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Veröffentlicht am 15.01.2020

Gamebook-Dystopie mit toller Noir-Atmosphäre und starker Protagonistin

Somorra - Stadt der Lüge
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SOMORRA – in dieser düsteren Stadt zerplatzen Träume wie Seifenblasen, Lüge und Verrat überdecken die Stadt wie dichter Rauch und der Tod holt sich täglich neue Seelen.
Nur die Wenigsten wagen es, sich ...

SOMORRA – in dieser düsteren Stadt zerplatzen Träume wie Seifenblasen, Lüge und Verrat überdecken die Stadt wie dichter Rauch und der Tod holt sich täglich neue Seelen.
Nur die Wenigsten wagen es, sich dem Übel in den Weg zu stellen. Für ihren Mut zahlen sie einen hohen Preis …
In diesem interaktiven Roman schlüpfst du in die Rolle einer jungen Polizistin, die einen nahezu hoffnungslosen Kampf für Gerechtigkeit führt.
Deine Gegner nehmen dir alles: deine Familie, dein Ansehen, deinen Posten, sogar deinen Geist wollen sie brechen. Doch ein dunkles Geheimnis regt sich - ein Wesen aus den Alpträumen Somorras will nicht, dass du untergehst ...
(Klappentext)

✥✥✥✥✥

"Wie beschreibt man ein Stadtviertel, in dem sich die Skrupellosigkeit der Vergangenheit mit der Korruption der Gegenwart zur strahlenden Zukunft des Verbrechens vereinen? Wie beschreibt man ein Stadtviertel, in dem der Mörtel der Wände mit Blut angerührt, die Wände der Häuser mit Gold tapeziert und die Häuser mit Schindeln aus Wahnsinn gedeckt sind?"
(S. 418)


Ich liebe Gamebooks und habe schon einige durchgedaddelt. Bisher jedoch nur solche aus dem Fantasy- und Sword & Sorcery-Bereich. Dieses war sozusagen mein erstes dystopisches Urban-Fantasy-Gamebook und auch mein erstes, bei dem man in eine weibliche Hauptrolle schlüpft.

Hier befindet man sich in einer dystopischen Welt im Jahre 158 n. S., genauer gesagt in der Stadt Somorra. Diese ist in vier Vierteln aufgeteilt, ist von Düsternis geprägt und wird von drei Bevölkerungsgruppen bewohnt. Eine davon werden die "Denkwürdigen" genannt. Hybriden, welche zwar Menschen jedoch auf mehr oder weniger grauenhafte Art verändert sind.
Somorra ist ein Überwachungsstaat und es herrschen Diktatur, Korruption und Skrupellosigkeit. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist gewaltig und das organisierte Verbrechen hat Hochkonjunktur.
Es vergeht kein Tag, an dem nicht jeamnd ermordet wird oder spurlos verschwindet.
Dies ist Somorra und in dieser Stadt muss man sich durchkämpfen - vor allem, wenn man zu den Guten gehört.

Man schlüpft in die Rolle einer 24-jährigen Polizistin und man ist in Somorra aufgewachsen. Trotz diverser Schicksalsschläge hat man sich den Idealismus bewahrt, kämpft gegen Hoffnungslosigkeit und für die Gerechtigkeit.
In einer Stadt wie Somorra ist dies alles andere als ein einfaches Unterfangen und man steht immer mit einem Bein in seinem eigenen Grab, ist nie weit davon entfernt in dieses zu fallen oder in der Versenkung zu verschwinden, was meist ein und dasselbe ist.

Zu Beginn sollte man sich auf jeden Fall durch die Stadtbeschreibungen und den Anhang lesen, welche interessante Informationen zur Geschichte, Politik und Volkssagen dieser Stadt enthält. Dies stimmt einen auf wunderbare Weise auf die ganz eigene Atmosphäre ein, welche Somorra umgibt. Danach kam bei mir der Steckbrief über "mich" dran, der einem sehr gut nahe bringt, in welche Rolle man schlüpft.

Die Regeln sind denkbar einfach und schnell verinnerlicht. Hier kann man auch entscheiden auf welcher Schwierigkeitsstufe man spielen möchte.
Als "Grünschnabel" stirbt man zwar, muss jedoch nicht wieder vom Anfang beginnen, sondern springt einfach zurück. Das Spiel wird hier also quasi "gespeichert", während man im Spielmodus "Teufelskerl" ohne Spielspeicherung durch die Story daddelt. Ich habe mich natürlich für "Teufelskerl" entschieden, denn - No risk, no fun!
Übrigens benötigt man bei diesem Spiel keine Würfel, sondern nur einen Bleistift und Radiergummi.

