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Veröffentlicht am 29.03.2020

Nicht der beste Teil dieser Reihe, doch das Ende ist einfach nur Wow!!

Im Bann der Fledermausinsel
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Die Highlands 1889. Als der junge Erbe der betuchten Familie Koloman eine Todesdrohung erhält, reisen Inspector Frey und sein Kollege McGray unverzüglich zum nebelverhangenen nördlichen Zipfel des Landes. ...

Die Highlands 1889. Als der junge Erbe der betuchten Familie Koloman eine Todesdrohung erhält, reisen Inspector Frey und sein Kollege McGray unverzüglich zum nebelverhangenen nördlichen Zipfel des Landes. Dort, am abgelegenen Loch Maree, kommen sie im unheimlichen Herrenhaus der Kolomans unter. Die nahegelegene Insel ist von Fledermäusen befallen, und jeder der Bewohner scheint etwas zu verbergen. Als kurz darauf ein grausamer Mord im Wald geschieht, ist den Ermittlern klar: Um die Geheimnisse des mysteriösen Loch Maree zu wahren, geht jemand über Leichen … (Klappentext)

♞♞♞♞♞


"Ich betrachtete das Herrenhaus. Dabei rief ich mir vor Augen, wie prachtvoll und herrlich ich es empfunden hatte, als ich es zum ersten Mal erblickt hatte. Das war erst drei Tage her, fühlte sich jedoch bereits so an, als wäre es in einem anderen Zeitalter gewesen. Wie hätte ich ahnen können, dass ein so luxuriöser Wohnsitz derart schreckliche Geheimnisse bergen würde? Und wir sollten bald noch viele andere entdecken."
(S. 413)



Dies ist der 4. Band der Frey & McGray-Reihe. Man muss diese Reihe nicht zwingend chronologisch lesen, denn der Autor geht im Storyverlauf auf vergangene Geschehnisse ein und dies keineswegs ausufernd, sodass es auch für Frey & McGray-Kenner keineswegs langweilig wird. Zudem ist jeder Fall in sich abgeschlossen.
Um jedoch in den vollen Lesegenuss dieser Reihe zu gelangen, empfehle ich die gesamte Reihe zu lesen, um eventuelle Wissenslücken bezüglich der beiden Ermittler zu füllen. Es lohnt sich definitiv!

Nun aber zu meiner Rezension zum 4. Band meiner Lieblingsbuchreihe...


"Sie reichte mir ein zerknülltes Stück Packpapier. Ich entfaltete es und erblickte ein Gekritzel in dicker schwarzer Tinte. Die Worte waren verschmiert, als wären sie hastig geschrieben worden:
HALTEN SIE IHREN BASTARD FERN
SONST BRINGE ICH IHN UM."
(S. 45)



Diejenige, welche bei Inspector Frey mit dieser Nachricht ins Büro stürmt, ist eine junge Frau namens Miss Fletcher. Sie wurde von einem der hochangesehenen Koloman-Brüder als 16-jährige geschwängert und musste das Baby nach der Geburt in die Obhut eines Pfarrers geben, um den Ruf der Koloman-Familie nicht zu beschmutzen. Die Vereinbarung lautete, die Kolomans würden so lange für das Baby aufkommen, solange sie für sie arbeitet und den Mund hält.
Dies war vor sechzehn Jahren und man möchte meinen das wäre in Vergessenheit geraten. Doch vor drei Monaten starb der leibliche Vater des Kindes und dies führt wohl dazu, dass hier jemand äußerst nervös wird.
Miss Fletcher möchte ihren Jungen in Sicherheit wissen und beauftragt die beiden Inspectors mit dieser Aufgabe. Frey, der gesittete Londoner Gentleman und McGray, der unbehobelte Schotte. Miss Fletcher würde dafür McGray zu einer Heilquelle führen, welche seine Schwester von ihrer Erkrankung erlösen kann. Während Frey diese Heilquelle für Humbug hält, gibt es für McGray keinen Zweifel, ist er doch dem Okkulten sehr zugetan. Nicht umsonst heisst ihre Abteilung "Kommission zur Aufklärung ungelöster Fälle mit mutmaßlichem Bezug zu Sonderbaren und Geisterhaftem". Und so machen sich die beiden auf die Reise in die nördlichsten Highlands Schottlands, zum Loch Maree.

Es dauert nicht lange und es passiert der erste Mord und wo der erste ist, ist der zweite nicht fern.
Die Ermittlungen gestalten sich äußerst schwierig, denn dort oben im Loch Maree scheint jeder Leichen im Keller zu haben.
Mit dabei ist diesmal auch der Onkel von Inspector Fry, Onkel Maurice, für den das alles ein furchtbar aufregendes Abenteuer zu sein scheint.



"Die Leiche rutschte knapp einen Meter tiefer, bevor Nine-Nails das Seil wieder zu fassen bekam, und als ihr Fall abrupt gestoppt wurde, spritzte Blut in alle Richtungen. Mit stoischer Resignation wischte ich mir die Tropfen aus dem Gesicht. Doch Onkel Maurice, der gegen diese Art von Herausforderung nicht abgehärtet war, kreischte wie ein Kind.
Nine-Nails lachte. >>Och, der ist ja noch schlimmer als Sie Frey! Ist er die Königin in Ihrem Bienenstock?<<"
(S. 192)



