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Veröffentlicht am 08.11.2024

Hinter dem Spiegel

Rindviehdämmerung
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Als Kathis Auto auf dem Weg von der Spätschicht nach Hause den Geist aufgibt, lässt sie es am Straßenrand stehen und läuft. Das es in Strömen regnet verbessert Kathis Laune nicht wirklich und die Abkürzung ...

Als Kathis Auto auf dem Weg von der Spätschicht nach Hause den Geist aufgibt, lässt sie es am Straßenrand stehen und läuft. Das es in Strömen regnet verbessert Kathis Laune nicht wirklich und die Abkürzung über die Weide war auch keine wirklich gute Idee, benehmen sich die Kühe heute Nacht doch irgendwie seltsam.

Als erstes ist mir hier das markante Cover ins Auge gesprungen und beim Titel habe ich mich irgendwie an die Bücher von Rita Falk erinnert gefühlt. Ich mag gut gemachte Regionalkrimis und die dürfen auch gern ein bisschen Humor enthalten. Das was Alexandra Kolb hier aber abliefert, hat mit Kommissar Eberhofer so gar nichts zu tun, ein bisschen Humor ist aber dabei. Eigentlich hätte mir nach der kurzen Vorstellung der Autorin zu Beginn des Buches klar sein müssen was kommt, schließlich ist sie erklärter Stephen King Fan und mir dadurch als Gleichgesinnte direkt sympathisch. Trotzdem hab ich ein, zwei Seiten gebraucht, um zu erkennen in welche Richting das Buch geht. Die Bezeichnung Heimatthriller auf dem Cover trifft es da für mich nicht ganz und ich fürchte eingefleischte Krimi/Thriller Leser könnten es nicht so mögen.

Die Geschichte rund um Kathi und ihre kartenlegende Oma Lore hat einen starken Mystery Einschlag, enthält Elemente, die man durchaus auch in Grusel, bzw Horrorgeschichten findet. Sprechende Kühe sind da erst der Anfang. Diese Mischung ist sicher nicht für jeden was, ich liebe es.

Ähnlich wie auch bei Stephen King beginnt das Buch mit einer Alltagssituation, um sich dann immer mehr dem Bedrohlichen zuzuwenden, wobei nur wenige der Protagonisten tatsächlich damit in Berührung kommen, es quasi wahrnehmen können. Kathi ist als Hauptfigur in dem Ganzen perfekt gewählt, durch ihre psychiatrische Vorgeschichte gilt sie bei ihren Mitmenschen als verrückt, ihre esoterische Mutter ist ihr keine große Hilfe, einzig Oma Lore und Freund Joshi geben ihr Halt. Als ganz in der Nähe der Stelle, an der Kathi ihre Autopanne hat eine Frau ermordet wird, wird auch Kathi befragt und gerät so in die Ereignisse hinein, die sich bald auf ihre Familie konzentrieren. Mit dem neuen Polizisten im Ort bekommt Kathi unerwartet Hilfe, denn auch er gilt bei seinen Kollegen auf Grund seiner besonderen Ermittlungsmethoden, als Sonderling.

Ich bin mit der Erwartung eines Heimatkrimis in das Buch gestartet und habe tatsächlich einige Seiten gebraucht um den wahren Hintergrund der Geschichte zu erfassen, auch ich habe die sprechende Kuh für ein Hirngespinnst von Kathi gehalten. Die weitere Entwicklung der Story war dann ganz nach meinem Geschmack. Alexandra Kolb schafft es sehr gut Spannung zu erzeugen und diese mit genau der richtigen Dosis Grusel zu versehen. Das Setting der Geschichte ist gut gelungen, stimmig und passt auch gut in die Örtlichkeit, ein kleiner Ort umgeben von Wäldern, im Winter, es wird früh dunkel, ist neblig und kalt. Mir gefällt die Mischung aus recht klassischen Elementen aus dem Mystery Bereich, der Krininalgeschichte und der punktuell eingestreute Humor, der für mich auch besonders in den Tieren deutlich wird. Ein Highlight für mich die Gedankengänge von Schäferhündin Frau Schmidt, wie sie das Paarungsverhalten ihrers Frauchens analysiert, oder überlegt, das es Zeit wird dem Neuen im Haus die Rangordnung klarzumachen. Jeder Hundebesitzer hat sich sicher schonmal gefragt, was der Liebling wohl gerade denkt, in diesem Buch bekommt man davon einen Eindruck und die Autorin hat es geschafft, dass ich ihr das absolut abnehme und es in keinster Weise merkwürdig, oder gar lächerlich wirkt.

