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Veröffentlicht am 18.11.2019

Ich habe auch diesen Band der Comic-Reihe genossen und muss wirklich sagen, dass dies eine der gelungensten Comic-Reihen ist

Conan der Cimmerier: Die scharlachrote Zitadelle
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">>Bald stand nur noch ein letzter Mann aufrecht auf dem Schlachtfeld. Ich sage 'MANN', aber ... es war nicht mehr viel menschliches an ihm. Besessen von einer animalischen Wut ... bis zur Unkenntlichkeit ...

">>Bald stand nur noch ein letzter Mann aufrecht auf dem Schlachtfeld. Ich sage 'MANN', aber ... es war nicht mehr viel menschliches an ihm. Besessen von einer animalischen Wut ... bis zur Unkenntlichkeit befleckt vom Blut seiner Feinde ... erschlug und verstümmelte König Conan jeden, der es wagte, ihn herauszufordern.<<"
(S. 6)


Conan, derzeit König von Aquilonien, eilte König Amalrus von Ophir zu Hilfe, doch dieser hat sich mit anderen zusammengetan, um Conan zu stürzen. Dieser lief also geradewegs in eine Falle und sitzt nun im finstersten Kerker der scharlachroten Zitadelle des Hexers Tsotha-Lantis. Dieser hat nämlich nichts anderes im Sinn als Aquälonien zu erobern und das Volk seinem Willen zu unterwerfen. Doch Conan wäre nicht Conan, wenn er das auf sich sitzen lassen würde. Sein Barbarenblut kocht und seine Gegner können sich auf etwas gefasst machen, denn König von Aquälonien ist immer noch er.

Hier begegnet man einem etwas zivilisierteren und gesetzteren Conan, immerhin ist er König von Aquälonien und er macht sich nicht mehr nur Sorgen um sich selbst, sondern auch um sein Volk. Doch keine Sorge, das Barbarenblut fließt noch immer durch seine Adern und es wird ordentlich geschlachtet und gemetzelt. Diesmal hätte er sich jedoch nicht ohne Hilfe eines Zauberers und dessen Magie aus der Bredoille ziehen können. Manchmal benötigt eben auch ein Conan Hilfe von außerhalb.

"Die scharlachrote Zitadelle" ist eine von Howards längeren Conan-Kurzgeschichten. Aufgrund dessen war ich verständlicherweise etwas skeptisch und fragte mich, wie und ob man es schaffen kann diese Handlung in einen Comic von gerade einmal knapp 60 Seiten zu pressen. Dies war völlig unbegründet, denn der Franzose Luc Brunschwig hat sich zwar auf das Wesentliche der Story konzentriert, verlor dabei aber keineswegs die kleinen, aber dennoch wichtigen Nebenhandlungen aus den Augen und webte auch noch die eigene Fantasie ein, ohne das Ganze überladen wirken zu lassen.

Illustrator war diesmal Étienne Le Roux, welcher die Story in ein Retro-Comic-Kleid im typisch frankobelgischen Stil steckte. Auch er hat sich bei der Darstellung von Conan an dessen neuen Image orientiert. Conan wirkt älter und kultivierter, lässt aber durchaus die Muskeln seines nackten und gestählten Körpers spielen, während er an Ketten zerrt oder Blut spritzen lässt.
Dieser Conan und der Zeichenstil im Allgemeinen konnten mich begeistern. Vor allem ist Le Roux einer jener Illustratoren, welcher Emotionen hervorragend herausarbeiten kann.

Für die Coloration war der Franzose Hubert zuständig und auch diese ist gelungen und schafft zusätzlich Atmosphäre.

