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Veröffentlicht am 20.10.2017

Liebevolle Idee, interessantes Konzept, schöne Umsetzung — mit dem Wermutstropfen einer zu schnellen Charakterentwicklung.

Die Phantasie der Schildkröte
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„Die Phantasie der Schildkröte“ von Judith Pinnow ist wieder mal ein Buch, das mich vor allem aufgrund seines Covers angelockt hat. Positive Rezensionen und ein fluffig anmutender Plot haben mich dann ...

„Die Phantasie der Schildkröte“ von Judith Pinnow ist wieder mal ein Buch, das mich vor allem aufgrund seines Covers angelockt hat. Positive Rezensionen und ein fluffig anmutender Plot haben mich dann komplett abgeholt. Pinnow erzählt hier die Geschichte der Eigenbrötlerin Edith, die soziophob ist und vielleicht auch eine kleine Zwangsstörung hat. Eines Tages bleibt sie mit Schneewittchen im Aufzug stecken. Schneewittchen ist ein junges Mädchen, das Edith auffordert, eine Kaugummiblase zu machen, damit der Aufzug weiterfährt — was Edith natürlich in ihrem Wesen widerspricht. Die Kleine verfolgt sie auch nach diesem Vorfall weiterhin und stellt ihr immer neue Aufgaben, die Edith gehörig gegen den Strich gehen. So soll sie doch einen Fremden in der Bahn ansprechen oder etwas Gutes für die alte, kauzige Hexe aus dem Erdgeschoss tun. Nachdem sich Edith zunächst ziert, merkt sie, dass Schneewittchens Aufgaben ihren doch sehr positiven Folgen ihr doch sehr gut tun. Durch heldenhafte Schildkröten-Rettungen, verteilte Küchlein oder die nach und nach erblühende Selbstakzeptanz schafft Edith es, aus ihrem festgefahrenen Alltagstrott auszubrechen und sich endlich für das Leben zu öffnen.

Ich gebe auf. Dieses Kind werde ich nicht los. Sie ist mir zugelaufen wie ein kleiner Hund. Sie bringt mich dazu, völlig absurde Dinge zu tun und wider alle Vernunft fühlt sich das richtig an.

Judith Pinnow hatte hier eine sehr süße Idee, und alle Charaktere im Buch waren liebevoll und detailliert gezeichnet. Die Erzählsprache war locker-flockig und schnell zu lesen, sodass man ruck-zuck das Buch ausgelesen hatte. Die Grundidee der Handlung, dass plötzlich ein kleines Mädchen das Leben einer erwachsenen Frau dirigiert, hat mir toll gefallen, jedoch war ich etwas weniger begeistert von der relativ schnellen Wandlung Ediths. Viel zu schnell war sie nicht mehr sie selbst und viel zu schnell hat sie ihre Gewohnheiten aufgegeben. Das war so leider nicht glaubwürdig, da jemand mit so strengen Regeln in seinem Leben sich nicht einfach überzeugen lässt, verrückte Dinge zu tun. Dieser Aspekt hat mich etwas gestört. Der Part mit Ediths Flaschenpost hat mich auch nicht komplett abgeholt, aber wenn man „Die Phantasie der Schildkröte“ als reines Wohlfühl-Buch ansieht, funktioniert es doch ganz wunderbar. Die Handlung plätscherte auf 410 Seiten freudig vor sich hin, es gibt keine größeren Aufreger oder Dinge, die mich arg gestört hätten, jedoch finden hier wohl eher Freunde der seichten Unterhaltung ihr nächstes Buchschätzchen.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.de

Veröffentlicht am 05.10.2017

Ein erschreckend realistisches Familienportrait, das mit seinen liebevoll gestalteten Charakteren überzeugen kann.

Rimini
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„Rimini“ ist ein sehr kurioses Buch. Es handelt von der Familie Armin, die laut Pressetext „ganz normal dysfunktional“ ist. Als Leser verfolgen wir den Alltag der einzelnen Familienmitglieder: Das Rentnerpärchen ...

„Rimini“ ist ein sehr kurioses Buch. Es handelt von der Familie Armin, die laut Pressetext „ganz normal dysfunktional“ ist. Als Leser verfolgen wir den Alltag der einzelnen Familienmitglieder: Das Rentnerpärchen Alexander und Barbara, die sich mit ihren freien Tagen nicht einrichten können, Sohn Hans, der mit einer Wutstörung kämpft, und Tochter Masha, die sich mit fast vierzig immer noch nicht erwachsen fühlt. Und deren Anhänge spielen selbstverständlich auch eine Rolle: Hans‘ Frau Ellen, die alles will, nur nicht mit ihm schlafen; und Mashas Freund Gregor, der auf einmal falsch riecht, sich falsch benimmt und die falschen Dinge sagt. Man muss nicht extra darauf hinweisen, dass die Beziehung zwischen den einzelnen Familienmitgliedern ebenfalls ziemlich angespannt ist. Gefühle werden nicht ausgesprochen, ein Familiengeheimnis schwebt über Barbara und macht sie psychisch fertig, die Kinder haben genug Probleme, um sich auch noch mit denen ihrer Eltern auseinanderzusetzen — kurz: Alles ganz normal. Oder etwa nicht?

Empathie war etwas, das in ihrer Familie wahrscheinlich genetisch ausgeschlossen war, eine Eigenschaft, die sicherlich schon ihre Ahnen nicht aufgewiesen hatten.

Ich muss sagen, dass ich mir viel von Sonja Heiss‘ Romandebüt erwartet habe, aber dass ich am Ende der Lektüre doch einige Tränchen verdrücke, nicht. Denn eigentlich geht es doch lediglich um den Alltag der Familie Armin, und der klang doch ganz witzig, oder nicht? Nicht ausschließlich. „Rimini“ ist stellenweise brutal realistisch, oftmals werden allerdings auch Situationen auf die Spitze getrieben. Die einzelnen Charaktere, für die ich zu Beginn der Buches doch einen kleinen Stammbaum zeichnen musste, sind so detailreich beschrieben, dass ich bei einem von Hans‘ Wutanfällen doch glatt meinen könnte, eine Ader auf seiner Stirn vor mir zu sehen. Jedes der Familienmitglieder hat mit seinem eigenen Bündel Probleme zu kämpfen, und während viele Kapitel noch von Hans‘ Analysetherapie handeln bzw. die Sitzungen wiedergeben, wird auf den restlichen Seiten doch ein grandios unsympathisches Bild von den anderen Armins gezeichnet: Masha, deren langjähriger Freund Georg auf einmal „falsch riecht“ und ihr plötzlich gar nicht mehr so toll vorkommt, gerät in eine Art Midlife-Crisis und verlässt ihn, hat jedoch einen dringenden Kinderwunsch. Da muss nun ein Mann her. Alexander, der Familienvater, ist dermaßen auf seine Frau Barbara fixiert, dass er ihr, nun dass die beiden in Rente sind, keine ruhige Minute mehr lässt und diese keinen anderen Ausweg sieht als die Flucht. Während Alexander fest davon ausgeht, dass seine Frau ihn betrügt, legt er sich einen Kanarienvogel zu, zu dem er in kürzester Zeit eine sehr innige Bindung eingeht und nicht mehr ohne das kleine Tier leben kann. Ich könnte noch ewig weitererzählen, doch dann würde ich euch den gesamten Inhalt verraten. ? Sonja Heiss schafft es jedenfalls, dass man mit den Charakteren mitfiebert, obwohl man diese gelegentlich gar nicht leiden kann. Man wünscht ihnen, dass diese Kommunikationsbarriere sich in Luft auflöse, doch dann wäre wohl das Buch nicht mehr das, was es ausmacht.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog:: http://killmonotony.de

Veröffentlicht am 03.10.2017

»Wer sich freut, denkt nicht.« — Der Aufstieg der schlechten Laune zum gesellschaftlich akzeptierten Muff ist mit diesem Buch nur noch eine Frage der Zeit!

Lob der schlechten Laune
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Andrea Gerks „Lob der schlechten Laune“ ist mein erstes Sachbuch seit… nun ja, seit der Uni? Angesprochen von dem tollen Cover und der vielversprechenden Prämisse habe ich mich doch mal in das Abenteuer ...

Andrea Gerks „Lob der schlechten Laune“ ist mein erstes Sachbuch seit… nun ja, seit der Uni? Angesprochen von dem tollen Cover und der vielversprechenden Prämisse habe ich mich doch mal in das Abenteuer gewagt! Der Grundgedanke des Buches ist, dass schlechte Laune nicht unnütz und nervig, sondern produktiv und auch lustig sein kann – letzteres aber nur, solange man selbst genug Entfernung zum „Wirt“ der schlechten Laue hat. Andrea Gerk hat nicht nur Psychologen zur schlechten Laune befragt, sondern auch Yoga-Gurus, „Dienstleister der guten Laune“ im Service und zahlreiche Autoren, Künstler und selbsternannte Missmuts-Experten. Gerk geht der miesen Laune auf den Grund, erkennt, warum ein grummeliger Tag ab und zu noch kein Beinbruch ist, wie wir besser mit schlecht gelaunten Mitmenschen umgehen können und wie die Übellaunigkeit uns auch dazu befeuern kann, kreativ zu sein und Tolles zu schaffen. Mit Anekdoten aus dem eigenen Leben und Anmerkungen zu Buch und Film will Gerk den Leser durch anschauliche Beispiele dazu bewegen, nicht nur die Rechtfertigung für die eigene schlechte Laune ausfallen zu lassen, sondern auch Akzeptanz schaffen für diese besondere Gemütslage.

Heute kann man kaum noch in Ruhe schlecht gelaunt sein, für jede Stimmungsflaute muss man sich rechtfertigen, und die knurrigen Gesinnungsgenossen von früher trifft man nur noch im Film und Literatur.

Wann ist schlechte Laune witzig? Und wie kann ein Stimmungstief, solange es nicht chronisch ist, unsere Fantasie beflügeln und uns zu kreativem Schaffen anregen? Und gibt es eigentlich für ihren Missmut bekannte Städte und Länder? Antworten zu diesen Fragen und noch viel, viel mehr liefert uns Andrea Gerk in ihrem neusten Fachbuch. Sie geht der schlechten Laune auf den Grund, beleuchtet nicht nur historische Aspekte (beispielsweise die spannende Herkunft der „Laune“) oder kulturelle Absonderlichkeiten, sondern auch, warum die schlechte Laune negativ konnotiert ist und nicht viel eher mit positiven Dingen verbunden wird. Beispielsweise wären große Teile der Literatur, vor allem auch die Lyrik, nicht so, wie wir sie kennen – wenn sie ohne mies gelaunte Schreiberlinge überhaupt existiert hätte. Davon abgesehen, dass es in unserer heutigen Gesellschaft auch einfach verpönt ist, schlecht drauf zu sein. Vor allem im Service-Sektor, beispielsweise im Einzelhandel oder in der Hotellerie, wo gute Laune an der Tagesordnung unter „Pflichtprogramm“ steht, werden Menschen häufig genötigt, ihren Missmut in eine hintere Ecke ihres Gehirns zu schieben und zu lächeln – was den Missmut im Gegenzug aber nur wachsen lässt. Doch was, wenn das Stimmungstief Überhand nimmt? Wann wird schlechte Laune zur Krankheit? Was ist bloß eine kurze Phase des Tagesablaufs, was Cholerik?

Gerk spricht für ihr „Kompendium der schlechten Laune“ mit vielen Menschen, die durch ihre Einsichten den Leser zum Grübeln anstoßen. Die Autorin zieht jedoch nicht nur von diesen Gesprächen ein Fazit, sondern verknüpft dieses mit ihren Nachforschungen über missmutige Dichter, grummelige Autoren und andere schlecht gelaunte Personen, wobei sie dabei immer zu eigenen Erlebnissen zurückkommt, beispielsweise der übellaunigen Kassiererin; deren schlechte Laune wird analysiert, eine Ursache gesucht, gefunden, und dann folgt das Verständnis und die Akzeptanz. Eine Akzeptanz, die wir alle noch lernen müssen.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.de

Veröffentlicht am 25.09.2017

Zwei Leben mit dem Blick durch den Sucher: Auf der Reise mit dem Zeitgeist der Stunde — unterhaltend, spannend, zum Nachdenken anregend.

Liv
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Was für eine Reise! In „Liv“ erzählt Kevin Kuhn von der titelgebenden Protagonistin Liv, der vor ihrem Militärdienst in Israel flieht – hinaus in die Welt, das Handy immer dabei. Was anfangs nur eine Spielerei ...

Was für eine Reise! In „Liv“ erzählt Kevin Kuhn von der titelgebenden Protagonistin Liv, der vor ihrem Militärdienst in Israel flieht – hinaus in die Welt, das Handy immer dabei. Was anfangs nur eine Spielerei für sie ist, wird nach und nach ein immer wichtigerer Punkt ihres Lebens: ihre Follower, ihre Community, kurz: das Leben mit der Digitalität. Auf ihren Reisen, die sie mal ganz als Backpacker bestreitet mit nichts mehr als einem Rucksack und der Kleidung, die sie trägt, mal auf einer luxuriösen Jacht, auf der es ihr an nichts mangelt. Durch viele Länder reist sie, lernt viele Menschen kennen, die ihr mal mehr, mal weniger gut tun, und findet in dem ganzen Wust der Fremdheit, der Wunder und der Ferne letztendlich eines: sich selbst. Parallel zu diesem Handlungsstrang erzählt der Autor auch die Geschichte von Franz Frey, der in den neunzehnzwanziger Jahren in Berlin lebt und ein Leben in Saus und Braus führt; Partys, Tanz und vor allem Zigaretten. Der erste Zeppelinflug erregt die Aufmerksamkeit der ganzen Welt, und als Franz eine Leica Kamera gewinnt, hält er dieses Ereignis natürlich mit dieser fest. Nach und nach fokussiert sich sein Blick auf gute Bilder, er lebt mehr und mehr durch den Sucher und auch für ihn werden die Gedanken an die Meinungen anderer zentral. Für beide Charaktere beginnt so, auch wenn 100 Jahre sie trennen, eine Reise durch ein neues Zeitalter der Digitale, das durch seinen Sog auch seine Opfer nimmt.

Schaue ich durch die Kamera, habe ich den frischesten Blick. Alles wird schärfer, ruhiger. Ich bin so süchtig danach, dass ich fast das Rauchen vergesse. Die Zeit bleibt stehen. — Franz

In diesem schwarzen, 500 Seiten starken Band erzählt Kevin Kuhn nicht nur die Geschichten zweier scheinbar unverbundener junger Menschen auf dem Weg zur Selbstfindung, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht, sondern auch die eines Zeitgeists: die Digitalisierung, die Veränderung und die Entwicklung der Welt, wie wir sie kennen. Liv und Franz wachsen im Verlauf der Handlung mehr und mehr mit ihren Geräten zusammen und stürzen sich in Gedanken, wie die Außenwelt sie wahrnimmt und was sie nach ihrem Leben hinterlassen möchten. Beide Charaktere finanzieren sich durch ihre Fotos ihren Lebensstandard und als Leser wird man gezwungen, ihre Entscheidungen kritisch zu überblicken. Die Protagonisten fallen immer tiefer in einen Strudel, der vom Sog der Popularität ausgeht, und während Franz es noch schafft, die Beziehungen zu seinen Freunden aufrecht zu erhalten und zu pflegen, vereinsamt Liv zusehends, nicht einmal ihr Freund Elam meldet sich regelmäßig bei ihr. Bis er Liv plötzlich Hinweise auf die Pinnwand postet, wo er sich aufzuhalten scheint. Soll sie ihn suchen…? Euphorisch und voller Liebe macht sich Liv sofort auf, ihn zu finden. Doch auf das, was an ihrem Ziel auf sie wartet, ist sie nicht vorbereitet…

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.de

Veröffentlicht am 16.09.2017

Scharfe Dialog-Geschosse und eine irrsinnig komische Charaktere zaubern aus „Töte mich“ ein Buch, das nun zu meinen Lieblings-Nothombs zählt.