Bei dem ungleichen Ermittlerpaar, welches ich auch gerne als Bud Spencer und Terence Hill der Victorianischen Krimis bezeichne, geht es wieder hoch her.
Natürlich hat wieder jeder seine eigenen Beweggründe diesen Fall lösen zu wollen, doch wie immer führen beide zusammen zum erwünschten Erfolg - der Lösung des Falls.
Doch bis dies geschieht erwarten einem als Leser viele überraschende Wendungen, sodass man nie sicher sein kann, was einem auf der nächsten Seite erwartet. Das Ende hält eine tolle Auflösung parat, die diesmal den medizinischen und wissenschaftlichen Sektor betrifft und einem so den Wissensstand der damaligen Zeit diesbezüglich näher bringt.
Allzu sehr möchte ich nicht darauf eingehen, da ich sonst spoilern würde. Es sei nur so viel gesagt - Diejenigen, welche sich für Medizin und Chemie interessieren, werden am Ende begeistert sein. Diesbezüglich sollte man sich auch unbedingt die "Anmerkungen des Autors" am Ende gönnen.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und klar. Der Erzählstil wie immer packend, voller überraschender Wendungen und enthält auch die ein oder andere wunderbare Settingbeschreibungen, welche die Natur Schottlands betreffen. Dabei liest man aus der Sicht von Frey und man hat das Gefühl seinem persönlichen Fallbericht zu lauschen.

An dieser Reihe liebe ich vor allem die beiden Protagonisten, welche sich immer einen äusserst amüsanten verbalen Schlagabtausch liefern. Diesmal muss sich der Schotte McGray jedoch nicht nur mit der Londoner "Prinzessin" Inspector Frey herumschlagen, sonder auch noch mit dessen Onkel Maurice. Dieser reagiert völlig anders auf McGrays derbe Sprüche als sein Enkel und somit hat diesmal McGray nicht immer das letzte Wort. Ich habe also wieder viel geschmunzelt und gelacht.


">>Ich kann mich vage daran erinnern, vor Jahren einmal gelesen zu haben, dass blutsaugende Fledermäuse ausschließlich in tropischen Breiten vorkommen. Mexiko und Südamerika.<<
>>Wie kann Ihr Kopf nur so voller nutzloser Scheiße sein?<<
>>Sagt der Mann, der die Namen sämtlicher Kobolde auswendig aufzählen kann, die im Wicca-Kult heilig sind!<<
(S. 310)



Leider kamen diesmal jedoch die amüsanten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ermittlern viel zu kurz. Die beiden wirkten manchmal nahezu handzahm. Da bin ich aus den anderen Bänden dieser Reihe Besseres gewohnt.

Auch hält sich diesmal die Spannung in Grenzen. Es war natürlich stellenweise äußerst mitreißend, dramatisch und faszinierend. Doch in diesem Band betraf dies nur kurze Strecken und hier gibt es auch die ein oder andere Länge, welche mich manchmal seufzen ließ. Dies ist jedoch Meckern auf hohem Niveau.


"Kein Wunder, dass ich das Gefühl hatte, etwas schnüre mir die Brust ein. Unter diesem Dach befanden sich, Meilen und abermals Meilen entfernt in der schottischen Wildnis, ein Sterbender, eine verwesende Leiche, drei Mordverdächtige, eine Handvoll verstörter Frauen und Männer sowie zwei argwöhnische CID-Inspectors, die schlichtweg darauf warteten, dass endlich ihre Kollegen kommen und den Fall übernehmen würden."
(S. 401)



Fazit:
Aufgrund der oben genannten Mankos ist dies für mich nicht der beste Band der Frey & McGray-Reihe. Trotzdem habe ich auch diesen weggesuchtet und das Ende und die Atmosphäre der damaligen Zeit, die mich während des Lesens begleitete, entschädigte mich für so manche Länge und spannungslose Seite.
Die beiden Protagonisten sind einfach zwei originelle und amüsante Typen. Ich hoffe, dass die beiden im nächsten Band wieder zu ihrer alten Form finden was den verbalen Schlagabtausch betrifft.
Die Fälle waren ja bisher immer spektakulär und fern des 08/15, daher auch eine meiner absoluten Lieblingsreihe was historische Krimis/Thriller betrifft. Ich für meinen Teil freue mich jedenfalls schon jetzt wieder auf den nächsten Band.

© Pink Anemone (inkl. Leseprobe, Bilder und Autoren-Info)

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Veröffentlicht am 28.03.2020

Wenn ein Gamebook selbst mich motiviert in die Puschen zu kommen

Dungeons & Workouts
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Eine Welt der Abenteuer und Helden. Eine Welt, in der deine eigene Kraft und Fitness den Ausschlag dafür gibt, ob du deine Gegner bezwingen kannst. Deine Reise führt dich durch mittelalterliche Städte, ...

Eine Welt der Abenteuer und Helden. Eine Welt, in der deine eigene Kraft und Fitness den Ausschlag dafür gibt, ob du deine Gegner bezwingen kannst. Deine Reise führt dich durch mittelalterliche Städte, in einen düsteren Wald und aufs offene Meer. Nicht Schwert oder Axt sind die Waffen deiner Wahl, sondern schweißtreibende Workouts. Damit besiegst du nicht nur finstere Gesellen in der Welt von Dungeons & Workouts, sondern wirst auch in der wirklichen Welt fitter.
Dieses Buch nimmt das, was ein Gamer an seinen Spielen so liebt und packt es in ein Trainingsbuch: XP, Levelaufstieg, Sidequests und Endgegner. Rocket Beans-Fitness-Master Gino Singh verbindet zum ersten Mal Rollenspiel und Fitness. Wer gedacht hat, dass ein mitreißendes Storytelling und Sport nicht zusammengeht, wird hier eines Besseren belehrt.
Der Schwierigkeitsgrad richtet sich nach dem Fitnesslevel des Spielers. So kann jeder zum Held von Welt werden! ...
(Klappentext)

♜♜♜♜♜

"Du kannst das Ende der Treppe nicht erkennen, aber die schiere Größe der einzelnen gewaltigen Stufen lässt dich die Größe der anstehenden Herausforderungen erahnen."
(S. 192)



Diese Rezension wird sehr ausführlich, ergo noch ausführliche als sonst, denn ich wollte Euch an diesem ungewöhnlichen Fitnessprogramm teilhaben lassen.