Als Howard- und Conan-Fan, lese ich, parallel zu den Comic-Alben, immer die jeweilige Originalstory von Robert E. Howard. Obwohl sich alle frankobelgischen Autoren und Illustratoren nahe am Original halten, kommt "Die scharlachrote Zitadelle" diesem am nächsten und das trotzdem diese eine der längsten Conan-Storys ist. Dies alleine ist schon mehr als bewundernswert und ließ mich am Ende begeistert in die Hände klatschen. Zudem harmoniert das 3er-Gespann Brunschwig, Le Roux und Hubert hervorragend miteinander und ließen so Conan wiederauferstehen - atmosphärisch, in Farbe und stimmungsvoll.
Ich habe also auch diesen Band der Comic-Reihe aus dem Splitterverlag genossen und muss wirklich sagen, dass dies eine der gelungensten Comic-Reihen ist.
Ob es zu "Kull" und "Solomon Kane" auch einmal etwas ähnliches geben wird? Wünschen würde ich es mir.

Am Ende erhält man wieder Infos zu der Veröffentlichung der Originalstory von Robert E. Howard und lässt einem an seinem Kampf nach Anerkennung teilhaben.

">>Ich habe meine Titel nicht von einer Familie geerbt, die seit Ewigkeiten über diese Welt herrscht. Ich musste mir mit Faust und Schwert meinen Weg zum Thron bahnen ... und wenn ich kämpfte, habe ich mein Blut vergossen, ebenso wie die Männer, die ich in die Schlacht führte. Ich habe es verdient, mir diese Krone aufs Haupt zu setzen, weit mehr als dieser Clown Arpello.<<"
(S. 11)


© Pink Anemone

Veröffentlicht am 18.11.2019

Story und Zeichnungen ergänzen sich hervorragend

Conan der Cimmerier: Ymirs Tochter
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">>Die Männer von Nordheim leben für den Kampf, und ich, um sie kämpfen zu sehen ... um einen wahren Helden unter ihnen zu finden, den ich einmal mehr zu Euch führen werde, Vater. Denn so will es das Gesetz ...

">>Die Männer von Nordheim leben für den Kampf, und ich, um sie kämpfen zu sehen ... um einen wahren Helden unter ihnen zu finden, den ich einmal mehr zu Euch führen werde, Vater. Denn so will es das Gesetz von Nordheim.<<"
(S. 7)


Im hohen Norden tobt eine blutige Schlacht. Die Aesir und die Vanir bekämpfen einander seit Menschengedenken und somit ist dies eine traditionelle Schlacht der Nordländer, welche dazu dient, dass der stärkste und einzig Überlebende von der Tochter des Frostriesen auserwählt wird, um ihr zu folgen und zu ihrem Vater auf den Odroerir zu gelangen.
Mit Vergnügen betrachtet Ymirs Tochter die Schlacht, doch diese endet anders als gedacht, denn von den Nordmännern überlebt niemand. Nur ein Mann namens Conan hat diese Schlacht überlebt und dieser hat mit dieser Tradition so gar nichts am Hut und kennt die Legenden dahinter nicht. Die Tochter des Frostriesen hat nun aber ihn erwählt und er folgt ihr, ohne auch nur einen Plan zu haben wer diese nackte Rothaarige Maid eigentlich ist ... und bald entbrennt eine weitere Schlacht.

Autor und Illustrator ist hier der Franzose Robin Recht, welcher auch eine Adaption von Michael Moorcock's "Elric" kreierte und damit selbst Moorcock begeistern konnte. Von Moorcock stammt auch der Kommentar, welcher die Story einleitet.
Danach stürzt man sogleich in die Story und somit auch in die Schlacht der Aesir und der Vanir.

In dieser Story geht es auch ordentlich heiß her, obwohl man sich in den nordlichen Eislanden befindet. Die Tochter des Frostriesen verdreht Conan ganz schön den Kopf und es kommt zu prickelnd erotischen Szenen. Das dies nicht gut ausgehen kann, wenn man sich mit einem Barbaren wie Conan anlegt, ist von vornherein klar. Doch wie auch Howard deutet auch Robin Recht das Kippen der Stimmung nur an ohne ins Detail zu gehen und es wird der Fantasie des Lesers überlassen, wie Conan auf diese Täuschung reagiert.

