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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.05.2017

Die egozentrische Wahrnehmung einer 0-bis-3-Jährigen: Witzig und lesenswert!

Metaphysik der Röhren
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Dieses kleine Buch war mein erstes von Amélie Nothomb, und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht! Bisher hatte ich nur Gutes über die Autorin und ihre (vielen!) Bücher gehört und dachte, dass es womöglich ...

Dieses kleine Buch war mein erstes von Amélie Nothomb, und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht! Bisher hatte ich nur Gutes über die Autorin und ihre (vielen!) Bücher gehört und dachte, dass es womöglich nichts für mich sein könnte, aber ich wurde positiv überrascht. Die ersten drei Jahre ihres Lebens beschreibt Nothomb in einer wunderbaren, leichten Art und Weise, voller Witz und Erstaunlichkeiten. Ihre ersten zwei Jahre verbringt sie als göttliche Röhre, einzig und allein den Nahrungsaufnahme- und Verdauungstätigkeiten gewidmet, verschwendet keine Bewegung, keinen Laut an die Außenwelt, bis sie von einer Köstlichkeit namens Schokolade ins Leben gerufen wird. Plötzlich ist sie da, richtig da, ihr Bewusstsein kommt zu Tage, das Leben nimmt Gestalt an und es gibt plötzlich einen Sinn:

„Ohne mich ist diese Schokolade gar nichts. Aber in meinen Mund gesteckt, wird sie Freude. Sie braucht mich.“

Mit dieser Erkenntnis beginnt sie, sich zu regen und aus ihrer Starre herauszukommen. Sie beginnt ihre kleine Welt, ihr Zuhause, zu erkunden, und legt eine Gedankenfülle an den Tag, die mich teilweise an die „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“-Romane erinnert hat. Sie beginnt Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, wenn auch zunächst nicht so, wie sie eigentlich sind; Bei ihrem ersten Strandausflug hat sie Angst vor dem Wasser, aber das Wasser natürlich auch, es wagt sich immer ein paar Stücke vor, nur um sich dann wieder ängstlich zurückzuziehen.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Witziger und zugleich trauriger Roman über eine jüdische Familie. Im Zentrum: ihre Kommunikationsschwäche.

Die Middlesteins
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Massel tov! Dieses Buch ist wirklich gelungen. Obwohl seine Handlung nur dadurch zu Tage kommt, weil ein Mangel an Kommunikation besteht. Niemand spricht wirklich das Problem mit Edies Fresssucht an, niemand ...

Massel tov! Dieses Buch ist wirklich gelungen. Obwohl seine Handlung nur dadurch zu Tage kommt, weil ein Mangel an Kommunikation besteht. Niemand spricht wirklich das Problem mit Edies Fresssucht an, niemand kommuniziert überhaupt irgendwie! Das macht die Geschichte aber auch so menschlich (ich kenne es z.B. von mir selbst, dass ich Probleme so lange nicht anspreche, bis sie sich irgendwann von selbst aufgelöst haben – oder auch nicht. Die gesamte Familie Middlestein wirkt so charmant und sympathisch, obwohl alle gar nicht so richtig miteinander können. Über jede Person der Familie erfährt man allerhand, es wird aus der Jugend erzählt oder aus der Zeit der Eheschließung. Ab und zu lässt der Erzähler auch eine kleine Zukunftsaussicht einfließen, die die ganze Geschichte meiner Meinung nach noch um einiges interessanter macht. Jüdische Bräuche etc. setzen dem Ganzen noch das Häubchen (oder die Kippa?) auf und runden diesen literarischen Leckerbissen so richtig ab. 4/5 Sternen!


Diese und weitere Rezensionen findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Überbewertete Fantasy basierend auf einer guten Idee, allerdings auch mit einem hingerotzten Ende.

Vier Farben der Magie
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Hm. Wie beginnt man denn eine Rezension von einem Buch, das einem nicht gefallen hat? .. Also. Der Premise ist eigentlich ziemlich gut, die Ausführung hat mir leider überhaupt nicht gefallen. Erst einmal ...

Hm. Wie beginnt man denn eine Rezension von einem Buch, das einem nicht gefallen hat? .. Also. Der Premise ist eigentlich ziemlich gut, die Ausführung hat mir leider überhaupt nicht gefallen. Erst einmal wurde ungefähr 200 Seiten lang der Rahmen aufgebaut, die verschiedenen Parallelwelten beschrieben, die Charaktere eingeführt – woran an sich natürlich überhaupt nichts auszusetzen ist, da es wichtiger als alles andere ist, dass man ausgefleischte Charaktere hat – jedoch gibt es noch keinen roten Faden, keinen Story-Strang, der Interesse und Spannung erzeugt, es passiert also gelinde gesagt einfach nichts. Ungefähr ab 3/4 des Buches geht es dann endlich los.


[...]


Sehr coole Idee, schöne Erzählsprache, leider hat das Buch aufgrund der Tatsache, dass alles erst seeehr langsam (bzw. gar nicht) und gegen 3/4 des Buches ziemlich gehetzt passiert, eher nicht so gut abgeschnitten bei mir. Die Teaser am Ende des Buches auf die Ideen, die in den Folgebänden aufgegriffen werden, reizen mich absolut nicht, der Plot in diesem Band war eher „meh“ umgesetzt, ich werde diese Trilogie also nicht zu Ende lesen. Deshalb gibt es für mich nur 2/5 Sternen.



Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Ein zu großer Hype für ein zu kleines Buch. Seltsame Erzählmethoden zerstören leider das Werk.

Ein fauler Gott
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"Ben ist krank, ohne wirklich krank zu sein. Der Platz hinter seiner Nase ist durchs Weinen gewachsen und stößt von innen gegen seine Augen. Eigentlich müsste er aufstehen. Doch er traut sich nicht. Gestern ...

"Ben ist krank, ohne wirklich krank zu sein. Der Platz hinter seiner Nase ist durchs Weinen gewachsen und stößt von innen gegen seine Augen. Eigentlich müsste er aufstehen. Doch er traut sich nicht. Gestern ist sein Bruder gestorben."

Zuerst einmal kurz und knapp zum Inhalt: Der kleine Jonas ist gestorben und lässt seine Mutter und seinen älteren Bruder Ben zurück. Die Beiden versuchen nun, mit dem Verlust klarzukommen, jeder auf seine Art. Aber als Ben nach einer Weile merkt, dass seine Mutter nicht mehr mit ihrem Leben bzw. dem Leben als solches klar kommt, hilft er ihr bei der Trauer. Eine sehr traurige Geschichte mit einem schönen Ende.

Nun zu meiner Meinung! Quick and dirty: Sehr gehyptes Buch mit einer schönen Idee, die Umsetzung war jedoch nicht mein Fall. Ganz ehrlich: Ich kann den Hype um das Buch nicht verstehen. Natürlich ist es eine sehr anrührende Geschichte und eine tolle Idee, aber meiner Meinung nach hat doch die Erzählweise nicht so gut gepasst. Aber mal von vorne. Die Geschichte beginnt damit, dass Bens Bruder Jonas gestorben ist. Nun muss er trotz seinen 12 Jahren erst einmal verstehen, was das bedeutet. Seine Mutter versinkt immer weiter in ihrer Trauer; die Lücke, die Jonas hinterlassen hat, versucht sie zunächst mit allerhand Tätigkeiten zu schließen, nachdem das aber alles nichts hilft, muss Ben Trauerhilfe leisten. Zwischen Penis-Abenteuern mit seinem Freund Chrisse und Winnetou-Geschichten muss er seine eigene Trauer bewältigen und dabei muss Ben seiner Mutter unter die Arme greifen, damit sie sich nicht in ihrer Trauer verliert. Dabei wechselt die Erzählperspektive zwischen den Charakteren hin und her, wobei man weder Bens noch Ruths Gedankengänge zu fassen bekommt, sondern alles aus der allwissenden Erzählperspektive berichtet bekommen, die ich etwas seltsam fand. Es hat sich also nicht wirklich die Perspektive verändert, sondern nur die Art der Erzählung. Während diese bei Ruths Anteil der Geschichte völlig in Ordnung war, wurde bei Ben eine „vereinfachte“ Form gewählt, die wohl ein wenig seine Gedankengänge widerspiegeln sollte, die ich allerdings einfach nur merkwürdig fand.

"„[Die Figur auf dem Sarg] soll uns daran erinnern, dass der liebe Gott einen Engel gebraucht hat. Und dafür hat er sich Jonas ausgesucht.“ Fauler Gott. Fauler Kackgott."

Natürlich ist er erst 12, aber Ben kam mir doch ein wenig unreif vor. Ihm hat einiges an Grundverständnis gefehlt, teilweise wirkte er doch sehr kindisch und mutterfixiert, und dabei geht mit 12 doch langsam die Zeit des gegen-die-Eltern-Rebellierens los. Ansonsten fand ich die äußeren Gegebenheiten ziemlich interessant: Das Buch spielt in Westdeutschland in den 70er Jahren, und in die Richtung und über diesen Zeitabschnitt, vor allem nicht in Deutschland, habe ich noch nichts gelesen.