Ich bin ein Nerd durch und durch - ich zocke (PC-Games und Gamebookes), ich lese viel (sehr viel) und wenn ich die beiden Dinge nicht mache, dann netflixe ich. Hinzu kommt, dass ich eine echt faule Socke bin was Sport betrifft.
Ja, ich muss zugeben, dass ich meinen Hintern nicht hochbekomme und diesen liebe vor den PC oder in meine Leseecke verfrachte.
Vorsätze hätte ich ja genug, um dies zu änder. Diese beschließe ich aber auch immer, wenn mein Hintern bequem zwischen Kissen platziert ist und sobald es ans Eingemachte gehen soll ... tja, verschiebe oder verdränge ich das Ganze.
Dem muss Abhilfe geschafft werden, doch wie bekommt man so eine wie mich in die Puschen?

Diese Frage stellten sich selbst wohl auch die Obernerds Deutschlands - die Rocket Beans. Manche Mitglieder davon sind eventuell noch manchen aus der MTV-Show "Game One" bekannt.
Hauke Gerdes, Matthias Ralf und Kai Kistenmacher taten sich mit dem Sportwissenschaftler und Fitnessexperten Gino Singh zusammen und entwickelten ein Gamebook der etwas anderen Art.


Nun wollen wir mal schauen, ob das auch was kann und vor allem, ob ich dafür wirklich auch meinen Hintern aus dem Sessel bekommen habe.

Im Vorwort erhält man vorerst allgemeine Infos zu Fitness und Ernährung, wie man dies während des Gamebook-Daddelns umsetzt und was zu beachten ist. Der Vorteil ist, dass das relativ kurz und knackig gehalten wird, sonst wäre ich vermutlich schon bei "Vor dem Beginn sollte sichergestellt werden, dass du gesund bist..." ausgestiegen (übrigens gleich der 1. Punkt im Vorwort).


Danach geht es sofort an die Spielregeln und da wurde mir beim Lesen von "Hampelmann - 20x" schon ganz schwindelig, aber das war zum Glück nur ein Beispiel für Fitness-Profis.
Hier erhält man Einblick über allgemeines Gameplay, wie z.B. Schwierigkeitsgrad, Levelaufstieg und Vorgehensweise. Ebenso erfährt man, wie man vorgeht, wenn man dieses Gamebook mit anderen Spielern spielt. Ja, es ist ebenso ein Mulitplayer-Game und es hört sich absolut witzig an.
Die Regeln sind einfach und leicht verständlich beschrieben.

Dann nur noch den Charakterbogen zücken, welcher hinten im Buch zum Herausnehmen ist oder den man auch downloaden und ausdrucken kann.
Was man noch braucht sind Bleistift, Radiergummi, Trainingskleidung und eventuell eine Sportunterlage. Ach, und zwei 500ml Wasserflaschen, falls man keine Hanteln besitzt.
Für mich bedeutete dies - Bleistift spitzen, Sport-BH umschnallen und Sportmatte und Hanteln aus den Untiefen des Schrankes bergen (das alleine hätte schon als Fitnessübung gelten können).
Und dann geht es auch schon los.

"Nicht einmal drei Windungen des Weges weiter schimmert ein Licht aus dem Tunnel heraus, du nimmst all deine Kräfte zusammen und gehst weiter, hinein in das gleißende Licht. Deine Augen müssen sich erst wieder an die Helligkeit gewöhnen und es dauert eine Weile bis du erkennst, was vor dir passiert. In großen Lettern prangt auf einem Schild 'Kammer der Kräfte'."
(S. 16)



Im Prolog gelangt man in die "Kammer der Kräfte" in denen das Fitness-Level eruiert wird. Dabei kriecht man durch eine Kammer und drückt sich immer hoch, wenn der Wühlwurm unter einem hindruchflitzen will (= Liegestütze). In der nächsten Kammer muss man mit einem Priester ein ganz bestimmtes Gebetsritual durchführen (= Sit-ups) und in der letzten Kammer bekommt man von einem Zwerg eine in die Fresse. Damit dieser das überhaupt bewerktstelligen kann, muss man sich kleiner machen (= Kniebeugen).
Übrigens habe ich die Sit-ups durch Crunches ersetzt, da diese schonender sind und die Sit-ups auf die im Buch vorgestellte Art schon ziemlich überholt sind und allgemein als "ungünstig" gelten, zumindest für Anfänger. Außerdem bin ich nicht hochgekommen und wie eine auf dem Rücken liegende Schildkröte herumgerollt, da ich zu Hause keine Halterung für die Füße hatte (Fitnessstudio-Geher wissen was ich meine).
Beim Erreichen des Schwierigkeitsgrades war ich dann überrascht, rechnete ich doch damit als völliger Noob zu beginnen, doch ich ging glatt als Profi durch. Selten so viel gelacht, glaubt mir.
Aber nun denn, ich vertraute darauf und stellte mich nicht als Gimp den Herausforderungen, sondern als mutige Schildmaid namens "Bootcamp Sissi".

Die Story ist wirklich originell, wenn auch nicht neu erfunden.
Man lebt alleine mit seiner kleinen Schwester Ida auf einem Ziegenhof. Der Vater ist fort und rettet anderen das Leben - ist also sowas wie ein freiberuflicher Ritter. Was mit der Mutter geschah weiß man nicht. Nur, dass sie eines Tages verschwand.
Es dauert nicht lange und die Katastrophe bricht herein. Ein fliegendes Ungetüm entführt Ida und man selbst weiß nicht was man tun soll.


