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Veröffentlicht am 03.02.2025

Abstinenz mal anders

Assassins Anonymous
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Mark ist Auftragskiller, allein die Erwähnung seines Decknamens löst in einschlägigen Kreisen Todesangst aus, aber Mark hadert mit seiner Aufgabe und schließlich hört er auf. Allerdings ist eine Rückkehr ...

Mark ist Auftragskiller, allein die Erwähnung seines Decknamens löst in einschlägigen Kreisen Todesangst aus, aber Mark hadert mit seiner Aufgabe und schließlich hört er auf. Allerdings ist eine Rückkehr in ein normales Leben gar nicht so einfach und so sucht Mark Hilfe bei den AA, den Anonymen Auftragskillern, einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter und er ist auf einem guten Weg, bis zu dem Tag als dieser Russe auftaucht und Mark ans Leder will.

Die Grundidee des Buches hat mich direkt anesprochen, ein Killer, der versucht nicht mehr zu morden und dabei Hilfe von anderen Killern bekommt. Auf so was muss man erstmal kommen. Natürlich ist recht schnell klar, dass es gar nicht so leicht wird für Mark seine Abstinenz durchzuhalten, schließlich könnten ihm jederzeit ehemalige Kollegen auflauern, aus Rache, oder um sich einen Namen zu machen und auch Marks ehemaliger Arbeitgeber "Die Agentur" könnte jederzeit beschließen, dass, wenn Mark nicht mehr für sie arbeitet, er auch nicht in der Lage sein sollte für jemand anderen zu arbeiten.

Das Auftauchen des mysteriösen Russen bildet nun den Auftakt der Geschichte und der Autor schafft hier eine schwarzhumorige, fast absurde Situation, in der Mark die ganze Zeit bemüht ist den Angreifer abzuwehren, aber bloß nicht zu töten, obwohl er das mit Leichtigkeit könnte und auch immer wieder in Gedanken durchgeht. Es gibt die Erste von vielen weiteren detailierten Kampfszenen, bei denen sich Mark nach allen Regeln der Kunst wehrt, versucht größtmöglichen, aber eben nicht lebensbedrohlichen Schaden zuzufügen und dabei natürlich selbst aufs Übelste zugerichtet wird.

Im Verlauf der Geschichte folgen wir Mark auf seiner Suche nach dem Russen und den Gründen für seinen Angriff und wir erfahren in eingestreuten Rückblenden mehr über Mark. Der Autor lässt die Vergangenheit seiner Hauptfigur weitestgehend im Dunkeln. Passend zur Figur eines Auftragskillers wird nur wenig persönliches preisgegeben und bei den Informationen die man bekommt, kann man nie sicher sein, ob es die Wahrheit ist, oder das, was Mark seinem Umfeld als Wahrheit präsentiert. Der Leser erlebt zwei verschiedene Persönlichkeiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Den Profi von früher verbindet nichts mit dem Mark von heute, verzweifelt nach Vergebung und Seelenfrieden sucht, nach normalität, nach einem Leben und man fragt sich natürlich, was ist passiert, um ihn an diesen Punkt zu bringen. Das Buch nähert sich der Antwort unaufhaltsam, als Leser sieht man sie früher als Mark, kann ihn aber nicht warnen. Der Autor schafft hier eine Hauptfigur, die zwei Gesichter hat, die dem Leser ans Herz wächst und der man all ihre früheren Taten verzeiht.

Ich muss gestehen, dass ich vom Klappentext her und auch nach Lektüre der ersten Seiten auf eine Geschichte im Stil von Bullet Train eingestimmt war. Locker, wild, durchaus blutig, aber eben mit diesem tief schwarzem Humor, wie ich ihn auch in diesem Genre durchaus liebe. Das Buch entwickelt sich aber schnell in eine andere Richtung und wird durchaus ernster, fast tiefgründig. Wenn Mark mit seiner Situation hadert, kurz davor ist "rückfällig" zu werden, dann hat das natürlich Parallelen zu den AA wie wir sie kennen, den Anonymen Alkoholikern und es wird durchaus deutlich, wie schwierig es ist, jeden einzelnen Tag aufs neue den Kampf gegen die Sucht zu führen, nicht aufzugeben, nicht nachzugeben, eben nicht zu sagen - was solls, fang ich eben morgen wieder neu an zu zählen. Der Autor gibt seinen Figuren nicht von ungefähr die gleichen Schritte an die Hand, lässt sie die selben Mantras benutzen, ihre Treffen nach den selben Regeln ablaufen.

