigt.

Wer auf der Suche nach einem Buch ist, das Kindern und letztlich auch Erwachsenen mit Humor und Offenheit vermitteln möchte, dass Vielfalt und Individualität gefeiert werden dürfen, wird hier auf jeden Fall fündig.

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