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Veröffentlicht am 12.05.2020

Bildgewaltig, mitreißend, atmosphärisch und ans Herz gehend.

Suleika öffnet die Augen
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Suleika ist eine tatarische Bäuerin. Eingeschüchtert und rechtlos lebt die Mutter von vier im Säuglingsalter gestorbenen Kindern auf dem Hof ihres viel älteren Mannes. Ihr Weg zu sich selbst führt durch ...

Suleika ist eine tatarische Bäuerin. Eingeschüchtert und rechtlos lebt die Mutter von vier im Säuglingsalter gestorbenen Kindern auf dem Hof ihres viel älteren Mannes. Ihr Weg zu sich selbst führt durch die Hölle, das Sibirien der von Stalin Ausgesiedelten. Ein anrührendes und meisterhaftes Debüt, das in 21 Sprachen übersetzt ist... (Klappentext)

☭☭☭☭☭


"Hunderte, Tausende Familien fuhren in endlosen Schlittenzügen durch die Weiten des Roten Tatariens. Vor ihnen lag ein noch viel längerer Weg. Wohin er führte, wussten weder sie noch ihre Begleiter. Klar war nur eines. Es ging sehr weit fort."
(S. 157)



Suleika ist eine junge Frau, welche im Russland der 30er Jahre ein karges Leben führt. Mit fünfzehn wurde sie an einen viel älteren Mann verheiratet, ist nun mit einer bösartigen Schwiegermutter "gesegnet" und schuftet sie von Früh bis Spät und trotzdem ist es nie gut genug. Ihre vier Kinder musste sie alle bereits im Säuglingsalter begraben und daran ist sie selbst schuld, wenn es nach ihrer Schwiegermutter geht. Sie leidet still und kämpft sich durch dieses Leben.
Man könnte meinen es könne für Suleika nicht noch schlimmer werden, als der Rote Terror über sie hereinbricht. Dieser führt schließlich zur Enteignung ihres Hofes und ihr Mann wird getötet. Suleika wird mit anderen in das unwirtliche Sibirien deportiert, um dieses Gebiet für Stalin urbar zu machen.

Dieser historische Roman erstreckt sich über zwei Jahrzehnte und erzählt von dem entbehrungsreichen Leben tatarischer Bauern, den Verbrechen Stalins an diesen Bauern und somit der Entkulakisierung und Urbarmachung der Taiga. Dies alles aus der Sicht einer Betroffenen - Suleika, welche ich von der ersten Seite an ins Herz schloß.


"Der Schnee fährt ihr schmerzhaft ins Gesicht, dringt in Nase und Mund. Suleika hebt den Kopf und schüttelt ihn ab. Da liegt sie am Boden, sieht das Schlittenende davonfahren und das Schneegestöber ringsum dichter werden."
(S. 25)



Wie erwähnt umfasst die Story zwei Jahrzehnte und ist in vier große Kapitel unterteilt.
Es beginnt mit dem Einblick in das Leben einer Bäuerin und man ist dabei, als Suleika bis zur Erschöpfung arbeitet, von ihrer Schwiegermutter tagein und tagaus drangsaliert und von ihrem Mann geschlagen wird. Trotzdem bezeichnet sie ihn als "guten Mann". Doch schon hier erkennt man wie stark sie eigentlich ist.

Der 2. Teil behandelt die Deportation und die lange Reise, welche ein halbes Jahr dauert. Hier erhält man auch Einblick in die Sicht von Ignatow - Rotarmist der roten Arbeiter- und Bauernarmee und Mörder von Suleikas Mann. Dieser wird abkommandiert, um den Zug mit der menschlichen Fracht nach Sibirien zu begleiten und schließlich mit diesen in der Einöde zurückgelassen wird.
Hier beginnt dann das dritte Kapitel, welches das Überleben im Nordosten Sibiriens beleuchtet. Der Überlebenskampf mit dem harten Winter und wie im Nichts der Einöde eine Siedlung entsteht.
Im vierten Teil ist aus der Siedlung mit windigen Baracken bereits ein kleines Dorf entstanden. Das Leben ist hart und entbehrungsreich aber die Menschen haben sich damit arrangiert. Doch nun reichen die Krallen des 2. Weltkrieges auch in das abgelegene sibirische Dorf. Am Ende öffnet Suleika wie so oft ihre Augen und beginnt endlich zu sehen.


"Der frische Geruch der großen Wasserfläche und der herbe Duft der Taiga von Fichten, Kiefern, Lärchen und aromatischen Kräutern steigen ihm in die Nase. Es ist also wahr: Er, Iwan Ignatow, sitzt hier in Sibirien."
(S. 256)



Die russischen Schriftsteller haben eine ganz spezielle Art zu erzählen - ruhig, kämpferisch und dennoch immer mit dieser leisen Melancholie.
Dostojewski, Tolstoi und Gogol, um nur drei meiner Favoriten zu erwähnen, schafften es mich für russische Literatur und somit auch für russische Geschichte zu begeistern. In diese Liste reiht sich nun auch die junge Schriftstellerin Gusel Jachina.
Auch sie lässt das Leben russischer Bauern lebendig werden. Auch sie thematisiert ein Unrecht, was an diesen begangen wurde und auch sie hat diese ruhige, melancholisch-russische Erzählweise inne.
Doch während die oben genannten Herrschaften oft ausufernd und langatmig erzählen, sich teilweise in Nebensächlichkeiten verlieren und es dadurch zu der ein oder anderen Länge kommt (welche ich jedoch auch durchaus genießen kann), schreibt Jachina zwar ebenso mit Liebe zum Detail, jedoch in schlichter Sprache, fesselnd und vor allem atmosphärisch.


"Der gesägte Kalender an dem Stamm neben dem Ausgang ist eine Erfindung von Konstantin Arnoldowitsch. Mitte August begonnen, sind September, Oktober, November, Dezember, Januar und sogar Februar mit fester Hand in das Holz eingeritzt. Ab März werden die Schnitte unregelmäßig und sind kaum noch zu erkennen. Der April ist gar nicht mehr vermerkt. Das ist inzwischen auch gleichgültig, wahrscheinlich ist er bereits zu Ende."
(S. 340)



Begleitet von unglaublicher Sprachgewalt, Atmosphäre und viel Gefühl, taucht man in eine Welt ein, die so anders als die unsrige ist. In eine Zeit, welche bereits lange in der Vergangenheit liegt und eine historische Begebenheit aufleben lässt, die schon vergessen zu sein schien.Fiktion verwoben mit der Geschichte der Großmutter der Autorin.

Fazit:
Bildgewaltig, mitreißend, atmosphärisch und ans Herz gehend, sind die ersten Worte, die mir nach dem Zuklappen des Buches durch den Kopf gehen.
Innerhalb kürzester Zeit habe ich diesen Roman verschlungen, der mir Einblick in die russische Geschichte und in eine Zeit ermöglichte, welche ich nie bewusst verfolgte.
Ich habe mit Suleika gelitten, gefroren und gehungert und trotzdem hätte ich noch ewig darin versinken können.

Am Ende möchte ich Euch ein Zitat der Autorin nicht vorenthalten, welche in diesem Buch die Geschichte ihrer Großmutter niedergeschrieben hat.


">>Wir alle wissen viel zu wenig über unsere Großmütter und Urgroßmütter, über diese >schweigende Generation<. Sie haben etwas verschwiegen und vor uns verheimlicht, haben im Gefängnis gesessen oder waren in der Verbannung, oder sie selbst haben andere ins Lager gesteckt, in die Verbannung geschickt oder erschossen ... Unsere Verbindung zu den früheren Generationen ist durchbrochen, sie ist abgerissen.<<"
(Gusel Jachina)



© Pink Anemone (inkl. Book-Soundtrack, Leseprobe und Autoren-Info)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2020

Fesselnder und actiongeladener 2. Band der "Verfallenen Welt"-Reihe. Science-Dystopie vom Feinsten!

Gefesselt
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Auf den Straßen herrscht Chaos. Menschen verwandeln sich in blutrünstige Bestien. Während Gill und sein Team in Berlin ums Überleben kämpfen, lehnt sich Rebecca in London, gemeinsam mit den Gefangenen, ...

Auf den Straßen herrscht Chaos. Menschen verwandeln sich in blutrünstige Bestien. Während Gill und sein Team in Berlin ums Überleben kämpfen, lehnt sich Rebecca in London, gemeinsam mit den Gefangenen, gegen Genetics auf. Ein blutiger Krieg zwischen den genetisch veränderten Invitros und den Hightech-Söldnern der Firma beginnt. Um für das Überleben ihrer Leute zu sorgen, müssen Gill und Rebecca bis an ihre Grenzen gehen - und weit darüber hinaus... (Klappentext)

☢☢☢☢☢


"Die Luft flirrte, als würde die Sonne von einem klaren Sommerhimmel brennen. Es war heiß wie in der Hölle. Doch nirgendwo war ein Feuer zu sehen. In dieser Welt gab es keine Farbe. Alles war grau. Alles war leer. Das Leben hatte geendet."
(S. 73)



Dies ist der 2. Band der Prequel-Reihe "Die Verfallene Welt".
Während "Infiziert - Geheime Sehnsucht" acht Jahre nach dem Ausbruch der Zombieapokalypse angesiedelt ist, ist man bei der Prequel-Reihe von Anfang an dabei und erfährt auch den Grund für den Ausbruch dieser Krankheit.

Diese Reihe sollte man unbedingt chronologisch lesen, da man sonst keinerlei Bezug zu den Figuren hat und auch deren Handlungen und allgemeine Zusammenhänge nicht nachvollziehen kann.
Ich versuche in dieser Rezension so wenig wie möglich zu spoilern und am Ende findet Ihr die von mir empfohlene Reihenfolge.

"Gefesselt - Der Aufstand" schließt fast nahtlos an den 1. Band "Gefesselt - Der Anfang" an.

Vor 20 Stunden haben sich die ersten Menschen in geifernde und hungrige Bestien verwandelt. In deren Gehirnen scheinen die Synapsen durchgeknallt zu sein, denn sie werden nur noch durch die Gier nach Menschenfleisch und die Jagd danach angetrieben. Wird man von ihnen gekratzt oder angeknabbert dauert es nicht lange und man wird selbst zu so einem sabbernden Monstrum, welches nur noch aus animalischen Überlebensinstinkt und großem Hunger besteht.
Die Bevölkerung und die Regierung sind damit völlig überfordert, Chaos bricht aus und eine neue, jedoch gefährliche, Welt entsteht.


"Doch die innere Kälte ließ sich nicht durch warme Kleidung bezwingen. Stunde für Stunde krochen sie durch die leeren Ruinen der einstmals belebten Stadt, immer auf der Hut vor den wild gewordenen Kreaturen, die kaum mehr etwas mit Menschen gemein hatten. FRESSER."
(S. 23)



Man verfolgt auch hier wieder die zwei Handlungsstränge der beiden Protagonisten Rebecca und Gill.
Gill kämpft mit ein paar Kameraden in Berlin ums Überleben. Die Gruppe wird langsam größer und zu dem starken Kern, dem man schließlich in "Infiziert - Geheime Sehnsucht" (3. Band) begegnet. Sie versuchen sich mit dieser neuen Welt zu arrangieren, in der sie um Nahrung und Unterschlupf kämpfen müssen und sich nur mit Vorsicht bewegen dürfen.
Rebecca befindet sich hingegen in London und führt dort einen Kampf gegen das Pharmaunternehmen "Genetics", bzw. gegen das, was davon übrig ist.
Auf beiden Seiten toben blutige Schlachten, auf beiden Seiten wird es Opfer geben und auf beiden Seiten werden Entscheidungen getroffen, welche die Zukunft verändern.


"Gill blickte auf die Karte hinter dem Mann. Schwarzer Marker kennzeichnete Stellungen, grün schraffierte Flächen sichere Zonen. Fast alle waren rot durchgestrichen, die Zeichnungen immer fahriger geworden. Irgendwann hatte jemand unkontrolliert und voller Frust drübergekrakelt. Aber wenn er es richtig entzifferte, gab es in dieser Stadt keine einzige andere gesicherte Stellung mehr."
(S. 17)



Während der 1. Band eher ruhig verläuft, kommt es hier zu einigen nervenaufreibenden Actionszenen und spannenden Begebenheiten.
Die Story verläuft bis knapp zehn Jahre nach dem Ausbruch und daher verwebt sich diese mit der Story aus "Infiziert - Geheime Sehnsucht", betreffend des Handlungsstrangs in Berlin. Man liest die Geschehnisse jedoch diesmal aus Gills Perspektive.
Dies fand ich genial, gleichzeitig habe ich es aber auch verteufelt.

Diejenigen, welche den letzt genannten Band schon gelesen haben, treffen auf alte Bekannte, wird diese mit Begeisterung empfangen und willkommen heißen. So auch ich ... zu Beginn, denn während auch ich dieses Aufeinandertreffen anfangs regelrecht gefeiert habe, empfand ich es im Verlauf doch langatmig. Man liest nämlich die gleiche Handlung wie schon in "Infiziert", nur eben, wie schon erwähnt, aus Gills Perspektive. Ergo - die selben Dialoge, die selben Szenen, etc.

Der Handlungsstrang Gill betreffend, konnte mich diesmal jedoch allgemein nicht völlig mitreißen und begeistern. Mir wird hier nämlich auch zusätzlich etwas zu viel rumgeschmalzt.
Dies ist jedoch Geschmackssache und ich gehöre zu dieser Sorte, die mit so etwas überhaupt nichts anfangen kann und stattdessen Action und Kämpfe bevorzuge. Während andere LeserInnen dies also durchaus als abwechslungsreich empfinden und feiern, wirkt es auf mich eher störend.

Den Handlungsstrang rund um Rebecca fand ich im Gegenzug umso gelungener.
Hier kämpft man an der Seite der Invitros, den "Versuchskaninchen" des ehemaligen Pharmakonzerns "Genetics". Diese sind Tierwandler, wie z.B. eine Tigerlady, ein Phoenix oder ein Taure. Wer jetzt denkt dies klinge zu sehr nach Fantasy, der täuscht sich gewaltig. Eher taucht man hier in eine Science-Apokalypse ein, in der es auch mal actiongeladen zur Sache geht. Der Gegner ist nämlich niemand Geringeres als die Hightech-Söldner des restlichen Genetic-Bestandes mit einem überaus gelungenen Antagonisten als Anführer.


"Der Boden des Geschäfts war klitschig von Blut und Gedärmen. In der Mitte des Raums hatte jemand abgenagte Knochen zu einem Haufen aufgestapelt. Ob sie von verwesten Toten, unvorsichtigen Überlebender oder gefressenen Artgenossen stammten, konnte Rebecca nicht sagen. Sie wollte es auch gar nicht wissen."
(S. 229)



Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt flüssig. Sie weiß Atmosphäre und vor allem spannende Szenen zu erschaffen.
Hier gibt es, wie schon erwähnt, wieder reichlich Action, deren Darstellung mich schon in "Infiziert - Geheime Sehnsucht" begeistern konnte. Plastischer Erzählstil liegt der Autorin also ebenso und dies bezieht sich nicht nur auf die Actionszenen, sondern vor allem auch auf das Setting.
Die überraschenden Wendungen, zumindest in Rebeccas Handlungsstrang, sind auch nicht zu verachten.

Fazit:
Wenn ich diesen Band nicht in einer interaktiven Leserunde gelesen hätte, hätte ich das Buch wohl in einem Rutsch weggesuchtet.
Das Einzige, was ich zu beanstanden habe sind die schon erwähnten schnulzigen Szenen und vor allem, dass Gills Handlungsstrang für mich allgemein etwas langweilig war und keine Überraschungen bereit hielt.
Für LeserInnen, welche aber den Band "Infiziert - Geheime Sehnsucht" nicht kennen, ist der vorliegende Band jedoch sicher auf jeder einzelnen Seite spannend und mit überraschenden Wendungen gespickt.
Ich für meinen Teil freue mich trotzdem schon wie ein Schnitzel auf die Fortsetzung, wenn es wieder heißt: Mensch vs. Zombies & Genetics.

© Pink Anemone (inkl. Book-Soundtrack, Leseprobe, Autoren-Info und Link zur interaktiven Leserunde)

Reihenfolge

Prequel Spin-Off:

"Gefesselt - Der Anfang" (2018)
"Gefesselt - Der Aufstand" (2019)

"Infiziert - Geheime Sehnsucht" (2018)


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2020

High Fantasy mit afrikanischer Atmosphäre - poetisch und derb zugleich

Schwarzer Leopard, roter Wolf
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Sucher, der Jäger mit dem besonderen Sinn, wird vor seine schwierigste Aufgabe gestellt. Er muss einen Jungen aufspüren, der vor drei Jahren spurlos verschwand. Seine Fährte führt ihn durch Wälder und ...

Sucher, der Jäger mit dem besonderen Sinn, wird vor seine schwierigste Aufgabe gestellt. Er muss einen Jungen aufspüren, der vor drei Jahren spurlos verschwand. Seine Fährte führt ihn durch Wälder und Städte, zu Gestaltwandlern, Ausgestoßenen und Hexen. Aber kann er den Jungen retten und die Welten wieder in Einklang bringen?... (Klappentext)

Triggerwarnung: Sexuelle und körperliche Gewalt, Missbrauch, Zirkumzision (Beschneidung)


❋❋❋❋❋

">>Dies wird keine einfache Reise. Es sind Mächte im Spiel, Sucher. Es sind Mächte im Spiel, Leopard. Sie kommen morgens mit dem Wind oder manchmal auch in der höchsten Sonne, der Stunde des blendenden Lichts der Hexen. So wie ich wünsche, dass er gefunden wird, gibt es gewiss solche, die wollen, dass er verborgen bleibt...<<"
(S. 181)



Er hat keinen Namen und wird von allen nur "Der Sucher" oder "Roter Wolf" genannt. Dieser sitzt einem Inquisitor gegenüber - angeklagt für den Tod eines Jungen. Diesem Inquisitor erzählt er seine Geschichte - wie er zu dem wurde was er ist, wie es zu dem kam was passierte und weshalb es so enden musste wie es endete.
Als LeserIn sitzt man mit dem Inquisitor am Tisch und lauscht dieser Geschichte. Eine Geschichte, die einem jungen Mann begleitet, welcher eine besondere Gabe besitzt, nämlich wie ein Wolf Gerüche aufzunehmen und diesen zu folgen, bis er den Besitzer dieses Geruchs gefunden hat. Diese Gabe führt dazu, dass er mit anderen angeheuert wird einen Jungen zu finden, welcher einst entführt wurde und nun schon seit drei Jahren vermisst wird. Ein Junge, welcher von großer Bedeutung zu sein scheint und den nicht nur er und seine Gefährten suchen. Während seine Truppe den Auftrag hat den Jungen lebend zurückzubringen, scheinen die Anderen nur seinen Tod zu wollen ... und die Zeit läuft.

Hier betritt man eine völlig neue Welt des Fantasy, wobei das Worldbuilding selbst eher in den Hintergrund rückt, während die Atmosphäre afrikanischen Flair versprüht, jedoch dunkel und düster.
Es ist als würde man in eine ferne Welt eintauchen, sich dabei durch das tiefste Afrika bewegen und dabei einer noch älteren Sage lauschen. Einer Sage über uralten Glauben, Riten und Legenden, in der einem Schattenteufel, Hexen, Gestaltenwandler und noch viele anderen Kreaturen begegnen. Man wandert durch Traumlande, Sümpfe und Steppen, Geisterwälder und Orte, die fast schon eine psychedelische Atmosphäre versprühen und man das Gefühl hat auf einem unheimlichen und bedrückenden Trip zu sein.

"Ich wusste, dass ich die Nase hatte, wie Kava sagte, aber ich hatte nicht gewusst, dass ich einem Geruch folgen konnte. Selbst wenn der Leopard weit entfernt war, hatte ich ihn noch immer unmittelbar vor der Nase. Und Kava und seine Gerüche und die kleine Frau und die Rose, die sie in die Falten ihres Fleisches rieb, und den Mann und den Nektar, den er trank, und die Käfer, die er aß, zu viel Bitteres, wo er doch die Süße brauchte, und die Wasserschläuche und das Wasser darin, dass noch nach Büffel roch, und den Bach. Und mehr, mehr noch als das, und immer mehr, genug, um mich in eine Art Irrsinn zu treiben."
(S. 70)


Die Geschichte ist in sechs Hauptkapitel unterteilt:

1. Teil: Wie alles begann - Hier lernt man den Protagonisten kennen und so manch andere relevante Figur, wie z.B. den Leoparden. Man erhält ebenso Einblick in das Worldbuilding.


2. Teil: Die Suche beginnt - Der Auftrag wird angenommen, die Reisegefährten treffen auf aufeinander und die Reise zu dem Ort, an dem der Junge entführt wurde, beginnt.


3. Teil: Kongor - Die Stadt wo alles begann und endete. Reisegefährten verschwinden und ein neuer Gefährte betritt die Bühne, Geheimnisse werden gelüftet und doch bleibt so manches weiterhin im Dunkeln.


4. Teil: Vom Regen in die Traufe - Die Suche geht weiter, es kommt zu neuen Erkenntnissen aber auch zu neuerlichem Verrat und somit wieder zu überraschenden Wendungen. Man trifft auf alte Bekannte, während so manche Figur das Zeitliche segnet. Der Autor macht auch vor liebgewonnenen Figuren nicht Halt. Und schließlich endet die Suche.


5. Teil: Ein Lied eines Griot (vergleichbar mit Minnesängern aus dem Mittelalter), erzählt wie eine Geschichte, welche von der Rückkehr des Suchers in ein altes Dorf handelt.


6. Teil: Die Suche beginnt erneut - Fünf Jahr sind inzwischen vergangen und der Junge muss ein weiteres Mal gesucht werden. Diesmal jedoch aus einem anderen Grund und der Sucher hat sich dafür Hilfe von jemand völlig unerwarteten geholt. Dabei erhält man Einblick in die Vergangenheit und so manche Lücke wird geschlossen.


"Nur einige hundert Schritte von uns entfernt erhoben sich aus einem Nebel, der so schwer war, dass er auf dem Boden ruhte, mit Bäumen so hoch wie Berge und langen Ästen, gespreizt wie gebrochene Finger. Sie kauerten zusammen, tauschten Geheimnisse aus. Ein Grün, so dunkel, dass es blau war.
Die Dunkellande."
(S. 309)


In dieser Story ist der Protagonist umgeben von Intrigen, Geheimnissen und wilden Geschichten rund um den Jungen. Während er durch das Königreich reist wird er in blutige Kämpfe verwickelt, muss Gefahren bestehen und verliert so manchen Vertrauten. Zwischendurch wird geflucht, gevögelt und es werden viele Schädel gespalten.
Der Protagonist selbst ist nicht unbedingt ein Sympathieträger, zumindest war er es für mich nicht. Er ist ein sturer Klugscheißer, der immer nörgelt und sich in Selbstmitleid suhlt. Gleichzeitig erkennt man daran jedoch seine innere Zerrissenheit und das er nicht nur auf der Suche nach dem Jungen, sondern auch nach sich selbst ist und nach einer Konstante in seinem Leben sucht.


"Doch ich verbringe die meisten meiner Tage alleine und die Nächte mit Leuten, die ich am Morgen nicht sehen will. Ich gestehe, wenigstens meiner dunkelsten Seele gegenüber, dass es nichts Schlimmeres gab, als unter vielen Seelen zu sein, selbst Seelen, die man vielleicht kennt, und dennoch einsam zu sein.
Ich habe zuvor schon darüber gesprochen. Männer und auch Frauen habe ich getroffen, die umgeben sind von dem, was sie für Liebe halten, und doch sind sie die einsamsten Menschen in allen zehn und drei Welten."
(S. 281)



Die Story beinhaltet jedoch nicht nur die Thematik der Selbstfindung, sondern auch Homosexualität, die Frau im Manne, das Ritual der Beschneidung und der Glaube dahinter, allgemein das Erwachsenwerden und die Entdeckung der Sexualität (vor allem im 1. Teil des Buches) und der Kampf zwischen Matriarchat und Patriarchat.

Was mich jedoch völlig begeistern konnte war der Schreibstil des Autors, denn dieser ist für mich unvergleichbar.
Der Stil ist nahezu poetisch und kommt gleichzeitig derb daher. Eine Sprachgewalt, deren Direktheit mich abstieß und zugleich einen Sog auf mich ausübte, welcher mich bis zum Ende hin nicht mehr losließ.
Als hätten sich Lew Tolstoi und Irvine Welsh zusammengetan und aus einer Feder geschreiben. Atmosphärisch, bildhaft und auch detailverliebt wie Tolstoi und derb und unverblümt wie Welsh.

Doch genau dieser Schreibstil spaltet die Leserschaft. Zu derb, zu brutal und ekelhaft, um nur einige Bezeichnungen wiederzugeben.
Ja, es wird viel geflucht und das F-Wort benutzt. Ja, es fließt Blut und das in rauen Mengen, Ja, es wird manchmal gevögelt und vor allem Gaysex ist hier vorhanden. Doch die Szenen werden nie explizit beschrieben, manchmal sogar nur angedeutet und manchmal nahezu poetisch.
Da finde ich so manchen "Erotik"-Roman wesentlich schlimmer und abwertender, was die Beschreibung von sexuellen Handlungen betrifft. 


"Ich durchwühlte ihre fünf Gewänder, fand ihre Koo, teilte ihre Lippen nach West und Ost und ließ meine Zunge über die kleine Seele tief in der Frau zucken, die die Ku für einen verborgenen Jungen halten, der herausgeschnitten werden muss, obgleich sie in Wahrheit jenseits von Junge und Mädchen ist."
(S. 146)



Alle schreien sie nach Diversity, doch sobald diese etwas derber daherkommt und nicht so weichgespült wie in so mancher Romantacy, ist die Empörung groß.
Ja, es ist definitiv Geschmackssache und natürlich sind Geschmäcker verschieden, was auch aus den meisten Rezensionen durchaus hervorgeht. Das ist auch gut so!
Doch gerade deshalb verstehe ich es nicht, wenn dann LeserInnen ein Buch schlecht machen, es für "abartig" halten und man sich anhören muss, dass man nicht normal ist, wenn man auf derbe Ausdrucksweise, Blut und Gemetzel in Büchern steht. Wo bleibt da die Toleranz und Liebe zur Vielfalt in der Literatur und auch untereinander, wenn man schon befürchten muss von anderen LeserInnen als "abartig und krank" betitelt zu werden, wenn man blutigen Thrillern, derben Dialogen und härteren Szenen etwas abgewinnen kann?

Des Weiteren sollte einem klar sein, wenn man ein Buch aus einem Verlag wie Heyne Hardcore liest, dass hier kein Kuschelkurs gefahren wird.
So manche LeserInnen hatten beim Kauf wohl nur das wunderschöne und bunte Cover vor Augen, ohne auf Verlag zu achten und/oder sich eine Leseprobe zu gönnen. Dies wird dann vor allem klar, wenn man deren bevorzugtes Genre betrachtet, welches meist im YA- oder Romantacy-Bereich angesiedelt ist. 
Ich muss jedoch auch zugeben, dass der Klappentext und die nähere Inhaltsangabe eine etwas weichere Fantasystory suggerieren und dies von manchen Lesern und Leserinnen falsch interpretiert werden kann.
Wer also klassische Fantasy und Romantacy bevorzug, sollte die Hände von diesem Buch lassen und gönnt Euch vor Kauf unbedingt eine Leseprobe.

Fazit:
Mich persönlich konnte das Buch begeistern und mit sich reißen. Jedoch nicht aufgrund des Plots, sondern vor allem durch den für mich völlig neue Schreibstil, welcher eine Sprachgewalt besitzt, die mich die Luft anhalten ließ. Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gelesen.
Die Atmosphäre, welche beim Lesen allgegenwärtig ist, ist dicht gewebt und entführte mich in eine afrikanische Fantasywelt und in eine Story mit tiefgründiger Thematik die ebenso mit Action und Wendungen punkten kann.
Das Einzige was ich zu beanstanden habe ist, dass sich der Autor manchmal von seiner Detailverliebtheit allzu sehr mitreißen lässt und auch die Kampfszenen waren für mich langatmig, obwohl diese nicht mehrere Seiten füllen, wie bei manch anderen Büchern in diesem Genre.


Dies ist übrigens der 1. Band einer Trilogie und ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Bände. Bis dahin werde ich mir noch weitere Bücher des Autors gönnen, denn dieser hat es mit diesem Buch ganz nach oben meiner Favoriten-Liste geschafft.


© Pink Anemone

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.04.2020

Ein Krimi. der auch Kriegstraumata thematisiert und einem am Ende gerade dadurch im Gedächnis bleibt.

Tod eines Gentleman
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London, 1924. Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs liegt über den Straßen der Metropole Aufbruchsstimmung. Wissenschaft, Frieden und Wirtschatsaufschwung scheinen wieder möglich zu sein. Doch in den ...

London, 1924. Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs liegt über den Straßen der Metropole Aufbruchsstimmung. Wissenschaft, Frieden und Wirtschatsaufschwung scheinen wieder möglich zu sein. Doch in den finsteren Gassen Londons regiert nach wie vor das Verbrechen – und der Schrecken der immer noch traumatisierten Soldaten. Als Eric Peterkin, seines Zeichens Gentleman und Kriminallektor, an einem nebligen Morgen die heiligen Hallen des ehrwürdigen Britannia Clubs betritt, ahnt er nicht, dass er bald in einen handfesten Mord aus Fleisch und Blut verwickelt sein wird. Ein Clubmitglied wird erstochen und flüstert Peterkin ein letztes Vermächtnis ins Ohr: „Rächen Sie die Vergangenheit!“ Peterkin macht sich auf in die nebligen Gassen Londons und kommt einem Verbrechen auf die Spur, das von finsteren Opiumhöhlen zu den eleganten Zimmern hoher Politiker führt … (Klappentext)

♛♛♛♛♛


"Das Blut war weit aus Bensons Halswunde herausgespritzt, quer über den Mosaik-Sinnspruch auf dem Boden. Es war in den Fugenkitt gesickert, und die Worte 'decorum est' waren nun von Bensons Blut umrahmt. 'Es ist ehrenhaft!'"
(S. 48)



Man befindet sich in London und schreibt das Jahr 1924. Der Erste Weltkrieg liegt noch nicht allzu lange zurück, doch langsam ist wieder die Hoffnung auf eine schöne Zukunft spürbar und der Alltag findet Einzug.
Auch im ehrwürdigen Gentlemen's Club namens "Britannia", dessen Mitglieder nur aus Männern der Upper Class Londons besteht, welche für das Britische Reich auf dem Schlachtfeld gekämpft haben. Dazu zählt auch der 26-jährige Eric Peterkin, dessen Vorfahre sogar Gründungsmitglied dieses Clubs war.
Doch dieser ruhige Cluballtag wird empfindlich gestört, als ein Mord in den ehrwürdigen Hallen geschieht. Ein neues Clubmitglied wird im Tresorraum ermordet aufgefunden. Alles begann mit einer Wette und endete für den armen Tropf mit dem Tod ... und Peterkin ist mitten drin, statt nur dabei, denn er zählt zu den Verdächtigen. Doch davon lässt sich der Hobbyermittler nicht aufhalten und stellt selbst Nachforschungen an. Dabei stößt er auf ein Geheimnis aus der Vergangenheit, welches den Club bis in seinen Grundfesten erschüttert.

Verdächtige gibt es von Anfang an zur Genüge. Ist es Wolf, der gegen den Ermordeten große Abneigung hegte und gegen dessen Club-Aufnahme stimmte? Ist es einer der fünf Clubpräsidenten, der das Opfer aus unerfindlichen Gründen unbedingt aufnehmen wollte? Ist es gar der leitende Inspector, welcher sich äußerst verdächtig bei den Ermittlungen verhält? Oder ist der Täter etwa ein völlig anderer, der die Bühne erst später betritt?


"Mayfair war ein wohlhabendes Viertel, und als Eric am frühen Abend eingetroffen war, hatten die imposanten Backsteinfassaden um ihn herum aufgeragt wie die Wände einer Schlucht. Jetzt war nichts mehr davon zu sehen. Die Häuser waren kaum erkennbar, dunkle Konturen jenseits der Nebelschleier, und in der Luft hing der penetrante Geruch nach Schwefel. 'Erbsensuppen-Nebel', sagten die Londoner zu diesem beklemmenden Phänomen, bei dem man kaum noch die Hand vor Augen sah."
(S. 197)



Die Story braucht etwas bis sie in Fahrt kommt und ich tat mir anfangs schwer in die Geschichte hineinzufinden und am Ball zu bleiben.
Dies lag für mich an der langatmigen Beschreibung von Nebensächlichkeiten und dem Herumspringen zwischen diesen. Doch nach den ersten 100 Seiten steigert sich das Tempo und die Nebensächlichkeiten, welche mir Anfangs um die Ohren geschmissen wurden, sind plötzlich alles andere als nebensächlich.
Wie schon erwähnt gibt es einige Verdächtige. Anfangs scheint sich jeder auf irgendeine Weise verdächtig zu verhalten und jeder scheint bei dem Mord seine Finger im Spiel zu haben.
Gemeinsam mit dem Protagonisten beobachet man, stellt Fragen und geht Hinweisen nach. Man deckt so einige Geheimnisse auf, welche die Vergangenheit betreffen und alle scheinen mit dem Mord in der Gegenwart zu tun zu haben. Dabei steigt das Tempo stetig an und es ist spannend den Entwicklungen zu folgen, denn kaum kann man einen Verdächtigen von der Liste streichen, kommt ein neuer hinzu, um am Ende mit einer überaschenden Wendung aufzuwarten.


"Die Sonne ging nun, da der November vor der Tür stand, merklich früher unter, und in London herrschte die neblige Jahreszeit. Gelblich-graue Schlieren schlängelten sich aus den feuchten Abflussgittern empor, kletterten die eisernen Laternenpfähle hinauf und ließen steif gestärkte Kragen erschlaffen. Im Inneren des Salons vertieften sich die Schatten in den Ecken, und der Lampenschein verwandelte die Sesselgrüppchen in Inseln der Diskretion."
(S. 20)



Der Schreibstil ist flüssig und klar, die Erzählweise mitreißend (zumindest nach den ersten hundert Seiten) und die Story enthält auch äußerst atmosphärische Settingbeschreibungen, welche einen in die damalige Zeit eintauchen lassen.
Der Autor weiß durchaus Spannung zu erzeugen, auch wenn diese eher ruhig daherkommt, die LeserInnen hinters Licht zu führen und zu überraschen. Kaum zu glauben, dass dies ein Debüt ist.

Doch der Roman kann nicht nur mit der ruhigen Spannung punkten, sondern auch durch den Protagonisten.
Peterkin ist ein Mann von ruhigem Gemüt, durch und durch Gentleman, gesegnet mit einer Beobachtungsgabe à la Sherlock Holmes, Kriminallektor und seine Mutter ist Chinesin. Letzteres führt dazu, dass er mit vielen Vorurteilen und Klischees zu kämpfen hat, denn Asiaten hatten zu dieser Zeit keinen guten Stand in der Londoner Gesellschaft. Auf diese Art wird das Problem des Rassenklischees thematisiert, mit dem der Protagonist zu kämpfen hat, doch es wir noch ein anderes Thema behandelt, welches in historischen Romanen/Krimis oftmals vernachlässigt wird und doch so wichtig ist. Nämlich das Thema Kriegstrauma, damals "Granatenschock" genannt und heute als posttraumatische Belastungsstörung bekannt.


"Leiche.
Dieses Wort gehörte nach draußen auf die Schlachtfelder von Flandern, nicht ins Innere des von dicken, beruhigenden Mauern umgebenen Britannia Clubs.
Eine Leiche war etwas, das vor dem Schützengraben lag und verweste, halb im Matsch versunkenzu zu nah, um es zu ignorieren, und zu weit entfernt, um es zu bergen.
Eine Leiche war ein schlaffer, im Chlorgas etrunkener Körper, der nicht mehr mit dem Kameraden zu tun hatte, der er noch fünf Minuten zuvor gewesen war. Eine Leiche war nichts, was man in den auf Hochglanz polierten heiligen Hallen des Britannia Clubs fand."
(S. 54)



Mit dem Protagonisten erlebt man Kriegs-Flashbacks, welchen einen plötzlich in den Schützengraben von Flandern katapultieren - ausgelöst durch eine falsche Berührung oder eine Autofehlzündung. Man kämpft sich mit Peterkin zurück in die Gegenwart, versucht es abzutun, um anschließend darüber zu schweigen.
Diese Art von Trauma war damals schon ein Tabuthema und ist es auch noch heute und hat daher nichts an Aktualität verloren. Zudem macht gerade die Einflechtung dieses Themas die Story und die Figuren authentisch.


"Was sie gerade erzählt hatte, ähnelte auf unangenehme Weise seinen eigenen Bildern im Kopf, die in Stresssituationen ungewollt in ihm aufstiegen. Aber eine Neurose war es deshalb noch lange nicht, redete er sich erneut ein, wenn auch mit weniger Überzeugung als zuvor."
(S. 273)



Fazit:
Anfangs hatte ich mit diesem Roman wirklich meine Probleme, doch das Durchhalten hat sich für mich gelohnt, denn danach konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Ich ermittelte und rätselte mit, hatte die ein oder andere Figur im Fokus, um dann doch alles wieder über Bord zu schmeißen und von vorne zu beginnen. Die Themen, welche in die Story eingebettet sind, vor allem das Thema der posttraumatischen Belastungsstörung, konnten mich begeistern und haben mich gleichzeitig zum Nachdenken gebracht. Dieser Kriminalroman enthält somit auch Tiefgang.
Das Ende, bzw. die Auflösung, war für mich durchaus nachvollziehbar und es blieben keinerlei Fragen offen.
Der Schluß lässt zudem auf eine Fortsetzung hoffen und wenn dieser Fall eintreten sollte, bin ich wohl eine, die sich darauf stürzen wird.

© Pink Anemone (inkl. Leseprobe und Autoren-Info)

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Veröffentlicht am 29.04.2020

Nach Jahren immer noch mein absoluter Favorit unter den Spielbüchern. Achtung - hohe Suchtgefahr!

Reiter der schwarzen Sonne
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Du bist ein Ugarith, ein Meister der Nacht, der ohne Erinnerung an Herkunft und Vergangenheit nach der Ausübung einer verhängnisvollen Bluttat erwacht. Geächtet und verfolgt musst du dir fortan den Weg ...

Du bist ein Ugarith, ein Meister der Nacht, der ohne Erinnerung an Herkunft und Vergangenheit nach der Ausübung einer verhängnisvollen Bluttat erwacht. Geächtet und verfolgt musst du dir fortan den Weg in die Freiheit erkämpfen, deine übermenschlichen Kräfte ergründen, um schließlich deine heilige Pflicht - die Begradigung des Weltenflusses - zu erfüllen ... Ob das Schicksal des Ugarith zu einem glücklichen, neutralen oder düsteren Ende gelangt, hängt jedoch einzig von deinen Entscheidungen ab - denn dies ist kein gewöhnlicher Roman, sondern ein Fantasy-Spielbuch! Reiter der schwarzen Sonne ist mit mehr als 1.350 Sektionen das größte jemals veröffentlichte Spielbuch und setzt durch seinen innovativen Umgang mit Sektionsverweisen und hohen Wiederspielwert neue Maßstäbe für das Genre. Besonders charakteristisch sind das Finden versteckter Bonussektionen, Endgegnerkämpfe im eigenen, ausführlichen Kampfkapitel und das Lösen komplexer Rätsel... (Klappentext)

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"Deine Abstammung ist zugleich dein Schicksal. Eine göttliche Bürde, die du niemals leugnen darfst!"
(S. 701)



Mit der Erstausgabe von "Reiter der Schwarzen Sonne" betrat ich bereits vor 5 Jahren das erste Mal die Welt der Spielbücher. Bis dahin war ich ausschließlich PC- und Konsolen-Zockerin, doch mit diesem Buch hat sich dies geändert.


Mittlerweile besitze ich, Dank des Autors Swen Harder, die Special Edition und somit die 8. Auflage dieses Spielbuchs. Inzwischen habe ich zahlreiche andere Spielbücher gedaddelt und bin inzwischen begeisterte Spielbuch-Gamerin.

Meine Begeisterung für dieses Spielbuch hat sich in diesen 5 Jahren nicht geändert, denn ich finde, dass dieses Buch immer noch eines der fantastischsten und komplexesten Spielbücher ist, die ich bisher gespielt habe.


"DAS ORAKEL VON KABETH! Licht und Dunkelheit, Leben und Tod - die gegenteiligen Facetten der Schöpfung. Sie scheinen unvereinbar, doch ohne das eine wäre das andere nichts..."
(S. 65)


Diese Mischung aus klassischer Fantasy und Sword & Sorcery besticht noch immer durch geniales Worldlbuilding, spannende Story und noch spannenderem Spieleerlebnis, welches einen in Kämpfe mit unklarem Ausgang verwickelt, Abenteuer erleben und auch hin und wieder über die Klinge springen lässt. Auch die Rätsel sind nicht ganz ohne und lassen das Gehirn rauchen. Hier kommt es also nicht nur auf die richtige Kampftechnik an, sondern auch auf Köpfchen.


"Es ist nunmehr Mitternacht und ein erhabener Anblick breitet sich vor dir aus: Abertausende Sterne umrahmen den Mond am kristallklaren Himmel. Fast hättest du die bittere Kälte, die sich als eisiger Frost über das Land legt, nicht bemerkt."
(S. 319)



Was mich jedoch immer noch vollends begeistern kann ist die Drachengefährtin, welche einem zur Seite steht. Mit ihr fliegt man über den Himmel und stürzt sich auch in den hohen Lüften ins Kampfgetümmel.

Das Kampfsystem, ob auf dem Boden gegen Bestien, Ungeheuer und humanoide Gegnern, oder hoch in den Lüften auf dem Rücken unserer Drachendame, ist immer noch das Einzigartigste unter den Spielbüchern und ließ mich nicht nur einmal den Atem anhalten.


"Der Koloss besteht jedoch nicht aus Fleisch, Haut und Haaren, vielmehr aus Granit, Basalt und Obsidian. In seinen Adern, die sich auf seinen steinharten Muskeln abzeichnen, pulsiert kein Blut - sondern Quecksilber! Wer auch immer dieses Ungeheuer erschuf, er verstand sein diabolisches Handwerk."
(S. 304)



Die Illustrationen von Fufu Frauenwahl sind grandios, unterstützen das eigene Kopfkino und geben dem Spielbuch den letzten Schliff. Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar, welcher einem Orte, Figuren und Begriffe dieser Welt erklärt, falls man sich noch ein näheres Bild machen möchte.

Die Specialedition der 8. Auflage beinhaltet nicht nur eine qualitativ hochwertige HC-Ausgabe mit zwei Lesebändchen, sondern auch Würfel, ein Medaillon, eine Karte in Klein-Posterformat, eine Blueray-Disc mit Soundtrack, welcher einen stimmungsvoll in die Story eintauchen lässt und ein Heftchen, das einem in so manches Geheimnis und Rätsel blicken lässt.
Der hohe Wiederspielwert ist also weiterhin unumstritten.

Mittlerweile gibt es sogar schon die 9. Auflage. In dieser wurden der Schwierigkeitsgrad und die Rätsel etwas entschärft.
Wenn man das Zeitliche segnet, muss man z.B. nicht wieder an den Anfang, sondern es wird eine Sektion genannt, bei der man unkompliziert wieder einsteigen kann.
Mich persönlich störten jedoch weder die Schwierigkeit der Rätsel, noch das ich des Öfteren wieder zum Anfang musste. Somit konnte ich nämlich neue Entscheidungen treffen und lernte neue Wege und einen neuen Storyverlauf kennen.

Um nicht im Buch herumkritzeln zu müssen, gibt es das Abenteuer-, Kampf-Blatt etc. zum Downloaden, was ich immer besonders schätze.

Fazit:
Mein Fazit und somit auch meine Begeisterung haben sich in den fünf Jahren absolut nicht geändert. Im Gegenteil!
Da ich inzwischen Vergleiche zu anderen Spielbüchern ziehen kann, bin ich noch begeisterter und kann behaupten, dass dies eines der besten Spielbücher ist, welches ich je gelesen und gedaddelt habe.
Ich hoffe ja, dass der Autor Swen Harder ein weiteres Fantasy-Spielbuch veröffentlicht und nicht "nur" an "Reiter der schwarzen Sonne" feilt. Bis dahin habe ich jedoch noch "Metal Heroes" von ihm im Regal stehen. Auch ein Spielbuch fern von 08/15 und welches in eine komplett andere Richtung als der Reiter geht.

© Pink Anemone (mit Buchtrailer, Autoren- & Illustratoren-Info, vielen Bildern aus dem Buch und Link zum Metal-Soundtrack, der mich während des Lesens begleitete)

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