"Irgendwas nagt an deinem Bewusstsein, irgendwas ruft nach deiner Aufmerksamkeit. Dir ist, als würde dir etwas fehlen, etwas Lebenswichtiges, wie die Luft zum Atmen. Dein ganzes Dasein in all seiner Hoffnungslosigkeit drängt sich nun in dein Bewusstsein, der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Bestechlichkeit."
(S. 188)


Und so stürzte ich mich als knackige 24-jährige ins Somorra-Abenteuer, um gegen die Ungerechtigkeit und Korruption des Systems zu kämpfen und mehr über meinen Vater zu erfahren.
Doch man hat hier nicht nur gegen korrupte Bullen und machtgeile Geldsäcke zu kämpfen, sondern auch gegen die eigene Drogensucht. Diese hat man sich eingefangen, als man eine Spritze mit Somorras Superdroge "Somorin" ins Bein gerammt bekommen hat und diese droht einem hin und wieder zu überrollen.
Man kämpft also gleich an zwei Fronten und dies auf äußerst spannende Art und Weise.

Je nachdem wie man sich entscheidet kämpft man alleine oder geht einen Pakt mit einem Unterweltboss ein, ebenso trifft man auf skurrile und furchteinflößende Figuren. Welchen Weg man beschreitet hängt ganz alleine von den Entscheidungen ab.
Manchmal wird für bestimmte Aufgaben ein Zeitlimit gestellt, wobei jede Aktion Zeit kostet, daher muss man auch hier weise entscheiden.
Weiters kann man mit der U-Bahn von Stadtviertel zu Stadtviertel fahren und so Somorra erkunden, sofern man genügend Zeit hat.
Wenn einem die Drogensucht packt, wird man in ein surreales Setting katapultiert, welches von einer psychedelisch angehauchten Atmosphäre bestimmt ist. Dort werden einem dann knifflige Rätsel gestellt, welche man lösen muss, um nicht von der Drogensucht übermannt zu werden.
Man kann hier also auf zwei Arten sterben - entweder als Drogentote, welche die Drogenhölle nicht überlebt hat, oder auf den Straßen von Samorra beim Kampf gegen das System.

"Gelingt es dir nicht ein Heilmittel zu finden, wird die Sucht dich schließlich besiegen. Die drohende Sucht wird sich immer wieder mit Suchtschüben melden, und zwar in Form des Zirkuszauberers, einer geheimnisvollen Kreatur aus den Legenden Somorras, die dich mit in die fortlaufenden Kreise der Hölle der Drogensucht nimmt."
(S. 413)


Der Schreibstil ist einfach gehalten und flüssig und es umweht einem eine dystopische Noir-Atmosphäre.
Hin und wieder kann man dabei auch stimmungsvolle Illustrationen entdecken, welche an Retro-Comics erinnern. Von diesen hätte ich mir mehr gewünscht, da diese einen ganz eigenen Flair in die Geschichte bringen.

Aufgrund der weiblichen Protagonistin, wird dieses Gamebook auch das weibliche Publikum ansprechen. Ein weiterer Pluspunkt ist die bereits erwähnte düstere Noir-Atmosphäre, die LeserInnen ansprechen könnte, welche mit High Fantasy und Sword & Sorcery so gar nichts anfangen können. Zudem eignet sich dieses Spielbuch hervorragend für diejenigen, welche in die Gamebook-Welt erstmal hineinschnuppern wollen und für Anfänger.

"All die Geräte und Laborutensilien, die Monitore und die Kanister in diesem Raum, selbst die Wände und der Boden, sind von einer Masse aus hellem, pulsierenden Fleisch bedeckt, das sich wie Efeu verbreitet hat und an den Wänden hochgewachsen ist. Wie ein Meer aus Muskelsträngen, Haut und Gewebe scheint das alles ein einziges lebendes Wesen zu sein, das schwerfällig Luft einzieht."
(S. 29)


Fazit:
Ich hatte beim Lesen und Spielen durchaus meinen Spaß und die Story selbst war äußerst spannend zu verfolgen. Vor allem die Noir-Atmosphäre, welche an Sin-City erinnert (das Cover ist also nicht ganz zufällig so gewählt), fand ich gelungen und konnte mich begeistern.
Völlig neue Ansätze, wie z.B. dass man sein Leben nicht nur im Kampf verlieren kann, sondern auch gegen die Drogensucht kämpft und hierbei ebenso den Löffel abgeben kann, fand ich gelungen und sehr erfrischend.
Ich persönlich vermisste jedoch so ein bisschen die Herausforderung und Komplexität, wobei ich hinzufügen muss, dass ich bezüglich Gamebooks schon sehr verwöhnt bin und mich eher komplexere Spielbücher ansprechen. Mir fehlte hier das Sammeln von Equip und Waffen, ein Kampfsystem und auch das Spiel mit den Würfeln.
Dieses Spielbuch habe ich innerhalb eines Tages durchgespielt, bin nur einmal verreckt und konnte im zweiten Anlauf gleich zwei Erfolge erzielen, das korrupte System stürzen und hatte am Ende sogar den Titel "Superbulle". Dies alles ohne Geld in der Tasche und ohne jemals an eine Waffe gekommen zu sein. Kurz gesagt - mir war es zu simpel.
Alte Gambook-"Hasen" könnten sich hier also etwas unterfordert fühlen. Für Einsteiger und Anfänger ist es jedoch das ideale Gamebook, welches mit einer stimmungsvollen Noir-Atmosphäre und einer starken Protagonistin punkten kann.

