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Veröffentlicht am 09.06.2024

Scary Movie

Silberne Geister
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" Montserrat hatte drei Leidenschaften: Erstens Horrorfilme, zweitens ihr Wagen. Und an dritter Stelle Tristán.“

Vorab: Blutrünstigen Horror nach Art eines Stephen King darf man hier nicht erwarten, ...

" Montserrat hatte drei Leidenschaften: Erstens Horrorfilme, zweitens ihr Wagen. Und an dritter Stelle Tristán.“

Vorab: Blutrünstigen Horror nach Art eines Stephen King darf man hier nicht erwarten, eher etwas im Stil von Shelley, Lovecraft, Poe oder E.T.A Hoffmann.

Die kanadische Autorin Silvia Moreno – Garcia kehrt auch in „Silberne Geister“ wieder zu ihren mexikanischen Wurzeln zurück, wie in „Der mexikanische Fluch“ und „Die Tochter des Doktor Moreau“. Einmal mehr interpretiert sie den Schauerroman neu.

Da ich die Romane der Autorin bereits kannte, war ich auf ihre neueste Publikation gespannt.

Worum geht’s?

Back to the 90s!

Montserrat und Tristán sind alte Freunde. Die junge Frau kämpft in einer Männerdomäne um Anerkennung, als Tontechnikerin hat sie im Filmbusiness wenig zu Lachen. Tristán ist ein (mehr oder weniger) abgehalfterter Soapdarsteller, der in der Branche ebenfalls ums finanzielle Überleben kämpft. Da kommt ihm der Zufall zu Hilfe:

Der ehemalige Regisseur Abel Urueta zieht neben Tristán ein (Montserrat ist zufälligerweise ein großer Fan seiner Arbeit). Er bietet den beiden an, seinen letzten Film zu vollenden, da dieser nie fertiggestellt worden ist – eine große Chance für die Freunde (Montserrat hegt für den Beau indes mehr als nur freundschaftliche Emotionen). Sowohl der Schauspieler als auch Montserrat haben das Gefühl, in einer Sackgasse zu stecken, die Aussicht auf Erfolg motiviert sie ungemein. Doch der Film hat es buchstäblich in sich. Böse Geister werden heraufbeschworen, und für die Protagonisten beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit …



Der Kniff, einen ominösen, nie beendeten (Horror)film ins Zentrum der Geschichte zu rücken, ist in der Literatur nichts Neues. Da ich dieses Motiv mag, habe ich schon einige Romane zum Thema Filmgeschichte gelesen, etwa „Die amerikanische Nacht“ von Marisha Pessl (die Geschichte rund um den mysteriösen Regisseur Cordova gehört zu meinen Favoriten) oder „Lichtspiel“ von Daniel Kehlmann (in der Erzählung geht es vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges ebenfalls um einen ‚verschollenen‘, nie beendeten Film). Im Vergleich zur „amerikanische[n] Nacht“ schneiden Moreno – Garcias „Silberne Geister“ etwas schlechter ab:

Die Autorin präsentiert einen wilden Genremix, in welchem die (erzählhistorisch manchmal arg strapazierten) Nazis mittels okkulter Riten sozusagen wieder zum Leben erweckt werden. Wie in allen ihren Romanen versucht die Schriftstellerin, eine Atmosphäre des Grauens (Horror eben) zu evozieren. Ob ihr das gelingt, muss jeder Leser selbst entscheiden.

Der erzählerische Fokus liegt über weite Teile der spannungsarmen Handlung nicht auf den Ereignissen, es geht eher um innere Prozesse und um die Charakterisierung der Figuren; die Sichtweise ist eine dezidiert feministische (manchmal geht es gar ins Identitätspolitische, was angesichts der Handlungszeit in den 1990er Jahren teils ahistorisch wirkt).

Der deskriptive Stil der Autorin sorgt ferner für gewisse Längen in der Geschichte, zumal die Umgebung bis ins kleinste Detail beschrieben wird. Manchmal wäre es besser, Dinge geschehen zu lassen, statt sie zu zerreden.

„Sillberne Geister“ hat mich dennoch gut unterhalten, da ich das slow burn trope gerne mag. Außerdem finde ich es gut, kein amerikanisches Setting und kein eurozentrisches Weltbild präsentiert zu bekommen, der Fokus liegt auf der mexikanischen (Kultur)geschichte.

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Veröffentlicht am 02.06.2024

The twist of a knife

Mord stand nicht im Drehbuch
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„Ich habe keine Lust, drei Schritt hinter ihnen herzudackeln wie der Prinzgemahl hinter der Königin.“

Die Serie rund um Hawthorne & Horowitz gehört zu meinen Lieblingskrimireihen, ich habe alle ...

„Ich habe keine Lust, drei Schritt hinter ihnen herzudackeln wie der Prinzgemahl hinter der Königin.“

Die Serie rund um Hawthorne & Horowitz gehört zu meinen Lieblingskrimireihen, ich habe alle bisher erschienenen Bände regelrecht „verschlungen“. Ich liebe Intertextualität & Metafiktion! Nun legt Horowitz den vierten Teil der Erfolgsserie vor.
Daher ist „Mord stand nicht im Drehbuch“ genau das Richtige für mich (Der englische Originaltitel „The Twist of a Knife“ gefällt mir aber besser). Wird der Privatdetektiv (und Expolizist) Daniel Hawthorne wieder ermitteln? Erzählt wird das Ganze (wie gehabt) vom real existierenden (Drehbuch) Autor Anthony Horowitz.

Der Roman ist ein gelungener Genremix. Besonders gut gefallen mir die satirischen Anteile, der Literaturbetrieb (oder allgemein der Kulturbetrieb) wird durch den Kakao gezogen. Die selbstironische Charakterisierung der Personen – der Autor ist zugleich Erzähler und Hauptfigur – macht Spaß. Horowitz und Hawthornes Beziehung ist eine Art Hassliebe, sie liefern sich witzige Wortgefechte und wirken manchmal wie ein altes Ehepaar (die deutsche Übersetzung ist recht gelungen, ich würde aber statt „man wusste nie, wo man bei ihm dran war […]“ eine andere Formulierung wählen).
Als Hawthorne Horowitz um eine Verlängerung der Zusammenarbeit bittet, lehnt der Erfolgsautor kategorisch ab, schließlich hat er bereits drei Romane verfasst (ein herrlicher Seitenhieb auf sogenannte three - book deals) und keine Lust mehr auf Hawthornes Kapriolen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, dass er dringend auf die Hilfe des Exzentrikers angewiesen sein wird – als die Theaterkritikerin Margaret Throsby einen bösen Verriss über sein Stück „Mindgame“ publiziert und kurz darauf ermordet aufgefunden wird, ist guter Rat teuer, da sich Horowitz‘ Fingerabdrücke auf der Mordwaffe befinden. Der Autor ist gezwungen, seinen Erzfeind um Hilfe zu bitten, doch nun verweigert der Expolizist die Zusammenarbeit. Anthony Horowitz‘ Schicksal scheint besiegelt …
„Mord stand nicht im Drehbuch“ ist eine Hommage an den klassischen britischen Kriminalroman - das kammerspielartige Setting erinnert an ein Whodunit à la Agatha Christie, ich musste beim Lesen unweigerlich an Hercule Poirot und Co denken. Aber es ist in gewisser Weise auch eine Gesellschaftskritik – der Zeitgeist spielt natürlich eine Rolle. Der Kulturbetrieb wird augenzwinkernd als Jahrmarkt der Eitelkeiten (oder als Schlangengrube) beschrieben, die Krimihandlung kommt aber nicht zu kurz – es gibt überraschende Wendungen und falsche Fährten, das Ende macht aber Sinn.

