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Veröffentlicht am 25.03.2021

Tolle Charakterentwicklung in der Gegenwart - mäßige Handlung in der Vergangenheit

Die Perlenschwester
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CeCe d'Applièse, die vierte der sechs Schwestern, ist unter ihren Schwestern nicht für ihre sanftmütige, freundliche Art bekannt. Vielmehr wird sie für ihre ruppige, dominante Art, insbesondere gegenüber ...

CeCe d'Applièse, die vierte der sechs Schwestern, ist unter ihren Schwestern nicht für ihre sanftmütige, freundliche Art bekannt. Vielmehr wird sie für ihre ruppige, dominante Art, insbesondere gegenüber ihrer Schwester Star kritisiert. Doch hinter der harten Schale verbirgt sich ein unsicherer Kern - CeCe fühlt sich im Inneren verlassen - und traut sich erst nach einem einschneidenden Ereignis, den Spuren ihrer Herkunft zu folgen. Die führen sie an die Nordküste Australiens, wo sie auf den Spuren der Familie Mercer, einer bekannten Perlentaucherfamilie, wandelt. Dort ergrundet sie nicht nur die Geschichte von Kitty Mercer, sondern auch die der Aborigines.

Die Perlenschwester ist der erste Roman, den ich lese, der in Australien spielt. Daher fand ich das Setting besonders interessant. Es war faszinierend für mich, etwas über das Leben und die Kultur der Aborigines zu erfahren - und auch darüber, wie sehr sie in der Vergangenheit und auch teils noch heute diskriminiert und ausgeschlossen werden.

CeCe fand ich als Person besonders interessant, da sie, ähnlich wie ihre Schwester CeCe ganz anders ist, als erwartet und von ihren Schwestern beschrieben. Auch ihre Entwicklung ist zu spannend und zu sehr Hauptthema das Buches, als dass ich hier etwas davon vorwegnehme. CeCe hat viele Charaktereigenschaften, die sie menschlich machen. Sie hat Fehler, und das macht sie im ersten Moment unsympathisch - und dann doch wieder sympatisch als Protagonistin. Sie bietet einen erfrischenden Kontrast zu den Schwestern, die mehr oder minder perfekt sind - und deren Fehler praktisch keine sind.

Die Gegenwartsgeschichte hat neben einer drastischen Charakterentwicklung auch einen spannenden Aspekt: die Geschichte von Ace. Bis zum Ende fragt man sich: Wer ist er? Was hat er getan? Und war er es wirklich?

Die Vergangenheitsgeschichte von Kitty Mercer sehe ich etwas kritischer. Hier findet weder eine spannende Charakterentwicklung statt, noch ist die Geschichte wirklich spannend. Vielmehr ist sie konfus - und es hat mich gestört, dass die Reihenfolge, mit der Informationen preisgegeben wurden, sehr willkürlich waren. So wirkten manche Handlungsstränge so, als seien sie zwischendurch einfach vergessen worden - was sehr schade ist. Neben dieser Kritik ist die Geschichte auch gut zu lesen, und auch unterhaltsam. Im Vergleich zu den Geschichten aus den Vorgängerromanen, insbesondere der Sturmschwester und der Schattenschwester, aber sehr viel schwächer.

Trotzdem ein Roman, der sich gut lesen lässt. CeCes Entwicklung ist ein Highlight - ebenso ist sie sehr aufschlussreich was die Stellung der ABorigines betrifft.

  • Cover
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  • Handlung
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Veröffentlicht am 25.03.2021

Schattenschwester - oder vielmehr: Überraschungsschwester?

Die Schattenschwester
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Auf "Die Schattenschwester" war ich besonders gespannt. Was war in den Vorgängerromanen von der unscheinbaren und stillen Star zu halten, die keine eigene Meinung vertritt und stets der Schatten ihrer ...