© Pink Anemone (inkl. Leseprobe, vielen Bildern und Book-Soundtrack)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.12.2019

Stimmungsvolle Geistergeschichten für die Weihnachtszeit

Am Kamin
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Kobolde entführen einen griesgrämigen, bösartigen Totengräber und bewegen ihn auf recht drastische Weise zur Reue. Der Tod selbst überzeugt ungewollt einen Verzweifelten von der Schönheit des Lebens. Ein ...

Kobolde entführen einen griesgrämigen, bösartigen Totengräber und bewegen ihn auf recht drastische Weise zur Reue. Der Tod selbst überzeugt ungewollt einen Verzweifelten von der Schönheit des Lebens. Ein Signalwärter sieht vor einem Eisenbahntunnel einen Geist und hat bald darauf einen tödlichen Unfall.
In England erzählt man sich zu Weihnachten und zur Winterzeit gern am gemütlich lodernden Kaminfeuer Geschichten - erbauliche, abenteuerliche, gruselige. Charles Dickens hat uns neben seinen großen Weihnachtsgeschichten eine Vielzahl kleiner Kabinettstücke hinterlassen, die für diese Zeit gedacht sind und die hier in neuer Übersetzung vorgelegt werden...
(Klappentext)

✯✯✯✯✯

"Vielleicht liegt ein Duft nach gerösteten Kastanien und anderen guten, gemütlichen Dingen in der Luft, denn wir erzählen ja Wintergeschichten - Spukgeschichten, zu unserer Schande - am Weihnachtskamin; und wir haben uns nie von der Stelle gerührt, außer vielleicht um ein wenig näher ans Feuer zu rücken."
(S. 82 - "Weihnachtsgeister")


Ohne Charles Dickens ist es für mich kein richtiges Weihnachten. Jedes Jahr lese ich "Eine Weihnachtsgeschichte", die jedem sicherlich bekannt sein dürfte, und jedes Jahr wird kurz vor Weihnachten ein Buch von Charles Dickens gekauft.
Dieses Jahr durfte "Am Kamin" bei mir einziehen und es enthält tatsächlich Wintergeschichten, welche ich noch nicht kannte.

Wer Weihnachtserzählungen von Dickens kennt weiß, dass es in diesen immer wunderlich, mystisch und schaurig zugeht. Das lag an der damaligen englischen Tradition, als sich die Erwachsenen abends mit einem Grog oder Wassail in der Hand vor dem prasselnden Kamin versammelten und sich eben solche schaurigen Winter- und Weihnachtsmärchen erzählten.
Ich liebe gute Geistergeschichten und ich liebe Weihnachten, also ist es nicht verwunderlich, dass ich von dieser alten englischen Tradition sehr angetan bin und diese bei mir ebenso zur Tradition geworden ist.

"Schließlich erreichte das Spiel einen ungemein erregenden Höhepunkt, die Orgel spielte schneller und schneller, und die Kobolde sprangen rascher und rascher, rollten sich zusammen, kugelten köpflings über den Boden und hüpften wie Fußbälle über die Grabsteine."
(S. 257 - "Die Geschichte von den Kobolden, die einen Totengräber stahlen")


Nun darf man sich bei Charles Dickens natürlich keine horrormäßigen Erzählungen erwarten, von denen sich einem vor Angst die Nackenhaare aufstellen.
Es sind schaurig-schöne Weihnachtsgeschichten, manchmal witzig, ein anderes Mal mysteriös oder traurig, aber alle haben einen durchaus tiefsinnigen Kern.

"Von dieser Stunde an betrachtete der Junge den Stern als das Zuhause, zu dem er gehen würde, wenn seine Zeit gekommen wäre, und er dachte, dass er nun nicht mehr nur zur Erde, sondern auch zum Stern gehörte, weil der Engel seiner Schwester ihm dorthin vorausgegangen war."
(S. 203 - "Ein Kindertraum von einem Stern")


Der Schreibstil ist flüssig, wobei ich das Gefühl habe, das hier stark nachgeholfen und modernisiert wurde.
Charles Dickens hat natürlich allgemein einen flüssigen und poetischen Schreibstil und neigt auch zu ausufernden Beschreibungen. Dies wurde hier auch beibehalten, doch den ganz und gar typischen und klassischen Dickens-Stil, den ich eben aufgrund dessen so gerne lese, fehlt hier.
Das Positive daran ist, dass dieses Buch auch diejenigen lesen können, welche mit diesem "altbackenen" Schreibstil nichts anfangen können oder sich damit schwer tun. Die typische Dickens-Atmosphäre geht für mich dadurch jedoch etwas verloren.