Das Buch ist natürlich kein Thriller im herkömmlichen Sinne, auch wenn es viel Gewalt und einige Tote gibt. Spannung kommt so auch nur immer mal kurz auf und in einer der ruhigeren Phasen, in denen Mark ins Philosophieren kommt, kann es auch mal ein paar klitzekleine Längen geben. Die Hintergründe, die zum Angriff durch den Russen geführt haben waren mir etwas wirr, aber trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten und ich habe Mark sehr ins Herz geschlossen.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Das Grauen in der Tiefe

Kummersee
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Ein Vermesserteam wird beauftragt, einen möglichen Platz für ein Atommüllendlager zu prüfen. Einen See, in der Nähe des kleinen Ortes Horlow, direkt gelegen an der früheren innerdeutschen Grenze. Natürlich ...

Ein Vermesserteam wird beauftragt, einen möglichen Platz für ein Atommüllendlager zu prüfen. Einen See, in der Nähe des kleinen Ortes Horlow, direkt gelegen an der früheren innerdeutschen Grenze. Natürlich stoßen die Pläne bei Dorfbewohnern und Umweltaktivisten gleichermaßen auf Ablehnung, weswegen das Team auch zum Schutz von zwei Polizisten begleitet wird. Eine von ihnen ist Lena, die früher in Horlow gelebt hat und sich nun ihren Dämonen stellen will.

Der Titel des Buches bezeichnet auch den Namen des Sees, der in diesem Thriller die tragende Rolle einnimmt. Woher der See ihn hat, erfahren Hauptfigur Lena und der Leser direkt im Prolog, einem Rückblick auf die Ereignisse des Tages, an dem Lena ihren Bruder verlor. Das Buch ist durchzogen von solchen Rückblicken, die immer mit dem jeweiligen Datum überschrieben sind. Durch diese Rückblicke ist der Leser in der Lage Lena besser zu verstehen, wird tief hineingezogen in ihre Gefühlswelt und erlebt ihr Grauen und ihre Ängste. Der Autor nutzt diesen eindimensionalen Blick auf die Ereignisse, um eine düstere, beängstigende Athmosphäre zu erzeugen und während des ganzen Buches aufrechtzuerhalten.

Die Athmosphäre, die das Buch beherrscht, geht sehr in Richtung Horror und Mysterie. Alles zielt darauf ab dies zu verstärken, das Wetter, die einsame, fast trostlose Umgebung, die Bewohner Horlows, in ihrer ablehnenden, geheimnisvollen Haltung. Das Setting erinnert ein bisschen an Geschichten von Stephen King, oder auch Peter Straub, Geschichten wie man sie eher aus amerikanischen Filmen kennt. Ein abgelegener Ort, ein paar unheimliche Bewohner, ein paar gruselige Legenden und Geschichten, überall unterschwelliges Grauen und Fremde, die in den Ort kommen stoßen auf eine Wand aus Schweigen. Selbst die Figuren des Buches ziehen entsprechende Vergleiche und nennen den Ort in Anlehnung an den Film, Sleepy Horlow. Natürlich kann man sich auch als Leser dieser Düsternis nicht entziehen und macht sich seine ganz eigenen Gedanken zu dem Grauen, das unter der Oberfläche des Sees lauert und da ist von der überlebenden Urzeitechse ala Nessie, bis hin zu mutierten Riesenfischen alles möglich. Für mich, als Megafan des Horror/Mysterie Genres war das natürlich Klasse und mein Hirn hat die ganze Zeit mögliche Szenarien entwickelt.

Über die letztliche Auflösung des Ganzen könnte man streiten. Für mich kam sie nicht komplett aus dem Nichts, ab einem gewissen Punkt war klar, dass es eher in diese Richtung geht, allerdings waren meine Details ein wenig anders. Hier kommt dann auch der Punkt, mit dem ich ein klein wenig hadere, weil es mir irgendwie nicht ganz stimmig erscheint. Der Kontext passt nicht zu hundert Prozent und erklärt auch nicht unbedingt das Verhalten der Beteiligten. Ich hätte hier wahrscheinlich einen anderen Weg gewählt, aber ich bin ja nicht der Autor und natürlich war das Buch trotzdem ganz meins.

Die Bezeichnung Thriller ist für das was den Leser letztlich erwartet, vielleicht etwas irreführend, trifft es dann aber auf Grund des Endes der Story doch wieder ganz gut. Man sollte sich bewusst sein, dass es hier sehr viele klassische Gruselelemente gibt und das muss man mögen. Leser die einen reinen Kriminalfall erwarten werden vom Buch wahrscheinlich enttäuscht sein. Mir hat es gut gefallen, der Autor kann die besondere Stimmung die ganze Zeit über aufrechterhalten und das Buch bleibt spannend bis zum Schluss.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Toxische Familie

Letzte Lügen
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Sara und Will wollen ihre Flitterwochen in einer exklusive Lodge in den Bergen verbringen, die seit Generationen im Besitz der Familie McAlpine ist. Idyllisch an einem großen See gelegen, mitten im Wald, ...

Sara und Will wollen ihre Flitterwochen in einer exklusive Lodge in den Bergen verbringen, die seit Generationen im Besitz der Familie McAlpine ist. Idyllisch an einem großen See gelegen, mitten im Wald, ohne Handyempfang. Zusammen mit den Frischvermählten, sind noch vier weiter Pärchen und ein Freund der Familie anwesend. Direkt am ersten Abend werden die Gäste Zeuge einer Auseinandersetzung innerhalb der Familie, kurz darauf wird die Tochter Opfer eines brutalen Verbrechens. Will, der die Sterbende findet, fühlt sich verpflichtet ihren Mörder zur Strecke zu bringen und er glaubt auch bereits zu wissen, wer es gewesen ist.

"Letzte Lügen" ist bereits der 12. Band der Georgia-Reihe rund um Gerichtsmedizinerin Sara Linton und GBI Ermittler Will Trent. Die Autorin liefert hier eine typische Locked Room Geschichte, eine kleine Gruppe von Personen, in einer isolierten Umgebung und es passiert ein Mord. Logischerweise sind Täter und Motiv innerhalb dieser Gruppe zu suchen, was natürlich alle verdächtig macht. Klassisch, aber immer wieder spannend. Wärend der folgenden Ermittlungen gerät jeder der Anwesenden in den Fokus und es ergibt sich ein Bild der letzten Stunden vor der Tat, aber auch immer mehr Dinge aus der Vergangenheit kommen an die Oberfläche. Bei fast 600 Seiten bleibt es nicht aus, dass die Geschichte hier auch mal etwas schwächelt, die Interaktion zwischen Sara und Will gleicht das aber gut wieder aus. Ich weiß, dass einige Leser es nicht so mögen, wenn zu viel vom Privatleben der Ermittler in die Geschichte einfließt, aber hier ist es ein wichtiger Bestandteil der Gesamtstory.

Ich kenne Sara und Will bereits aus anderen Büchern und kenne so die Hintergründe der Figuren. Gerade für Will wird es in diesem Buch sehr persönlich und hier helfen diese Kenntnisse natürlich, allerdings denke ich, man könnte das Buch im Notfall auch unabhängig von der Reihe lesen. Willˋs Figur ist etwas speziell, ich hatte anfangs meine Schwierigkeiten mich an ihn zu gewöhnen, auch weil ich großer Fan der Grant-County-Reihe war und deren Ende der Autorin etwas übel genommen habe. Ein bisschen ist da die Annie Wilkes in mir durchgekommen. Mittlerweile mag ich Will Trent sehr, nicht zuletzt auch durch die gleichnamige Serie bei Disney. Wer bisher nur die Serie kennt, dem empfehle ich unvoreingenommen an die Bücher heranzugehen, die Serie hat viele Parallelen, weicht aber letztlich doch auch sehr von den Büchern ab.

Karin Slaughter behandelt in diesem Buch wieder Themen, die bestimmte Personen durchaus triggern können, es geht um Manipulation, Gewalt, Misshandlung, Missbrauch, seelisch wie auch körperlich und das innerhalb der Familie. Wer die Bücher der Autorin kennt weiß, dass diese Thematiken oft bei ihr vorkommen. Hier wird eine sehr toxische Familiengeschichte erzählt, die letztlich in einem Akt der Gewalt endet. Es geht aber auch darum, wie Täter über Jahre hinweg gedeckt werden, wie weggeschaut wird, wie die Glaubwürdigkeit der Opfer zerstört wird und ihre mentale Abhängigkeit immer mehr verstärkt. Als Leser hat man recht schnell eine Ahnung davon, wohin sich die Geschichte entwickelt, die finale Auflösung hält aber eine gehörige Überraschung bereit und setzt nochmal eins drauf. Mir hat es gefallen.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Nur wenig Poirot

Tragödie in drei Akten
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Eine ungezwungene Party, die Gäste sind am Plaudern, Cocktails werden gereicht, plötzlich bricht einer von ihnen, der ältliche Pfarrer des Dorfes, zusammen. Tragisch, aber wenig ungewöhnlich. Einige Wochen ...

Eine ungezwungene Party, die Gäste sind am Plaudern, Cocktails werden gereicht, plötzlich bricht einer von ihnen, der ältliche Pfarrer des Dorfes, zusammen. Tragisch, aber wenig ungewöhnlich. Einige Wochen später, erneut eine Party, die gleichen Gäste, wieder ein Todesfall. Diesesmal aber eindeutig Mord.

Nikotin ist der 16. Kriminalroman von Agatha Christie, Ermittler hier Hercule Poirot, der allerdings über weite Strecken gar nicht existent ist. Er tritt ganz kurz als Gast auf der ersten Party in Erscheinung und taucht dann erst im zweiten Drittel des Buches wieder auf. Auch hier erstmal nur sporadisch, aber natürlich bekommt er zum Ende seinen gewohnten Auftritt.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, in Anlehnung an ein Theaterstück hier Akte. Zu Beginn des ersten Aktes werden typischerweise alle Figuren eingeführt, es ist ein Wirrwar an Personen und Namen. Mir ist der Einstieg etwas schwer gefallen, ich konnte mich schlecht auf all diese verschiedenen Figuren konzentrieren, vor allem, weil die meisten nur relativ kurz in Erscheinung treten und man nicht weiß, ob man sie sich für später merken muss. Die Geschehnisse sind etwas enttäuschend, eben weil es augenscheinlich keinen zu untersuchenden Mord gegeben hat und das ganze Geplänkel was nun folgt, wirkt ein bisschen wie ein Lückenfüller. Wer die Autorin und ihre Art nicht kennt, könnte hier leicht die Lust verlieren und das Buch zur Seite legen. Nach dem zweiten Mord nimmt das Buch dann etwas an Fahrt auf, es werden, AC typisch, wieder einige falsche Spuren gelegt, Indizien gestreut, Verdächtige präsentiert und wieder entlastet.

Das Mitkriminalisieren, das ich bei AC Krimis so mag war diesesmal etwas schwierig, die Auflösung des Falls wieder sehr konstruiert, obwohl so schon aus anderen Büchern, Serien und Filmen bekannt. Ich habe das Buch innerhalb einer Leserunde mit gleichgesinnten AC Fans gelesen und das hat hier nochmal einiges gerettet. Eindeutig nicht ihr bestes Buch und für mich zu wenig Poirot.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Sehr ursprünglich

Schottische Hochland-Sagas
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Nicht erst seit Diana Gabaldon und ihrer Outlander-Buch-Reihe ist Schottland mit seiner Schönheit und Mystik in den Fokus gerückt. Das Land hat schon immer einen reichen Schatz an Sagen und Märchen, die ...

Nicht erst seit Diana Gabaldon und ihrer Outlander-Buch-Reihe ist Schottland mit seiner Schönheit und Mystik in den Fokus gerückt. Das Land hat schon immer einen reichen Schatz an Sagen und Märchen, die früher fast ausschließlich mündlich überliefert wurden, einfach, weil sie im Gälischen erzählt werden, und die wenigsten diese Sprache auch schreiben können. In der Tradition der uns bekannten Gebrüder Grimm, wurden auch die hier enthaltenen Geschichten gesammelt und niedergeschrieben, um sie zu bewahren.

Ursprünglich gesammelt wurden sie von Jon Francis Campbell, hier liegen sie nun in einer Übersetzung von Michael Klevenhaus vor. Der Herausgeber hat sich bemüht, die Entstehung dieser Sammlung zu zeigen. In einem umfangreichen Vorwort gibt er dem Leser viele Einblicke und stellt im Anschluss Jon Francis Campbel vor. Diese Einleitung ist äusserst interessant und bereitet gut auf die anschließende Lektüre vor. Des weiteren ist auch das Vorwort der Originalausgabe von 1860 enthalten.

Die Geschichten sind nicht unbedingt immer leicht zu lesen, anhand der Ausdrucksweise wird schnell klar, wie alt die ursprünglichen Überlieferungen tatsächlich sind. Für die heutige Zeit würde man sie sicher überarbeiten, bestimmte Begriffe austauschen, die Erzählweise "modernisieren", um sie dem Zeitgeist anzupassen und wohl auch, um sie eingängiger zu gestalten. Der Herausgeber äußert sich dazu auch in seinem Vorwort und macht deutlich, dass er absichtlich darauf verzichtet hat die Geschichten abzuändern, er wollte sie bewusst in ihrer Ursprünglichkeit belassen. Diese Ursprünglichkeit würde man im Übrigen auch in einer alten Ausgabe der "Kinder und Hausmärchen" der Gebrüder Grimm finden, einfach, weil dem entspricht, wie die Geschichten über Generationen erzählt wurden.

Beim Lesen wird einem viel Fremdartiges begegnen, aber noch mehr Bekanntes. Da gibt es Prinzen und Prinzessinen, arme Bauernsöhne, Riesen, Hexen, Zauberer, Monster, zu bewältigende Aufgaben, zu bestehende Proben. Da werden für Gegenleistungen Wünsche erfüllt, Jungfrauen gerettet, Flüche gebrochen und glücklich gelebt, bis ans Ende ihrer Tage. Viele Elemente sind in ähnlicher Form auch in unseren Sagen und Märchen vorhanden, warum auch nicht, enthalten doch ganz viele der Geschichten eine tiefere Botschaft, handeln von Liebe, Verrat, der Gier nach Macht und Reichtum, der Suche nach Glück. So liest man von Prinzen, die nicht auf die Ratschläge ihrer Frauen hören und so Unglück über die Familie bringen, von einem Jüngling, der dem Tod durch das Erzählen von Geschichten entgeht, oder dem Recken, der nur getötet werden kann, wenn man ihn an einer bestimmten Körperstelle trifft. Sogar eine lustige Truppe Tiere, die ihren Besitzern entfliehen um nicht in der Pfanne zu landen, trifft man.

Die Zusammenstellung gibt einen schönen Einblick in die Sagenwelt Schottlands, auch wenn sich viele der enthaltenen Geschichten in einzelnen Elementen ähneln. Das Lesen ist wie gesagt nicht unbedingt einfach, das Buch ist definitiv eines, für das man sich Zeit nehmen sollte. Liebhaber von Märchen und Sagen werden überrascht sein, welche Parallelen man zu anderen Kulturkreisen ziehen kann. Natürlich gibt es am Ende noch Infos zu weiterführender Literatur.

Das Buch ist etwas für erwachsene Leser, Kindern würde ich die Geschichten nicht empfehlen. Ein schönes Geschenk für Schottlandliebhaber und Sammler von Märchen und Sagen.

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