Von Robin Recht's Adaption bin ich schlichtweg begeistert. Obwohl er seine eigene Sichtweise und Fantasie einbringt, hält er sich an die Originalstory von Howard.
Conan, ein Barbar der einfach nur leben und anständig sterben will, wenn die Stunde gekommen ist, wird von ihm mit zusätzlicher Tiefe und ebenso facettenreich dargestellt - eben genau so, wie er auch von Robert E. Howard kreiert wurde.

Die Illustrationen sind atmosphärisch, mitreißend und wunderschön. Wieder ein Comic von dem ich so manches Panel mir am liebsten im Posterformat auf die Wand klatschen möchte.

Im Anschluß gibt es wieder interessante Infos zu Howard's Originalstory, sowie ein paar Coverentwürfe von Robin Recht.

Rückwirkend betrachtet ist dies meine liebste Adaption dieser Comic-Reihe aus dem Splitterverlag.
Story und Zeichnungen ergänzen sich hervorragend und während des Lesens und Betrachtens spürt man regelrecht den eisigen Nordwind um die Ohren wehen. Robin Recht schafft es, wie schon erwähnt, seine eigene Sichtweise einzubringen, ohne stark an Howard's Originalstory zu rütteln. Ich denke selbst Howard wäre von dieser Adaption begeistert.
Dieser Autor und Illustrator bleibt definitiv auf meinem Radar.

">>Ich rieche den bitteren Schweiß unter seinen Fellen, spüre die Schläge seiner schweren Axt, die die Niederlage abwenden und den Lauf der Schlacht ändern. Seine brutale Freude an Mord und Gemetzel. Er ist ein Bär unter den Wölfen."<<
(S. 18)


© Pink Anemone (mit Bildern aus dem Comic / Comic-Reihenvorstellung

Veröffentlicht am 17.11.2019

Buch, welches im Percy-Jackson-Look daherkommt, meine Erwartungen jedoch nicht erfüllen konnte. Leider ein eher enttäuschendes Leseerlebnis.

ADRIAN BLACKWELL
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Der 16-jährige Adrian Blackwell ist entschlossen, den Tod seines Vaters aufzuklären. Dabei gerät er zwischen die Fronten der letzten Götter Asgards und Hel, der Herrscherin des Totenreichs. Denn Adrian ...

Der 16-jährige Adrian Blackwell ist entschlossen, den Tod seines Vaters aufzuklären. Dabei gerät er zwischen die Fronten der letzten Götter Asgards und Hel, der Herrscherin des Totenreichs. Denn Adrian besitzt einen Schlüssel zu Hels Reich: den Runen-Code seines Vaters. Mit dessen Hilfe soll er den Göttern die lebensverlängernden Äpfel der Idun beschaffen. Auf der Jagd nach dem Schlüssel hetzt Hels Bruder, der mächtige Fenris-Wolf, Adrian durch halb London bis hinab ins Totenreich. Dort muss Adrian sich entscheiden, ob er sein eigenes Leben rettet oder die Götter Asgards vor dem Untergang bewahrt... (Klappentext)

✵✵✵✵✵

">>Vorbei ist alle Pracht, vergangen unser Rum.<< Seine Stimme klang tonlos und niedergeschlagen.
>>Kein Met fließt mehr in Walhalla, geraubt sind die goldenen Kelche und Efeu überwuchert die Ruinen meines Palastes. Schlangen nagen an den Wurzeln des Weltenbaums Yggdrasil. Vergessen haben die Erdensöhne uns und unsere Taten.<<"
(S. 44)


Der 16-jährige Adrian hat es nicht leicht. Sein Vater, führender Runologe Europas, ist vor Kurzem auf tragische Weise ums Leben gekommen, die Beziehung zu seiner Mutter ist auch nicht die beste und in der neuen Schule findet der eher ruhige Junge keinen Anschluß.
Als ob das nicht schon genug wäre, sieht er plötzlich überall komische Gestalten, die sonst keiner sieht. Große bärtige Männer in Tierfelle gehüllt und in Begleitung von Krähen mit denen sie sich sogar zu unterhalten scheinen. Sie alle wirken wie die Figuren aus dem Buch der nordischen Göttersagen, welches sein Vater geschrieben hat. Als Adrian merkt, dass dies mehr der Wahrheit entspricht als gedacht, ist es schon zu spät.
Die Sagen und Legenden der nordischen Götter scheinen ein gänzlich anderes Ende genommen zu haben als in den Büchern geschrieben steht. Der Weltenbrand hat so nie stattgefunden und die Prophezeiungen haben sich nicht erfüllt. Die alten Götter gibt es noch, doch sie sind dem Untergang geweiht. Odin weiß nicht mehr wer er ist, da er nur noch einen Raben besitzt, der Weltenbaum Yggdrasil ist am Verdorren, Thor ist müde und nur noch der Schatten seiner selbst und Fenris ist nicht mehr der Wolf, der er einst war.
Wer steckt dahinter? Was hat das alles mit dem Tod seines Vaters zu tun und wieso haben die Götter Adrian auserwählt ihnen aus dieser Misere zu helfen?

Die Geschichte beginnt äußerst vielversprechend. Man liest aus Adrians Sicht und lernt so ihn und seine Gedanken kennen. Ebenso begegnet man den Göttern Thor und Odin, trifft auf Fenris und erhält einen kurzen Einblick in die nordische Mythologie. Anfangs stehen die Götter also noch im Vordergrund. Dies änderte sich jedoch leider allzu rasch. Die Aufgabe, die die Götter Adrian aufbürden steht zwar weiterhin im Vordergrund, doch der Focus kippt plötzlich in eine andere Richtung. Adrian befindet sich nämlich schlagartig in einem Gefühlschaos, welches zwei Mädchen betrifft. Gekribbel, Funken und Flughäfen im Magen. Dies alles hat jedoch keinerlei entscheidende Auswirkung auf die Handlung und führt im Grunde zu nichts.

Ich bin prinzipiell kein Freund von romantischen Handlungen in Büchern, aber wenn diese zusätzlich auch noch absolut keinen Sinn ergeben, finde ich es besonders ärgerlich.
War es hier notwendig? Hatte es Einfluß auf die Handlung? Beide Fragen kann ich mit Nein beantworten.
Zum wiederholten Male frage ich mich, wieso sich Autoren/Autorinnen bemüßigt fühlen immer wieder Love-Interests in Jugendbüchern einzubauen und wieso ist es für diese anscheinend unmöglich eine normale Freundschaft zwischen Mädchen und Jungs entstehen zu lassen?
Das bremste jedenfalls mein Lesevergnügen abrupt von 100 auf 0. Dies, die nur sehr gering vorhandene Geschichte der nordischen Mythologie und die Storyentwicklung.

"Die Namen der Götter Asgards, die der Riese aufgezählt hatte, waren Adrian so vertraut wie den anderen Jungen in seiner Klasse die Spielernamen der englischen Fußballnationalmannschaft. Alle Abenteuer, Anekdoten, Intrigen und Eifersüchteleien, die sich um sie rankten, kannte er."
(S. 50 / Der Autor scheint dies auch bei den Lesern/Leserinnen vorauszusetzen)


Bezüglich der nordischen Mythologie bleibt der Autor nur sehr vage und im Grunde wird die Geschichte dieser nur grob umrissen dargestellt. Ich bezweifle, dass viele Jugendliche ab 12-13 Jahren Ahnung von der nordischen Mythologie haben. Für diejenigen könnte diese Story daher eher verwirrend als spannend sein. Der Autor scheint nämlich ein Grundwissen vorauszusetzen. Ja, und selbst ich, die sich der nordischen Mythologie sehr verbunden fühlt, hatte mit der Autoren-Darstellung so meine Probleme. Wie empfinden das dann wohl 12-13-Jährige?

Auch mit dem Protagonisten hatte ich so meine Probleme. Abgesehen davon, dass nur im Klappentext erwähnt wird, dass Adrian 16 Jahre ist und er jedoch manchmal eher wie ein 13-jähriger agiert und reagiert, kommt noch etwas anderes hinzu.
Anfangs mochte ich Adrians Außenseiterrolle und seine Schusseligkeit machte ihn sympathisch, doch im Verlauf wurde das für mich etwas nervig. Adrian bekommt im Grunde von alleine so gar nichts gebacken. Der Autor behilft sich hier mit vielen zufälligen Zufällen, welche Adrian in die richtige Richtung schupsen und das ist selbst für ein Jugendbuch zu einfach und vor allem too much.
Alle weiteren Figuren bleiben eher blass und somit auch nicht wirklich in Erinnerung.

Die Storyentwicklung empfinde ich allgemein etwas holprig, unlogisch und mit so manchen unnötigen Szenen bestückt, welche eher an Lückenfüller denken lassen, da diese absolut nichts zur Handlung beitragen. Manchmal wird die Story dadurch sogar noch unlogischer und wirrer.
Zwischendurch gab es zwar durchaus spannende und witzige Passagen, wie z.B. als Adrian in die Unterwelt hinabsteigt. Dies wurde jedoch schon im Klappentext erwähnt, obwohl dies tatsächlich erst auf den letzten 70 Seiten geschieht. Hier wird also wieder im Klappentext zu viel verraten und der Weg dorthin gestaltete sich für mich ja eher bescheiden.

Dies lag keineswegs am Schreibstil des Autors, welcher einfach gehalten und flüssig ist und mich anfangs richtig an das Buch fesseln konnte, sondern an den bereits oben erwähnten Dingen.

"Hinter einer Biegung erblickte er das Skelett eines Tieres von urzeitlichen Dimensionen. Neugierig betrachtete Adrian die gebleichten Knochen. Der Schädel hatte zwar Gebiss und Form eines Hundekopfes, aber die Größe eines Konferenztisches."
(S. 174)


Tja, und das Ende? Auch wenn dies der Auftakt einer Reihe ist, so bleibt doch vieles im Unklaren und betreffend der nordischen Mythologie fühlt sich dieses Ende nicht richtig an. Jahaa, wenn es um nordische Mythologie geht werde ich pingelig.

Das Cover, welches im Stile der "Percy Jackson"-Reihe von Rick Riordan gestaltet ist, könnte falsche Erwartungen erwecken. Vor allem bei Jugendlichen, die Fan der Percy-Jackson-Reihe sind.
Ja - es geht um einen halbwüchsigen Jungen, ja - es sind Götter vorhanden und ja - es wird nach etwas gesucht, also durchaus wie in den Büchern von Rick Riordan, aber das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn die Story selbst, der Schreibstil, ja auch der Protagonist und die Atmosphäre sind gänzlich anders und kommen bei Weitem nicht an die Percy-Jackson-Reihe ran.
Da wurde wohl versucht aber genau diese Assoziationen zu erwecken und sprang auf den Erfolgszug der bekannten Jugendbuchreihe auf.

Fazit:
So wie es aussieht, habe ich das Buch mit völlig falschen Erwartungen begonnen, woran die Covergestaltung nicht ganz unschuldig ist.
Ich dachte, ich würde in eine Story abtauchen, welche Kindern und Jugendlichen die nordische Mythologie auf spannende Weise näher bringt und diese in die Gegenwart transportiert. Es hat auch wirklich vielversprechend und lesenswert begonnen und man erkennt, dass der Autor Potenzial besitzt, doch rasch wurde es zu einem eher frustrierenden Leseerlebnis und am Ende war bei mir die Enttäuschung groß.
Zu viele unlogische und nichtssagende Handlungen, Szenen und Entwicklungen, zu viele zufällige Zufälle und die nordische Mythologie wurde meines Erachtens nur sehr lasch beschrieben und schlecht vermittelt. Im Endeffekt ist man am Ende nicht wirklich gescheiter, als am Anfang des Buches - betreffend der Story und vor allem betreffend der nordischen Mythologie. Schade!

© Pink Anemone

Veröffentlicht am 03.11.2019

Ein typischer Coming-of-Age von Stephen King - mitreißend und auch ans Herz gehend.