Trotzdem kam ich beim Lesen durchaus in Weihnachtsstimmung. Dickens bleibt eben doch Dickens.
Hier begegnen wir Geistern, Kobolden, unheimlichen Geschehnissen in alten Gemäuern und wird dabei in die Dickensche Zeit des 19. Jahrhunderts entführt, als das Leben noch hart und entbehrungsreich war und es noch klirrendkalte Winter gab.

"Genau in dem Augenblick wiederholte sich das Geräusch; eine der Glastüren öffnete sich langsam und gab den Blick auf eine bleiche, ausgezehrte Gestalt in verschmutzten und verschossenen Kleidern frei, die aufrecht in dem Schrank stand. Die Gestalt war lang und dünn, und ihre Miene drückte Sorge und Angst aus; aber es war irgendetwas an der Hautfarbe und an der hageren und unwirklichen Erscheinung, was man bei keinem Wesen von dieser Welt je gesehen hätte."
(S. 94 - "Der Rechtsanwalt und der Geist")


Die Ausgabe macht auch von außen etwas her. Wunderschönes Cover, mit Leinenrücken und Lesebändchen, ergo im passend klassischen Stil, sodass das Buch auch im Regal wunderschön aussieht.

Fazit:
Wie es bei Anthologien so ist, konnte mich nicht jede Geschichte von sich überzeugen, wobei sich das nur auf 1-2 Geschichten beschränkt. Alle anderen konnten mich durchaus unterhalten und begeistern. Die Winter- und Weihnachtsgeschichten versprühen eben doch einen ganz eigenen Flair, welcher mich jederzeit in Weihnachtsstimmung versetzen kann.
Mir persönlich ist jedoch die alte Schreibweise des Originals lieber als die modernisierte, doch somit ist dieses Buch auch für Dickens-Neuentdecker sehr gut geeignet.

© Pink Anemone (inkl. Leseprobe und Rezept zum Buch "Wassail")

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.12.2019

Gelungene Dystopie und ein wahrer Pageturner für die Weihnachtszeit.

Gefesselt
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Der Ausbruch der Seuche, die die Menschheit vernichtet, ist noch Jahre entfernt, doch schon jetzt werden Entscheidungen getroffen, die in die Katastrophe führen ...
Rebecca und ihre Zwillingsschwester ...

Der Ausbruch der Seuche, die die Menschheit vernichtet, ist noch Jahre entfernt, doch schon jetzt werden Entscheidungen getroffen, die in die Katastrophe führen ...
Rebecca und ihre Zwillingsschwester sind unzertrennlich - bis Gabriella ein Jobangebot von der Firma Genetics erhält und kurz darauf spurlos verschwindet. Aus sämtlichen Erinnerungen getilgt, glaubt nur noch Rebecca an ihre Existenz. Um der Wahrheit auf den Grund zu gehen, macht sie sich auf die Suche nach den Verantwortlichen, nicht ahnend, in welche Gefahr sie sich begibt. Die Spuren führen sie von Berlin nach London, der Heimatstadt von Gill. Er möchte eigentlich Musik studieren, doch das kommt für seinen dominanten Vater nicht in Frage. Um seinem Einfluss zu entkommen, verpflichtet Gill sich der britischen Armee und wird dort viel tiefer in die Machenschaften von Genetics verstrickt, als ihm bewusst ist.
Rebecca und Gill setzen Dinge in Gang, die sie nicht kontrollieren können - und der Ausbruch rückt unaufhaltsam näher...
(Klappentext)

☢☢☢☢☢

"Nur, dass die Versuchsobjekte für gewöhnlich keine natürlich geborenen Menschen waren, sondern INVITROS. Künstlich Geschaffene ohne eigene Rechte. Eigentum von GENETICS, Firmenmaterial. Sie wurden für GENETICS geboren, existieren für die Firma und wenn sie ihren Zweck erfüllt hatten, starben sie"
(S. 9)


"Gefesselt - Der Anfang" ist der erste Teil eines unabhängigen Prequel Spin-Offs von "Infiziert - Geheime Sehnsucht" und kann somit unabhängig und ohne Vorwissen gelesen werden.

Das Buch beginnt bereits mit einem äußerst beklemmenden und schaurigen Prolog, dann kommt es zum Zeitsprung und man befindet sich sieben Jahre vor Ausbruch der Apokalypse.

Man hat hier zwei Handlungsstränge und zwei Perspektiven.
Zum Einen begleiten wir Rebecca. Sie ist eine Außenseiterin, unsicher und Nerd durch und durch. Diese ist auf der Suche nach ihrer Schwester und man spürt auf jeder Seite ihre Verzweiflung und Skepsis. Sie vertraut absolut niemandem und so geht es auch uns Lesern.
Der zweite Handlungsstrang begleitet Gill. Dieser ist eine absolut coole Socke und war schon in "Infiziert - Geheime Sehnsucht" einer meiner Lieblingsfiguren.
Beide Figuren machen im Storyverlauf eine starke Entwicklung durch, beide müssen über ihre Schatten springen und Dinge tun, die sie nie für möglich gehalten hätten. Dabei bedient sich die Autorin eines authentischen und facettenreichen Charakterzeichnung und das nicht nur die Protagonisten betreffend. Selbst die Nebenfiguren können überzeugen, inklusive der Antagonisten.
Oh ja, ich habe hier schon meine persönliche Hassfigur, der ich alles mögliche an den Hals wünsche.

"Je mehr Rebecca von den GENETIC-Forschungen sah, umso stärker wurde das Gefühl, in Dr. Frankensteins Labor zu sein."
(S. 178)


Die Story selbst ist absolut spannend zu verfolgen und das obwohl es hier noch überhaupt nicht zur Apokalypse kommt.
Das liegt vor allem am flüssigen und fesselnden Schreibstil der Autorin und die Cliffhanger am Ende der Kapitel erledigen das Übrige.
Bei Elenor Avelle kann man sich nie sicher sein, was einem auf der nächsten Seite erwartet und das macht das Ganze umso spannender.
Zur Story selbst erzähle ich Euch nicht viel, denn hier ist es fast unmöglich nicht zu spoilern und ich will Euch diese überraschenden Wendungen und "Ohh"- und "Ahhh"-Momente nicht verderben.

Das Buch endet dann schließlich mit dem Ausbruch der Krankheit und endet daher mit einem genialen Cliffhanger, der einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

"Ungläubig trat sie näher an die Wand heran und rieb mit der Handkante den Beschlag von einer Scheibe. Dahinter kam ein Gesicht zum Vorschein, das Kind war vielleicht zwei Jahre alt."
(S. 227)


Fazit:
Obwohl dies quasi nur die Einleitung der Reihe ist und es erst am Ende zum eigentlichen Ausbruch kommt, ist dieser Band ein wahrer Pageturner. Wenn ich dieses Buch nicht in einer Leserunde gelesen hätte, hätte ich es wohl in einem Rutsch regelrecht inhaliert.
Überraschungen über Überraschungen, Spannung und sympathische Protagonisten machen es zu einem wahren Lesegenuss.
Ja, schreiben kann die Autorin und ich kann es nicht mehr erwarten, den zweiten Band der Reihe zu lesen.

© Pink Anemone (mit Link zur interaktiven LR, Leseprobe)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2019

Hat mit Amsterdam nur wenig zu tun und Weihnachtsstimmung kommt auch nur mässig auf.

Weihnachten in Amsterdam
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Festlich beleuchtete Grachten, schneebedeckte Hausboote, geschmückte Straßen und urholländische Gemütlichkeit – in der Weihnachtszeit ist Amsterdam stimmungsvoller denn je.
Yvette van Boven, die charmanteste ...

Festlich beleuchtete Grachten, schneebedeckte Hausboote, geschmückte Straßen und urholländische Gemütlichkeit – in der Weihnachtszeit ist Amsterdam stimmungsvoller denn je.
Yvette van Boven, die charmanteste Köchin der Niederlande, nimmt uns mit in ihre Heimat und versorgt uns mit über hundert einfachen Wohlfühl-Rezepten und vielen nützlichen Tipps für ein entspanntes Fest. Denn sie weiß, wie man es sich an kalten Tagen gutgehen lässt und sich perfekt auf Weihnachten einstimmt: von süßen Sachen für zwischendurch wie Brioche-Schnecken mit roten Früchten oder heißer Ingwer-Schokolade über Kürbiscremesuppe mit Sternanis und Flusskrebsschwänzen bis hin zum Festtagsperlhuhn mit Prosecco-Soße.
Um die Planung des Weihnachtsessens zu erleichtern, finden sich am Ende des Bandes vielfältige Menüvorschläge: Egal, ob Sie einen Brunch für die ganze Familie, ein romantisches Dinner zu zweit oder ein kaltes Buffet für viele Freunde geplant haben – mit diesem Kochbuch sind Sie bestens vorbereitet, um die Feiertage voll und ganz genießen zu können ...
(Klappentext)

❆❆❆❆❆

"Aber es muss natürlich nicht Weihnachten sein, um etwas Leckeres für andere zu kochen. Ein romantisches Winteressen zu zweit, eine große Silversterparty mit Freunden, ein Adventsnachmittag für die Nachbarschaften - in diesem Buch ist für jeden Anlass etwas dabei. Denn zusammen kochen und zu essen ist doch das Schönste, was es gibt."
(S. 8)


Die Niederländische Küche ist ein kulinarisches Kultur- und Länder-Sammelsurium, welches vor allem von der britischen, französischen und deutschen Küche geprägt wurde. Trotzdem haben die Niederländer ihre eigene spezielle Hausmannskost.
Die Niederländische Küche ist die Küche der Eintöpfe, Frikadellen und vor allem der Borrelsnacks. Borrelsnacks sind quasi die Tapas der niederländischen Küche, welche bei einem gemütlichen Treffen von Freunden/Familie aufgetischt werden. Also wenn das nicht entspannt und gemütlich klingt.
Ich erwartete also ein weihnachtliches Kochbuch mit eventuell ein paar typischen Borrelsnacks, Eintöpfen und was Holland eben noch so zu bieten hat.
Dann wollen wir mal einen Blick in dieses Kochbuch werfen und schauen, ob meine Erwartungen erfüllt wurden.

Das Cover war für mich gleich ein besonderer Hingucker und auch das Schmökern darin macht Spaß, was vor allem an den stimmungsvollen Bildern liegt. Wenn hier jedoch nicht hin und wieder ein Bild von Christbaumkugeln vorhanden wäre, hätte es auch ein allgemeines Herbst-Winter-Kochbuch sein können. Von Amsterdam selbst sieht man hier nicht wirklich viel.

Dafür gibt es zu jedem Rezept ein großartiges Bild des Endproduktes, welches einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. So viel zum ersten optischen Eindruck, doch was verbirgt sich zwischen diesen wundervollen Bildern?

Wie viele Weihnachtsbücher beginnt auch dieses mit Tipps und Tricks für ein entspanntes Weihnachtsessen. Angefangen bei der Planung, Umsetzung, wie man Stress vermeidet, bis hin zu einer kleinen Checkliste. Für mich war da jetzt nichts Neues zu entdecken, doch für manchen anderen sind hier sicher einige nützliche Tipps zu finden.

Das Buch ist in verschiedene Themen unterteil, wie z.B.: Getränke, Suppen, Vorspeisen, Hauptgerichte, etc. Auch Rezepte für den Vorratsschrank und Menüvorschläge sind enthalten.

Doch, oh weh, wo ist die Niederländische Hausmannskost? Wo sind Eintöpfe, Frikadellen, Kroketten und Waffeln?
Die niederländische Autorin lässt zwar in ihren Kochtopf blicken, doch in diesem brodelt wohl eher selten etwas Niederländisches.
"Weihnachten bei Yvette van Boven" wäre ein passenderer Titel für dieses Kochbuch gewesen, denn mit Amsterdam, bzw. mit den Niederlanden hat es nur wenig zu tun.

Einige Rezepte enthalten exotische Zutaten, benötigen viel Vorbereitung und sind eben nicht mal schnell zusammengerührt. Eine entspannte Weihnachtsküche sieht für mich anders aus.

"Wenn Sie die Beeren im Oktober pflücken und in Gin einlegen, können Sie den Sloe Gin an Weihnachten trinken. Noch besser wird er allerdings, wenn Sie damit noch ein bis zwei Jahre warten."
(S. 54 - Die wohl längste Vorbereitung für ein Weihnachtsgetränk)


Zudem beinhaltet fast jedes Rezept Alkohol und das oft nicht unbedingt wenig. Wenn man zu den Gerichten auch noch alkoholische Getränke serviert, liegt man bereits beim Hauptgang besoffen unterm Tisch. Nun ja, auch eine Art zu entspannen. Für Kinder und trockene Alkoholiker sind diese Rezepte also eher weniger geeignet, falls man diese 1:1 nachkochen möchte.

Wo wir auch schon beim nächsten Manko wären - dem 1:1-Nachkochen. Ich habe einige Rezepte daraus nachgekocht, doch es musste bei den meisten Gerichten etwas abgeändert werden. Entweder, indem ich den Alkohol oder auch andere Zutaten ersetzte oder ganz weggelassen habe, um ein schmackhaftes oder gelungenes Gericht zu erhalten. Nicht immer lag es an meinem persönlichen Geschmack, sondern das es sonst allgemein nicht so hinhauen wollte.

Als begeisterte Hobbyköchin war das für mich kein Problem, doch Kochanfänger könnten hier eventuell verzweifeln, ergo - nix mit entspannter Weihnachtsküche.

Bei dem Kapitel "Dessert" fand ich tatsächlich nichts, was mich ansprach. Ich habe noch nie so viele Rezepte mit Baiser auf einem Haufen gesehen (Baiser-Haselnussrolle, Blutorangen-Baiser-Törtchen, Baiser-Trifle,...). Tja, und wenn nicht das, dann Rezepte mit getrockneten Früchten oder viel Alkohol. Mein kulinarischer Gaumen wurde also nicht ein kleines bisschen gekitzelt, was natülich Geschmackssache ist.

Es sind jedoch auch ein paar vegetarische Rezepte enthalten. Diese sind zwar auch nicht unbedingt festlich, doch ich werde sicherlich einige davon noch ausprobieren, wie z.B. "Rosenkohl á la Carbonara" oder "Lauwarmer Bohnensalat mit Pesto".

Es sind natürlich nicht alle Rezepte von diesen Mankos betroffen. "Herhafte Arme Ritter", das "Apfel-Brombeer-Crumble mit Granola" und der "Hirschschmortopf mit Blätterteighaube" sind meine absoluten Favoriten und fanden den Weg in meine Rezeptsammlung.

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig und auch die Rezepte werden leicht verständlich erklärt. Es ist, als würde man einem lockeren Küchengeplaudere lauschen. Es kam beim Lesen zwar nur mässig Weihnachtsstimmung auf, aber es umgab mich beim Schmökern eine durchaus gemütliche Atmosphäre.

"Wenn meine Mutter damals den Torf im Kamin angezündet hatte, stellte sie eine Pfanne mit selbst gesammelten Maronen hinein. Wir haben sie anschließend in geschmolzene irische Butter gedippt und sie mit einer Prise Salz bestreut; eine der leckersten Sachen überhaupt."
(S. 74)


Fazit:
Leider erfüllte dieses Kochbuch nicht meine Erwartungen.
Nur mässig weihnachtliche Stimmung, keine typisch niederländische Küche und nur wenig wirklich festliche Rezepte, dafür solche mit viel Aufwand.
Trotzdem finde ich es schön darin zu schmökern, denn die Bilder und die gesamte Aufmachung sind großartig. Man kann sich ja doch von so einigen Rezepten inspirieren lassen. Ich werde also sicherlich noch mehrmals einen Blick in dieses Buch werfen und das ein oder andere Rezept ausprobieren.

© Pink Anemone (inkl. Rezept aus dem Buch und vielen Bildern

  • Cover
  • Gestaltung
  • Rezepte
Veröffentlicht am 16.12.2019

Informativ, schockierend, ekelerregend und trotzdem habe ich mich selten bei einem Sachbuch so köstlich amüsiert. Ein Lesehighlight!

Abgründe der Medizin
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Eine schaurig-schöne Reise durch die Abgründe der Medizingeschichte – rezeptfrei und mit Gänsehautgarantie!
Wieselhoden als Verhütungsmittel, Aderlass gegen Blutverlust oder glühende Eisen bei Liebeskummer: ...

Eine schaurig-schöne Reise durch die Abgründe der Medizingeschichte – rezeptfrei und mit Gänsehautgarantie!
Wieselhoden als Verhütungsmittel, Aderlass gegen Blutverlust oder glühende Eisen bei Liebeskummer: Aus heutiger Sicht mögen solche Behandlungsmethoden völlig absurd erscheinen. Aber es gab Zeiten, da glaubte man fest an ihre Wirkung. Entweder weil man wissenschaftliche Erkenntnisse bewusst ignorierte oder die Medizin einfach noch nicht so weit war. Dieses reich bebilderte Buch ist ein ebenso informatives wie unterhaltsames Sammelsurium dessen, was den Menschen im Laufe der Jahrhunderte fälschlicherweise als Heilung versprochen wurde – und nicht selten das genaue Gegenteil bewirkte ...
(Klappentext)

✙✙✙✙✙

"Schlichte Gesundheit ist vielen von uns nicht genug. Wir wollen mehr; ewige Jugend, vollkommene Schönheit, grenzenlose Energie und die Manneskraft eines Zeus."
(S. 6)


.... und dies ist nicht nur heute so, sondern war auch schon vor Jahrhunderten der Fall.
Schon immer wollten die Frauen schöner und jünger sein, die Männer wünschten sich schon immer eine besondere "Standhaftigkeit" und alle wollten sie gesund sein und lange leben. Doch auch Krankheiten wollten schon vor Jahrhunderten behandelt werden und das, wenn möglich, mit Erfolg.
Heutzutage stützen wir uns auf wissenschaftliche Studien, doch wie sah es damals aus, als die Medizin noch in den Kinderschuhen steckte, die Religion diesbezüglich eine wichtige Rolle einnahm und selbst Alchimisten hinzugezogen wurden, um zu heilen?

Das Buch beinhaltet ein Sammelsurium von verschiedenen Heilungsmethoden der Geschichte. Von Metallen angefangen, über Pflanzen und tierischen, wie auch menschlichen "Arzneimitteln", bis hin zum groben Handwerk der Chirurgie und mysteriösen Heilkräften.
Skurril, ekelerregend, schockierend, abscheulich und meist mit dem Ergebnis Tod ... wenn man Glück hatte einen schnellen.

Wenn man das Buch liest, wird einem schnell klar, dass es den Ärzten (und auch Nicht-Ärzten, ergo den Quacksalbern) nicht immer um das Wohle ihrer Patienten/Kunden ging, sondern eher um Macht, Prestige und Geld.
Kommt einem das nicht etwas bekannt vor? hustPharmaindustriehust.
Doch damals bediente man sich jeglicher Mitteln, um dies zu erreichen und das im wahrsten Sinne.

