Cover-Bild Der Besuch der alten Dame
Band der Reihe "detebe"
(17)
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11,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Biografien, Literatur, Literaturwissenschaft - Drama, Theaterstücke, Drehbücher
  • Genre: keine Angabe / keine Angabe
  • Seitenzahl: 160
  • Ersterscheinung: 30.09.1998
  • ISBN: 9783257230451
Friedrich Dürrenmatt

Der Besuch der alten Dame

Eine tragische Komödie
Claire Zachanassian kehrt als steinreiche Frau in ihr Heimatdorf Güllen zurück, wo ihr einst das Herz gebrochen und die Ehre geraubt wurde. Nun will sie sich rächen und bietet der Güllener Bevölkerung eine Milliarde dafür, dass ihr damaliger Liebhaber Ill für sein Vergehen mit dem Tod bestraft wird. Ein Angebot, das die Bürger entrüstet zurückweisen. Zunächst.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2017

…dass auch zu uns einmal eine alte Dame kommen wird…

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INHALT:

Claire Zachanassian kehrt als steinreiche Frau in ihr Heimatdorf Güllen zurück, wo ihr einst das Herz gebrochen und die Ehre geraubt wurde. Nun will sie sich rächen und bietet der Güllener Bevölkerung ...

INHALT:

Claire Zachanassian kehrt als steinreiche Frau in ihr Heimatdorf Güllen zurück, wo ihr einst das Herz gebrochen und die Ehre geraubt wurde. Nun will sie sich rächen und bietet der Güllener Bevölkerung eine Milliarde dafür, dass ihr damaliger Liebhaber Ill für sein Vergehen mit dem Tod bestraft wird. Ein Angebot, das die Bürger entrüstet zurückweisen. Zunächst.



EIGENE MEINUNG:

Auch hier der Original-Klappentext. Auf meiner Ausgabe im Diogenes-Verlag von 1998 besteht die Buchbeschreibung auf der Rückseite aus Kommentaren von Friedrich Torberg/Neuer Kurier, Wien und The New York Times. Das Coverbild ist ein Detail aus Turmbai VI: Versuch eines Neubaus von Friedrich Dürrenmatt und zeigt ein Gerüst bzw. eine Frau.

„Der Besuch der alten Dame“ ist eine Tragische Komödie – und das bringt es für mich auch wirklich auf den Punkt! Ich war beim Lesen entsetzt, nur um kurz darauf wirklich wieder Lachen zu müssen. Das Ganze hat drei Akte und ist in meiner Ausgabe als Bühnenstück geschrieben, was mir das Lesen gerade zu Beginn schon etwas schwer gemacht hat. Allerdings kann man sich alles auch wirklich toll vorstellen und zum Teil war ich einfach nur begeistert vom Einfallsreichtum des Autors z. B. beim Gestalten des Waldes durch die „Bäume“ etc. Schauplatz ist ein kleiner Ort in Mitteleuropa in den 50er Jahren. Verfasst wurde es 1955, die Endfassung erschien 1980.

Ob ich die reiche alte Dame mag kann ich selbst nach Beenden des Buches nicht sagen. Manchmal erscheint sie wie ein Witz, dann wie das verletze Mädchen, dann wieder wie eine irre Alte. Sie hat in ihrer Jugend schlimmes erleben müssen. Wie sie jetzt allerdings damit umgeht ist schon ein Ding. Sie will mit ihrer Vergangenheit abschließen und das kann wohl jeder nachvollziehen, sie will sicher auch Rache und wurde von den Ereignissen in der Vergangenheit geprägt. Hinzu kommt, dass sie reich ist und es sich leisten kann ihre Forderung zu stellen. Aber z. B. ihr Umgang mit ihren diversen Ehemännern lässt sie mir entweder vollends krank durch ihre Erfahrungen oder einfach irr erscheinen. All dies und die Gedanken die man sich darüber macht lassen einen jedoch nicht übersehen wie überaus klug ihr Handeln auf eine wahnwitzige Art und Weise ist. Sie kann zusehen wie alles zerbricht, vielleicht so wie sie damals zerbrochen ist. Und das im Grunde ohne einen Finger zu rühren – ihr Angebot hat gereicht. Den Rest erledigen die Bürger und wie die sich von Anfang des kurzen Stückes bis zum Ende verändern und vor allem wie sie sich vor sich selbst rechtfertigen ist oft einfach nur erschreckend. Erschreckend, weil so menschlich…

Auch Alfred ist eine unheimlich gute Figur. Zu Beginn erschien er mir nur gierig, dann böse, dazwischen wahnsinnig wie er sich seinen Mitbürgern gegenüber verhält um am Schluss Recht zu behalten und unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit gerichtet zu werden. Besonders hart hat mich auch das Verhalten seiner Familie getroffen…

Manche Szenen wirken einfach nur übertrieben, andere so tiefgründig und wahr, dass es einen schaudert… Die Geschichte dreht sich um ein Klischee und ist doch so einprägsam und zugleich auf seine skurrile Art und Weise unterhaltsam. Die Komik im Buch macht einen empfänglicher für die Tragik der Geschichte habe ich einmal gelesen. Ich selbst habe bei mir auf jeden Fall bemerkt, dass mir oft erst einen Moment später die Tragweite der Worte bewusst wurde. Manche verfolgen mich noch jetzt in ihrer Einfachheit und doch Treffsicherheit. Viele Sätze im Buch habe ich markiert. Wenn ich jedoch andere Rezensionen lese merke ich schon auch, dass ich ein einfacher Leser bin, der sicher nicht jede Andeutung, jeden Vergleich oder jeden Parallelismus in der Geschichte entdeckt hat.



FAZIT:

Ich verstehe warum dieses Buch ein Klassiker geworden ist! Es ist nicht nur die Frage nach Schuld, Unschuld oder Gerechtigkeit, sondern der Weg bis das Urteil darüber gefällt wird… Und zum Schluss bleibt vielleicht schon auch die Frage wie man selbst entschieden hätte…

Veröffentlicht am 15.09.2016

Geniale schwarze Komödie mit skurrilen Gestalten und einer Rachegöttin die diese Gestalten lenkt. Absolut empfehlenswert!

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Claire Zachanassian, eine amerikanische Multimillionärin, kehrt in ihr Heimatdorf Güllen zurück, um sich zu rächen: Vor Jahrzehnten hat sie aus dem Dorf fliehen müssen, denn sie bekam ein Kind von Ill, ...

Claire Zachanassian, eine amerikanische Multimillionärin, kehrt in ihr Heimatdorf Güllen zurück, um sich zu rächen: Vor Jahrzehnten hat sie aus dem Dorf fliehen müssen, denn sie bekam ein Kind von Ill, ihrem Geliebten, und dieser Ill hat damals Zeugen bestochen, die beschworen, daß auch sie etwas mit Claire gehabt hätten. Sie bietet der Stadt eine Milliarde, wenn man ihr den noch lebenden Ill tot vor die Füße legt.

Autor:
Friedrich Dürrenmatt wurde als Sohn eines Pfarrers am 5. Januar 1921 im Schweizer Kanton Bern geboren. Dürrenmatt studierte Philosophie und Naturwissenschaften sowie Germanistik in Bern. Außerdem interessierte er sich leidenschaftlich für expressionistische Malerei. Als Autor von Weltgeltung starb er am 14. Dezember 1990 in Neuenburg.

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In dieser tragischen Komödie geht es um Korruption, Versuchung, menschliche Gier und Selbstjustiz.
Eine Kritik an der Wohlstandsgesellschaft in der Geld auch Macht bedeutet.

Die Tragödie äußert sich im Grund des Handelns der reichen, alten Dame. In Jugendjahren wurde ihr übel mitgespielt und machte sie zu dem was sie nun ist - zwar sehr reich, aber immer noch traumatisiert und nicht fähig mit dem Vergangenen abzuschließen.
Zitat: "Die Welt machte mich zu einer Hure, nun mache ich sie zu einem
Bordell!"
Sie steigt als "Rachegöttin" herab, um den Übeltäter dafür bezahlen zu lassen und manipuliert dafür eine gesamte Gemeinde.
Die Komödie liegt im Handeln der Bürger dieser Gemeinde. Zuerst noch entrüstet über diese ach so üble Bedingung, die dann aber doch der Versuchung des Geldes unterliegen. Jeder der Gemeinde legt auf einmal auf großem Fuß und nimmt Kredite auf, der festen Überzeugung, dass irgendeiner von ihnen den Schuldigen schon um die Ecke bringen wird und somit der Reichtum in der Gemeinde Einzug hält.
Das Bühnenstück wimmelt nur so von lächerlichen, skurrilen Figuren, Lügnern und Betrügern. Man möchte meinen der Übeltäter Ill wäre der einzig Normale in dieser Runde.

Fazit:
Trotzdem es als Bühnenstück geschrieben ist, ist es in einfacher Sprache und flüssig zu lesen.
Ich wurde sehr gut unterhalten und daher für mich absolut empfehlenswert!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Sollte man gelesen haben

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Nach vielen Jahren kehrt Claire Zachanassian in ihren Heimatort Güllen zurück, verlassen hat sie ihn mehr oder weniger unfreiwillig, jetzt als Milliardärin könnte sie den sehr heruntergekommenen Ort retten. ...

Nach vielen Jahren kehrt Claire Zachanassian in ihren Heimatort Güllen zurück, verlassen hat sie ihn mehr oder weniger unfreiwillig, jetzt als Milliardärin könnte sie den sehr heruntergekommenen Ort retten. Der Empfang ist deshalb auch großartig geplant, doch Claire stellt Bedingungen.

Es handelt sich hier nicht um einen Roman, sondern um ein Theaterstück, der Text ist daher auch entsprechend aufgebaut, jedoch liest man sich, vor allem, wenn man bereits öfter solche Stücke gelesen hat, schnell ein. Faszinierend finde ich die Anweisungen des Autors, z. B. zum Bühnenbild, dieses entsteht dadurch sehr gut vor dem geistigen Auge, überhaupt kann man sich das ganze Stück sehr gut auf der Bühne gespielt vorstellen.

Die Charaktere sind zum Teil recht überzeichnet, vor allem Claire, die u. a. alleine während des Stückes drei Ehemänner verschleißt. Viele der anderen Güllener Charaktere werden nicht beim Namen genannt, sondern nur bei ihrer Funktion „Polizist“, „Pfarrer“, „Kunde“ oder einfach durchnummeriert, sie stehen damit nicht für einen Einzelnen sondern für bestimmte Typen, für die Menge.

Friedrich Dürrenmatt hat ein sehr bissiges Stück geschrieben, das dem Zuschauer einen Spiegel vor Augen hält. Was würde man selbst für so viel Geld tun? Trotz des im Grunde sehr ernsten Themas gibt es auch immer wieder die Möglichkeit zu schmunzeln und zu lachen, nicht umsonst handelt es sich um eine „tragische Komödie“. Das Lachen bleibt einem aber auch manches Mal im Hals stecken. Das Ende ist gelungen und, wenn auch vielleicht nicht ganz so erwartet, absolut passend.

Mir liegt der 5. Band der Werkausgabe von Diogenes vor, enthalten ist hier noch ein interessanter Anhang, der u. a. Randnotizen des Autors enthält, mit einigen Bonmots bzw. Bösartigkeiten, lesenswert!

„Der Besuch der alten Dame“ gehört für mich zu den Theaterstücken, die jeder kennen sollte, das Lesen ist zu empfehlen, aber genauso gut könnte man sich das Stück auf der Bühne ansehen oder die Verfilmung mit Elisabeth Flickenschildt, die man auch auf youtube findet. Ich vergebe für diesen Klassiker eine Lesempfehlung und verdiente volle Punktzahl.

Veröffentlicht am 20.05.2025

Von Korruption und verletztem Stolz

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Zum Inhalt:

Mit einem großzügigen Angebot für die Güllener Bewohner kehrt die Milliardärin Claire Zachanassian zurück in ihre Heimatstadt, doch sie hat nicht vor die Wohltäterin zu mimen, sondern sinnt ...

Zum Inhalt:

Mit einem großzügigen Angebot für die Güllener Bewohner kehrt die Milliardärin Claire Zachanassian zurück in ihre Heimatstadt, doch sie hat nicht vor die Wohltäterin zu mimen, sondern sinnt nach Rache. Rache an ihrem damaligen Liebhaber Ill, der ihr das Herz gebrochen und ihre Ehre durch den Schmutz gezogen hat. Für eine große Summe Geld fordert sie die Bewohner der Stadt dazu auf, Ill für sein Vergehen mit dem Tod zu bestrafen. Sie erfährt zunächst Zurückweisung, doch durch ihre anhaltende Präsenz werden die Bewohner zunehmend in Versuchung gebracht, ihr Angebot anzunehmen.


Mein Eindruck:

Dieses Buch ist mir bereits häufiger in der Schullektüre-Abteilung der Buchhandlung aufgefallen und ich habe seitdem mit dem Gedanken gespielt, es zu lesen. Wie es der Zufall so wollte, befand es sich auf einer Lektüreliste für die Uni und ich wählte es kurzerhand aus.

Da die Handlung wie ein Theaterstück aufgebaut ist, ließ es sich zügig lesen und es war leicht, einen Überblick über die verschiedenen Figuren und Geschehnisse zu behalten.

Claire ist eine von Rachsucht getriebene alte Frau, die der Meinung ist, sich alles erkaufen zu können. Sie hält an ihrer Wut von damals fest und vernachlässigt dadurch das Leben, das sie in der Gegenwart haben könnte. Doch ich würde sie nicht als große Antagonsistin der Geschichte einordnen. Diese Rolle fällt meiner Meinung nach vielmehr den Bewohnern der Stadt zu, die im Laufe der Handlung ihre Moral über Bord werfen und eine bizarre Vorstellung von Gerechtigkeit ausleben.

Mir gefallen der gesellschaftskritische Unterton der Geschichte und auch das Zusammenspiel aus Humor, Skurrilität und Schock. Moral und Gerechtigkeit werden in dieser Stadt vergeblich gesucht und ich finde diese schleichende Veränderung der Stimmung, parallel zur Veränderung des Verhaltens der Bewohner gegenüber Ill, super spannend und genial umgesetzt. Ich habe mit Ill mitgefühlt und seine steigende Angst absolut verstehen können.

Das Ende empfand ich als sehr frustrierend, aber nicht als schlecht und kann das Buch aus diesem Grund besonders Fans von bizarren Geschichten empfehlen.



(https://book-souls.com/2025/05/20/der-besuch-der-alten-dame-von-friedrich-duerrenmatt/)

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Versuchung siegt über Moral

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Ich hatte Respekt vor einem Buch von Friedrich Dürrenmatt und lies es zu Unrecht lange liegen. Doch „Der Besuch der alten Dame“ hat es mir dann doch leicht gemacht. Gewöhnungsbedürftig war anfangs natürlich ...

Ich hatte Respekt vor einem Buch von Friedrich Dürrenmatt und lies es zu Unrecht lange liegen. Doch „Der Besuch der alten Dame“ hat es mir dann doch leicht gemacht. Gewöhnungsbedürftig war anfangs natürlich der Aufbau als Drehbuch für ein Theaterstück. Aber erstaunlicherweise kam ich sehr gut in die Geschichte und ich konnte das Buch flüssig durchlesen.
Die Moral der Geschichte ist, dass die Versuchung über die Moral siegt. Traurig aber nicht nur damals, sondern auch heutzutage immer wieder zu beobachten. Und da bedarf es eines viel kleineren Anreizes als einer Milliarde von Claire Zachanassian.
Ich fand die Entwicklung der Dorfbewohner sehr gut beschrieben. Erst die Entrüstung und die Ablehnung, nach und nach der Geschmack des Geldes bis hin zur eigenen Auslegung von Gerechtigkeit. Aber auch Ill geht eine spürbare Wandlung durch. Er sieht seine Verfehlung, akzeptiert, dass er dafür die Konsequenz tragen muss. Wie immer auch das Urteil lauten mag.
Ein Stück, das in jedes Zeitalter passt. Ich habe das Büchlein gerne gelesen.

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