Das Institut
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In einer ruhigen Vorortsiedlung von Minneapolis ermorden zwielichtige Eindringlinge lautlos die Eltern von Luke Ellis und verfrachten den betäubten Zwölfjährigen in einen schwarzen SUV. Die ganze Operation ...

In einer ruhigen Vorortsiedlung von Minneapolis ermorden zwielichtige Eindringlinge lautlos die Eltern von Luke Ellis und verfrachten den betäubten Zwölfjährigen in einen schwarzen SUV. Die ganze Operation dauert keine zwei Minuten. Luke wacht weit entfernt im Institut wieder auf, in einem Zimmer, das wie seines aussieht, nur dass es keine Fenster hat. Und das Institut in Maine beherbergt weitere Kinder, die wie Luke paranormal veranlagt sind: Kalisha, Nick, George, Iris und den zehnjährigen Avery. Sie befinden sich im Vorderbau des Instituts. Luke erfährt, dass andere vor ihnen nach einer Testreihe im »Hinterbau« verschwanden. Und nie zurückkehrten. Je mehr von Lukes neuen Freunden ausquartiert werden, desto verzweifelter wird sein Gedanke an Flucht, damit er Hilfe holen kann. Noch nie zuvor ist jemand aus dem streng abgeschirmten Institut entkommen... (Klappentext)

♜♜♜♜♜

">>Was im Hinterbau läuft, weiß ich nicht, und ich will es auch nicht wissen. Ich weiß bloß, dass es da wie im Bermuda-Dreieck ist - man kommt zwar rein, aber nicht wieder raus. Jedenfalls kommt man nicht hierher zurück.<<"
(S. 102)


Stellt Euch vor es existiert eine Institution, welche Experimente an Menschen durchführt, genauer gesagt an Kindern. Experimente, welche denen aus dem 2. WK unter Ärzten wie Mengele oder Gebhardt nicht unähnlich sind. In genau so eine Einrichtung wird der 12-jährige Luke Ellis gesteckt, nachdem seine Eltern ermordet und er entführt wurde.
Das Institut steht in Main, umgeben von dichtem Wald, von der Außenwelt abgeschirmt und erinnert an ein Hochsicherheitsgefängnis. Die Insassen sind Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahren und alle besitzen paranormale Fähigkeiten. Sie kommen rein, aber niemals wieder raus. Während ihres Aufenthaltes müssen sie einiges über sich ergehen lassen, bevor sie in den Hinterbau verlegt werden - Endstation.
Luke und seine neu gewonnenen Freunde wissen nicht zu welchem Zweck man das alles mit ihnen macht und wieso man gerade sie ausgewählt hat. Sie wissen nur eines - sie wollen nicht in den Hinterbau. Dafür müssen sie sich zusammentun, damit zumindest einer von ihnen fliehen kann. Doch was sollen Kinder gegen Erwachsene ausrichten, welche mit Schockstöcken und Spritzen bewaffnet sind?

Diese Story wird aus mehreren Perspektiven erzählt, wobei die von Luke im Vordergrund steht. Man erhält aber auch Einblick in die Sicht von Mitarbeitern und anderen Kindern und auch in die von Tim, einem ehemaligen Cop, den es in die Pampa verschlagen hat.
Man ist also immer mittendrin, statt nur dabei und vor allem Lukes Perspektive geht einem ziemlich an die Nieren und ans Herz. Die Kinder müssen nämlich wirklich Fürchterliches mitmachen und auf jeder Seite spürt man die Angst, die Verzweiflung, die Tränen und die Hoffnungslosigkeit. Man fiebert mit Luke und den Kindern mit, während man sie Seiten verschlingt.

"ICH HABE EINEN KRAMPFANFALL, WOLLT IHR MICH ETWA UMBRINGEN?
Das versuchte er zu sagen, aus seinem Mund kam jedoch nur ein klägliches kleines Gurgeln. Dann waren die Punkte verschwunden, er stürzte aus dem Sessel, stürzte in die Dunkelheit, und das war eine Erleichterung. O Gott, was für eine Erleichterung."
(S. 230)


Zudem weiß man nie, was sich auf der nächsten Seite verbirgt, denn es kommt mehrmals zu überraschenden Wendungen, die einem plötzlich in eine völlig andere Richtung treiben, als noch kurz zuvor gedacht.
Die Figuren sind durchwegs gut gezeichnet und wie die meisten King-Romane, lebt auch dieser von seinen Figuren und dieser ganz bestimmten Atmosphäre, wie sie nur King zu erschaffen weiß.
Man bewegt sich zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Angst und Beklemmung und nicht zu vergessen dem Entsetzen.

">>Diese Spritzen, die sie uns geben...<<, sagte Iris.
>> Manche tun weh, andere nicht. Nach einer hab ich hohes Fieber gekriegt und brutales Kopfweh. Ich dachte schon, dass ich mich bei Sha mit Windpocken angesteckt hätte, aber nach einem Tag war es vorüber. Jedenfalls geben sie dir Spritzen, bis du die Blitze siehst und das Summen hörst.<<"
(S. 129)


Diejenigen, welche sich einen King-Horror erwarten, werden jedoch enttäuscht sein. Das einzig Gruselige daran ist die Institution mit ihren Ärzten und Pflegern, die völlig skrupellos agieren, die Experimente und der Gedanke, dass die Existenz solcher Einrichtungen eventuell nicht völlig aus der Luft gegriffen sein könnte. Bei Stephen King werden tief verborgene Ängste wahr.
Hier handelt es sich also um einen typischen Coming-of-Age-Roman in feinster King Manier, welcher mehr Tiefsinnigkeit bereithält, als auf den ersten Blick erkennbar, der einem trotzdem mitreißt und am Ende nachdenklich zurücklässt.

Die Verarbeitung und das Äußere des Buches sind übrigens auch nicht zu verachten.

Fazit:
Kein Horror, kein Grusel, keine abartigen und grässlichen Kreaturen (abgesehen von den Institutsmitarbeitern) und trotzdem spannend und mitreißend.
Ich liebe Kings Coming-of-Age-Romane, da diese immer eine ganz eigene Atmosphäre mit sich bringen und mich auf ihre ganz eigene Art von sich einnehmen. So auch dieser hier, welcher zwar an die alten King-Romane nicht heranreicht, auch hin und wieder die ein oder andere Länge beinhaltet, mich aber trotzdem am Buch kleben ließ.

© Pink Anemone (inkl. Book-Soundtrack)

Veröffentlicht am 29.10.2019

eklemmend, bedrohlich, verstörend und so verdammt gut.

Shutter Island
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Die US-Marshals Daniels und Aule sollen im Fall einer Kindsmörderin ermitteln, die von der Gefängnisinsel Shutter Island geflohen ist. Als sie dort ankommen, erhalten sie verschlüsselte Botschaften, die ...

Die US-Marshals Daniels und Aule sollen im Fall einer Kindsmörderin ermitteln, die von der Gefängnisinsel Shutter Island geflohen ist. Als sie dort ankommen, erhalten sie verschlüsselte Botschaften, die sie immer tiefer in den düsteren Bau und die Machenschaften der Ärzte führen. Nichts ist so, wie es scheint. Dennis Lehanes raffiniert komponiertes Meisterwerk um Wahn und Angst in neuer Übersetzung...(Klappentext)

♖♖♖♖♖

">>Ich bin nicht verrückt. Nein. Aber dies würde eine Verrückte natürlich auch behaupten. Darin liegt die kafkaeske Genialität der ganzen Sache. Wenn man nicht verrückt ist, aber andere verbreiten, man sei es, dann unterstreichen alle gegenteilige Beteuerungen diese Behauptung noch.<<"
(S. 308)


Dr. Lester Sheehan, ehemaliger Arzt in der einst psychiatrischen Klinik auf Shutter Island, wirft einen Blick zurück in die Vergangenheit, bevor ihn die Alzheimer-Krankheit alles vergessen lässt. Vor allem was im September 1954 auf dieser Insel und in dieser Einrichtung geschah, lässt ihn nicht ruhen.
Er ist der auktoriale Erzähler, mit dem man sich auf diese Insel und in diese Einrichtung begibt.

Im Ashecliffe Hospital sind geistig gestörte Straftäter untergebracht und ist dadurch eine Kombination aus Psychiatrie und Gefängnis. Dort sollen die beiden US-Marshals Edward Daniels, Teddy genannt, und sein Partner Chuck herausfinden, wie die Insassin Rachel Solande verschwinden konnte und vor allem wohin sie verschwunden ist.
Die beiden stolpern in ein Gewirr aus Halbwahrheiten, Manipulation und Geheimnissen. Zudem wird die Gesamtsituation durch einen Hurrikan, welcher die Insel von der Außenwelt abschneidet, erschwert und dann wäre da noch Teddys persönlicher Rachefeldzug, welchen er hier zu Ende bringen möchte.

">>Nehmen wir an, die haben hier ein übles Ding am Laufen. Was, wenn sie dir auf der Spur waren, ehe du auch nur einen Fuß auf die Insel gesetzt hast? Was, wenn SIE dich hierher gebracht hätten?<<"
(S. 178)


Dieses Buch ist eines meiner absoluten Lesehighlights. Vor allem durch die unglaublichen Sprachgewalt des Autors, welche Atmosphäre erschafft und einem in die Story saugt und bis zum Ende hin gefangen hält - gefangen wie Teddy auf dieser Insel.
Man befindet sich in dieser Einrichtung und versucht einen äußerst wirren Fall aufzuklären. Dabei wird man immer tiefer in die scheinbar komplexen und bedrohlichen Machenschaften der Einrichtung hineingezogen und verliert dabei zunehmend jegliches Vertrauen zu absolut jedem. Wie auch Teddy begegnet man jedem mit Skepsis, egal ob Ärzte, Pfleger oder Wärter betreffend.
Die Beklemmung und Bedrohung beginnt sich langsam zu steigern, bis diese an ihrem Höhepunkt angelangt ist, ins Verstörende kippt und man schließlich nicht mehr weiß - ist es Realität oder Wahn? Selbst Teddy traut seinen eigenen Sinnen nicht mehr und als LeserIn ist man selbst hin- und hergerissen, will diese Insel auf schnellst möglichem Weg verlassen, um dann letztlich mit Teddy zu bleiben und mit ihm in den Abgrund zu stürzen.

Da Ende ist absolut stimmig und ebenso abgefahren, sodass man versucht ist, die Story nochmals zu lesen.
Danach hat man das Gefühl, der Autor hätte mit dem Ende zu schreiben begonnen und das ganze Konstrukt der Story um diesen aufgebaut. Absolut geniale Meisterleistung!

Die Story selbst lebt von den Figuren, mögen sie noch so undurchsichtig erscheinen und auch die Dialoge sind ein weiterer Pluspunkt. Man genießst so manche Gespräche, welche mich nicht selten schmunzeln ließen und die Atmosphäre zwischendurch auflockerten, bevor mich die Beklemmung auf einer der nächsten Seite immer wieder überrollte.
Ich war also von Anfang bis Ende von dieser Story gefesselt, welche zusätzlich mit so einigen überraschenden Wendung aufwartet.

">>Die alte Schule>>, sagte Cawley,
>>glaubt an Schocktherapie und Lobotomie und an Wasserbehandlungen für die fügsamsten Patienten. Wir nennen das Psychochirurgie. Die neue Schule hingegen ist fasziniert von der Psychopharmakologie. Diese Leute behaupten, das sei die Zukunft. Vielleicht haben sie recht. Ich weiß es nicht.<<"
(S. 117)


Fazit:
Beklemmend, bedrohlich und verstörend, sind die die ersten Worte, welche mir zu diesem Buch einfallen und dies aber auf positive und vor allem mitreißende Art und Weise.
Ich kann meine Begeisterung kaum in Worte packen und beende hiermit meine Rezension und sage nur noch: "Leute! Unbedingt lesen!"

© Pink Anemone (inkl. Book-Soundtrack, Bilder, Autoren-Info, Leseprobe und Film-Trailer)