Fazit:

Auch der vierte Band der Reihe rund um ein ungleiches Paar kann überzeugen. Das Gebaren der Protagonisten brachte mich nicht selten zum Lachen – wenn etwa der Ich – Erzähler behauptet, Rezensionen „nie“ zu lesen, um im nächsten Atemzug eine Besprechung dem richtigen Medium zuzuordnen, finde ich das lustig. Die Lektüre hat mir großen Spaß gemacht, da die Geschichte unterhaltsam und spannend ist. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil!

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Veröffentlicht am 20.05.2024

'Die Liebe ist ein seltsames Spiel ...'

Funny Story
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„Jahrzehnte, in denen ich der Welt gepanzert gegenübergetreten bin, und jetzt finde ich dieses Gefühl nicht mehr, diese Trennwand zwischen mir und allen anderen, und das ist beängstigend und ...

„Jahrzehnte, in denen ich der Welt gepanzert gegenübergetreten bin, und jetzt finde ich dieses Gefühl nicht mehr, diese Trennwand zwischen mir und allen anderen, und das ist beängstigend und befreiend und intensiv.“

Das blaue Cover (und überhaupt die verspielte Umschlaggestaltung) von Emily Henrys “Funny Story“ versprach gute Unterhaltung. Ich stellte mich auf eine witzige und heitere Lektüre à la Sophie Kinsella ein. Manchmal muss es eben Chicklit sein!

Worum geht’s?

Die Ich-Erzählerin Daphne führt durch das Geschehen. Nachdem sie von ihrem Liebsten verlassen wurde, macht sie aus der Not eine Tugend – sie gründet mit Miles, der von Petra verlassen wurde, eine WG. Daphnes Ex Peter und Petra lieben sich nämlich neuerdings. Wie der Zufall es will, sind Miles & Daphne bald gezwungen, ein glückliches Paar zu mimen – in einer Kleinstadt ist das nicht eben leicht …
Emily Henry präsentiert in „Funny Story” eine Kombination aus beliebten Stilmitteln des NA – bzw. Liebesromangenres:
Fake Dating trifft auf Kleinstadtromantik (kann man von Slow Burn sprechen, wenn die Hauptpersonen relativ schnell fast im Bett landen?). Die Charakterisierung der Figuren ist vor allem zu Beginn etwas klischeehaft geraten. Daphne ist rational und zugeknöpft (Berufsrisiko?), Miles ein liebenswerter Chaot; die Protagonisten entwickeln sich jedoch im Verlauf der Geschichte. Da ich bereits „Happy Place“ und „Book Lovers“ gelesen habe, war mir klar, dass die amerikanische Autorin versucht, Frauenliteratur mit Anspruch zu produzieren. Stilistisch kann man Henry daher am ehesten mit Mhairi McFarlane vergleichen, obwohl es bei Henry ernstere Untertöne als bei der schottischen Autorin gibt. Schon in ihrem Roman „Book Lovers“ schickte Emily Henry „Büchermenschen“ ins Rennen – die Lektorin Nora war Teil einer Small Town Romance. In „Funny Story“ kämpft die Kinderbuchbibliothekarin Daphne um ihr Glück. Anfangs ist die Geschichte noch ganz unterhaltsam. Ungefähr ab der Mitte kommt es leider zu Längen in der Erzählung, und der Handlungsverlauf ist auch nicht unbedingt unvorhersehbar. Wie in allen Romanen der Autorin (die übrigens kreatives Schreiben studierte) spielen Kindheitstraumata und ihre Auswirkungen auf das Beziehungsverhalten eine Rolle. Der Grundgedanke hinter den Geschichten der Amerikanerin ist klasse, die Umsetzung gefällt mir persönlich eher weniger. Henrys Romane finde ich insgesamt ausbaufähig; ich hatte mir von „Funny Story“ jedoch eine Steigerung versprochen, ein routiniertes Ausmerzen vorheriger Schwächen. Die Autorin schien jedoch Schwierigkeiten mit der Strukturierung der sperrigen Story zu haben. Ich hätte den Plot definitiv gestrafft; stellenweise musste ich mich zum Weiterlesen regelrecht motivieren. Für einen lockerflockigen Sommerroman gibt es zu viel Drama, vielleicht ist es einfach Geschmackssache – wenn ich problemorientierte Literatur lesen will, greife ich nicht zu Chicklit. Obwohl es ein paar nette Passagen gibt, konnte mich „Funny Story“ insgesamt nicht so richtig „abholen“.




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Veröffentlicht am 06.05.2024

„Sie haben ein wichtiges Date - mit sich selbst!“

Lebenslang beweglich und kraftvoll mit Tigerfeeling
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„Sie haben ein wichtiges Date - mit sich selbst!“

Vorab: Die optische Aufmachung der Publikation kann auf ganzer Linie überzeugen. Das Buch ist hochwertig verarbeitet, die Schriftgröße ist prima, ...

„Sie haben ein wichtiges Date - mit sich selbst!“

Vorab: Die optische Aufmachung der Publikation kann auf ganzer Linie überzeugen. Das Buch ist hochwertig verarbeitet, die Schriftgröße ist prima, die Illustrationen gelungen.
„Lebenslang beweglich und kraftvoll mit Tigerfeeling. CANTIENICA ® Körper in Evolution - Das Original.“ von Benita Cantieni ist ein Sachbuch, welches sich an ‚Best Ager‘ wendet. Die Autorin präsentiert in ihrem Programm Übungen, die Beweglichkeit, Koordination und Kraft von Senioren fördern sollen. Auch Sturzprophylaxe ist ein Faktor. Der Name der Autorin kam mir vage bekannt vor – mit einem Buch über Beckenbodengymnastik („Tigerfeeling“) hatte sie bereits in der Vergangenheit einen Bestseller publiziert.
Benitas Credo:
„Trage deinem Körper Sorge. Pflege ihn, und er bleibt herrlich geschmeidig.“
Cantieni spricht über eigene Erfahrungen, etwa über ihre Skoliose und „Arthrosen". Sie selbst „turnt“ die Übungen vor – die Fotos sind ansprechend, da auf eine affige Hochglanzästhetik verzichtet wird. Der Ton der Autorin soll motivieren und die Eigenverantwortung stärken . Es gibt kurze und lange Einheiten; eine Sequenz von sechzig Minuten erscheint jedoch (zu) lang und setzt eine gewisse Grundfitness voraus. Tägliche Übungen von zwölf Minuten Dauer sind meines Erachtens aber gut machbar. Die Bilder, Laute und Metaphern („ng,ng,ng“) mit denen Benita Cantieni arbeitet, gefallen sehr gut. Visualisierungstechniken kennt man vielleicht schon aus der Physiotherapie; dass in diesem Selbsthilfebuch der Klient (m/f) dazu angehalten wird, mit allen Sinnen zu üben , spricht für den ganzheitlichen Ansatz der Cantienica-Trainingsphilosophie (der Begriff ist wohl markenrechtlich geschützt). Es ist toll, dass man für die Gymnastik keine überteuerten Hilfsmittel benötigt – einen Hocker bzw. Stuhl hat wohl jeder Mensch zuhause. Man muss jedoch ein wenig Geduld mitbringen, auch bereit sein, im Buch zu blättern, leider gibt es keine QR-Codes oder unterstützende Onlinevideos, kein Glossar oder Stichwortverzeichnis, dafür aber weiterführende Links zu Cantienica- Workshops und -Ausbildungen.
Fazit:
„Lebenslang beweglich mit Tigerfeeling“ lädt zum Mitmachen und Dranbleiben ein!

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Veröffentlicht am 16.04.2024

Summer in the city

Happy Hour
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„Der amerikanische Barkeeper entpuppte sich als doch ziemlich skrupellos und suchte am Ende doch bloß wieder eine Frau mit einer Wohnung. Ich wiederum suchte Zerstreuung, doch dafür erinnerte ...

„Der amerikanische Barkeeper entpuppte sich als doch ziemlich skrupellos und suchte am Ende doch bloß wieder eine Frau mit einer Wohnung. Ich wiederum suchte Zerstreuung, doch dafür erinnerte er mich zu sehr an mich selbst. “

Isa & Gala wollen das pralle Leben genießen, daher reisen die beiden Twens von London nach New York. Da sie kein Arbeitsvisum erhalten, müssen sie allerlei dubiose Jobs annehmen; etwa als Aktmodell. Außerdem verkaufen sie Waren auf dem Markt. Einer ihrer Mitbewohner verkündet, weißen Frauen könne man nicht trauen, woraufhin die einundzwanzigjährige Ich-Erzählerin Isa (es wird auf ihre Herkunft/Hautfarbe angespielt) kontert, dass Gala für eine Weiße ziemlich leiderprobt sei (die Critical Race Theory lässt grüßen), da gebürtig aus „Ex-Jugoslawien“ stammend. Ein Roman über junge Menschen, für junge Menschen? Einen Sommer lang wollen sich die Mädels die Drinks finanzieren lassen und einfach Spaß haben. Hedonismus pur!
Doch unter der Oberfläche brodelt eine große Unsicherheit, außerdem gibt es im 21. Jahrhundert immer noch so etwas wie Klassenschranken und soziale Ungerechtigkeit, da ist die Ansage, dass die Welt ein Dorf sei, eigentlich nur das hohle Geschwätz der Privilegierten. Vordergründig ist „Happy Hour“ ein spritziger Sommerroman. Wenn man zwischen den Zeilen liest, ist er aber auch eine Milieustudie, ein Gesellschaftsroman & ein sozialkritischer Kommentar. Es werden auch psychologische Profile entworfen, da die Geschichte eher character – driven als plot – driven ist, wirkt die Haupthandlung wie eine Aneinanderreihung von oberflächlichen Ereignissen, eine Party jagt die nächste; die Erzählung will aber gar keine Chronik der Begebenheiten sein. Ist alles mehr Schein als Sein? „Es ist so viel einfacher, sich albern und leichtfertig zu geben, als wirklich die Summe der eigenen Erfahrungen zu sein.“ Stil und Sprache in „Happy Hour“ passen zum Sujet, ich hätte mir stellenweise jedoch ein wenig mehr Abwechslung gewünscht, da sich die Szenen wiederholen, der episodenhafte Charakter der Erzählung legt nahe, dass die story als Film womöglich besser funktioniert, die Handlung erstreckt sich von Mai bis September.
Jammern auf hohem Niveau?
Ob „Happy Hour“ gelungene Weltschmerz - Literatur ist, muss jeder Leser für sich entscheiden. Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche wird meines Erachtens in Emma Clines „Die Einladung“ pointierter dargestellt, insofern ist der Sommerroman („Happy Hour“ findet wie Emmas Roman, in welchem die Heldin um jeden Preis ein Ticket für die Hamptons lösen will, auch vor dem Hintergrund einer Hitzewelle statt) Clines die bessere Kapitalismuskritik. Marlowe Granados versucht komplexe Figuren zu erschaffen, weswegen sie die Freundschaft von Gala & Isa als eine Art Hassliebe präsentiert. Diese mehr oder weniger toxische Beziehung erinnerte mich an die Verbindung der Protagonistinnen in Lana Bastašićs „Fang den Hasen“, insofern ist Granados‘ Ansatz so innovativ auch wieder nicht, die Autorin hätte insgesamt mehr aus der Geschichte machen können.

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