Platzhalter für Profilbild

heinoko

Lesejury Star
offline

heinoko ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit heinoko über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.03.2022

Schult vorurteilsfrei Selbst- und Fremdwahrnehmung

Glücksfisch: Hallo, das bin ich!
0


Leider konnte ich das „Allererste Körperbuch“ noch nicht mit Kindern der jüngsten Lesegruppe testen und kann insofern nur meinen persönlichen Eindruck wiedergeben. Und der ist rundum positiv.

Es ist ...


Leider konnte ich das „Allererste Körperbuch“ noch nicht mit Kindern der jüngsten Lesegruppe testen und kann insofern nur meinen persönlichen Eindruck wiedergeben. Und der ist rundum positiv.

Es ist ein Buch, das alle Sinne anspricht. Klare, einfache, farbige Bilder vermitteln nonverbal unaufdringlich das, was die klaren, einfachen, verständlichen Texte ausdrücken wollen. Auf ganz schlichte Weise schulen Text und Bild das Bewusstsein für den eigenen Körper, für seine Fertigkeiten, für seine möglichen Handicaps und ganz grundsätzlich das Staunen über die große Vielfalt unter den Menschen. Hörgerät, Rollstuhl, Feuermal, dunkle Haut, blonde Haare, alles ist möglich und zwar im Buch ganz selbstverständlich möglich. Kinder sind grundsätzlich völlig vorurteilsfrei, und genau dahin zielt das Buch. Es ist inständig zu hoffen, dass die Erwachsenen diese Selbstverständlichkeiten in der Welt des Kindes so lange wie möglich zu bewahren versuchen. Ein schönes Thema greift das Buch auch auf, nämlich unsere 5 Sinne, die uns helfen, alles um uns herum so reich und intensiv wahrzunehmen. Wie wir unserem wunderbaren Körper helfen, gesund zu sein und zu bleiben – auch dazu gibt das Buch einfache und verständliche Erläuterungen, die bereits die Kleinen meiner Erfahrung nach durchaus ernst nehmen wollen.
All diese Informationen sind jedoch nicht nur zum reinen Anschauen und Vorlesen gedacht, sondern durch Drehscheiben, Klapp- und Schiebeteile werden die Themen zusätzlich kurzweilig und spielerisch erweitert.

Fazit: Ein rundum gelungenes Sachbuch, das die Kleinsten in ihrer Selbstwahrnehmung stärkt und durch Mitmach-Elemente zusätzlich die Motorik schult.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2022

"Man sieht nur was man sehen will" - Erzählkunst vom Feinsten

Das verschlossene Zimmer
0



Dass ich diesen Roman an dem Tag beendete, an dem ganz aktuell durch Russland nach Jahrzehnten des Friedens in Europa wieder Krieg einzog, auch und gerade in Lemberg, das im Buch eine nicht unbedeutende ...



Dass ich diesen Roman an dem Tag beendete, an dem ganz aktuell durch Russland nach Jahrzehnten des Friedens in Europa wieder Krieg einzog, auch und gerade in Lemberg, das im Buch eine nicht unbedeutende Rolle spielt, gab meinem Leseerlebnis zum Abschluss eine bestürzende und erschreckende Aktualität.

Der Roman spielt schwerpunktmäßig in Polen im Jahr 1939, Krieg droht. Marie, ein 17-jähriges Mädchen, das von seinem Vater geliebt und beschützt wird, treibt die Frage um nach ihrer Mutter, die angeblich verschwand, als Marie noch ganz klein war. Der Vater Dominik, ein renommierter und ambitionierter Arzt, beantwortet keine der Fragen, die Marie so in der Seele brennen. Nicht einmal den Namen der Mutter verrät Dominik. Und genau das stachelt Marie umso mehr an, auf eigenwillige Weise Nachforschungen zu betreiben, ohne zu ahnen, was sie damit auslöst.

