Konstrukt
Sieben letzte TageDas Cover ist ohne Frage ein Blickfang. Die Kombination aus der düsteren Sanduhr, dem starken Schwarz‑Gelb‑Kontrast und dem leuchtenden Farbschnitt erzeugt sofort Thriller‑Atmosphäre. Optisch wirkt das ...
Das Cover ist ohne Frage ein Blickfang. Die Kombination aus der düsteren Sanduhr, dem starken Schwarz‑Gelb‑Kontrast und dem leuchtenden Farbschnitt erzeugt sofort Thriller‑Atmosphäre. Optisch wirkt das Buch hochwertig und modern – ein echtes Regal‑Highlight, das Erwartungen an Spannung und Dramatik weckt, die der Inhalt für mich jedoch nicht vollständig einlösen konnte.
Im Zentrum steht die Strafverteidigerin Alice Logan, deren Vater in sieben Tagen hingerichtet werden soll. Die Beziehung zu ihm ist zerrüttet: Er hat die Familie verlassen, die Mutter betrogen und Alice emotional im Stich gelassen. Als ihre Schwester sie bittet, den Fall zu prüfen, stößt Alice auf weitere Mordfälle mit identischem Muster. Der Countdown beginnt – ein Wettlauf gegen die Zeit, der Verschwörung, Zweifel und neue Hinweise miteinander verwebt.
Rutherford erzählt in kurzen Kapiteln, arbeitet mit Cliffhangern und orientiert sich klar am titelgebenden Countdown. Die Grundidee ist stark, die Struktur klassisch für Justizthriller: Schuldfrage, neue Spuren, Verdächtigungen, Enthüllungen. Doch trotz dieser Zutaten wirkt die Handlung stellenweise überladen und gleichzeitig vorhersehbar. Manche Wendungen überraschen, andere sind so auffällig vorbereitet, dass sie kaum Wirkung entfalten.
Meine Meinung:
Ich bin mit hohen Erwartungen gestartet – die Prämisse klang packend, das Cover versprach Intensität. Doch der Einstieg war für mich überraschend zäh. Die Spannung baut sich nur langsam auf, und der Mittelteil zieht sich spürbar. Viele Nebenfiguren bleiben blass, Dialoge wirken teils hölzern, und einige Entwicklungen fühlten sich konstruiert an. Dadurch fiel es mir schwer, emotional einzutauchen oder echtes Mitfiebern zu entwickeln.
Alice selbst ist jedoch ein Lichtblick: menschlich, widersprüchlich, kämpferisch. Ihre innere Zerrissenheit und ihr moralischer Konflikt sind glaubwürdig und tragen die Geschichte. Gerade ihre Hartnäckigkeit und Unvollkommenheit machen sie interessant. Leider reicht diese starke Hauptfigur für mich nicht aus, um die erzählerischen Längen und die kühle Atmosphäre vollständig auszugleichen.
Das Ende war mir persönlich zu glatt und zu versöhnlich – fast ein Bruch zu der düsteren Ausgangslage. Ein mutigeres, offeneres Finale hätte dem Roman mehr Nachhall verliehen.
Fazit:
Sieben letzte Tage hat eine starke Grundidee, eine eindrucksvolle Protagonistin und ein optisch herausragendes Cover. Doch der Thriller verliert sich für meinen Geschmack zu oft in Längen, konstruierten Wendungen und einer distanzierten Atmosphäre. Die Spannung bleibt über weite Strecken verhalten, und die emotionale Tiefe, die das Thema eigentlich hergeben könnte, wird nicht vollständig ausgeschöpft.