Bitte gerne mehr davon.

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Veröffentlicht am 08.11.2024

Weltraumtourismus

Luna
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Luna, eine junge ambitionierte Lehrerin, bekommt die Möglichkeit am ersten touristischen Flug zum Mond teilzunehmen. Ein Millionär, der sich den Flug gönnt, will den zweiten Platz im Raumschiff jemandem ...

Luna, eine junge ambitionierte Lehrerin, bekommt die Möglichkeit am ersten touristischen Flug zum Mond teilzunehmen. Ein Millionär, der sich den Flug gönnt, will den zweiten Platz im Raumschiff jemandem zukommen lassen, der sonst nie die Möglichkeit dazu hätte und Luna wird ausgewählt, wie sie glaubt nur auf Grund ihres passenden Namens. Die Reise beginnt ohne Probleme, aber bei der Landung geht dann alles schief.

Der Klappentext des Buches lässt natürlich direkt Parallelen zu "Der Marsianer" erkennen, auch hier strandet eine Person allein auf einem lebensfeindlichen Planeten. Im Gegensatz zu Mark Watney ist Luna aber keine ausgebildete Astronautin und nur ein kurzes Training hat sie auf diese Reise und ihre möglichen Risiken vorbereitet. Auch wie bei Mark Watney liegt das Augenmerk in Phillip-P.-Petersons Buch darauf Luna zu retten, koste es was es wolle. Niemand will die junge Frau ihrem Schicksal überlassen, ob aus humanistischen Gründen, oder auch aus Angst vor einem Imageverlust, sein dahingestellt.

Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, alle Möglichkeiten einen Rettungsversuch zu starten werden abgewägt und natürlich läuft nichts wie gewünscht, sonst wäre das Buch ja auch nur halb so lang. Das unter Zeitdruck nach einer Lösung gesucht wird ist für den Leser sehr spannend. Hier bilden sich dann auch zwei verschiedene Handlungsstränge heraus. Auf der einen Seite die Mitarbeiter der für den Flug verantwortlichen Firma, die fieberhaft nach einer Lösung suchen. Auf der anderen Seite die Flugaufsicht, die für die Startfreigabe der Raketen zuständig ist und für die die Suche nach dem Grund für den Crash im Vordergrund steht, um ein weiteres Unglück bei einem erneuten Raumflug zu verhindern. Vertreter dieser beiden Lager sind der Chefastronaut Blake und für die Behörde ausgerechnet dessen Exfrau Charlie, die den grund für das Ende ihrer Ehe noch immer nicht endgültig aufgearbeitet haben.

Der Autor möchte mit dieser Personenkonstellation natürlich weiter Spannung, bzw Spannungen in die Geschichte bringen, mir war das ständige Hin und Her zwischen den Beiden aber oft zu viel, zumal auch der Grund für die Trennung immer angedeutet, aber erst sehr spät zur Aussprache gebracht wurde. Zweifelsohne schlimm, aber warum gerade Blakes Figur so drauf reduziert wurde, hat sich mir nicht erschlossen. Wärend Blake, entgegen aller Vernunft die Rettung vorantreibt, steht für die eher analytische Charlie erstmal die Ursachenvorschung an, um eine weitere Katastrophe zu verhindern. Der Leser kann beide Standpunkte nachvollziehen, wer aber mit amerikanischem SciFi dieser Art vertraut ist, kann sich denken, worauf es hinausläuft.

Bis hierhin eigentlich alles gut, doch leider beginnt der Autor auf recht amerikanische Weise mit Klischees zu spielen. Bei der Suche nach der Ursache für das Unglück kommt schnell der Verdacht auf Sabotage auf, die Schuldigen, wie sollte es anders sein, die Chinesen. Für einen Rettungsversuch braucht man die Hilfe der ESA, die sich unter ihrem deutschen Vorsitzenden als bürokratieverliebte Paragraphenreiter entpuppen. Charlie, als Vertreterin der Behörden wird unterstellt, sie würde nur aus Angst um ihren Job ihr okay verweigern, während Luna, allein auf dem Mond über sich hinauswächst.

Lunas Figur ist es dann auch, mit der ich am meisten hadere, den hier wird das Buch, das sich bis dato recht nah an einer möglichen Realität bewegt hat, immer unrealistischer. Das Konzept eines Zivilisten, der plötzlich übermenschliches leisten muss ist nicht neu. Bei Armageddon rettet Bruce Willis die Welt, in dem er ein Loch bohrt, aber das ist eben der Punkt, er tut etwas, dass er gelernt hat, das er gut kann. Luna hingegen, eine untrainierte Lehrerin marschiert da über den Mond, macht sich Gedanken darüber, wie sie auf dem Videoaufnahmen der Station rüberkommt, sie will ein gutes Vorbild sein und deshalb ihre Angst und Verzweiflung nicht zeigen. Hallo, sie ist allein, als einzige Überlebende eines Raumschiffabsturzes auf dem Mond gestrandet, sie darf verzweifelt sein, sie darf Angst haben und das Gleiche gilt für ihre Mutter. Da war ich einfach raus.

Es ist jetzt nicht so, dass ich das Buch nicht gern gelesen habe, im Gegenteil. Der Schreibstil des Autors macht es dem Leser leicht, diesesmal war mir auch das Technische nicht zu viel, ich habe das Buch an einem ruhigen Urlaubstag weggelesen. Die Geschichte war vom Grundgerüst unglaublich spannend und hätte ich meine Rezi direkt nach dem Lesen geschrieben, hätte ich vier Sterne vergeben. Je mehr ich aber dann über das Buch nachdenke, um so eher fallen mir die kleinen Details auf, die die Geschichte unrund machen und mich stören. Trotzdem solide Hard-Sience-Fiktion.

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Veröffentlicht am 07.11.2024

Fluch der Technik

Der tiefste Punkt
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Für Nina beginnen bange Stunden, das Ausflugsboot, auf dem ihr Freund und Mitbewohner Simon mit seiner Band eine Hochzeitsgesellschaft unterhalten soll, wird vermisst und das bei immer schlechter werdendem ...

Für Nina beginnen bange Stunden, das Ausflugsboot, auf dem ihr Freund und Mitbewohner Simon mit seiner Band eine Hochzeitsgesellschaft unterhalten soll, wird vermisst und das bei immer schlechter werdendem Wetter. Die Zeit drängt, aber bald steht fest, das Boot ist gesunken, im Nebel auf das Fundament eines Windrades aufgefahren, obwohl das Radar das eigentlich hätte verhindern müssen.

Der Thriller beginnt direkt mit einer Schreckensnachricht, man folgt Rettungshubschrauberpilot Matthew bei der gefährlichen Suche nach dem verschwundenen Boot, wartet zusammen mit den Bewohnern des kleinen Küstenortes auf Nachricht über Familienangehörige und Freunde. Bei diesem Handlungsort bleibt es allerdings nicht, die Geschichte führt den Leser zu Tierschützern nach Kenia und sogar auf die ISS. Es werden verschiedene Handlungsstränge angestoßen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Natürlich fügt sich zum Ende hin alles zusammen, aber bis dahin ist es teilweise ziemlich hektisch und unübersichtlich.

Die Geschichte springt ein bisschen ohne roten Faden zwischen den einzelnen Handlungsorten hin und her, die dabei handelnden Personen sind alle irgendwie miteinander verbunden, was dem Leser mit der Zeit erklärt wird. In jedem der Handlungsstränge scheint es ein, mal mehr, mal weniger, unglückliches Pärchen zu geben, was mich ehrlicherweise mit der Zeit etwas genervt hat. Wie zb Nina und Matthew umeinandertanzen ist oft nur schwer zu ertragen und wirt auf mich doch sehr gewollt. Das hätte ich so nicht gebraucht. Was ich auch nicht gebraucht hätte ist der häufige Wechsel zwischen den Handlungsorten. Da ist man für zwei Seiten in Reetna an der Ostsee, dann plötzlich mit Omar in einem Internetcafe in Kenia, um auf der nächsten Seite die Ankunft von Shana auf der ISS mitzuerleben. Diese kurzen Wechsel haben mich in meinem Lesefluss doch sehr gestört, ich hätte es angenehmer gefunden, wenn die Autorin das über mehrer Kapitel gebündelt und erst dann gewechselt hätte. Auch der Spannung ist das nicht unbedingt zuträglich, gerade passiert etwas und plötzlich ist man raus aus der Situation.

Die Hintergrundgeschichte, ist durchaus spannend, zeigt sie doch, wozu moderne Technik missbraucht werden kann.Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob Verbrecher tatsächlich einen solchen Aufwand betreiben würden, vor allem, weil da auch ein hoher finanzieller Einsatz dahinter steht. Die Beschreibungen der durch Wilderer getöteten Elefanten ist grauenvoll und geht dem Leser nahe.

Die Kurzbeschreibung des Buches klang spannend und in der Hinsicht wurde ich nicht enttäuscht. Leider bin ich mit der Art und Weise, wie die Autorin ihre Geschichte aufgebaut hat nicht ganz warm geworden, und auch die Figuren sind mir in ihrem ständigen hin und her, fremd geblieben. Letztlich einfach zu viel Drumherum für meinen Geschmack.

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Veröffentlicht am 07.11.2024

Mutterliebe

All die kleinen Vogelherzen
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Sunday liebt ihr geordnetes Leben mit ihrer Teenagertochter Dolly, obwohl sie spürt, wie diese immer wieder Probleme mit der besonderen Lebensweise der Mutter hat. Als nebenan die charismatische Vita mit ...

Sunday liebt ihr geordnetes Leben mit ihrer Teenagertochter Dolly, obwohl sie spürt, wie diese immer wieder Probleme mit der besonderen Lebensweise der Mutter hat. Als nebenan die charismatische Vita mit ihrem Ehemann einzieht, fegt sie wie ein Orkan in Sundays Leben und in das ihrer Tochter.

Sunday führt als Ich-Erzählerin durch das Buch, der Leser erlebt die Geschichte, alle Ereignisse, alle Gespräche, alle Erinnerungen, einzig aus ihrer Sicht. Schnell ist klar, das Sunday ein besonderer Mensch ist, ohne, dass das dem Leser allerdings in einem Vorwort, oder auf andere Art und Weise erklärt wird. Stattdessen wundert man sich über Sundays merkwürdigen Verhaltensweisen, ihre Eigenart nur möglichst farbloses Essen zu sich zu nehmen, ihre Fixierung auf sizilianische Märchen und Sagen und einen überholten Etiketteratgeber aus den 50er Jahren, ihre Unfähigkeit Gespräche mit anderen Personen zu führen, Emotionen zu zeigen, oder angemessen auf sie zu reagieren. Wer sich mit der Thematik etwas auskennt, wird merken, dass bei Sunday eine kognitive Störung vorliegt, sie leidet an einer Form von Autismus. Leser die sich hier nicht so auskennen, werden die Figur Sunday schnell als schrullig, ja sogar nervig, vielleicht sogar durchgeknallt abstempeln, wie es Sundays Mitmenschen, sogar die Familie tut und das wäre schade, denn es tut ihr unrecht. Leider wird der Umstand das Sunday unter Autismus leidet nur ganz kurz auf dem Buchrücken erwähnt und geht so leicht unter, was schade ist, weil es die Aussage des Buches total verzerrt.

Wenn man Sunday kennenlernt ist es recht einfach ein pauschales Urteil über sie zu fällen, im Verlauf des Buches lernt man sie und ihre Vergangenheit aber immer besser kennen und entwickelt einen gewissen Beschützerinstinkt ihr gegenüber. Besonders natürlich gegenüber Nachbarin Vita, die sich laut, unkonventionell und übergriffig erst in Sundays Küche, dann in ihren Alltag und letztlich zwischen sie und Tochter Dolly drängt. Der Leser ahnt schnell worauf das hinausläuft, Sunday hingegen kann die Zeichen einfach nicht deuten. In dieser Phase des Buches überwiegt die Wut, angesichts ihrer Untätigkeit, aber natürlich ist klar, sie kann einfach nicht aus ihrer Haut.

Viktoria Lloyd-Barlow schreibt unglaublich eindringlich, man folgt gern ihren poetischen Sätzen und den Bildern, die sie damit erzeugt. Sie schafft es gut die verschiedenen Stimmungen einzufangen, Vitas überbordendes Wesen im Gegensatz zu Sundays Ruhe, aber auch deren Ängste, der Druck der auf ihr lastet, die inneren Kämpfe die sie ausficht und verliert und über allem die Spannung, die Vitas Anwesenheit erzeugt, diesen Anflug von etwas Dunklem, Bedrohlichen, dass man nie wirklich zu fassen bekommt.

In all diesen Punkten bin ich bei der Geschichte und diesem besonderen Buch, leider schafft es die Autorin aber in letzter Instanz nicht, mich bis zu Ende hin mitzunehmen. Der Abschluss von Sunday und Dollys Mutter-Tochter-Beziehung wird mir zu oberflächlich abgehandelt. Es werden da noch schnell ein paar erklärende Details hingeworfen und am Ende steht der Leser genauso allein auf der Straße wie Sunday. So virtuos wie die Geschichte bis dahin war, so unbefriedigend und lieblos wird sie abgeschlossen. Schade.

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Veröffentlicht am 03.11.2024

Reisetagebuch

Reise in ein fernes Land
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Einige von Agatha Christies Romanen spielen im Orient, die Autorin scheint von diesem Landstrich fasziniert zu sein. Woher diese Faszination und auch das Hintergrundwissen der Autorin kommt, wird in diesem ...

Einige von Agatha Christies Romanen spielen im Orient, die Autorin scheint von diesem Landstrich fasziniert zu sein. Woher diese Faszination und auch das Hintergrundwissen der Autorin kommt, wird in diesem Reisebericht ein Stück weit klar. AC hält hier ihre Erlebnisse wärend einer Reise mit ihrem Mann Max Mallowan, einem Archäologen, fest. Das Paar und seine Begleiter suchen geeignete Plätze für lohnenswerte archäologische Ausgrabungen, die später dann ja auch stattfinden und ebenfalls von AC begleitet werden.

Das Buch enthält einen Reisebericht, im Tagebuchstil beschreibt die Autorin hier die Vorbereitungen der Reise und die Reise selbst, inklusive stundenlanger Autofahrten durch die Wüste, Problemen mit Ungeziefer in der Unterkunft, ermüdenden Verhandlungen mit einheimischen Beamten und faszinierenden Landschaften. AC schreibt sehr gefällig und humorvoll, manchmal aber auch etwas ermüdend über Land und Leute, ergänzt wird das Buch durch einige Abbildungen von Fotos, die die Autorin meist selbst entwickelt hat.

Beim Lesen macht man einen ziemlichen Zeitsprung, zurück in die 1930ger Jahre. Dementsprechend ist auch die Ausdrucksweise der Autorin, einiges, das gesagt wird, würde man heute unter keinen Umständen mehr in einem Buch dulden, viele ihrer Aussagen haben einen faden Beigeschmack, wirken sehr von oben herab, überheblich, fast verächtlich und könnten aus heutiger Sicht teilweise sogar rassistisch genannt werden. Man liest so mit einem gewissen Unverständnis davon, wie die Gruppe zb mitten in der Wüste auf der Einhaltung britischer Gepflogenheiten besteht, sei es beim morgentlichen Teeritual, oder beim richtigen Tischdecken, inklusive weißem Tafeltuch und Unmengen an Besteck. Das es den Einheimischen manchmal etwas schwer fällt den Sinn hinter all diesem fremdartigen Gebaren zu erkennen, kann ich nachvollziehen, für AC war es ein stetiges Ärgernis und den Unmut darüber tut sie im Buch auch des Öfteren kund. Andererseits spürt man deutlich die Liebe ACˋs für Land und Leute und auch ihre Trauer, als die Ausgrabungen ihres Mannes beendet waren.

Natürlich ist auch mir der ein, oder ander Satz im Buch unangenehm aufgestoßen, hat dieser autobiographische Bericht doch das Bild, das ich als Fan von der Kriminalautorin Agatha Christie habe, etwas zurechtgerückt. Allerdings plädiere ich dafür, das Buch, genau wie auch die älteren Ausgaben der Kriminalromane, im richtigen Kontext zu sehen. Ich will hier keinesfalls etwas beschönigen, aber man sollte halt auch nicht vergessen, dass das damals der übliche Sprachgebrauch, ein übliches Verhalten in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen war. Natürlich ist das beschriebene Verhalten aus heutiger Sicht aufs schärfste zu kritisieren und ich verstehe, das die Bücher heute oft in überarbeiteter Neuauflage erscheinen (bei Krimis durchaus kein Problem, die Geschichten von AC sind zeitlos).

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