"Lärmend flattern Krähen durch die Höhle, als der Tumult etwas erwachen lässt. Ein gewaltiges Augenlid öffnet sich und gibt ein giftgelbes Auge frei, welches erbost umherschaut."
(S. 36)


Hier läuft es jedoch anders ab als in anderen Gamebooks, denn man muss nicht das Schicksal auswürfeln und auch nicht immer Entscheidungen treffen.
Durch das Ausführen von bestimmten Workouts werden Aufgaben erfüllt, Gegner bekämpft und Herausforderungen bestritten und dies auf sehr spannende und amüsante Art und Weise.
Selbst ich wurde motiviert meinen Hintern in die Höhe zu schwingen und diese Übungen zu machen, denn schummeln war für mich noch nie eine Option und bezüglich des Hochlevelns bin ich immer äußerst ehrgeizig.


Da Quests und die Endbosse am Kapitelende durch Workouts abgeschlossen werden, kann man natürlich nicht durch das Buch hechten, wie man es von anderen Gamebooks gewohnt ist.
Man sollte pro Kapitel ca. 1 Woche einplanen. Also bitte nicht durchhetzen, vor allem nicht, wenn man so ein Fitness-Noob ist wie ich. Es soll ja trotzdem Spaß machen und das tut es definitiv, trotz dem ein oder anderen Muskelkater.

Ich persönlich fand es immer wieder witzig, wie die Workouts in die Story eingebettet werden, sodass diese sogar Sinn ergeben. Das erkennt man schon im Prolog (s.o.) und das zieht sich durch das gesamte Buch hindurch.
Es wird hier allgemein viel geboten, nicht nur schweißtreibende Workouts, sondern Dinge, welche das Gamerherz höher schlagen lassen und dieses Gamebook erst zu einem Gamebook machen.
Man kann sich bei Nebenquests Zusatz-Level verdienen und nützliche Dinge entdecken, man schaltet neue Workouts oder dergleichen frei, es begegnen einem Kreaturen und Endbosse, die einem die Nackenhaare auffahren lassen und man levelt sich dabei kontinuierlich hoch. Die Übungen werden im Verlauf auch anspruchsvoller und man kann auch zwischen mehreren Handlungsoptionen wählen. 

"Die ersten aus der Mannschaft weichen schon zurück, da bersten die Bäume und vor euch erhebt sich ein gewaltiger Tausendfüßler. Zumindest großteils, würdest du sagen, denn als wären so viele Beine nicht schon schwer genug im Auge zu behalten, hat Mutter Natur diesem Exemplar auch noch den riesigen Schnabel eines Greifvogels verpasst, der zu allem Überfluss auch noch gesäumt wird von unablässig klackernden Mandibeln."
(S. 175)



Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten und obwohl es keine Altersangaben zu diesem Spielbuch gibt, würde ich sagen, dass es bereits auch für Jugendliche ab 14 Jahren sehr gut geeignet ist. Man darf sich also kein literarisches Meisterwerk erwarten. Hier steht vor allem der Spaß im Vordergrund und das wurde sehr gut umgesetzt.
Zudem wird die Story von tollen und bunten Illustrationen begleitet, welche aus der Feder des Grafikers Alwin Reifschneider stammen.

Fazit:
Als "Bootcamp Sissi" bestritt ich also Abenteuer, begab mich in Gefahr und schwitzte mir einen ab. Es wurde mir niemals langweilig und da sich auch die Story spannend gestaltete, wurde ich immer wieder motiviert weiterzumachen. So macht Training Spaß!
Zudem hat dieses Spielbuch auch einen hohen Wiederspielwert und es ist durchaus möglich, dass ich es nochmals spiele.
Für alle Bewegungslegastheniker, Breitarschsitzer und Couch-Survival-Pro's ist es das ideale Gamebook, um auf amüsante Art und Weise in die Puschen zu kommen und so etwas für seine Gesundheit und Fitness zu tun.


© Pink Anemone (inkl. 2 Booksoundtrack - einer davon für Metalfans), vielen Bildern, Leseprobe und Autoren-Info

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Veröffentlicht am 21.03.2020

Lewis Carroll's Wonderland mit düsteren Steampunk-Elementen und kniffligen Rätseln

Alice im Düsterland - Ein Fantasy-Spielbuch
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Es sind viele Jahre vergangen, seit Alice das Wunderland besucht hat. Wieder treiben dort finstere Mächte ihr Unwesen und erneut rufen die Bewohner Alice um Hilfe. Doch an dem magischen Ort hat sich vieles ...

Es sind viele Jahre vergangen, seit Alice das Wunderland besucht hat. Wieder treiben dort finstere Mächte ihr Unwesen und erneut rufen die Bewohner Alice um Hilfe. Doch an dem magischen Ort hat sich vieles verändert …
In diesem interaktiven Roman schlüpfst du in die Rolle der berühmten Hauptfigur aus Alice im Wunderland. Begib dich auf eine magische Reise und triff alte Gefährten, wie den verrückten Hutmacher und die Grinsekatze. Aber hüte dich vor der Herzkönigin und ihrem Jabberwocky!
Welchen Weg du auch wählst,
von welchem Fläschchen du auch trinkst,
durch welche Tür du auch gehst: sei wachsam!
Nicht jede deiner früheren Entscheidungen wäre dieses Mal klug …
(Klappentext)



♕♕♕♕♕


">>Die verrückte Herrscherin muss abgesetzt werden oder der Wahnsinn wird das Reich verschlingen und nichts außer einer Wildnis aus fleischgewordenen Ängsten und lähmenden Sorgen zurücklassen.<<
Alice spürt, wie die kalte Hand der Angst ihr Herz packt.
>>Aber wie soll ich das Wunderland retten?<<"
(S. 283)



Jeder kennt den Klassiker "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll, ob durch das Lesen des Klassikers selbst oder durch unzählige Adaptionen.
Schon als Kind liebte ich die Geschichte und wäre nur zu gern mit Alice in den Kaninchenbau geschlüpft, um mit dem Verrückten Hutmacher Tee zu trinken oder der bösen Herzkönigin eines auszuwischen. Mit diesem interaktiven Spielbuch ist das nun endlich möglich.

