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Veröffentlicht am 06.02.2023

Leichter Unterhaltungsroman

Was wir Glück nennen
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Diese Familiengeschichte bietet leichte Unterhaltung. Für jemanden wie mich, die eher anspruchsvollere Literatur mag, bietet sie allerdings doch manchen Kritikpunkt. Zu oft wird die patriarchalische Einstellung ...

Diese Familiengeschichte bietet leichte Unterhaltung. Für jemanden wie mich, die eher anspruchsvollere Literatur mag, bietet sie allerdings doch manchen Kritikpunkt. Zu oft wird die patriarchalische Einstellung des Familienvaters Hansen betont, wonach Frauen und damit auch seine begabte Tochter im Handwerksberuf des Restaurators nichts zu suchen haben. Mindestens ebenso viel, und damit für mich auch zu oft, dreht sich um den Lebenstraum der Tochter, als Restauratorin zu arbeiten. Was den Sohn angeht, erscheint mir sein rascher Karrieresprung zum erfolgreichen Musikproduzenten von Schlagern zu unrealistisch (bleibt übrigens die für mich unbeantwortet gebliebene Frage, wie er – völlig mittellos – seine vom Vater zertrümmerte Gitarre hat ersetzen können). Dem Liebesgeschichtenstrang haftet etwas leicht Kitschiges an – die Tochter wird so rasch glücklich mit dem Stadthistoriker, der für sie alles aufgibt, zwischen ihrem Bruder und Tochter aus reichem Hause entfacht sich eine kurze, folgenreiche Liebesbeziehung.
Das einzig Interessante für mich waren die Erklärungen zu den restaurierten Werken.

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Veröffentlicht am 01.02.2023

Politischer Roman

Zwischen Welten
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Wie schon in ihren früheren Romanen „Unter Leuten“ und „Über Menschen“ widmet sich Juli Zeh auch in ihrem neuesten Roman politischen Themen. Dieses Mal hat sie als Co-Autor Simon Urban mit ins Boot geholt ...

Wie schon in ihren früheren Romanen „Unter Leuten“ und „Über Menschen“ widmet sich Juli Zeh auch in ihrem neuesten Roman politischen Themen. Dieses Mal hat sie als Co-Autor Simon Urban mit ins Boot geholt und mit ihm zusammen einen modernen Briefroman verfasst, bestehend ausschließlich aus Messenger-Nachrichten und E-Mails, die äußerst rege und ausführlich zwischen den beiden Protagonisten ausgetauscht werden. Diese sind die an der Grenze ihrer Existenz lebende Brandenburger Landwirtin Theresa und der bei einer großen Hamburger Wochenzeitung als stellvertretende Chefredakteur tätige Journalist Stefan, die vor zwanzig Jahren in einer Studenten-WG lebten und sich dann aus den Augen verloren. Sie leben in völlig verschiedenen Welten. Wen wundert es da, dass sie in heftige schriftliche Schlagabtäusche geraten, die sehr aktuelle Themen betreffen – Klimapolitik, Gendersprache, Rassismus, Öko-Landwirtschaft, Schweinepest, Ukraine-Krieg und viele weitere polarisierende Fragen. Beider Standpunkte haben es wirklich in sich und beim Lesen kann ich eigentlich nur beiden zustimmen. Allerdings habe ich es als sehr anstrengend empfunden, ihren Disputen auf immerhin 450 Seiten folgen zu müssen, zumal sie wenig aufeinander eingehen, eher jeder die ihm eigenen Probleme in den Vordergrund rückt. Das Lesen erschwerend kommt hinzu, dass Stefan das Gendern konsequent durchzieht.
Für mich schon fast ein zu politisches Buch, das aber für entsprechend interessierte Leser interessant ist.

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Veröffentlicht am 27.01.2023

Familiengeschichte kunstvoll aufbereitet

Gleißendes Licht
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Der Roman trägt autobiografische Bezüge des Autors. Er selbst wie auch der Protagonist ist der in Deutschland aufgewachsene Sohn eines Deutschen und einer Türkin, die wiederum einen türkischen Vater und ...

Der Roman trägt autobiografische Bezüge des Autors. Er selbst wie auch der Protagonist ist der in Deutschland aufgewachsene Sohn eines Deutschen und einer Türkin, die wiederum einen türkischen Vater und eine armenische Mutter hat. Diese Großmutter verlor durch den Völkermord an den Armeniern 1915 ihre Familie, durch den der eigene Ehemann zu Reichtum kam. Diese kurze Wiedergabe des Inhalts zeigt schon, dass der Roman einen interessanten geschichtlichen und politischen Hintergrund hat. Er ist sehr kreativ gestaltet. Auf verschiedenen, nicht chronologischen Zeitebenen wird von wichtigen Episoden aus dem Leben der Familie erzählt. Das geschieht in recht gefühlsbetonter Weise. Nicht immer ist es allerdings leicht, den Text zu verstehen, insbesondere wenn es um Mythen geht, türkische Vokabeln oder die wirren Rachegedanken des Protagonisten am türkischen Präsidenten, der den Völkermord leugnet.
Zu empfehlen für Leser mit Interesse an der Türkei und den Armeniern.

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Veröffentlicht am 19.01.2023

Sprachgewaltiges Portrait eines Außenseiters

Der Inselmann
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So dünn das Buch auch ist, so sprachgewaltig bringt der Autor die Lebensgeschichte eines Außenseiters dar. Bei diesem handelt es sich um einen 10jährigen Jungen, der mit seinen Eltern wohl in den 1960er ...

So dünn das Buch auch ist, so sprachgewaltig bringt der Autor die Lebensgeschichte eines Außenseiters dar. Bei diesem handelt es sich um einen 10jährigen Jungen, der mit seinen Eltern wohl in den 1960er Jahren aus der Stadt fort auf eine in einem See gelegene Insel zieht, wo die Familie von Schafzucht lebt. Ungeliebt, wortkarg, armselig beschreibt sein Leben am ehesten. Er aber geht vollkommen in dem Leben in der Natur auf. Als die Behörden ihn zum ungeliebten Schulbesuch anhalten, nimmt sein Leben eine Wende. Lange hält der Außenseiter es nämlich nicht in der Schule aus. Schließlich kommt er in ein Erziehungsheim. Nach seiner Volljährigkeit schlägt er sich durch, bis es ihn irgendwann zurück auf die geliebte Insel zieht. Melancholisch ist die Geschichte, faszinierend die Beschreibungen der Natur und des Innenlebens des Jungen. Da fällt es wenig ins Gewicht dass die eine oder andere Frage auf Beantwortung wartet.

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Veröffentlicht am 18.01.2023

Eine sagenhafte Familiengeschichte

Der Stammhalter
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Der niederländische Autor und Journalist präsentiert eine faszinierende, nicht alltägliche Saga seiner eigenen Familie.
Ihren Anfang nimmt sie in Lettland, wo sein nach dort immigrierter, niederländischer ...

Der niederländische Autor und Journalist präsentiert eine faszinierende, nicht alltägliche Saga seiner eigenen Familie.
Ihren Anfang nimmt sie in Lettland, wo sein nach dort immigrierter, niederländischer Großvater ein weit verzweigtes Wirtschaftsimperium aufbaut und mit seiner russischen Ehefrau adeliger Herkunft ein flottes Leben führt. Vernetzt ist er auch mit diversen politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Größen verschiedener Nationalität. Nach der russischen Annexion Lettlands im Zweiten Weltkrieg wandert er mit seiner Familie und eines großen Umfangs seines Imperiums in die Niederlande zurück. Einen Makel wirft nur sein erstgeborener Sohn Frans auf die Familie, der der Waffen-SS beitritt und sich gegen den Vater auflehnt. Dessen Sohn Alexander aus der Ehe mit einer Deutschen will der Senior zum Erben und Stammhalter machen, wobei er aber auf Widerstände trifft.

Der Enkel schildert sehr detailliert und ausführlich den Aufstieg und Niedergang seiner Familie, immer vor sehr interessantem und gut recherchiertem geschichtlichen Hintergrund. Die vielen Namen der zahlreichen Romanfiguren und die Vielzahl geschichtlicher Ereignisse erschlagen einen fast beim Lesen und es macht nicht selten Mühe, allem zu folgen. Aber es ist sagenhaft, wie verflochten diese Familie ist.

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