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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2026

3 Vögel für Leo

Pina fällt aus
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Die Geschichte um Pina und Leo ist kurzweilig, warmherzig und leicht zu lesen. Mitunter reicht ein Tag aus, um in die Lebenssituation der beiden einzutauchen. Pina hat ihren Alltag auf Leo und seine Bedürfnisse ...

Die Geschichte um Pina und Leo ist kurzweilig, warmherzig und leicht zu lesen. Mitunter reicht ein Tag aus, um in die Lebenssituation der beiden einzutauchen. Pina hat ihren Alltag auf Leo und seine Bedürfnisse ausgerichtet. Denn wenn nicht alles nach Plan läuft, kann Leo damit nicht umgehen und hat Chaos in seinem Kopf. Bis sie plötzlich und unerwartet vor der Herausforderung stehen, dass „die Welt und Leo miteinander klarkommen müssen“. Was so einfach klingt, ist für Leo doch so schwer. Was also tun, wenn nichts mehr ist wie gewohnt und Pina nicht da ist?

Aus der Not machen die Hausbewohner eine Tugend. Und so erleben wir auf den folgenden Seiten, wie sie ihren Alltag umkrempeln, um für Leo da zu sein. Wie sie Stück für Stück herausfinden, was für Leo wichtig ist und wie sein Tag strukturiert sein muss. Wie aus dem Nebeneinanderleben der Hausbewohner ein Miteinander wird.

Die Autorin schafft es, eine äußerst empathische und berührende Geschichte zu erzählen, ohne dabei rührselig zu sein. Ohne erhobenen Zeigefinger oder Anklage holt sie das Thema Inklusion in die Mitte der Gesellschaft. Sie zeigt, dass diese gemeinsam gelingen kann, wenn jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu beiträgt und dass es sich lohnt, sich für seine Mitmenschen zu interessieren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dass Inklusion mehr ist als die Möglichkeit der Teilhabe durch staatliche Institutionen und Organisationen, sondern dass sie auch gelebt werden muss und kann. Und dass sie im optimalen Fall keine Last, sondern eine Bereicherung ist.

Fazit: ein einfühlsames Buch mit einem ernsten und wichtigen Thema, welches trotzdem leicht und positiv erzählt wird. Es zeigt, wie Zusammenhalt, Verantwortung und gelebte Inklusion aussehen kann und wie viel gemeinsam möglich ist.

Veröffentlicht am 31.03.2026

An der Wahrheit erstickt

Nordlicht - Das fremde Gesicht
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Der Krimi startet direkt und ohne großes Aufheben mit den Ermittlungen um einen Mord auf einem Pferdegestüt in Deutschland. Nach einem weiteren Mord in Dänemark und erkennbaren Parallelen, werden die Ermittlungen ...

Der Krimi startet direkt und ohne großes Aufheben mit den Ermittlungen um einen Mord auf einem Pferdegestüt in Deutschland. Nach einem weiteren Mord in Dänemark und erkennbaren Parallelen, werden die Ermittlungen in der grenzübergreifenden Sondereinheit GZ Padborg gebündelt.

Das Buch präsentiert sich im weiteren Verkauf als klassischer Krimi im allerbesten Sinne. Er ist ruhig erzählt, klar strukturiert und der Fokus ist auf die Ermittlungsarbeit ausgerichtet. Die einzelnen Schritte werden super herausgearbeitet und sind absolut nachvollziehbar. Die Ermittlungen folgen dabei einer logischen Abfolge, von der Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern über die Identifikation möglicher weiterer Gefährdeter bis hin zur Frage nach dem Motiv und darüber abschließend der Identität des Täters.
So konnte man der Aufklärung zu allen Zeiten wunderbar folgen, ohne dass am Ende eine Zusammenfassung nötig wäre, um uns Leser die Zusammenhänge nochmals zu erklären.

Die Geschichte überzeugt weniger durch überraschenden Wendungen, sondern lebt von den vielen kleinen Erkenntnissen und Fortschritten, die sich Stück für Stück zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Spannung schaffte die Autorin durch die kontinuierliche Annäherung an die Wahrheit und das die Identität des Täters auch bis zum Schluss nicht vorhersehbar war.

Ein direkter Vergleich zu anderen Fällen der Reihe ist mir nicht möglich. Ich habe lediglich einen der ersten Bände gelesen, aber keine Erinnerung mehr daran. Dafür bin ich erstaunlich gut mit den Figuren zurechtgekommen. Nur bei Rasmus hatte ich das Gefühl, dass sein Privatleben in früheren Bänden bereits eine größere Rolle gespielt hat. Trotzdem reichten mir die Informationen, die man im vorliegenden Band bekommt, als Hintergrundwissen aus, um seine Rolle und seine Geschichte zu verstehen.

Die ständig wechselnden Schauplätze des Buches machen es manchmal nicht leicht, die Opfer namentlich und örtlich zuzuordnen. Aber die Karte im Einband des Taschenbuches hilft bei der Orientierung und bietet eine schöne Grundlage für die geografische Einordnung der Schauplätze.

Fazit: Insgesamt hat mich dieser Krimi absolut überzeugt. Er zeichnet sich durch einen angenehmen Schreibstil, einen klaren Fokus auf die Ermittlungsarbeit und eine Auflösung aus, die stringent und nachvollziehbar bleibt.

Veröffentlicht am 30.03.2026

mitgehangen, mitgefangen

Giftiger Grund
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Dieses Buch lässt sich nur schwer in eine Schublade stecken. Es ist weder klassischer Krimi noch Roman noch Thriller, sondern eher eine ungewöhnliche Mischung aus allem und gleichzeitig etwas ganz Eigenes. ...

Dieses Buch lässt sich nur schwer in eine Schublade stecken. Es ist weder klassischer Krimi noch Roman noch Thriller, sondern eher eine ungewöhnliche Mischung aus allem und gleichzeitig etwas ganz Eigenes. Die Erwartungshaltung, die man an ein Genre knüpft, greift hier nicht.

Doch worum geht es? Mitten in der Nacht treffen sich zufällig drei Personen in einer verlassenen Waschanlage. Charu, die Fotografin von Lost-Places, Joran, der vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen wurde und Edda, ein Kind, über das wir sonst nichts wissen. Nicht nur die Personenzahl ist klein gehalten, auch das Setting ist räumlich sehr begrenzt. Da wirkt der Lost Place umso intensiver und beklemmender. Gespickt wird das Ganze mit einem Toten, der sich in unmittelbarer Nähe in einem Schacht befindet. Da er schon früh eingeführt wird, hätte ich erwartet, dass die Hintergründe seines Todes eine viel zentralere Rolle spielen und dessen Aufklärung mehr im Mittelpunkt steht. Seine Figur bleibt zunächst aber erstaunlich nebensächlich für einen Krimi.

Die kurzen Kapitel und Wechsel zwischen den Protagonisten sorgen für Tempo und Abwechslung. Die Ich-Perspektive sorgt für Nähe und wir erfahren mehr über das Leben und die Gedanken der Figuren. Gleichzeitig entsteht ein Wissensvorsprung, denn wir Leser kennen den Grund, warum Charu und Joran in der Waschanlage sind, sie selbst wissen es voneinander nicht. Auf allen Seiten herrscht Misstrauen und keiner möchte preisgeben, warum er gerade jetzt dort ist. Dieses Grundmisstrauen trägt entscheidend zur Atmosphäre bei und prägt jede Begegnung.

Edda spielt eine besonders rätselhafte Rolle, da wir erst spät mehr über sie erfahren. Die Gedanken, die man sich bis dahin über ihre Rolle und ihre persönliche Situation macht, sind ein zusätzlicher Anreiz, die Geschichte weiterzulesen.

Dieses Buch lebt stark von seinen Figuren, ihren sozialen Verhältnissen und dem fragilen Miteinander, das aus diesem zufälligen Aufeinandertreffen entsteht. Klassische Spannung im Krimi-Sinne entstand da bei mir weniger, doch ich habe mit großem Interesse verfolgt, wie die drei mit der Situation umgehen und ob sie einander vertrauen können.

Für meinen Geschmack war die Schlussphase zwar wirkungsvoll, aber auch etwas überspitzt und auch die Auflösung um Edda nicht glaubwürdig genug. Trotzdem muss das Buch bis zum allerletzten Satz gelesen werden. Der so überraschend gut und gleichzeitig so absolut bösartig ist. Was für ein unerwartetes Ende.

Fazit: Wer einen klassischen Krimi erwartet, wird enttäuscht sein. Wer atmosphärische, charaktergetriebene Geschichten zu schätzen weiß, wird hier jedoch fündig werden. Und eines schafft das Buch wirklich, es bleibt im Kopf.

Veröffentlicht am 19.03.2026

ein Gemälde, zwei Frauen - aber wo ist die Verbindung?

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Der Beginn war äußerst vielversprechend. Die klare, leicht zugängliche Sprache hat mir einen sofortigen Zugang zu dem Buch ermöglicht. Die beiden Zeitebenen, Marlens Leben ab 1945 und Hannah im Jahr 2023, ...

Der Beginn war äußerst vielversprechend. Die klare, leicht zugängliche Sprache hat mir einen sofortigen Zugang zu dem Buch ermöglicht. Die beiden Zeitebenen, Marlens Leben ab 1945 und Hannah im Jahr 2023, machten es vielfältig und abwechslungsreich. Durch die unterschiedlichen Zeiträume ließen sich beide Stränge mühelos auseinanderhalten.

Der Prolog, der im Jahr 1989 spielt, schafft über Evelyn, die als Ärztin im Notaufnahmelager in Westberlin arbeitet, eine zarte Verbindung zwischen Marlen und Hannah, die sich selbst nie begegnet sind.
Nicht nur Evelyn ist ein verbindendes Element dieser beiden Frauen, sondern auch eine kleine Leinwand, die im Jahr 1945 in den Besitz von Marlen gekommen ist, als sie sich vor den russischen Soldaten in einem verlassenen Forsthaus versteckt. Die Verbindung über die Leinwand wurde nur kurz angerissen und machte neugierig. Ich habe mir unweigerlich die Frage gestellt, welchen Einfluss die Leinwand auf das Leben der beiden Frauen haben wird.

So angenehm sich diese beiden Handlungsstränge lesen ließen, hat mir doch der klare Bezug zueinander gefehlt. Das Cover suggeriert, dass es sich hierbei um das Gemälde handelt. Deshalb habe ich lange Zeit darauf gewartet, dass die Stränge aktiv miteinander verknüpft werden, wurde jedoch enttäuscht. Vor allem bei Hannah wird nur in einem Nebensatz erwähnt, dass sie die Leinwand vergeblich gesucht hat und die rechtmäßige Erbin wäre. Aber was ihre Familie damit zu tun hat, bleibt völlig unklar. Ich wusste, dass es von der Autorin ein weiteres Buch gibt, habe jedoch angenommen, dass sie sich eigenständig lesen lassen. Dies ist wohl eher nicht der Fall. Und so bleibt für mich die Geschichte um Hannah unvollständig und im luftleeren Raum hängen. Da hätte ich mir weitere Informationen gewünscht, die wahrscheinlich in einem anderen Band zum Tragen gekommen sind. Trotz dieser offenen Fragen motiviert mich das Buch nicht, nun auch noch das zweite zu lesen und mehr zu erfahren.

Wenn die Verbindung dieser beiden Stränge so lose ist, was ist dann der Inhalt dieses Buches? In der Bewerbung des Romans habe ich gelesen, dass die Autorin der Frage nachspürt „was wir unseren Eltern schulden und welches Erbe sie uns mitgeben“. Ich gebe zu, diese Aussage hat Charme und seine Berechtigung, ohne diesen Hinweis hätte ich diesem Aspekt aber keine Beachtung geschenkt, da er für mich nicht klar erkennbar war.

Fazit: Ohne Kenntnis des ersten Bandes bleibt vor allem Hannahs Geschichte für mich unvollständig, wodurch der Roman insgesamt unausgewogen wirkt.

Veröffentlicht am 16.03.2026

am Puls der Zeit – komplex, aktuell, packend

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Mit über 600 Seiten ist Wellengrab ein ordentlicher Wälzer, aber einer, der sich erstaunlich leicht lesen lässt. Der Prolog setzt mit einer schrecklichen Rückschau direkt einen düsteren Ton. Zum Glück ...

Mit über 600 Seiten ist Wellengrab ein ordentlicher Wälzer, aber einer, der sich erstaunlich leicht lesen lässt. Der Prolog setzt mit einer schrecklichen Rückschau direkt einen düsteren Ton. Zum Glück sind die folgenden Kapitel wieder besser zu ertragen. Denn zunächst wird ein komplexes Bild mit einer Fülle an Handlungssträngen entwickelt. Da ist ein großflächiger Stromausfall, der Einbruch in ein Gelddepot, eine vermisste Person und eine private Anfrage an Fabian Risk. Bei der Fülle an parallel verlaufenden Ermittlungen habe ich mitunter vergessen, welcher Ermittler sich jetzt eigentlich um welchen Fall kümmert, doch das schmälerte meinen Lesefluss nicht, war es doch lediglich eine fehlende namentliche Zuordnung meinerseits. Die Vielzahl an Handlungssträngen und die angenehme Kapitellänge sorgen hingegen für Kurzweiligkeit und Abwechslung.

Dass die unterschiedlichen Geschehnisse zusammenhängen müssen, ist dem Leser direkt klar. Aber die Frage bleibt, wie diese zusammengeführt werden können. Durch die hartnäckigen Ermittlungen zieht sich das Netz enger zusammen und erste Gemeinsamkeiten werden sichtbar. Es ist nicht nur die reine Suche nach den Attentätern und Strippenziehern, die im Mittelpunkt des Buches steht, sondern mehr und mehr auch die Frage nach deren Motivation. Vor allem in der zweiten Hälfte habe ich schon mal die Zeit vergessen, da mich das Buch so gepackt und eingenommen hat.

Besonders eindrucksvoll ist, wie Ahnhem aktuelle gesellschaftliche Themen in seine Geschichte einwebt. Angriff auf kritische Infrastruktur, mediale Manipulation und Migration bilden einen beunruhigenden und dennoch realistischen Hintergrund. Ergänzt durch zusätzliche fiktionale Elemente, entsteht ein äußerst düsteres Szenario.

Obwohl ich das Buch als vergleichsweise unblutig wahrgenommen habe und es nicht auf Schockeffekte setzt, sei eine kleine Warnung ausgesprochen. Denn da Kinder zu Opfern werden, ist dieses Buch nicht unbedingt für jeden Leser geeignet.

Fazit: ein komplexes, thematisch aktuelles Buch, das mit seiner gesellschaftlichen Relevanz und seiner stetig wachsenden Spannung überzeugt und mir viel Freude bereitet hat