Hier schlüpft man in die Rolle von Alice und versucht das einstige Wunderland zu retten. Dieses ist zum Düsterland verkommen und nichts erinnert an das funkelnde und kunterbunte Wunderland von damals.
Dabei trifft man auf alte Bekannte, wie z.b. auf die paffende Raupe, die Grinsekatze und natürlich auf das Kaninchen und viele mehr. Doch selbst die sind nicht mehr die Selben und dies liegt nicht nur an ihrem fürchterlichen Aussehen.
Hier treiben sich nun auch gefährliche Geschöpfe herum und die böse Herzkönigin ist böser als jemals zuvor.


"Wo der Bauch des Kaninchens sein sollte, tickt eine riesige Uhr - eine Uhr, die groß genug ist, um das Loch vom Brustkorb bis zur Hüfte auszufüllen - und rohe, fasrige Fleischfetzen stehen zwischen den Nähfäden hervor, die die Uhr mit dem Kaninchen verbinden."
(S. 26)



Dieses Spielbuch kann auf zwei Arten gespielt werden, welche man mit Schwierigkeitsgraden vergleichen kann.
Entweder man spielt nach den Regeln und würfelt oder zieht Karten aus einem normalen 52er Kartenspiel. Man kann aber auch jedem Kampf aus dem Weg gehen, um nur durch das Treffen von Entscheidungen voranzukommen.
Ich hätte mich gern für das Spiel mit den Karten entschieden, da dies so herrlich passend gewesen wäre, doch leider besitze ich kein Kartenset, ergo wurden es die Würfel.

Wie auch bei den meisten anderen Spielbüchern aus dem Mantikore-Verlag, kann man sich auch hier das Abenteuerblatt downloaden und ausdrucken. Wer nicht in das Buch kritzeln möchte sollte das unbedingt machen.
Danach muss man die Attribute von Alice bestimmen und sich mit den Regeln vertraut machen. Diese sind leicht verständlich und nicht allzu kompliziert. Dann nur noch Bleistift anspitzen und dann kann es auch schon losgehen.

Als Alice kann man sich nicht mehr an das Wunderland und die damaligen Abenteuer erinnern und daher lernt man gemeinsam mit Alice das Wunderland erstmals kennen.
Während man mit dem Spiel vertraut gemacht wird, fühlt man sich in die Story des Klassikers versetzt. Man fällt durch das Kaninchenloch, gelangt in die Halle der vielen Türen, trinkt und isst eventuell von den Dingen auf dem Glastischchen und wächst und/oder schrumpft.
Anfangs scheint es, als ob sich das Wunderland nicht verändert hätte, doch das wandelt sich rasch und man erkennt, dass man sich wirklich in einem wahren Düsterland befindet. In diesem geht es nicht nur skurril, sondern auch durchaus brutal und blutig zur Sache.


"TICKTACK, TICKTACK machen die Uhrmechanismen, als die Metallmenschen mit boshaft funkelnden Gehäuseaugen auf Alice zustelzen.
TICKTACK, TICKTACK.
Der schreckliche Anblick dieser Zeitmesser-Kreaturen und ihre kupfernen Körperteile, die im Lampenlicht schimmern, erfüllt Alice mit Grauen."
(S. 107)



Ich gehöre zu diesen Gamern, welche keinem Kampf aus dem Weg gehen und war mir sicher, dass ich im Kampf sterben würde, doch dem war nicht so. Hier gibt es nämlich auch einige knifflige Rätsel, welche mich schließlich in den Abgrund stürzten und mich wieder an den Anfang katapultierten.
Bei den Rätseln steckt der Teufel im Detail, ergo immer aufmerksam lesen. Doch auch das Lösen der Rätsel ist keine Garantie weiterzukommen. Einmal eine falsche Entscheidung, einmal falsch abgebogen und schon nützt einem ein gelöstes Rätsel oder ein überstandener Kampf rein gar nichts.

Einfach so locker-flockig durchspielen ist hier also nicht und bei den Rätseln ist schummeln unmöglich.
Für Manche mag das frustierend oder abschreckend sein, doch ich fand gerade das erfrischend und spannend, da man auf diese Art unheimlich viel entdecken kann und es ist niemals das gleiche Ergebnis.
Das Buch hat also einen sehr hohen Wiederspielwert.

Der Schreibstil ist flüssig und Jonathan Green schafft es die skurrile und leicht psychedelisch anmutende Atmosphäre, welche Lewis Carroll im Klassiker entstehen ließ, aufzunehmen, weiterzuspinnen und sie durch düstere Steampunk-Elemente zu ergänzen. Vor allem diese wunderliche Atmosphäre, welche einem während des Lesens und Spielens umgibt, konnte mich begeistern.
Dies wurde durch entsprechend stimmungsvolle Illustrationen von Kev Crossley, an denen ich mich manchmal nicht satt sehen konnte, unterstützt und somit wird das Kopfkino noch zusätzlich angefeuert.


"Im Wunderland ganz ohne Zwang,
Träumend und das tagelang
In des Sommers Untergang:
Den Fluss hinab durch Zeit und Raum -
Auf einem goldenen Lichterflaum -
Ist nicht das Leben nur ein Traum?"
(S. 392)



Fazit:
Dieses Spielbuch besticht vor allem durch die ganz eigene düstere und skurrile Steampunk-Atmosphäre und die kniffligen Rätsel.
Obwohl ich mehrmals das Zeitliche segnete, hatte ich großen Spaß und versank gerne in diesem Düsterland, in welchem man furchteinflößenden und irren Figuren begegnet. Hier ist nichts wie es scheint.
An all diejenigen, welche sich gerne kniffligen Rätsel stellen und vor Herausforderungen nicht zurückschrecken: Rafft Eure Röcke und hüpft in den Kaninchenbau, denn das Wunderland braucht Euch!

© Pink Anemone (mit vielen Bildern, Leseprobe und Autoren-Info)

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Veröffentlicht am 19.03.2020

Einer der stillen und atmosphärischen Romane mit Tiefgang.

Violet
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England, dreißiger Jahre. Die Abende, an denen Violet mit einer Gruppe ungewöhnlicher Frauen wunderschöne Stickereien für die Kathedrale in Winchester anfertigt, sind der Aufbruch in eine neue Welt. Sie ...

England, dreißiger Jahre. Die Abende, an denen Violet mit einer Gruppe ungewöhnlicher Frauen wunderschöne Stickereien für die Kathedrale in Winchester anfertigt, sind der Aufbruch in eine neue Welt. Sie zeigen Violet, dass sie mit ihrem Auszug aus dem mütterlichen Zuhause die richtige Entscheidung getroffen hat. Schnell lernt und schätzt sie die Kunst des Stickens und lässt sich von Arthur in die des Läutens der Kirchturmglocken einweihen. Violet gewinnt durch das starke Band der Freundschaft zwischen den Frauen und die wachsende Nähe zu Arthur an Lebensmut und überwindet die Lebenskrise infolge des Ersten Weltkriegs. Und die Kirchturmglocken könnten wahrhaftig ihr neues Leben in Winchester einläuten… (Klappentext)

ღღღღღ


">>Wissen Sie, es ist immer dasselbe Problem mit meinen Schreibkräften. Nach einer Weile gehen sie alle - entweder um zu heiraten oder weil sie sich um ihre Eltern kümmern müssen. Da frage ich mich, warum die Mädchen überhaupt erst arbeiten gehen wollen.<<
Nur weil sie ihre Anstellung nicht aufs Spiel setzen wollte, verkniff sich Violet die Antwort >>Weil ich keine Sklavin mehr sein möchte!<<"
(S. 271)



Man schreibt das Jahr 1932, der 1. Weltkrieg ist zwar schon zwölf Jahre vorbei, doch sind die Nachwirkungen immer noch spürbar. Vor allem, wenn man, wie Violet, eine Frau von 38 Jahren und unverheiratet ist, hat man es nicht leicht, denn nur als verheiratete Frau hat man ausgesorgt oder man lebt weiterhin bei seinen Eltern.
Violet hat ihren Verlobten im 1. Weltkrieg verloren und hat den Männern abgeschworen und auch bei ihrer nörgelnden und einnehmenden Mutter wollte sie nicht länger bleiben. Sie beschließt sich den verstaubten gesellschaftlichen Konventionen hinwegzusetzen, packt ihren Koffer, zieht von Southampton nach Winchester und arbeitet als Sekräterin einer Versicherungskanzlei.
Mit ihrem kleinen Gehalt kommt sie zwar nur schwer über die Runden, doch dafür ist sie frei. Die Einsamkeit ist das Einzige was ihr zu schaffen macht. Die beiden jungen Kolleginnen in der Kanzlei sehen sie als alte Jungfer an, alle anderen Frauen sind verheiratet oder zumindest auf der Jagd nach einem Ehemann und haben daher nur dieses eine Thema im Kopf. Violet pendelt also zwischen Arbeit und ihrem kleinen Zimmer hin und her, ohne Abwechslung und erfrischender Gespräche. Tagein, tagaus.
Bis sie eines Tages in der Kirche von Winchester in einen besonderen Gottesdienst stolpert und auf eine Gruppe von Frauen trifft, welche sich die Broderinnen nennen. Diese besticken farbenfrohe Kniekissen für die Kirche und sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Obwohl Violet keine Ahnung von Sticken hat, fühlt sie sich von dieser Gruppe angezogen und Violet wäre nicht Violet, wenn sie nicht hartnäckig versuchen würde von dieser Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Dies führt schließlich zu einer großen Wende in Violets Leben.


"Statt Formulare für Menschen zu tippen, die sie niemals kennenlernen würde, entstanden unter ihren Fingern bunte Muster. Sie begann vom Sticken zu träumen, von den winzigen quadratischen Löchern im Stramin, von gelben Farbfeldern, roten Reisstichen und gleichmäßigen Reihen mit rosafarbenen Gobelinstichen."
(S. 88)



Wer hier einen Liebesroman erwartet wird wohl enttäuscht sein. Am Rande wird zwar eine kleine Liebesgeschichte erzählt, jedoch nur leise und unaufdringlich.
Das Hauptaugenmerk liegt hier auf der Protagonistin. Man begleitet Violet auf ihrem Weg zu einer freien, selbstbewussten und unabhängigen Frau, welche auf ihre eigene Art gegen die damaligen Gesellschaftsnormen rebelliert - anfangs nur still, doch im Verlauf immer lauter.

Man taucht hier in die frühen 30er Jahre Englands ein, in denen die Nachwirkungen des 1. Weltkriegs noch spürbar sind - Frauenüberschuß, Männer, die sich wieder ihren Platz erkämpfen und mit den teils selbstbewussten Frauen, die der Krieg hervorbrachte, nicht umgehen können. Es werden Themen behandelt wie Verlust und Trauer, das Zusammentreffen von alten und neuen Sichtweisen, der Kampf der Frauen um Selbständigkeit und Freiheit und auch Homosexualität.


"Sie hatte schon von Frauenbeziehungen gehört und kannte die Kommentare über ungesunde Frauenfreundschaften, die man für eine Folge des Männermangels hielt, ein verzweifeltes Aufbegehren dagegen, als alte Jungfer zu gelten. Doch wenn sie Gilda und Dorothy sah, spürte sie nichts von alldem. Die beiden sahen einfach so aus, als gehörten sie zusammen."
(S. 210)



Dies alles eingebettet in eine Story, welche vor allem diejenigen begeistern wird, welche gerne handarbeiten und sticken, denn diese Stickgruppe von Frauen ist der rote Faden in dieser Geschichte, im wahrsten Sinne.
Ein kleines Schmankerl ist, dass diese Gruppe und deren Schirmherrin Louisa Pesel wirklich existierten und man diese Knie- und Sitzkissen immer noch in der Kathedrale von Winchester bewundern kann. Man sollte sich also auch unbedingt die Nachbemerkung, Quellen und Danksagung der Autorin zu Gemüte führen.

Der Schreibstil ist klar und flüssig und die Erzählweise ruhig und unaufgeregt.
Obwohl man das Gefühl hat der Roman würde einfach nur so dahinplätschern, wird man mit einem Sog in die Geschichte hineingezogen aus der man nicht mehr auftauchen möchte. Man ist von der Atmosphäre der 30er Jahre umgeben und begleitet Violet bei ihrer Entwicklung zu einer starken und unabhängigen Frau. Die Themen, welche behandelt werden, werden zwar ohne viel Drama erzählt, sie bleiben jedoch spürbar im Kopf und hallen lange nach. Manche Autorinnen/Autoren schaffen es eben auch ohne viel Pomp und Trara einen mitzureißen.


">>Man hat es nicht immer leicht als alleinstehende Frau<<, erklärte Violet nach kurzem Schweigen. >>Darüber scheint sich niemand Gedanken zu machen, obwohl es viele von uns gibt. Sie wissen schon, der 'Frauenüberschuß'. Eigentlich sollte es normal sein, dass eine Frau allein durch ein Feld geht oder ohne Mann in einem Pub einen Tee trinkt.<<"
(S. 143)



Das einzig trügerische ist der Klappentext, denn in diesem wird suggeriert, dass auch der 2. Weltkrieg eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt, doch dem ist nicht so. Dieser wird nur am Rande erwähnt und das war es auch schon, ergo kein großer Einfluss, weder auf die Geschichte noch auf die Protagonistin.

Fazit:
Es gibt hier kein Liebesgedöns und kein Drama, denn dies ist einer der stillen Romane. Doch gerade deshalb konnte mich diese Geschichte begeistern, denn still heißt nicht unbedingt leise.
Es ist ein locker-leichter und vor allem atmosphärischer Roman, der mich in die frühen 30er Jahre versetzte, der mich die Umgebung vergessen ließ und in dem ich noch ewig hätte lesen mögen. Ein Roman über eine starke Frau, die für ihre Unabhängigkeit und Freiheit kämpft und der wichtige Themen, wie Emanzipation und Homosexualität in den 30er Jahren, behandelt und welche nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Selten, dass bei mir ein historischer Roman es schafft zu einem Highlight zu werden, doch dieser tat dies und dieses Buch wird eines der wenigen sein, welches ich noch zwei oder drei Mal lesen werde.

© Pink Anemone (inkl. Book-Soundtrack, Leseprobe und zwei Rezepten zum Buch)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2020

Ein interaktives Fantasy-Spielbuch - witzig, abenteuerlich und auch lehrreich

Die Welt der 1000 Abenteuer - Der Schatz der Oger: Ein Fantasy-Spielbuch
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Aufregung im Dörfchen Roog: Bolko ist verschwunden! Dein Vetter ist ausgezogen, um im finsteren Forst von Yorrok nach dem verschollenen Goldschatz der Oger zu suchen. Dabei steckt dieser Wald voller Gefahren ...

Aufregung im Dörfchen Roog: Bolko ist verschwunden! Dein Vetter ist ausgezogen, um im finsteren Forst von Yorrok nach dem verschollenen Goldschatz der Oger zu suchen. Dabei steckt dieser Wald voller Gefahren – und möglicherweise hausen dort sogar noch letzte Überlebende der schrecklichen Menschenfresser. Das Schlimmste befürchtend, begibst du dich auf die Suche nach Bolko … Kannst du den Gefahren der Wildnis trotzen und deinen Vetter lebendig zurückbringen?
Ein interaktives Fantasy-Abenteuer: DU entscheidest, welchen Weg du einschlägst, welche Gegner du bekämpfst. Doch Vorsicht, hinter jeder Ecke kann das Verderben lauern! Nur mit Mut, Grips und einer Portion Glück bestehst du alle Prüfungen!... (Klappentext)

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"Als du wenig später aufbrichst, ahnst du, dass dir eine Reise ins Ungewisse bevorsteht. Was wird dich im Forst von Yorrok erwarten? Welche Gefahren mögen dort lauern? Und, am allerwichtigsten: Wird es dir gelingen, deinen Vetter in den Tiefen des Waldes aufzuspüren - lebendig?"
(S. 15)


Im Herzen Monravias liegt das kleine Königreich Konduula. In diesem Reich liegen dichte und verwunschene Wälder, sternklare Flüsse und uralte Städte und Dörfer. Das kleine Dorf Roog liegt hoch oben im Norden und in diesem lebt man als fleißiger Schmiedegehilfe.
In dem sonst so ruhigen Dörfchen herrscht nun jedoch helle Aufregung. Bolko, unser Vetter, hat sich aufgemacht, um den Goldschatz der Oger zu suchen. Wie kam er nur plötzlich auf diese hirnrissige Idee? Weiß er denn nicht wie gefährlich diese Wälder sein können?
Man überlegt nicht lange und begibt sich auf die Suche nach Bolko.

Dies ist kein normales Buch, sondern ein interaktives Fantasy-Spielbuch. Man liest hier nicht Seite für Seite, was doch viel zu einfach und langweilig wäre. Man springt von Abschnitt zu Abschnitt, je nachdem wie man sich entscheidet, wie die Runen fallen oder wohin man geführt wird. Man entscheidet welchen Weg man einschlägt, wie man auf gewisse Hindernisse reagiert und somit wie diese Geschichte verläuft und vor allem wie sie endet.
Dabei erlebt man allerhand spannende Abenteuer und begegnet so manchen Tieren und Kreaturen, welche einem nicht immer freundlich gesinnt sind.

Die Regeln sind einfach und auch für Kinder leicht verständlich erklärt. Man benötigt hier keine Würfel, sondern einfach nur einen weichen Bleistift und guten Radiergummi.
Leider kann man das Abenteuerblatt nicht downloaden und ausdrucken. Man muss daher in das Buch kritzeln oder das Abenteuerblatt aus dem Buch kopieren. Danach wählt man einfach aus fünf Talenten eines aus und dann kann das Abenteuer auch schon beginnen.


"Nur einen Augenblick später erscheint eine riesige Gestalt auf dem Pfad. Sie ist mindestens drei Meter groß, von grobschlächtigem Körperbau und erinnert mit ihren weit herabhängenden, muskulösen Armen an einen Höhlenmenschen. Das Ungetüm trägt eine mächtige, mit Steinsplitter gespickte Keule über der Schulter, und sein pfannkuchenartiges Gesicht mit dem einfältigen Grinsen voller spitz zugefeilter Zähne lässt keinen Zweifel,w omit du es zu tun hast. Dieses Geschöpf ist ein leibhaftiger Oger!"
(S. 47)


Es wird also der Rucksack gepackt und schon macht man sich daran Bolko zu finden.
Man folgt Hinweisen und Spuren, trifft auf streitsüchtige Gnome, niedliche sprechende Waldäffchen udn auch auf andere Kreaturen, die nicht immer so niedlich sind wie sie erscheinen.
Die Entscheidungen sollten immer wohl überlegt sein, denn ein falscher Schritt kann auch durchaus zum Tod führen (ich bin z.B. im Sumpf ertrunken, von einem Tempeldach zerquetscht worden und ich landete in einem Ogerkochtopf).
Man sollte auch die Abschnitte aufmerksam durchlesen, denn es ist möglich, dass sich darin ein Hinweis versteckt, welcher für die Entscheidung wichtig ist. Ebenso sollte man nicht immer gleich in den Kampfmodus gehen, sondern versuchen den Gegner auszutricksen.
Tja, und manchmal entscheidet das Schicksal, indem man die Runen sprechen lässt.
Es ist auch möglich einen Begleiter zu finden, welcher aktiv in die Handlung eingreift, indem er einem die Entscheidung abnimmt und einem so vor Gefahren schützt.

Es ist nicht einfach sich immer richtig zu entscheiden oder hin und wieder die Neugierde niederzuringen, um auf dem sicheren Pfad zu bleiben. Wie bereits erwähnt, bin ich mehrmals den Weg des Todes gegangen. Da es jedoch ebenso spannend war neue Entscheidungen zu treffen und somit immer wieder neue Abenteuer zu erleben, störte mich das nicht wirklich. Dadurch begegnete ich immer wieder neuen Figuren und Kreaturen, entdeckte versteckte Pfade und sah magische Phänomene.
Es gibt hier aslo unheimlich viel zu entdecken. Dieses Spielbuch hat daher auch einen hohen Wiederspielwert.

Der Schreibstil ist einfach und flüssig, die Erzählweise atmosphärisch, die Story selbst spannend und man hat auch hin und wieder etwas zu lachen.
Kinder können dabei auch durchaus etwas lernen, wie z. B., dass jede Entscheidung Konsequenzen nach sich zieht, sie werden angehalten genauer zu lesen, sie lernen ebenso, dass es manchmal besser ist Konfrontationen zu meiden oder das sich Neugierde manchmal auszahlt, manchmal aber auch nicht. Zudem haben selbst Lesemuffel Spaß beim Lesen, da es interaktiv gestaltet ist


">>Auffressen? MICH?<<
Er überlegt kurz, dann schauderte es ihn sichtlich.
>>Das würde erklären, wieso die Kerle mir immer wieder prüfend in die Backen und den Allerwertesten gekniffen haben. AUFFRESSEN ... nein, also wirklich! Unmögliche Bande!<<"
(S. 54)


Weiters sind auch Illustrationen enthalten, welche die Geschichte hin und wieder begleiten. Diese stammen vom Illustrator Wolf Schröder.

Fazit:
Es erwartet einem hier eine fantastische und abenteuerliche Reise in tiefe und dichte Wälder voller Tiere und Kreaturen.
Trotzdem ich mehrmals gestorben bin, hatte ich unheimlich viel Spaß. Falls man also mal eine etwas andere Beschäftigung für seine Kinder sucht, bei der sie auch noch animiert werden zu lesen, dann könnte dieses Spielbuch genau das Richtige sein.
Mein Neffe liebt Spielbücher und soblad er dieses gelesen hat, werde ich auch seine Meinung dazu hier anhängen.

© Pink Anemone (mit vielen Bildern, Leseprobe, Lese-Soundtrack und Autoren-Info)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere