Viel drum, aber wenig Tiefe
Sieben Tage im JuniSieben Tage im Juni war für mich ein Buch, in das ich mit einer Mischung aus Neugier und hohen Erwartungen gestartet bin. Die Prämisse klang nach genau der Art Geschichte, die mich normalerweise sofort ...
Sieben Tage im Juni war für mich ein Buch, in das ich mit einer Mischung aus Neugier und hohen Erwartungen gestartet bin. Die Prämisse klang nach genau der Art Geschichte, die mich normalerweise sofort packt: zwei Autor*innen, eine gemeinsame Vergangenheit, viel unausgesprochene Spannung. Und tatsächlich gibt es Momente, in denen ich richtig in der Geschichte versunken bin – besonders dann, wenn Eva und Shane aufeinandertreffen und man spürt, wie viel zwischen ihnen unausgesprochen geblieben ist.
Was mich am meisten berührt hat, war Evas Umgang mit ihrer Migräne. Da steckt so viel Realität drin, so viel Belastung, die oft unsichtbar bleibt. Diese Passagen fühlten sich für mich unglaublich authentisch an und haben dem Roman eine Tiefe gegeben, die ich mir an anderen Stellen öfter gewünscht hätte. Auch die Beziehung zwischen Eva und ihrer Tochter hat mich immer wieder zum Lächeln gebracht – warm, lebendig, liebevoll.
Trotzdem hat mich das Buch nicht so mitgerissen, wie ich es mir erhofft hatte. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Geschichte zu viel will: zu viele Themen, zu viele Nebenhandlungen, zu viele Figuren, die alle gleichzeitig Raum beanspruchen. Dadurch verliert sich die eigentliche Liebesgeschichte manchmal im Hintergrund. Und gerade die Chemie zwischen Eva und Shane – die ja das Herzstück sein sollte – hat für mich nicht durchgehend funktioniert. Ich habe nicht immer gespürt, warum diese sieben Tage damals so lebensverändernd gewesen sein sollen.
Auch stilistisch war ich zwiegespalten. Der Schreibstil ist leicht und flüssig, man kommt gut voran. Gleichzeitig gab es Passagen, die mir zu überladen oder zu sprunghaft waren, sodass ich emotional nicht so tief eintauchen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Manche Szenen wirkten fast wie kleine Inseln, die nicht ganz miteinander verbunden sind.
Am Ende bleibt für mich ein Roman, der viel Potenzial hat und in einzelnen Momenten wirklich glänzt – aber nicht konsequent genug, um mich vollständig zu überzeugen. Ich hatte schöne Lesemomente, aber auch solche, in denen ich gedanklich abgeschweift bin.
Für mich sind es deshalb solide 3 von 5 Sternen: ein Buch mit Herz, wichtigen Themen und starken Szenen, das aber nicht die emotionale Wucht entfaltet, die ich mir erhofft hatte.