"Man nehme das Hirn eines jungen gewaltsam verstorbenen Mannes mitsamt Häuten, Arterien und Venen, Nerven ... und zerstoße diese in einem steinernen Mörser, bis sie eine Art Brei ergeben. Dann gebe man so viel Weingeist hinzu, dass er bedeckt ist ... [dann] lasse man ihn ein halbes Jahr in Pferdemist reifen. (Rezept für >>Essenz aus Menschenhirn<< aus "The Art of Distillation" 1651 von John French)
(S. 236)


Arsen gegen Hauterkrankungen und Bauchschmerzen (erkennt jemand die Ironie hinter Letzterem?), Strychnin als Viagra des 19. Jahrhunderts (nicht auf dumme Gedanken kommen) und wie Strychnin erklären könnte, weshalb sich Hitler auffällig benahm. Schädelöffnung inklusive Hirnhautabschabung gegen Schizophrenie, Chloroform-Partys und Leichenmedizin (Gebrauch menschlicher Körperteile für medizinische Zwecke) oder Masturbation bei Frauen durch die Hand eines Arztes auf Verordnung, etc.
Da kann einem schon mal ganz anders werden, wenn man das liest.

Jedes Mittel und jede Heilungsmethode wird mit einer kleinen Geschichte eingeleitet. Danach bekommt man interessante und informative Einblicke in die jeweilige Entstehungsgeschichte und wieso diese Methoden und Mittelchen in der damaligen Zeit ein regelrechter Renner waren, welche Auswirkungen diese auf den Körper hatten und wie diese zum Tode führten.
Erfinder und berühmte Konsumenten werden ebenso aufgeführt, wie auch Betrüger, welche Pantschereien an die Leute verhökerten, Anwendungsmethoden, bei denen man nicht selten verständnislos den Kopf schüttelt und inwiefern so manche Mitteln in der heutigen Medizin Verwendung finden und wieso.

"Damals schätzte Thomas Jefferson die Sterblichkeitsrate beim Gelbfieber auf 33 Prozent. Viel später, nämlich erst 1960, wurde bei Rushs Patienten eine Sterblichkeit von 46 Prozent festgestellt. Hier übertraf also der Onkel Doktor den Gevatter Tod."
(S. 15)


Obwohl sich einem hier beim Lesen die Nackenhaare aufstellen und einem sich gleichzeitig die Zehennägel aufrollen, ist es ein informativer und lehrreicher Blick in die Medizingeschichte. Ich habe schon einige Fach- und Sachbücher zu dieser Thematik gelesen, doch bei keinem habe ich gleichzeitig entsetzt die Augen aufgerissen und lauthals gelacht.

Dies liegt an dem herrlich lockeren Schreibstil, welcher vor morbiden Humor und Sarkasmus nur so strotzt.
Zusätzlich wird auch darauf geachtet, dieses Wissen auch für Laien verständlich zu erklären und bei so manchem Thema ist es sicher nicht schlecht es etwas auzulockern.
Für schwache Nerven und sensible Mägen ist es trotzdem nur bedingt zu empfehlen, denn gleichzeitig ist der Schreibstil äußerst plastisch.

"Hatte man diesen praktischen Metallstab in die weiche Gehirnmasse gestoßen, fuhr eine rotierende Drahtschlaufe aus, die alles schön verquirlte. Weniger wie ein Schneebesen im Pudding, sondern mehr wie ein Kugelausstecher in einer überreifen Honigmelone. Die Hirnkonsistenz wurde später vom amerikanischen Chirurgen James Watt mit >>Butter, die eine Weile nicht mehr im Kühlschrank war<< beschrieben.
(S. 154)


Ein weiterer Pluspunkt ist die Aufmachung des Buches.
Passend zum Thema kommt es im Vintage-Stil daher, was mich persönlich sehr begeistern konnte.
Zusätzlich ist es reich bebildert und das Schmökern macht deshalb riesigen Spaß. Ja, richtig gelesen! Dieser Blick in die Geschichte der Medizin macht Spaß und das so richtig.

"Übrigens war der Blasebald eine erfreuliche Erweiterung der Klistiergerätschaften. Vor dessen Einführung blieb einem nämlich nichts anderes übrig als die direkte Mund-zu-Po-Beatmung. Dabei durfte man bloß nicht versehentlich inhalieren."
(S. 97)


Fazit:
Dieses Buch ist eines meiner absoluten Lesehighlights!
Ich habe es meist im Nachtdienst gelesen und zusammen mit Kollegen (Ärzte und Pflegepersonal) geschmökert. Wir haben uns dabei köstlich amüsiert und selbst für so manchen "alteingesessenen" Arzt, war so Manches neu und vor allem schockierend. Ich hatte Mühe das Buch wieder in meine Hände zu bekommen.
Dieses Sachbuch ist also nicht nur für diejenigen geeignet, welche mit der Materie zu tun haben, sondern auch für Medizin- und/oder Geschichts-Interessierte. Meines Erachtens auch als Ideen-Lektüre für Horror-Autoren sehr zu empfehlen g.
Also seid Ihr bereit beim "therapeutischen" Menschenversengen, Vergiften und Hirnmixen dabei zu sein? Dann tretet ein in die bizarre, wie auch schockierende Geschichte der Medizin. Aber Achtung: hier hilft Ihnen garantiert kein Arzt oder Apotheker!

© Pink Anemone (inkl. Leseprobe, viele Bilder und Rezept zum Buch..hihihi)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere