Besser als erwartet
Massimo Marconi stolpert in diesem Krimi nicht nur in einen Mordfall, sondern auch in ein komplett neues Leben – und genau das macht die Geschichte so greifbar. Sein Umzug von München nach St. Peter‑Ording ...
Massimo Marconi stolpert in diesem Krimi nicht nur in einen Mordfall, sondern auch in ein komplett neues Leben – und genau das macht die Geschichte so greifbar. Sein Umzug von München nach St. Peter‑Ording fühlt sich an wie ein Sprung ins kalte Wasser: fremde Landschaft, fremde Mentalität, plötzlich Verantwortung für zwei Kinder, die er kaum kennt. Diese Überforderung ist spürbar, aber nie schwer – eher menschlich, manchmal sogar leise komisch.
Der Fall selbst überzeugt durch ein Motiv, das erschreckend aktuell wirkt. Dazu kommt eine Sprache, die leicht und natürlich fließt, mit kleinen Momenten, in denen der Humor des Autors durchblitzt. Ich mochte besonders, wie liebevoll der Norden beschrieben wird – rau, weit, ein bisschen störrisch, aber voller Charme. Als jemand, der im Süden lebt und den Norden im Herzen trägt, hat mich das sofort abgeholt.
Zwischen Ermittlungen, Familienchaos und norddeutschem Nieselregen wächst Marconi einem schnell ans Herz. Und ja: Die kulinarischen Einschübe sind gefährlich – ich habe ernsthaft überlegt, ob ich hier in München irgendwo Queller auftreiben kann, nur um diese Tagliatelle nachzukochen.
Am Ende bleibt ein Krimi, der nicht laut sein muss, um zu wirken: atmosphärisch, warm, mit einem Protagonisten, der Ecken hat und genau deshalb funktioniert. Ein sehr schöner Reihenauftakt, der Lust auf mehr macht.