Auf "Die Schattenschwester" war ich besonders gespannt. Was war in den Vorgängerromanen von der unscheinbaren und stillen Star zu halten, die keine eigene Meinung vertritt und stets der Schatten ihrer extreovertierteren Schwester CeCe ist? Ich war begierig, mehr über die junge Frau zu erfahren - und ihre Persönlichkeit kennenzulernen.

Star d'Applièse ist die dritte der sechs Schwestern. Von Natur aus still und zurückhaltend, lebt se gemeinsam mit ihrer Schwester CeCe in London - und nimmt deren Lebensstil eher an, als dass sie einen eigenen führt. Ihr Vater hinterlässt ihr die Adresse eines Buchhändlers in London. Dort begibt sie sich auf die Suche nach ihrer Familie und stößt auf Flora MacNichol und in die verstrickten Familienverhältnisse des englischen Adels.

Der Roman hat mir ausgesprochen gut gefallen. Star ist definitiv eine Überraschungsschwester gewesen - denn sie war ganz anders, als sie zuvor dargestellt wurde. Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten, denn jeder Leserin soll die Chance haben, ihren Charakter und ihre Entwicklung selbst zu ergründen - aber es lohnt sich: Denn sie ist alles andere als langweilig.

Auch die Geschichte von Flora MacNichol ist sehr gelungen und spannend. Ich hatte relativ schnell eine Vermutung, was es mit Flora auf sich hat - und war beständig auf der Suche nach der Auflösung bzw. nach Hinweisen, die meine Vermutung bestätigen.

Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen. Beide Geschichten sind auf ihre eigene Art unheimlich spannend - und stecken voller Höhen und Tiefen, insbesondere was die Liebe betrifft. Wer gerne mit seinen Protagonistinnen leidet, der ist in diesem Roman vollkommen richtig aufgehoben.

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Veröffentlicht am 25.03.2021

Ein Puzzle aus unterschiedlichen Geschichten

Das Schmetterlingszimmer
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"Posy Montague steht kurz vor ihrem siebzigsten Geburtstag. Sie lebt alleine in ihrem geliebten »Admiral House«, einem herrschaftlichen Anwesen im ländlichen Suffolk. Eines Tages taucht völlig unerwartet ...

"Posy Montague steht kurz vor ihrem siebzigsten Geburtstag. Sie lebt alleine in ihrem geliebten »Admiral House«, einem herrschaftlichen Anwesen im ländlichen Suffolk. Eines Tages taucht völlig unerwartet ein Gesicht aus der Vergangenheit auf: ihre erste große Liebe Freddie, der sie fünfzig Jahre zuvor ohne ein Wort verlassen hatte. Nie konnte Posy den Verlust überwinden, aber darf sie nun das Wagnis eingehen, ihm noch einmal zu vertrauen? Freddie und das »Admiral House« bewahren indes ein lange gehütetes, düsteres Geheimnis – und Freddie weiß, er muss Posys Herz noch einmal brechen, wenn er es für immer gewinnen will …" (Quelle: Klappentext)

Bücher von Lucinda Riley verbinden immer ein spannendes Geheimnis und eine ordentliche Portion Romantik. "Das Schmetterlingszimmer" bildet dabei keine Ausnahme.

Gut hat mir gefallen, dass Lucinda Riley in diesem Roman die Liebesgeschichte einer beinahe siebzigjährigen Frau darstellt - auch im Alter. Häufig wird verkannt, dass sich Menschen nicht nur in ihren Zwanzigern verlieben können - und es ist wichtig, dass alle Altersklassen thematisiert werden.

Daneben behandelt der Roman beinahe alle Tragödien, die das Leben mit sich bringen kann: Häusliche Gewalt, Krankheit, unentdeckte Elternschaft ... Es gibt viele unterschiedliche Fragmente, die sich mehr oder minder zu einem Gesamtbild zusammensetzen - insgesamt fand ich den Roman durch die vielen Einzelgeschichten jedoch etwas zu überladen und zerstückelt. Ich konnte mich auf die wenigsten Teile so richtig einlassen: z.B. ging für mich die Geschichte zwischen Nick und Evie total unter - ebenso die Geschichte von Posy in jungen Jahren.

Durch die Fragmentierung hatte das Geheimnis, das am Ende gelöst wurde, kaum mehr eine Wirkung auf mich - leider! Denn es hätte in meinen Augen großes Potential gehabt.

Insgesamt ist der Roman dennoch sehr unterhaltsam, aber in meinen Augen nicht auf der gleichen Ebene wie andere Romane von Lucinda Riley - beispielsweise die Sieben-Schwestern-Saga.

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Veröffentlicht am 15.03.2021

Spannendes Puzzle

Passagier 23
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Passagier 23 ist der erste Thriller, den ich von Sebastian Fitzek gelesen habe. Zugegenermaßen bin ich kein großer Freund des Genres - da ich das Buch jedoch geschenkt bekam, wollte ich der Sache eine ...

Passagier 23 ist der erste Thriller, den ich von Sebastian Fitzek gelesen habe. Zugegenermaßen bin ich kein großer Freund des Genres - da ich das Buch jedoch geschenkt bekam, wollte ich der Sache eine Chance gehen.

Im Kern geht es um den Polizeipsychologen Martin Schwarz, der fünf Jahre vor der eigentlichen Romanhandlung seine Frau und seinen Sohn auf dem Kreuzfahrtschiff Sultan of the Seas verlor. Seine Frau tötete sich und den gemeinsamen Sohn Timmy, indem sie erst ihn von Bord des Schiffes schubste, und dann selbst sprang. Seither ist Martin Schwartz psychisch labil und gilt als besonders risikobehafteter verdeckter Ermittler. Eines Tages erhält er einen Anruf von der Sultan of the Seas: Ein mehrere Wochen zuvor verschollenes Mädchen ist plötzlich wieder aufgetaucht - ein Indiz dafür, dass seine eigenen Familie möglicherweise noch lebt.

Das Buch lebt natürlich von der enormen Spannung, die durchweg aufgebaut wird. Es gelingt Fitzek sehr gut, verschiedene Handlungsstränge zu eröffnen, die allesamt auf unterschiedlichen, persönlichen Motiven der diversen Figuren beruhen - und diese Handlungsstränge am Ende zusammenzubringen. Das Buch hat mich oft überrascht. Die Zusammenhänge werden in der Tat erst dann ersichtlich, wenn Martin Schwartz sie erkennt - und nicht bereits lange vorher. Das ist definitiv ein großer Pluspunkt für das Buch. Besonders überrascht hat mich das Ende des Romans. Dazu an dieser Stelle nicht mehr - denn ich möchte niemandem den Überraschungseffekt nehmen.

Bei so vielen Handlungssträngen bleiben allerdings die Protagonisten etwas auf der Strecke. Viele Charaktere werden angeschnitten - aber beinahe keiner wird wirklich tiefgehend analysiert. Ist vielleicht bei dem Thriller-Genre auch gar nicht erforderlich - dennoch hätte es viel Potential gegeben, den Leser noch tiefer in die Materie einsteigen zu lassen. Wer also Wert auf eine tiefgründige Charakterentwicklung legt, ist hier möglicherweise an der falschen Adresse.

Meine Sorge bei Thrillern ist zudem immer, dass sie insgesamt zu blutig werden. Obwohl der Anfang das vermuten ließ, hat sich diese Sorge nicht bestätigt. Es geht um das Lösen eines Rätsels durch Martin Schwarz - und nicht um die bluttrünstige Beschreibung von Gräueltaten - was sehr gut ist.

Nach der Lektüre bin ich von weiteren Fitzeks nicht abgeneigt - und werde sicherlich zu gegebener Zeit auch einem weiteren seiner Romane eine Chance geben. Passagier 23 ist also auch für "Einsteiger" in das Genre zu empfehlen

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Veröffentlicht am 12.03.2021

Spannende, aber teilweise verzweigte tragische Liebesgeschichte

Die Mitternachtsrose
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"Die Mitternachtsrose" beschreibt die Lebens- und Liebesgeschichte der Inderin Anahita, die kurz vor dem ersten Weltkrieg als Begleiterin der Prinzessin Indira nach England kommt, und sich dort in Lord ...

"Die Mitternachtsrose" beschreibt die Lebens- und Liebesgeschichte der Inderin Anahita, die kurz vor dem ersten Weltkrieg als Begleiterin der Prinzessin Indira nach England kommt, und sich dort in Lord Donald Asbury verliebt. Obwohl beide beschließen zu heiraten, kommt das Schicksal anders. Nach monatelanger Funkstille heiratet Donald die reiche Amerikanerin Violet, vergisst Anahita jedoch nie. Beide haben gemeinsam ein Kind, das jedoch in seinem dritten Lebensjahr verschwindet und für tot erklärt wird. Anahita glaubt bis zu ihrem 100. Lebensjahr nicht an den Tod ihres Sohnes - und beauftragt ihren Enkel Ari, sich der Suche nach dem Kind anzunehmen. Dies führt Ari, einen erfolgreichen Unternehmer, nach Asbury Hall.

Der Roman ist, wie viele Romane von Lucinda Riley, sehr packend und einfühlsam geschrieben. Wie immer gelingt es der Autorin wunderbar, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verbinden. Und obwohl man zu Beginn keinen Zusammenhang zwischen den Handlungssträngen zu sehen glauben scheint - taucht er im Laufe der Geschichte immer deutlicher auf.

Die Charaktere sind gut gestaltet. Besonders Hauptperson Anahita hat ein spannendes Leben, das viele Höhen und Tiefen mit sich bringt. Mir hat besonders gut gefallen, dass Anahita kein klassisches, armes Mädchen ist, das ganz alleine in der Welt steht, sondern dass sie viel Unterstützung von zahlreichen Freunden hat. Das ist - insbesondere wegen ihrer Persönlichkeit - auch realistischer als die häufig gewählte dramatischere Variante, die hier nicht gut gepasst hätte. Gut gefallen hat mir auch Indira, die mit allen Ecken, Kanten, aber auch ihren Vorzügen sehr gut dargestellt wird. Sie ist weder eine perfekte, noch eine unausstehliche Prinzessin. Natürlich gibt es auch eine Antagonistin, in Form von Lady Maud Asbury. Hier hätte ich mir mehr gewünscht: Lady Maud wird als bösartiger Drache dargestellt - doch es hätte mich interessiert, wie und warum sie so geworden ist, wie sie ist.

Die Charaktere der Gegenwart finde ich weniger überzeugend. Die Schauspielerin Rebecca Bradley konnte ich nicht besonders gut in die Storyline einordnen. Ich glaube, man hätte sie gar nicht gebraucht. Ihre Geschichte verwässert die ansonsten stringente und schöne Handlung etwas - und bis zum Ende habe ich auf das fehlende Puzzleteil gewartet, das auch Rebecca mit der Geschichte verbindet. Ari ist in Ordnung, allerdings finde ich, dass man ihm noch mehr Aufmerksamkeit hätte schenken können.

Die Handlung ist größtenteils stringent und spannend - aber für mich zu voll gepackt. Die Geschichte wäre auch ohne die Liebesprobleme von Rebecca großartig gewesen - warum Lucinda Riley sich entschieden hat, diese Storyline mit aufzunehmen, verstehe ich nicht. Trotz allem fand ich die Handlung sehr spannend. Gefreut hat mich, dass ich insbesondere am Ende des Romans noch überrascht werden konnte.

Die Sprache ist leicht und sehr verständlich - man braucht nicht viel Konzentration um dem Roman zu lesen.

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