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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2023

Spannend, informativ, perfekt!

Blüte der Zeit
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Gleich zu Anfang der Anmerkungen hat die Autorin darauf hingewiesen, wie viel Stoff sie hätte erzählen können und dass sie sich bewusst beschränkt hat, um einen großen Bogen zu erzählen. Und diese Entscheidung ...

Gleich zu Anfang der Anmerkungen hat die Autorin darauf hingewiesen, wie viel Stoff sie hätte erzählen können und dass sie sich bewusst beschränkt hat, um einen großen Bogen zu erzählen. Und diese Entscheidung hat vermutlich entscheidend zu dem hervorragenden Gelingen des Romans beigetragen. In zwei Handlungssträngen erzählt sie über den Krieg zwischen den Niederlanden und Frankreich und über die Anlage von Lustgärten, verständlich, spannend, informativ. Bereits bei der Jagdszene auf den ersten Seiten kann man das Buch nicht mehr weglegen.

Die Anlage von Gärten, wie sie zur Zeit Ludwigs XIV üblich war, ist ein reizvolles Thema.
Die Beschreibung, wie man sich um exotische Pflanzen bemüht hat, wie man möglichst ideale Bedingungen geschaffen hat, aber auch die Rahmengeschichte um die Familie von Max machen riesigen Spaß. Sofort hat man die Figuren liebgewonnen und bangt und hofft mit ihnen. Dazu bei trägt in beträchtlichem Maße der lockere, stringente und verständliche Erzählstil, der dazu führt, dass es um die Nachtruhe mal wieder geschehen ist. Man kann das Buch einfach nicht zur Seite legen. Hinzu kommt, wie immer bei Sabine Weiß, die präzise und umfangreiche Recherche, so dass der Leser auch wieder sehr viel lernen kann.

Wie gewohnt ist die Aufmachung des Buches wieder sehr gut gelungen, die Karten, das Glossar (dürfte etwas umfangreicher sein), die Gestaltung der Umschlagseiten, alles super.

Der neue Roman ist das beste, das Sabine Weiß bisher geschrieben hat, allenfalls die „Hansetochter“ kann da vielleicht noch mithalten.

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Veröffentlicht am 15.12.2021

Holländische Geschichte: kompakt und profund

Gold und Ehre
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Eines sollte man wissen, wenn man keine Enttäuschung erleben will: Obwohl auf dem Umschlag „Ein großer historischer Roman um den Bau des Hamburger Michels...“ steht, obwohl in den Umschlagseiten der historische ...

Eines sollte man wissen, wenn man keine Enttäuschung erleben will: Obwohl auf dem Umschlag „Ein großer historischer Roman um den Bau des Hamburger Michels...“ steht, obwohl in den Umschlagseiten der historische Stadtplan von Hamburg abgedruckt ist, obwohl die Autorin das Buch ihren Eltern widmet, weil sie im Michel getraut wurden, spielt die Handlung nur zu einem sehr geringen Teil in Hamburg, und der Bau des Hamburger Wahrzeichens wird allenfalls gelegentlich erwähnt.
Stattdessen geht es vor allem wie im vorherigen Buch „Krone der Welt“ um Amsterdam, dazu um Krieg und Frieden, um die politischen Ränkerspiele, vor allem aber um die verzwickten diplomatischen Bemühungen unterschiedlicher politischer Lager und um die Winkelzüge von Personen des Bürgertums und niederen Adels, die ihnen eine Aufstieg in den Hochadel ermöglichen sollen.
Dass neben der eigentlichen Handlung der politischen Lage und Entwicklung so viel Raum gegeben wird, muss kein Nachteil sein. Rebecca Gablé etwa verfährt ebenso. Dadurch ist aber auch dieser Roman keine kurzweilige Bettlektüre für zwischendurch. Wie gewohnt sind alle beschriebenen Fakten exakt recherchiert und absolut verlässlich, eben wieder eine gewohnte Geschichtsstunde. Um aber das Buch gut zu verstehen, benötigt der Leser profunde Geschichtskenntnisse über Holland, England, Frankreich, Spanien und New York, ggf. ist während der Lektüre eine kontinuierliche Internetrecherche erforderlich. Das macht das Lesen anstrengend, aber am Ende hat man wieder viel gelernt.
Verständlich ist dies allemal, bekanntlich hat die Autorin ein sehr, sehr umfangreiches Wissen, das sie mit ihrer Leserschaft teilen möchte. Im Nachwort beschreibt sie, wie viel sie weglassen musste. Und trotzdem werden noch so, so viele Themen angerissen, dass sich daraus noch weitere zehn Romane ergeben könnten: Es geht um die Architektur, das Bauwesen, die Herstellung von künstlichem Marmor, die Bauart von Schiffen, die Seefahrt, den Sklavenhandel, den Krieg, das Leben im jungen Amerika, den Handel und und und. Manchmal fühlt sich der Leser geradezu erschlagen.
Und doch ist das Lesen wie ein Nachhausekommen, insbesondere für die (Wahl-)Hamburger. Das beginnt schon mit dem ersten Satz: „Erst hatte es gedröppelt, dann gepieselt, und jetzt pladderte es.“ Liebe Bayern und Schwaben, das könnt ihr gar nicht nachempfinden, was da für Heimatgefühle innerhalb von Sekunden hochkommen, nicht nur wegen der Sprache, auch wegen der Erfahrungen, die ja sooo stimmen….
Wie immer wunderbar ist die Gestaltung des Buches mit Karten in den Umschlagseiten (schön wäre es gewesen, die zweite Hamburgkarte durch die Amsterdamkarte aus dem letzten Buch zu übernehmen), Glossar (gern etwas umfangreicher) und Literaturhinweisen. Insgesamt wieder ein gelungenes Werk, das Lust darauf macht, sich intensiv mit Geschichte zu beschäftigen.

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Veröffentlicht am 10.04.2021

Spannung und Information perfekt vereint

Tödliche See
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Der Sylt-Krimi Nummer V von Sabine Weiß setzt eine Reihe bewährter Cocktails aus hervorragender Recherche, spannender Unterhaltung und politischer Analyse fort, erneut gewürzt mit einer guten Prise Lokalkolorit. ...

Der Sylt-Krimi Nummer V von Sabine Weiß setzt eine Reihe bewährter Cocktails aus hervorragender Recherche, spannender Unterhaltung und politischer Analyse fort, erneut gewürzt mit einer guten Prise Lokalkolorit. Diesmal beschäftigt sich Kommissarin Liv Lammers mit einem Kriminalfall weit draußen im Meer, in einem Windpark.

Die Geschichte ist sehr spannend, so dass man das Buch kaum weglegen kann. Da die handelnden Personen um die Kommissarin den treuen Lesern inzwischen hinreichend bekannt sein dürften, ist auch die „Wiedersehensfreude“ groß, zumal sie sich alle weiterentwickeln und man ja schon am Ende des letzten Krimis ganz gespannt war, wie es im Privaten wohl weitergehen würde. Was die Krimihandlung angeht, so ist sie sehr gut aufgebaut und strukturiert, so dass man jederzeit folgen kann. Irritationen sind wie in den vorherigen Titeln allenfalls für Ältere zu erwarten, denen die gelegentlich benutzte Jugendsprache nicht geläufig sein mag. („Fistbump“)

Dass Windkraftanlagen nicht unumstritten sind, dürfte hinreichend bekannt sein, Aber wer kennt schon die Einzelheiten, die Gefahren, die durch Windkraft für die Umwelt entstehen, die Argumente für und wider? Wer den Krimi gelesen hat, ist bestens informiert und kann sich ein fundiertes Urteil erlauben - dank der umfassenden Recherche der Autorin. Zudem ist es hochinteressant zu erfahren, wie es auf so einer Wohnplattform mitten im Meer zugeht. Die Arbeitsbedingungen der Taucher und Kletterer und des übrigen Personals, die anstrengenden Schichtdienste, die Notwendigkeit einer Dekompressionskammer etc. - dies alles wird dem Leser neben der Haupthandlung auf sehr verständliche und kurzweilige Weise vermittelt. Dafür gebührt der Autorin ein besondere Bewunderung!

Etwas zu detailliert erscheint dagegen die Arbeit der Spurensicherer; so genau will man es oft gar nicht wissen, das Ergebnis reicht eigentlich. Auch dass Zeugen vor der Befragung über ihre Rechte belehrt werden müssen, müsste eigentlich nicht so oft wiederholt werden. Beides weitet die Geschichte, ohne sie voranzubringen.

Die neue Umschlaggestaltung mit den wunderschönen Bildern und der Information über die vorherigen Krimis der Serie ist perfekt gelungen und begeisterungswürdig. Eine Skizze von Sylt wäre allerdings noch ein Bonbon obendrauf.

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Veröffentlicht am 31.12.2020

Imposantes Werk in gewohnter Qualität

Krone der Welt
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Der neue Roman von Sabine Weiß ist keine kurzweilige Bettlektüre für zwischendurch, sondern ein grandioses Werk über die Entwicklung der Stadt Amsterdam, für das man sich Zeit und Muße nehmen muss. Das ...


Der neue Roman von Sabine Weiß ist keine kurzweilige Bettlektüre für zwischendurch, sondern ein grandioses Werk über die Entwicklung der Stadt Amsterdam, für das man sich Zeit und Muße nehmen muss. Das gilt insbesondere für die ersten 150 Seiten, durch die man sich langsam durchackern muss. Dies liegt vor allem an der umfassenden Schilderung der damaligen politischen Lage und der konsequenten Nutzung der niederländischen Sprache und Namen. Hier wird nicht mal ein Kirchenname eingedeutscht, und das macht das Buch zumindest zu Anfang, wenn man sich noch nicht daran gewöhnt hat, anstrengend.
Doch dann geht‘s los. Sobald die Hauptpersonen von Antwerpen nach Amsterdam gekommen sind, wird es spannend, und die gewohnte Lesefreude stellt sich wieder ein. Erneut hat die Autorin eine hervorragende Rahmengeschichte für die Zeit gefunden, die sie erzählen will, den Aufstieg der holländischen Stadt zu ihrer Blütezeit. Wie gewohnt sind alle beschriebenen Fakten exakt recherchiert und absolut verlässlich, eben wieder eine gewohnte Geschichtsstunde. Das gilt aber nicht nur für die politischen Ereignisse oder geografischen Gegebenheiten, sondern sogar für Nebensächlichkeiten wie das Wetter oder astronomische Vorkommnisse wie etwa eine Sonnenfinsternis.
Um den Aufstieg Amsterdams zu verstehen, muss selbstverständlich die Vorgeschichte in Antwerpen und die politische Lage geschildert werden. Eine Straffung der ersten 100 Seiten hätte der Geschichte aber wohl keinen Abbruch getan. Wünschenswert wäre dagegen gewesen, die ersten Ostindienfahrten und den Kauf von Gewürzen dort ausführlicher darzustellen. Aber das ist vielleicht eine andere Geschichte, womöglich als 3. „Hansetochter“-Roman???
Ebenfalls wie immer wunderbar ist die Gestaltung des Buches mit Karten in den Umschlagseiten (hier hätte Amsterdam etwas mehr Beschriftung verdient), Glossar und Literaturhinweisen. Insgesamt wieder ein gelungenes Werk, das Lust darauf macht, die interessante Stadt auf der nächsten Urlaubsreise zu erkunden.

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Veröffentlicht am 08.05.2020

Viel mehr als Unterhaltung und Spannung

Blutige Düne
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Inzwischen haben wir sie liebgewonnen, die junge, Schlagzeug spielende Kommissarin Liv mit ihrer Tochter Sanna und ihrer Großmutter Elise. Und wie immer ist auch der Sylt-Krimi Nummer IV von Sabine Weiß ...

Inzwischen haben wir sie liebgewonnen, die junge, Schlagzeug spielende Kommissarin Liv mit ihrer Tochter Sanna und ihrer Großmutter Elise. Und wie immer ist auch der Sylt-Krimi Nummer IV von Sabine Weiß nicht nur leichte Bettlektüre à la Schwarz-weiß-Malerei, wo am Ende die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden, sondern eine psychologisch vielschichtige Studie, die trotzdem kurzweilig und unterhaltsam ist.

Diesmal geht es um das Rockermilieu und organisierte Kriminalität. Dazu kommt das bewährte Lokalkolorit der Insel Sylt und Nordfrieslands, die wieder sehr viel Spaß machen. Gerade in Coronazeiten, in denen das Reisen kaum möglich ist, lässt sich hier eine wunderbare „Kopfreise“ machen, dazu bequem im eigenen Bett. Da das Buch erneut spannungsgeladen ist, muss man nur den richtigen Punkt finden, das Licht zu löschen, was nicht ganz einfach ist…

Das Alter der Kommissrin bringt es natürlich mit sich, dass sich vieles auf eine Weise abspielt, was Ältere vielleicht nicht mehr ganz begreifen. Beispielsweise geht es um Technomusik, von der viele vielleicht noch nie gehört haben. Auch beispielsweise die Redewendung „Liv sprang auf und klatschte Momke in einem ‚high five‘ ab.“ dürfte einigen Lesern Rätsel aufgeben. Insofern ist zu hoffen, dass z.B. ältere potenzielle Leser nur irritiert sind und nicht ganz abgeschreckt werden.

Wie oben erwähnt, ist die Story keine Schwarz-weiß-Malerei. Dennoch mag es für machen Leser nahezu unerträglich sein, wenn Livs Vater für seine skandalösen Straftaten wieder nicht zur Rechenschaft gezogen wird, weil er genügend Geld für Bestechung hat. Das verletzt das Rechtsempfinden des Lesers. Allerdings ist zu vermuten, dass die Autorin einfach nur gängige Praxis abgebildet hat.

Durch die neue Umschlaggestaltung hat die Reihe sehr gewonnen, überhaupt ist die Gestaltung mit den schönen Bildern wieder hervorragend. Hoffentlich hat Liv ein langes, langes literarisches Leben!

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