Doch diese kurze Inhaltsangabe verrät nur einen kleinen Teil dessen, was das Buch an Geschehnissen erzählt. Nicht nur die politische Lage und die brutale Vorgehensweise des Nazi-Regimes ist Thema, nicht nur die unfassbare Judenfeindlichkeit, die sich auch in den Köpfen der Bevölkerung festgesetzt hatte, sondern auch die niedere Stellung der Frau zu dieser Zeit. Marie möchte unbedingt Medizin studieren, um ihrem Vater nachzueifern, doch man verwehrt ihr diesen Weg, denn „Frauen haben kleinere Gehirne“ und sind deshalb angeblich nicht geeignet für den Mediziner-Beruf. Um ihren Jugendfreund Ben heiraten zu können, konvertiert sie zum Judentum. Durch die sehr feinfühligen Schilderungen der Autorin von jüdischem Leben und Denken konnte ich mich auf ganz besondere Weise einfühlen. Hier wie überhaupt im gesamten Buch spürt man, wie sehr sich die Autorin kundig gemacht hat, um detailfreudig und stimmig die einzelnen Szenen schildern zu können. Wie eine Klammer umschließt die Handlung im Jahr 1939 die Rückblicke auf die Zeit ca. um 1920 – ein sehr geschickter schriftstellerischer Kunstgriff, um die Familiengeschichte rund um Dominik und Marie schlüssig darzustellen. Vom absolut überraschenden Ende des Romans ganz zu schweigen. Doch nicht nur Aufbau und Inhalt des Romans haben mich begeistert. Am meisten war ich hingerissen von der unglaublich schönen, sorgsamen Sprache, die wirkt, als würde man einen alten Roman lesen, von einem großen, vergessenen Autor vielleicht, so zeitlos schön, wie auch manche Märchen geschrieben sind.

Fazit: Für mich war dieser Roman Lesegenuss pur, geschrieben in Erzählkunst vom Feinsten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2022

Kurzum: Ein großartiges Bilderbuch

Frank und Bert
0


Dieses Bilderbuch hat mich begeistert! Mit schlichten Mitteln eine so eindrückliche Botschaft zu übermitteln, ist hohe Bilderbuchkunst, wie ich finde.

Frank und Bert sind ein ungleiches Paar. Der schlaue ...


Dieses Bilderbuch hat mich begeistert! Mit schlichten Mitteln eine so eindrückliche Botschaft zu übermitteln, ist hohe Bilderbuchkunst, wie ich finde.

Frank und Bert sind ein ungleiches Paar. Der schlaue Fuchs und der pummelige Bär spielen Verstecken. Dieses Spiel mögen sie am liebsten. Doch immer und immer und immer gewinnt Frank. Der arme Bert… Was dann passiert, müsst ihr unbedingt selber anschauen!

Als Woll- und Strickbegeisterte freue ich mich über alle Maßen, dass Frank strickt. Eine schöne blaue Mütze mit Bommeln hat er schon für sich selbst gestrickt, und nun ist Bert dran. Für ihn strickt Frank einen wunderschönen Schal, in einem Pink, das leuchtender nicht sein könnte. Lang muss der Schal sein, denn Bert ist nicht gerade schlank. Viel Arbeit ist das, die da Frank für seinen Freund auf sich nimmt. Das Pink des Schals leuchtet auf dem Cover, auf den Vorsatzblättern und im Buch selbst – sozusagen der rote Faden der Geschichte in Pink. Auf humorvolle Weise, sozusagen mit Augenzwinkern, wird die Geschichte von Frank und Bert erzählt. Und so ganz nebenbei bekommen wir mit, was Freundschaft ist und wie Einfühlung in den anderen die Grundlage echter Freundschaft darstellt. Die großformatigen Zeichnungen sind auf das Wesentliche reduziert und genau deshalb so wirkungsvoll zu Herzen gehend.

Kurzum: Ein großartiges Bilderbuch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.02.2022

Weitschweifig erzählt, erst gegen Ende überzeugend

Grabesstern
0


Die Autorin war mir bislang nicht bekannt, deshalb startete ich neugierig und unbefangen die Lektüre des vorliegenden Thrillers, des 3. Bandes rund um Kommissar Schäfer und die Journalistin Heloise Kaldan. ...


Die Autorin war mir bislang nicht bekannt, deshalb startete ich neugierig und unbefangen die Lektüre des vorliegenden Thrillers, des 3. Bandes rund um Kommissar Schäfer und die Journalistin Heloise Kaldan. Glücklicherweise verlangte diese neue Folge keinerlei Vorkenntnisse, sodass mir der Einstieg in die Geschichte mühelos gelang.

Zum Inhalt: Heloise beabsichtigt, einen Artikel über Sterbebegleitung zu schreiben. Sie begleitet den todkranken Jan Fischhof, entwickelt freundschaftliche Gefühle für ihn und beginnt, anhand seiner Hinweise einem lange zurückliegenden Fall nachzugehen, denn Jan scheint etwas aus dieser vergangenen Zeit sehr zu belasten. Kommissar Erik Schäfer, der Freund von Heloise, ist besorgt, denn Heloise begibt sich mit ihren Nachforschungen auf äußerst gefährliches Gebiet…

Das Buch liest sich angenehm leicht, weil die Geschichte folgerichtig, ohne wirre Zeitsprünge, erzählt wird. Die Sprache ist eingängig, Menschen und Landschaften werden sehr detailliert und vorstellbar geschildert. Ja, und genau diese detaillierten Schilderungen, die zwar das Kopfkino anstoßen, sind aber letztlich schuld daran, dass die Geschichte relativ spannungsarm vor sich hin plätschert. Meine Gedanken schweiften beim Lesen oftmals ab, insbesondere wenn lange Befragungen oder Dialoge hin und her gingen, ohne die Handlung wirklich weiter voranzubringen. Auch die atmosphärisch durchaus schönen Schilderungen der Örtlichkeiten wurden mir irgendwann zu viel. Von einem Thriller erwarte ich eine eher stringente, fokussierte Erzählweise, nicht weitschweifiges und damit ermüdendes Beschreiben. Erst gegen Ende nimmt die Handlung glücklicherweise Fahrt auf und zeigt, insbesondere durch das überraschende und doch schlüssige Ende, dass der Thriller im Grunde genial durchkonstruiert ist.

Fazit: Über lange Passagen hinweg ein relativ spannungsarmer Thriller, der erst zum Schluss hin Fahrt aufnimmt und die zugrunde liegende, perfekt durchkomponierte Handlung erkennen lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.02.2022

Am eigenen Anspruch gescheitert?

Die Feuer
0


Eigentlich klingt der Aufbau dieses Romans nach einem literarischen Geniestreich. Eigentlich versprechen Cover, Inhaltsangabe und das Renommé des Verlags ebenfalls Außergewöhnliches. Und doch wage ich ...


Eigentlich klingt der Aufbau dieses Romans nach einem literarischen Geniestreich. Eigentlich versprechen Cover, Inhaltsangabe und das Renommé des Verlags ebenfalls Außergewöhnliches. Und doch wage ich zu behaupten, dass die australische Autorin an ihrem eigenen Anspruch gescheitert ist.

Der Handlungsinhalt lässt sich ganz minimalistisch zusammenfassen: Drei völlig unterschiedliche Frauen, sowohl was Alter, Beruf und Bildung betrifft, sehen ein (ebenso minimalistisches) Theaterstück, während vor der Stadt Buschbrände wüten.

Die kollektive und individuelle Wahrnehmung von Samuel Beckett’s Stück „Glückliche Tage“ in seiner handlungsarmen Inszenierung bildet sozusagen die Assoziationsgrundlage dieser drei Frauen. Über die Buchseiten hinweg öffnen sich anhand ihrer jeweiligen Gedanken, Erinnerungen, Befürchtungen und Beobachtungen die individuellen Lebenssituationen, Erfahrungen und Einstellungen. Margot, die ältere Literaturprofessorin, Summer, die junge Platzanweiserin und Ivy mittleren Alters mit einem nicht verarbeiteten Trauma verlieren sich in ihren individuellen Rollen, die sie in ihrem eigenen Leben spielen, um nicht unterzugehen.
Umrahmt ist dieses Gedankenkonvolut von dem wichtigsten aller Themen, weit weg von dem ständigen Um-sich-selbst-Kreisen, nämlich dem Klimawandel, indem die gefährlich nahgerückten Buschbrände eine unausweichliche Hitze auslösen und dennoch nicht wirklich ins Bewusstsein dringen.

Der Roman beinhaltet eine Fülle von Themen, die jedoch nicht in die Tiefe gehend bearbeitet werden. Im zugegeben sehr schönen Sprachstil geschrieben, machte sich in mir dennoch zunehmend Langeweile breit, weil mir letztlich als Ergebnis der 240 Seiten zähen Lesens der Erkenntnisgewinn fehlte, bei den Protagonistinnen ebenso wie bei mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere