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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2026

Das Haus am Rande

Meeresdunkel
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Dies ist eines der Bücher, das mich ratlos zurückgelassen hat. Ich wollte es gerne mögen, aber es hat einfach nicht gereicht. Das gewählte Setting mit einem renovierungsbedürftigen Ferienhaus, der Doppelbuchung, ...

Dies ist eines der Bücher, das mich ratlos zurückgelassen hat. Ich wollte es gerne mögen, aber es hat einfach nicht gereicht. Das gewählte Setting mit einem renovierungsbedürftigen Ferienhaus, der Doppelbuchung, dem aufziehenden Unwetter und das die beiden Familien deswegen an das Haus gefesselt sind und sich miteinander arrangieren müssen, hätte eine beklemmende Atmosphäre erzeugen können. Aber diese ist bei mir nicht aufgekommen.

Schon die Grundidee wirkt nur bedingt überzeugend. Denn wer verbringt freiwillig Urlaub in einem Haus, das offensichtlich renoviert werden muss? Ehrlich gesagt finde ich diese Vorstellung ziemlich abstrus. Verständlich wäre es nur, wenn genau diese Region oder dieses Haus ein Alleinstellungsmerkmal aufweist. Diese Besonderheit konnte aber nicht transportiert werden, sodass die Ausgangssituation reichlich unrealistisch erscheint.

Als dann noch eine gefälschte Vermietermail, Eheprobleme, der zu erwachsen wirkende achtjährige Juri mit seiner Puppe und eine alte umhergeisternde Frau hinzukommen, wirkte es auf mich überfrachtet und konstruiert. So bin ich dann auch der stattfindenden Entwicklung eher mit Befremden und einer gewissen Distanz und Zurückhaltung gefolgt. Und je weiter ich las, desto weniger wusste ich, worauf das Ganze hinauslaufen soll.

Gut gewählt fand ich hingegen die Kapiteleinteilung. Sie waren kurz und die Perspektive wechselte ständig. Erzählt wurde aus Sicht von Juri, Samuel und Henrike. Mit dieser Wahl wurde direkt oder indirekt den verschiedenen Familienmitgliedern eine Stimme verliehen. Den Kindern, den Erwachsenen, beiden Familien und Männern wie Frauen. Allerdings empfand ich die Erzählweise stellenweise als gewöhnungsbedürftig, da sie mit abgehackten und zu kurz wirkenden Sätzen gespickt war. Dies war nicht nur irritierend, sondern störte auch den Lesefluss.

Dass keine der beteiligten Personen sympathisch wirkte, ist vermutlich beabsichtigt, sorgte aber auch für eine Distanz ihnen gegenüber. Auch die Auflösung hinterlässt gemischte Eindrücke. Die Motivation einer treibenden und aktiv beteiligten Person ist für mich fragwürdig und nicht nachvollziehbar.

Am stärksten bleibt für mich der Eindruck zurück, dass sich hier die Geschichte wiederholt und Vertuschung auf allen Seiten und mit unterschiedlichen Beweggründen geschieht. Kaum jemand kommt gut weg, und es tun sich bei den hier beteiligten Personen Abgründe auf, die aus ganz verschiedenen Motiven heraus entstehen.

Fazit: Am Ende bleibt ein Thriller, der interessante Ansätze hat, aber für mich weder atmosphärisch noch erzählerisch richtig überzeugt.

Veröffentlicht am 23.04.2026

Wagnis Neubeginn

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Manche Entscheidungen im Leben plant man sorgfältig. Ein Hauskauf gehört zweifellos dazu. Umso faszinierender ist es, Sophie dabei zu begleiten, wie sie genau das Gegenteil tut. Aus dem Bauch heraus kauft ...

Manche Entscheidungen im Leben plant man sorgfältig. Ein Hauskauf gehört zweifellos dazu. Umso faszinierender ist es, Sophie dabei zu begleiten, wie sie genau das Gegenteil tut. Aus dem Bauch heraus kauft sie ein Haus im Nirgendwo. Kopfüber stürzt sie sich in das Abenteuer Hausbesitzerin und kann selbst kaum begreifen, was sie da eigentlich tut.

Aus der Ich-Perspektive schildert sie mit einer gewissen Selbstironie ihre völlig unvorbereitete und planlose Reise. Als Leser begegnet man dem mit einem ganzen Bündel an Gefühlen. Einerseits möchte man den Kopf über ihre Spontanität schütteln und sie davon abhalten. Andererseits ertappt man sich dabei, über die Absurdität der Situation und Sophies Gedanken zu schmunzeln. Sobald Sophie sich des Ausmaßes und der Konsequenzen ihrer Entscheidung bewusst wird, fühlt man mit ihr. Und wenn die Einsamkeit und die nächtlichen Geräusche an ihren Nerven zerren, möchte man sie am liebsten in den Arm nehmen.

Der Roman lebt von den leisen, unspektakulären Momenten, den heiteren Szenen und den stillen Tönen. Davon die Zufriedenheit in den kleinen Dingen zu finden und die schrittweisen Erfolge zu würdigen und zu genießen. Es gibt kein großes Drama, keine spektakuläre Handlung, sondern wir begleiten Sophie auf ihrer mutigen und bewundernswerten Reise. Nur im letzten Drittel wurde mir die entschleunigende Reise dann doch etwas zu langatmig und ich wollte wissen, wohin dieses Experiment führt und welchen Weg Sophie einschlägt.

Allerdings hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Realitätssinn gewünscht. Die Geschichte funktioniert, weil sie im Sommer spielt. Nur einmal stößt Sophie an die Grenzen ihres Projektes und muss sich ernsthaft mit den Dingen auseinandersetzen, die nicht funktionieren. Sehr gerne hätte ich davon öfter gelesen. Winterkälte ohne Heizung oder finanzielle Verpflichtungen wie Versicherungen, Strom oder Wasser bleiben außen vor. Das Leben „von der Hand in den Mund“ wirkt dadurch manchmal etwas zu unbeschwert und romantisch.

Fazit: Eine bewegende Geschichte davon, das Leben zu genießen. Vom Scheitern, Besinnen und sich Erden, vom Träumen und Ausprobieren und davon, Dinge einfach zu wagen, auch wenn man nicht weiß, wohin sie führen.

Veröffentlicht am 20.04.2026

Nicht nur im Moor lauern Gefahren

Moorland. Die Zwillinge
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Man stelle sich ein Moor mit seiner unübersichtlichen Fläche und dem tückischen Untergrund vor, wo jeder falsche Schritt fatale Folgen haben kann. Kombiniert mit Kälte, Dunkelheit und Nebel, entsteht ein ...

Man stelle sich ein Moor mit seiner unübersichtlichen Fläche und dem tückischen Untergrund vor, wo jeder falsche Schritt fatale Folgen haben kann. Kombiniert mit Kälte, Dunkelheit und Nebel, entsteht ein tolles Setting für einen Thriller.

Doch dies alleine reicht natürlich nicht aus, um Spannung erzeugen und uns Leser fesseln zu können. Unterstützt wird dies hier durch kurze Kapitel, authentische Bewohner und einen Fall, der immer größer und größer wird. Aber der Reihe nach.

Schon auf den ersten Seiten wird man mitten ins Geschehen und die Gemeinde Moorbach hineingeworfen. Da muss man sich zunächst orientieren und mit den Bewohnern und ihren Beziehungen vertraut machen. Schon hier wird klar, dass nicht jeder mit jedem kann und nicht jeder sympathisch ist. Von forsch und fordernd bis sehr zugewandt ist alles an Charakteren vertreten. So lebt das Buch von den Geheimnissen der Dorfbewohner, von Antipathien und Vertuschung. Da bildet nicht einmal die Kommissarin Malia mit ihrer Familiengeschichte eine Ausnahme.

Der Fall selbst beginnt unblutig und mit einer Suchaktion nach Zwillingen, die spurlos verschwunden sind. Doch als die Ermittlungen in Gang kommen, wird klar, dass mehr dahintersteckt.

Besonders gut hat mir gefallen, wie der Autor den Fall Stück für Stück größer werden lässt. Was zunächst wie ein lokales Drama beginnt, entfaltet sich nach und nach zu einem komplexen Geflecht aus Spuren, Motiven und Verstrickungen. Die Kommissarin stößt dabei mit ihren begrenzten Ressourcen und dem kleinen Team schnell an ihre Grenzen und ist kaum in der Lage, allen Spuren zu folgen und mit den Entwicklungen und Erkenntnissen Schritt zu halten. Die kurzen Kapitel mit den wechselnden Perspektiven unterstützen das Gefühl, dass mehrere Ereignisse parallel stattfinden und die Dynamik und Dringlichkeit zunimmt.

Obwohl zwischenzeitlich verschiedene Personen ein Motiv haben oder sich verdächtig verhalten, hat sich für mich der Täter auf den letzten Seiten doch recht klar und eindeutig abgezeichnet. Wenn ich einen Wermutstropfen nennen müsste, wäre dies der Einzige, der mir bei diesem Buch einfällt.

Fazit: der Autor macht es uns Lesern einfach, in dieses Buch und die packende Ermittlung einzutauchen und es guten Gewissens weiterzuempfehlen.

Veröffentlicht am 16.04.2026

Muttis Wurzeln

Elbland
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Anfangs empfand ich den Schreibstil des Buches etwas gewöhnungsbedürftig. Zwar war die Sprache einfach, klar und schnörkellos, doch die kurzen Sätze ließen den Text stellenweise etwas abgehackt wirken. ...

Anfangs empfand ich den Schreibstil des Buches etwas gewöhnungsbedürftig. Zwar war die Sprache einfach, klar und schnörkellos, doch die kurzen Sätze ließen den Text stellenweise etwas abgehackt wirken. Mit der Zeit empfand ich das aber nicht mehr als störend, eher im Gegenteil. Es wirkte, als würde sich die Autorin ganz bewusst auf das Wesentliche konzentrieren. Und trotz dieser Knappheit entstand eine bildhafte, warme Atmosphäre, die mich sogleich in die Familiengeschichte hineingezogen hat.

Schnell wird klar, dass die einst glückliche Familie auseinandergebrochen ist. Die Eltern sind schon viele Jahre getrennt. Auch die Beziehung der Schwestern Nina und Katja untereinander scheint schwierig zu sein und das Verhältnis zum jeweiligen Elternteil ist angespannt. Der Satz, dass Nina 32 Jahre allein mit der Aufgabe war, „dafür zu sorgen, dass die Mutti ihr Leben erträgt“, ist prägend für das Buch.

Nach und nach legt die Autorin offen, was genau hinter dieser Aufgabe steckt und weshalb sich Nina damit allein gelassen fühlt. Unter der Oberfläche brodelt vieles, vor allem bei Nina selbst. Der Tod der Mutter wird schließlich zum Auslöser, sich mit all dem auseinanderzusetzen, nicht zuletzt, weil Nina einen Zusammenbruch erleidet.

Doch obwohl Nina im Vordergrund steht, blieb sie mir fremd und es fiel mir wirklich schwer, sie zu verstehen. In einem Moment war sie himmelhochjauchzend und im nächsten zu Tode betrübt. Diese emotionale Achterbahnfahrt fand ich mit der Zeit schwierig zu ertragen.
Gerne hätte ich verstanden, was genau zu ihrem Zusammenbruch geführt hat. War das der unerwartete Tod der Mutter? Die Wut auf den Vati und die Schwester oder gar etwas komplett anderes? Warum kann sie die alten Konflikte nicht loslassen, obwohl sie eigentlich ein gutes Leben führt? Und wenn sie auch auf die Mutti wütend ist, warum sucht sie dann nach ihren Wurzeln? Mir hat ihr ambivalente Verhalten sehr zu schaffen gemacht.

Sehr gelungen fand ich hingegen die Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit, also Ninas eigener Geschichte mit der Lebensgeschichte ihrer Mutter. Besonders die späte Versöhnung mit ihr und das neu gewonnene Verständnis für ihren Charakter, das erst durch Ninas Einblick in die Kindheit und prägenden Erfahrungen der Mutter möglich wird, verleihen dem Buch eine besondere Tiefe.

Fazit: die Geschichte wirkt überzeugend und rund. Die Spuren der Kindheit, die sich im späteren Verhalten widerspiegeln, sind eindrucksvoll dargestellt. Aber mit Nina bin ich leider nicht klargekommen, was mir die Freude an dem Buch genommen hat.

Veröffentlicht am 10.04.2026

solide, aber nicht packend

Schattenmädchen
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Sehr gerne wollte ich der Autorin und ihrer Reihe um die Ermittler Fredrika Storm und Henry Calment eine neue Chance geben. Leider hat es auch der vorliegende Band nicht geschafft, mich wirklich zu überzeugen.

Der ...

Sehr gerne wollte ich der Autorin und ihrer Reihe um die Ermittler Fredrika Storm und Henry Calment eine neue Chance geben. Leider hat es auch der vorliegende Band nicht geschafft, mich wirklich zu überzeugen.

Der Einstieg hingegen gefiel mir sehr gut. Steckt man doch direkt inmitten der Ermittlungen, ohne dass eine lange Vorgeschichte benötigt wird. Die angenehme Kapitellänge lädt dazu ein, noch ein weiteres lesen zu wollen und unterstützen den Lesefluss.

Ebenso sei positiv erwähnt, dass das Buch ohne Blutvergießen und grausame Verbrechen auskommt. Stattdessen steht im Mittelpunkt der Ermittlungen das Verschwinden einer Studentin. Hierbei wird schnell deutlich, wie ernst Fredrika ihren Job nimmt und wie wichtig es ihr ist, diesen Fall zu lösen. Ihr Engagement ist aber nicht nur eine Stärke, sondern gleichzeitig auch eine Schwäche. Im Verlauf des Buches bekommt man immer mehr das Gefühl, dass sie sich verrennt und zu sehr auf einen einzigen Ansatz fixiert ist. Zwar bleibt die Möglichkeit bestehen, dass Fredrika mit ihrer Vermutung richtig liegen könnte, doch über weite Strecken fehlt es an alternativen Ermittlungsansätzen. Dadurch entsteht ein Gefühl von Stillstand und die ausbleibenden neuen Erkenntnisse bremsen die Spannung spürbar aus.

Grundsätzlich lese ich gerne etwas über das Privatleben der Ermittler, da es sie nahbarer macht. Es darf für meinen Geschmack aber nicht zu sehr im Vordergrund stehen und die Krimihandlung unterbrechen. Da sowohl Fredrika als auch Henry mit privaten Problemen zu kämpfen haben, war dieser Aspekt für mich hier etwas zu dominant.

Die Auflösung fand ich im ersten Moment überraschend und dadurch gut gelungen. Doch je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Fragen stellten sich mir. Auf den Ablauf, die Planung und Durchführung oder die Motivation wird nicht eingegangen. Es bleibt alleine dem Leser überlassen, eine schlüssige Erklärung zu finden. Schade, das ist mir dann doch zu vage und wenig greifbar.

Das Aufgreifen von realen Begebenheiten an der Universität Lund, ist für mich ein Pluspunkt. Gleichzeitig bin ich unsicher, ob sich dieses reale Vorbild tatsächlich optimal für eine Krimihandlung geeignet hat.

Fazit: ich hätte mir mehr Dynamik in den Ermittlungen gewünscht. Auch die unzureichend erklärte Auflösung ließen die Geschichte hinter ihrem Potenzial zurückbleiben. Für mich bleibt das Buch daher eher durchschnittlich.