Die Richtung, in die Ruth sich zusehends entwickelt hat, hat mir gar nicht gut gefallen, aber ich möchte hier natürlich nicht zu viel verraten. Storymäßig ist nach Jonas‘ Tod bei Ruth nicht allzu viel passiert (verständlich), Ben hat jedoch die ersten Schritte in Richtung Teenager-Leben gewagt, und ich hatte das Gefühl, als sei sein Charakter auch ein wenig ausgefleischter als der von Ruth.

Sie hat erwartet, in der Trauer um ihren Sohn zu etwas Wesentlichem vorzudringen. Doch stattdessen brachte die kränkende Normalität der letzten Wochen nur Überdruss hervor und die matte Erkenntnis, dass Jonas nicht mehr da ist. Ruths Leben ist zum Stillstand gekommen und in eine Anhäufung leerer Augenblicke von nagender Belanglosigkeit zerfallen.

Alles in allem kann man festhalten, dass „Ein fauler Gott“ eine sehr schöne und traurige Idee angepeilt hat, sie meiner Meinung nach allerdings durch den Erzählstil etwas verschossen hat. Außerdem kann ich noch sagen, dass ich eigentlich nie das Gefühl hatte, ein trauriges Buch zu lesen, das einen runterzieht, obwohl es um das Betrauern des Bruder bzw. des Sohnes geht. Aber leider war das Buch für mich nur eine 2/5. Vielleicht habe ich am „Hype-Effekt“ vorbeigelesen, vielleicht ist es einfach nur nicht meins. Schade.

Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Renommierter Autor, tolle Idee, leider hapert es bei der Umsetzung: Der „Elefant“ kann leider nur leuchten, nicht glänzen.

Elefant
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Ein neuer Suter! Und in bester Suter-Manier werden auch hier mehrere unterschiedliche Themen zu einem großen Ganzen verpuzzelt: Die Genforschung und Genmanipulation, die Randständigkeit und das Leben der ...

Ein neuer Suter! Und in bester Suter-Manier werden auch hier mehrere unterschiedliche Themen zu einem großen Ganzen verpuzzelt: Die Genforschung und Genmanipulation, die Randständigkeit und das Leben der Obdachlosen in der Schweiz, Zirkusalltag und Elefanten. Was Suter in seinen vorangegangenen Romanen schon mit Bravour geschafft hat (z.B. in „Die dunkle Seite des Mondes“), gelingt ihm hier auf ein Neues, er führt uns an alle seiner Themen heran, ohne zu überfordern, und die zahlreichen Charaktere werden eingeführt, ohne zu verwirren – das können nicht viele! Die Erzählstränge werden aus verschiedenen Perspektiven an verschiedenen Tagen erzählt, und manchmal musste ich zurückblättern, um zu schauen, ob ein anderer Strang vorher oder nachher spielte, aber nach und nach wurde dann alles klar und fügte sich zu einem Gesamtbild zusammen. Suter versteht es, so zu schreiben, dass man jeden seiner Storystränge unbedingt weiterverfolgen will, ob es nun das alltägliche Leben des Obdachlosen Schoch ist, der plötzlich einen rosa Mini-Elefanten sieht, oder die Suche des Wissenschaftlers Roux, der diesen verzweifelt sucht, oder aber vom Oozie Kaung, der für die Pflege der Elefanten des Zirkus Pellegrini verantwortlich ist und den kleinen „heiligen“ Elefanten bloß nicht in Roux‘ Hände fallen lassen will. Die vielen Charaktere haben natürlich ihre eigene Hintergrundgeschichte, die Suter leichthändig erzählt und diese so ausfleischt, dass man durchaus im Glauben ist, man könne einer Valerie oder einem Dr. Reber im wirklichen Leben begegnen.

Das wichtigste Thema, das alle Stränge dieser Geschichte eint, ist natürlich die Genmanipulation, und jeder der Charaktere hat dazu seine eigene, häufig auch konträre, Meinung. Des weiteren wird auch einiges aus dem Forschungsalltag von Roux berichtet. Mit den Mäusen, in die Elefantenovarien eingepflanzt werden, damit es später leuchtende, bunte Tiere gibt, die sich „jedes Kind wünscht“, zeichnet der Autor ein Bild von der Skrupellosigkeit dieser Branche. Gott spielen, nicht um Krankheiten zu besiegen, sondern allein für den kommerziellen Profit, das stellt in Suters „Elefant“ eine weitere, üble Disziplin der Genforschung dar.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com