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Veröffentlicht am 02.01.2021

Spannender Roman über den französischen Widerstand

Der Lavendelgarten
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Emilie de la Martinière erbt das Château ihrer verstorbenen Eltern in der Provence. Die Tierärztin möchte dieses Erbe bewahren - und das Château renovieren. Nach einem Einbruch steht ihr der Engländer ...

Emilie de la Martinière erbt das Château ihrer verstorbenen Eltern in der Provence. Die Tierärztin möchte dieses Erbe bewahren - und das Château renovieren. Nach einem Einbruch steht ihr der Engländer Sebastian zur Seite. Sie heiraten schnell - doch Emilie wird in ihrer Ehe bald unglücklich. Bei einem Besuch in der Heimat erzählt ihr der Winzer Jean mehr über ihre Familiengeschichte - und führt sie erst nach Paris, dann ins Château in den Zeiten des zweiten Weltkriegs - wo die englische Spionen Constance, Sebastians Großmutter, die Bekanntschaft von Emilies Vater und ihrer Tante macht - und sich dabei in den Tiefen der französischen Widerstandsbegegnung verstrickt.

Der Roman ist, insbesondere durch die zweigeteilte Storyline, sehr typisch für Lucinda Riley. Durch die Perspektivwechsel zwischen zwei Zeiten bleibt er durchweg spannend - ich habe ihn innerhalb von nur einem Tag verschlungen.

Die Charaktere sind größtenteils interessant. Emilie ist eine intelligente, und doch recht naive Frau, die unter ihrem mangelnden Selbstbewusstsein leidet. Sie hat ihre Schwächen - was sie in meinen Augen zu einer tollen und lebensnahen Protagonistin macht. Insbesondere aber Emilies Vater ist für mich der beste Charakter der Geschichte - denn ihm traut man aus Emilies Erzählungen heraus nicht zu, welche Rolle er in den Zeiten des Weltkriegs gespielt hat.

Bei Constance hat die Autorin in meinen Augen zu viel Komplexität eingebaut. Es hätte keinen Unterschied gemacht, ob Constance eine englische Spionin oder eine französische Verwandte der de la Martinières ist. Letzten Endes spielt die englische Spionin nur an einer Stelle des Romans eine Rolle - und geht ansonsten total unter. Hier hätte auch der Gewissenskonflikt, unter dem Constance, als Spionin mit einer Aufgabe und zur Untätigkeit verdammt, eindeutig eine größere Rolle spielen können. Das hätte dem Spionageaspekt der Geschichte vielleicht einen größeren Sinn gegeben - so läuft dieser Handlungsstrang ins Leere.

Gut gefallen hat mir die Romanze zwischen Sophia und Frederick - aber auch hier bleibt die Geschichte leider weitestgehend oberflächlich. Die Liebesgeschichte birgt sehr viel ungenutztes Komfliktpotential - und wird (unglaubwürdigerweise) von den meisten Parteien als akzeptabel wahrgenommen.

Insgesamt ist der Roman gut zu lesen und kurzweilig - bleibt aber an der Oberfläche des historischen Geschehens - obwohl das Thema mehr Potential dafür bietet. Dennoch eine schöne Empfehlung für einen gemütlichen Sonntagnachmittag.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2020

Regt zum Nachdenken an

Das Café am Rande der Welt
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Die Story des kurzen Romans ist sehr einfach: Ein gestresster Geschäftsmann verfährt sich und findet aus Zufall ein kleines Café im Nirgendwo vor. Auf der Speisekarte findet er drei fragen: Warum bist ...

Die Story des kurzen Romans ist sehr einfach: Ein gestresster Geschäftsmann verfährt sich und findet aus Zufall ein kleines Café im Nirgendwo vor. Auf der Speisekarte findet er drei fragen: Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben? Gemeinsam mit dem Cafépersonal beginnt er, über diese Fragen nachzudenken.

Das Buch zeichnet sich dadurch aus, dass man die Gedanken des Protagonisten (der, vermutlich etwas autobiaographisch den Autoren John Strelecky darstellt) ausgezeichnet nachvollziehen kann. Dabei kann man gar nicht anders, als sich die Fragen selbst zu stellen und dabei das eigene Leben zu reflektieren.

Dadurch braucht man zum Lesen des Buches, obwohl es vergleichsweise kurz ist , doch etwas länger. Und das ist auch gut so! Nach meiner Interpretation soll es genau diese Denkanstöße liefern - auch darauf, wie man Antworten auf diese Fragen finden kann. Das sieht man auch daran, dass die Fragen im Buch nicht für den Autoren beantwortet werden - sie bleiben offen, damit jeder von uns seine eigenen Antworten auf diese sehr relevanten Fragen finden kann.

Veröffentlicht am 09.12.2020

Zu Beginn sehr witzig, verliert aber leider an Fahrt

Er ist wieder da
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Seit der Erscheinung des Romans "Er ist wieder da" habe ich ihn auf meiner Lese-Wunschliste. Die Handlung des Romans spielt im Jahr 2011 - Adolf Hitler erwacht plötzlich am Rande eines Fußballfelds, und ...

Seit der Erscheinung des Romans "Er ist wieder da" habe ich ihn auf meiner Lese-Wunschliste. Die Handlung des Romans spielt im Jahr 2011 - Adolf Hitler erwacht plötzlich am Rande eines Fußballfelds, und muss mit Entsetzen feststellen, dass seit seiner Wirkungszeit nunmehr fast sechzig Jahre vergangen sind. Zunächst etwas verloren im neuen Zeitalter, fasst Hitler jedoch schnell Pläne, seine frühere Macht zurückzuerlangen. Zufällig begegnet er der Produktionsfirma Flashlight, die ihm mit einer eigenen TV-Show den Weg zur Aufnahme seiner Pläne den Weg ebnet.

Ich habe "Er ist wieder da" als Hörbuch gehört. Es wurde mir insbesondere wegen Christoph Maria Herbst als Sprecher empfohlen. Diese Empfehlung kann ich verstehen, denn es ist durchaus beeindruckend, wie überzeugend und konsistent Herr Herbst Hitlers Stimme und Akzent vertont hat.

Während der Roman besonders am Anfang unglaublich lustig ist, verliert er leider nach dem ersten "Schockmoment" an Fahrt. Zwar gibt es zwischendurch immer wieder Momente zum Lachen, die große Story bleibt jedoch leider aus. Insbesondere die TV-Show-Geschichte zieht sich häufig - und ist auch nicht immer zum Lachen.

Natürlich ist stets klar, dass die Welt Hitler als Komödianten sieht - von daher sehe ich das Buch nicht als verherrlichend der Hitler-Zeit. Es ist eine Satire, die zeigt, wie schnell sich eine Bevölkerung wieder auf einen bestimmtem Personenkult einlässt, und regt als solches zum Nachteil an. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob diese Reflexion von jedem Leser erwartet werden kann.

Insgesamt ist es recht interessant, allerdings weniger lustig als erwartet - und häufig verbleibt man mit einem verständnislosen Stirnrunzeln beim Lesen.

Veröffentlicht am 22.11.2020

Noch viel besser als der erste Teil!

Die Sturmschwester
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Ally ist die zweite Schwester, die PaSalt adoptiert hat. Sie hat viele Talente - und ist eine begabte Musikerin, und eine erfolgreiche Seglerin, die viele Regatten für sich entscheiden kann. Nach einem ...

Ally ist die zweite Schwester, die PaSalt adoptiert hat. Sie hat viele Talente - und ist eine begabte Musikerin, und eine erfolgreiche Seglerin, die viele Regatten für sich entscheiden kann. Nach einem Schicksalsschlag begibt auch sie sich auf die Spuren ihrer Herkunft und findet sie in Norwegen. Dort lernt sie die Geschichte der jungen Sängerin Anna Landvik kennen, die mit der Hauptrolle in Kriegs Morgenstimmung bekannt wird, und sich auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes in den unzuverlässigen Musiker Jens Halversen verliebt.

Mit "Die Sturmschwester" toppt Lucinda Riley den Auftaktband gekonnt. An diesem Roman stimmt fast alles: Ally ist eine selbstbewusste und tolle Frau, deren Geschichte, mit all ihren Höhen und Tiefen, ich mit Spannung verfolgt habe. Während ich den historischen Teil im Vorgängerband weniger gut fand, war ich von der Geschichte von Anna und Jens mehr als begeistert. Ich konnte das Buch kaum mehr weglegen, und habe es in einem Tag gelesen. Kritik: Es hätte viel länger dauern können .

Die Handlung ist unglaublich spannend und hat zahlreiche tragische Momente, die das Potential haben, ihre Leser mitzureißen - sowohl in der Gegenwart, als auch in der Zukunft. Die Charaktere sind vielseitig, die Handlung fand ich wenig vorhersehbar, was mich zusätzlich überzeugt hat.

Gewöhnen musste ich mich daran, dass der Beginn des Romans viel wiederholt, was ich bereits aus dem ersten Band kannte. Das hätte man sich vielleicht sparen können, obgleich das einschneidende Erlebnis des Todes ihres Vaters auch aus Allys Perspektive gut zu lesen war.

Allein für diesen BAnd lohnt es sich, die Reihe anzufangen. Allerdings kann man ihn auch gut ohne den ersten Teil lesen - wenn man sich nur für Krieg und seine Musik interessiert. Uneingeschränkte Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.11.2020

Toller Auftakt zu einer wunderschönen Reihe

Die sieben Schwestern
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"Sie sieben Schwestern"-Reihe von Lucinda Riley stand schon seit dem Erscheinen dieses ersten Bandes auf meiner Lese-Wunschliste. Dieses Jahr bin ich endlich dazu gekommen, mit der Reihe zu starten.

Zum ...

"Sie sieben Schwestern"-Reihe von Lucinda Riley stand schon seit dem Erscheinen dieses ersten Bandes auf meiner Lese-Wunschliste. Dieses Jahr bin ich endlich dazu gekommen, mit der Reihe zu starten.

Zum Inhalt: Ein reicher Schweizer adoptiert sechs Mädchen aus verschiedenen Regionen der Welt und benennt sie nach den Plejaden. Im Jahr 2007 stirbt er - und gibt jeder Tochter einen Hinweis auf ihre Herkunft. Maia, die älteste Schwester, macht sich zuerst auf die Suche nach ihrer Familie. Ihre Reise führt sie nach Rio de Janeiro, wo sie auf den Spuren ihrer Urgroßmutter, der schönen Isabella Aires-Cabral, wandelt, die den Bau des Cristo-Redentor miterlebte, und sich trotz ihrer Ehe in den Bildhauer Laurent Brouilly verliebt.

Das Buch ist ein toller Auftakt, der Lust auf mehr macht! Bisher habe ich wenige Romane gelesen, die so gelungen zwischen einer wirklich spannenden Handlung in der Gegenwart, und einer historischen Handlung in der Vergangenheit wechseln. Natürlich bietet der Roman wenig historischen Mehrwert. Ein paar Informationen über den Cristo Redentor werden natürlich gestreut, die meisten Figuren sind jedoch erfunden. Im Kern geht es im historischen Teil auch mehr um die Liebesgeschichte zwischen Isabella und Laurent, weniger um Fakten.

Die Liebesgeschichte zwischen Isabella und Laurent ist ohne Zweifel sehr schön und hat ihre dramatischen Höhen und Tiefen. Mit Isabella konnte ich mich als Charakter leider nicht 100% identifizieren - es fiel mir schwer, mich in sie hineinzuversetzen. Umso besser hat mir Maia jedoch als Charakter gefallen. Insbesondere ihre Entwicklung, von einer schüchternen Frau, die zurückgezogen im Haus des Vaters lebt und Abenteuer scheut, zu einer Frau, die ihre Familie und ihre Liebe in Rio findet, fand ich äußerst gelungen.

Besonders gut gefallen hat mir ebenfalls, dass durchweg einige Fragen offen bleiben. PaSalt ist ein geheimnisvoller Mann - und ich hoffe, dass ich dessen Geheimnisse in den nächsten sechs Romanen ergründen kann.

Leseempfehlung für jeden, der den Mix aus Vergangenheit und Gegenwart wertschätzt und dabei offen für eine gehörige Portion Romantik ist.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere