Die Vergangenheit wartet
Auf den ersten Seiten des Romans schwingt deutlich der Zauber der Flitterwochen von Wilbur und Maggie mit und das glückliche Gefühl, dass ihnen die ganze Zukunft offensteht. Wenngleich angedeutet wird, ...
Auf den ersten Seiten des Romans schwingt deutlich der Zauber der Flitterwochen von Wilbur und Maggie mit und das glückliche Gefühl, dass ihnen die ganze Zukunft offensteht. Wenngleich angedeutet wird, dass auch Sorgen vorhanden sind, die nur im Moment verdrängt werden.
Wie gut also, dass weder wir Leser noch Wilbur und Maggie einen Blick in die Zukunft werfen können. Denn der nachfolgende Teil „52 Jahre später“ eröffnet, dass das Leben nicht so verlaufen ist, wie es sich die beiden damals erträumt und gewünscht haben.
Die Grundidee fand ich wirklich interessant. Wilbur bekommt durch den Mitternachtszug die Möglichkeit, zu verstehen, wo er Fehler gemacht und Prioritäten falsch gesetzt hat und welche Entscheidungen ihn an dieses Lebensende geführt haben. Reue, Sehnsucht und Melancholie prägen diese Reise. Doch wie kann er die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um rückwirkend einen anderen Lebensweg einzuschlagen? Um das zu erfahren, muss man jedoch die erste recht träge Hälfte überstehen.
Der Lesefluss war hoch, denn die Kapitel sind kurzgehalten. Zum Teil sogar nur wenige Zeilen lang. Hierbei war die Länge der beschriebenen Szene davon abhängig, wie prägend sie für Wilburs Leben war. Manche Stationen seines Lebens werden jedoch nur angerissen, sodass die Geschichte stellenweise wie ein Schnelldurchlauf wirkt. Dadurch wollte bei der Reise durch sein Leben leider keine wirkliche Emotion bei mir aufkommen. Und da die Geschichte mit dem Ende seines Lebens beginnt, wird bereits früh deutlich, welchen Weg Wilbur eingeschlagen hat und wohin ihn seine Entscheidungen geführt haben. Auch, ob er zufrieden darauf zurückblickt oder nicht. Für mich verlor das Verfolgen seiner Stationen dadurch an Reiz und es entstand die ein oder andere Länge.
Leider ist Wilburs Motivation für seine Prioritäten für mich nicht deutlich und nachvollziehbar genug transportiert worden. Und Maggie ist eine absolute Nebenfigur und bekommt kaum Raum, um sie kennenzulernen.
Und so richtig die Message dieses Buches ist, dass nicht Geld und beruflicher Erfolg glücklich machen, sondern die Menschen, die man liebt, ist die Umsetzung für mich nicht überzeugend. Zu stark wurde sie immer wieder wiederholt und mit dem Finger darauf gezeigt, anstatt sie sich leise entfalten zu lassen.
Fazit: Insgesamt eine schöne Idee mit einer nachdenklichen Botschaft über verpasste Chancen, Liebe und die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Die Umsetzung konnte mich jedoch nicht vollständig überzeugen.