Töte mich
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„Töte mich“ ist das erste nicht-autobiographische Buch von Amélie Nothomb, das ich gelesen habe, und ich muss sagen, es hat mich überzeugt! Aus allen Poren der Geschichte sickert der unverwechselbare Nothomb-Stil ...

„Töte mich“ ist das erste nicht-autobiographische Buch von Amélie Nothomb, das ich gelesen habe, und ich muss sagen, es hat mich überzeugt! Aus allen Poren der Geschichte sickert der unverwechselbare Nothomb-Stil durch. Amélie Nothomb erzählt in „Töte mich“ die Geschichte des Grafens Neville und seiner Familie, vor allem aber seiner Tochter Sérieuse und seiner Beziehung zu ihr. Die Geschichte beginnt damit, dass Sérieuse von der Wahrsagerin des Dorfes im Wald aufgefunden wird und der Graf seine Tochter doch bitte bei ihr abholen soll. Kaum angekommen, prophezeit ihm die Wahrsagerin, dass er am Tage seines Gartenfests jemanden töten werde. Ganz außer sich und voller Entrüstung schnappt sich der Graf seine Tochter und fährt mit ihr nach Hause. Während der nächsten Tage plagt ihn der Gedanke an den bevorstehenden Mord. Nicht nur, dass er reichlich wenig Lust hat, jemanden zu ermorden, sondern es wird ihm auch noch die Gartenparty verhagelt, die er anlässlich seiner bevorstehenden Insolvenz ein letztes Mal geben wollte (der alten Zeiten wieder). Graf Neville versucht nun, mit seinen Planungen fortzufahren, während er gedanklich bereits überlegt, welchen der Gäste er am wenigsten leiden kann und wen garantiert niemand schmerzlich vermissen würde. Davon relativ unbeeindruckt, versucht seine ehemals lebensfrohe, nun sehr leblos wirkende Tochter Sérieuse ihn davon überzeugen, was für ein tolles Opfer sie doch wäre…

[Die Garden Party] war das gesellschaftliche Ereignis in dieser abgeschiedenen Region der belgischen Ardennen. An eine Absage war nicht zu denken. Doch die Vorstellung, dass er einen der Gäste töten könnte, entsetzte Neville. Das macht man nicht. Und ausgerechnet bei der letzten Garden Party sollte ihm ein solcher Fehler unterlaufen!

Ein urkomisches Buch! Amélie Nothomb erzählt mit dieser Sprache, die ich so an ihren Büchern liebe, diese wunderbare kleine Geschichte. An allen Ecken und Enden spürt man den Charme und den sprühenden Witz Nothombs und auch, welchen Spaß sie beim Verfassen dieses Buches hatte. „Töte mich“ konnte mich komplett überzeugen; die liebenswerten Charaktere, die hin- und herschießenden Dialoge, die wahnsinnig komischen Gedankengänge des Grafen… Sérieuse ist auch ein wahnsinnig toll gezeichneter Charakter. In ihren jüngeren Jahren ein vor Lebensfreude sprühendes Mädchen, nun eine ihrem Namen gerecht werdende junge Erwachsene, erfährt der Leser nur ansatzweise, was vorgefallen sein könnte, um aus dem strahlenden Mädchen eine trübe, deprimierte junge Dame zu machen. Ihre Symptome der Depression sind auch wahnsinnig interessant beschrieben, aber niemals drückend oder den Leser deprimierend. Authentisch und klar beschreibt Nothomb, wie Sérieuse einfach keine Freude mehr am Leben hat, nichts mehr spürt, und deshalb möchte sie auch das Mordopfer von ihrem Vater sein. Zunächst sträubt sich der Graf noch, aber in hitzigen Wortgefechten wandelt sich der Unwille zu kindischem Trotz („Dann bringe ich sie eben um, wird sie schon sehen, was sie davon hat!“), und der Leser hat wahnsinnigen Spaß, dabei zuzuschauen, wie der Graf anstatt eines „gesellschaftlich akzeptablen“ Mordes nun den Mord an seiner Tochter plant.

Die vollständige Rezension findet ihr auf dem Blog: http://killmonotony.wordpress.com