Von Entschleunigung und überflüssigen Kommentaren
Tomke gräbtAls ich das Buch zuklappte, da fragte ich mich: Ist das ein Buch für Kinder – oder doch eher für Erwachsene, um das kindliche Gemüt besser fassen zu können?
Denn Tomke gräbt, Tomke buddelt, Tomke schaufelt. ...
Als ich das Buch zuklappte, da fragte ich mich: Ist das ein Buch für Kinder – oder doch eher für Erwachsene, um das kindliche Gemüt besser fassen zu können?
Denn Tomke gräbt, Tomke buddelt, Tomke schaufelt. Und alle geben ihren Senf dazu. Schließlich muss das doch einen tieferen Sinn haben, dass Tomke da mit ihrer Schüppe sitzt und gräbt und gräbt und gräbt.
Und das Schöne daran ist ja: Das ist völliger Quatsch. Also das mit dem Sinn. Manches darf, ja, muss auch einfach mal sinnlos im besten Sinne sein. Einfach machen ohne Ziel. Pure Entschleunigung. Kinder dürfen das und wenn man einmal ehrlich ist, auch Erwachsene sollten das tun.
Und noch wichtiger, Erwachsene sollten auch nicht alles kommentieren – und dürfen sich nach der Lektüre mal so richtig ertappt fühlen. Denn eigentlich kennt man das. Ein Kind macht was, jemand kommentiert es. Weniger die Eltern, aber Tanten, Onkels, Großeltern, Nachbarn, fremde Menschen meinen viel zu häufig, dass es ohne einen Spruch nicht geht. Während das angesprochene Kind überhaupt nicht weiß, was es dazu sagen soll. Und es dann wie Tomke macht: ignorieren und weiterbuddeln.
„Tomke gräbt“ ist so eine Geschichte ohne große Worte. Dafür eine mit schönen Illustrationen von Julia Dürr, die Tomkes Buddelei in wundervolle Bild- und Farbwelten eingefangen hat. Und natürlich einer wunderbaren Moral von Julia Hach, die dieses kleine, feine Kinderbuch zu einer Lektüre für alle macht – Kinder, Eltern, Verwandte und alle, die Kindern gerne mal einen Spruch drücken. Und für alle, die selbst mal wieder buddeln möchten. Schüpp-schüpp: Hurra!